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 Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort

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Seraphim

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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   So 26 Okt 2014 - 22:58

Ja, es wäre Stress pur für den Weißhaarigen, wenn Souta hier unbekleidet durch seine Wohnung laufen würde, allerdings war es so eine Art von Stress, die sein Körper beinahe herbeisehnte. Im Allgemeinen gab es nämlich zwei Arten von Stress, Eu- und Dys- Stress, der eine positiver Art, der andere negativer. Und tatsächlich schlecht hätte sich der Dragonslayer sicherlich nicht gefühlt, wenn er dem Jungen die Kleidung verweigert hätte, allerdings hätte es ihn wohl an die Grenzen seiner Beherrschung getrieben. Eigentlich war er darin nicht schlecht; wenn er sich etwas vornahm, dann erreichte er es auch, selbst wenn es fast unmöglich schien, aber die Willenskraft dafür konnte er eben noch aufbringen. Oft wollte er sich gar nicht beherrschen oder nur bis zu einem bestimmten Punkt, in anderen Situationen legte er es gerade darauf an, so beherrscht zu sein, dass es andere wahnsinnig machte. Momentan war das aber alles so schwer, dass er sich dringend ablenken musste, was er tat, indem er mit penibler Sorgfalt jede Nudel und jeden Soßenrest aus der Pfanne in die Schüssel hineinkratzte. Das war auch der Grund, warum er Souta sogar noch beinahe angemessen viel Stoff gegönnt hatte, einfach weil es zwar reizvolleres gab, als ihn in einem seiner Hemden herumsitzen zu sehen, aber dieses ihm noch mehr Kraft abverlangt hätte. Er hatte ja jetzt schon übel Lust, die Tatsache zu verdrängen, dass Souta offenbar immer noch nicht ganz auf der Höhe war und ihn seinem Küchenfußboden vorzustellen, wusste aber gleichzeitig, dass er das nicht verantworten konnte. Was hatte der Rothaarige denn erwartet, ein Kleidchen? Sowas besaß Cyrus verständlicherweise nicht, ebenso wenig wie irgendetwas schrecklich peinliches... nein. Da konnte er ganz unbesorgt sein, das hätte er ihm alles zwar in gewisser Weise liebend gerne angedreht, aber zwecks Mangel war es nicht möglich gewesen.
Währenddessen spielte Souta irgendwie beinahe putzig mit dem Baby herum, was ja noch irgendwie rührend war, bis er auf die semigeniale Idee kam, Cyrus eine Predigt über Babys zu halten. Mh. Unzufrieden verzog sich für eine Sekunde das Lächeln vom Gesicht des Weißhaarigen, bis es sich wieder neu installierte und ein Kichern seine Kehle verließ. "Aww... wahrhaft rührend. Du wirst sicher mal eine tolle Mama~", meinte er schmunzelnd und nahm eine Gabel aus der Besteckschublade, "Ich kann sie auch einfach auf die Terrasse sperren und mich dann wundern, dass sie ein paar Stockwerke runter gestürzt ist - wäre dir das lieber?" Es war in einem humorvollen, neckenden Tonfall gesprochen, aber im Grunde seines kalten Herzens meinte er jedes Wort ernst. Tatsächlich schien Souta aber einige Erfahrung im Umgang mit diesen Wesen zu haben, in jedem Falle mehr als Cyrus, der sie am liebsten ignorierte. Er verließ die Küche, um die Schüssel auf den Couchtisch zu stellen und sich aufs Sofa zu setzen, wobei er auf die andere Seite des Möbels zeigte. "Setz dich hin und iss was, dann kümmere ich mich um deine..." Ein Grinsen schoss über seine schmalen Lippen, "Füße, wenn man sie noch so nennen darf." Denn um ehrlich zu sein, sahen sie eher wie blutige Matsche aus, er würde zu gerne wissen, was um Himmels Willen der Junge nur getrieben hatte, dass er sie sich so wund gelaufen hatte? War ja auch egal, am wichtigsten war nun erst einmal, dass es ihm wieder besser ging, was nach der Mahlzeit hoffentlich der Fall sein würde. Welch ein Glück, dass es nur die Füße des Jungen waren, die so in Mitleidenschaft gezogen waren, da war eine Berührung nicht ganz so gefährlich wie an anderen Stellen – man erinnere sich nur an die Szene im Restaurant, wo Cyrus doch nur durch einen auf einmal zubeißenden Souta vor Schlimmeren bewahrt worden war. Denn zum Heilen brauchte er Hautkontakt, es funktionierte nicht einmal, wenn noch eine Schicht Kleidung dazwischen war. Sicherlich hatte Souta gerade wirklich minimal viel davon an, aber… nicht dran denken, er sollte sich lieber konzentrieren. So eine Heilung war langsam Routine, aber er wollte es schließlich nicht an dem Jüngeren austesten, sondern ihm wirklich helfen! Was ihn aber wirklich mal interessieren würde, war, ob Souta eigentlich wusste, wie viel Glück er da mit seinem Bekannten hatte, denn kein anderer Magier konnte heilen… nur war das auch im Allgemeinwissensschatz seines Freundes verankert oder nicht?

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Souta
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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   So 26 Okt 2014 - 22:59

Während Souta wiedereinmal auf dem Sofa des Weißhaarigen saß und sich somit das Szenario von vor wenigen Minuten (mit beträchtlicher weniger Kleidung an seinem Körper) wiederholte, dachte der Magier von Lamia Scale über die Worte seines besten Freundes nach, die in seiner eigentlich schon wieder überschwänglichen Stimmung eine Art bitteren Nachgeschmack hinterlassen hatten, so als hätte er in einen Apfel gebissen und nach dem Schlucken einen halben Wurm in der Frucht gefunden. Natürlich hatte Seraphim das in einem Tonfall gesagt, den man eigentlich nicht ernst nehmen sollte, doch irgendwie glaubte er nicht so ganz an den Witz der Worte. Er war ja selbst nicht gerade derjenige, der sich vorstellen konnte, irgendwann einen Hort voller Kinder zu Hause zu haben - oh nein, ganz sicher nicht - aber es gab nun einmal einige Dinge, die er beherrschte, und leider Gottes gehörte die Pflege eines Babys zu diesen mannigfaltigen und beeindruckenden Talenten des Rothaarigen. Zudem war er sowieso selbst irgendwie ein halbes Kind und wenn er mit einem solchen also herzlich spielte und es unterhielt bedeutete das nicht zwingend, dass er irgendwelche Elternqualitäten hatte. Vor allem nicht die der Mutter...Leicht beleidigt biss sich der Rotschopf in die Innenseite seiner Backe und fragte sich ernsthaft, wieso Seraphim ihn als Frau hinstellen musste. Seit wann war Spaß zu haben denn bitte weiblich? Mal ehrlich. Er hatte nicht versucht die väterlichen Hormone (gab es soetwas?) im Körper seines besten Freundes zu wecken, er hatte ihm schlicht erklärt, dass es momentan nicht möglich war seiner Bitte nachzukommen. Meh. Und dazu noch diesen Scherz zu machen, er würde sie auf den Balkon sperren...Nein, Souta bezweifelte nicht, dass das Weißhaar nun doch endlich eine Sache an dem Kettenmagier gefunden hatte, die ihm nicht gefiehl. War aber auch langsam einmal Zeit geworden, oder? Nicht, dass das ihrer Freundschaft irgendeinen Abbruch tun würde, aber selbst dem friedliebenden Rothaarigen wurde es irgendwann einmal langweilig, wenn ihre 'Beziehung' nur aus neckischem Hin-und-Hergeplüsche bestand. Für einen Moment hatte sich der engelsgleiche junge Mann von einer anderen Seite gezeigt, einer bedrohlichen, einer Seite, die Souta durchaus entdeckt hatte - er hatte eben eine gewisse Menschenkenntnis - aber die er bisher konsequent ignoriert hatte. Er wusste viele Dinge über Seraphim, die, hätte er ihm das verraten, sicher nicht so gut gefallen hätten, aber sie interessierten ihn nicht, denn eines der wichtigsten Merkmale von Freundschaft war es doch seine Nahestehenden trotz ihrer ganzen kleinen Schwächen zu lieben, nicht wahr? Auch wenn er sich das häufig einredete, war auch Souta selbst mit Sicherheit nicht unfehlbar, und gerade das Wissen darum, dass auch der Himmelsmagier mal das Arschloch raushängen lassen konnte - selbst, wenn es nur ein in seinen Augen sehr böser Witz war - machte ihn nur menschlicher, realer. Und für den Lamia Scaler war es sehr wichtig, dass sich keine unüberwindbaren Brücken zwischen sich und seinen Mitmenschen aufbauten, demnach hatte das Weißhaar sie in seinen Augen sogar ein bisschen näher gebracht. Tja, offenbar verbanden Babies wohl doch irgendwo, hm? Viele Gedanken kreisten durch das Hirn des Rotschopfes, während er sich eine bequeme Position suchte, aber innerhalb von Sekunden wurden sie alle ausgelöscht, denn dann kam der Augenblick, an dem er nach der Schüssel griff und die Gabel zur Hand nahm. Für eine ganze Weile war nur das Kratzen im Inneren der Schüssel zu hören, und hin und wieder Sauggeräusche, wenn er nach einem erfolgreichem Fang einen ganzen Schwung Nudeln in seine Futterluke bugsierte. Der schnellste Magier Fiores spachtelte wie ein Weltmeister, und erst er das letzte bisschen Geschnetzeltes geschluckt und die letzte Nudel zwischen seinen Lippen verschwunden war - nahm er wieder war, dass es um ihn herum noch andere gab, wie beispielsweise Seraphim, welcher neben ihm saß und darauf wartete seine Füße heilen zu dürfen. Was würde er nur ohne den Dragonslayer machen? So oft hatte er ihn schon von seinen kleinen Wehwehchen befreit, dass er überhaupt nicht mehr wusste, wie er ihm danken sollte. Irgendwann würde ihm schon eine angemessene Gegenleistung einfallen, doch im Moment nicht, er fühlte sich nämlich, als wären sogar in seinem Hirn Nudeln. Träge, weil vollgefressen, wälzte sich der Rotschopf auf die Seite, so dass er die Lehne von Seraphims Couch nun in seinem Kreuz hatte. Wie immer, wenn er mit seinem Hunger ein bisschen über die Stränge seines Körpers schlug, der so schlank war, dass man ihn beinahe zierlich nennen konnte, schaffte sich dieser Platz und verwandelte den Kettenmagier für einige Zeit in eine wandelnde Kugel, die sich dank seines enormen Stoffwechsels rasend schnell wieder normalisierte. Nichtsdestotrotz war nun eindeutig nichts mehr zu eng, was er an seinem Körper trug, im Gegenteil spannte der Gummi des Boxershorts ihn nun reichlich und er war froh, sein Hemd nicht zugeknöpft zu haben, da er sonst wahrscheinlich mit Knöpfen geschossen hätte. Doch obwohl er sich ein bisschen so vorkam als würde er demnächst ein Nudelbaby gebären, zeichnete ein unheimlich zufriedenes Lächeln sein Gesicht, ein Lächeln, was wohl einzigartig Souta gehörte, denn wer grinste schon so als wäre er auf Drogen, wenn er sich bis zum Anschlag vollgestopft hatte? Und bald würde es noch besser werden, denn das Rothaar wurde in naher Zukunft von jeglichen Schmerzen befreit...sein Leben war innerhalb von wenigen Minuten wieder so perfekt geworden wie gewohnt, und all das hatte er Seraphim zu verdanken, seinem wirklich besten Freund..."Du bist der Beste, Seraphim...", murmelte er und hievte unter größter Kraftanstrengung seine Füße in den Schoß des Älteren. Ob er wohl nach dieser Portion jemals wieder dazu in der Lage sein würde von der Couch des Weißhaarigen aufzustehen?

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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   So 26 Okt 2014 - 23:00

Souta war ja so bestechlich... wahrscheinlich könnte er ihm alles mögliche an den Kopf werfen und mit einer Mahlzeit wäre alles wieder vergeben und vergessen. Beinahe fasziniert beobachtete Cyrus, wie der Junge nach der Gabel griff und dann in einem Höllentempo das Essen in sich hinein schlang, schmatzte, schlürfte, aber dabei so glücklich aussah, dass es ihn wahrhaftig freute. Sakkaku oder jedes andere Baby hätte nie geschafft, was der gierige Rothaarige in wenigen Minuten schaffte: Ihn ehrlich zum lächeln zu bringen. Natürlich, er lächelte eigentlich immer, aber das war schon lange zu einer bloßen Maske abgestumpft und bedeutete eigentlich alles und nichts, nur selten lächelte er auch innerlich, aber momentan schien es sogar so zu sein. Gleichzeitig schüttelte er den Kopf darüber, wie viel Essen ein einzelner Mensch in so kurzer Zeit verdrücken konnte und wartete tatsächlich geduldig darauf, dass er fertig wurde. Was sollte er auch so lange anderes tun, sich mit dem Baby in der Küche beschäftigen oder... er stand auf und ging schnell in den Flur, um die Tür zu seinem Schlafzimmer zu zumachen und blickte kurz tatsächlich in die Küche, nur um sicher zu gehen, dass das kleine Mädchen mit Namen Sakkaku keinen Mist baute, aber es hatte scheinbar seinen Spaß daran, unter dem Küchentisch zu sitzen und die Hände auf den Boden zu patschen. Na, da konnte sie ja froh sein, dass der Boden in der Küche richtiggehend sauber war und sie sich dabei wohl nur unwahrscheinlich irgendwelche Krankheiten einfangen würde. Tatsächlich war es hier überall ziemlich sauber, sodass die Wahrscheinlichkeit, sich aufgrund der offenen Fenster eine Erkältung zu holen, größer war, als die, sich irgendwo in Dreck zu setzen. Selbst der, den Souta verursacht hatte, war ja schon weggewischt - denn auch wenn Cyrus sicherlich kein größeres Problem mit Erde und Schmutz hatte, er war ja nun nicht gerade in einer sterilen Umgebung groß geworden, so musste man ja auch einen gewissen Standard bewahren, oder? Die Tür zu seinem Schlafzimmer hatte er einfach deswegen zu gemacht, weil die Tür zur Dachterrasse immer leicht offen stand (es sei denn es goss wie aus Eimern, das wäre schade um den Teppich...) und diese nun einmal wirklich nicht kindersicher war. Es könnte also leicht passieren, dass das Baby sich tatsächlich tötete, indem es meinte, es müsse die Wohnung des Mannes erkunden. Zum Glück lagen hier zwar keinerlei Waffen herum, aber dennoch musste man es ja nicht drauf ankommen lassen. Souta hatte sich ernsthaft gefragt, warum Cyrus ihn immer wieder in die weibliche Rolle zurückdrängte? War doch logisch, weil er die andere besetzte. Er neigte generell dazu, alles was nicht er war, unter sich zu stellen und bei Männern ging das am einfachsten, indem er ihnen ihre Männlichkeit absprach. Wobei das schon wieder ein so hartes Wort war... er mochte Souta ja, es war viel mehr necken. Genau. Er wusste, dass Souta das nicht leiden konnte und tat es, weil sie beide wussten, dass es einen wahren Anteil besaß. Wahrscheinlich war auch das der Grund, warum Souta es so wenig ausstehen konnte... irgendwie traurig.
Schließlich setzte er sich wieder zu dem Rothaarigen und bemerkte erstaunt, dass er es irgendwie geschafft hatte, sich wie ein Ballon aufzublähen und tatsächlich in der kurzen Zeit fast die gesamte Schüssel zu leeren. Um es noch einmal zusammen zu fassen, das waren ungefähr zwei Kilogramm Nudeln (In trockenem Zustand) und zwei Mahlzeiten Geschnetzeltes für einen ausgewachsenen Mann, das war... verrückt. Absolut irre... leicht den Kopf schüttelnd bemerkte Cyrus, wie der Jüngere die Gabel weglegte und sich zufrieden ausstreckte. Tehehe... Das sah tatsächlich mehr aus, als habe eine Kugel eine Überdosis Drogen genommen und schwebe nun im siebten Himmel... irgendwie niedlich. Schnell setzte Cyrus sich seinem Gast gegenüber und half ihm, der scheinbar momentan arg in seiner Beweglichkeit eingeschränkt war, seine Füße auf seinen eigenen Schoß zu bugsieren. Kurz verzog er das Gesicht, als er sie begutachtete und dann ein wenig mehr zu Seite schob. Eigentlich war das gerade kein guter Platz für irgendwelche Körperteile von Souta, selbst wenn es zerschundene Füße waren. Seinen Kommentar nahm er mit einem Grinsen und einem "Ist mir bewusst~" zur Kenntnis, ehe er das Mana durch seine Hände zirkulieren ließ und diese vorsichtig um den linken Fuß des Jungen legte. Vor allem vorne um den großen Zeh und hinten an der Ferse fanden sich die aufgeriebenen Stellen, über welche er vorsichtig mit den Fingerspitzen fuhr. Seine Hände schimmerten in einem leicht grünlichen Glühen, während sich die roten Stellen immer mehr zurückzogen, Blasen sich schlossen und schließlich ganz verschwanden. Seit dem letzten Mal, an dem er den Jungen geheilt hatte, war er schneller geworden, kompetenter mochte man fast meinen. Es war aber auch kein Wunder, denn zuvor hatte er sich wirklich gar nicht mit den Heilzaubern beschäftigt, die Grandine ihm ans Herz gelegt hatte, da er keinen wirklichen Grund dafür gehabt hatte. Es war einfacher, Andere zu heilen, als sich selbst... und wen sollte er freiwillig heilen. Außer eben Souta, der somit indirekt mit damit verantwortlich war, dass Cyrus geübt hatte. Konnte er aber auch nicht wissen. Zudem sollte man vielleicht noch einmal betonen, dass Cyrus durchaus bewusst war, dass Souta viele Schwächen hatte und haben musste, dazu war er viel zu geübt darin, Menschen zu durchschauen. Wer am laufenden Bande andere zum Narren hielt, der lernte mit der Zeit, Lügen und Schummeleien anderer zu durchschauen - und Souta machte es einem wahrhaftig nicht schwer. Auch wenn er sie nicht direkt benennen konnte, er wusste, dass es da auch Seiten gab, die er gar nicht mögen würde, aber irgendwie war es ihm vor allem egal. Seine Hände streichelten über die Wölbung des Fußes, die Sohle, testeten das Gefühl der Haut und er war versucht, seine Hände keinesfalls da zu lassen, wo sie momentan lagen. Eigentlich wäre es doch viel schöner, wenn er weiter hochwandern könnte und die Füße einfach vergessen könnte... eh, nein. "Was genau verschafft mir denn nun eigentlich die Ehre deines Besuches?", fragte er hastig, aber bestimmt - nicht nur um sich abzulenken, sondern auch, weil es ihn interessierte. Währenddessen ließ er den linken Fuß los und wandte sich stattdessen dem rechten zu.

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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   So 26 Okt 2014 - 23:02

So, Seraphim wusste also, dass er der Beste war? Wusste er auch, was das von Itasa Soutanobu für ein Kompliment war? Der Rotschopf hielt sich ja grundsätzlich selbst für den Großartigsten und Hübschesten, den Fiore zu bieten hatte, demnach war sein Ausspruch sozusagen eine Art Gleichsetzung von ihm selbst und dem Dragonslayer, definitiv eine der höchsten Zuneigungsbekundungen, die man von Souta erfahren durfte. Und ganz ehrlich: Der Ältere hatte es definitiv verdient, so in den Himmel gelobt zu werden, schließlich hatte er sich die ganze Zeit fast ein Bein ausgerissen, um es seinem 'Patienten' so gemütlich und schön wie möglich zu machen. Nicht, dass er das nicht auch für seinen besten Freund getan hätte, doch das änderte ja nichts daran, dass nicht jeder, an dessen Türe man klingelte, so aufopferungsvoll war und ihn unheimlich diskret mit Kleidung, Essen und einem Sitzplatz versorgen würde, oder? Seraphim war schon etwas ganz Besonderes und eigentlich immer gut zu Souta. Deshalb vertraute er dem Weißhaar auch uneingeschränkt und hatte ihm seine verletzten Füße in den Schoß geknallt, einfach, weil er wusste, dass er ihm niemals wehtun würde. Oder zumindest nicht auf die Art, die für ihn nur Nachteile bereithielt. Vielleicht hatte er es auch einfach getan, weil er nicht wusste, wohin sonst damit, denn jede Verlagerung seines Körpers erinnerte ihn daran, wie schrecklich vollgefressen er war. Hätte er seine Beine hängen gelassen und wäre dann ihnen hinterher auf den Boden gerutscht, er wäre niemals wieder hochgekommen, so geschickt er auch war, nach einer ausgiebigen Mahlzeit (und das, was Seraphim da angeschleppt hatte war selbst für seine Verhältnisse SEHR ausgiebig) war die bevorzugte Fortbewegungstaktik des Rotschopfes, sich am besten überhaupt nicht zu rühren und zu warten, bis er wieder entkugelt war. Man konnte bei ihm der Verdauung seines Körpers beinahe zugucken, was an sich natürlich sehr faszinierend war, andererseits auch nicht ganz normal...aber was war schon normal an ihm? Er hielt sich nicht an Regeln und Normen, wieso sollte er dann vor biologischen Schranken halten? Zudem fühlte er sich nun pudelwohl und wäre beinahe direkt eingeschlafen, hätten die kühlen Hände des Weißhaars nicht die ganze Zeit an seinen Füßen herumgespielt und ihn dazu gebracht zu kichern wie ein kleines Mädchen. Kitzlig und vorübergehend nicht dazu in der Lage die Beine anzuziehen, war er der Heilung des Weißhaarigen hilflos ausgeliefert und musste, als sich der Schmerz langsam ins Nichts verflüchtigte, immer heftiger lachen. Mit auf der Unterlippe verbissenen Zähnen beobachtete er das grünliche Glühen des Himmelsmagiers dabei, wie es auch beeindruckende und magische Weise seine Füße kurierte und bemühte sich mit aller Macht, in dieser Position keinen Lachanfall zu bekommen, denn er wusste ganz genau, dass der kleine Sadist in Seraphim einen Hinweis darauf, dass er kitzlig war sofort ausgenutzt hätte. Zum Glück war der Kettenmagier ein Meister darin zu schauspielern und seine Mitmenschen dazu zu bringen ihre Aufmerksamkeit auf etwas anderes zu lenken, und so schaffte er es sich durch Seraphims unvermittelte Frage dazu zu bringen, sich auf etwas Anderes zu konzentrieren. Nun, was verschaffte ihm die Ehre seines Besuches? Der Rothaarige dachte darüber nach, was er seinem Gegenüber erzählen sollte, denn obgleich er eigentlich sofort mit der Wahrheit herausgerückt wäre, kam er sich im Moment ein bisschen vor wie in der Falle. Seraphim heilte seinen Fuß, während er breit und rund auf dem Sofa lag und sich nicht einmal zur Seite rollen konnte. Wenn das nicht irgendwie nach einer Katze schrie, die ihren Nachttisch am Schwanz gepackt hatte, bereit, ihn zu verschlingen...? Ach was, Seraphim war zwar aus einer konkurrierenden Gilde, aber er würde niemals etwas tun, was ihm schaden würde. Klar könnte er selbst das Baby abliefern und den Gewinn einstreichen, während er hilflos auf der Couch lag, aber das war nicht sein Stil. Er war zu anderen vielleicht so gemein, aber nicht zu ihm. Niemals! "Das Baby. Ich hab's in Hosenka Town bekommen und musste es nach Oshibana Town zu seinen Eltern bringen. Auf dem Weg dorthin wurde es entführt und wir haben es zurückgeholt - meine Partner und ich - weil ich aber Mist gebaut habe, durften wir zwei Tage lang durchmarschieren, durch Wald, Schlamm und Wiese, also habe ich sie direkt in Oshibana entlassen und da ich so fertig war bin ich zu der einzigen Person gegangen, von der ich wusste, dass sie mich nicht wieder rauswerfen würde...ehm ja." Nun doch irgendwie verlegen rieb sich der Rotschopf die Nasenspitze und starrte auf seinen kugelrunden Futterbauch, der unvermittelt ein gurgelndes Geräusch gemacht hatte. Vielleicht war Souta ja doch etwas zu vollgefressen. Langsam bekam er Bauchschmerzen, denn es war definitiv keine kluge Entscheidung nach beinahe einer Woche kompletten Essensentzuges für eine ganze Familie zu spachteln. Nein, überhaupt nicht... "Aua...", machte der Rotschopf also recht ärgerlich darüber, dass ausgerechnet nach seiner Heilung wieder irgendwelche Schmerzen auftauchen mussten. Warum hatte Seraphim ihn denn nicht aufgehalten?! Man durfte ihn doch nicht mit etwas zu essen alleine lassen...er vergaß doch, dass der menschliche Magen irgendwann sein Maximum erreicht hatte...war das schon wieder Sadismus gewesen? Gefiel es dem Dragonslayer vielleicht, wenn der andere wehrlos vor ihm lag und Qualen erleiden musste?
Bestimmt hätte der Kettenmagier sich in seine Ärgerlichkeit hineingesteigert und seinen eigentlichen Retter dafür angezickt, ihn indirekt so sehr gemästet zu haben, dass er nun Bauchweh hatte, hätte er in diesem Moment nicht etwas vernommen, was all seinen Ärger hinfortspülte: Sakkaku schrie. Es war kein Schmerzenschrei oder etwas Ähnliches, das wusste Souta mittlerweile zu unterscheiden, sie hatte offenbar langsam auch Hunger bekommen oder wollte schlicht ein bisschen beachtet werden, da ihr Beißring zu langweilig geworden war. Nun gut, der Rotschopf würde sich um sie kümmern...nur gab es da dieses klitzekleine Problem. Er kam nicht hoch. Unter großer Kraftanstrengung schaffte er es zwar sich wieder zum Sitzen zu bringen, mit der Rücklenlehne der Couch in der richtigen Position, aber an aufstehen war nicht zu denken. Er war immernoch träge, vor Erschöpfung vollkommen geschwächt und zu vollgefressen, als dass er sich durch seine durchaus vorhandene Willenskraft hätte hochbugsieren können. Natürlich wäre es möglich gewesen, dass er sich konzentrierte und sich irgendwo mit einem Chain Grab festhielt, aber wer konnte schon seine Magie rufen, während nebenan ein Baby schrie? "Seraphim...Du..." Es war so furchtbar peinlich es auszusprechen, dass der Rothaarige gar nicht wusste, wie er es formulieren sollte. Schließlich verließ seine Bitte in einem recht weinerlichen Tonfall seinen Mund, unfähig, irgendeine Lässigkeit hineinzubringen, denn er hatte Schmerzen und war in einer hilflosen Position gefangen: "Du...musst mir hochhelfen."

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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   So 26 Okt 2014 - 23:08

Cyrus und der ihm innewohnende Sadist wussten doch bereits, dass Souta kitzelig war, hatte er es ihm damals im Restaurant doch in aller Deutlichkeit gesagt. Es war dabei nicht einmal sein unterschwelliges Vergnügen, welches er dabei empfand, Menschen ein wenig zu quälen, sondern seine Neugier und einfach das Wissen darum, dass es die Haut des Rothaarigen war, die seine Finger umschmeichelten. Er konnte ja so unheimlich zärtlich sein, wenn er es darauf anlegte, jede seiner zarten Berührungen nur ein Windhauch und so sanft, dass sie nicht einmal einer Fliege etwas zu Leide tun könnten. Mit seiner samtigen Stimme, der er jede Härte stehlen konnte, war er dazu in der Lage, den perfekten Liebhaber zu spielen, jemanden, der einen verwöhnte und nur Gutes tat. Aber im Grunde genommen war das alles nur eine Lüge, da er sich selbst bei solchen Aktionen jedes Mal hart am Riemen reißen musste, um sich nicht zu verraten. Wäre er auch nur ein wenig unkontrollierter, würden seine Finger nicht heilen, sondern Wunden schlagen, aus seinem Mund nicht lieblicher Singsang, sondern gehässiges Kichern dringen und er würde nicht einmal mehr den Anschein erwecken, als würde ihn das Wohlergehen des jeweils Anderen auch nur im Geringsten jucken. Würde er sich nicht ständig zurückhalten, würde deutlich öfter Blut fließen... aber das konnte man seinen schlanken Fingern ja nicht ansehen, wie sie gespensterhaft über die leicht gebräunte Haut des Jüngeren geisterten. Tatsächlich wollte er dieses Gewebe nicht verletzen, sondern es wieder ganz machen; hier spielte er nicht nur, zudem er sich so sehr zurückhielt, dass es beinahe schon weh tat. Er wollte hier nicht sitzen und die Füße des Jungen heilen, das war überhaupt nicht seine Absicht, nein. Wenn man ihn gelassen hätte, so hätte er sich schon längst weiter hoch gearbeitet und wäre nun irgendwo ganz anders, aber sein 'Gewissen', wenn er denn so etwas hatte, hielt ihn noch davon ab. Souta war momentan nicht nur rund wie eine Kugel, sondern immer noch nicht so weit, dass er ihm Anstrengung zumuten konnte. Also ertrug er lieber jedwedes Pochen in Hinterkopf oder anderen Stellen und ließ schließlich auch den zweiten Fuß los. In Erwartung eines zufriedenen Lächelns des Einauges blickte er auf, als dieser seine Geschichte erzählte. Ach, das war also der Gegenstand einer Quest... mhh... es wäre tatsächlich so etwas von sein Stil, sein Opfer erst einzulullen, es dann bewegungsunfähig zu machen und schließlich mit der Kohle abzuhauen, aber dennoch hatte Souta recht: Er würde das nicht an ihm ausprobieren. So wenig Skrupel das Weißhaar auch haben mochte, er würde dieses Defizit nicht an Souta auslassen. Dafür gab es den Rest der Welt und Ausnahmen bestätigten ja bekanntlich die Regel... aber immerhin erklärte das, um wen oder was es sich bei Sakkaku handelte. Es war also doch nicht Soutas spontanes Balg, sondern einfach das Kind seines Auftraggebers. "Aha~", machte er nur und lehnte sich zurück, wollte entspannt die Augen für einen Moment schließen, als er plötzlich einen gemurrten Schmerzenslaut vernahm und irritiert zu Souta hinüberblickte, der ganz offenbar... Bauchschmerzen bekommen hatte?! Ja, was erwartete er denn, wenn er so viel in sich rein fraß? Er hätte ja nun wirklich nicht alles essen müssen, was er ihm vorgesetzt hatte, den Rest hätte er auch liebend gerne noch gegessen, war ja schließlich mal sein Abendessen gewesen! Und zu allem Überfluss musste nun auch noch das verdammte Balg plärren... echt, es regte ihn ja jetzt schon auf, wie sollte das weiter gehen? Souta wiederum machte daraufhin einen erheiternden Versuch, sich aufzurichten, der aber fehl schlug. Er sollte ihm aufhelfen...? "Aww~ Vielleicht schreit Sakkaku-chan ja, weil sie glaubt, sie bekäme ein Geschwisterchen~", frohlockte er mit einer Spur Schadenfreude in der Stimme und pikste den Einäugigen sanft in den Bauch, "Selbst wenn ich dir aufhelfe kriegst du so keine drei Schritte hin.", fügte er ernst hinzu und stand auf. Wenn der Berg nicht zum Propheten kam, musste der Prophet eben zum Berg... und er durfte natürlich Packesel spielen, na klar. Was denn auch sonst. Seufzend schlenderte er in Richtung Küche und fand ein heulendes Baby vor, das er ohne viel Federlesen unterm Bürzel nahm und mit sich - und Beißring - wieder ins Wohnzimmer brachte, wo er es vorsichtig auf Soutas Brust legte. Niedlich, wahrhaftig. "Würdest du es jetzt bitte leise machen, es nervt." Ja, tat es. Und nein, er war nicht tolerant gegenüber diesem Lärm. Und ja, er wusste um die Blödsinnigkeit seiner Formulierung. Und nein, es juckte ihn nicht mal im Ansatz. Was mit Soutas Bauch war, würde er ihm sicherlich noch erläutern, wenn es ihn tatsächlich einschränkte, andernfalls musste eben auch der Itasa mal lernen, dass man Maß halten musste. Offenbar war Souta noch in vielen Bereichen wie ein kleines Kind – so auch in diesem.

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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   So 26 Okt 2014 - 23:09

Nanu, hatte Seraphim etwa einen Clown gefuttert, während der Rothaarige damit beschäftigt gewesen war seinen momentan sehr unvorteilhaften Körper vom Sofa hochzuwuchten? Das würde zumindest seinen unheimlich geschmackvollen Witz erklären, den er unbedingt noch loslassen musste, eher er ihn piekste. Das brachte Souta ja so dermaßen zum Lachen...nicht. Nicht nur, dass es nicht so angenehm war, wenn man Schmerzen hatte und dann auch noch in betreffende Region gestochen wurde, nein, auch die nicht existente Pointe seines Witzes trug dazu bei, dass der sonst so freundlich-fröhliche Magier aus Lamia Scale für den Kommentar - und somit auch für den Sprechenden - nur einen wenig begeisterten Blick übrig hatte, der in ein leises "Ach, sei still...", mündete, was letztendlich dafür sorgte, dass er sich nach der nicht unbedingt nötigen Belehrung des Weißhaares seufzend wieder so auf die Couch legte, dass er seinen Kopf auf die Seitenlehne legen konnte. Für Seraphim war so kein Platz mehr, sehr schade, aber was sollte man schon machen, schließlich wollte er sich ja nicht überanstrengen, wenn es ein Geschwisterchen für Sakkaku-chan geben sollte, hm? Wer geschmacklose Witze auf seine Kosten machte, der hatte nichts Anderes verdient. Souta wusste eigentlich gar nicht, wieso er sich so darüber aufregte, Seraphim war sonst ja auch spöttisch und manchmal so gehässig, dass man sich fragen musste, ob er es irgendwie darauf anlegte, seine Grenzen abzutasten. Zudem hatte er ihn geheilt - eine Geste, die sicher nicht unbedingt selbstverständlich war. Vielleicht hatte der Rotschopf sogar einen ganz besonderen Platz im Herzen des Weißhaares, wer wusste das schon? Es war ihm momentan egal, denn Souta war sauer. Er lag vollkommen nutzlos auf einem Sofa und konnte sich nicht rühren, weil er zu dumm war aufzuhören, wenn es genug war, und nebenan schrie sich Sakkaku die arme Lunge aus dem Leib, weil Seraphim offenbar nicht dazu fähig war sie mitzunehmen. Das war alles seine Schuld. Hätte er sie von Anfang an seine Seite platziert, hätte er jetzt nur hinuntergreifen müssen und dieser dumme Witz hätte nicht seine ganze Stimmung verdorben. Gerade noch war er fröhlich gewesen, doch jetzt war er einfach nur entnervt. Klar, Seraphim hatte ihm geholfen und ihn geheilt, aber im Endeffekt hatte er das doch nur getan, um seine eigenen Ziele zu verfolgen, nicht wahr? Er wollte ihn anfassen. Der Kettenmagier kam schutzsuchend zum Dragonslayer und er dachte natürlich sofort daran, seinen wehrlosen Körper zu irgendwelchen Gelüsten zu benutzen...das machte ihn wütend. Wieso hatte er keine Hose bekommen? Souta wusste durchaus, dass er seinem besten Freund damit Unrecht tat, aber aus irgendeinem Grund kehrten in diesem Moment alle unterdrückten Gefühle der letzten Quest an die Oberfläche zurück und drohten ihn zu ersticken, wenn er nicht irgendwen fand, an dem er sich abreagieren konnte. Irgendwann konnte er auch nicht mehr alles in sich hineinfressen...Es tat ihm ja Leid, aber in diesem Fall musste leider das Weißhaar als Zielscheibe herhalten, denn wenn er begann wütend auf sich selbst zu werden war das keine gute Idee. Dann konnte er sich ganz schnell in der Schublade vergreifen und gerade mit einem Baby in der Nähe sorgte das gut und gerne für einen psychotischen Anfall, den er jetzt beim besten Willen nicht gebrauchen konnte. Mit einem Seufzen versuchte er sein Hemd zuzuknöpfen, um so seriös wie möglich zu wirken, aber ab dem Brustbein hatte er keine Chance mehr, also ließ er es letztendlich bleiben und war nur noch genervter als zuvor. Wo blieb Seraphim? War sein Hass auf Sakkaku schon so ausgeprägt, dass er sie im Nudelwasser ertränkt hatte? Quatsch, sie schrie noch...woran dachte er denn?! Er musste dringend auf den Boden zurückkommen, so schrecklich war das Weißhaar auch wieder nicht. Vielleicht hätte sich das Rothaar tatsächlich beruhigt, vielleicht hätte er sich abgeregt und seinen schmerzenden Bauch gerieben, leise grummelnd, wenn in diesem Augenblick nicht sein als Opfer ausersehnter Freund wieder den Raum betreten hätte - mit Sakkaku in der Hand. Allein wie er sie hielt machte ihn schon wieder unheimlich aggressiv, und er runzelte missbilligend die Stirn, als er sie auf seine Brust setzte und verlangte, er solle sie leise machen. Bitte was? Eine Augenbraue Soutas wanderte steil nach oben, als er vernahm, mit welcher Härte diese Worte gesprochen waren. Wie konnte man Kinder nur so dermaßen hassen, dass man von ihnen sprach als wären es gefühllose Maschinen? Was er allein dafür geben würde das Schreien seiner kleinen Schwester noch einmal hören zu dürfen, sooft es ihn auch genervt und aus dem Bett getrieben hatte...Nein, er musste sich beruhigen, sonst tat er noch etwas, was ihm am Ende Leid tat. In Wuttränen ausbrechen zum Beispiel. Stattdessen ballte er nur die Hände zu Fäusten, bis er spürte, wie sich seine abgekauten Fingernägel in die Handfläche gruben und stemmte sich ein Stückchen nach oben, so dass Sakkaku von seinem blöden Nudelbauch aufgehalten wurde. Mühsam beherrscht, ein kaum hörbares Zittern in der Stimme, blickte er in das Gesicht des Älteren. "Was erwartest du? Soll ich meine Brust auspacken oder was? Sie hat Hunger. Du musst mir schon die Tasche rüberreichen, wenn du willst, dass sie aufhört zu schreien, ich komme da ja nicht ran..." Fordernd streckte er seine Hand aus, das Gesicht vor Schmerz und aufflammender Übelkeit leicht verziehend, und mied dabei den Blick der violetten Augen so gut es eben ging. Beschissener Bauch. Nervende, plärrende Sakkaku. Doofer, gemeiner, kinderhassender Seraphim...

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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   Mo 27 Okt 2014 - 4:34

Man mochte nun sicherlich annehmen, dass Cyrus geschockt auf den plötzlichen Ausbruch Soutas reagierte, da er bei ihrem letzten Zusammentreffen mit sofortigem Rückzug auf ein einfaches Schmollen reagiert hatte. Allerdings durfte man auch nicht vergessen, dass er danach Stunden damit zugebracht hatte, über sein Verhalten und seine unangemessene Reaktion nachzugrübeln und sich Pläne zurecht gelegt hatte, wie er sich emotional besser ablösen konnte. Es konnte, nein es durfte, nicht sein, dass er sich von so etwas albernem in die Knie zwingen ließ. Deswegen durfte es kaum wundern, dass das Weißhaar die miese Laune Soutas mit einem leisen Lächeln abtat und Sakkaku ohne weitere Worte von dem Körper der rothaarigen Kugel aufnahm, um sich scheinbar vollkommen beherrscht in den Sessel gegenüber zu setzen. Seine Lippen waren noch immer zu einem Lächeln verzogen, auch wenn es nicht mehr nur entspannt, sondern auch ein wenig schief wirkte, vielleicht ein Stückchen gezwungen. Gefährlich. Mit einer sanften Bewegung streichelte er über das Köpfchen des Mädchens, auf dem bereits der erste Flaum spross, während sein anderer Arm ihr als Stütze diente und sie sachte gegen seinen Brustkorb drückte. "Wusstest du, dass der menschliche Körper im erwachsenen Zustand nur noch etwa 200 Knochen enthält, während ein Baby über 300 besitzt?", fragte er mit ruhiger Stimme, während seine Zeigefinger über das Stupsnäschen Sakkakus strich und er scheinbar selbstvergessen lächelnd in ihre wässrigen Augen blickte, "Das kommt daher, dass sie erst im Verlauf des Lebens zusammen wachsen. Bei Babys...", fuhr er in erklärendem, wenn auch leisem Tonfall fort, "gibt es deswegen am Schädel eine Stelle...", er legte Zeige- und Mittelfinger kaum merklich auf die Haut des Mädchens, an genau dem Punkt, den er soeben beschrieb, "an der man nicht drücken sollte, damit es nicht zu irreparablen Schäden des Hirns kommt." Eine Sekunde ließ er seine Worte wirken, damit sie auch ankamen, bevor er Sakkaku glücklich lächelnd unter den Achseln hochhob und ihr tränenverquollenes Gesicht auf Augenhöhe mit seinen stechend violetten Seelenspiegeln brachte. Kurz stupste er ihr Näschen mit der seinen an und murmelte dann in kindlicher Tonlage: "Aber im Gegensatz zu Souta-chan wissen wir ja, wo wir aufhören sollten, nicht wahr, Sakkaku-chan?~" Das Baby blubberte und begann wieder zu schreien. Vielleicht hätte er es doch im Nudelwasser ertränken sollen, aber halt, das hatte er ja schon abgegossen gehabt. Dennoch ließ er sich seinen Frust nicht anmerken und stand mit dem Baby im Arm auf, ehe er zu der Tasche hinüber ging und mit einer Hand darin herumkramte, bis er eine Flasche samt Sauger gefunden hatte und mit dieser ausstaffiert in den Sessel zurückfand. Leise vor sich hin summend - und den Rothaarigen auf seiner Couch vollkommen ignorierend - stöpselte er den Nuckel auf die Flasche und drückte ihn schließlich sanft gegen die Lippen des kleinen Mädchens, die sich gierig darum schlossen und zu saugen begannen. Vorsichtig wiegte er das Kind hin und her und verdrängte dabei den aufsteigenden Ekel, welcher damit einherging. Er konnte sie immer noch nicht leiden, aber leider gehörte das hier gerade zu seiner Show, da musste er es eben ertragen. Kleine Patschhändchen grapschten nach der Flasche und berührten dabei seinen Zeigefinger, was dazu führte, dass er ihn schnell zurück zog. "Ja, das ist fein, nicht wahr?~", schnurrte er und lächelte auf das kleine Wesen herab. Sakkaku blinzelte und sog gierig weiter. Putzig... doch, vielleicht ein wenig.
Noch etwa eine Minute sagte er nichts weiter und würde auch auf keine Regung des Einauges reagieren, bis er den Kopf hob und mit ausdruckslosem Gesicht zu ihm hinüber blickte. "Um das noch einmal zusammen zu fassen: Du kommst hier her, saust meine Wohnung voll, bringst ein Balg mit, duschst unter meiner Dusche, isst meinen Kühlschrank leer, trägst meine Kleidung, wirst von mir geheilt und meinst, dich dann auch noch wie eine schwangere Diva aufführen zu müssen?", fragte er mit der Stimme eines interessierten, aber unbeteiligten Beobachters, die nicht im Geringsten agitiert wirkte. "Was mich wirklich interessieren würde... willst du mich vielleicht auch noch beleidigen?", schloss er, als Sakkaku ihre kleine Mahlzeit für beendet erklärte und er die Flasche auf dem Boden abstellte, ohne Souta aus den Augen zu lassen. Mal sehen, wie dieser reagieren würde - wo er doch bisher der einzige Mensch gewesen war, der es anders herum geschafft hatte, ihm ein schlechtes Gewissen zu machen.
Das Herz des Dragonslayers glich mehr einer Eiswüste denn irgendetwas anderem, kalt, unnahbar und lebensfeindlich. Und dennoch hatte Souta es irgendwie geschafft, sich hineinzubrennen, was allein schon eine Leistung für sich war. Leider brauchte Cyrus das Eis, was durch seine Wärme schmolz, da er es nicht anders kannte. Es schützte ihn, nahm ihm die Angst vor der Außenwelt - tat ihm in gewissem Sinne sogar gut. Er würde dennoch vieles tun, was Souta dazu brachte, sich mit ihm zu beschäftigen, allein die Tatsache, dass er hier saß, bedeutete ihm sehr viel. Dennoch würde er das weder zugeben, noch alles tun, was der junge Mann mit dem orange roten Haar wollte - er war sicherlich nicht sein Sklave. Und trotzdem... "Wenn du Bauchschmerzen hast, musst du das einfach sagen, ich kann auch keine Gedanken lesen, Souta~", wisperte er mit wärmerer, ehrlicherer Stimme als der, die er zuvor genutzt hatte. Das Baby hatte es sich währenddessen auf seinen Oberschenkeln bequem gemacht und spielte mit dem Ring an der Hand, welche es an Ort und Stelle hielt.

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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   Mo 27 Okt 2014 - 10:02

Es gab nicht viele Momente, in denen Souta es zuließ, etwas Anderes zu empfinden als unerschütterliche Freude, die durch nichts und niemanden getrübt werden konnte. Wenn man an ihn dachte kam einem auch immer sofort ein breites Lächeln in den Sinn, das Talent, in den aussichtslosesten Situationen alles Schlechte zu verdrängen und sich auf die positiven Dinge des Lebens zu konzentrieren. Man sah zwei Reihen makellos weißer Zähne vor sich, eingerahmt von vollen Lippen, die sich nur teilten, um eine wohklingende Stimme zu entlassen, die sogar, wenn sie schrie immernoch etwas Sanftes hatte - wenn sie jemals schrie. Die einzige Möglichkeit ihn dazu zu bringen die Lauststärke seines Sprechens zu erheben war es, ihn vor Vergnügen rufen zu hören. Itasa Soutanobu war ein Stehaufmännchen, ließ sich von niemanden irgendetwas vorschreiben und negative Gefühle wie Wut oder Angst tauchten bei ihm einfach nicht auf. Für alle Menschen in seinem Umfeld war er bereitwillig die "Fackel des Guten", die immer gut gelaunt war, über alle Schwächen hinwegsah. Er war der Erste, der mit einem entzücktem Gesichtsausdruck die Schultern unter die Last stemmte, die seinen Kameraden in die Knie gezwungen hatte, schien alles Böse einfach in sich aufzusaugen und mit der Wärme seines Herzens zu schmelzen. Irgendwo tief im Adoniskörper des Rothaarigen war mit ziemlicher Sicherheit eine Art olypmisches Feuer, das niemals ausging und einen Glanz um sein Erscheinungsbild erzeugte, der alle Kritik abperlen ließ wie Wassertropfen. Mit dem neckischen Glitzern seines Auges konnte er einen dunklen Raum erhellen, und mit einem unbekümmerten Pfeifen war es ihm möglich, jede beklemmende Stille zu etwas Angenehmen zu machen. Wenn es stimmte, dass jeder Mensch in Fiore eine Bestimmung hatte, dann war es seine, der Hofnarr der Menschheit zu sein, sie für einen kurzen Moment vergessen zu lassen, dass es das Schlimme gab. Er gab ihnen einen Grund sich aufzuregen oder eine Person, die sie lieben konnten, wie auch immer man auf Souta reagierte, so nervig man ihn auch fand, man konnte nicht leugnen, dass er immer und überall die Aufmerksamkeit auf sich zog, denn wenn die Knutschkugel schallend lachend und eine Spur an Verwüstung nach sich ziehend über das Leben seiner Mitmenschen rollte, hinterließ sie einen bleibenden Eindruck, den man so schnell nicht vergessen würde. Er war Itasa Soutanobu, der Ritter in strahlender Rüstung, hielt den Menschen einen Spiegel vor, wie es sein könnte, wenn sie all ihre Sorgen hinter sich ließen und einfach in den Tag hineinlebten...
...Aber was hatte er davon? Helden waren ja allgemein dafür bekannt, ihre Dienste ohne Gegenleistung zu verrichten - das machte doch einen Helden aus. Jemand, der half, ohne, dass man ihn dafür bezahlen musste. Allein, weil er selbstlos war. Aber Souta war nicht selbstlos. Er war egoistisch und achtete darauf, nie irgendeinen Nachteil aus seinen Aktionen zu ziehen. Er schob meisterlich allen anderen die Schuld in die Schuhe, wand sich wie eine Schlange aus gefährlichen Affären heraus - und doch tat er das nicht, weil er sich irgendwie selbst so sehr mögen würde, dass er es nicht ertragen könnte, wenn ihm etwas geschah. In seinen Augen hatte er überhaupt kein Recht zu leben. Er war davon überzeugt, dass er es verdient hatte zu sterben, wann immer sich die Gelegenheit bot. Der Rothaarige hasste sich so sehr, dass er rund um die Uhr den Drang verspürte, sich dafür zu bestrafen. Er schützte sich davor auszuticken, indem er sich selbst einredete, dass er der Beste, Tollste und Stärkste war, übertrieb so dermaßen mit seinen guten Charaktereigenschaften, nicht, damit irgendjemand ihn verehrte oder alle Menschen erfuhren, dass er großartig war, sondern, damit er selbst vergaß, dass er nicht mehr war als ein mickriger Wurm. Es war ihm nämlich durchaus bewusst, dass er immer über die Stränge schlug, er machte das nicht, weil er es nicht anders wusste, er machte das, weil er es brauchte. Der Rotschopf war aus tiefstem Herzen kaputt und was Seraphim als Wärme empfand, dass das Eis in seinen Herzen schmolz waren in Wirklichkeit nur verzweifelt tastende Finger, die sich an irgendetwas festhielten, die versuchten in seiner zügellosen, schnellen Welt etwas zu finden, das nicht wieder verschwinden würde wenn der Vergnügungssucht ihres großen Ichs Abhilfe getan war. Natürlich war Souta ehrlich und alles, was er sagte und tat, meinte er genauso, aber es gab immer zwei Seiten, das Weißhaar müsste das doch am besten wissen, schließlich gab er sich auch ganz anders, als er wirklich war, nicht wahr? Mit all diesen Gedanken im Kopf betrachtete der Rothaarige seinen besten Freund - seinen einzigen wirklichen Freund - dabei, wie er das Baby fütterte und ihn darüber aufklärte, dass es ganz leicht für ihn wäre, Sakkaku zu verletzen. Es war schon richtig, Seraphim konnte sie in dieser Situation für immer beschädigen, würde dabei vermutlich nicht einmal Skrupel haben, und Souta selbst könnte nichts dagegen tun, müsste hilflos zusehen. Ja, Seraphim. Du könntest dieses Baby töten und es würde dir überhaupt nichts ausmachen, nicht wahr? Du könntest ganz Oshibana Town blutig hinrichten. Ich denke sogar du würdest dich am Ende selbst verletzen, wenn es niemanden mehr geben würde, an dem du es auslassen kannst, aber du würdest mich niemals anrühren. Du redest davon, dass es so leicht wäre, Sakkaku zu verletzen, aber im Endeffekt sagst du mir doch nur, wie schwer es ist, mich dafür zu bestrafen, dass ich dich beleidige, oder? Doch wieso war das so? Was war an ihm besonders? In Augenblicken wie diesen ignorierte Souta seine rosarote Brille und sah die dämonische Fratze hinter den katzenhaft hochgezogenen Mundwinkeln des Himmelsmagiers, blickte auf die Hände, die zum Zerstören geschaffen waren, dazu, sich etwas zu nehmen, aber nicht dazu, etwas zu geben. Was hatte ihn zu diesem Menschen gemacht? Und wieso saß Souta nicht schon auf der Straße? Wieso fütterte Seraphim ein Baby, obwohl er es so offensichtlich verabscheute, ohne ein zorniges Wort in seine Richtung? Er verstand es nicht. Souta war es gewohnt für Fehlverhalten angeschrien, manchmal sogar geschlagen zu werden. Man stritt doch, um seine Meinungen auszutauschen, oder? Man warf sich gegenseitig die ehrlichsten Emotionen an den Kopf, sprach endlich einmal Klartext. Doch statt auszubrechen, ihn anzubrüllen oder irgendwie anderweitig zu zeigen, dass es ihn kratzte, wie er ihn angefaucht hatte, saß Seraphim einfach da und erläuterte in seelenruhiger Stimmlage - nun, was Souta getan hatte. Er verteidigte sich nicht, er sagte nichts dazu, wie er sich fühlte. Unbemerkt hatte der Weißhaarige eine undurchdringliche Barriere um sich gezogen, und allein beim Gedanken daran, über ihre Grenzen zu treten, spürte der Kettenmagier einen kalten Schauer seine Wirbelsäule hinabrinnen. Reaktionslos blickte das smaragdgrüne Auge des Rotschopfes in das Gesicht des Anderen, er schluckte, presste seinen Lippen aufeinander, als wolle er etwas sagen, wusste aber nicht, was. Gab es überhaupt eine Antwort darauf? Man sagte ja, dass ein Blick oft mehr sagte als tausend Worte, und irgendwie war Souta jetzt überhaupt nicht mehr danach zu mute, mit seinem Streitpartner die Fetzen fliegen zu lassen. Er wollte, dass das alles aufhörte, wollte wieder den Seraphim haben, der sich nicht traute ihn anzusehen, wenn er halbnackt vor ihm stand, der aus dem Nichts heraus an seinen Haaren schnupperte, der eine Tonne Kekse auf seinen Esstisch legte, weil Souta ein bisschen böse geguckt hatte. Dieser Eisklotz, der soetwas Niedliches wie das Füttern eines Babys zu einer beinahe abweisenden Geste erheben konnte war definitiv nicht derjenige, zu dem er geflüchtet war. Er machte ihm Angst. Und deshalb schloss er sein einsames Augenlid, um ihn nicht mehr zu sehen, und um etwas sehr Unmännliches daran zu hindern, daraus hervorzuquellen, verzog das Gesicht zu einem leichten Lächeln. "Ich...", sagte er, räusperte sich, weil seine Stimme aus einem nicht erfindlichen Grund in die Höhe gekiekst war. Ich wollte dich nicht beleidigen, ehrlich. Ich habe nur diese Schwäche, wenn es um kleine Kinder geht, weil ich damals meine Schwester umgebracht habe. Seitdem hasse ich mich selbst so sehr, dass ich es nicht zulassen kann, auf mich sauer zu sein. Du findest es sicher faszinierend, wie ich jeden Tag lebe, als wäre es mein letzter, ohne mir große Sorgen zu machen, hm? Weißt du, ich lebe so, weil ich hoffe, dass der nächste Tag der letzte in meinem Leben sein wird. Ich bin zu feige, es selbst zu tun, deshalb lächle ich und tue so, als wäre alles gut. Sakkaku hat mich leider an dieses Ereignis erinnert, denn als sie entführt wurde, hatte ich einen Moment das Gefühl, dass sich genau daselbe wiederholen würde. Echt, du hattest damit überhaupt nichts zu tun. Sei mir nicht böse. Ich krieg mich schon wieder ein, sorry. "...weiß auch nicht, was in mich gefahren ist. Tut mir Leid." Er öffnete das Auge wieder, sein Mund grinste ihn entschuldigend an und eine Hand kratzte sich verlegen am Hinterkopf. Mit einem peinlich berührten Seufzen und einem leichten Erröten seines Gesichtes setzte er sich wieder auf und fuhr sich mit einem sanften Kichern durch die Haare. "Und...ehm, ja, ich habe Bauchschmerzen. Hab mich überfressen, heh. Selber Schuld, oder?" Zerknirscht blickte er in das Gesicht des Älteren, versuchte aber nicht in seine Augen zu sehen, bevor sie nicht wieder so waren wie immer. Keine eiskalten Drachenaugen. Seraphim-Augen. Die Augen seines besten Freundes...

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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   Mo 27 Okt 2014 - 22:22

Tatsächlich gab es nur sehr wenige Menschen, die von sich sagen konnten, den Dragonslayer, welcher vor drei Jahren plötzlich in Oshibana Town aufgetaucht war, wirklich zu kennen. Es hatte einige wenige langjährige Mitglieder der Gilde gegeben, in deren Hinterstübchen bei seinem Nachnamen, mit dem er sich seit jeher dort vorgestellt hatte, etwas geklingelt hatte. Der Mann, der unter diesem Namen bereits einmal bekannt geworden war, hatte zwar äußerlich einige Ähnlichkeiten mit dem Jungen, der ständig lächelte, aber dennoch hatten nicht alle den Zusammenhang begriffen, war doch noch nicht einmal allen klar gewesen, dass besagter Windmagier einen Sohn gehabt hatte. Die wenigen, denen all das bekannt gewesen war, hatten dennoch eine vollkommen andere Person vor sich, wussten ebenso wenig, was denn nun passiert war, weil Seraphim nie darüber sprach und alle Fragen in diese Richtung entweder mit knappen Worten abspeiste oder aber ganz ignorierte. Man wusste nur, dass ein Sechsjähriger mit seinen Eltern gegangen und ein Sechzehnjähriger alleine wieder gekommen war; aus einem schüchternen, ängstlichen Kind war ein distanzierter und trotzdem irgendwie anziehender junger Mann geworden. Selbst wenn man sich mit ihm unterhielt, hatte man danach nicht das Gefühl, ihn besser kennen gelernt zu haben, er blieb immer ein Fremder. Ein Unbekannter, der zwar immer lächelte, aber es doch nie so zu meinen schien; der leidenschaftlich gerne spielte, aber sich selbst nie in die Karten schauen ließ. Er neigte dennoch nicht dazu, sich in den Hintergrund drängen zu lassen, sondern fiel immer wieder mit anfänglichen Kleinigkeiten auf, die man seiner Jugend zuschreiben könnte - aber mit der Zeit musste jedem klar werden, dass er sich seiner Verfehlungen durchaus bewusst war, sie provozierte und sie genoss. Er schien die Menschen, die ihn umgaben, nicht als solche wahrzunehmen, sondern als bloße Spielfiguren auf einem riesigen Spielplatz. Dafür, dass er einen so erwachsenen Eindruck machte, war er noch immer ein ziemliches Spielkind geblieben, leider jedoch eines, welches seine Fähigkeiten und sein Aussehen dafür nutzte, mit den Gefühlen der Anderen zu hantieren. Er folgte dabei nur seinen eigenen Regeln, tat nur, was ihm Spaß machte und legte es dabei augenscheinlich auch darauf aus, den Menschen seelisch weh zu tun. Und obwohl es so klar ersichtlich sein sollte, dass der engelsgleiche junge Mann ein wahrer Teufel war, gab es immer wieder jene, denen das nicht klar wurde, bis sie es am eigenen Leib erfahren mussten. Er war ein Meister der Täuschung, wenn er vorhatte, dass die Obrigkeit ihn in einem bestimmten Licht sehen sollte, würde sie es tun. Seine Worte waren süßes Gift in den Ohren derjenigen, die er zu manipulieren suchte und ließen dennoch nicht zu, sein Wesen wirklich zu durchleuchten.
Es war kalt in dem Herzen, welches ihm schon so viele zu Boden Geworfene abgesprochen hatten, jene, denen er gezeigt hatte, wie schrecklich dumm sie doch gewesen waren, auf seine Fassade hineinzufallen. Aber dabei waren es gar nicht sie, die, wie er behauptete, zu unintelligent und naiv gewesen waren, um ihn zu durchschauen, es war er selbst, der es nicht zuließ. Cyrus nährte die Gletscher in seinem Inneren, zog sie höher, unüberwindlicher, kälter. Auch wenn sie ihm selbst schadeten und ihn erfrieren ließen, so waren sie doch alles, was er kannte, seit er sich zurückerinnern konnte - seit er es wollte. Er redete sich ein, dass sie ihn vor der bösen Außenwelt schützten, ihm nur Gutes taten. Er brauchte die Kälte, die wie ein Schutzschild für ihn wirkte, benötigte sie, um sich nicht angreifbar, verletzlich zu fühlen. Sie erfüllten ihre Aufgabe wirklich gut, ihn psychisch auch nur anzukratzen war eigentlich vollkommen unmöglich; aber ebenso schränkten sie ihn auch ein. Bindungsängste, das Bedürfnis nach Distanz und die fehlende Empathie waren nur ein paar der Symptome, die den Dragonslayer daher plagten. Aber selbst die Einsamkeit, in die es ihn verschlagen hatte, bewertete er nicht als Nachteil, sondern war der festen Überzeugung, dass die Menschen seine Gesellschaft nicht verdient hatten. Menschen waren dumm, naiv und grausam, aber niemals wertvoll. Bloße Spielzeuge in seinen Händen, die er sogar zerbrechen konnte, wenn er es wollte. Und das tat er gerne, er spielte so intensiv mit ihnen, bis sie den Belastungen nicht mehr standhalten konnten und brachen und es gefiel ihm, sie brechen zu sehen. Tatsächlich war der Mann mit den Fähigkeiten eines Engels vor allem darauf Bedacht, anderen zu schaden.
Dennoch kam niemand so verdorben auf die Welt. Jedes Kind war unschuldig und rein, formbar wie ein Stück Knete und war den Launen des Schicksals wehrlos ausgesetzt. Kleinen Kindern war es kaum möglich, ihre Form zu behalten, wenn es ihre Umwelt nicht so mit ihnen meinte, wie es perfekt gewesen wäre. Dabei war alles wunderbar gewesen, er hatte im Gegensatz zu dem Jüngeren auf seiner Couch eine glückliche Kindheit gehabt - nur war diese leider mit einem bestimmten Ereignis vor ihrer Zeit für immer vorbei gewesen. Radikal, als hätte man das Beil einer Guillotine herunter fallen lassen, war die Seelenlandschaft des niedlichen, schüchternen und herzensguten Cyrus erst in Flammen aufgegangen und dann dem ewigen Eis anheim gefallen. All das, was sich dort nun finden ließ, war unecht, wurde nur aus dem gezackten Eis geformt, welches ihn doch so zuverlässig vor weiteren Feuern schützen sollte. An dem Eis prallte alles ab, was anderen Menschen das Herz schwer machen konnte oder es durchstieß... aber doch war es leer. Neid ist eine Emotion, die die Menschen dazu verleitete, etwas zu begehren, was andere hatten - und doch ist es nicht richtig zu erklären, er sei je neidisch auf die heilen Seelen anderer gewesen. Er hatte das Ungleichgewicht anders gelöst, indem er seinen Zustand zum Standard erklärt hatte und nun daran arbeitete, ihn auf die anderen zu übertragen. Indem er Seelen zerriss, Dinge zerstörte, ganz allgemein destruktiv war, füllte er prinzipiell die Leere. Es machte ihn glücklich - oder zumindest löste es etwas aus, was dem nahe war. Man definierte sich immer über seine Handlungen, aber wenn er nicht mehr dazu in der Lage sein könnte, würde er wahrscheinlich nicht mehr existieren können, weil das Eis das durchgefrorene bisschen Leben dann vollkommen erstarren lassen würde.
Er war schon immer gut darin gewesen, die Menschen mit ihren lächerlich dünnen Schutzhüllen, die wie Seifenblasen unter seinen Fingern zerplatzten, zu durchschauen, es war überhaupt keine Herausforderung mehr für ihn. Er war sich bewusst, dass Souta nicht nur das war, was er gerne vorgab zu sein, auch wenn er keine Gedanken lesen konnte. Es war ihm vollkommen klar, dass auch er Schattenseiten hatte, aber für jemanden, der nur diese besaß und alles Licht nur spielte, um sich an seine Opfer heranpirschen zu können, war trotzdem mehr Gutes in dem Jungen, als Schlechtes. Auch wenn er es nicht begründen konnte, so wirkte die Anwesenheit des Anderen wie eine schwache Wärmequelle in seinem Inneres, an die sich das Leben schmiegte. Es war vollkommen neu für etwas, das nur durchdringende Kälte gewohnt war, ein wenig suspekt, aber in jedem Falle positiv zu bewerten. Es war wie ein kleines, wärmendes Lagerfeuer, über dem man Marshmallows rösten oder Würste braten konnte, um sie nicht roh essen zu müssen. Es schmeichelte - bis es zu groß wurde. Es durfte niemals über die Strenge schlagen, denn vor einem weiteren Brand in seiner Seele hatte er tatsächlich schiere Angst. Sobald er auch nur das Gefühl bekam, es würde ihm gefährlich werden, blitzte das Eis auf und erstickte es wieder in handliche Form, damit man es wieder genießen konnte. Aber ebenso hatte er Angst davor, es versehentlich auslöschen zu können, denn hatte man sich erst einmal an eine etwas wärmere Temperatur gewöhnt, wäre ein Rückfall umso schlimmer. Er konnte Souta somit nicht verletzen, ihn anschreien, anbrüllen, ihm seine eigene Dummheit in Form von ausformulierten, schneidenden Sätzen an den Kopf pfeffern. Wenn er erst einmal damit begann, jemanden fertig zu machen, waren seine Worte tödlich, weil sie all das Eis in scharfen Scherben verschossen, welches ihm innewohnte. Und das wollte er nicht, dazu hatte er ihn viel zu lieb.
Die violetten Augen blinzelten und seine verkrampfte Gesichtsmuskulatur lockerte sich, bevor er Sakkaku wieder in die Arme nahm und sich aufrichtete. Sofort war das undurchdringliche Lächeln wieder auf seinen Lippen erschienen, dennoch war es deutlich entspannter als zuvor und vor allem von Erleichterung gespeist. Er mochte es nicht, sich mit Souta zu streiten, es fühlte sich nicht richtig an, durfte er es doch nicht übertreiben und etwas kaputt machen, was heil bleiben sollte. Sakkaku rülpste, was ihn dazu veranlasste, sie einen Moment leicht verwirrt anzugucken und dafür ein zufriedenes Schmatzen zu ernten. Für so ein kleines Wesen war das ganz schön laut gewesen... "Hier~", schmunzelte er und umrundete den Tisch, um das nun satte und sich umschauende Baby dem Rotschopf in die Arme zu legen, der damit viel besser umgehen konnte als er. Er zerstörte zu schnell, als dass er mit Kindern auch nur ansatzweise zurechtkäme, außerdem waren doch gerade sie so heil, dass das viel zu gut tun würde. "Nächstes Mal gebe ich dir nicht so viel...", meinte er, setzte sich neben ihn und legte sanft die flache Hand auf den bereits wieder abnehmenden Nudelbauch des Jüngeren. Man musste ja nicht alles erklären können, oder? Erneut glühte es leicht auf seiner Haut, als er sein Mana erneut konzentrierte, dieses Mal jedoch auf andere Art und Weise. Nicht oberflächliche Wunden, sondern inneres Unbehagen kurierend, handelte es sich um einen Zauber, der ihm zwar schon viel früher beigebracht wurde, aber bei dem es immer bei der Theorie geblieben war. Er hatte es nie wirklich geübt und beherrschte es nun nur, weil er sich dran gesetzt hatte - weil er ja nun jemanden hatte, auf den er aufpassen musste.

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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   Mo 27 Okt 2014 - 22:45

Da Cyrus Ikaros Seraphim der Himmels-Dragonslayer und somit vollkommen einzigartig auf der ganzen Welt war, verkörperte er nicht weniger als den einzigen Menschen Fiores, der dazu in der Lage war, allein durch Handauflegung und Manaverbrauch Wunden zu schließen, Gebrechen zu lindern und Krankheiten zu heilen. Im Umkehrschluss bedeutete das also, dass Itasa Soutanobu einer der wenigen (oder vielleicht sogar der Einzige) war, der je erfahren würde, wie es sich anfühlte, wenn durch die Kraft der Magie Leiden verschwanden. Würde man den Rotschopf allerdings fragen, was er dabei spürte, würde er nur mit den Schultern zucken und ein "Gut" entgegen, nicht, weil er böswillig Informationen vorenthielt, sondern einfach, weil es dafür keine treffende Beschreibung gab. Es fühlte sich tatsächlich gut an. Je nach Stelle und Schwere der Wunde war das Gefühl jedoch vollkommen anders. Damals, als er sich den Rücken aufgeschlitzt hatte, war es mehr ein Schauer gewesen, der abwärtsrann und dabei die Wunden hinfortspülte wie sanfter Sommerregen, geführt von der sanften Hand des Weißhaarigen. Bei seinen Füßen hatte es gekitzelt. Und jetzt, bei einer vollkommen anderen Art der Heilung, die Souta bisher nicht einmal für möglich gehalten hätte - tatsächlich wusste er nur sehr wenig über die Fähigkeiten seines besten Freundes, ebenso wie der noch nie einen Zauber des Kettenmagiers gesehen hatte - war es besonders seltsam. Kaum hatte er Sakkaku einigermaßen sicher in den Armen, hätte er sie auch schon fast wieder fallen lassen, denn unmittelbar danach schob sich eine kühle Hand auf seinen freiliegenden Bauch und erzeugte einen leichten Kälteschock, was dem Rotschopf die Luft einsaugen ließ und ihn dazu brachte die Bauchdecke zurückzuziehen. Gerade, als er die Berührung abbrechen wollte und einen Arm frei machte, um den Anderen als Rache für sein unvermutetes Attentat freundschaftlich zur Seite zu schubsen, veränderte sich die Temperatur der Hand schlagartig und mit einem Mal fühlte sich Souta, als hätte er einen Tintenfisch verschluckt, der in seinem Inneren herumschwamm und wohlig warm seine Saugnäpfe auf die Stellen legte, die ihm noch Sekunden zuvor wehgetan hatten. Ein eigenartiges Gefühl. Unbeschreiblich, so als wäre sein Herz übergelaufen und würde ihn nun von innen heraus mit Hitze füllen, die kurierte, entspannte, heilte. Es fühlte sich außerordentlich gut an, und zugleich weckte es leichte Panik in ihm, er fühlte sich ausgeliefert, weil es Seraphim so leicht zu fallen schien von außen her Einfluss auf sein Inneres zu nehmen, einfach, indem er ihn berührte. Und doch war es so angenehm, dass er sich wünschte, der Manavorrat des Älteren würde niemals zu Ende gehen...konnte es vielleicht sein, dass Heilung süchtig machte? Das war sehr wahrscheinlich, er konnte sich gut vorstellen, dass er die innere Wärme vermissen würde, die der Zauber ausgelöst hatte. Nun, vielleicht nicht alleine der Zauber. Vielleicht fühlte sich Itasa Soutanobu auch einfach wieder so glücklich wie zuvor, weil er ein absolut zufriedenes Baby in den Armen hielt und neben seinem besten Freund saß, der im Moment wieder die Schutzbastion war, die er ursprünglich aufgesucht hatte. Der Streit war vergessen, so schien es, und Seraphim war wieder ganz der Alte. Beinahe automatisch kringelten sich die Mundwinkel des Kettenmagiers zur Decke hin, und er lächelte so zufrieden wie eine Katze nach einer ausgiebigen Streicheleinheit. Jetzt, wo er nicht mehr aufpassen musste, dass Sakkaku jeden Moment entführt wurde, er nicht mehr am Verhungern war und keinerlei Schmerzen ihn plagten, senkte sich die Erschöpfung der vergangenen Tage wie ein Leichentuch über den Körper des 18-Jährigen. Bevor er es überhaupt realisiert hatte, war sein Kopf nach links geklappt, stieß mit den langsam trocken werdenden Kopfhaaren leicht gegen die Wange seines Sitznachbarn und bettete die seine in die ihm mehr oder weniger angebotene Schulterbeuge. Mit einem wohligen Seufzer schloss er das Auge und schmiegte sich plötzlich kuschelbedürftig an den Körper seines Freundes, vollkommen unbeeindruckt von irgendwelchen Barierren oder eisigen Herzen, die vielleicht nach ihm greifen könnten oder danach trachten würden, ihn kaputt zu machen. Im Augenblick strahlte Seraphim keine Kälte mehr aus, er war keine Bedrohung, sondern derjenige, der dafür sorgte, dass es ihm gut ging. Sein Schutzengel, wiedereinmal. "Hör niemals auf damit...", mummelte er verschlafen und rieb die Nase leicht am Kragen seines Freundes, während Sakkaku aus großen Augen zu den beiden Männern glubschte und mit den Beinchen gegen Soutas Oberarm strampelte. Natürlich waren auch die Kraftreserven seines Freundes irgendwann erschöpft, aber das hatte doch noch Zeit...Heilung war so wundervoll...und er hatte das unheimliche Glück, dass der einzige Mensch, der sie beherrschte, bereitwillig damit diente. War er nicht ein Gesegneter?

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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   Mi 29 Okt 2014 - 20:40

Ja, es war wirklich wunderbar, das scheinbar wieder alles in Ordnung war und ja, es freute ihn auch, aber... Cyrus starb gerade ein ganz klein bisschen.
Souta hatte mal wieder wahnsinnig niedlich reagiert und sich scheinbar seiner Erschöpfung hingegeben, nachdem er damit begonnen hatte, seine Bauchschmerzen zu kurieren. Auch wenn es tatsächlich die Schuld seiner eigenen Gier war, so musste er sicherlich keine Schmerzen leiden, wenn er in der Nähe war, zumindest dieser Art, welche ihm so gar nichts brachte, nicht. Es war auch überhaupt kein Problem, diesen Zauber weiter aufrecht zu erhalten, denn in einer seiner Hände steckte wahrscheinlich mehr Mana als im Körper des Jungen unter ihm, zudem es nicht besonders viel Energie zog, aber... dafür hatte er mit ganz anderen Dingen zu kämpfen. Zwar sah Souta momentan leicht deformiert aus, aber auch das bildete sich langsam zurück und der Rest dieser Position war zu... offen. Es war eine absolute Überforderung seines Gehirns, das auch scheinbar kurz davor stand, die Segel zu streichen und Feierabend zu machen, zu viele unterschiedliche und allesamt so positive Eindrücke strömten auf ihn ein, dass er nicht mehr wirklich wusste, wie er darauf reagieren sollte. Da war zum einen die Last des eigentlich so schlanken Körpers, der gegen seine Schulter lehnte. Es glich fast einem Wunder, dass eine Person, die so viel in sich rein stopfen konnte wie Souta so dünn sein konnte, auch wenn das natürlich alles gerade ein wenig verdickt war. Zum anderen das Kitzeln der roten, noch klammen Haare an seiner Wange, wie er das kühle Streifen spüren konnte. Der Jüngere murmelte etwas gegen seinen Kragen, das ihn im Normalfall schmunzeln lassen würde, aber seinen Adamsapfel nur kurz zum Hüpfen brachte; er rieb seine Nase gegen ihn, verschlafen, wie ein putziges Kätzchen, das sich anschmiegte, wahrscheinlich einfach nur auf Nähe und Wärme bedacht, als auf irgendetwas anderes, aber er machte es ihm so unglaublich schwer, gelassen zu bleiben. All das hätte er ja noch gekonnt ignoriert, da musste er sich ja nur auf das Baby konzentrieren, das einen in diesem Falle dankbar angenommenen Störfaktor darstellte und für ihn in etwa so anziehend war wie eine Zehn-Zentner-Frau im Bikini, wenn da nicht der Geruch gewesen wäre, dessen Quelle nun unmittelbar unter seiner Nase lag und am Einschlafen war. Ganz gefährlicher Ort, Souta... vor allem durfte er bloß nicht noch weiter runter rutschen, sonst war nicht nur Land unter, sondern auch anderes hoch, in jedem Falle war das sicherlich nicht, was Souta wollte. Leider war er sich da ganz sicher, sonst hätte er es einfach drauf ankommen lassen, aber da sie es gerade geschafft hatten, über ihren Konflikt hinweg zu kommen, wollte er nicht riskieren, den Jüngeren irgendwie zu verärgern... aber was sollte er denn dagegen tun? Warum zur Hölle hatte der aber auch ausgerechnet das verdammte Vanilleshampoo zum Reinigen seiner Haare nehmen müssen? Vielleicht war es das nächste gewesen, aber man konnte sicher sein, dass da noch mindestens zwei andere Gerüche gestanden hatten. Dragonslayer verfügten im Allgemeinen über einen sehr ausgeprägten Geruchssinn, also er ebenso und Vanille war so wohlriechend - und in diesem Moment einfach nur grausam. Langsam senkte sich die Nase den Weißhaars in die rote Mähne des Lamia Scale Magiers, während sich seine Hand nur noch stockend über dessen Bauch bewegte, zu sehr fürchtete er, er würde rein zufällig abrutschen und dann wäre alles aus. Mit ansatzweise panischem Blick suchte er nach irgendetwas hilfreichem, bis er die leere Schüssel erspähte. Sanft, aber dennoch irgendwie hektisch fasste er nach der Schulter des Rothaarigen und hielt ihn davon ab, umzukippen, während er die Hand von seinem Bauch nahm, aufstand und nach der Schüssel griff. "Ich bring die mal eben weg~", murmelte er und war auch schon aus der Tür verschwunden.
In der Küche angekommen pfefferte er sie in die Spüle und drehte erst einmal das Wasser so eiskalt auf, wie es irgendwie möglich war, ehe er seine Hände unter den eisigen Strahl hielt und langsam von zehn runterzählte. Das durfte er nicht, er konnte es nicht, er würde es nicht und er ließ nicht zu, dass sein Körper seinen Geist besiegte! Die fettigen Überreste in dem Geschirrstück musste er eigentlich mit Spülmittel und heißen Wasser bearbeiten, aber warmes Wasser war gerade auch nicht das, was er brauchte... auch wenn es doch wunderbar schön wäre.

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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   Mi 29 Okt 2014 - 21:48

In einem Augenblick schwebte Souta noch auf Wolke Sieben davon, missbrauchte seinen besten Freund als Kissen und war kurz davor, einfach so einzuschlafen, hier und jetzt, auf der Stelle, und im nächsten war er auch schon wieder alleine mit Sakkaku. Gerade noch hatte er gespürt, wie sich der Kopf des Weißhaarigen in seine Richtung wandte - hätte er raten müssen, so hätte er wohl ganz richtig vermutet, dass es ihm um den zarten Geruch nach Vanille ging, den diese verströmten, doch nur wenige Sekunden danach, wurde der Rothaarige brutal in die Kälte hinaus gestoßen, ohne Vorwarnung abgenabelt und zurückgelassen wie ein ausgesetztes Hündchen. Der Kettenmagier selbst roch schon längst nichts mehr von seinem Shampoo, doch für den Dragonslayer musste die kleine Streicheleinheit gewesen sein, als hätte man ihm eine Vanilleschote unter die Nase gerieben. Souta wusste selbstverständlich nichts davon, dass Menschen seiner Art einen ganz besonderen Draht zu Gerüchen pflegten, ansonsten hätte er es sich sicher dadurch erklärt, dass eben dieser zu aufdringlich geworden war...so jedoch, ganz ohne Hypothesen blieb ihm nur, reichlich verwirrt aus der Wäsche zu gucken. Wie aus dem Nichts war sein bester Freund verschwunden, und mit ihm völlig abrupt die Entspannung, die von seiner Magie ausgegangen war. Ohne jede Vorwarnung hatte er die Hand mitgenommen, die auf seinem Bauch gelegen hatte, und es war gewesen, als hätte man ihm etwas aus dem Körper gerissen. Schaurig kalt waren die warmen Fühler der Magie zu ihrem Urheber zurückkehrt und hatten ein Gefühl von Leere hinterlassen, das den Lamia Scaler dazu brachte, erschrocken aus seiner bequemen Position hochzufahren und zur Seite wegzukippen. Erst als er federnd mit der Schulter aufschlug und den letzten Zipfel von Seraphim in der Tür verschwinden sah, drangen seine Worte zu ihm durch. Also, wenn er es nicht besser wüsste, würde er ja fast annehmen, dass sein Freund panisch geklungen hatte. Doch was konnte ihn denn in so einer Situation in Panik versetzen? Es war ihm doch noch nie so unangenehm gewesen, mit dem Rothaarigen Körperkontakt auszutauschen! Nachdenklich achtete er darauf, dass Sakkaku nicht unter seinem Körper begraben lag und setzte sie neben der Couch auf den Boden, wo sie wieder einmal von allem unberührt herumkrabbelte wie ein unheimlich süßer Käfer. Dabei fiel zufällig der Blick seines grünen Auges an seinem Körper hinab - innerhalb von Sekunden blätterten die Schuppen von seinen Augen. Für kurze Zeit hatte er tatsächlich vergessen, dass er nichts außer ein offenes Hemd und Boxershorts trug - und seinen besten Freund, der sich rein zufällig (im Gegensatz zu ihm) auch für das männliche Geschlecht interessierte, dazu gebracht hatte, ihn an einer für Seraphim sicher sehr intimen Region anzufassen...upps. Natürlich war er geflohen...Wäre Souta in seiner Position gewesen und der zu Heilende eine Frau, hätte er sicher nicht anders reagiert. Nun - ER wäre vermutlich nicht abgehauen. Insofern ein großer Vertrauensbeweis des Weißhaarigen. Er sollte wirklich froh sein, dass es nicht weiter gekommen war...aber wieso wurde der Rotschopf nur dieses breite Monstergrinsen nicht los und fühlte sich, als würde er jeden Moment in schallendes Gelächter ausbrechen? Oh Mann...Und Seraphim war zu höflich gewesen, ihn nicht darauf hinzuweisen. Hatte er Angst gehabt, dass er jetzt wieder die Diva heraushängen ließ, nachdem er sich schon so eingekriegt hatte? Kopfschüttelnd erhob sich Souta - langsam wieder bewegungsfähig - von der Couch und kratzte sich am Hinterkopf. Wirklich, langsam sollte der Andere doch wissen, dass man mit ihm darüber reden konnte, oder? Wenn nicht mit ihm, mit wem sonst? Herzallerliebst, echt. Und irgendwie peinlich...

"Möchtest du, dass ich eine Hose anziehe?" Der schnellste Magier von Fiore lehnte gegen den Türrahmen in der Küche seines besten Freundes und betrachtete dessen Rücken mit einem Ausdruck von Amüsiertheit, den man mit Sicherheit auch in seiner Stimme hören konnte. Wobei - klang Soutas Sprechorgan nicht immer, als würde er insgeheim über etwas lachen? War das nicht der Zauber daran? Wie auch immer, der Rotschopf hatte sich gnädigerweise das Hemd zugeknöpft, denn das war mittlerweile tatsächlich wieder möglich, spreizte die Arme und stand so im Rahmen, dass seine Fußsohlen gegen die Ecken der Tür gedrückt waren. Dies sah nicht nur unheimlich witzig aus, sondern half ihm auch, da immernoch geschwächt, nicht einfach auf die Fresse zu fliegen, indem er wieder einmal umkippte. Zwar fühlte er sich jetzt schon stärker und weniger müde - heilte der Zauber etwa auch die Auslaugung des Körpers? - aber wissen konnte man es ja nie. Er begann bereits wieder diesen allgegenwärtigen Bewegungsdrang zu verspüren, weswegen er leicht vor und zurück wippte, während sich sein Freund noch die Hände wusch oder Ähnliches. Um wieder zu seiner Frage zurück zu kommen: Er wusste durchaus, dass eine Hose vermutlich das Letzte war, was Seraphim an seinem Körper sehen wollte, aber Souta wollte definitiv nicht, dass sich sein Freund in seiner Anwesenheit unwohl fühlte. Egal auf welche Weise. Sie waren hier immerhin nicht in irgendeinem Café, in dem sie versuchten Leute zum Nasenbluten zu bringen. Sie waren in der Wohnung des Älteren und zudem zwei erwachsene Männer, die sich über solche Dinge sicherlich irgendwie unterhalten konnten. Selbst wenn der Jüngere von ihnen sich recht heftig an der Verlegenheit des sonst so unnahbaren und sicheren Gegenübers labte, konnten sie sicher zu einem Konsens kommen, der beide Seiten...befriedigte? Bwahahaha!...nun, der für beide Seiten vorteilhaft war. Gehen wollte er nämlich noch nicht, wenn es sich irgendwie vermeiden ließ. "Ich denke noch passe ich in deine Größe..."

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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   Mi 29 Okt 2014 - 22:59

Ja, es war Höflichkeit oder eher das Wissen um die Orientierung des Anderen, die ihn dazu gebracht hatte, diese wunderschöne Szene in seinem Wohnzimmer zu unterbrechen und sich stattdessen der Salatschüssel zu widmen. Im Allgemeinen hielt ihn weder noch zwar nicht im Geringsten auf, wenn es darum ging, seinen Kopf und seine Wünsche durchzusetzen, aber das hier war etwas anderes. Wenn man seine Schwächen, was den Umgang mit Menschen anging, zusammen fassen und auf den Punkt bringen wollte, so war es vor allem der Respekt der ihm fehlte und es ihm sogar noch einfacher machte, all das zu ignorieren, was in anderen Menschen vielleicht vorgehen könnte, wenn er ihnen weh tat. Es half ihm auch ungemein dabei, jegliche möglichen Widerstände, wenn sie denn überhaupt noch vorhanden waren, zu ignorieren und sich trotzdem zu nehmen, was man wollte. Respektlosigkeit hatte für jemanden wie Cyrus also nur gutes, normalerweise - bis zu dem Punkt, an dem man dann vielleicht doch welchen hatte. So eine Trauer aber auch, dass er gerade Soutas Privatsphäre respektierte, wo es doch genau diese war, deren ungeschrieben Existenz ihn davon abhielt, seinem Instinkt zu folgen. Dieser hämmerte gerade nämlich gleich an mehreren Stellen in seinem Körper und schrie danach, beachtet zu werden. Er war es auch gar nicht gewöhnt, dass man ihn ignorierte, war er doch im Allgemeinen die Hauptantriebsquelle des Dragonslayers und somit in manchen Situationen wichtiger als das Hirn im hübschen Kopf, aus dem weiße, in alle Richtungen abstehende Haare sprossen. Weiß... wo es doch eigentlich die Farbe der Reinheit und Unschuld sein sollte, wuchs es auf dem Körper eines Mannes, der das komplette Gegenteil dieser Bedeutung war. Ungezügelt, hedonistisch und egoistisch... aber wenn er schwarze Haare hätte, sähe er damit sicherlich seltsam aus. Wäre es irgendjemand anderes gewesen und Cyrus hätte diese Person, aus welchen Gründen auch immer, ebenfalls geheilt und er hätte ebenso aufrichtig Gefallen daran gefunden... man hätte vieles darauf wetten können, dass er ihr das verklickert hätte und sie - oder ihn - unter emotionaler Erpressung, dass er ihr/ihm gerade doch auch einen Gefallen getan hatte, mit geschickt gewählten Worten dazu gebracht hätte, ihn von seinem Problem zu erlösen. Das würde sicherlich auch funktionieren, wenn es mit anderem funktionierte, warum denn dann nicht auch mit heilen? Na, in jedem Falle hatte er das bei Souta nicht getan, sondern lieber erst einmal das Weite gesucht, in der Annahme, dass der Jüngere auf dem Sofa bleiben und mit ein wenig Glück sogar einschlafen würde.
Scheinbar war diese Rechnung nicht ganz aufgegangen, denn als er sich gerade wieder ein wenig runtergekriegt hatte - wobei kaltes Wasser ja Wunder wirkte - hörte er plötzlich die melodische Stimme des Rothaarigen durch die Küche schallen. Ob er sich eine Hose anziehen sollte? Verdammt, wenn er schon so etwas sagte, dann hatte er erraten, was der wahre Grund dafür war, dass sich der Dragonslayer in die Küche verzogen hatte. Dann hatte sein kleines Täuschungsmanöver seinen Sinn verfehlt und es half auch sicherlich nichts mehr, um den heißen Brei herumzureden, nicht wahr? Gut. Cyrus mochte verlegen gewesen sein, aber wenn man in seine Karten hatte blicken können, musste er sie ja auch nicht mehr verdeckt halten, da nun allgemein bekannt sein sollte, welches Blatt er hatte. Pik wahrscheinlich, wenn man es mal konkretisieren wollte, und offenbar doch offensichtlicher, als er das geplant hatte. Er hatte davon mal abgesehen rein gar nichts von allem geplant gehabt, so war sein ruhiger Abend schon wieder dahin... Ein Kichern entrang sich der Kehle des Weißhaarigen, der inzwischen die eiskalten und noch immer nassen Hände auf die Kante der Arbeitsplatte gestützt hatte. Souta provozierte ihn in einer solchen Situation? Das war eigentlich gar nicht klug... "Ich möchte...", lächelte er, drehte sich um und ging auf den Rothaarigen zu, bis er die Hände an beide Seiten des Türrahmens stützte, um Souta, der aufgrund seiner interessanten Stehweise um ein paar Zentimeter geschrumpft war und nun tatsächlich einmal kleiner als er war, von oben anzugrinsen und seinem Gesicht immer näher zu kommen, bis sich ihre Nasenspitzen fast berührten, "dass du bettelst, mich anflehst... dass ich dir vielleicht nicht ganz so sehr weh tue...". Ohne zu stocken, zu hastig zu reden oder gar rot zu werden, sagte er es dem Jüngeren ins Gesicht, von der vorher herrschenden Verlegenheit keine Spur mehr. Eine kurze Pause später legte er den Kopf schief und flüsterte mit rauer Stimme: "Oder dass du dir tatsächlich eine Hose anziehst. Mein Kleiderschrank ist links neben der Tür in meinem Schlafzimmer. Such dir was raus." Das Lächeln auf seinen Lippen ließ keinen Zweifel daran, welches seine favorisierte Entscheidung wäre, aber ebenso sehr sollte klar sein, dass es bestimmt nicht die war, die Souta wählen würde. Aber immerhin legte es nun wirklich alles auf den Tisch, wenn der Jüngere meinte, er dürfe sich über seine Zurückhaltung lustig machen, konnte er auch gerne das Gegenteil haben.

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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   Do 30 Okt 2014 - 9:51

Ganz egal wie man es auch drehen und wenden mochte, eine Sache war unumstritten und bewiesen, wenn es um Itasa Soutanobu ging: Er war unberechenbar. Niemand, nicht einmal er selbst, konnte zu jedem Zeitpunkt genau sagen, was im nächsten passieren würde. Es war nicht möglich den Kettenmagier in ein bestimmtes Verhaltensschema zu zwängen, denn so passend dieses oder jenes auch erscheinen mochte, früher oder später brach er aus. Regeln, Normen und Vorschriften galten nicht mehr, wenn es darum ging, Spaß zu haben - und war es nicht genau das, worum es immer ging, wenn man mit ihm zusammen war? Ging es ihm nicht darum in jedem Augenblick den größten Spaß aus der Situation hervorzukitzeln? Souta schleppte nicht umsonst beinahe jeden Tag irgendwelche Frauen ab, ganz sicher nicht, weil er nichts Besseres zu tun hatte oder ihm Langeweile plagte. Er, der Weiberheld und Schürzenjäger, war trotz schon mehrfach und an vielen anderen Stellen diskutierten, überaus heldenhaften Hintergründen immer nur auf Eines aus: Soviel Spaß wie möglich. Was er auch mit seinen Liebschaften anstellte, woher er auch ging und was ihn auch zu bestimmten Reaktionen verleitete, es ging immer nur darum für einen Augenblick im Rausch der Glückshormone zu schweben, von freudigen Empfindungen eingelullt zu sein und seine Sorgen zu vergessen. Solange es Souta Spaß machte, war alles gerechtfertigt, denn es gab doch sicher nichts Bedenkliches an Freude, die absolut niemanden schadete, nicht wahr? Wobei...bei der Art von Freude, die Seraphim mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit vorschwebte, war es durchaus nicht unmöglich, dass einer von ihnen für seinen Spaß mit ein paar kleineren Wehwehchen bezahlen musste...Verängstigte es den Kettenmahier, dass sie beide ganz genau wussten, wer von ihnen diese Rolle spielte? Spielte, ja, nicht spielen würde, mochte oder könnte. Itasa Soutanobu hatte zu keinem Zeitpunkt vor, sich dem Kleiderschrank des Weißhaarigen auch nur zu nähern. Gut, zu anfangs vielleicht, aber nach dieser Entwicklung der Ereignisse würde er sich definitiv nicht mehr daraus bedienen. Konfus, nicht? Eigentlich hatte das männliche Geschlecht überhaupt keinen Reiz auf Souta. Egal ob sie nun unterwürfig oder dominant gewesen wären, unter normalen Umständen war es einfach nicht möglich ihn für dieses "Ufer" zu gewinnen. Jeder mochte lieben wen und wie er wollte, aber das war schlicht nicht die Liga, in der er spielte. Als Freunde waren Männer ja nicht zu bestreiten und überaus willkommen, aber er konnte sich nicht vorstellen jemals einen Mann anzubaggern - obwohl er es schon einmal getan hatte. Sein bester Freund war damals noch nicht mehr gewesen als eine flüchtige Bekanntschaft, doch selbst zu dieser Zeit war der einzige Hintergrund ein Schauspiel gewesen: Ein Wettkampf, den er nicht zu verlieren gewillt war. Auch in Hanabis Café hatte Seraphim ihn dazu bringen wollen zu betteln, was ihm am Ende nicht gelungen war (jedenfalls nicht so, wie von dem Anderen vorgesehen). Aber auch damals waren sie schlussendlich in dieser Wohnung gelandet...Lag es an ihr? Ruhte ein Zauber auf der Residenz des Weißhaarigen, der den Rotschopf dazu brachte jedes Mal entgegen seiner Prinzipien zu handeln? Nein. Es ging auch gar nicht um irgendwelche Prinzipien. Der Gegenstand der Diskussion, die sich stillschweigend zwischen die beiden Männer geschlichen hatte, war nicht mehr "Willst du?" - war es nie gewesen - denn das hätte Souta spontan und ehrlich mit einem klaren NEIN beantwortet, es war ein herausfordendes, abenteuerliches "Kannst du?" und das bedeutete wohl oder übel, dass er keine Wahl mehr hatte. Das Thema war nicht mehr auf irgendwelche Ufer, Ligen oder Ausrichtungen beschränkt, es ging um seinen Stolz. Seraphim wollte ihn dazu bringen sich ihm zu unterwerfen, um Gnade zu winseln, doch gerade der sollte doch wissen, dass das nicht geschehen würde, ja, nicht geschehen konnte. Hier trafen zwei Parteien aufeinander, deren Egos zusammen das Universum auszufüllen vermochten. Es war beinahe lachhaft anzunehmen, dass Itasa Soutanobu, der sich selbst für den strahlendsten und männlichsten Ritter von Fiore hielt, um soetwas Jämmerliches wie Zärtlichkeit bitten würde. Er war kein kleiner Junge. Souta war ein Mann, und Seraphim war selbst im Moment auch mehr Mann als Mensch. Es war überhaupt keine Frage, ob er in sein Schlafzimmer ging und sich eine Hose überzog - sobald er ihm den Rücken zugewandt hatte zählte nur noch, wie viele Schritte er schaffen würde, bevor sich der Dragonslayer darüber im Klaren wurde, dass die animalische Seite seines Geistes die überzeugenderen Argumente versprach. Und wenn sein Angebot die einzige Möglichkeit war, aus ihm wieder einen normalen Menschen zu machen, war Souta durchaus dazu bereit, zu drastischen Mitteln zu greifen. Wer würde schon davon erfahren? Niemand würde ihn dafür aufhängen, denn er konnte tun und lassen, was er wollte, wann er es wollte. Und auf die Frage, ob er in diesem Augenblick Seraphim zeigen wollte, dass man so nicht mit ihm zu reden hatte, konnte er ohne nachzudenken mit einem JA antworten. Vielleicht wollte er ihn im Augenblick. Vielleicht war es die Dankbarkeit, vielleicht war es irgendein anderer Grund, den man niemals erfahren würde, doch kaum hatte der Dragonslayer seinen Mund geschlossen, befiel Kühnheit den Rotschopf - die Art von Kühnheit, die meist etwas sehr Unerwartetes einleitete. Die "Ich habe einen Plan"-Kühnheit. Und so zog sich ein triumphierendes, beinahe spöttisches Grinsen über die Lippen des Jüngeren, während er sich wieder in eine aufrechte Position brachte, ehe er beinahe daselbe tat wie Seraphim nur wenige Momente zuvor: Er näherte sich ihm, das Lächeln nun so breit, dass es schien, als würde jeden Moment die obere Hälfte seines Kopfes zurückklappen, ehe er leise und herausfordernd hauchte: "Aw, Seraphim. Du solltest doch wissen, dass ich nicht der Typ für Bettelei bin. Wenn du ein Problem damit hast, ist es schon deine Sache dafür zu sorgen, dass ich nicht so laut schreie~" Seine strahlend weißen Zähne versanken in der Oberlippe des Kettenmagiers, er lächelte nun viel weniger, kicherte einmal kurz. Dann nahm er Schwung aus seiner äußerst günstigen Stehposition und sprang auf den Weißhaarigen, wie damals im Café, ließ ihn unsanft auf das Laminat der Küche knallen. Der Aufprall schmerzte in seinen Knien, doch in seiner derzeitigen Verfassung konnte er solche Schmerzen ignorieren. Rittlings pinnte er das Weißhaar nun auf den Boden, sein Auge fasste nur noch ein einziges Ziel und sein Atem beschleunigte mit wachsender Aufregung, bevor er sich langsam, wie ihn Zeitlupe zu seinem besten Freund herabbeugte. "Oh, und ich hoffe für dich, dass du währenddessen den Zauber von vorhin aufrecht erhalten kannst..."

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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   Fr 31 Okt 2014 - 20:54

Im Gegensatz zum genetischen Code, der beinahe universell ist, sodass man Enzyme gut und gerne von einer Spezies in die nächste transportieren kann und auch ein menschliches Ribosom etwas mit der tRNA einer Fliege anfangen kann, ist die Mimik der unterschiedlichen Lebewesen zwar ähnlich, aber eben nicht ganz, was dazu führt, dass schnell kleine Missverständnisse aufkommen können. Beispielsweise haben Hunde und Katzen Kommunikationsprobleme, weil das Schwanzwedeln des Hundes von der Katze nicht als Zeichen der Freude, sondern als Drohgeste interpretiert wird. Ebenso ähnelt das Lächeln der Menschen doch in vielen Dingen dem Zähne fletschen eines Wolfes, auch wenn es nun einmal grundlegend anderes verdeutlichen soll. In manchen Ausnahmefällen jedoch vermischten sich solche Intentionen miteinander und ergaben etwas wie das beinahe animalische Grinsen des Dragonslayers, der gerade ziemlich unsanft auf dem Boden - Fliesen übrigens - gelandet war und soeben seine Lunge erst einmal wieder mit Luft füllen gemusst hatte. Er hätte sich abfedern können, so wie er es auch in Hanibis Café getan hatte, aber wofür? Auch wenn er es war, dessen Rücken auf Kollisionskurs mit dem harten Boden gegangen war - war es nicht Souta, der später viel mehr Grund dazu haben würde, sich zu beschweren? Zudem es nicht einmal passend wäre, wenn er nun deswegen heulen würde, schließlich hatte gerade sein Rücken schon schlimmeres erlebt als seinen Küchenboden zusammen mit dem Versprechen, dass sich dieses unwichtige und irrelevante Leid im Angesicht des Kommenden sicherlich schnell verflüchtigen würde. Außerdem... wenn es schon so begann, durfte der Rothaarige sich nicht beschweren, wenn es alles nicht besonders sanft wurde, nicht wahr? Es war nicht der leichte Schmerz in seinem Kreuz, der das Weißhaar so grinsen ließ, es war eher derjenige, der ihn verursacht hatte und der nun unsinniges Zeug von sich gab, welches er sowieso nur aus weiter Ferne hörte. Als viel spannender empfand er den Rest dieses Augenblicks, den Gesichtsausdruck des Jüngeren, das einzelne, aber dafür wunderschöne, grüne Auge und den durchdringenden Geruch, den er verströmte. Er empfand den Körpergeruch des Einauges normalerweise schon als anziehend, aber momentan war er sanft vom Vanillearoma durchzogen, welches aus den roten Haaren duftete und avancierte somit zu einem wahren Aphrodisiakum. Sein Herz schien geradezu zu rasen, pumpte unablässig Blut durch die sauerstoffbedürftigen Zellen seines Körpers und doch schien sein Gehirn nicht nur müde, sondern auch des ganzen Aufwandes überdrüssig. Aber noch durfte es nicht abschalten, denn ohne konnte er so schlecht zusammenhängende Sätze formulieren, die doch auf die kecken Worte des Anderen sicherlich angebracht wären, oder? Wie von unsichtbaren Fäden gezogen, hoben sich seine Hände und fuhren über die spürbare Wirbelsäule des Rothaars hinauf zu einem Genick, zogen den Kopf des Anderen zu ihm herunter. Wie wunderbar er roch... auch wenn Menschen im Allgemeinen dazu neigten, vor allem auf ihren Sehsinn zu achten, so fand zumindest er, dass erst das Zusammenspiel aller fünf den wahren Genuss einer Sache ausmachten - oder einer Person. "Vielleicht... will ich auch genau das, Souta-chan~", schnurrte er grinsend löste eine seiner immer noch eiskalten und feuchten Hände von seinem Nacken, um vorsichtig eine Spur von seinem Ohr bis zum Mundwinkel zu ziehen, die sich aufgrund des Grinsens des auf ihm Sitzenden angenähert hatten, "Vielleicht will ich dich ja schreien hören~", hauchte er gegen die Lippen des Anderen, während er mit der Kuppe seines Zeigefingers genau diese nachzeichnete, um sie kurz darauf mit den seinen zu beschlagnahmen, fordernd die Lippen gegen ihn bewegte, während die violetten Augen sich zu bloßen Schlitzen verengten. Seine Hand, die nun nur im Weg gewesen wäre, fuhr wieder den schmalen Körper herunter, bis er ihn so weit von sich hochhebeln konnte, dass er sein Knie hochziehen konnte, um Souta von sich runter zu stoßen und ihn dann kurze Zeit später seinerseits auf den Boden zu pinnen und ihre Lippen erneut zu einem Kuss zu vereinigen. Geruch war für den Geschmack einer Speise nicht gerade unerheblich und wenn etwas so gut roch...? "Schon besser~", keuchte er und war drauf und dran, endlich das zu tun, worauf sie beide doch eigentlich nur noch warteten, als matt in seinem Hinterkopf das Wort 'Baby' auftauchte, wie ein dumpfer Gedanke an etwas, das man eigentlich vergessen hat. *Oh ja...*, dümpelte es in Schneckentempo durch sein Gehirn, *Da war ja was...* Richtig, da war ein kleines Kind in seinem Wohnzimmer, vielleicht sollte er darüber nachdenken, dass er das nicht unbedingt für den Rest seines Lebens traumatisieren musste. Und wenn es nur für Souta war... Er verdrehte die Augen und kurz danach den Körper, um mit einem gezielten Luftstoß die Tür ins Schloss fallen zu lassen. Nun hätte er alle Zeit der Welt, um sich dem Schönling unter sich zu widmen, dessen rotes Haar sich doch ganz wunderbar auf seinem Küchenboden machte... aber wer wollte sich schon Zeit lassen?!

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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   Fr 31 Okt 2014 - 22:49

"Mmmh~"
Willig begannen die rosaroten Lippen sich zu spalten, schlossen sich wieder, beinahe zögerlich. Heißer Atem entströmte ihnen in kurzen, abgehackten Stößen und mit ihnen winzige Spucketröpfchen, die sich innerhalb von weniger als einer Sekunde in Luft auflösten. Aus den innigsten Tiefen seiner Brust hervorgepresste Laute entrangen sich seiner rauen Kehle, bis sie ein tiefer Atemzug ersterben ließ und sie wiedereinmal den runden, kühlen Rand dessen liebkosten, was sie in diesem Augenblick am allermeisten begehrten. Es würde nicht lange vorhalten, das wussten sie. Der Akt selbst war kurz, doch je mehr sich ihr Ziel, ihre Sehnsucht in die Senkrechte neigte, desto näher würden sie dem kommen, dessen sie geduldig harrten. Doch konnte das nicht allein durch ihre Hilfe geschehen, und so umschloss auch eine schlanke, sonnengebräunte Hand entschlossen den Gegenstand, aus dessen Öffnung sie sich gütlich tun wollten, bestimmt, aber auch sanft, denn das Objekt war zerbrechlicher, als es vielleicht wirken mochte. Immer weiter stieg es an, bedächtig, aber doch zielstrebig, und schon war der Punkt überschritten, an dem es noch möglich war, sich vor ihn zurückzuziehen. In einer einzigen, fließenden Bewegung rann der Ertrag der Mühen zwischen den Lippen hindurch, setzte sich als geruchslose, weiße Substanz um ihnen an wie ein Kranz an Puderzucker - dann war es vorbei. Bekümmert schob sich nun die Zunge vorwärts, in einer letzten Aufräumarbeit leckte sie den Rest des Vergnügens hinfort und stieß den Gegenstand, jetzt wieder nutzlos geworden fort in die Einsamkeit...
"Gaaaah!" Der fröhlich hüpfende Adamsapfel des Rothaarigen war wieder aufgetaucht, doch statt auf ein Neues eine Mineralwasserflasche zu exen, kippte er sich ein Glas Milch in den Rachen. Misstrauisch betrachtete der Kettenmagier den angebissenen Keks in seiner Hand - den letzten von fünf - an dem er beinahe erstickt wäre. Nun, vielleicht war 'beinahe ersticken' etwas dramatisiert, doch es war mit Sicherheit kein angenehmes Gefühl gewesen, von winzigen Kekskrümeln in der Luftröhre gekitzelt zu werden. Glücklicherweise hatte die Milch, die sich nun leider wieder dem Ende neigte, ihn vor einem unrühmlichen Tod bewahrt, nicht wahr? Gerade entfernte er mit der Zunge den Milchbart von seiner Oberlippe und trommelte mit rhytmischem Bumm-Bumm die Fersen gegen die Außenseite der Küchentheke. Für diejenigen, die von der plötzlichen Ortsumkehrung immernoch verwirrt sind: Itasa Soutanobu saß nun auf der Anrichte seines besten Freundes, direkt neben dem Kühlschrank, mümmelte Kekse aus einer gerade angerissenen Packung und spielte nebenbei mit einem der nunmehr behosten Beine Hoppe-Hoppe-Reiter mit Sakkaku. Ironischerweise hatte es nicht einmal zwei Stunden gebraucht, bis der Kettenmagier auf's Neue von Hunger geplagt wurde - und was war schon ein besserer Snack als Milch und Kekse? Mit einem Lächeln im Gesicht verlagerte er abermals das Gewicht seines Beines, um einem Krampf vorzubeugen, denn selbst wenn die Kleine nur soviel wog wie ein Beutel Federn, saß sie nun schon seit geschlagenen fünf Minuten auf seinem Knie und zeigte keinerlei Anzeichen davon, dass das Spiel, welches sie eigentlich dazu bringen sollte, demnächst vor Erschöpfung einzuschlafen, sie langweilen würde. Und so war Souta zur ewiglichen Hockerei auf der dunklen Arbeitsplatte seines Freundes verdammt, bis ihm irgendwann in naher Zukunft das Bein abstarb. Mit einem ergebenen Seufzen stellte er das leere Milchglas neben sich und schlang einen Arm um den molligen Körper des Babys. Manchmal musste man eben schlimme Dinge durch Eigeninitiative kurieren, und im Zweifelsfall half gegen ein schlafunwilliges Kind auch das sinnlose Umhergehen in der Wohnung, denn die Bewegung des Körpers während man ging kam dem einer Wiege sehr nahe - zumindest hatte er das einmal gehört. Da es ein Hoffnungsschimmer war, klemmte sich der Rotschopf die Kekspackung unter den Arm, hielt Sakkaku an seinen Körper gedrückt und beschloss, Kreise im Wohnzimmer zu drehen. Rundherum und immer rundherum...

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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   Sa 1 Nov 2014 - 12:51

Irgendwie fühlte Cyrus sich leer. Nicht im Sinne von emotional geschädigt und ausgesaugt, sondern im Sinne von wohl tuender Entspannung, die seinen Körper durchflutete, welcher ausgestreckt auf seiner Couch lag, die Hände hinter dem Kopf verschränkt, ein zufriedenes Lächeln in Gesicht. Während er darauf achtete, sich möglichst wenig zu bewegen, um das wunderbare Gefühl noch ein wenig länger in seinem Körper zu bewahren, atmete er langsam und tief ein und aus, döste vor sich hin. Das Fenster des Wohnzimmers stand auf kipp und ließ wunderbar frische Luft hineinströmen, die um ihn herum zirkulierte und ihm ein tiefes, kehliges Schnurren entlockte. Ab und an konnte man ihn leicht den Mund öffnen sehen, bis sich eine rosafarbene Zunge herausschob und von den zarten Windströmungen naschte, die durch den Raum wehten. Es reichte nicht im geringsten für eine ordentliche Mahlzeit, aber hatte in etwa den Effekt von Erdnüssen und Chips, die man sich nebenbei rein pfeift, wenn auch mit deutlich weniger Kalorien. Cyrus war glücklich... wenn auch tatsächlich noch in anderem Maße leer, denn um seinen Manavorrat hatte es schon länger nicht mehr so mickrig ausgesehen. Aber der Jüngere hatte ja auch darauf bestehen müssen, dass er diesen verdammten Heilzauber die ganze Zeit über aufrecht erhielt. Durch seine regelmäßigen Übungen hatte er zwar eine deutlich bessere Kontrolle darüber, was er mit seiner magischen Energie anstellte, als noch vor einigen Monaten, aber gab es eine Situation, in der er weniger Kontrolle über das hatte, was er tat, als die vor kurzer Zeit?! Es war also auch geistig so anstrengend gewesen, dass er nun tatsächlich etwas müde war und vollkommen friedlich da lag. Alles war perfekt... bis auf die Tatsache, dass ein dumpfes Pochen aus der Küche ihm ein wenig auf den Geist ging, zusammen mit der Tatsache, dass dieses verdammte Baby, welches er gerne aus dem Fenster geworfen hätte, offenbar mehr Aufmerksamkeit wert war, als er. Natürlich war ihm bewusst, dass das besser so war, denn wenn Sakkaku ihn in seiner Ruhe gestört hätte, wäre er wahrscheinlich wirklich noch aggressiv geworden und hätte sie in hohem Bogen aus seiner Wohnung befördert. Sie war ja ganz niedlich, wenn sie ruhig war oder brabbelte, während sie über seinen Boden krabbelte, aber sobald sich ihr Stimmchen in die Höhe schraubte, sprengte es jegliches Nervenkonstrukt im Hirn des Weißhaarigen. Es war auch klar gewesen, dass Souta wieder Hunger bekommen würde, selbst wenn er sich vor zwei Stunden erst dermaßen überfressen hatte, dass er Bauchschmerzen bekommen hatte, weswegen er ihm ja auch erlaubt hatte, sich an seinem Kühlschrank zu bedienen, wenn auch mit der Mahnung, es nicht zu übertreiben. Er konnte von Wind leben, aber eigentlich musste das nicht sein. Egal, zurück zum eigentlichen Problem: Souta saß mit Sakkaku in der Küche, während er hier alleine lag. Mpf! Dabei wäre es doch viel schöner, wenn er den Rothaarigen zu irgendetwas angenehmem abkommandieren könnte... er könnte seinen Kopf kraulen oder so, das konnte er bestimmt wunderbar. Und er stand drauf... und kaum hatte sich dieser Gedanke in seinem trägen Gehirn ausgebreitet, kam der Augenklappenträger auch schon mit Sakkaku herein und begann das Baby Spazieren zu tragen. Ew... warum war das Baby hier? "Wenn ich...", begann er mit abwägender Stimme, "auch sinnloses Zeug brabbeln und mit den Beinen strampeln würde, wenn mir etwas nicht passt... würdest du dich dann auch so liebevoll um mich kümmern?", fragte er mit einem schiefen Grinsen, während das eine, geöffnete, hellviolette Auge dem Rothaar in jeder Bewegung folgte. Er könnte auch schmollen, wenn er nicht das gewünschte Resultat erzielte, alles kein Problem. Allerdings war er nicht wie Souta, sprang auf und schrie einfach nach Aufmerksamkeit, er versuchte wenigstens ein kleines bisschen subtiler zu gestalten, selbst wenn es doch schon relativ deutlich gewesen war, oder? Immerhin sollte man inzwischen mal mitbekommen haben, dass er Kinder nicht leiden konnte und wenn er diese schon als Beispiel anführte, was konnte es dann eigentlich noch steigern.

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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   Sa 1 Nov 2014 - 12:58

Liebevoll war nicht unbedingt der richtige Begriff, wenn man beschreiben wollte, wie Souta mit dem Baby umging, was ihm zu Beginn seiner letzten Quest mehr oder weniger in den Schoß geworfen worden war, denn mit Liebe hatte seine aufopferungsvolle Pflege überhaupt nichts zu tun. Wenn man davon ausging, dass es dem Rotschopf überhaupt möglich sein könnte jemals eine Person wirklich zu lieben, so würde das nämlich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kein kleines Baby sein, was zu etwa 75% nicht einmal seines war. Davon abgesehen, dass es den Menschen, der am nächsten an dieses Gefühl kam und doch am Weitesten davon entfernt war es zu erwidern, schon seit einiger Zeit in seinem Leben gab. So romantisch das auch klingen mochte und so naheliegend es auch war, handelte es sich dabei jedoch nicht um das Weißhaar, welches sich offensichtlich erschöpft auf der Couch räkelte, sondern um eine junge Frau, die ihn allerdings am liebsten an den Eingeweiden irgendwo aufhängen würde. Doch war das wirklich Liebe? Souta wusste durchaus, wie lächerlich es klang, dass er als Weiberheld, der schon mit Dutzenden von Frauen angebandelt hatte und dem der Satz "Ich liebe dich" so zügig über die Lippen kam wie "Die Cornflakes sind alle", von so einem intensiven Gefühl zu sprechen. Aber nichtsdestotrotz fand seine Angebetete jeden Morgen einen Liebesbrief durch ihren Postschlitz gesteckt vor. Es war das Erste, was er tat, wenn er aufwachte und das Letzte, bevor er schlafen ging. Er vermutete, dass sie seine tausendfachen Liebesbekundungen einfach als Brennmaterial verwendete, aber das war ihm egal. Irgendwie genügt es ihm schon, wenn sie morgens nur einen einzigen Gedanken an ihn verschwendete, selbst, wenn er hasserfüllt war...das musste doch Liebe sein, oder? Im Gegensatz dazu war Sakkaku einfach irgendein Baby, um das er sich kümmerte, aber er würde niemals soweit gehen, es zu behalten oder sich selbst eines anzuschaffen...Es war einfach so, dass er wusste, wie man damit umging, und es so tat, wie er es gelernt hatte. Und als das geschehen war, hatte er es bei einer Person angewandt, die er mindestens ebenso geliebt hatte wie die Frau aus seiner Gilde, deswegen mochte es inniger vorkommen als er es beabsichtigt hatte, wenn er Grimassen schneidend durch das Wohnzimmer kreiselte. Aber dass sein bester Freund so eifersüchtig auf Sakkakus Behandlung reagieren würde, das hatte er nicht erwartet. Im Allgemeinen hatte er geglaubt, dass Seraphim nicht der Typ dafür war, nach einer speziellen Vergnügung noch lange zu kuscheln und hatte sich deshalb zurückgezogen, sobald er wieder aufstehen konnte, damit der Andere über das Vergangene reflektieren konnte. Vielleicht hatte er ja den falschen Eindruck gehabt? Nun, bevor der Dragonslayer sich jetzt übergangen fühlte und am Ende einen auf beleidigte Leberwurst machte, sollte er sich vielleicht ein bisschen um das große Baby kümmern, hm? Schmunzelnd beugte sich der Rotschopf über die Rückenlehne des Sofas und blickte hinab in das verschlafene Gesicht des Weißhaars, Sakkaku an sich gedrückt, damit sie nicht abstürzte. "Du kannst es ja versuchen, aber ich glaube es könnte sich kompliziert gestalten, dich durch die Wohnung zu tragen, wenn du nicht einschlafen willst..." Allein bei der Vorstellung wollte er schon loslachen, doch riss er sich zusammen und umrundete die Couch, so dass er direkt neben seinem besten Freund zum Stehen kam. "Man könnte fast meinen, du wärst eifersüchtig auf sie. Aber keine Sorge, selbst mit dem neuen Baby hat Mama Seraphim-chan immernoch lieb...Und jetzt rück mal." Sanft, aber bestimmt, stieß er mit dem Oberschenkel gegen den Kopf des Älteren und zwängte den schlanken Körper unter dessen Nacken hindurch, so dass er nun ein nicht sehr weiches, aber hoffentlich einigermaßen bequemes Kissen für das Köpfchen seines armen Kuschelbedürftigen bot. Normalerweise war es doch Souta, der nach ein bisschen Knuddelei verlangte und sich seinen Freunden regelmäßig an den Hals warf, oder? Eigenartiger Rollentausch, aber eigentlich auch ganz lustig. Nur verstand Seraphim hoffentlich, dass er für das, was er haben wollte, alle beiden Hände frei haben musste, und der einzige Platz, wo er Sakkaku ablegen konnte, war...? Genau. Mit einem beinahe diabolischen Grinsen beförderte der Kettenmagier die Kekspackung auf den Boden, packte das mittlerweile doch recht schläfrige und dementsprechend lautlose Baby mit beiden Händen und setzte es wie einen besonders hübschen Käfer auf den Bauch seines Freundes. Um eventuelle Aufspringaktionen, bei denen sie schwere Schäden davongetragen hätte, zu verhindern, legte er seine warmen, schlanken Hände sofort um den auf seinem Schoß liegenden Kopf und begann damit, die widerspenstigen, wölkchenweißen Haare zu zwirbeln. "Mach's dir nicht zu bequem, mein Freund. Du darfst daselbe bei mir auch machen, wenn ich fertig bin~" Das war zwar tatsächlich seine Absicht, konnte jedoch noch eine Weile dauern, denn eigentlich, ja, eigentlich war es richtig bequem in dieser Position...

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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   Sa 1 Nov 2014 - 13:05

Drachenschuppen waren so resistent, dass sie das meiste, was dem Ungetüm darunter gefährlich werden könnte, abblockten. Nicht umsonst nannte man ihre Schützlinge Drachentöter, da ihre Magien als die einzigen galten, die ihnen auch wirklich gefährlich werden könnten, sollte sich der jeweilige Magier gegen den Drachen wenden. Dass das sehr unwahrscheinlich war, spielte allerdings momentan keine Rolle, viel mehr bedeutete die Dicke der Schuppen gleichzeitig auch, dass beinahe keine Körperwärme des Wesens durch die dicke Schutzschicht drang, was wiederum zur Folge hatte, dass die Außenseite eines Drachen generell kalt war. Wenn man nicht gerade von ihm gefressen, gebissen oder angespien wurde, war die Wahrscheinlichkeit, dass man sonst irgendwie körperliche Wärme von ihnen erfuhr doch gering. Vielleicht würde sich das ändern, wenn sie ein ausgiebiges Sonnenbad genommen hätten, aber selbst dazu sollte man erwähnen, dass das Schuppenkleid der Ziehmutter von Cyrus aus weißbläulichen federartigen Hornplatten bestand, die so gut wie kein Licht absorbierten, sondern es alles reflektierten. Selbst wenn, es wäre immer noch hart gewesen und lud somit nicht gerade zum Kuscheln ein. Manchmal war Cyrus seiner Mutter mitten ins Gesicht gesprungen und hatte sich, alle Viere von sich gestreckt, versucht zwischen ihren Augen und über ihren Nüstern irgendwo festzuklammern, aber selbst diese Verrenkung hatte noch eher den Charme eines Häufchens Taubendreck auf dem Asphalt besessen, als dass es einer Umarmung nahe gekommen wäre – es war auch ziemlich unmöglich, ein Wesen vom Format eines Hauses vernünftig zu liebkosen. Ebenso war es kaum möglich mit Krallen von der Länge eines Unterarms einem damit verglichen kleinen Menschen den Kopf zu kraulen, wenn man ihm nicht den halben Schädel wegkratzen wollte. Dabei hatte der Dragonslayer es schon vor jenem verhängnisvollen Tag geliebt, wenn seine leibliche Mutter versucht hatte, seine Haare in eine Frisur zu bringen, die nicht ganz so sehr nach Willkür stank und dabei immer damit aufgegeben hatte und stattdessen seine Kopfhaut gekrault hatte. Er wusste das alles nicht mehr, da sein Unterbewusstsein alle Erinnerungen an seine Kindheit gut verschlossen hatte, damit sie seinem Bewusstsein nicht schaden konnten; alles was er über seine leiblichen Eltern wusste, hatte er von Gildenmitgliedern erfahren, nichts davon konnte er selbst erinnern. Cyrus hatte also, wenn man seine Kindheit wegließ, die für ihn seiner Meinung nach keine Relevanz hatte, keine wirkliche Körperwärme von irgendwem mitbekommen. Vielleicht von irgendwelchen kleinen Tieren, die er sich geschnappt hatte, aber wie niedlich mutete ein Kaninchen an, wenn man genau wusste, dass man vorhatte, es zu essen? Eher weniger. Sein größtes Hobby, wenn man es so nennen durfte, hatte er eigentlich auch erst entwickelt, weil er Körperkontakt zu den Menschen gesucht hatte, sie ihm attraktiv erschienen, das war doch auch eigentlich etwas vollkommen normales, oder? Dennoch tat er das nicht so offensichtlich, wie manch anderer in diesem Raum, da er ansonsten Wert auf eine emotionale Distanz legte. Er konnte einfach das Gegenteil vorspielen, so tun, als sei eine Person so tief in sein Herz vorgedrungen, dass er gar nicht anders konnte, als sie zu lieben – das tat er fast tagtäglich – aber um sich wirklich an jemanden zu schmiegen fehlte ihm genau das. Deswegen kuschelte er selten, da er sich seinen Körperkontakt ja auf andere, intensivere Weise zu holen pflegte. Aber da er Souta ja am liebsten als Teddy anstellen würde, um an seinem duftenden Haar zu riechen oder ihn einfach zu umarmen, war das eine ganz andere Geschichte, weswegen er ja auch erst diese Anmerkung gemacht hatte.
Sein zweites Auge öffnete sich, sodass nun zwei Amethyste zu dem einen Smaragd des Jüngeren hinauf blickten, immer noch ein leichtes Lächeln auf den Lippen. Während er den ersten Kommentar Soutas noch mit einem Schmunzeln hinnahm, zogen sich bei seinem zweiten die weißen Augenbrauen ein Stück zusammen. Er konnte es überhaupt nicht leiden, wenn man ihn mit dieser Nachsilbe ansprach, sie war viel zu weiblich. Und er war keine Frau, weder körperlich, noch geistig, noch sonst wie. Natürlich war er zweiseitig orientiert, was seine Sexualität anging, aber selbst wenn er mit einem Kerl rummachte, so zwang er diesen in die Rolle der Frau – womit er wieder aus dem Schneider war. Das sollte der Rothaarige doch am besten wissen… aber halt, noch im selben Satz hatte er sich selbst Mama genannt, wenn er das schon brachte, dann musste es sich um einen Witz handeln. Statt mit den Schultern zu zucken, hievte er seine Oberkörper ein Stück hoch, sodass er sich hinter ihn setzen konnte und legte dann seinen wuscheligen Kopf auf die Oberschenkel des Anderen. Er wollte gerade zufrieden Lächeln, als er den Gesichtsausdruck auf seinem Gesicht bemerkte, kurz stockte und dann auf einmal Sakkaku auf dem Bauch liegen hatte. Ehm… nein? Er wollte hochschnellen, um das Kind sonst wohin zu befördern, aber bevor er weiter als zehn Zentimeter gekommen war, legten sich zwei Hände auf seinen Kopf und drückten ihn mit sanfter Gewalt zurück. "Nimm das..." Ding da von mir runter, hätte es geendet, wenn Souta nicht im nächsten Moment damit angefangen hätte, durch seine Haare zu streicheln. So aber machte er den Mund nach dem halben Satz zu und legte den Kopf in den Nacken, um wohlig zu lächeln. Er mochte das so gerne… langsam schlossen sich seine Augen wieder und er drehte den Kopf leicht in Richtung des warmen Körpers um seine Schläfe gegen Soutas Bauch zu reiben. Immer noch hing ein leichter Duft nach Vanille im Raum… "Du riechst wie ein Vanillekipferl, Souta-chan~", schnurrte er entzückt, "Zum Anbeißen…". Das Baby auf seinem Bauch hatte er schon innerlich verdrängt, auch wenn es ab und zu leicht ein Beinchen gegen ihn bewegte.

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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   Sa 1 Nov 2014 - 13:12

Es war erstaunlich und unheimlich zugleich, wie leicht es Seraphim fiel, sich immer wieder der Situation anzupassen. Wie ein Chamäleon konnte er seine Farbe ändern, so schien es, und innerhalb eines Augenblicks wurde er vom größten Egoisten und gefährlichsten Tyrannen Fiores zu einem jungen Mann, der sich nach Streicheleinheiten verzehrte wie eine verkuschelte Katze. Es faszinierte Souta, dass ein Mensch so viele Facetten haben konnte, doch zugleich war es für ihn, der immer nach seinem Herzen handelte, beunruhigend. Man konnte sich nie sicher sein, ob die Gefühle des Dragonslayers aufrichtig waren. Es war durchaus möglich, dass er den Rothaarigen nur benutzte, um Spaß zu haben, auch wenn alle Indizien dafür sprachen, dass er dem Älteren mehr bedeutete, als er jemals zugeben würde. So sicher er sich auch war, dass ihm in seiner Gegenwart nichts geschehen würde, weil er Souta war, so zögerlich wurde er doch, wenn Seraphim seine bedrohliche, lieblose Seite zeigte. Wenn er mental die Zähne fletschte und ihm so sagte, dass es Grenzen gab, die selbst er nicht überschreiten durfte, jagte es ihm jedes Mal einen eiskalten Schauer über den Rücken. So sehr er ihn auch mochte - das Weißhaar war kein Kuschelkätzchen. Es war durchaus bereit dazu, auch körperlichen Schaden zuzufügen, aus irgendeinem Grund war diese Tatsache dem Rotschopf so klar wie jene, dass er in seiner Gegenwart vollkommen behütet war. Genausowenig wie er selbst jemals die Hand gegen eine Person erheben würde, die ihm etwas bedeutete, war er immun gegen die schlechten Seiten seines besten Freundes. Souta bekam immer nur die golden glänzende Schokoladenseite von Seraphim zu Gesicht, und obgleich sie sich körperlich so nahe gewesen waren, wie es ging, ließ ihn das Gefühl nicht los, dass er im Grunde überhaupt nichts über den Menschen wusste, der auf seinem Schoß lag, dessen widerspenstigen Haarschopf er so selbstverständlich liebkoste, als würde er ihn schon ewig kennen. Wie konnte der Himmelsmagier es zulassen, sich ihm so vollkommen auszuliefern? War er es nicht gewesen, der sich jedes Mal auf's Neue darum bemühte, Souta zu unterdrücken und in eine Rolle zu drängen, für die er nicht geschaffen war? Das mangelhafte Wissen über die jeweils andere Person beruhte doch auf Gegenseitigkeit - und er bezweifelte schwer, dass der Ältere so vertrauensselig war wie er, dem es durchaus gut zu Gesicht stand, sich von irgendwelchen Leuten streicheln zu lassen. Welche Erlebnisse hatten sie schon miteinander geteilt? Welche Gefühle? Konnte man aus dem Nichts zu Freunden werden, so ganz ohne gemeinsame Interessen, oder hatte er sich die ganze Zeit nur etwas vorgemacht? Sie sprachen nicht über Dinge, die sie bewegten. Souta glaubte nicht, dass Seraphim jemals zu ihm kommen würde, um ihm seine Sorgen zu unterbreiten. Diese Art von Freundschaft besaßen sie nicht. Ist alles, was uns verbindet, das Körperliche?, fragte er sich, während sein Finger über die Tätowierung auf dem Jochbein strich und dessen Zacken nachzeichnete. Sein Freund lächelte ihn an und rieb sein Gesicht an ihm, und obwohl das kitzelte und ihn eigentlich zum Lachen gebracht hätte, hatten ihn seine schweren Gedanken ernst werden lassen. Es geschah nicht oft, dass Itasa Soutanobu einmal nicht alles ins Lächerliche zog. Wenn er wütend war, natürlich. Wenn er Schmerzen hatte, dann auch. Aber sonst...was war das gerade? Es machte ihn traurig, dass er keine emotionale Bindung mit Seraphim hatte? Das war doch lächerlich, Weiberkram...Männer redeten nicht über ihre Gefühle, das hatte sein Vater immer gesagt. Nun, Männer verließen auch nicht ihre Frauen und Söhne, oder? Zögerlich senkte der Rothaarige seinen Kopf und blickte nachdenklich auf die geschlossenen Augen seines besten Freundes. Er hatte niemanden außer ihm. Das Los seiner Art war es, dass sich die Leute nicht lange bei ihm aufhielten. Man sah ihn an, mochte ihn vielleicht, erledigte eine Quest zusammen, aber das genügte auch schon wieder. Es gab niemanden, der so lange und so widerstandsfähig eine Dosis Souta ausgehalten hatte wie Seraphim. Was würde er also machen, wenn er durch eine unbedachte Frage alles zerstörte? War eine Freundschaft, von der er nicht wusste, ob sie echt war, nicht tausendmal besser als gar keine? Vielleicht. Aber eine Freundschaft, der er sich sicher war, war unendlich wertvoller als eine, die falsch sein konnte. Es gab immer das Risiko, enttäuscht zu werden. Vielleicht würde Seraphim auch wütend werden oder ihn ignorieren. Was auch immer geschah, er wollte Gewissheit haben, damit er wieder herumalbern konnte wie sonst. Das Schlimmste, was passieren konnte, war, dass der Weißhaarige zugab, dass er ihm überhaupt nichts bedeutete. Vorsichtig, unendlich langsam für den schnellsten Menschen Fiores, nahm er die Rechte von der Wange und griff nach dem Handgelenk des Älteren, hob seinen Arm leicht an. "Seraphim?" Die schlanke Hand des Rothaarigen strich sanft über die blasse Handfläche, die dünnen Finger glitten in die Zwischenräume ihrer ungleichen Zwillinge - fest drückten seine Fingerkuppen auf die kleinen Hubbel seiner Handknöchel, um zu zeigen, dass er Aufmerksamkeit brauchte, ehrliches Zuhören, keine spöttische Bemerkung über seinen Geruch oder Ähnliches. Für einen Moment wurde sein Gesichtsausdruck gequält, so als könne er selbst nicht fassen, was er da gerade wieder für einen Blödsinn machte, dann glätteten sich seine Züge und er starrte auf seine Hand, welche die seines Freundes wie einen Schraubstock umklammerte, unfähig, ihm in die Augen zu sehen, als er sprach: "Vertraust du mir eigentlich?" Vertrauen zu erbeten war leichter als Zuneigung zu erheucheln. Es sicherte ab. Das Eine schloss das Andere nicht aus. Selbst wenn er "Nein" sagen würde, bedeutete das gar nichts. Er konnte nicken und einfach damit weitermachen, seinen Kopf zu kraulen. Vertrauen war immerhin nicht die Basis einer Freundschaft, oder? Natürlich konnte Souta auch damit leben, wenn Seraphim verneinte. Ganz klar...Nur weil er ihm vertraute, musste er dafür nicht Daselbe verlangen. Damit kam er klar...
...
Oder nicht?

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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   Sa 1 Nov 2014 - 13:19

Im einen Moment spürte er noch sanfte Finger über sein Gesicht streichen, im anderen waren sie verschwunden und stattdessen konnte er eine Berührung an seiner linken Hand fühlen. Warum hatte Souta mit der wohltuenden Kopfmassage aufgehört? "Mmh?" Leicht verwundert öffneten sich die violetten Augen, blinzelten zwischen weißen Wimpern hervor und fixierten das Gesicht über ihm, welches scheinbar näher gekommen war, ohne dass er es bemerkt hatte. Er verstand nicht recht, was seine linke Hand dem Rothaarigen getan hatte, dass er es immer auf diese abgesehen hatte, wenn er etwas zum zerquetschen suchte, sodass sein Blick kurz zu dieser glitt und nur das zu sehen bekam, was er aufgrund des drückenden Gefühls schon vermutet hatte. Rasch huschten seine Iriden zurück in ihre Ausgangsposition und suchten nach einem Grund für diese Geste... hatte er wieder Bauchschmerzen oder so etwas? In dem Restaurant waren es Schmerzen gewesen, die ihn dazu gebracht hatten, seine Hand zu zermatschen - und tatsächlich sah das Gesicht des Jüngeren merkwürdig verzerrt aus. *Alles in Ordnung?* Doch bevor er seine Gedanken ausformuliert über die Lippen bringen konnte, entspannte Souta scheinbar wieder, dennoch blieb ein leicht misstrauischer Ausdruck in den Augen des Dragonslayers zurück. Er vermutete noch immer, dass irgendetwas los war, was er vielleicht ändern könnte; allerdings dachte er dabei tatsächlich nicht einen Augenblick daran, dass es vielleicht etwas emotionales sein könnte, was dies provoziert hatte. Nein, er hätte tatsächlich auf eine rein körperliche Beschwerde getippt, aber die Frage, die kurz danach aus seinem Mund kam, enttarnte diese Vermutung als grundlegend falsch. Ob er ihm vertraute? Inwiefern vertrauen... warum wollte er das wissen? Das Misstrauen in seinen Augen wurde durch eine leichte Unsicherheit ersetzt, die aber recht schnell unterdrückt wurde und seine Seelenspiegel blank hinterließ. Warum reagierte er selbst so aggressiv auf eine so simple Frage? Er hatte sehr wohl bemerkt, dass er zuallererst daran gedacht hatte, was den Einäugigen wohl dazu verleitet haben könnte, ihn so etwas seltsames zu fragen, statt sich über deren Inhalt selbst Gedanken zu machen. Aber musste er darüber wirklich sinnieren? Warum sollte er nicht einfach eine der Antworten geben, die er sonst auf so etwas gegeben hätte: Eine spöttische Anmerkung, ein ironischer Kommentar oder auch eine ausweichende Streicheleinheit für das Ego des Fragenden? Allerdings schien der Rothaarige nicht nur einen Grund für die Frage zu haben, ebenso schien ihm daran zu liegen, dass er diese auch beantwortete - nein, wahrheitsgemäß darüber Auskunft gab, was ihn bewegte. Cyrus war ein begnadeter Lügner, er konnte sich nicht nur einem kompetenten Chirurgen gleich Ausflüchte und Geschichten aus den Rippen schneiden, sondern auch ohne die Miene nur im Ansatz zu verziehen Rufmord begehen oder böse Gerüchte über andere in Umlauf zu bringen. Er hätte in diesem Moment alles behaupten können und er bezweifelte stark, dass Souta die Lüge erkannt hätte. Aber war es das, was er wollte...? Immerhin betrachtete er den Jüngeren als einen Freund, also eine Person, die man nicht gerade wie all die dummen Frauen behandeln sollte, die in ihm nur das sahen, was er ihnen vorspielte.
Vertrauen... war gefährlich. Indem man jemandem vertraute, verzichtete man zum größten Teil auf die Kontrolle, die Cyrus für sich eigentlich immer behielt. Egal wie sorglos er scheinen konnte, er würde nie auf die Idee kommen, sein Leben jemand anderem anzuvertrauen, als ihm selbst. Er hinterging die gesamte Menschheit, weil er es eben konnte und es ihm Spaß machte, woher sollte er da wissen, ob es nicht noch andere Menschen gab, die so wie er handelten? Es wäre Torheit, sich jemandem anzuvertrauen, in dessen Kopf er nicht gucken konnte. Wobei diese Einstellung nicht nur von Rationalität abhing, wie er sehr genau wusste. So vertraute er Grandine ohne Einschränkungen, auch wenn man sicherlich erst recht nicht in den Kopf eines Drachen gucken konnte, ebenso wie seine Ziehmutter ihn schon oft genug teilweise schwer verletzt hatte. Dennoch hatte sie ihn immer wieder geheilt und ihn überhaupt erst aufgezogen - und war somit die einzige Person, die eine Art Vorbild für ihn war. Er konnte sich kaum noch an seine Eltern erinnern, als ob es da irgendwie ein Modell gab, an dem er sich orientieren konnte. Das war allerdings auch der Grund, warum er es überhaupt nicht gewohnt war, über Emotionen zu sprechen: Drachen zeigten diese zu selten, als dass man sie auch noch darüber sprechen hören könnte. Also sah er das nicht einmal als "Weiberkram" an, er war schlichtweg gar nicht damit aufgewachsen - oder zumindest nicht, soweit er sich zurückerinnern konnte. Er vertraute Grandine, er liebte sie, die Drachin war auch das Wesen, welches er als Mutter betrachtete. Aber konnte er einem Jungen vertrauen, den er gar nicht mal so lange kannte? Wenn man logisch darüber nachdachte, dann würde seine Antwort NEIN lauten, denn alles, was er über Souta wusste - und das war vielleicht genauso viel, wie dieser über ihn wusste - war nicht gerade vertrauenserweckend. Aber trotzdem hatte er danach verlangt, sich selbst in eine Position zu bringen, in der Souta ihn in jedem Augenblick umbringen könnte. Raubtiere zögerten nicht, wenn ihre Beute hilflos war, sie schlugen zu und labten sich an dem noch warmen Körper. Zeigten sie einem Artgenossen jedoch ihr Vertrauen oder ihre Unterwerfung, so präsentierten sie ihre verletzlichste Körperstelle. Hunde rollten sich beispielsweise auf den Rücken und ließen sich ihren Bauch streicheln, wenn sie sich sicher waren, dass sie das nicht das Leben kosten würde. Cyrus drückte so doch eigentlich alleine durch seine Körpersprache aus, dass er Souta vertraute, nicht wahr? Allen anderen, denen er solchen Zugang zu seiner Kehle gewährte, traute er einfach nicht zu, dass sie ihn töten könnten, selbst wenn sie es vorgehabt hätten - das war ein großer Unterschied. Der Rothaarige wiederum könnte ihm rein theoretisch sicherlich sie Kehle zerfetzen, ehe er überhaupt bemerkte, dass sich seine Absichten geändert hatten - und trotzdem ging er scheinbar dieses Risiko bereitwillig ein. Nur sollte man wissen, dass er nichts von Risiken hielt, also blieb nur die Möglichkeit übrig, dass er es schlicht nicht als riskant betrachtete. Insofern von rein intuitiver Seite ein JA, nur was würde er ihm antworten? "Wahrscheinlich...", kam es also langsam und gar nicht so sicher über seine Lippen, wie man es doch meistens von ihm gewöhnt war, "Oder glaubst du, dass ich sonst so lebensmüde wäre, dir so offensichtlich die Möglichkeit zu geben, mich zu töten?" Da war seine normale Stimme wieder, sicherer und dennoch ernst. Das war kein Witz gewesen, sondern bitterer Ernst. Kurz senkte sich Stille über die beiden, nur unterbrochen von einem leisen Murmeln von der inzwischen eingeschlafenen Sakkaku. "Warum fragst du das?"

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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   Sa 1 Nov 2014 - 14:28

Wenn Souta gleich seines besten Freundes in der Wildnis aufgewachsen wäre und sich von rohen Tieren ernährt hätte, die nur manchmal vom gnädigen Atem seiner Drachenmama geröstet worden waren, hätte er vielleicht annähernd verstanden, worauf Seraphim hinauswollte, als er ihm antwortete. Allein, dass er nicht ignoriert worden war und der Dragonslayer ihn offenbar wichtig genug fand, um mehr als nur eine spöttische Bemerkung loszulassen, hatte den Rotschopf schon dermaßen überrascht, dass er zunächst gar nicht wirklich darauf geachtet hatte, was der Andere da eigentlich sagte. Anfangs drang nur eine alles überflutende Welle der Erleichterung in sein Bewusstsein, denn was er sagte - verstand er auch den Sinn der Worte nicht - war eindeutig eine Bejahung. Kein stürmischer Ausruf, aber auch kein 'Nein'. Zugegeben war das schon mehr, als er sich erträumt hatte. Er war der Letzte, der irgendetwas von irgendjemanden erwartete, dafür war er selbst viel zu verantwortungslos, aber im Grunde seines Herzens hatte er doch darauf gehofft, dass seine Frage auf einen grünen Zweig stoßen würde. Souta war sehr empfindsam, wenn es darum ging, dass Leute, die ihm wichtig waren, irgendeinen Grund hatten, ihm nicht zu vertrauen. Alle anderen Menschen waren ihm komplett egal, doch wenn jemand für den er sein Leben geben würde (was an sich keine große Leistung war, denn allzu sehr hing er nicht daran...) direkt sagte, dass er Daselbe niemals erhalten würde, war das ein Stich in sein großes Herz, in den er jeden aufnahm. So kitschig sich das auch anhören mochte, auch Seraphim hatte seinen ganz besonderen Platz im Lebensmuskel des Rothaarigen und war mitunter dafür verantwortlich, dass er nicht schon lange dafür gesorgt hatte, dass dieser seine Arbeit beendete. Natürlich würde er das niemals zugeben, doch nicht seine Vitalsysteme erhielten ihn am Leben, sondern die Menschen, die er liebte. Jemand, der für sich selbst nicht leben wollte, der lebte für andere - durch andere. Tragischerweise war Itasa Soutanobu schon seit Langem einer dieser Menschen, vielleicht war er im Grunde sogar ein bisschen suizidgefährdet und mental instabil, aber davon wusste niemand. Wer würde das auch vermuten, wenn man sich rund um die Uhr die Sonne aus dem Arsch scheinen ließ, hm? Erst langsam wurde ihm der Sinn der Worte bewusst, die Seraphim benutzt hatte, um ihm mehr oder weniger eine ehrliche Antwort zu geben. Es war eine rhetorische Frage gewesen, eine Form von Spott, aber zugleich - und Souta dachte nicht, dass das passieren würde - tat sie irgendwie weh. Nicht körperlich, er fühlte sich nicht einmal irgendwie gekränkt oder Ähnliches. Allein die Annahme, es könnte irgendwie nötig sein, sich vor ihm zu schützen, war etwas, was so vollkommen gegen alle seine Prinzipien ging, dass es ihn beinahe elektrisierte. Er spürte Zorn aufflammen, doch bevor er irgendetwas sagen konnte, löschte eiskaltes Mitgefühl ihn wieder aus und hinterließ ein unangenehmes Schweigen, das er nicht brechen konnte, obwohl er vermutlich der schlagfertigste Mensch in Fiore war. Was konnte eine Person dazu bringen, solche Möglichkeiten auch nur in Betracht zu ziehen? Souta hatte noch nie jemanden getötet. Obgleich er schnell und geschickt genug wäre, eine ganze Armada an ihm unterlegenen Gegnern niederzumähen, bevor sie auch nur in Betracht ziehen würden, dass er sich von der Stelle bewegt hatte, würde er das niemals tun. Wenn Seraphim in seinem Schoß lag dachte er nicht an die ihm dargebotene Kehle, nicht an die empfindsamen Augen und auch nicht daran, dass seine Waffe im Badezimmer lag, dessen Tür man nicht abschließen konnte, und dass es nicht einmal fünf Sekunden brauchen würde, sie zu holen. Das waren Dinge, die er nicht einmal in Erwägung zog. Sollte er ihm das sagen? Wie? Klang es nicht wie eine Liebeserklärung, wenn er seine Hand drückte und ihm versprach, dass er ihm niemals etwas antun würde? Er liebte Seraphim, durchaus - aber nicht auf diese Art. Wenn der Andere es falsch verstand, würde er misstrauisch werden. Er konnte schon jetzt seinen Blick auf sich spüren und die Frage, wieso zur Hölle er das gefragt hatte, brannte sich in seinen Geist wie glühendes Eisen. Er wusste die Antwort, aber er schämte sich, sie zu sagen. Lächerlich war das! Der schamloseste Mensch auf der ganzen Welt machte sich in die Hose, weil er den einzigen Freund auf der Welt nicht vertreiben wollte...Wieso musste Freundschaft so kompliziert sein? Konnte man nicht einfach so weiterleben wie bisher? Ungezügelt, frei wie ein Vogel, und ohne, dass sein Herz zersprang, weil er keine Ahnung hatte, was er tun sollte? Wie ein eingepferchtes Tier schritt der innere Souta seinen Käfig ab, suchte eine Möglichkeit, daraus hervorzubrechen, doch das erste Mal in seinem Leben hielt der erwachsene Souta das Kind in ihm zurück und zwang sich dazu, einen tiefen Seufzer auszustoßen. Sanft zeichneten seine Finger Kreise auf die Handknöchel seines Freundes, er lächelte nicht, aber nun sah er direkt in die violetten Augen des Himmelsmagiers. Mit aller Entschlossenheit, die er aufbringen konnte, sprach er die Worte, die er eigentlich zurückhalten wollte: "Ich würde dich...niemals...töten." Ein tiefer Atemzug durchflutete seine plötzlich rau gewordene Kehle, er räusperte sich, kam sich schon wieder unendlich blöd vor. "Ich...Du bist mein Freund, Seraphim. Ich vertraue dir so sehr, dass es mich manchmal selbst erschreckt. Ich bin sehr schnell darin, mein Herz zu verschenken, weil ich ein riesiger Volltrottel bin und eigentlich ist es mir egal, was andere von mir halten. Aber da du mein Freund bist, interessiert es mich. Ich kann es dir nicht ansehen ob du mich magst oder nicht. Vielleicht willst du mich insgeheim loswerden und hälst mich für vollkommen verrückt, jetzt mit dieser Gefühlduselei anzufangen. Ich bin nicht der Typ für solche Gespräche...Ich wollte nur wissen, ob ... na ja. Ob du auch nur im Ansatz soviel für mich übrig hast wie ich für dich." Verlegen wollte er aufstehen, einfach immer weiter davonrennen und sich irgendwo einschließen, aber Seraphim lag auf seinem Schoß und so konnte er nirgendwo hin. Es gab kein Entkommen. Sich in Grund um Boden schämend blickte er nach links, wandte dem Anderen seine blinde Seite zu. "E-Es tut mir Leid. Ich bin idiotisch. Vergiss es..."

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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   Sa 1 Nov 2014 - 14:32

Im Grunde genommen war das ganze Leben ein einziger Spießrutenlauf und nur Gesetze und irgendwann von grauen Vorvätern gesetzte Moralvorstellungen hielten die Menschen davon ab, sich gegenseitig an die Gurgel zu gehen. Natürlich spielten auch Faktoren wie der gemeinsame Wunsch nach Leben eine Rolle, denn da Menschen eigentlich schwach waren und in freier Natur schnell die Opfer würden, mussten sie sich eben in einer Ersatznatur organisieren, die sich Kultur nannte. Man musste nicht darum fürchten, von seinem Nachbarn umgebracht zu werden, nur weil man einmal vergaß, den Bürgersteig zu fegen, ebenso war es verhältnismäßig ungefährlich, sich mit einem Menschen zu streiten, wenn dieser nicht gerade ein Schwerverbrecher und betrunken war. Cyrus war allerdings, so weit er sich zurückerinnern konnte, nicht in Kontakt mit dieser Kultur gekommen, sondern hatte sich an ganz andere Gesetzesmäßigkeiten gewöhnt. Um ohne die Institution der menschlichen Kultur als solcher überleben zu können, war Misstrauen das Alpha und Omega, Mitgefühl war gefährlich und generell sollte man sich dreimal überlegen, ob man jemandem vertrauen wollte. Hörte man ein seltsames Geräusch oder bekam nur das Gefühl, dass irgendetwas im Busch war, musste man sich darauf einstellen; verletzte Tiere konnten die schwersten Wunden reißen, weil sie nichts mehr zu verlieren hatten und vertrauen konnte man nur denen, die einen umbringen konnten, aber es vorsätzlich nicht taten - in seinem Falle seiner Mutter. Deswegen war es für den Dragonslayer ganz normal, sich immer selbst in Sicherheit wissen zu müssen und grundsätzlich immer die Möglichkeit zu haben, sich zu verteidigen; ebenso war ihm bewusst, dass gerade Magier wie Souta ihn töten konnten, rein von den Fähigkeiten her und er ihnen vertrauen musste, um sich in Sicherheit wiegen zu können. Allerdings glaubte er aus tiefstem Herzen an das Böse im Menschen, so wie andere immer nur das Gute sahen - er konnte nur sich selbst als Musterbeispiel nehmen und er selbst war in so vielen Punkten das, was man als böse bezeichnen konnte: Er war egoistisch, gefühlskalt, stellenweise brutal, intrigant, überheblich und gegenüber vielen so gemein, dass sie ihm nach einer Kostprobe seines giftigen Spotts aus dem Weg zu gehen pflegten. Das alles auch noch hinter der Fassade eines engelsgleichen Aussehens, machte einen Menschen aus, dem man nicht unbedingt trauen sollte. Und da er einen Großteil seines Seins mit vielen Millionen anderen Zweibeinern teilte, musste es auch noch andere wie ihn geben, die man allerdings selbst mit der besten Menschenkenntnis nur bedingt gut erkennen konnte. Er selbst schätzte sich, was diese Fähigkeit anging, eigentlich wie in vielem anderen recht hoch, da es immer einfacher war, jemanden zu erkennen, der einem selbst ähnelte. Bei Souta wiederum wusste er zwar, dass dieser auch nicht das klassische Klischee eines Gutbürgers erfüllte, aber im Gegensatz zu ihm selbst schien sein Antrieb noch irgendwo auf einer gewissen Ethik zu basieren. Der Rothaarige war, wenn Cyrus ihn richtig einschätzte, ein absolutes Spielkind, das immer genau das tat, worauf er gerade Lust hatte, egal ob es den gesellschaftlichen Normen entsprach; jemand der Ungemach auswich und vor ihm davonrannte, aber der dies vor allem tat, weil er sich damit nicht auseinander setzen wollte, nicht, weil er nicht die entsprechenden Fähigkeiten besitzen würde. Dennoch war Cyrus sich relativ sicher, dass Souta generell keinen Menschen töten würde, einfach weil es falsch war; er selbst war da anders, er hatte das alles schon mehrfach hinter sich gebracht.
Was bedeutete es also schon, wenn Souta sagte, er würde ihn niemals töten?
Dennoch war da etwas in der Art, wie er es sagte, das ihm symbolisierte, dass darüber nun kein Spott angebracht war, sondern dass Souta sich überwinden musste, diese Worte überhaupt auszusprechen. So schluckte er die Antwort, die schon auf seiner Zunge brannte, herunter und hörte ihm weiter zu, die Augen inzwischen ganz geöffnet und aufmerksam, während seine rechte Hand dafür sorgte, dass ihm Sakkaku nicht irgendwie abrutschte. Er war ja so niedlich... so wahnsinnig putzig, dass es ihm ganz warm ums Herz wurde. Warum verknüpften Menschen ihre Gefühle eigentlich immer mit dem unförmigen Muskel, der dafür sorgte, dass ihr Blut durch ihre Adern zirkulierte? Es hieß doch auch Bauchgefühl und im Grunde genommen lief das alles im Hirn ab. Dennoch hatte man ihm schon so oft an den Kopf geworfen, dass er jemandes Herz gebrochen hatte, weder dessen Darm noch dessen Gehirn. Das, was seine Mundwinkel dennoch dazu brachte, sich entgegen seines Vorhabens zu einem schiefen Grinsen zu formen, war die Tatsache, dass Soutas Frage vollkommen obsolet war. Er wollte wissen, ob der Dragonslayer auch nur im Ansatz seine Gefühle erwiderte? Das war gar keine Frage, die Realität sah sogar genau anders herum aus, als der Einäugige dachte: Wahrscheinlich mochte Cyrus ihn deutlich mehr, als Souta jemals für ihn empfinden könnte - nur würde er das nicht zugeben. Er war sich seiner Gefühle im Allgemeinen vollkommen bewusst, da er sie zu analysieren versuchte, wenn er mal welche empfand, die ihm bis dato unbekannt waren. Aber Cyrus war ein Feigling, der Risiken hasste und zu sehr realistisch war, als dass er nicht erkannte, wenn er gegen eine Wand rennen würde. Also blieb dieses geheime Versprechen zu einem schiefen Lächeln verkümmert, während er stattdessen beobachtete, wie der Andere seinen Kopf wegdrehte, sich offenbar für das schämend, was er gerade gefragt hatte. Das musste er nicht... warum tat er es dann? Das Lächeln verschwand von den schmalen Lippen, ehe er seinen Oberkörper aufrichtete ohne die dunklere Hand des Anderen loszulassen, während er Sakkaku an seinem Körper hielt, bevor er sie dort, wo zuvor noch seine Füße gewesen waren, auf das Polster legte. Schließlich drehte er sich um und setzte sich ohne zu fragen auf den Schoß des Anderen, die Knie auf das Sofa gestützt, um ihn nicht zu sehr zu belasten. Mit dem rechten Daumen strich er sanft über die abgewandte Wange und drehte sein Auge schließlich wieder zu ihm, ehe er mit einer Stimme, die jeglichen aufgesetzten Affekt verloren hatte, flüsterte: "Du... bist der wichtigste Mensch in ganz Fiore für mich, Souta. Zwar kommst du nicht ganz an meine Mutter heran...", er lächelte, schlug die Augen nieder und lehnte seine Stirn an die seines Gegenübers, "...aber die ist auch kein Mensch." Die violetten Augen öffneten sich wieder, das Lächeln verschwand. "Es ist mir bewusst, dass es den meisten Menschen schwer fällt, aus mir schlau zu werden; ich lege es sogar genau darauf an. Aber in diesem Falle kannst du dir sicher sein, dass ich das ernst meine." Wieder hoben sich seine Mundwinkel, seine Stimme glitt wieder in ihre alltägliche Routine ab, "Du bist nicht idiotisch, Souta-chan~" Er löste seine Hand von der Soutas und schlang im beide Arme um den Hals, um sich an ihn zu drücken, ihm durch die so wunderbar nach Vanille duftenden Haare zu streicheln.
"Sag mal... wann wird dir eigentlich auffallen, dass Seraphim mein Nachname ist?~"

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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   Sa 1 Nov 2014 - 14:53

Wenn man sich ins Gedächtnis rief, dass Itasa Soutanobu ein egoistischer Schönling war, der sich selbst für den großartigsten Menschen der Welt hielt, mochte man annehmen, dass die Tatsache, dass es jemanden gab, für den er die wichtigste Person im Leben war, höchstens ein müdes Lächeln erntete. Und wahrscheinlich wäre der erste Impuls des Rotschopfes nach einer solch schmalzigen Liebeserklärung ja wirklich nicht mehr als ein abgedroschener Kommentar gewesen, mit welchem er, von Natur aus überheblich, den Gefühlsausbruch seines Gegenübers niedergemetzelt hätte wie ein All-You-Can-Eat-Buffet. Selbstverständlich war er die wichtigste Person Fiores! Er war immerhin Souta, der strahlende Ritter der Menscheit, man konnte gar nicht anders als ihm zu Füßen liegen, nicht wahr? Ja, diese taktlose Art, mit der er eventuelle Konsequenzen spastend wie eh und jeh überging, hätte durchaus in seine Rolle gepasst, doch leider gab es einige Faktoren, die limitierend auf seinen momentanen Mistkerlwert wirkten. Der Erste von ihnen war - unschwer zu erkennen - seine emotionale Verwirrtheit. Gefühl über Gefühl wirbelte durch seinen Körper, tausende von Empfindungen irritierten ihn, und zugleich wusste er einfach nicht, was er sagen, tun oder gar denken sollte. Eingefroren wie eine Salzstatue saß er auf dem Sofa, während die Person, die er gerade nicht wiedererkannte, auf seinem Schoß saß und die Stirn gegen die seine gelehnt hatte, ebenso bewegungslos, als würden sie darauf warten zu verschmelzen. Wen hatte er da plötzlich auf sich?! Er...Wie? Was? Warum? Der zweite Faktor war demnach die fragwürdige Identität der Person auf seinen Schenkeln, denn diese war vor Kurzem noch Seraphim gewesen, hatte aber jetzt etwa soviel mit ihm gemein wie ein Kaninchen mit einer Schlange. Vollkommen erschrocken hatte Souta realisiert, dass der, der gerade dabei war ihn ohne jeden sexuellen Hintergedanken zu knuddeln, einfach aus purer Zuneigung heraus, vielleicht der echte Seraphim sein konnte. Er wusste nicht, wie er es geschafft hatte, den auf den Plan zu rufen, und fühlte sich ein bisschen unwohl ob der unerwarteten Gefühlsschwemme, die er mit Sicherheit nicht erwartet hatte, aber im Grunde genommen erfreute es den Rotschopf aus tiefstem Innern, dass er eine so ehrliche Antwort erhalten hatte. Es bestand kein Zweifel mehr, dass er log, ebenso wenige gab es, dass sein bester Freund mindestens genauso aufgewühlt war wie er, denn zusammen mit einer Schwemme an Herzchen und Puderzucker war noch eine ganze Welle an Informationen auf den sich vor Schock versteifenden Rothaarigen eingeprasselt. Seine Mutter war kein Mensch? Nun, Souta musste zugeben, dass er sich soetwas schon gedacht hatte, immerhin gab es außer dem Himmels-Dragonslayer ja niemanden, der heilen konnte, nicht wahr? Nicht, dass er wirklich wusste, dass Seraphim einer der berüchtigten Drachenkinder war, aber eine Ahnung war schon immer dagewesen, er hatte sie nur nicht verfolgt, weil es ihn überhaupt nicht interessierte. Man durfte das nicht falsch verstehen: Souta hegte sehr großes Interesse an allem, was seine Freunde bewegte, aber ihre Magie, ihre Art zu kämpfen...Wenn sie nicht gerade ihren Charakter ausmachte und allgegenwärtig war, so war sie ihm ebenso egal wie die Häufigkeit ihres Stuhlgangs. Das war leider so. Nichtsdestotrotz war es natürlich ungewöhnlich, von einer 'unmenschlichen' Person aufgezogen worden zu sein, denn mit Müttern verband Souta normalerweise vor allem Liebe, Schutz und Geborgenheit. Und Schuld. Soviel Schuld, dass ihm für einen Augenblick der Atem wegblieb und er sich noch mehr verspannte, bis er dachte, dass er gleich zerspringen würde, wenn es Seraphim einfallen sollte, ihn loszulassen. Verdammt, er war so leicht zu brechen, wenn man ihn in einer seiner ernsten Phasen erwischte! Da er jedoch nicht in einem solch schönen Moment losheulen wollte, tröstete er sich in der ohnehin ganz gelegen kommenden Umarmung und schlang dem Weißhaar einen Arm um die Schulter, um die Geste wieder auf eine einigermaßen freundschaftliche Schiene zu bringen, denn er konnte nicht umhin zu bemerken, dass Seraphim vielleicht mehr preisgegeben hatte, als er zu anfangs wollte...Wie auch immer, er war sicher der Letzte, der ihm einen Strick aus einem Gefühlsausbruch drehen würde, dafür war die Situation viel zu wundervoll. Sich langsam von seiner Erschrockenheit erholend - es war nur eine Umarmung, mal im ernst - lächelte der Kettenmagier leicht und drückte den Älteren fest an sich, ehe er ein kurzes Kichern ausstieß und sich durch die Haare fuhr, die eine Hand seines Freundes hemmungslos zerwuschelt hatte. "Ach was? Wie heißt du denn dann mit Vornamen?" Bedeutete das, dass er ihm anbot, ihn beim Vornamen zu nennen, oder war es nur ein Hinweis gewesen? Souta war es eigentlich egal, wie er Seraphim denn nun nannte, denn Namen waren nichts weiter als Schall und Rauch - außer natürlich man hatte ein außerordentlich hässliches Exemplar erwischt, so wie er. Aber solch ein Angebot mochte ein großer Vertrauensbeweis sein, und wenn sie nun beginnen sollten, sich kennen zu lernen, nachdem sie schon mehr oder weniger lieben gelernt haben - nun, dann hatte er definitiv nichts dagegen.

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BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   Sa 1 Nov 2014 - 15:06

Gab es einen echten Seraphim und einen unechten? Zeichnete sich nicht der Mensch, der sich selbst nicht einmal als solchen betrachtete, aber in jedem Falle gerade so gar nicht männlich auf dem Schoß seines besten Freundes saß, dadurch aus, dass er so unterschiedliche Seiten an sich hatte? Die meisten Menschen, die irgendwie mehr oder minder tief schürfend mit ihm zu tun hatten, kannten nur die eine Seite, den Dragonslayer, der sich keine Schwäche leistete, unangreifbar und unantastbar blieb, selbst wenn man ihn so dicht an sich spüren konnte, dass es sich kaum noch steigern ließe. Cyrus konnte im Normalfall nackt neben einem stehen und man hatte immer noch das Gefühl, dass er noch etwas zu verbergen hatte, allein sein Lächeln wies doch darauf hin, dass er sich über Dinge lustig machte, von denen sein Gegenüber keinen blassen Schimmer haben konnte, weil er sie es nicht darüber aufklärte. Souta wiederum kannte nun auch die andere Seite, einen anschmiegsamen jungen Mann, der zumindest ihm gegenüber nahezu verkuschelt wirkte. Ob ihm auch bewusst war, dass diese Seite unter Umständen vor allem durch ihn entstanden war? Wahrscheinlich nicht, denn meistens erwartete man doch, dass eine erwachsene Person - und mit 19 Jahren sollte man als ausgewachsen gelten - seine Persönlichkeit so weit gefestigt hatte, dass so eine spontane Umlagerung nur selten geschah. Nur entsprach es nun einmal ebenso den Tatsachen, dass es niemanden außer dem Rothaar gab, der Cyrus schon einmal so erlebt hatte; selbst als damals 15-jähriger Junge hatte er die Menschen, die er beinahe wie Aliens empfand, nicht richtig an sich herangelassen. Selbst die Personen, die ihm ein neues Hobby beschert hatten, hatte er im Stillen ausgelacht oder sich ihnen in etwa so verbunden gefühlt, wie er sich einem Hündchen verpflichtet fühlte: Man konnte mit ihnen spielen und körperliche Nähe erfahren ohne es auf eine emotionale Ebene zu bringen. Das hatte für ihn alles immer rein körperlich funktioniert, warum auch nicht? Daher musste man wohl oder übel sagen, dass es nicht so viel bedeutete, der Mensch zu sein, der ihm am wichtigsten in ganz Fiore war: Es gab ja auch keine Konkurrenz: Er hatte keine Familie mehr und da Souta nicht nur sein bester, sondern auch noch sein einziger Freund war, lag das nahe. Zudem er von allen andere Menschen eine so niedrige Meinung hatte, dass es an ein Wunder grenzen würde, wenn man diese noch unterbieten könnte. Momente wie diese, in denen der Dragonslayer tatsächlich umgänglich war, waren rar und auch nicht von langer Dauer, wie das Rothaar bald bemerken würde, denn kaum hatte sich Souta aus seiner plötzlichen Schockstarre erholt und ihn kurz umarmt, löste er sich schon wieder von ihm und setzte sich aufs Sofa, um Sakkaku wieder auf seinen Bauch zu legen und seinen Kopf wie gehabt in Soutas Schoß zu betten. Die Kopfmassage war lange genug unterbrochen worden...! Aber da war ja auch noch die Sache mit seinem Namen gewesen. Ja, warum stellte sich der Dragonslayer immer nur mit seinem Nachnamen vor? Sein Vorname war schön und er mochte ihn, aber auch er war manchmal ein wenig verspielt, sodass das alles nur ein einziger Running Gag war: Er wollte eigentlich nur ausprobieren, wie schnell es den Menschen gelang, selbst darauf zu kommen, dass das vielleicht nur sein Nachname war. Seraphim... der Name seiner leiblichen Eltern, die er nicht mehr in Erinnerung hatte. Der Name, mit dem er sich ohne zu zögern vorstellte, obwohl ihm die Menschen, denen er ihn verdankte, überhaupt nicht kannte. Zumindest seine echte Mutter hätte das traurig gemacht, da sie sich sehr aufopferungsvoll um ihr Söhnchen gekümmert hatte, aber das war irgendwo in den Sümpfen des Vergessens verschwunden und würde sobald auch nicht mehr daraus hervorkommen. "Cyrus~", murmelte er und schloss die Augen wieder, darauf wartend, dass sich wieder die wohl tuenden Hände des Anderen auf seinen Kopf senken würden. Tatsächlich war das ein Angebot seinerseits, denn allen anderen verriet er seinen Vornamen nie aktiv, sondern wartete darauf, dass man ihn genau danach fragte - problematisch nur, wenn alle dachten, Seraphim sei sein Vorname. Was seinen Zweitnamen anging... "Cyrus Ikaros, aber wehe du benutzt den zweiten~" ... den verriet er eigentlich niemandem, weil er seiner Mutter vorbehalten war. Die Drachin hatte sich nämlich angewöhnt, ihn so zu nennen, weil sie der Meinung war, er passe besser zu ihm. Eigentlich gemein, war Ikaros doch der, der aufgrund von zu hohem Fliegen abgestürzt war. "Und was ist mit dir? Wie heißt du eigentlich komplett, ich habe nirgends ein Namensschild an deiner Wohnung gefunden..." Und er war schon öfter dort gewesen, als Souta das ahnte, konnte er doch nicht wissen, dass der Weißhaarige die Schlüssel zu seiner Wohnung besaß und frequentierter Hosenka Town besuchte, als er das noch vor ihrem Zusammentreffen getan hatte.

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