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 Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort

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Seraphim

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BeitragThema: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   Sa 25 Okt 2014 - 12:12

In einer recht zentral gelegenen Seitenstraße, nicht besonders weit entfernt von Treffpunkten wie Hanibis Café, befindet sich die Wohnung des weißhaarigen Dragonslayers im obersten Geschoss eines Mehrfamilienhauses. Am dazugehörigen Türschild an der Eingangstür prangt in schlichten, neutralen Lettern das Wort "Seraphim" und von einem Klingelton kann man unten auch nichts vernehmen, da dieser keine durchdringende Glocke, sondern viel mehr ein Klangholz darstellt. Hat man die Treppen erst einmal hinter sich gelassen, steht man vor einer schlichten, schwarzen Tür, die weder verziert ist, noch ein zusätzliches Namensschild trägt. Die Wohnung an sich ist genau nach den Vorzügen ihres Bewohners eingerichtet, schlicht, aber dennoch eindeutig seine Verehrung für die Drachen widerspiegelnd. Zuerst einmal wird auffallen, dass alle Wände sowie Decken seiner Wohnung in marmoriertem, beinahe geschupptem, schwarz gehalten sind, mit Ausnahme des Bads, in welchem die dominierende Farbe tatsächlich weiß ist. Der Fußboden ist in jedem einzelnen Raum in schwarz gehalten, auch wenn es in Bad und Küche Fliesen, im Schlafzimmer Teppich und im Rest Laminat ist. Direkt gegenüber der Tür befindet sich der wohl größte Raum, der als Wohn- und Esszimmer genutzt wird und neben einem flachen Tisch ein geschätzt uraltes Sofa beherbergt, das zwar ein wenig abgewetzt, aber nichtsdestotrotz sauber aussieht. Im Hintergrund kann man durch ein Fenster direkt auf die Straße sehen. Neben der Tür befindet sich eine kleine Küche, wiederum rechts davon das Bad, welches ebenso klein gehalten ist. Am Ende des kleinen Flurs bleibt noch das Schlafzimmer des Magiers, welches direkten Anschluss an das wahre Herzstück der Wohnung hat: Die Terrasse, die direkt ins Dach eingelassen ist, ist durch eine verglaste Schiebetür zugänglich und gut doppelt so groß wie das Wohnzimmer, teilweise überdacht und mit einem hüfthohen Geländer versehen. Wie der Rest der Wohnung befindet auch sie sich in meist tadellosem Zustand, wirkt, während der Rest beinahe ein bisschen steril scheint, jedoch durch die Pflanzen beinahe heimisch. Schmutz findet man tatsächlich nirgends, selbst die Spüle der Küche ist immer leer.

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Naomi

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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   So 26 Okt 2014 - 22:04

Es war ein wundervoller Morgen. Naomi hatte ausnahmsweise Mal wenig zu tun. Nun gut, dafür hatte sie den gestrigen Tag gearbeitet wie nichts Gutes. Ein herrlicher Wind wehte und dazu schien ein bisschen die Sonne, das bekam ihrem Garten gut. Wieder saß sie am Frühstückstisch, als ihr Vater einen Brief für sie hereinbrachte. Dieser Umschlag, es war wie bei der Letzten Quest, die sie gemacht hatte. Lustig war sie gewesen, sollte es wieder eine sein? Konnten diese Leute einen nicht einmal etwas früher warnen, bevor sie meinten, einen loszuschicken. Den Brief entgegennehmend seufzte sie. Hastig überflog sie den Brief und grinste dann. Das war doch ein Scherz. Am ende des Briefes stand: Da sie für die Questleitung empfohlen wurden, bitten wir sie einen Partner auszuwählen. Verfügbar sind folgende Gildenmitglieder: Seraphim. Die Wahl war erdrückend und er wäre eh der einzige der Gilde gewesen, von dem sie wusste, wo er wohnte. Nun gut, scheinbar war man mit der Arbeit der Beiden in Naomis erster Quest zufrieden gewesen. Seraphim und sie hatte eine Art Verständnis füreinander entwickelt auch wenn oder eher besonders, weil sie so verschieden waren. Als sie einem Nachbarn beim Plausch über den Gartenzaun davon erzählte, hatte dieser gemeint, sie würde von einem Verwandten berichten. Nein das tat sie nicht, allerdings vermied sie es den Namen des Dragonslayers zu verwenden. Fast glaubte sie, dass es ihm peinlich wäre, wenn er als Kinderliebhaber bekannt werden sollte. Besonders, weil sie erfahren hatte, dass er Kinder nicht leiden konnte. Also packte sie an diesem Morgen wieder ihre Tasche, machte sich etwas zu essen und verabschiedete sich von ihrem Vater. Erneut meldete sie der Nachbarin ihre Abwesenheit. Immerhin konnte man nie wissen, wie lang die Aufgabe sie diesmal aufhalten würde. Das Ziel war Hoseka Town. Dort war sie gewesen, um das Kirschblütenfest zu besuchen, deshalb wusste sie, sie würden wieder mit dem Zug fahren müssen. Mit Seraphim Zug zu fahren war immer ein Erlebnis, aber wahrscheinlich je nach seiner Laune amüsant oder eher nicht. Nun würde sie erst mal zu Hanabis Café gehen, dies hatte er ihr als Anhaltspunkt dafür gegeben, wo man ihn zu finden konnte. Das Café kannte jeder in dieser Stadt und es war nicht weit und deshalb war sie schnell dort. Bald konnte sie eine der Kellnerinnen auf sich aufmerksam machen und nach der Wohnung des Gesuchten. Sie war dabei sogar freundlich, eigentlich hatte sie erwartet, dass irgendwelche komischen Bemerkungen fallen würden, denn es war sicher höchst selten, dass jemand so junges wie sie zur Wohnung des Frauen- und Männerschwarms kam. Dankend verneigte sie sich und ging den Weg, der ihr beschrieben wurde. So kam sie zur Tür, wo sie ein Schild mit der Aufschrift „Seraphim“ fand. Es war also sein Nachname, er klang allerdings wie ein Vorname. Dann würde sie ihn fragen, um herauszufinden, wie er mit Vornamen hieß. Mit einem zarten Finger drückte sie auf die Klingel und war gespannt, wie lange es dauerte, bis die Tür geöffnet würde. Ob sie überhaupt geöffnet würde, denn der Magier verbrachte seine Zeit nicht oft im eigenen Bett. Naomi bete still, dass er zu Hause war, er musste einfach, sie konnte nicht erst Oshibana nach ihm absuchen. Wobei, sie konnte dann auch einfach hier auf der Türschwelle sitzen bleiben und warten. Es war nicht einmal möglich festzustellen, ob die Klingel funktioniert hatte. Erneut klingelte sie und wartet darauf, dass ihr geöffnet würde.
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Seraphim

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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   So 26 Okt 2014 - 22:05

Ein wunderbarer Morgen traf es recht gut, auch wenn man den jungen Mann fragte, der heute nicht ganz so früh munter war, wie das fleißige kleine Mädchen mit den blonden Haaren, welches ihn schon bald aus dem Bett klingeln würde. Tatsächlich befand sich der weißhaarige Dragonslayer noch in genau diesem, auch wenn die dunkelrote Bettdecke ihn nicht mehr besonders zuverlässig bedeckte. Die Schiebetür zur Terrasse war wie am Vorabend immer noch ein Stückchen geöffnet, sodass der frische Morgenwind über seine blasse Haut strich, aber ihn nicht genug frösteln ließ, um ihn aus seinem dösigen Halbschlaf aufzuschrecken. Dafür war es außerdem hier viel zu behaglich, denn nicht nur mit seiner Körperwärme hatte sich die Decke über Nacht vollgesogen, sondern auch mit der der zierlichen Gestalt, deren lange braune Haare wie ein Teppich über das Kissen fielen, in dessen himmlische Weichheit sie über Nacht eingesackt war. Auch wenn andere Gerüche den leichten Hauch nach Veilchen nun zum größten Teil überdeckten, so konnte er ihn selbst im Halbschlaf noch deutlich wahrnehmen und grinste in den Stoff des Kissens hinein. Vorsichtig streckte er eine Hand aus und strich über die ebenso unbedeckte Schulter das Rückgrat hinunter, aber außer einem leichten Erschaudern regte sich nichts, sodass er daraus schlussfolgerte, dass sie wohl noch schlafen würde. Aber nun einmal zum Wesentlichen: Wer war die junge brünette Frau eigentlich, die da neben dem Dragonslayer friedlich vor sich hin schlummerte? Es sei versichert, dass sie keinen Grund dazu hatte, ihren wohl verdienten Schlaf nicht zu genießen, denn Cyrus hatte nicht einmal vor, sie nach dem Aufwachen mit Spötteleien und Gemeinheiten aus der Wohnung zu schmeißen. Kaori - so lautete der Name des Veilchenmädchens - arbeitete lustigerweise in genau dem Café, in welchem Naomi noch vor wenigen Minuten nach seiner Adresse gefragt hatte und war wohl eine der Ausnahmefälle, die man aber auch an zwei Händen abzählen konnte. Einer der Ausnahmefälle, die der Dragonslayer länger als eine Nacht in seiner direkten Nähe duldete, was man aber wohl nicht mit emotionaler Verbundenheit gleichsetzen durfte. Es war ihm egal, was Kaori dachte und was es in ihrem Herzen anrichtete, wenn sie genau wusste, wie er dachte. Es reichte ihm, dass sie tolerant genug war, um seinen Lebensstil zu akzeptieren; zudem er sicherlich zwischen Personen differieren konnte, mit denen es Spaß machte und die man besser nie wieder anrühren sollte. Zu welcher Gruppe Kaori da zu zählen war, war somit eigentlich klar. Er wollte gerade leicht in ihr Ohr pusten, um sie aufzuwecken, als ein hölzernes Geräusch die Stille des herrlichen Morgens durchbrach. Ja, Cyrus' Klingel durfte den Namen eigentlich nicht tragen. Weil er ein scharrendes oder klingelndes Geräusch nicht besonders leiden konnte, hatte er dafür gesorgt, dass stattdessen ein wärmerer und nicht so durchdringender Klingelton an seine Stelle gesetzt wurde. Es klongte also mehr durch die Wohnung und Kaori drehte sich unruhig um, sodass ihr entspanntes Gesicht nun ihm zugewandt war, aber auch dadurch erwachte sie nicht. Leicht schlaftrunken setzte sich das Weißhaar auf, streckte sich und bewegte sich dann gemächlich aus der Wärme des Bettes, um sich nach etwas auf dem Boden zu bücken und es - während er zur Tür tapste, überzuziehen. Er hatte keine Ahnung, wer sich um Himmels Willen gerade bemüßigt fühlte, ihn davon abzuhalten, einen Nachschlag zu ordern, aber vielleicht hatte diese Person ja einen akzeptablen Grund, wer wusste es schon? Ein Gähnen unterdrückend presste er den Knopf der Gegensprechanlage und brummte ein "Mmh?" ins Mikrophon, ein Zeichen, dass er zwar zuhörte, aber auch nicht sinnloserweise belästigt werden wollte. Na ja, immerhin ein Lebenszeichen, nicht wahr?

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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   So 26 Okt 2014 - 22:06

Sie hatte schon etwas gewartet und eigentlich wollte sie gerade gehen als ein mehr oder minder waches Murmeln aus der Gegensprechanlage zu hören war. Die Ohren der Magierin stellten sich auf als sie die bekannte, etwas verschlafene Stimme erkannte. "Guten Morgen Seraphim-sama", sie sprach betont ruhig, um nicht zu schrill die Ohren des scheinbar gerade erwachten zu quälen. Gerne erinnerte sie sich an das letzte Mal als sie ihn so erlebt hatte war sie in den Genuss einige Zeit mit ihm zu kuscheln. Dass er zu Hause war, schien ein gutes Zeichen und irgendwie freute sie sich sogar darauf ihn wiederzusehen. "Ich bin's Naomi. Es tut mir wirklich leid, dass ich dich schon wieder so früh aus dem Bett werfe, könnte ich rein kommen?" Ihre Gedanken streiften zurück, vielleicht hätte sie ihm in dem Café einen Kaffee kaufen sollen, aber so was fiel einem immer erst später ein. Allerdings hoffte sie inständig, dass der Dragonslayer noch etwas von seinem Wohlwollen für sie übrig hatte. Sicher war sie sich nicht, auch wenn sie nach der letzten Mission ein eigentlich recht gutes Verhältnis zu dem älteren Magier hatte. Allerdings war dies eine trügerische Empfindung, weil man nie wissen konnte, was im Kopf des jungen Mannes vorging. Dass sie ihn tatsächlich zu Hause antraf und er nicht in irgendeinem fremden Bett nächtigte, war schon ein Wunder allein. Irgendein unverständliches Brummeln kam aus der Sprechanlage und die Tür ließ sich endlich öffnen. Dann stand sie vor einer langen Treppe. Ein Blick nach oben zeigte ihr, dass es ganz schön lange dauern konnte, bis sie oben war, allerding wollte sie sich beeilen. Die erste Treppe konnte sie noch recht zügig zurücklegen, die zweite verursachte ihr Seitenstechen, weswegen sie die dritte mehr schlich. Die Vierte Treppe war wieder etwas einfacher doch am Ende der fünften war sie gänzlich ermüdet. Irgendwie würde sie sich nicht vorstellen können so hoch oben zu wohnen. Schwer holte sie Luft und ließ sich auf die letzten Stufen sinken. Da oben an der Tür ohne Namen würde sie wohl Klopfen müssen, aber dafür war ihr Ärmchen noch zu kurz. Mühselig quälte sie sich die letzten Stufen hinauf und gerade als sie klopfen wollte öffnete sich die Tür und wer stand dort? Seraphim. Doch irgendwas war anders als letztes Mal, ach ja er hatte recht wenig Kleidung an. Eigentlich nur die Shorts zum Schlafen. Nichts besonderes, eigentlich hatte sie ihn ja schon einmal so gesehen, aber nun so nach oben blickend sah das doch irgendwie anders aus. "Guten Morgen Seraphim-sama ich brauche deine Hilfe", meinte sie und richtete sich müde auf. Eigentlich war sie fit in den Tag gestartet, aber einige Treppen hatten dies im nu zu Nichte gemacht. Nun sollte sie ihm vielleicht unterbreiten wieso sie ausgerechnet seine Hilfe brauchte. Noch einmal holte etwas Luft um zu Atmen zu kommen und sagte dann: "Ich habe eine Quest angenommen in der ich hübsche Frauen retten muss, kann sie aber nicht alleine machen und ich wollte dich bitten, mir beizustehen." Mit der Hilfe des Dragonslayers würde es sicher um einiges einfacher gehen immerhin sollte er, ihrer Meinung nach recht stark sein, außerdem kannte sie ihn schon ein bisschen und er kannte sie, das war eigentlich noch wichtiger an der Sache. Der junge Mann kannte ihre Unzulänglichkeiten und es hatte sich herausgestellt, dass sie sich eigentlich recht gut verstanden und ergänzten. Sie hatten sogar einen Dreckwasseranschlag überstanden ohne jemanden umzubringen, auch wenn Seraphim sicher kurz davor gewesen war, der Frau an die Gurgel zu gehen. Allerdings hatte er darauf verzichtet. Entweder, weil es ihm zu ekelhaft gewesen wäre oder einfach aus Rücksicht auf seine noch so junge Begleitung. Freundlich blinzelnd wartete sie auf die Antwort des Dragonslyers und innerlich betete sie, dass er ja sagte, denn wenn nicht würde sie wohl mit einem gänzlich Fremden gehen müssen und dann hatte sie auch noch die Verantwortung. Nein eines war ihr klar, die Verantwortung für Seraphim zu haben, das war besser als für einen Unbekannten.


Zuletzt von Naomi am Di 28 Okt 2014 - 17:49 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   So 26 Okt 2014 - 22:07

Mhh... und kaum hatte er seine sehr euphorische Begrüßung hinter sich gebracht, ertönte tatsächlich eine ihm bekannte Stimme, auch wenn er einen Moment brauchte, um zu registrieren, wer genau das denn war. Er kannte so viele Frauenstimmen, da war es beinahe schon schwer, sich ein Gesicht dazu zu merken, die meisten Namen waren ihm ja sowieso egal. Dennoch klang diese Stimme zu jung, um zu so jemandem zu gehören, viel zu... Naomi! Er hatte bereits eine Quest mit dem kleinen blonden Mädchen abgeschlossen, daran konnte er sich noch relativ genau erinnern. Wohl vor allem, weil sich herausgestellt hatte, dass sie, obwohl sie erst vierzehn war, doch schon erstaunlich erwachsen schien und weil sie wohl eine der wenigen weiblichen Wesen war, die sich tatsächlich ohne Probleme in seiner Gegenwart bewegen konnten. Sie war zu wenig kindisch, um einfach ignoriert zu werden und zu unreif, um Kaori Gesellschaft zu leisten. Zudem hatte sie schnell begriffen, dass man mit ihm umgehen konnte, wenn man es nicht am nötigen Respekt mangeln ließ, weswegen die beiden ein doch sehr... harmonisches Duo bildeten. Aber gut. Er brummte ein "Meinetwegen" ins Mikrofon und entsperrte dann die Tür unten, ehe er die schwarze Haustür öffnete und sich immer noch etwas schlaftrunken in den Rahmen lehnte. Oh ja, er trug wohl tatsächlich genau ein Kleidungsstück, aber das kannte Naomi doch schon - und nein, das hatte nur etwas damit zu tun gehabt, dass die beiden auf ihrer letzten Quest hatten übernachten müssen - aus keinem anderen Grund hatte er sich bis auf die Unterwäsche entkleidet. Er hatte zwar beunruhigend wenig Schamgefühl in dieser Hinsicht, aber richtiggehend exhibitionistisch war er dann doch nicht und erst recht nicht vor einem Mädchen, das er aufgrund ihres jungen Alters nicht anrühren würde. Aber auch die Tatsache, dass er so spärlich bekleidet auf das Mädchen wartete, ließ das Bild, das sich Naomi bot, sicherlich nicht hässlicher werden - Welch ein Jammer, dass sie sich nicht für so etwas interessierte. In jedem Falle kam sie dann nach erstaunlich langer Zeit die Treppen hoch gekrochen, denn so kaputt wie sie aussah, war das schon länger kein gehen mehr. Ja, er wohnte tatsächlich im fünften Stock, aber so ein paar Treppen sollten doch selbst für sie ein Kinkerlitzchen sein... oder offenbar auch nicht. "Yare Yare Naomi-chan~ Du erkältest dich da unten auf dem kalten Boden noch~", begrüßte er sie mit spöttischem Unterton in der Stimme und beobachtete die letzten paar Meter Herangeschlurfe, ehe sie sich wieder in eine halbwegs aufrechte Position brachte und ihn aus ihren braunen Augen anblickte.
Der Grund, warum sie ihn so früh am Morgen gestört hatte, folgte auf dem Fuß und sorgte recht schnell dafür, dass seine linke Augenbraue in die Höhe schoss. Naomi wollte schöne Frauen retten, ja? Die Formulierung war irgendwie dermaßen naiv, dass sie ihn zum kichern brachte, allerdings auch dazu, dass es ihn neugierig machte. Cyrus war weder der Typ für euphorische Reaktionen, noch jemand, der sich durch Naturalien allzu leicht bestechen ließ, aber es war sicherlich nicht schlecht, wenn man schon so etwas in Aussicht gestellt wurde. Allerdings war er auch nicht der Typ für waghalsige Rettungen und ehrlich gesagt ging es ihm bei Rettungsaktionen nie um das Wohl der zu Rettenden, sondern nur um sein eigenes und seine Belohnung. In jedem Falle sollte er hier nicht wie ein Gaffer herumstehen, sondern sie vielleicht hereinbitten und ihr eine Sitzgelegenheit anbieten. "Komm doch rein, Naomi-chan und erzähl mir mehr über deine Quest~", säuselte er und trat zur Seite, sodass Naomi nicht nur hinein gehen konnte, sondern auch freie Sicht auf das Wohnzimmer hatte. Die Tatsache, dass da eine nackte Frau in seinem Schlafzimmer schlummerte, hielt ihn sicher nicht davon ab, Naomi ebenfalls in seine Wohnung zu lassen. "Ich müsste – sollte ich mich entscheiden, dir zu helfen – sowieso noch duschen und gefrühstückt habe ich auch noch nicht… magst du Waffeln?" Es stimmte wohl, dass Cyrus selten nur schnödes Müsli oder ähnliches zu ebenjener Mahlzeit zu sich nahm, viel eher backte oder briet er sich irgendetwas leckeres, meistens auch süßes. Heute hatte er Waffeln vorgesehen gehabt und den Teig sogar schon fertig, aber bevor er dazu gekommen war, sie sich zu machen, hatte ihn Naomi ja gestört. Wobei, hätte sie ihn auch eine Stunde später besucht, dann hätte er vielleicht auch noch nicht damit angefangen, je nachdem ob… aber egal. Er wartete, bis sie eingetreten war und schloss dann sorgfältig die Tür hinter ihr, um leicht unschlüssig über das blaue Symbol Blue Pegasus‘ auf seiner rechten Brust zu kratzen und dann mit der Hand in Richtung Wohnzimmer zu deuten. "Machs dir bequem…"

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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   So 26 Okt 2014 - 22:08

Als er sie so leicht spöttisch ansprach, musste sie leicht grinsen. Als würde er sich wirklich Sorgen darum machen, dass sie sich irgendwas wegholen würden. Als sie sich hingestellt und ihn von ihrem Vorhaben berichtete hatte, bat er sie rein. Sie sollte ihm näher erzählen, worum es ging. Dafür ging sie an ihm vorbei und ließ kurz den Blick schweifen. Ein leichtes Lächeln kräuselte ihre Lippen, irgendwie schien alles hier etwas Besonderes zu sein, nur konnte sie sich nicht erklären wieso. Es war ja nur eine Wohnung. Allerdings hing überall der Geruch von frischem Wind in der Luft, das mochte Naomi sehr. So wie sie Seraphim kannte, war das nur normal für ihn. Dann meinte er, dass wenn er sich dazu durchringen könnte, mitzukommen müsste er eh erst duschen und Frühstück machen. "Ja ich liebe sie, ich kann dir das mit den Waffeln auch abnehmen und du kannst dann einfach etwas länger duschen", war so ein passabler Vorschlag, und selbst wenn er ablehnte, keine schlechte Idee. Hatte sie nicht eh versprochen, sich mal bei ihm in die Küche zu stellen? Doch bevor sie noch weiter über Ja oder Nein nachdenken konnte, meinte er, sie solle es sich bequem machen. "Danke Seraphim-sama", da erinnerte sie sich, sie wollte doch nach seinem Namen fragen: "Sag mal, wie heißt du eigentlich mit Vornamen?" Den Namen Seraphim fand sie zwar wundervoll, aber irgendwie war es ihr doch wichtig zu erfahren, wie er wirklich hieß. Der Engel mit dem teuflischen Gemüt. Lächelnd stand sie vor ihm und sah ihm mit den Bernsteinaugen an. Im Vergleich zu den hübsch violetten Augen des anderen Magiers waren sie zwar mehr als gewöhnlich, aber ihr ging es an diesem Morgen besonders gut. Es tat eigentlich recht gut wieder mal von zu Hause raus zu kommen und nun bekam sie dadurch auch noch die Gelegenheit einen bereits sehr gemochten Menschen wieder zu sehen, der ja eigentlich keiner war. Zumindest hatte er das bei ihrem ersten Treffen behauptet. Außerdem würde es Waffeln geben und bei einer Mission, die besagte hübsche Frauen zu retten würde, er sicherlich nicht Nein sagen können. Nach dem sie auf ihrer letzten gemeinsamen Quest so einige nicht so ansprechende Exemplare angetroffen hatten. Während sie auf die Antwort wartete, hatte sie sich vorsichtig die Schuhe ausgezogen, irgendwie hatte sie Angst etwas zu verdrecken, wenn sie mit Schuhen eintrat, was eh nicht besonders höflich war. Danach schwebte sie, gerade vor positiver Energie nur so strahlend ins Wohnzimmer, wandte sich zu Seraphim um und lächelte Engelsleich: "Nun denn, ab unter die Dusche Seraphim-sama." Während sie sich wieder zurückdrehte, hatte sie doch durch einen Türspalt einen braunen Schopf und ein Gesicht gesehen? Himmel war der Kerl nicht alleine, was für eine Peinlichkeit. Diese sollte am besten schnell vergessen werden. Nein das war alles nur eine Einbildung. Vorsichtig und auf Katzenpfoten tappste sie zum Sofa und ließ sich darauf nieder. Herrlich kuschlig, zumindest empfand sie die so und es roch genauso herrlich wie der Rest der Wohnung. Vorsichtig legte sie ihren Kopf auf die Lehne nieder und atmete tief ein. Ihre Nase war erfüllt von diesem Hauch, wie damals als sie den Morgen mit Seraphim verbracht hatte, ja das war wirklich toll gewesen. Niemandem dem sie von ihrem ersten Abenteuer erzählt hatte, hatte sie davon berichtet. Eigentlich hatte sie alles sehr neutral gehalten, es schien ihr wie ein kleiner Schatz zu sein, den sie für sich behüten wollte. Nun gut vielleicht war das ein bisschen kindisch, aber es wärmte sie von innen heraus zumindest die Illusion davon zu haben, dass es jemanden gab, der sie mochte, ohne mit ihr verwandt zu sein. Wenn sie wüsste, dass es eigentlich nur war, weil sie irgendwann älter werden würde, wäre sie wahrscheinlich deprimiert, aber noch war es nicht an der Zeit, ihr das kleine Herz zu zerquetschen.

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Zuletzt von Naomi am Di 28 Okt 2014 - 17:50 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   So 26 Okt 2014 - 22:09

"Kluges Engelchen~", säuselte Cyrus, nachdem sie gefragt hatte, wie er denn mit Vornamen heißen würde. Es mochte albern klingen, aber nicht viele kamen darauf, dass Seraphim unter Umständen der Familienname des jungen Mannes sein könnte, auch wenn es doch unten ganz offen auf der Tür stand. Cyrus war der letzte Überlebende seiner Familie, da konnte er sich ohne größere Probleme mit seinem Nachnamen ansprechen lassen, nicht wahr? Zudem hatte er ja sowieso eine Schwäche für Symbolik und dieser Name bedeutete etwas so himmlisches, dass es eigentlich schon albern war. Genauso albern wie die altbekannte Tatsache, dass der Himmels Dragonslayer nun einmal heilen konnte und Cyrus es nicht nur nicht tat, sondern es ebenso nicht bekannt machte. Es wussten vielleicht eine Hand voll Menschen von dieser Fähigkeit und nur einen davon hatte er je freiwillig geheilt, Naomi gehörte nicht dazu. Wie sie wohl darüber denken würde? War ja auch recht egal, die Wahrscheinlichkeit, dass sie es so schnell mitbekommen würde, war recht gering. Auf ihrer letzten Quest hatte er genau einmal gezaubert und das auch nur, um einen der ihren Zauber auseinander stieben zu lassen. Aber zurück zu seinem Namen - seinem ersten Vornamen. Cyrus. Lustigerweise war auch dieser so wahnsinnig hoch gestochen wie der Nachname, wenn man sich denn mit den Bedeutungen von Namen auskannte. Entweder er bedeutete "Sonne", "Herrscher" oder "der Starke"... auch nicht schlecht, oder? Dennoch fand er es amüsanter, wenn die Menschen Seraphim für seinen Vornamen hielten und er innerlich über sie grinsen konnte. Es gab wiederum nur sehr wenige Menschen, die ihn nach seinem Vornamen fragten und Naomi hatte es getan - da würde er ihr diese Information sicherlich nicht vorenthalten. "Cyrus.~", lächelte er und streckte sich erneut, schließlich war es noch nicht besonders lange her, dass er dem Bett entsprungen war. "Mh... ich nehme an, dass ich die Waffeln besser mache... oder weißt du, wo mein Waffeleisen steht?", grinste er und strich sich selbst über den heute mal nicht verspannten Nacken. Warum sollte er auch unter Verspannungen leiden, wenn man doch Menschen hatte, die diese für ihn beseitigen konnten? Er sollte sich davon abgesehen mal überlegen, wie man solche Dinge per Magie erledigen konnte, das konnte doch eigentlich nicht ganz so schwer sein, oder? Das Waffeleisen übrigens stand oben auf einem der Schränke, da würde Naomi sicherlich schlecht dran kommen. Also müsste er wohl wirklich noch duschen und sich etwas mehr anziehen. er hätte zwar sicherlich kein Problem damit, genau so, wie er von Gott geschaffen worden war, durch die Stadt zu rennen, aber seine Mitmenschen würden das nicht besonders angenehm finden. Obwohl, wer wusste das schon? Aber es wäre sicherlich unschön kalt, nicht wahr?
Moment... ab unter die Dusche? *Für wen hält sie sich eigentlich? Meine Mutter?!* Nein, so etwas kam nun einmal nicht gut bei jemandem an, der so auf die eigene Überlegenheit und Dominanz gepolt war wie das Weißhaar, weswegen er die Augenbraue hochzog und "Man könnte meinen, du seist hier die Hausherrin..." spöttelte, ehe er sich gemächlich umdrehte und mit einem Gähnen ins Bad verschwand. Hoffentlich hatte Naomi verstanden, dass er es nicht dulden würde, wenn sie ohne seine Aufsicht in seiner Küche hantieren würde, ehrlich gesagt traute er Kindern in dieser Hinsicht nicht und selbst wenn er wusste, dass sie ihren Vater regelmäßig bekochte, so war das kein Garant. Es war ihm übrigens vollkommen wurscht, ob Naomi bemerkte, dass da eine unbekleidete Frau auf seinem Bett ruhte oder nicht, wäre es ein Kerl gewesen, dann hätte er vielleicht wenigstens die Tür geschlossen. Aber Naomi war ein Mädchen, dieser Anblick dürfte ihr also nichts brechen - oder hatte sie noch nie eine erwachsene Frau gesehen? Na ja, aber ehrlich gesagt war ihm das vollkommen schnuppe.
Das Wasser, das seinen Körper entlang perlte, tat nicht nur gut, sondern wusch auch alle fremden Gerüche und Substanzen fort, die da vielleicht aufzufinden waren. Tatsächlich besaß der Dragonslayer entgegen mancher anderer Erwartungen nur eine Dusche und keine Badewanne - hier war wohl vor allem das Praktische an beidem zu erwähnen.... aber das sollte hier nicht weiter aufgeführt werden. Es könnte ja reichen, festzustellen, dass so eine Kachelwand im Rücken sicherlich sehr... kalt... war. Genau. Kalt. Das Wasser jedenfalls war angenehm warm und tropfte bereits nach den wenigen Minuten, die er unter der Dusche verbrachte, in regengussartigen Strömen aus seinen weißen Haaren gen Boden. Einige Minuten später schlenderte er frisch gewaschen aber leider fast vollkommen unbekleidet aus dem Badezimmer in sein Schlafzimmer, in dem Kaori noch immer schlief und kramte sich Sachen heraus, sodass er nach kurzer Zeit in weiter schwarzer Hose, schwarzem Shirt und weißer Kapuzenjacke wieder auftauchte und sich erst einmal in Richtung Wohnzimmer bewegte. Er wollte nun erst einmal wissen, was es mit dieser Quest auf sich hatte, ehe er irgendetwas aß... ohne zu fragen, fläzte er sich auf das andere Ende des Sofas und fragte: "Und was ist nun mit dieser Quest? Die bisherigen Informationen scheinen sie zwar lohnenswert zu machen, aber das muss ja nichts heißen."

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Zuletzt von Seraphim am So 26 Okt 2014 - 22:14 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   So 26 Okt 2014 - 22:13

Kluges Engelchen? Das war wirklich neu. Nun gut, so unschuldig, liebevoll und fröhlich wie sie immer durch die Gegend wandelte konnte man wohl dazu kommen, sie als Engel zu sehen. Vielleicht sogar etwas mehr, wenn man wusste, dass sie sich gerne für andere aufopferte und das auch mit sehr viel Fürsorge. Irgendwie mochte sie den neuen Kosenamen. Bereits bei ihrer ersten Quest war deutlich feststellbar, das die beiden wie Tag und Nacht waren, wobei man Naomi wohl eher den Tag zusprechen würde. Auf ihre Frage hin antwortet er, dass sein Name Cyrus sei. Cy-rus, das musste man sich kurz auf der Zunge zergehen lassen. Ein recht hübscher, aber doch irgendwie eigenwilliger Name. Kurz und gut, irgendwie war er passend für einen doch sehr besonderen Magier. Ein allgemeingültiger Name, den jedermann hatte, der wäre nichts für ihn. Auf ihre doch etwas zu herrische Anweisung hin ins Bad zu gehen witzelte er, dass sie sich aufführe, als wäre sie die Hausherrin. Das brachte sie ebenfalls zum Lachen: "Nein niemals, dann müsste ich ja zu Hause ausziehen, nö das lass ich lieber sein. Mal ganz davon abgesehen, dass ich dir dann tierisch auf den Keks gehen würde." Während er wirklich ins Bad ging, vergrub sie ihr Gesicht in dem weichen Sofa. Das leichte Plätschern vom Wasser konnte man auch so noch hören. Wie Regentropfen auf dem Fensterbrett bei einem Sommergewitter. Sie war mal hinausgegangen und hatte sich in den Garten gestellt. Der Wind hatte getost und sie einige Male von den Füßen gerissen. Der Regen hatte sie schnell erfasst und durchnässt. Die blonden Haare aus dem Gesicht gespült und mit ihnen alle eigentlichen Gedanken. Der Donner war eh zu Laut gewesen, um die eigenen Gedanken zu hören. Blitze hatten die Nacht taghell erleuchtet und wenn man zu genau hinsah blendeten sie für einen kurzen Moment. Jeder Donnerschlag fuhr durch ihren Körper und schien ihr Herz in einen neuen Takt bringen zu wollen. Das Wasser was hernieder prasselte war warm, aufgeheizt vom warmen Wetter des Tages. So war sie zwar so nass gewesen als hätte sie gerade gebadet, aber ihr war nicht kalt gewesen. Es war einfach herrlich gewesen, wenn sie sich nicht ins Gras gelegt hätte und eingeschlafen wäre. Danach hatte sie mit einer schrecklichen Sommergrippe im Bett gelegen. Krank sein war noch stressiger. Es war ja nicht so, dass sie nicht hatte entspannen dürfen, aber mit dem Wissen um die Dinge, die sich im Haushalt stapelten, konnte sie einfach nicht entspannen. Dass Seraphim gerade fast unbekleidet aus seinem Bad kam, sah sie zwar, aber der Blick war leer, weit weg, sodass es nur Schemen waren, die an ihr vorbei zogen. War sie doch noch müde? Zwar war sie immer mal wieder in der Nacht aufgewacht, aber heute Morgen hatte sie sich recht gut gefühlt. Dann spürte sie wie sich jemand auf das andere Ende des Sofas setzte und sie richtete sich auf. Langsam vielleicht etwas sehr träge. Sie hätte sich nicht so hinlegen sollen, das hatte irgendwas in ihr lahmgelegt. "Also es geht darum, dass aus einem Hotel in Hosenka alle naselang hübsche Frauen verschwinden. Man hat uns engagiert um das zu untersuchen", langsam ging sie sich durchs Haar, "Keine präzisen Informationen, aber wahrscheinlich sind wir wieder mal perfekt. Du bist keine Frau und ich bin zu klein, um fälschlicherweise dafür gehalten zu werden." Ja irgendwie hatte sie das Gefühl, dass dieser Fakt noch oftmals eine ihrer wichtigsten Eigenschaften war. Im Umgang mit Seraphim hatte sie erst befürchtet es würde ein großer Nachteil werden, denn dieser hasste Kinder. Wieso bloß, sie waren ja meist nur dezent nervig. Nun da hatte sie einen kleinen Vorteil, den sie gerne manchmal etwas ausreizte, allerdings versuchte sie es in Maßen zu halten, denn ganz wollte sie die zweifelhafte Gunst des jungen Mannes nicht verlieren.

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Zuletzt von Naomi am Di 28 Okt 2014 - 17:52 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   So 26 Okt 2014 - 22:14

Hosenka Town? Cyrus musste grinsen, ein zähnebleckendes Grinsen, welches sich nicht besonders oft auf seinen Zügen zeigte. Es hatte etwas von einem Raubtier, welches sich gleich auf die müde gehetzte Beute stürzen würde, bereits voller Vorfreude, die Fangzähne in das pulsierende Fleisch zu schlagen. Die Stadt war vor allem für ihre heißen Quellen bekannt und wer wäre Cyrus, wenn er die nicht in und auswendig kennen würde? Die Anlegen und natürlich die Löcher in dem Trennungszaun zwischen den Geschlechtern... auch wenn das Holz bei ihm eh vollkommene Verschwendung war. Allerdings waren diese feucht-heißen Orte dieses Mal nicht der Grund für seine Beinahe-Euphorie, es war viel mehr einfach die Tatsache, dass er offenbar eine Quest annehmen würde, bei der man nicht nur die Aussicht auf eine üppige Belohnung hatte, sondern die auch noch in Hosenka Town... es würde ihn so dermaßen interessieren, ob da nicht eine gewisse Person verdammt neidisch werden würde - zumal eben diese der städtischen Gilde Hosenkas angehörte. Es wunderte ihn immer wieder, dass offenbar weder Fairy Tail, noch Lamia Scale den Problemen ihrer eigenen Städte gewachsen waren und deswegen wirkliche Fachleute zu Rate gezogen werden mussten. Wundern wiederum tat ihn das nicht, da er nicht sicher war, ob der Rothaarige, an den er gerade fast hämisch denken musste, Pflicht über Vergnügen stellen konnte. Er jedenfalls war dessen mächtig, was dazu führte, dass er zwar des Öfteren zu einer Quest fuhr und danach erst deutlich verspätet zurück kam, aber es hatte ihn nie davon abgebracht, seine Pflichten ordnungsgemäß zu erfüllen. So gesehen war er eine recht interessante Mischung aus einem Mann, der scheinbar nur für sein eigenes Vergnügen lebte und einem skrupellosen Magier, der einfach alles dafür tat, seine Aufgabe zu erfüllen. Er war eben nicht nur dafür bekannt, dass er einer der wenigen Dragonslayer Fiores war, sondern auch dafür, dass seine Methoden nicht immer so läuter wie sein Name waren. Auch wenn er sich selten richtiggehend die Hände schmutzig machte, gab es Situationen, in denen er nicht nur kurzzeitig die Kontrolle über sich verlor, sondern dabei auch noch leicht sadistische Tendenzen an den Tag legte, die viele nicht von ihm erwartet hätten. Er war somit eher der Typ, der nonchalant lächelnd auf den gebrochenen Fingern seines Opfers stand und es besorgt fragte, was es denn habe... aber genug davon, zurück zu Naomi. Die hatte sich inzwischen auch wieder aufgesetzt, zuvor hatte es eher geschienen, als habe sie in ihrer kindlichen Naivität beschlossen, sich auf seinem Sofa zur Ruhe zu betten. Das wiederum wäre eine recht lustige Situation gewesen, dann hätte er gleich zwei weibliche Wesen schlafend in seinem reich gehabt - nicht, dass das noch nie vorgekommen war, aber man könnte es ja trotzdem mal erwähnen. Ob sie sich wohl immer noch so an den weißen Stoff geschmiegt hätte, wenn sie gewusst hätte, wozu dieses Möbel schon alles benutzt worden war? Er war sich nicht ganz sicher, aber wenn sie sich an solchem Wissen stören würde, dann sollte sie besser gar nicht weiter fragen, sonst würde sie irgendwann dank mangelndem Platz auf dem Klo sitzen und weinen.
"Ich glaube ich komme mit, Engelchen~", schnurrte er und ließ sich etwas mehr zurück sinken, sodass seine schlanke Gestalt nun mehr lag, denn saß. Naomi wusste wahrscheinlich gar nicht, welche privilegierte Position sie genoss, denn wäre sie auch nur eineinhalb Jahre älter, dann würde das sicherlich nicht so ablaufen. Und nein, er hatte sicherlich keine Skrupel, nur weil Kaori aufwachen könnte, nein. Es war lediglich ihr Alter, das ihn davon abhielt, seinen Angriff auf ihr Herzchen zu starten. "Und sonst so? Wie geht‘s dem Herrn Papa? Hat er schon das Haus in die Luft gesprengt, beim Versuch, sich das Essen warm zu machen?" Seine Stimme war bereits wieder spöttisch geworden, denn obwohl er Naomis Ziehvater nicht einmal kannte, so konnte er einem Behinderten keinen Respekt zollen, das vertrug sich einfach nicht mit dem Rest.

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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   So 26 Okt 2014 - 22:16

Während sie erzählte, lehnte sie sich wieder an das Sofa, aber mit dem Gesicht zu ihm. Ihn mit den braunen Augen anblickend. Es schien ihm zumindest nicht zu missfallen. Allerdings lag er schon wieder herrlich einladend da. Nun war es an Naomi den Kuschelzwang zu unterdrücken, sonst würde es in Stunden kein Frühstück geben und sie kämen wieder nicht los. Allerdings konnte sie nicht verneinen, dass der Gedanke daran wieder etwas mit dem Dragonslayer kuscheln zu können nicht schön war. Vielleicht auf der Fahrt nach Hosenka im Zug. Zwar glaubte sie nicht, dass sie wieder keinen Sitzplatz bekommen würde. Nun gut, aber darum ging es erst mal nicht, würde er nun eigentlich mit ihr kommen oder nicht. Gerade als sie dies dachte, sagte er, er würde mit ihr gehen und er schnurrte dabei so herrlich. "Danke Cy ...", durfte sie ihn überhaupt so anreden, "Seraphim-sama." Damit war sie immer auf der richtigen Seite. Als sie dann sah wie bequem er es sich machte konnte man darauf schließen, dass er nicht so schnell plante, wieder aufzustehen. Oder war es einfach nur eine Angewohnheit, die er verfolgte, immerhin war er zu Hause. Dann erkundigte er sich nach ihrem Vater, leicht musste sie grinsen, das Thema ließ ihn seit ihrer letzten Quest nicht mehr los. "Sonst ist alles wieder normal, mein Papa hat's überlebt. Die Nachbarin hat sich ums gröbste gekümmert und alles andere konnte ich ja in meiner Freizeit schnell wieder aufarbeiten." Das Mädchen strahlte dem jungen Mann entgegen, zwar war Haushalt nichts, worüber man sich freuen musste, aber es half auch nichts, sich darüber zu ärgern. Gemütlich lehnte sie sich an das Sofa zurück und versuchte ihre Beine möglichst komfortabel unterzubringen. Im Endeffekt musste sie diese einfach anziehen, wenn sie diese nicht auf Seraphim ablegen wollte. Nein damit wollte sie ihr gerade nicht belasten, außerdem stand er hoffentlich bald auf und machte die Waffeln. Allein der Gedanke an jene ließ ihr irgendwie das Wasser im Mund zusammenlaufen. Dann fiel ihr wieder die Frau in seinem Bett ein. Ob die vielleicht auch welche haben wollte? Nun gut, wegen so was würde Naomi sie sicherlich nicht wecken. Außerdem wollte sich nicht deren komisches Gesicht sehen, oder vielleicht doch? Nein das gab wahrscheinlich nur Fragen, die zu anstrengend waren, um sie zu beantworten. Allerdings musste sie sich bei einem keine Sorgen machen. Konkurrenzdenken, wer gute Augen hatte, sah, dass sie zu jung war und wer genug Selbstbewusstsein hatte hier zu übernachten, der würde sich davon nicht bedroht fühlen. Auch wenn sie jetzt sein Engelchen war, war das nichts Besonderes. Natürlich mochte Naomi es trotzdem so genannt zu werden, welches Mädchen würde dies nicht mögen. Nun gut vielleicht eines was darauf aus war besonders böse zu sein, aber Naomi war lieb. Ja vielleicht sogar ein wenig himmlisch, aber aus sich einen Engel zu machen, darauf war sie nie gekommen. Aber dafür gab es ja Leute wie Seraphim, die einem Spitznamen gaben und vielleicht sogar den Hintergrund hatten, sie damit glücklich zu machen. Wenn dem so war, hatte er sein Ziel erreicht. Eigentlich war es auch nicht schwer Naomis Zuneigung zu gewinnen, es war schwer sie wieder loszuwerden. Man konnte sagen, sie wäre treu doof wie ein Hund und dass sogar wissentlich und willentlich. Ja das war dumm und ja es wäre sogar sehr dumm, wenn sie wüsste, was Seraphim insgeheim plante. Wahrscheinlich würde das aber an ihrer Einstellung zum ihm nichts ändern. Denn nur für die Absicht etwas zu tun konnte man jemandem nicht böse sein. Besonders nicht Naomi, immerhin hatte sie ihn lieb und das änderte sich nur schwerlich, denn auch verzeihen fiel ihr nicht schwer. Nachtragend war sie eigentlich nur selten und es war mehr als selbstverständlich, dass sie an jemandem hing, der sie so vertraut behandelte, als würde sie sich schon eine kleine Ewigkeit kennen.

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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   So 26 Okt 2014 - 22:18

Kaum hatte Naomi ihren letzten Satz beendet, stand der Weißhaarige schwungvoll auf und schlenderte in die Küche, ohne darauf zu achten, dass er Naomi ganz allein in seinem Wohnzimmer zurückließ. Sie war wohl allerdings keines der Kinder, die man auf keinen Fall unbeaufsichtigt alleine lassen sollte, da sie sicherlich nicht auf dumme Ideen kommen würde, das Sofa als Leinwand zu benutzen oder ähnliches anzustellen. Insofern konnte man diese Handlung wohl verantworten, oder nicht? Naomi hatte gut daran getan, weiterhin seinen Nachnamen zu benutzen, denn es gab eigentlich niemanden, der ihn Cyrus nannte, wenn man es einmal so betrachtete. Die meisten blieben, selbst wenn sie herausgefunden hatten, dass Seraphim sein Nachname war, dabei, entweder weil sie sich daran gewöhnt hatten, sich nicht anders trauten oder den Namen passender fanden. Seine Ziehmutter wiederum nannte ihn bei seinem zweiten Vornamen, weil sie fand, dass dieser deutlich besser zu ihm passen würde, weswegen er nur etwas dagegen hatte, wenn Menschen ihn mit diesem anredeten. Da bestand aber kein Grund zur Sorge, denn wenn schon nur so wenige Menschen seinen Vornamen kannten, wie viele würden dann wohl wissen, dass er nicht sein einziger war? Richtig, die Antwort war niemand. Ansonsten war es ihm vollkommen egal, mit welchem Namen man ihn nun nannte, aber das ließ er nicht heraushängen, weil er es viel lustiger fand, zu beobachten, welchen seine Mitmenschen von sich aus wählten - und sie handelten meist wie Naomi. Diese wiederum erschien ihm - je länger er mit ihr zu tun hatte - immer naiver. Wahrscheinlich würde sie auch vor einem Seraphim mit Teufelshörnern und offensichtlich bösem Gedankengut die Augen verschließen, weil sie es einfach nicht sehen wollte. Scheinbar hatte sie sich damit abgefunden, dass er manchmal ein bisschen fies war, aber erwartete wohl nicht, wie sehr wirklich, denn Cyrus war nicht plötzlich zum kinderlieben Menschen geworden, nein. Er betrachtete Naomi mehr als eine Langzeitstudie, um den Effekt dauerhafter Einwirkung auf den Geist von Menschen zu beobachten. Seit ihn Grandine aufgenommen hatte, hatte er sich selbst nie als wirklicher Teil der menschlichen Gemeinschaft gesehen, sondern behandelte diese Wesen mehr als seine Spielzeuge, als untergeordnete Dinge, mit denen man spielen und sie danach wegwerfen konnte. Es machte ihm Spaß, zu sehen, wie sie auf bestimmte Dinge reagierten, herauszufinden, wie er sie am besten dazu bringen konnte, nach seiner Pfeife zu tanzen. Er lachte ihre Menschlichkeit aus, aber das war schon immer so gewesen. Wahrscheinlich hätten seine leiblichen Eltern nicht in ihren schlimmsten Träumen erwartet, wie sich ihr süßer Wattebausch entwickeln würde, aber hätten sie ihr Leben nicht verloren, dann wäre er vielleicht auch ganz anders geworden. Nun, darüber nachzudenken war eh zu spät, nun war er erwachsen und hatte sich weder nach Vater, noch nach Mutter entwickelt, die ja nun immerhin ihr halbes Leben Nonne gewesen war.
Während er den Teig aus dem Kühlschrank holte und das Waffeneisen vom Schrank, fiel ihm wieder ein, dass er ja auch noch Kaori irgendwie aus seiner Wohnung befördern müsste, weil er sie ja schlecht einfach hier lassen konnte. Nun gut, er könnte, aber er wollte nicht wirklich. Das hier war sein Domizil und es war bereits nicht normal, dass er besonders viele Menschen hierhin einlud, da würde er niemanden allein lassen. Zwar glaubte er nicht, dass gerade jemand wie Kaori auf die Idee kommen würde, irgendetwas blödes anzustellen, aber sicher war sicher... das wiederum bedeutete, dass er sie wecken musste. Ihm war das sicherlich nicht peinlich, die Frage war nur, wie Naomi darauf reagieren würde - aber so gesehen, war es denn nicht ihre Schuld, dass er unvorbereitet gewesen war, weil sie ihn morgens überrascht hatte? Ja, da durfte sie sich wohl nicht so anstellen. Erst einmal aber wurde gefrühstückt, mit leerem Magen ließ sich so schlecht agieren... Schließlich kam er mit einem Teller voller duftender Süßigkeiten zurück ins Wohnzimmer und stellte ihn auf den niedrigen Tisch, ehe er sich eine nahm und sich genüsslich zurückfallen ließ, um sie in sich hineinzustopfen.

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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   So 26 Okt 2014 - 22:21

Nachdem sie aufgehört hatte zu reden war Seraphim in die Küche gegangen. Nun würde er wohl die Waffeln machen und Naomi freute sich schon sehr darauf. Es war für sie etwas Besonderes zum Essen eingeladen zu werden, besonders wenn man so ungelegen kam wie sie. Was das anging, hatte Seraphim entweder einen sehr langen Geduldsfaden oder es war ihm schlichtweg egal. Beides war durchaus möglich, denn immerhin war der Magier, was solches anging schlichtweg unberechenbar. Ob das Mädchen im Zimmer ebenfalls etwas essen sollte? Ob sie hier blieb während sie auf die Quest gingen? Alles Fragen die sie sich nicht beantworten konnte, die aber im Laufe des Tags beantwortet werden würden. Dann kam der werte Herr wieder aus der Küche. Dabei einen Teller voll herrlich duftender Waffeln. Ganz davon abgesehen, dass sie umwerfend dufteten, sahen sie wundervoll goldbraun gebrannt aus. Seraphim stellte den Teller auf den Tisch, setzte sich wieder neben sie hin und begann zu essen. So wie er stopfte, musste sie gut sein. Die Blonde jedoch hatte damit schlechte Erfahrungen gemacht, denn sie hatte sich einmal schwer verschluckt, weil sie's zu eilig gehabt hatte. Allerdings hatte es Lia dazu verleitet, ihr ein weiteres Bisschen ihrer Aufmerksamkeit zu schenken. Also hatte es auch sein Gutes. Aber das Mädchen würde die Waffeln des Freundes genießen. Vorsichtig nahm es eine vom Stapel herunter, herrlich warm war sie und duftete herrlich. Tief atmete sie diesen Geruch ein, bevor sie hineinbiss. Süß, lecker und einfach unbeschreiblich toll. Waffeln waren ein so simples Essen und trotzdem machte sie Naomi gerade sehr glücklich und zufrieden. So füllte sich nach und nach ihr kleiner Magen mit Waffel an und dazu waren nicht mehr als eine und die Hälfte einer anderen nötig. Ja ihr Magen war nicht sehr gierig. Wer sich entschieden musste zwischen einem Haustier und Naomi, der würde mit ihr wahrscheinlich viel günstiger dabei wegkommen, da was sie sich fast sicher. Nun gut, vielleicht nicht, wenn es um einen Goldfisch ging. Aber so langsam sollten sie vielleicht dort mal zurande kommen, denn sonst würde es wieder ewig dauern. Schwungvoll erhob sie sich vom Sofa, woraufhin ihr kurz schwarz vor Augen wurde. "Uhhhh....", sie fasste sich an den Kopf, "Seraphim-sama wir sollten vielleicht so langsam los gehen." Prüfend blickte sie zu ihm und lächelte: "Immerhin wartet ein bisschen Arbeit auf uns." Ja die wartete wirklich, vielleicht wurde gerade wieder eine Frau entführt. Deren Mann dann ganz deprimiert war, weil er scheinbar nicht selbst in der Lage war, seine Liebste zu retten, oder es waren die Eltern, die in Angst um ihre Tochter zurückblieben. Vielleicht auch ein Kind, dessen Mutter man geraubt hatte, irgendjemand war immer da um den Entführten zu vermissen. Mal ganz davon abgesehen, dass der Hotelbesitzer jede Sekunde mehr um das Ansehen seines Hotels bangte. So viele Dinge, die es zu beachten gab und ausgerechnet Naomi sollte Herrin über diese Dinge werden. Ja es war nur klug Seraphim mit sich zu nehmen. Immerhin vertraute sie diesem Dragonslayer und war sich mehr als sicher, dass er in dieser Sache sein bestes geben würde. Als sie an die vielen Treppenstufen dachte, die sie eben hochgelaufen war, schwindelte sie. Wieso musste er noch mal so weit oben wohnen? Klar eine mehr als einleuchtende Erklärung, die Aussicht, die kühle Luft und der Wind, nachdem auch Seraphim immer roch, das musste ihn hier oben halten. Er hatte eben doch etwas leicht Himmlisches, auch wenn das gelegentlich überschattet wurde. Auf der letzten Reise hatte er gefragt, wie sie ihn sah und ja er musste in seinem Inneren wirklich übel aussehen. Ein Gutmensch war er auf keinen Fall. Man konnte vieles über ihn sagen, aber leider genau das nicht. Allerdings war in Naomis Herz trotzdem genug Platz, oder genau deswegen? Die Magierin konnte es nicht genau sagen.


Zuletzt von Naomi am Di 28 Okt 2014 - 17:58 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   So 26 Okt 2014 - 22:27

Eigentlich war es ein kleines Wunder, dass es offenbar Menschen gab, die den Weißhaarigen akzeptieren konnten, obwohl sie beinahe wussten, wie dieser drauf war. Vielleicht wussten sie es auch vollkommen, aber dann wäre es beinahe ein Ding der Unmöglichkeit; in Naomis Falle konnte man jedenfalls nicht von einer absoluten Polarität reden. Sie wusste zwar genau, dass Cyrus offenbar die Angewohnheit hatte, selten alleine zu schlafen, aber weder wusste sie, dass er das nicht nur auf Frauen beschränkte, noch hatte sie den leisesten Schimmer, dass er eigentlich nur so nett zu ihr war, weil er sie sich warm halten wollte, um sie dann irgendwann später flachzulegen. Zwar hatte er in dem Zug, mit dem sie zu ihrer ersten Quest gereist waren, aus Jux und Dollerei einen Mann geküsst, aber das durfte wohl auf nichts schließen lassen. Die Frage war, wie Naomi wohl darauf reagieren würde, wenn sie seine wirkliche Handlungsmotivation kennen würde... würde sie dann traurig sein, entsetzt... oder würde sie es ihm einfach so verzeihen können? Immerhin war das mehr als gemein, das war berechnend und ausnutzend, oder? Das kleine blonde Mädchen musste schon ein riesiges Herz haben, damit da so etwas sperriges wie Cyrus hinein passte, der selten dazu neigte, sich vielleicht etwas anzupassen, damit er besser hineinpasste. Na ja... doch, eigentlich tat er das schon und zwar am laufenden Bande, sagen wir also besser, er hatte keine Ausdauer darin. Er verbog sich nur so lange, bis er das hatte, was er gewollt hatte, danach war jeder Kompromiss bei ihm verloren. Gegenüber Naomi war er deswegen nur freundlich, verschleierte sein wahres Wesen jedoch nur bedingt, da ihm das auf die lange Zeitspanne, auf die das Experiment angelegt war, dann doch zu aufwendig gewesen wäre. Und dennoch schien sie ihn zu mögen, obwohl das für ein Mädchen sicherlich schwer war - ob sie wohl etwas zu Kaori gesagt hätte, wenn sie von ihr gewusst hätte? Dass sie sie gesehen hatte, konnte er ja nicht wissen, hätte er davon Kenntnis gehabt, dann hätte es ihn sicherlich amüsiert. Was sollte er eigentlich mit der machen? Mh. "Du hast Recht, Engelchen~", schnurrte er, während er sich noch eine Waffel nahm und sich kauend aufrichtete, "Wir sollten nicht länger warten...". Er stand auf, streckte sich kurz und grinste dann frech in Richtung Naomi, ehe er "Wie die Leiterin wünscht~" säuselte, dann aber sich umdrehend in Richtung Tür ging. Im Rahmen blieb er noch kurz stehen und meinte tonlos: "Ich muss nur eben Kaori versorgen." So, wenn sie sie schon vorher nicht gesehen hätte, dann wüsste Naomi spätestens jetzt, dass er auch heute Nacht nicht besonders viel Schlaf bekommen hatte, sowie den Namen des Grundes.
Vorsichtig setzte er sich auf die Bettkante und betrachtete das schlafende Gesicht, bevor er leicht mit der Fingerspitze über die vollen Lippen fuhr. "Kaori-chaaan~ Aufwachen~", flüsterte er und strich über ihre Ohrmuschel weiter, bis er sich zu ihr hinunter beugte und ihr einen leichten Kuss auf die Wange gab. Ja, es hatte schon was, wie zärtlich er sein konnte, wenn er einen Grund dazu hatte, oder? Tatsächlich würde man eine solche Gestik normalerweise damit verknüpfen, dass er sich um einen geliebten Menschen kümmerte, nicht um eine Frau, die ihm nicht besonders viel bedeutete. Cyrus war ein guter Schauspieler, der dieses Talent missbrauchte und es war ihm so in Fleisch und Blut übergegangen, dass er nur selten normal war - momentan auch nicht. Wieder streichelte er sanft über ihre Schulter und hauchte erneut ihren Namen, diesmal direkt ins Ohr, bis sich die Schlafende mit einem leisen "Hm?" zu Wort meldete und blinzelnd zwei wunderschöne, blaue Augen offenbarte. Doch, sie war sicherlich nicht unansehnlich, aber sonst würde der Dragonslayer sie auch nicht so behandeln. "Es ist zwar sehr schade, dass ich jetzt keine Zeit mehr habe, aber ich habe da noch etwas zu tun~", flüsterte er mit bedauernder Stimme, "Ich muss leider weg...". Mit einem Lächeln strich er ihr eine der wirren Haarsträhnen aus dem Gesicht. "Da sind Waffeln in der Küche - ich lasse dir meinen Schlüssel da, tu mir doch den Gefallen und schmeiß ihn mir in den Briefkasten, nachdem du abgeschlossen hast, ja?~", schnurrte er mit liebevoll anmutender Stimme und legte ihr den Schlüssel in die Hand, die sich gleich darum schloss. Natürlich hatte er einen Ersatzschlüssel und würde ihn auch mitnehmen, aber er wollte seine Wohnung nur ungerne unverschlossen lassen. Er war sich zudem sicher, dass Kaori es nicht wagen würde, irgendetwas mit dem ihr anvertrauten Stück Metall zu machen, da sie einschätzen konnte, dass er das nicht gutheißen würde. "Dann schlaf mal wieder, Kaori-chan - du siehst so süß dabei aus~"
Als er wieder aus dem Zimmer war und die Tür hinter sich zuzog, machte er sich gradlinig zur Garderobe auf und schlüpfte in seine Stiefel, um dann theatralisch vor Naomi zu salutieren und "Alles bereit zum Abmarsch, Oberst Naomi-chan!" zu grinsen, diese Haltung aber sofort wieder fallen zu lassen und sich Naomi schlichtweg zu schnappen, durch die Tür zu tragen und - nachdem er die Tür zugezogen hatte - auch die Treppe herunter auf seinem Arm zu behalten - zusammen mit dem Kommentar: "Das machen wir lieber so, sonst kriechst du wieder auf dem Zahnfleisch... und das steht dir nicht besonders~"

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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   So 26 Okt 2014 - 22:31

Gut, es schien als wäre auch Seraphim gewillt sich endlich auf die Mission zu begeben. Irgendwie hatte sie so eine Ahnung, dass wenn sie nicht jetzt gingen, sich die Prozedur wieder etwas verlängern würde. Nun meinte er auch, dass er sich noch eben um Kaori kümmern musste. Sie war also die Frau, die im Schlafzimmer lag und schlief. Das Püppchen für diesen Tag also. Ein bisschen glücklich war sie schon, dass eine Quest mit ihr, vor einem Tag mit ihr im Bett stand, es blieb allerdings die Frage wieso? Das Geld konnte es nicht sein, er hatte nie wirklich gewirkt, als hätte er es nötig auf eine Quest zu gehen, um nicht am Hungertuch nagen zu müssen und auch die Wohnung sah nicht danach aus. Seraphim schien gut über die Runden zu kommen. Irgendwie konnte sie auch nicht glauben, dass er es aus reiner Nächstenliebe zu ihr tat, kannte der weißhaarige Magier dieses Wort überhaupt? Das Mädchen war sich nicht ganz sicher, denn immerhin hatte er zwar ihr gegenüber immer einen recht netten Umgang beibehalten, am Anfang der letzten Quest weniger und am Ende immer mehr, aber es blieb dabei. Cyrus Seraphim war einfach kein Gutmensch. Als sie sah wie Kaori scheinbar leicht Notiz davon nahm, dass er sie nun alleine zurücklassen würde, keimte in ihr der Wunsch auf niemals in diese Position zu gelangen. Auch wenn sie schon in den Genuss gekommen war, mit dem Dragonslayer zu kuscheln und bestätigen konnte, dass es wirklich etwas Wundervolles war, so hatte sie ihm auch schon bestätigt, dass sie die Phase ihres Lebens, wo sie für ihn attraktiv war, überspringen würde, nur um niemals sein anderweitiges Interesse an ihr zu wecken. Das konnte nur schlecht sein, denn wer wollte schon das Futter eines Drachen sein, wenn man mit einem Bissen verschlungen wurde. War man nicht viel lieber ein Dauerlutscher, der auf lange Zeit genossen wurde? Auch wenn sie nicht wusste, dass sie genau so ein Happen werden sollte, wünschte sie sich eigentlich gar nicht erst probiert zu werden. Immerhin war es gut so, wie es war, mit einem Seraphim, der sie mehr wie eine kleine Schwester behandelte, auch wenn er manchmal etwas belehrend wirkte, aber das war ja sein gutes Recht. Immerhin war er der Ältere, der Erfahrenere, und ihr machte es nichts aus. Während sie so hin und her dachte, nahm er sie plötzlich auf den Arm. Leicht überrascht sah sie ihn an und erhielt prompt den Grund für seine Aktion. Leise musste sie lachen, während er die Treppen hinab stieg. „Danke Seraphim-sama“, sich daran erinnernd, dass er es genossen hatte, gekrault zu werden. Für die Dauer des Abstiegs kraulte sie also durch den eh wuscheligen weißen Schopf des anderen und ließ dies abebben als sie die Tür unten erreichten. Nun da die Treppe hinter ihnen lag, setzte der junge Mann sie wieder zu Boden. Herrlich wieder auf dem Boden zu stehen, nicht dass es ihr nicht gefallen hätte auf dem Arm des weißen Teufels, aber sie hatte sich recht hilflos gefühlt, eben wie ein Baby, was getragen werden musste. Etwas allerdings geschah fast ohne, dass sie es hatte steuern können. Als sie aus der Tür traten, griff sie nach seiner Hand. Als sie das letzte Mal nach Hause gegangen waren, hatte er ebenfalls ihre Hand gehalten und das war irgendwie schön gewesen. Friedliche Verbundenheit, immerhin war es etwas, was zeigte, dass man den anderen nicht einfach irgendwo verlieren wollte, man hielt ihn eben fest, aber auf der anderen Seite war es einfach, zwei Hände voneinander zu lösen. Es engte nicht so sehr ein und trotzdem Naomi mochte es und sie mochte Seraphim. Das hatte sie an diesem Tag wohl schon häufig gedacht, aber das machte es für sie nicht minder wichtig.

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Zuletzt von Naomi am Di 28 Okt 2014 - 18:04 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   So 26 Okt 2014 - 22:32

Naomi wollte also lieber den Dauerlutscher für eines der perversesten Arschlöcher der Stadt spielen, als das Ganze kurz und weitestgehend schmerzlos über die Bühne zu bringen? Da gab es wohl einige, die die andere Lösung wählen würden, aber da es für sie momentan sowieso alles rein hypothetisch war, konnte man dem kleinen Mädchen wohl auch keinen Vorwurf machen. Was allerdings vollkommen unverständlich war und wohl auch bleiben würde, war die Tatsache, dass das Mädchen den jungen Mann nicht hasste, sondern ihn scheinbar recht gerne hatte - und das, obwohl doch eindeutig war, dass er weder gutherzig noch nett war. Naomi Kagekami war eindeutig eine zu gute Seele, hatte ein gigantisches Herz und war zudem auch noch naiv, denn ansonsten war es absolut unmöglich, so mit Cyrus umzugehen. Allein schon die Tatsache, dass sie - als er sie aus Spaß an der Freude die Treppe herunter trug - damit begann, durch seine sowieso und generell immer verstrubbelten Haare zu fahren... normalerweise war das Selbstmord. Aber nicht wenn es Naomi tat, auch wenn er ihr einen strengen Blick verpasste, aber nichts dazu sagte. Es mochte ja okay sein, wenn sie das tat, wenn er halb schlaftrunken in einem Bett lag und gerade im Aufwachen begriffen war, es mochte annehmbar sein, wenn er gerade faul war, aber sie sollte es nicht zur Gewohnheit werden lassen - er war ein Mann, kein Kuscheltier. Er wurde nicht gekrault, zumindest nicht so und nicht von einem kleinen Mädchen, da hatte er seinen Stolz. Und nur weil er manchmal verdammt verspielt sein konnte, war das kein Freibrief dafür, ihn zu etwas niedlichem zu degradieren. Nein, auch nicht von Naomi würde er sich das gefallen lassen. Das war auch der Grund, weswegen er, als sie unten an der Tür mehr oder minder plötzlich nach seiner Hand griff, sie zwar nahm, aber nur, um sie eine Pirouette drehen zu lassen und ihr daraufhin die Hand auf den Goldschopf zu legen. Lächelnd beugte er sich zu ihr herunter, bis sie sich etwa auf Augenhöhe befinden sollten, und säuselte: "Aber aber Engelchen~ Die Leute kommen noch auf falsche Gedanken... und das wäre doch höchst schade~" Eigentlich war das natürlich nicht der Grund, warum er nun nicht Händchen mit dem Mädchen halten würde, viel mehr würde er sich ein wenig belämmert vorkommen, wenn er sich wie der Hund an der Leine von Naomi herumziehen lassen würde. Nein, selbst mit Frauen, von denen er etwas wollte, würde er unwahrscheinlich durch Oshibana laufen und Händchen halten, wenn es sich vermeiden ließ - er selbst hasste Kitsch und Ähnliches. Wobei, sagen wir, er war nicht so sehr der Typ dafür und griff nur darauf zurück, wenn er der Meinung war, dass es das Rezept zum Erfolg war. "Vielleicht ein andern Mal~", lächelte er, strich seine Haare wenigstens ein wenig in die Ausgangsposition und öffnete die Eingangstür. Er wusste gar nicht wirklich, warum er genau diese Wohnung bewohnte, aber er hatte sie irgendwie nicht nur gemocht, sondern auch aus irgendeinem Grunde billiger bekommen, als er erwartet hatte. Dass das damit zusammen hing, dass seine Familie dort bereits vor ihrem Tod gelebt hatte, wusste er nun leider nicht, aber das war der Grund gewesen - sozusagen als Geste der Freude, dass wenigstens einer der doch so freundlichen Familie überlebt hatte. Auch wenn Cyrus natürlich eher ein Negativbeispiel war. Nun also auf zur Quest? Hoffentlich wusste Naomi, wo sie hinging, denn er selbst hatte nicht den leisesten Schimmer.

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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   So 26 Okt 2014 - 22:35

Unten angekommen musste sie innerlich grinsend feststellen, dass er gewisse Dinge doch nicht so leicht hinnahm. Die Leute könnten auf falsche Gedanken kommen, so konnte man es natürlich auch nennen, aber gut das sollte ihr als Erklärung reichen, immerhin war es seine Sache wie und was er mit sich machen ließ. "Entschuldige Seraphim-sama ich wollte dir nicht peinlich sein", dabei schenkte sie ihm ein kurzes Lächeln und ging direkt voraus. Ob der nun wie ein Hund an der Leine hinter ihr herkam, oder wie einer der brav bei Fuß ging, war doch total egal, Hauptsache er tat es. Leicht summte sie, während ihre Schritte sie Richtung Bahnhof lenkten. Wofür war Hoseka noch mal bekannt, ach ja heiße Quellen. Sicher konnte sie ihren Vater einmal ... nein konnte sie nicht, was für eine dumme Idee, nun gut sie würde einfach mal dorthin fahren, wenn sie alt genug war, um alleine in fremde Städte zu fahren. Ihre eigentlich gute Laune schien den Weg etwas kürzer werden lassen und so kamen sie am Bahnhof an, den sie wahrscheinlich noch öfter benutzen müsste in ihrer langen Laufbahn als Magierin. Irgendwann würde sie sicher eine sehr Gute werden. Nicht, dass dies irgendwas für sie bedeuten würde, es war einfach nur besser, wenn man gut war, als wenn man schlecht war. Am Informationsschalter hatte man zwei Tickets für die beiden hinterlegen lassen, zumindest etwas, worum sie sich keine Sorgen machen musste. Hin kam man immer irgendwie, immerhin wollten die Leute, ja was von einem, man kam, ja nicht um einen gemütlichen Urlaub zu machen. Wobei bei diesem Ziel wäre ein Urlaub sicher recht angenehm. Nun gut an dem Fahrkartenschalten wurden sie von einer scheinbar leicht hyperaktiven jungen Frau. Sie redete in einer Tour und es waren stellenweise tausend Worte, die man auf einen Satz hätte, reduzieren könne, aber sie machte eine halbe Rede daraus. Es war eigentlich schwer Naomi auf die Nerven zu gehen, aber irgendwann schaltete sie ab. Da half es der Frau einfach das Gildenzeichen vor die Nase zu halten, nebst dem Brief den sie erhalten hatte. Doch auch während sie die Fahrkarten herausgab, redete sie. Von ihrer scheinbar zu klammernden Mutter und dem Vater, der sie nicht ernst nahm. Die kleine Schwester, die immer bevorzugt wurde und viel zu viel anderes unnötiges Zeug, was Naomi gänzlich nicht interessierte. "Danke für die Fahrkarten und einen schönen Tag noch", mit diesem einen Satz und einem mehr als schneidenden Blick in die Augen der Frau hackte sie ihr die Erzählung ab und drehte sich um. "Seraphim-sama dein Ticket, bitte sehr", sanft drückte sie es ihm in die Hand und entfernte sich in Richtung des Gleises, das auf dem Ticket angegeben war. Schon jetzt war das Gleis schrecklich voll und der anrollende Zug machte es nicht besser. Menschen, die zum Zug drängten, Menschen, die aus dem Zug heraus kamen und Richtung Ausgang wollten, wiederum Menschen, die aus dem Zug heraus kamen, die sie abholen wollten. Heute war es besonders hektisch und Naomi fühlte sich wie ein kleines Schiff, welches auf den Wellen eines vom Sturm aufgewühlten Meeres herumgeworfen wurde. Koffer stießen sie zur Seite, Handtaschen stießen gegen ihren Kopf, große Schuhe stiegen über ihre Füße. Die Menschenmassen, die alle gleich trist aussahen, verdeckten ihre Sicht. Irgendwo in dem Gedränge hatte sie Seraphim verloren: "Seraphim!" Irgendwie fühlte sie sich, als würde sie in diesen Massen ertrinken. Ihre Augen auf die Haare der Menschen gerichtet zuckte sie immer zusammen, wenn sie einen helleren Schopf sah, doch keiner von diesem schien dem Dragonslayer zu gehören mit welchem sie die Quest bestreiten wollte. Nun wünschte sie wieder, sie hätte darauf bestanden, seine Hand halten zu dürfen. "Seraphim-sama!" Irgendwo musste er doch stecken, es war doch keine fünf Minuten her, dass er noch bei ihr gewesen war.


Zuletzt von Naomi am Di 28 Okt 2014 - 18:06 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   So 26 Okt 2014 - 22:36

Volle Züge waren... die Hölle. Zumindest waren sie es, wenn dieses Klientel von Menschen in ihnen fuhr und sie so vollgestopft waren, dass man weder einen Sitzplatz bekam, noch besonders viel Abstand von seinen Nachbarn halten konnte. Generell hatte Cyrus sicherlich nichts gegen Körperkontakt, aber eben mit Menschen, die er nicht gerade abgrundtief hässlich fand - und leider gab es in soclhe Zügen im Durchschnitt zu viele davon. Da musste man nur die fette Frau da drüben nehmen, die den Platz von gefühlt drei Menschen einnahm oder den Mann, der nicht nur mit seinem Koffer, sondern auch mit seinen blutunterlaufenen Augen alle abschreckte. Dann natürlich noch die Geräuschkulisse und die Tatsache, dass er - wäre er nicht groß genug - von der Menge mitgerissen worden wäre. So war es offenbar auch Naomi ergangen, denn der Blondschopf war, kurz nachdem sich die Türen des Zuges geöffnet hatten, verschwunden. Wahrscheinlich nicht mit Absicht, denn anstatt ihn zu meiden, schien sie seine Anwesenheit ja beinahe zu suchen, denn hätte sie nicht auch irgendjemand anderes fragen können, ob er sie begleitete? Oder kannte sie schlichtweg niemand anderen aus der Gilde? In jedem Falle hatten sie nun die etwas nervige Situation eines vollen Zuges und einer verschwundenen Naomi, die er wahrscheinlich auch noch suchen musste. Nicht, weil er nicht wusste, wo sie aussteigen mussten - Hosenka war ja kein kleines Kaff wie Kylia und hatte deswegen natürlich gleich mehrere Stationen - aber wahrscheinlich wurde das so von ihm erwartet. Dabei musste es doch deutlich leichter sein, das Weißhaar im Gedrängel zu erspähen, als das kleine Mädchen, welches absolut darin ertrank. Da auch die anderen Fahrgäste nicht gerade leise waren, war es auch vollkommen unmöglich, eventuelle Rufe zu hören, sodass Cyrus schlussendlich neben einer der Haltestangen stand und standhaft seinen wenigen Platz gegen anwabbelndes Fett und anderweitige Störungen verteidigte, während sein Blick über die umgebende Menge huschte. Hier musste sich das Mädchen irgendwo befinden, denn wahrscheinlich hatte auch sie versucht, sich nicht wegdrücken zu lassen, was ihr aber ganz offensichtlich nicht besonders souverän gelungen war. *Und das ist so nervig an Kindern... immer muss man sich um sie kümmern.*, schoss es ihm durch den Kopf, ehe er ihr zartes Stimmchen seinen Namen rufen hörte. Wie lustig übrigens, dass sie bei seinem Nachnamen geblieben war und auch die Nachsilbe nicht variiert hatte, auch wenn sie nun wusste, dass sie da seinen Nachnamen benutzte. Indem er sich zur Seite reckte, die Hand um die Stange geschlossen, konnte er ein Köpfchen blonden Haars erspähen, welches wohl zu ihr gehörte. Er seufzte frustriert, ließ seinen Halt los und drängelte sich schlichtweg durch den Gang, wenig Acht darauf gebend, wen er nun an die Wand drängte und wer sich darüber beschwerte. Nur bei einer genervt blickenden, jungen Dame mit wunderbar roten Haaren verlangsamte er sein Tempo und schenkte ihr ein entschuldigendes Lächeln, ehe er die Hand ausstreckte und sie Naomi auf die Schulter legte. "Engelchen, pass auf, wo du hingehst~", grinste er, ehe er sich neben sie an die Wand lehnte und so versuchte, im schwankenden Zug ein wenig Stabilität zu gewinnen. "Es wäre doch schade, wenn ich dich verlieren würde~", säuselte er, immer noch lächelnd und blickte in Naomis warme, braune Augen. Stand diese Farbe nicht für Bodenständigkeit und passte daher vortrefflich zu ihr? Außerdem wirkliche sie deutlich natürlicher als die violetten Augen des Weißhaars, zeigten sie vielleicht schon an, dass es sich bei ihr um einen ehrlichen Menschen und bei ihm um einen Lügner handelte? Wer wusste das schon...

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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   So 26 Okt 2014 - 22:36

Irgendwie war sie in den Zug gedrängt worden und fand sich zwischen den vielen Menschen gar nicht zurecht. Ganz davon abgesehen, dass sie sich unwohl fühlte wurde sie bei jedem Wackeln des Zuges herumgestoßen und irgendwas stieß in die Seite und in den Magen. So fühlte sich wohl ein Ping-Pong-Ball in einem zu heftigen Spiel. Wieder rief sie nach ihrem Begleiter und dachte eigentlich nicht, dass sie ihn so finden würde. Doch wieder einmal schien man sie eines Besseren belehren zu wollen. Schon weniger Sekunden später fühlte sie eine Hand auf ihrer Schulter, gerade wollte sie aufschreien, als sie die Stimme des Dragonslayers erkannte. "Seraphim-sama", sie strahlte den großen Jungen an, ja, sie war glücklich ihn wieder bei sich zu haben. Ein weiterer Ruck ging durch den Zug und ließ sie leicht nach vorne stolpern. Gerade genug um dem Ellenbogen eines Mannes zu entgehen, der sie ansonsten wahrscheinlich glatt nieder gestreckt hätte. Zugfahren war wirklich nur dann gut, wenn man sitzen konnte stellte sie genervt fest. Das Mädchen war leider zur kleine um sich an einem der Halte griffe über ihrem Kopf angemessen festzuhalten und um die Haltestange drängten sich so viele Leute, dass sie nie im Leben überleben würde, wenn der Zug wieder so wackelte. Ob man mal darüber nachgedacht hatte, das Schienennetz zu reparieren? Die Weichen rüttelten einen doch ganz schön durch und das nervte doch dezent. An einer Haltestelle die noch nicht die ihre war drängte sich ein sehr muffiger alter Mann an ihr vorbei und stieß ihr leicht mit dem Gehstock in den Bauch: "Geh man zur Seite, junge Leute nichts zu tun, immer stehen se im Weg", grummelte er und quetschte sich aus dem Zug, Naomi hatte jetzt schon genug und drückte sich an die Seite des Magiers. Hier fühlte sie sich etwas sicherer. Allerdings noch besser fühlte sie sich als endlich ihre Zielhaltestelle durchgesagt wurde. "Endlich hier raus", murmelte sie zufrieden als sie die Durchsage hörte. Nun zahlte es sich aus, dass sie nicht so besonders riesig war, denn als kleine Person gelang es ihr recht gut sich hindurch zu quetschen. Eigentlich war sie nicht so begeistert davon dauernd für alles zu klein zu sein, aber immer wenn es sich ergab, freute sie sich über einen Vorteil. Auf dem Bahnsteig achtete sie darauf nicht wieder von dem anderen Magier getrennt zu werden. Auch wenn das vielleicht etwas bescheuert war, griff sie den Zipfel seiner Jacken und hielt sich vorbeugend daran fest. So gelangten sie aus dem Bahnhof. Das Hotel war laut Beschreibung nicht weit und sollte deutlich erkennbar sein. Als sie um eine Ecke bogen konnte sie es sehen, ein großes, wirklich hübsches Gebäude, mit einer netten kleinen Gartenanlage davor mit Bänken aus massiven Holz. Kleine Zierbäumchen säumten diesen und der Name des Hotels stand in großen leuchtenden Lettern über dem Eingang. Sie hatte es sich fast genauso vorgestellt, irgendwie war es enttäuschend, wie berechenbar sowas geworden war, aber was wollte man schon erwarten? Überraschungen gab es nicht und Zufälle auch nicht. Als sie die große Eingangstür passierten verneigten sich die Portiers und fragten fast synchron: "Wir hoffen sie hatten eine angenehme Anreise." Naomi musste leicht lachen: "Fragen sie nicht." Es war doch wirklich lustig, wie Gäste konnten die zwei Magier nicht aussehen und Gepäck hatten sie auch keines dabei. Hatte man ihre Ankunft vielleicht angekündigt oder dergleichen? Nun gut sie würden es wohl gleich sehen.

(tbc: Das Herone Hotel)

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Zuletzt von Naomi am Di 28 Okt 2014 - 18:27 bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   So 26 Okt 2014 - 22:39

Itasa Soutanobu war - wie jeder wusste, der ihm schon einmal begegnet war - eigentlich ein unerschöpflicher Quell der Freude und der guten Laune, den nichts und niemand traurig stimmen konnte. Man konnte sich durchaus vorstellen, dass er selbst auf die herzzereißendsten Ereignisse mit einem lauten Lachen reagierte und Schicksalsschläge von seinem gigantischen Ego abkratzte wie andere Leute Fliegenscheiße von ihrer Windschutzscheibe. Ja, eigentlich war der Rothaarige ein Ausbund an Tatkraft und hatte immer und überall sein umwerfendes 'Herzensbrecher-Grinsen' auf den Lippen, welches dafür sorgte, dass ihm die Ladies reihenweise in die Arme fielen. Streng genommen war es also unmöglich, den wunderschönen, perfekten und großartigen Souta übellaunig und zerfranst wie ein Wischmopp zu erleben. Doch wie es sich bei dem Rotschopf mit allen Regeln verhält, galt auch dieser Eindruck nicht auf Dauer. Der Drang, jede Gewohnheit und jede feste Einschätzung in Sekundenbruchteilen komplett zu revidieren, ging offenbar so weit, dass er in diesem Augenblick tatsächlich schlecht gelaunt war. Nun, so schlecht gelaunt wie Souta nun einmal sein konnte. Und selbstverständlich war das nicht nur seiner Überzeugung jede Regel zu brechen zuzuordnen (auch, wenn er das gerne so hingestellt hätte), sondern verschiedenen Dingen, die ihm im Laufe der letzten Tage widerfahren waren und im Gesamten dafür sorgten, dass sich der Kettenmagier recht unwohl fühlte. Das Erste in der Liste war eindeutig die Quest, die streng genommen immernoch lief, auch, wenn er seine Kameraden bereits entlassen hatte. Was als märchenhaftes Paradies und Balsam für seine väterliche Seite begonnen hatte, hatte sich innerhalb einer einzigen Nacht in eine Hetzjagd verwandelt, die am Ende dazu führte, dass sie tagelang durch die Wildnis irrten, bis ihr Team endlich in Oshibana Town ankam. Und da war er nun, hatte seit mehr als zwei Tagen weder geschlafen noch einen Bissen gegessen und fühlte sich so schwach und elend wie schon lange nicht mehr. Der Stoffwechsel des Rothaarigen war so hoch, dass er jeden Tag mindestens fünf Mahlzeiten zu sich nehmen musste: soviel aßen andere in einer ganzen Woche. Dementsprechend war das Hungergefühl, dass ihn plagte so schrecklich, dass sich sein Magen immer wieder schmerzhaft zusammenkrampfte, wann immer er versuchte sich zur vollen Größe aufzurichten. Wäre er ausgeschlafen gewesen, hätte er diese nervigen, aber nicht tödlichen Schmerzen sicher einigermaßen ertragen, bis er etwas zu Essen auftreiben konnte, doch das war er nicht, und da er im Allgemeinen ohnehin nicht sehr hart war, was körperliche Pein anging, verspürte er den überwältigenden Drang, sich in den Straßengraben zu werfen und zu weinen wie ein kleines Kind. Doch auch das war ihm nicht vergönnt, da er sonst den Gegenstand seiner Quest zerdrückt hätte, welchen er durch ganz Oshibana Town schleppen durfte: Sakkaku, ein Baby. Immer, wenn der Blick seines von Pandaringen umrahmten Auges auf sie fiel, musste er lächeln, weil sie so verdammt niedlich war. Es widerstrebte ihm fast, sie einfach so abzugeben, doch ohne Jewel hatte er keine Chance, an Essen zu gelangen. Wenn er sich doch nur sicher wäre, dass er den Weg durch die Stadt überleben würde...Die Kraft war aus seinen sonst so vitalen Muskeln entwichen, und Krämpfe der Schwäche hatten seine Arme gepackt, weswegen das Baby nun - ganz nach Manier einer Tragetasche - in seinem ohnehin übergroßen Mantel steckte, den er zugeknöpft hatte. Gehalten von einer Hand an ihrem Po und mit einem hinter wollig wärmenden Stoff verborgenem Gesicht, das seine Brust besabberte, schlief sie friedlich und zufrieden wie eh und jeh, während sich der Kettenmagier damit abmühen durfte, ihre zentnerschwere Tasche zu schleppen. Wieso war er nur so dumm gewesen, seine Teammitglieder zu entlassen? Er hatte doch genau gewusst, dass Nahrungsmangel IHM an schwersten zusetzen würde, das war schließlich sein großer Schwachpunkt. Klar, es war seine Schuld gewesen, dass die Quest ein Reinfall war...warum wurde er nur immer so unheimlich heldenhaft, wenn es um soetwas ging? Nun hatte er den Salat. Oh, SALAT...
Itasa Soutanobu schaffte genau hundert Schritt, bis ihm klar wurde, dass er in diesem Zustand niemals das andere Ende der Stadt erreichen würde. Er konnte sich kaum auf den Beinen halten, und er bezweifelte, dass irgenjemand ihn mitnehmen würde, schließlich starrte er vor Schmutz und sah im Moment nicht wie der umwerfend gutaussehende Schönling aus, den er für gewöhnlich verkörperte. Doch was sollte er dagegen tun? Er hatte keinen Jewel in der Tasche, mit dem er sich etwas zu essen kaufen könnte, und er wagte nicht, sich irgendwo schlafen zu legen, aus Rücksicht auf Sakkaku. Am Ende waren die Handlanger der Konkurrenz immernoch auf ihrer Spur und würden sie entführen, während er schlief. Außerdem würde sie in weniger als einer Stunde ohnehin wieder aufwachen und gefüttert werden wollen, und das monströse Grummeln seines Magens gewährte ihn mit an Logik grenzender Wahrscheinlichkeit keine ruhige Minute. Und einer seiner Verflossenen wollte er so auch nicht unter die Augen treten. Er befand sich mal wieder in einer Zwickmühle, doch er wäre nicht Souta, wenn er keine Lösung finden würde, oder? Immerhin bezeichnete er sich selbst als Überlebenskünstler...
...und so gelangte der schnellste Magier von Lamia Scale also vor die Tür eines Bekannten, eines Freundes, wie er ihn mittlerweile ehrlich nennen konnte. Souta war schon immer schnell gewesen, Freundschaften zu schließen, und in diesem Moment hoffte er trotz aller Unwahrscheinlichkeit inständig, dass derjenige, den er nun besuchte, auch nur annähernd daselbe für ihn empfand, denn niemanden brauchte der Rotschopf jetzt dringender als eine freundlich gesinnte Seele. Stöhnend und mit einer immer weiter abtauchenden Sakkaku, die nun nur noch eine seltsame Beule in seinem Mantel darstellte, die hin und wieder wackelte, hatte er sich die Treppen aufwärts gequält, nachdem er sich an einem das Haus verlassenden Mann vorbeigequetscht hatte und stand nun wankend und auf Einlass hoffend vor der Wohnung eines weißhaarigen Mannes. Es grenzte an ein Wunder, dass er sich noch an seinen Wohnung erinnern konnte, hatte er doch damals vor allem geschubst und gestoßen durch die Tür gefunden, Augen, Lippen und Nase...woanders. Doch offenbar hatte er ein besseres Gedächtnis als er dachte, denn das Schild, welches er vor Erleichterung beinahe aufgegessen hätte, ließ keinen Zweifel zu, dass die einzige Person, die ihm helfen konnte, dort lebte. Seraphim. Seit ihrer kleinen Auseinandersetzung mit dem Keks hatte er ihn nicht mehr gesehen - ob er sich wohl noch an ihn erinnerte? Vielleicht war er auch noch böse auf ihn, weil er nichts auf seine Entschuldigung erwidert hatte? Es hatte ihn schlicht überrascht, am nächsten Morgen einen Berg an Keksen auf seinem Tisch vorzufinden, zusammen mit einem sehr fragwürdigen Zettel. Und zugleich war ihm beinahe das Herz zerschmolzen von soviel Freundschaftsbezeugung. Seraphim würde ihn niemals zurechtweisen. Er würde seine Schmerzen wegmachen, ihn auf seinem Sofa liegen lassen und ihm etwas zu essen machen. Sein Schutzengel...
Mit Fingern, die so sehr zitterten, dass er dreimal danebenfasste, betätigte der Rotschopf schließlich die Türklingel und wartete, während er sich an den Türrahmen lehnte, um nicht sofort umzufallen. Er war pausenlos gelaufen, stundenlang, abgespannt und müde ohne Ende, und hatte keinen Rest Energie mehr in seinem Körper. Beste Voraussetzungen für einen Schwächeanfall. Und genau dieser überfiel ihn, kaum, dass sich die Tür öffnete. Er schaffte es noch gerade, ein Lächeln auf sein Gesicht zu zwingen, den Gedanken Oh Gott, fall nicht auf sie, fall nicht auf sie... zu Ende zu denken, eine Hand schützend auf die Taschenbeule zu drücken und ein "Baby..." zu stöhnen, ehe er dem Weißhaarigen entgegenstürzte wie ein nasser Sack. Ob er ihn wohl auffangen würde? Oder war er schlichtweg zu perplex, so dass Souta erst einmal auf den Boden klatschte und es Babybrei gab? Nun, eigentlich war es nun egal...er war in Sicherheit, und sein Schutzengel würde ihm helfen...

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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   So 26 Okt 2014 - 22:43

Es glich einem kleinen Wunder, dass die Wohnung an diesem Tag nicht leer stand. Tatsächlich konnte man nie mit Sicherheit sagen, ob einem die Tür geöffnet werden würde oder nicht - was nicht nur daran lag, dass der Bewohner nicht gerade der gute Samariter schlechthin war, sondern auch daran, dass er viel Zeit außer Haus verbrachte. Wenn man alleine wohnte und nicht gerade zum einsamen Eremiten mutiert war, so suchte man oft woanders die Nähe von Menschen und im Gegensatz zu dem jungen Mann, der in absehbarer Zeit durch die schwarze Tür stürzen würde, tat Cyrus das tatsächlich selten in seiner eigenen Wohnung. Nein, viel öfter lud er sich selbst bei anderen ein, darin war er gut... Heute aber hatte er beschlossen, das Haus nicht zu verlassen, sondern sich einmal eine Auszeit zu gönnen. Er brauchte keine Gesellschaft, um so etwas zu genießen, es reichte was leckeres zu essen, ein Buch und seine Dachterrasse - auf der er im Licht des Nachmittags momentan auch saß, die Füße hochgelegt, die violetten Augen geschlossen, ruhig vor sich hin dösend. Das wunderbare an diesem Ort war, dass der Wind hier über den Dächern stärker als auf der Straße war, ungezügelt um ihn wirbelte und seine Haare zerstrubbelte. Cyrus hatte seit längerem ein etwas verändertes Verhältnis zum Wind und konnte diese Situation, die andere schon als zu kalt und zugig bezeichnet hätten, deutlich besser genießen. Es war wahnsinnig entspannend, hier einfach nur zu liegen und nichts zu tun, einfach mal faul zu sein und keinen einzigen Muskel im Körper zu bewegen - wann kam das denn schon mal vor. Er müsste nur den Mund öffnen und könnte ohne große Anstrengung von dem Wind naschen, das war doch eigentlich wie im Schlaraffenland hier...
Plötzlich klongte es durch die einen Spalt breit offene Schiebetür und ein violettes Auge öffnete sich blinzend einen Schlitz weit, ehe auch das andere Lid seinen Schützling frei gab. Ein Seufzen entfloh der Kehle des weißhaarigen Mannes, als er seinen Körper langsam aufrichtete, sich streckte und im Begriff aufzustehen seinen Hinterkopf kratzte. Eigentlich hatte er so überhaupt keine Lust, nun diese Person vor seiner Tür hereinzulassen, vielleicht sollte er auch einfach liegen bleiben und den um Einlass Bittenden ignorieren. Aber es könnte ja auch wichtig sein, nicht wahr? Immer noch leicht müde schlurfte er in die Wohnung, streckte sich erneut und wanderte dann aufgerichtet zu seiner Eingangstür, wo er gelangweilt durch den Türspion blickte und... stockte. Moment, war das...? Die Tür wurde den Sekundenbruchteil, die sein Hirn brauchte, um die Person zu identifizieren, später aufgerissen und bevor er auch nur irgendetwas sagen konnte, passierten zu viele Dinge gleichzeitig, als dass er auch noch etwas formulieren konnte. Irgendetwas war anders an Souta, als er es in Erinnerung hatte. Es war nicht nur so, dass er ganz anders gekleidet war, als er das gewöhnt war, irgendwie wirkte er zudem ein wenig... deformiert. Nicht nur, dass er vollkommen fertig wirkte, entweder war er spontan schwanger geworden (Haha, Panik...?!), hatte in letzter Zeit ebenso spontan einen Bierbauch angesetzt - oder er trug etwas unter dem Mantel. Abgehetzt wirkte er ebenso, dreckig und irgendwie kurz davor zusammen zu klap- Ah, offenbar hatte er damit tatsächlich Recht, denn noch bevor dieser Gedanke zu Ende gedacht war, musste er sich um einen umfallenden Jungen kümmern, der irgendwas von wegen "Baby" genuschelt hatte. Halb in die Knie gegangen krachte nun der Kopf des Rothaarigen gegen seine Schulter, während er versuchte, ihn in seinem Fall aufzuhalten - dabei war er für seine Größe doch erstaunlich leicht. Nur irgendwie war auch gerade das Etwas unter Soutas Mantel dabei abzurutschen, weswegen er gleichzeitig versuchte, das auch noch irgendwie am Runterrutschen zu hindern - am Ende war es zerbrechlich oder so... auch wenn er natürlich nicht ahnen konnte, dass es tatsächlich sehr lebendig war und bei einem Sturz draufgehen könnte. Nun ja, er hätte es wissen können, wenn er Soutas etwas eigenwillige Begrüßung richtig verstanden hätte; allerdings wäre damit nicht sicher gestellt gewesen, dass er Sakkaku nicht einfach hätte fallen lassen. "Stürmische Begrüßung, Souta-chan, aber was ist eigentlich los?!", summte er versucht gelassen, obwohl er gerade kurz davor war, in Panik auszubrechen. Immerhin war sein bester Freund gerade zu seiner Tür hineingestürzt, als wäre er zum Sterben hergekommen, was er selbst nicht besonders gut aufgenommen hätte... Er festigte seinen Griff um die Taille des Anderen - so konnte besagtes Etwas unter seinem Mantel (es ließ sich bewegen, kein Bauch irgendeiner Art, puhhh...) auch nicht herunter rutschen und streichelte mit der anderen behutsam durch die orangeroten Haare. Es war ja schön, Souta mal wieder zu sehen, aber was zur Hölle...?

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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   So 26 Okt 2014 - 22:45

Wie immer eigentlich hatten seine unfassbaren Instinkte Souta auf die richtige Spur geführt und genau zu der einen Person gebracht, die ihn niemals verurteilen oder hassen würde, egal, wie er aussah. Und da es sich bei Seraphim, seinem heldenhaften Retter, auch noch um einen Magier handelte, der sie im Notfall würde verteidigen können, hatte er sich auch noch in dieser Hinsicht einen Glanzgriff geleistet. Wenn er mit Sakkaku zusammen war verhielt sich der Rotschopf beinahe wie eine Löwenmutter. Er brachte sich an den Rand des körperlichen Zusammenbruches, damit es ihr gut ging und sie sicher war und zugleich schleppte er sich ohne groß darüber nachzudenken an genau den richtigen Ort. In einer anderen Situation hätte der Rothaarige sich sicherlich selbst bejubelt, doch im Moment war er zu beschäftigt damit sich an seinen weißhaarigen besten Freund zu klammern, der mehr oder weniger das Einzige war, das sich im Moment nicht drehte und verschwamm. Zum Glück hatte er ihn aufgefangen. Souta wüsste nicht, was er getan hätte, hätte er das Kleine einfach zerquetscht. Selbst als es drohte einfach unten durch seinen Mantel zu fallen, weil sein Arm schlappmachte, war dort plötzlich die Hand des Dragonslayers, die sie aufhielt - wohl hielt es eher ihn aufrecht, aber solange es zugleich das Überleben des Babys sicherte, wollte er sich nicht beschweren - unabhängig davon, dass er dazu gerade ohnehin nicht in der Lage war, weil das Universum um ihn herum kippelte und wankte wie auf einem Schiff im Sturm. Hätte er irgendetwas im Magen gehabt, hätte sich Souta sicher vor lauter Erschöpfung übergeben, doch glücklicherweise war alles, was seinem Mund verließ ein tonloses Stöhnen, ehe er das Auge schloss und wundervolle Schwärze alles verschluckte, was sich drehte. Ganz zu schweigen davon, was Seraphim wohl getan hätte, wenn er ihm vor die Füße gereihert hätte - ihn rausgeworfen? Zerstückelt? Eigentlich genügte es schon, ihn loszulassen, um ihn kampfunfähig zu machen, doch das gestand sich der stolze Kettenmagier natürlich nicht ein. Er knuddelte einfach gerne und das hier war überhaupt nicht irgendein Versuch, Halt zu finden. Es war nur eine kleine Kuschelei unter Freunden, nichts Schlimmes. Genau. Nach einigen Sekunden, in denen er immer wieder probierte, ob er Worte formen könnte, löste sich der Rotschopf schließlich ein bisschen vom Körper seines Freundes, denn die vorübergehende Übekleit und das Schwindelgefühl ebbten langsam ab. Kurz vor dem Moment, indem Sakkaku nicht mehr zwischen die Leiber der beiden jungen Männer gedrückt wurde, wachte sie auf. Zunächst noch lautlos fand sie sich strampelnd und boxend in Soutas Mantel zurecht und stieß dann ein Blubbern aus, was noch nicht zu einem echten Schrei wurde. Der Rothaarige, der ihre Müdigkeit pries und sich freute, dass sie nicht loskreischte wie ein Schweinchen am Spieß, löste sich wankend aus Seraphims Umklammerung und gelangte unendlich langsam zur Couch des Weißhaarigen. Es tat ihm Leid, das Möbelstück zu verunreinigen, aber im Moment hatte er andere Probleme. Ächzend ließ sich der komplett erschöpfte Magier darauf nieder und begann seinen Mantel aufzuknöpfen. "Seraphim...", hauchte er, räusperte sich und versuchte es dann erneut: "Mach dir keine Sorgen. Hast du...hast du vielleicht etwas zu essen? Ich verhungere...Und Pflaster? Ich glaube eine Blase an meinem Fuß ist geplatzt...oder alle...und ich...du möchtest sie jetzt nicht anfassen..." Tatsächlich fühlte sich Souta schon eine ganze Weile nass in seinen Socken, und da seine Stiefel perfekt wasserdicht waren, bedeutete das wohl, dass sie bluteten. Es war wohl ein Wunder, dass er nicht heulte, aber er war so ausgedörrt, dass er gar nicht daran dachte, Tränen zu vergießen. Stattdessen schloss er nochmal kurz das Auge, wie um sich zu sammeln und befreite dann Sakkaku aus ihrem Käfig aus Stoff. Mit einem Seufzen striff er sich den Mantel von den Schultern - darunter trug er ein schwarzes T-Shirt, das erstaunlich sauber war (bis auf die Sabberflecken) und legte diesen samt Tasche auf den Couchtisch. Mit einem prüfenden Blick kontrollierte er, dass die Kleine nicht irgendwie zu Schaden gekommen war, und ließ sie dann einfach auf seinem Schoß liegen, wo sie mit seinem Gürtel spielte, scheinbar unbeteiligt von irgendwelchen großen Leuten, die etwas Ruhe gebrauchen konnten. So kam der Rothaarige natürlich nicht dazu, sich die Stiefel auszuziehen, aber das konnte warten. Er musste nur ein bisschen sitzen, dann würde sicher alles gut werden..."Mrglml"...und vielleicht etwas essen. Wo blieb Seraphim?!

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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   So 26 Okt 2014 - 22:47

Natürlich war Souta gerade überhaupt nicht dabei, umzukippen. Klar. Als ob der selbst ernannte König der Welt auch nur ein bisschen Schwäche zeigen könnte, vor allem auch noch vor jemandem, der genau wusste, dass auch er Schwachpunkte hatte. Nein, das stand natürlich außer Frage, Cyrus musste auch gerade überhaupt nicht eine Verdopplung seines Körpergewichts hinnehmen, nein. Wahrscheinlich bildete er es sich alles auch nur ein - oder aber Souta war wirklich am Ende. Das war dann sogar die wahrscheinlichere Möglichkeit, denn wie man es auch ausdrücken wollte, er hing hier ganz schön in den Seilen. Allerdings schien er sich nach einer kurzen Weile auch schon wieder gefangen zu haben, da er sich wieder auf eigene - dreckige...! - Füße schwang und offenbar zu sprechen versuchte, was aber mehr oder minder misslang. Gleichzeitig erwachte sein scheinbarer Gegenstand unter dem Mantel zum Leben und begann Geräusche zu machen, die Cyrus sofort einem ganz besonderen Ärgernis zuordnete: Babys. Für viele oder sogar die meisten Menschen waren diese Wesen, die dazu prädestiniert waren, zu vollwertigen Menschen zu werden, vor allem niedlich und süß. Das war auch biologisch im sogenannten Kindchenschema verankert, das den Neugeborenen und hilflosen Kindern helfen sollte, Hilfe bei Erwachsenen zu finden. Cyrus hasste sie allesamt. Er hasste ihre fehlende Intelligenz, ihr Ungeschick und irgendwie das ganze Getue um sie herum - was zum Teufel hatte Souta bloß geritten, hier ein Baby mit hinzunehmen? Aber bevor er sich darüber auslassen konnte, löste der junge Mann sich von ihm und machte sich auf den Weg ins Wohnzimmer, eine Dreckspur sondergleichen hinterlassend. Es verschlug dem Dragonslayer ja durchaus die Sprache, wie unheimlich dreist Souta sein konnte, ohne es wahrscheinlich selbst zu bemerken. Er kam hier rein, mit einem Winzkind, und machte seine Wohnung dreckig, juhu! Welch ein Glück, dass der gesamte Fußboden im Wohnzimmer aus Laminat bestand, sonst hätte er wahrscheinlich wirklich noch die Krise bekommen. Im Endeffekt war es aber vollkommen egal, was der Magier aus Lamia Scale seinem Boden antat, solange er sich sicher sein konnte, dass es ihm einigermaßen gut ging, denn das war bisher nicht gesagt. Wenn er an diesem frühen Punkt eine Diagnose stellen müsste, würde wahrscheinlich so etwas wie "Erschöpfung" dabei herauskommen, allerdings war er dabei nie so unheimlich gut gewesen. Er wusste, wie man heilte, reichte das nicht? Das war magisch und entzog sich irgendwie jedweder Logik, man musste es ergo auch nicht erklären können. Schließlich ließ er sich auf der Couch nieder und machte seinen Mantel auf, nur um die Befürchtungen des Weißhaars zu bestätigen: Es war tatsächlich ein Baby unter seiner Jacke gewesen, klein und so zuckersüß, dass ihm beim Ansehen schlecht wurde. "Baby?", murmelte er matt und beäugte es misstrauisch, während er mit schnellem Schritt dem Rothaarigen folgte, nicht dass der nicht noch irgendwas unglaublich blödes machte. Was konnte Souta allerdings dazu veranlasst haben, so aus den Fugen geraten mit einem kleinen Kind zu ihm zu fliehen? Mh... irgendwie war das einzige, was in seinem Kopf als Sinn ergebend abgestempelt wurde, die Annahme, dass das Soutas Kind war, das ihm irgendeine psychotische Exfreundin - er war sich fast sicher, dass er die Zuhauf hatte - an den Kopf geworfen hatte. Wahrscheinlich war sie zu allem Überfluss auch noch hinter ihm her... oh je. Er war ja wirklich bemitleidenswert, wie er da lag und die Tatsache, dass er hier mit furchtbar dreckigen Schuhen herumlief, war auch schon vergessen. Armer Souta... wenn ihm so etwas passieren würde, hätte er das Kind sicherlich schon ersäuft oder so, aber dazu war er sicherlich viel zu lieb. "Mhh... Moment.", murmelte er und drehte sich um, "Du kannst dir so lange ja schonmal überlegen, wie du diesen Auftritt rechtfertigen möchtest~". Einmal kurz in die Küche und wieder zurückgewuselt und neben Souta landete eine Flasche Mineralwasser und ein Päckchen Traubenzucker. Ein großes Päckchen, aber tatsächlich noch nicht mehr. "Okay...", meinte er gedehnt und setzte sich in den Sessel, der der Couch gegenüberlag und blickte Souta über den passenden Tisch an, welchem man bei genauerem Hinsehen ansah, dass er bereits einmal repariert worden war, "Das ist erstmal nur, um deinen Blutzuckerspiegel wieder zu heben und dehydriert siehst du auch aus... wenn du das runter hast und du meinst, dass du nicht beim Aufstehen umkippst, gehst du duschen, du wirkst ein wenig so, als habest du beim Schlammketschen den ersten Platz gemacht. Ich mache dir währenddessen was." Die Beine übereinander gefaltet, den einen Ellbogen aufgestützt, fixierten die violetten Augen das eine grüne des Anderen und blickten dabei so autoritär, dass man ihm besser nicht widersprechen sollte. Es konnte nicht angehen, dass er hier stinkend und verdreckt herumlief und seine Möbel verschmutzte - zumal er sowieso ein wenig Zeit brauchte, um die Nudeln fertig zu kochen, die er gerade in den Topf geschmissen hatte.

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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   So 26 Okt 2014 - 22:52

Da saß er nun also, Sakkaku auf dem Schoß, Hunger leidend und so erschöpft, dass er beinahe direkt auf der Couch eingeschlafen wäre, hätte sein verkrampfter Magen ihn nicht alle paar Sekunden daran erinnert, dass er am Rande des Verhungerns war. Was machte Seraphim so lange in der Küche? Vielleicht bereitete er ja ein Festmahl zu. Mit viel Fleisch und Brot und Klößen und einer Torte und...eigentlich reichte dem Rotschopf im Moment sogar ein Schokoriegel. Er war kurz davor die Tasche des Babys zu plündern und Milchpulver zu futtern. Ach ja, ich muss sie noch füttern - das mache ich später, sie sieht nicht so hungrig aus. Sein Stolz war stark angeschlagen, deshalb überlegte er sogar einen Moment lang nach seinem besten Freund zu plärren wie ein Kind, doch entschied er sich schließlich dagegen. Zwar hatte Souta, der sowieso immer vor allem mit sich selbst beschäftigt war, nicht mitbekommen, dass Seraphim es nicht ganz so prickeln fand, dass er hier alles verdreckte - aber es ging nun einmal nicht anders. Von sich aus rutschte Souta später auf den Knien durch die Wohnung und schrubbte das Laminat für das Weißhaar, selbst wenn es vermutlich eine große Gefahr darstellte, in unmittelbarer Reichweite von Seraphim auf allen Vieren zu sein....solange er etwas zu essen bekam, machte er alles! ALLES! In seiner unheimlich weinerlichen Stimmung gefangen, so komplett abhängig von seinem besten Freund, legte er den Kopf zurück und seufzte sich das Leid von der Seele. Es war schrecklich. Er sah beknackt aus, fühlte sich noch beknackter und es dauerte EWIG, bis er etwas zu Essen bekam. Sollte er vielleicht doch jammern wie eine Katze? Oder vielleicht war es ja klüger tatsächlich darüber nachzudenken, wie er sich rechtfertigen sollte...Eh, nein. Souta würde dem Weißschopf einfach die ganze Wahrheit erzählen, so wie er es immer tat, vor dem Dragonslayer hatte er keinerlei Geheimnisse. So gesehen hatte er die vor niemanden, aber der Pegasurianer war definitiv einer der Letzten, die er anlügen würde. Also würde er sich einfach seinen Kummer von der Seele reden, dann ging es ihm sicher um Einiges besser. Wobei ihm ja auch ein bisschen etwas zu essen genügen würde...Seraphim?!
Genau in dem Augenblick, in welchen Souta schon den Mund geöffnet hatte, um nun doch nach seinem Schutzengel zu kreischen, kam dieser auch schon wieder und stellte eine Wasserflasche vor ihm ab. Zusammen mit...Traubenzucker. Irritiert schaute der Rotschopf zum sich setzenden Weißhaar und blinzelte ein paar Mal, ehe er wieder das Päckchen voller weißer Rechtecke betrachtete, das ihm irgendwie suspekt war. Warum nichts Richtiges? Nun, es war vielleicht gar nicht dumm klein anzufangen, da der Magen des Kettenmagiers momentan sehr gereizt war und eine beträchtliche Menge essen vermutlich unschöne Ergebnisse erzielt hätte, aber er hatte sich trotzdem mehr erhofft. Nun, man durfte nicht pingelig sein, nicht wahr? Zudem war die Erklärung Seraphims stichhaltig wie immer, also runter mit dem Zeug. Und wie nicht anders zu erwarten war, hielt der Rothaarige Sakkaku fest, beugte sich nach vorne und nahm sich das Traubenzuckerpaket, welches er in Windeseile zu einigen verirrten Krümel gelehrt hatte. Er war kurz davor diese noch aus der Verpackung zu lecken, doch die Erinnerung daran, dass er ohnehin bald etwas bekommen würde, sobald er geduscht hatte, ließ ihn die leere Tüte auf den Tisch zurückstellen. Anschließend packte Souta die Flasche und für eine Weile sah man nur das fröhliche Auf-und-Ab seines Adamsapfels, bis er sie schließlich neben der Verpackung auf den Tisch stellte - er hatte sie tatsächlich geext - und einen Seufzer ausstieß. "Danke." Es ging ihm schon viel besser. Zwar hatte die Portion Traubenzucker trotz vermutlich viertausend Kalorien niemals gereicht, ihn zu sättigen, aber es war ein Anfang und dafür war er dem Weißschopf sehr, sehr dankbar. Da er sich nun fühlte als könnte er ohne Weiteres aufstehen, nahm er das Baby von seinem Schoß und legte es neben sich auf das Sofa, ehe er sich mühsam an der Sofalehne vorarbeitete. Allein sein Geschick verhinderte, dass er Nase voraus gegen Seraphim fiel, und obwohl ihm noch reichlich schlecht war, schaffte es der Magier irgendwie aufrecht stehen zu bleiben und tief durchzuatmen. Der langsam wirkende Traubenzucker gab ihm die nötige Energie, die er brauchte, um sich an Ort und Stelle die Stiefel auszuziehen, wollte er doch nicht noch mehr schmutzig machen als ohnehin schon. Es stellte sich allerdings als größere Qual als angenommen heraus, die blutigen Stümpfe, die sich einmal 'Füße' nannten, aus den perfekt sitzenden Schuhen zu pellen, und so zischte er ein paar Mal qualvoll und krallte die Fingernägel in die Couch, ehe er schließlich auf rot getränkten Socken stand und sich kein Stück besser fühlte. Na, Blut konnte man wenigstens wegwischen. Souta wäre durchaus dazu in der Lage gewesen, auf den Händen zum Badezimmer zu gehen, aber so schwach wie er momentan noch war, erschien ihm allein der Gedanke daran wie eine Utopie, die niemals wahr werden würde. Und so folgte er wie steif wie ein Brett und mit der Grazie eines Stelzenläufers der ihm tatsächlich noch bekannten Richtung, die ihn zum Badezimmer des Weißhaars führte. Duschen war wirklich eine ausgezeichnete Idee, jetzt, wo er sich riechen konnte. Armer Seraphim, bestimmt hatte er ihn komplett verdreckt. Mit immernoch wackeligen Schritten betrat er das weiße Badezimmer, kurz darauf flog ein Kleidungsstück nach dem anderen auf einen wachsenden Haufen, bis zuletzt auch die Augenklappe das Gesicht des Rotschopfes verließ und obenauf landete. Splitterfasernackt stieg er in Erwartung eines lindernden Wasserstrahles in die Dusche, die ihm momentan vorkam wie ein Wellnesscenter mit Selbstbedienung, der heilige Gral, vielleicht sogar das Paradies. Während er also hinter der Milchglaswand seiner Rettung verschwand und das Wasser laufen ließ, dass innerhalb von Sekunden ein wohliges Seufzen aus seiner Kehle lockte und seinen angespannten Rücken schonte wie eine erstklassige Massage, begannen die kleinen Schmutzbröckchen aus Haaren und anderen Stellen zu purzeln, um erbarmungslos in den Ablauf getrieben zu werden. Erst als jeder Winkel seines komplett haarlosen Körpers von den Hinterlassenschaften seiner Quest befreit war, schaute er sich auf der Suche nach einem Shampoo im Raum um. Sein Adlerauge erspähte eine beige Flasche, die sich nach kurzem Schnuppern als Vanillenshampoo herausstellte, welches so gut roch, dass er es beinahe getrunken hatte. Stattdessen wurden aber nur die stechend roten Haare eingeseift und anschließend gespült, so dass er nun roch wie ein Vanillekipferl. Mhhh...Er brauchte auch sowas. Sein Shampoo roch mehr nach Mann, frisch und sportlich, und er hatte gedacht, dass Vanille eher etwas für Frauen war - vielleicht der Hygieneartikel einer Ex? Wie auch immer, er roch gut, war sauber und würde bald etwas zu essen bekommen. Da konnten nicht einmal das sich immernoch leicht rot färbende Wasser unter seinen Füßen Abbruch tun. Sie brannten wie Feuer, aber Seraphim würde sie sicher verarzten, sobald er ihm Zeit ließ - außerdem würde das Weißhaar die paar Tränchen sicher nicht von seinem ohnehin von oben bis unten durchnässten Körper ablesen können. Kein Grund zur Sorge. Lässig angelte sich der Rotschopf ein Handtuch von der Duschstange, wickelte es sich um die Hüfte, und trat mit noch triefenden, sich leicht kräuselnden Haaren in den dampfigen Raum. Kurz achtete er noch darauf, dass sein rechtes Auge von seinen Haaren bedeckt war, schließlich wollte er Seraphim den direkten Blick darauf ersparen (es verstörte sogar ihn noch hin und wieder) und trat dann zurück auf den Gang. "Seraphim?" Trotz immernoch nagenden Hungers und weiterhin anhaltender Erschöpfung klang seine Stimme jetzt schon kräftiger, seine Haut war rosiger und er sah im Allgemeinen nun schon eher aus, als würde er den Tag überleben. "Hast du vielleicht etwas zum Anziehen für mich?" Und so stand er da, den Adoniskörper in ein lächerlich kleines Handtuch gehüllt, eine Hand am Nacken und die andere kratzte seine Nase, so dass es schien, dass der kleinste Windhauch ihn entblößen könnte. Doch Souta dachte sich nichts dabei, war er doch schon immer recht freizügig unterwegs und Seraphim sicher nicht so notgeil, dass er die Situation sofort ausnützen würde, solange er noch verletzt und schwach war....oder?

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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   So 26 Okt 2014 - 22:55

Ja, Cyrus war bewusst gewesen, dass er unter Umständen einen gewaltigen Fehler machte, indem er Souta anwies, sich gefälligst unter die Dusche zu schwingen. Aber er hatte nicht anders gekonnt, schließlich machte der Jüngere hier gerade seine gesamte Wohnung dreckig, ohne dass er etwas dagegen tun konnte. Er konnte ihn nicht einmal darauf hinweisen, denn ein Blick auf das vollkommen fertige Gesicht reichte aus, um allein vor dem Gedanken daran angewidert zurückzuweichen. Im Normalfall hätte er das ohne mit der Wimper zu zucken und ohne Zögern getan, aber momentan hatte er das drückende Gefühl, dass Souta es nicht verkraften könnte. Wahrscheinlich könnte er das schon, aber man wollte ja lieber auf Nummer sicher gehen, schließlich bedeutete er ihm schon irgendwie etwas... er hatte auch brav Traubenzucker und Wasser zu sich genommen, sich scheinbar schmerzerfüllt aus seinen Schuhen gepult und war ins Badezimmer getapst. Alles soweit also prima, mit Ausnahme der Tatsache, dass hier immer noch alles dreckig war und dass er eben mal ein Baby auf seinem Sofa zurückgelassen hatte. Seufzend holte der Dragonslayer den Wischmopp aus dem Schrank hinter der Küchentür und begann damit, die Dreckspur aufzuwischen, wobei ihm nicht entging, dass sich ebenfalls ein wenig Blut unter das ganze braun gemischt hatte. Offenbar waren die Füße des Jüngeren tatsächlich so wund, dass sie bereits offen waren... das musste sicherlich für einen Menschen, der so wahnsinnig schmerzempfindlich war, eine wahre Qual sein. Mh. Als der schwarze Boden wieder sauber war - welch ein Glück, dass er pflegeleicht war - fiel sein Blick auf das Baby, welches gerade blubbernd und glucksend auf dem Sofa rumkrabbelte und kurz davor war, sich zu Tode zu stürzen. *Und darum hasse ich Kinder...*, formulierte er noch, bevor er das kleine Kind widerwillig aufklaubte und es mit ausgestreckten Armen vor sich her in die Küche trug. Dort angekommen setzte er es auf einen der Stühle und zog seine Sweatshirtjacke aus, sodass er nur noch in ärmellosem, dafür aber hochgeschlossenem, schwarzen Top dastand. Schließlich hüllte er das Baby hinein und band die Ärmel der Jacke so an die Lehnen des Stuhls, dass sie wie eine Art Beutel wirkte und das Kind hoffentlich davor bewahrte, sich irgendwo runter zu stürzen. Nicht, dass es ihn persönlich getroffen hätte, aber unter Umständen würde Souta es ihm noch übel nehmen, wenn er dieses Kind - vielleicht war es ja doch Soutas... - sterben lassen würde.
Apropos Souta... als er sich dem kochenden Wasser zuwandte und langsam mit dem Kochlöffel die gefühlten zwei Kilogramm Nudeln umrührte, die darin schwammen, wurde er sich plötzlich bewusst, dass er nur ungefähr sechs Meter Luftlinie und eine geschlossene Tür von dem Jüngeren entfernt war und dass dieser gerade höchst wahrscheinlich splitterfasernackt unter seiner Dusche stand. Und diese Tür war nicht abschließbar... wie viel Aufwand würde es ihn also kosten, die paar Meter zu gehen, die Tür aufzumachen und sich... einfach dazu zu stellen? Immerhin war das hier seine Wohnung, da hatte er doch eigentlich das Recht, an jedem Ort zu sein, an dem er gerade sein wollte, oder? Was, wenn ihn nun auch der spontane und vollkommen zufällige Drang überkommen würde, zu duschen? Eine Blase platzte an der Oberfläche des Wassers und er schüttelte den Kopf. Nein, das war überhaupt keine gute Idee, denn der Junge wirkte jetzt schon zu mitgenommen und realitätsnah genug, um zu wissen, dass das nicht nur duschen werden würde, war Cyrus durchaus. Wenn er nun seinen Plan in die Tat umsetzen würde, wäre das sicherlich nicht nur ein Vertrauensbruch, sondern würde auch einen ziemlich erledigten Souta nach sich ziehen - und wer wusste, was er in seiner jetzigen Verfassung überhaupt aushalten konnte? Aber... die hellhäutige Hand an dem Kochlöffel krampfte sich um den Stil. Es verlangte ihm so gesehen eine Menge ab, hier einfach stehen zu bleiben, wenn sich so eine Situation anbot. Sakkaku gluckste. Mit einem Seufzen legte er den Kochlöffel neben den Topf und hockte sich vor das Baby, welches ihn aus wässrig-blauen Augen anblickte und mit ungeschickten Patschhändchen nach seinen Haaren grapschte. Dabei blickte es so vergnügt, wie ein Wesen ohne Zähne eben blicken konnte und hätte sicherlich jedem Anderen das Herz aufgehen lassen - nur Cyrus nicht. "Ich bin albern, oder, Kleines?", murmelte er verdrossen und stützte das Kinn in die Hände. Allein schon die Tatsache, dass er drauf und dran war, sich mit einem kleinen Kind zu unterhalten, war albern, aber das Baby blubberte beinahe zustimmend, was immer noch besser als das dauerhafte Blubbern der Nudeln war. "Rein oder nicht rein?", fragte er leise weiter, auch wenn er sich das rein theoretisch gar nicht hätte fragen brauchen. Es gab da nämlich bereits zwei Parteien in ihm, die sich einen erbitterten Kampf um die Vorherrschaft lieferten, die eine, die irgendwo in seiner Körpermitte ihr Lager aufgeschlagen hatte, verlangte danach, dass er sich nun gefälligst mal im Bewegung setzen sollte, die andere, die sich irgendwo etwas weiter oben festgesetzt hatte, widersprach mit Vehemenz. Er mochte diesen Streit in sich selbst nicht, vor allem, weil gerade die Stimme am gewinnen war, die sonst immer den Kürzeren zog. Das war furchtbar ungewohnt und er mochte es nicht, wenn unvorhersehbare Dinge in ihm geschahen...
Die Wahrheit war, dass Cyrus Souta irgendwie respektierte, obwohl er das normalerweise nur mit Leuten tat, die ihm Angst machten. Also musste der Rothaarige es irgendwie geschafft haben, dieses Gefühl in ihm auszulösen - und tatsächlich entsprach das der Realität. Der Dragonslayer empfand vor allem dann Angst, wenn etwas ihn aus seinem inneren Gleichgewicht brachte, ihn dazu verleitete, sich selbst nicht mehr zu verstehen. Es war nicht leicht ihn psychisch anzugreifen, beinahe unmöglich, was schlussendlich auch zu seiner erhöhten Resistenz gegen die Angst führte. Souta hatte es nicht einmal vor, aber er brachte den Weißhaarigen durcheinander. Wie jetzt im Moment zum Beispiel. Wäre es nicht Souta gewesen, so hätte er nicht einmal eine Sekunde darüber nachgedacht und wäre einfach ins Bad gegangen, egal wie gemein und falsch das sein konnte. Er hätte es getan und sich dabei gut gefühlt, hätte er es nun versucht, hätte er sich wahrscheinlich selbst ausgeschimpft. Er wusste, dass es so war, aber er wusste nicht warum; das war ja das schlimme daran - es war zum verrückt werden. Und was tat das Kind? Es strampelte und gluckste erneut. *Danke für den seelischen Beistand.*, schoss es in ironischem Tonfall durch seinen Kopf und er erhob sich wieder. Hätte man das ganze nun dramatisch aufbauschen wollen, so hätte man ihn nur auf einen Friedhof versetzen müssen, das Baby durch einen Schädel und ein R durch ein S ersetzen gemusst und die Tragödie wäre perfekt gewesen. Nur waren Schädel gerade aus und die Küche eignete sich nicht halb so gut für ein Theaterstück... dennoch hatte es für den weißhaarigen Mann gerade in etwa dieselbe Brisanz. Während er also krampfhaft jegliche Gedanken an gebräunte Haut und daran abperlende Wassertropfen zu unterdrücken versuchte, ging er zum Kühlschrank rüber und zog eine Dose heraus, in der er sein eigentliches Abendessen verwahrt hatte: Da Geschnetzeltes und ähnliches vor allem richtig gut wurde, wenn man es in größeren Mengen anfertigte, hatte er sich einen Teil aufgehoben als er es gemacht hatte, gleich mehrere Tage hatte er davon zehren können. Nun war noch eine Portion übrig, die ihn gut zwei Tage satt halten könnte, aber mal ehrlich: Souta war nicht er und kam auch nicht mit so wenig Nahrung wie er aus. Ausdruckslos kippte er den Inhalt in eine bereitgestellte Pfanne und begann ihn zu erwärmen, ehe er zu den Nudeln hinüberwischte und sie in ein Sieb abgoss, nur um sie danach ebenfalls in die Pfanne zu schmeißen. Ja, das Teil war groß, sollte es bisher noch nicht klar geworden sein.
Plötzlich ging die Badezimmertür und er drehte den Kopf zur Seite, nur, um ihn dann sofort wieder zurückzudrehen und angestrengt die Maserung der Fleischbröckchen zu begutachten. Natürlich hatte so etwas kommen müssen, Souta hatte ja generell kein Verhältnis dazu, wann er sich in ernsthafte Gefahr brachte, wie er momentan wieder bewies. Immerhin hätte er auch genauso gut mit einem Schild herumlaufen können, auf dem »Worauf wartest du noch… Nimm mich!« stand, auch wenn das Weißhaar mit ziemlicher Bestimmtheit sagen konnte, dass er das nicht beabsichtigt hatte. Auf die Frage, ob er etwas zum Anziehen für ihn habe, riss er sich allerdings dann doch noch mal zusammen und drehte sich vollends zu ihm um, kratzte sich scheinbar grübelnd an der Wange und legte den Kopf schief. "Ungerne, um ehrlich zu sein~", schnurrte er mit kicherndem Unterton, ehe er den Deckel auf die Pfanne legte, sie vom Herd zog und dann an dem frisch Geduschten vorbei in Richtung Schlafzimmer ging. Als er sich jedoch aus den Gerüchen der Küche wegbewegt hatte, wurde ihm die grenzenlose Naivität Soutas nur noch einmal deutlich bewusst. Er hatte es irgendwie geschafft, nicht nur halb nackt aus dem Badezimmer zu kommen, sondern auch, das in eine Wolke aus Vanilleduft gehüllt zu tun. Kleiner Crashkurs über Vanille: Sie wurde aus getrockneten Vanilleschoten gewonnen und roch nicht nur wunderbar, nein, der Hauptwirkstoff namens Vanillin war chemisch auch noch menschlichen Pheromonen in seiner Zusammensetzung gar nicht mal so unähnlich – mit anderen Worten sagte man ihm stimulierende Wirkung nach. Am wichtigsten war in dieser Situation aber, dass Cyrus total auf diesen Geruch stand, was natürlich fatal enden konnte… "Ehehehe…", kam es matt von ihm, als er sich zwang, nicht stehen zu bleiben, "Du weißt, dass da noch anderes Shampoo stand?". Schnell verschwand er ins Schlafzimmer, wo er erst einmal tief durchatmete und dann seinen Kleiderschrank öffnete, um sich umzusehen. Mh… nach so einem Auftritt bekam der Rothaarige allerhöchstens… er griff schnell hinein und kam dann wieder aus dem Zimmer geschlendert, drückte Souta ein weißes Hemd und eine schwarze Boxershorts in die Hand und verschwand wieder in der Küche, wo er nach der größten Schüssel suchte, die man gerade noch als Tellerersatz verwenden konnte. "Oh und das Baby – ich frage lieber gar nicht erst nach, woher das kommt – aber tu mir den Gefallen und bring es dazu, irgendwo friedlich zu schlafen, ja?", meinte er, während er sich schließlich eine Salatschüssel angelte und damit begann, das mit den Nudeln gestreckte Geschnetzelte hineinzufüllen. Erst musste sich das Einauge bedauerlicherweise um Sakkaku kümmern…

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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   So 26 Okt 2014 - 22:57

"Ungerne, um ehrlich zu sein~"
Na, was sollte das denn heißen? Wollte Seraphim etwa, dass sein Gast für die ganze Zeit seines Aufenthaltes nur mit einem Handtuch bekleidet war? Ihn selbst würde das eher weniger stören, lief er doch als Junggeselle in seiner Wohnung auch öfter ohne irgendwelche Bedeckung herum, egal, ob er alleine oder mit einer seiner Kurzzeit-Freundinnen zusammen war, aber für das Weißhaar würde das - und soweit kannte Souta seinen besten Freund mittlerweile - nur eine zusätzliche Belastung darstellen, die der Rotschopf beim besten Willen nicht verrursachen wollte. Es war nicht so, dass er sich vor dem Älteren ekeln würde oder Ähnliches, aber im Moment war der Itasa aus ziemlich offensichtlichen Gründen schlicht nicht in Stimmung für eventuelle Annäherungsversuche von Seraphims Seite. Seine Füße schmerzten wie brennende Kloppse, er war hungrig und erschöpft...der einzige Lichtblick war, dass er wenigstens nicht mehr aussah als hätte er sich quer durch einen Sumpf gerollt. Doch so wenig er auch gerade an Dinge dachte, die dem Weißschopf sicher im Sekundentakt durch den Kopf schwirrten, so sehr war er doch noch Itasa Soutanobu, und etwa 90% seiner Identität waren nun einmal - so Leid es ihm auch tat - genau auf solche Gedankengänge ausgerichtet. Aus diesem Grund zauberte die offensichtliche, beinahe greifbare Verlegenheit des Dragonslayers ihm ein kleines Lächeln auf das zerschundene, augenklappenlose Gesicht. Er hatte durchaus gesehen, wie schnell sich sein Freund wieder dem Essen zugewandt hatte, welches in hoffentlich sehr naher Zukunft im Mund des Rothaarigen verschwinden würde (Seraphim wusste hoffentlich, dass die Menge gerade einmal für ihn selbst reichen würde...) und die richtigen Schlüsse gezogen, so naiv war er dann auch wieder nicht. Aber es war durchaus irgendwie niedlich, solche Effekte bei jemanden zu erzielen und bestätigte ihn darin, dass der God of Awesomeness auch wenn er ausgehungert und malträtiert war immernoch unheimlich gut aussah. Für diese unscheinbare Reaktion Seraphims war Souta im Moment beinahe dankbarer als für den Geruch nach Nudeln, denn das half ihm, sich sein leicht angekratztes Selbstbewusstsein wieder zusammenzusuchen, während der Himmelsmagier sich an ihm vorbei auf den Weg machte, gnadenvoll wie er war doch noch etwas Kleidung für ihn aufzutreiben, denn langsam wurde es doch ganz frisch in der erstaunlich gut durchlüfteten Wohnung des Älteren. Gespannt darauf, womit er wohl zurückkommen würde, und ob er es sich leisten konnte, sich hier auf der Stelle umzuziehen, stimmte er in das offenbar recht nervöse Kichern des Anderen ein und quittierte seine Aussage bezüglich des Shampoos mit einem "Du weißt, dass ich halb blind bin?", woraufhin sein bester Freund irgendwo im hinteren Bereich seiner Wohnung verschwand und der Kettenmagier noch einmal ins Bad ging, um nun doch seine Augenklappe zu holen, immerhin wollte er niemanden den Appetitt verderben. In der Zeit, in der Seraphim also Kleidung für ihn auftrieb, tapste der hochgewachsene Magier in die Küche, da von dort aus das Brabbeln von Sakkaku zu hören war. Als er jedoch auf die doch recht geniale Konstruktion zur Kindersicherung blickte und sich fragte, wie er das Baby da jemals wieder herausbekommen sollte, musste er unwillkürlich lachen und vergaß sogar die drängenden Laute seines Magens, die nun beinahe schon im Sekundentakt auftauchten, da das Zimmer erfüllt war von köstlichen Gerüchen, die ihm buchstäblich das Wasser im Mund zusammenlaufen ließen. "Na, da hat Seraphim dich aber verschnürt, hm?" Mit einem Lächeln stuppste er der Kleinen gegen das winzige Näschen, ehe er den Raum wieder verließ und nach eben jenem Verdächtigen Ausschau hielt, der auch direkt schon auf ihm zukam und ihn mit einem Hemd und Boxershorts ausstaffierte. Okay, immerhin WAR es Kleidung. Um ehrlich zu sein hatte Souta schon mit den unterschiedlichsten Dingen gerechnet, aber damit konnte er leben. Mit Leichtigkeit. Ohne viel Federlesen stieg der Kettenmagier also in die Shorts und zog sie sich unter dem Handtuch hoch, den Rücken der Küche zugewandt aber mit dem Gefühl, dass er ganz genau beobachtet wurde, und steckte dann die Ärmel in das Hemd. Endlich frische Kleidung...eine Wohltat! Obwohl sowohl der Bund der Boxer als auch das Oberteil ein bisschen zu groß für ihn waren (im ersten Fall sorgten seine Hüftknochen zum Glück dafür, dass er das Teil nicht sofort wieder verlor) fühlte er sich wie neugeboren und zeigte das auch, indem er mit einem strahlenden Lächeln wieder in die Küche zurückkehrte, welches seine dunklen Augenringe erblassen ließ. Seraphim war gerade dabei eine Salatschüssel (?) mit Essbarem zu füllen, was wieder ein Grummeln von Soutas Mitte zur Folge hatte. Es schien nicht so, als bräuchte das Weißhaar irgendwelche Hilfe, also wandte sich der Kettenmagier - seinen Worten folgend - wieder dem Baby zu, das fröhlich in seinem Tragegestell schaukelte. "Ach, Seraphim...", meinte Souta lachend und nahm die Kleine behutsam aus ihrem "Gefängnis", nur um sie über den Kopf zu heben und gegen ihren Bauch zu blubbern, was ihr ein glucksendes Lachen entlockte. "Das ist ein Baby. Du kannst es nicht einfach abschalten. Außerdem hat sie die ganze Zeit schon geschlafen und wird demnächst Hunger kriegen. Das Einzige, was ich für dich tun kann ist Sakkaku zu beschäftigen." Mit einem unheimlich wissenden Gesichtsausdruck kehrte er, die Kleine auf die Hüfte gestützt (spätestens jetzt musste sogar der Dragonslayer erkennen, dass das sicher nicht das erste Mal war, dass er ein Baby im Arm hielt) ins Wohnzimmer zurück. Triumphierend förderte das Rothaar aus der gigantischen Tasche einen Gummibeißring hervor, den sie bestenfalls ablutschen konnte, drückte ihr das Ding in die kleinen Patschehändchen und ließ sie dann auf dem Boden herumkrabbeln. Innerhalb von Sekunden hatte sie einen Platz gefunden, wo sie sich hinsetzte und mit wahnsinnigem Vergnügen an ihrem Ring nagte. Apropos nagen...Souta wäre dazu auch bereit...Seraphim?

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