StartseiteKalenderFAQSuchenMitgliederNutzergruppenAnmeldenLogin

Teilen | 
 

 Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach unten 
Gehe zu Seite : Zurück  1, 2, 3
AutorNachricht
Souta
Mr. Perfect
avatar

Anzahl der Beiträge : 312
Anmeldedatum : 23.09.14

Magierakte
Besondere Merkmale: Rote Haare, Augenklappe, Wunderschön

BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   Sa 1 Nov 2014 - 15:46

"Cyrus..."
Tief in Gedanken versunken ertönte das sanfte Brummen, mit dem er versuchte, den Namen zu kosten wie einen seltenen Wein, den man noch nie vorher gesehen hatte. Obwohl Namen in seinen Augen eigentlich nicht mehr waren als der irrsinnige Versuch, die Persönlichkeit und alle Empfindungen, die man beim Denken an diese Person verspürte, in einen engen Käfig aus Lauten zu sperren, konnte er nicht umhin, sich Seraphim nicht als den vorzustellen, als den er ihn kennen gelernt hatte. Im Gegensatz zur hochschraubenden Metaphorik seines ihm bekannten Namens wirkte 'Cyrus' normal. Es sprach sich scharf aus, war mit einem Zischlaut verbunden. In gewisser Weise passte sich der Vorname an das Weißhaar an, hatte es doch auch eine schlangenhafte Seite, die Gift zu versprühen vermochte. Würde sie das tun, wenn er begann, ihn ohne jede Nachsilbe bei seinem richtigen Namen zu nennen, der ihm noch so fremd war, dass er ihn einige Male aussprach, um den richtigen Klang zu finden. Erfolglos versuchte er ihm einen weicheren Klang zu geben, dieselbe vertrauensvolle und freundliche Art, mit der er 'Seraphim' sagte. Innerhalb von wenigen Sekunden wusste Itasa Soutanobu, dass er ihn nicht bei seinem Vornamen nennen würde. Selbst wenn er den Gedanken, allein um ihn zu ärgern mit seinem Zweitnamen anzufangen, nur schwer bändigen und verwerfen konnte, hatte er sich entschieden, seine Anrede nicht umzustellen. Er hatte seinen besten Freund nicht als irgendeinen Cyrus oder als einen Ikaros kennen gelernt, sondern als Seraphim, seinen Schutzengel. War es nicht ironisch, wie dessen Aussage, er sei der wichtigste Mensch in ganz Fiore für ihn, zu diesem Bild passte, was sich in seinen Kopf gedrängt hatte? Ein Schutzengel hatte auch nur eine Person, auf die er Acht gab...Nein, Cyrus oder Ikaros passten definitiv nicht. Für ihn war der Dragonslayer keine Schlange, und die weißen Federflügel der Unschuld auf seinem Rücken waren nicht aus Wachs, sondern vollkommen echt. Egal wie nahe er der Sonne kam, die in diesem Wortspiel wohl er darstellte, sie würden sich nicht auflösen. Mit einem leichten Lächeln bewegte er seine Oberschenkel hin und her, weil ihm so langsam der Hintern einschlief, machte jedoch keinerlei Anstalten, seinen besten Freund loswerden zu wollen. Soutas Bewegungsdrang war enorm, aber seine Willenskraft war mindestens genauso gigantisch, wenn es darum ging, jemanden zu liebkosen. Wenn er nicht mit seinen Beinen arbeiten konnte, würde er einfach seine Hände benutzen, wo war da das Problem? Eifrig begann er also wieder durch das wilde Haar des Himmelsmagiers zu streicheln, zwirbelte mal dort ein Strähnchen auf seine Finger, kraulte hier über das blasse Ohr. Eine ganze Weile nach Seraphims Frage bezüglich SEINES Namens war nur der ruhige Atem des Rothaarigen zu hören, seine ständig in Bewegungen verharrenden Finger zu sehen und das sanfte Ausdehnen seines Bauches gegen das Ohr seines Freundes zu fühlen, wann immer er Luft holte. Nun. Souta war niemand, dem man Geheimniskrämerei zutraute, nicht wahr? Und ebenso wenig hatte er eigentlich irgendwelche Hemmungen, seinen Namen zu sagen, ja, es juckte ihn nicht einmal, wenn jemand ihn 'chante' oder sonst irgendetwas daran anhing, selbst wenn es unschmeichelhafter war als eine einfache Verniedlichung. Was ihn davon abhielt, damit herauszuplatzen wie die Füllung eines zerbissenen Fruchtbonbons war schlicht und ergreifend die Tatsache, dass er seinen Namen abgrundtief verabscheute. Er war zu lang, hatte einen furchtbaren Klang, und war im Allgemeinen auch der Bedeutung nach eher unrühmlich...Wer gab einen Kind solch einen Namen? Sicher war es sein Vater gewesen..."Soutanobu." Er seufzte, fuhr mit einem Zeigefinger Seraphims Ohrmuschel entlang, und zuckte dann mit den Schultern. "Itasa Soutanobu." Es war nicht zu übersehen, dass er nicht gerade begeistert von seinem Namen war, ebenso wenig, dass er sich nach einem raschen Themawechsel sehnte. "Du magst Vanille?", fragte er also so unschuldig wie möglich und schüttelte den Kopf, damit sich eine gehörige Portion Shampooduft in der Luft verbreitete. Wenn man Ablenkung brauchte, war doch nichts dankbarer als ein in jedem Falle in eine Richtung denkendes Weißhaar auf dem eigenen Schoß, nicht wahr?

_________________
Reden - Denken
Theme - Fight-Theme - Steckbrief

I am the one and only!
Playcharakter von Kuma
Nach oben Nach unten
Benutzerprofil anzeigen
Seraphim

avatar

Anzahl der Beiträge : 196
Anmeldedatum : 23.09.14

BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   Sa 1 Nov 2014 - 15:56

Ein leises, kurzes Kichern drang aus der Kehle des auf dem Rücken liegenden Dragonslayers, als Souta - nein SoutaNOBU - seinen Namen verkündete. Zugegebenerweise war ihm recht schnell klar, warum er ihn nach allen Regeln der Kunst geheim hielt. Das war sicherlich kein Scherz wie bei ihm, das war eher Selbstschutzmaßnahme vor einem Namen, der eine doch sehr lustige Bedeutung hatte. Zumal der Nachname allein schon für jemanden, der so schmerzempfindlich wie der Rothaarige war, beinahe ironisch klang. Aber er würde dazu nicht mehr von sich geben als dieses Kichern, das wäre schließlich unfair, wo die Stimme des Jüngeren schon so wenig begeistern klang... oder würde er doch? Cyrus stichelte gerne, er ärgerte eigentlich jeden und nur weil er Souta mochte bedeutete das sicherlich nicht, dass er vor seinem Spott gefeit war! "Wer gibt einem Kind so einen Namen?", fragte er mit einem leichten Lachen in der Stimme, ohne jedoch die Augen zu öffnen, da er das Kraulen durch sein Haar viel zu sehr genoss. Tatsächlich hätte nur noch eine schöne musikalische Untermalung gefehlt und der Moment wäre perfekt gewesen... zumindest, wenn Sakkaku wie durch ein Wunder von seinem Bauch verschwunden wäre. Das Baby schlief zwar, aber es war immer noch da; es war nicht gerade schwer, aber allein der Gedanke, dass da ein kleines Wesen, welches sich jeden Augenblick ankacken könnte, auf ihm lag, war irgendwie befremdlich. Trotzdem fühlte er sich gerade ziemlich wohl, was man wahrscheinlich auch unschwer an dem breiten Lächeln auf seinen Lippen erkennen konnte, welches sich ungehemmt über sein Gesicht ausbreitete. Fehlte eigentlich nur noch, dass er zu Schnurren begann, viel fehlte dazu jedenfalls nicht mehr. Tatsächlich tat er das manchmal, ein leichtes Vibrieren aus seinem Brustkorb, das Sakkaku sicherlich gefallen hätte, wenn sie sich denn nicht schon im Traumland verbarg und dort vor seinen geistigen Wutausbrüchen in ihre Richtung sicher war.
Souta wiederum schien nicht viel von diesem Thema zu halten, denn der Themenwechsel kam ziemlich, sodass er ihn im Normalfall kommentiert hätte, andererseits war er so effektiv, dass er es nicht konnte. Mit einem Mal wurde der Geruch nach Vanille noch stärker und hüllte ihn in eine wahre Duftwolke an, die ihn dazu verleitete, den Kopf ein wenig mehr in den Nacken zu legen, um möglichst viel davon aufnehmen zu können. Für ihn war dieser Geruch immer noch so präsent wie zuvor, als er aus der Dusche gestiegen war, selbst wenn man ihn unter Umständen sonst kaum noch hätte wahrnehmen können. Der Jüngere schien allerdings genau zu wissen, was er da tat, denn die Frage, ob er Vanille mochte, war für seine Verhältnisse viel zu unschuldig gestellt worden. Die Antwort allerdings war doch klar. *OHH JAAA* gefolgt von einem *Warum ist das Baby da?!*, denn Sakkaku war in diesem Moment beinahe wie ein Sicherheitsgurt, den der Rothaarige ihm angelegt hatte. Würde er sich auch nur irgendwie ansatzweise abrupt bewegen, würde sie hochkant vom Sofa fliegen - und das war wahrscheinlich nicht das, was der Einäugige gerne sehen würde. Drehte er sich in die andere Richtung, würde er den fragilen Körper zerquetschen... ganz schön raffiniert von Souta. Denn die Frage war tatsächlich vor allem provozierend oder sah er das irgendwie falsch? "Du bist gemein...", nuschelte er deswegen und drehte den Kopf eine Nuance von ihm weg, "Du weißt doch ganz genau, dass ich kaum noch Mana habe~" Er seufzte und drehte ihn wieder zurück, um in das eine wunderbar grüne Auge zu blicken. "Aber ja, ich mag Vanille... und wie..." Das Lächeln auf seinem Gesicht schrumpfte kaum merklich zusammen und wurde von einem etwas anders zu deutenden Ausdruck ersetzt, der sich allerdings vor allem in seine Augen geschlichen hatte. Einem lauernden, hungrigen, gierigen Funkeln, das allerdings wieder verblasste, als er eine Hand ausstreckte, um damit hochzulangen und mit den Fingerspitzen über die Wange des Jungen zu streicheln. "Du riechst so verdammt intensiv danach, Souta-chan~", murmelte er mit rauer Stimme, bis er sich wieder fing, die Hand zurück zog und grinste. Er wollte ihn mit ziemlicher Sicherheit nur ärgern, also sollte er nicht weiter darauf eingehen. Das war immer der falsche Weg und auch überhaupt nicht angemessen, da er, wie schon gesagt, nicht mehr genug Mana besaß. Gemeinheit... daran musste er arbeiten! Er schluckte einmal und damit war dieses Thema erst einmal beendet. Nur weil er sich nicht immer kontrollieren konnte, bedeutete das nicht, dass man ihm jegliche Fähigkeit zur Selbstzügelung absprechen musste. Immer noch den Jüngeren anblickend, streckte er die Hand aus und bewegte sie durch den Windstrom, der aus dem offenen Fenster durch die Wohnung wehte, als würde er den letzten Rest Sahne aus einer Schüssel kratzen, ehe er ihn zwischen die Lippen schob, als würde er den Wind tatsächlich kosten. Das entsprach auch komplett der Wahrheit, denn unbedingt schlecht schmeckte diese Luft wirklich nicht. Würde etwas in der Stadt aufmachen, das die Luft verschmutzte, so könnten die Betreiber damit rechnen, schon am Tag nach Betriebsaufnahme einen erzürnten Dragonslayer vor ihrer Tür zu finden, der ihnen eindrücklich dazu riet, sich zu verpissen, da es sonst zu unerwarteten Unfällen kommen könnte, die doch wirklich vermeidbar waren. Immerhin musste es doch keine Toten geben, nur um die Luft rein zu halten, oder? "Woher kommst du, Souta-chan, und warum... warum ist gerade jemand wie du in einer Spießergilde wie Lamia Scale? Nun, ich will euren Verein sicherlich nicht beleidigen, aber das, was man von euch hört, bist eigentlich nicht du, oder?", lächelte er und ließ beide Augen auf das Gesicht des Jüngeren fixiert.

_________________
Sprechen ~ Denken ~ Magie
Nach oben Nach unten
Benutzerprofil anzeigen
Souta
Mr. Perfect
avatar

Anzahl der Beiträge : 312
Anmeldedatum : 23.09.14

Magierakte
Besondere Merkmale: Rote Haare, Augenklappe, Wunderschön

BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   Mi 5 Nov 2014 - 10:16

Je weiter das Lächeln des Weißhaarigen zusammenschrumpfte, um zu einer Fratze der Begierde zu werden, die Souta durch gut überlegte Absicherung definitiv nicht gefährlich werden konnte (auch wenn er sich nicht sicher war, ob Seraphim ein Baby opfern würde, um ihn zu begrapschen...), desto breiter wurde das Grinsen des Rotschopfes über ihm, denn sein Plan war nicht nur zu Teilen, sondern ganz und gar aufgegangen. Die mehr oder weniger spöttische Reaktion seines besten Freundes ließ sich demnach einigermaßen verschmerzen, schließlich hatte er im Grunde nichts anderes erwartet. Unter anderen Umständen hätte er sich vielleicht empört, doch so war es ihm ganz recht, dass sein Name und dessen Peinlichkeit mit einer solch angenehmen Kürze abgearbeitet worden waren, dass man sich relativ schnell wieder vollkommen anderen Bereichen zuwenden konnte - beispielsweise der Tatsache, dass Seraphim ihn momentan anblickte, als könne er sich nicht entscheiden, ob er ihn mit einem Happs oder mit einzelnen, genüsslichen Bissen verspeisen wollte. Eigentlich durfte keine Gefahr von ihm ausgehen, immerhin war er mehrfach (teilweise durch den Körper des Weißhaars selbst) vor tätlichen Übergriffen abgesichert, zudem gab es immernoch Sakkaku und nachdem Souta der wichtigste Mensch in Fiore für Seraphim war (er konnte es nicht oft genug wiederholen...) würde er dem Baby sicher nicht unnötig wehtun. Der Kettenmagier war also - was eine Seltenheit war - in einer Position, in der sein bester Freund absolut machtlos war. War das gut? Würde das später, wenn das Mana des Himmelsmagiers zurückgekehrt war, vielleicht ins Gegenteil umschlagen - stärker denn je? Er wusste es nicht und wollte auch nicht wirklich darüber nachdenken, also lächelte er nur ungeniert wie immer und versuchte sich nicht anmerken zu lassen, welch hämische Freude er gerade empfand. Ja, vermutlich war das wirklich ein fieser Trick gewesen und vermutlich war er wirklich mehr als gemein, aber es tat doch auch mal verdammt gut, die Zügel in die Hand zu nehmen! Außerdem wäre es doch ein Leichtes für seinen Freund gewesen, Sakkaku von einem Windstoß hinfortwehen zu lassen, sie irgendwie sanft abzusetzen und dann ans Eingemachte zu gehen, oder? Konnte er das? Souta wusste nichts über seine Fähigkeiten, und zum ersten Mal war er einen kurzen Moment lang davon beunruhigt, ehe er sich wieder fing. Hatte er nicht zuvor etwas von Vertrauen gesagt? Wo war das im Angesicht seines Todes?! Er sollte sich nicht so verrückt machen, weil Seraphim eine Schwäche für Vanille hatte - so gesehen hatte er doch eine Schwäche für SOUTA, demnach war alles, was er tat, potentiell gefährlich. Zum Glück hatte der Rotschopf keine Angst vor Risiken, weswegen er todesmutig begann, sich zu seinem Freund hinabzubeugen, während dieser sich eine Portion Wind zu genehmigen schien. Interessant. Und sehr anregend. Das wiederaufkommende Hungergefühl, welches er durch alle anderen Faktoren und Überlegungen hindurch verdrängt hatte, keimte wieder, und so erhielt Seraphim ein Magenknurren à la Dolby Surround, ehe die vollkommene Schwärze von Soutas Brustkorb ihn umfing, weil der Kettenmagier für einen kurzen Moment die Einquetschung seines Freundes niedriger als die Kekstüte einstufte, die sich irgendwo im Umkreis befinden musste. Während er also auf dem Boden umherfasste, in verzweifelter Suche nach dem Essen, was er verwerflicherweise nicht mit nach oben genommen hatte (Warum?!), entsann er sich der durch seinen Körper etwas untergegangenen Frage, die es nun zu beantworten galt. Himmelsmagier konnten doch die Luft lange genug anhalten, oder? "Na ja. Ich komme aus Hargeon Town. Zu Lamia Scale bin ich gegangen, weil...Na ja. Das Gildensymbol ist sexy." Er klang so beilläufig, als wäre das ein absolut legitimer Grund, und tastete weiter über den Boden, bis sich endlich seine Finger um einen Zipfel der Tüte schlossen und er dazu in der Lage war, sie zu sich zu ziehen. Hoffentlich hatte sein bester Freund die Aktion unbeschadet überstanden. Oder war vielleicht gar etwas wie Rachsucht in ihm erwacht...?

_________________
Reden - Denken
Theme - Fight-Theme - Steckbrief

I am the one and only!
Playcharakter von Kuma
Nach oben Nach unten
Benutzerprofil anzeigen
Seraphim

avatar

Anzahl der Beiträge : 196
Anmeldedatum : 23.09.14

BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   Mi 5 Nov 2014 - 12:55

Nur weil Cyrus eine der mächtigsten Magien Fiores beherrschte, bedeutete das nicht, dass er jeglichen Zauber anwenden konnte. Auch wenn er immerhin etwas heilen konnte, war er noch Meilen davon entfernt, ein wahrer Wunderheiler zu werden, er hatte nur das Potenzial dazu. Gerade auf dem Gebiet des Heilens hatte er große Defizite, die sich nur langsam und mit stetiger Übung beheben lassen würden, sodass er weder Sakkaku mit einem sanften Lufthauch von seinem Bauch befördern, noch die Luft Ewigkeiten anhalten konnte. Beides oder zumindest eines davon schien der Rothaarige jedoch vorauszusetzen, als er sich über ihn beugte, um seinem Magenknurren zufolge nach der Kekspackung zu fischen, die sich irgendwo auf dem Boden befinden sollte. War der Jüngere tatsächlich so blauäugig oder dachte er einfach nicht daran, dass es vielleicht eine unkluge Idee sein würde, ihn erst so zu provozieren und sich dann auf diese Art und Weise über ihn zu beugen? Dass er ihm dabei mit seinem flachen Brustkorb die Luft abgedrückt hätte, wenn er den Kopf nicht zur Seite gelegt hätte, war dabei nicht einmal das schlimmste, es ging einfach darum, dass er zuerst darüber grinste, wie der Dragonslayer erkennen musste, dass er sich gerade nicht in einer Position befand, in der er ungehindert dem nachgehen konnte, was er gerne getan hätte - und dann allen ernstes glaubte, er würde jemals wieder aus seiner jetzigen Position hochkommen. Er konnte das Herz des Rothaarigen gegen seine Wange wummern hören, einen ruhigen Rhythmus stampfend, der seinen eigenen Lebensmuskel sein Tempo verschnellern ließ. Eigentlich wäre es doch schön, wenn er einfach hier so liegen bleiben könnte, dem Takt des Herzens über ihm lauschend. Er wäre drauf und dran gewesen, einzuschlafen, wenn ihn nicht drei Faktoren mit aller Macht davon abgehalten hätten: Erstens hatte er noch immer ein Baby auf dem Bauch liegen, das ihn langsam ernsthaft ärgerte. Wäre diese dumme Sakkaku nicht da, dann hätte er sich schon längst aufgerichtet und Souta deutlich gemacht, dass man nicht über ihn spottete und ihn schon gar nicht provozierte, wenn er nicht in der Lage dazu war, entsprechend darauf zu reagieren. So aber hatte er nur untätig da liegen können - bis jetzt. Zweitens konnte er nicht wegpennen, weil er sich in einem erzwungen wachen Zustand befand, beziehungsweise einem, in dem er einfach nicht schlafen wollte. Souta war zu omnipräsent, um sich genug entspannen zu können, besonders wo er nur die Zunge hätte ausstrecken müssen, um ihn zu berühren. Drittens wurde er gerade zerquetscht... Die Begründung, warum er gerade die Gilde der Stadt Hosenka Town gewählt hatte, ließ ihn Schmunzeln, denn es sprach von einer gewissen Sorglosigkeit, dass man sich aufgrund so einer Lappalie eine Gilde aussuchte. Zugegeben war ein nacktes weibliches Wesen wohl anziehender als ein Pferdchen, aber warum er sich in Oshibana Town niedergelassen hatte, sollte klar sein: Gott in Frankreich war ein Dreck gegen einen Dragonslayer in Oshibana. Um nun aber zu der Tatsache zu kommen, dass er etwas dagegen unternehmen musste, mit welcher Selbstverständlichkeit Souta davon ausging, das er sich einfach mal so über ihn beugen konnte, ohne nach so einer Aktion Konsequenzen fürchten zu müssen. Nun, er konnte sich ja über ihn beugen, aber es war halt nicht davon auszugehen, dass er es dabei belassen würde. Möglichst langsam, damit es hoffentlich nicht auffiel, kippte er seinen Körper ein wenig um die Längsachse, sodass Sakkaku, sollte er sich abrupt bewegen, wahrscheinlich nicht vom Sofa herunter, sondern gegen die Lehne rutschen würde, was sie wohl noch irgendwie würde verschmerzen können. Gerade als Souta auf Tuchfühlung mit dem Zipfel der Tüte kam, schlang er dem Jüngeren die Arme wie eine Klette um den Brustkorb, der dankenswerter Weise in unmittelbarer Nähe war, drehte seinen Kopf und... ja, und biss zu. Dass das jemandem wie dem Itasa sicherlich recht schmerzhaft vorkommen würde, war ihm bewusst, die Stelle war auch ebenso willkürlich gewählt. Wenn alles nach Plan lief, würde dieser sich nun entweder abrupt aufrichten oder aufzuspringen versuchen - erstes würde Cyrus mitziehen und er wäre ihm nicht nur in einer etwas freieren Position ähnlich nahe, sondern vielleicht sogar Sakkaku los; zweites war allein dadurch erschwert, dass er immer noch auf dem Schoß des Jüngeren lag und dieser ihn so zuverlässig eingequetscht hatte, dass es wohl schwer werden würde, ihn loszuwerden. Was nun, Mister Empfindlich?

_________________
Sprechen ~ Denken ~ Magie
Nach oben Nach unten
Benutzerprofil anzeigen
Souta
Mr. Perfect
avatar

Anzahl der Beiträge : 312
Anmeldedatum : 23.09.14

Magierakte
Besondere Merkmale: Rote Haare, Augenklappe, Wunderschön

BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   Mi 5 Nov 2014 - 12:59

Dass der Kettenmagier momentan nur Augen und Hände für die verschollene Kekstüte hatte, war Glück für Seraphim. Es wäre unmöglich gewesen seinen heimtückischen Plan auszuführen, wenn sein Opfer auch nur ein klein wenig aufmerksamer auf den jungen Mann geachtet hätte, den er gerade zermatschte, um zu seinem Ziel zu kommen. Hochkonzentriert tastete der Rotschopf über den glatten Boden und bemerkte daher nicht, was der unter seiner Brust verschwundene Weißkopf ausheckte. Was bitter war, denn hätte Souta auch nur den Hauch von Gefahr gespürt oder vielleicht einfach nur eine halbe Sekunde lang daran gedacht, wen er da gerade mit seinem Körper begrub, so wäre es ein Leichtes für ihn gewesen, sich innerhalb von einem Wimpernschlag in Sicherheit zu bringen. Durch seine hoch gepriesene Gelenkigkeit und die Tatsache, dass er der schnellste Mensch Fiores war hätte es ihm kaum Mühe bereitet, selbst in seinem immernoch leicht erschöpften Zustand viermal um Oshibana Town herumzurennen, bevor die Zähne des bissigen Himmelsmagiers sich auch nur auseinanderbewegt hatten. Da Soutas Geist jedoch bereits den wundervollen Geschmack von Keksen aufgerufen hatte und Essbares leider die Angewohnheit hatte, bei ihm alle logischen Gedanken zu verdrängen, war er im Moment wohl das perfekte Opfer und irgendwie selbst Schuld an seiner misslichen Lage. Konnte man einem Bären denn einen Vorwurf machen, zuzubeißen, wenn man so dumm war, die Hand in sein Maul zu stecken? Zwar hatte Souta weder seine Hand noch irgendwelche anderen Körperteile absichtlich zum Mund des mutmaßlichen Raubtiers geführt, doch im Grunde genommen war es genau dasselbe Prinzip. Für einen schicksalshaften Augenblick hatte er jegliche Deckung fallen lassen und ganz und gar vergessen, dass die Person, die auf seinem Schoß lag, kein flauschiges Kätzchen war, das sich bedinungslos quetschen und knuddeln ließ, sondern eher ein zahmer Tiger, der im Prinzip wusste, dass man der Person, die gut zu ihm war, nichts tun sollte, aber im Grunde seines Herzens doch trotz aller Zivilisation eine Bestie sein musste, um seine überlegene Position zu verdeutlichen. Wer kam schon sonst auf die Idee, seine Zähne zu benutzen, um Probleme zu lösen? Zugegeben, es war nicht wirklich das erste Mal, dass Souta gebissen wurde, aber für gewöhnlich geschah das in einer komplett anderen Umgebung und war zudem noch durch gewisse körperliche Prozesse unterstützt, die ein „Scheißegal“-Gefühl bei ihm auslösten. So ganz ohne Vorwarnung, unvorbereitet und defintiv unerwartet, war die Angelegenheit allerdings anders und konnte nicht so leicht übergangen werden wie ein kurzes Schnappen beim Liebesspiel. Das hier war kein Knabbern, sondern ein waschechter Biss. Erstaunlich, wie sehr Seraphim sein Aufwachsen in der Wildnis wohl geprägt hatte... Anfangs waren es nur die Arme des Älteren gewesen, die sich wie Schlangen um seinen Körper legten und den Kettenmagier nur peripher tangierten – wenn der Dragonslayer meinte, er musste knuddeln, konnte er das ruhig tun, er würde ihn nicht aufhalten. Das Gewicht des Weißhaarigen zog ihn ein Stück nach unten, und während er noch versuchte sich mit der Klette an seinem Körper und der Kekspackung aufzurichten, spürte er plötzlich, wie die Lippen Seraphims über sein Brustbein schrammten. Mit einem spontanen, erschrockenen Ausatmen verharrte Souta in seiner unbequemen Stellung, traute sich nicht, den Kopf zu senken, um zu sehen, was Seraphim da schon wieder trieb. Das einzige, vor Erstaunen und Misstrauen gleichermaßen geweitete Auge, bewegte sich zur Kekstüte, betrachtete sie voll plötzlichem Unbehagen mit scheinbar großem Interesse. Doch bevor er sich entscheiden konnte, ob er sie einfach fallen lassen sollte und seine übermenschliche Geschwindigkeit ihn vielleicht aus einer Situation retten würde, in die er sich selbst gebracht hatte, fühlte er bereits das drohende Unheil. In Gedanken sein wieder offenes Hemd verfluchend, hatte er keine Chance mehr auszuweichen, da die Arme seines besten Freundes ihn wie Ketten umklammerten und ein Entkommen sogut wie unmöglich machten. Der Biss an sich war so kurz, dass er einige Sekunden brauchte, bis er bemerkte, was Seraphim gerade getan hatte, doch dann kam der Schmerz. Es fühlte sich an, als hätte ihn eine glühende Greifzange an einer sehr heiklen Stelle gepackt. Automatisch schaltete der junge Mann, dessen größte Schwäche seine Schmerzempfindlichkeit war, auf reine Reflexe um. Mit bärenartigen Kräften und einem verzweifelten Aufjaulen hob Souta die Arme und stieß so heftig gegen Seraphims Brustkorb, dass dieser vor sich auf den Boden knallte, während er noch die Beine anzog, einen Arm um seine Knie schlang und die Stirn auf eben jene presste, während kleine Schmerztränen aus seinem zusammengekniffenem Auge quollen und seine freie Hand über die gebissene Stelle rieb. Sein Schrei des Entsetzens hatte Sakkaku aus ihrem Schlummer gerissen, und als sie die Szenerie erblickte – Seraphim auf dem Boden, Souta ein sich selbst wiegendes Häufchen Elend auf dem Sofa – entschloss sie sich, munter auf dem Rücken zu liegen und ungestört mit den Fingerchen die Füßchen zu fassen. Tausend Flüche und Verwünschungen flogen durch die Gedanken des Rotschopfes, allein Sakkakus Anwesenheit hielt ihn davon ab seinen heimtückischen Beißer verbal und körperlich fertigzumachen. Verdammter Mist, tat das weh! "Warum machst du das, du Spinner?!" Soutas Stimme klang belegt, er rotzte mit der vor Tränen verlaufenen Nase und ließ seinen Fuß wieder sinken, um nicht gerade sanft gegen den Oberkörper seines Freundes zu treten, während er noch wimmerte. "Aua...Baka." Wer nun dachte, Souta würde sich auf Seraphim stürzen und ihn verprügeln – einmal abgesehen von seinem Tritt – kannte ihn definitiv nicht, denn selbst wenn er sich gerade fühlte, als hätte das Weißhaar irgendetwas abgebissen, hatte er doch nicht vor, dasselbe zu tun. Rache war uncool. Außerdem interessierte es den Kettenmagier doch ziemlich, was zur Hölle den Älteren dazu gebracht hatte, ihn zu beißen. Damit Seraphim nicht auf die Idee kam, er könne einfach wieder auf seinen Schoß kriechen, behielt er seinen von einer zu großen Socke ummantelten Fuß auf dessen Körper und übte leichten Druck aus, während er ihn mit einem Blick, der eine Mischung aus Neugier, Beleidigung und Entsetzen in sich vereinte, anstarrte. "Das hat wehgetan!" Mit einem leisen Stöhnen begutachtete er seine nicht vorhandene Bisswunde, darauf wartend, dass sich Seraphim erklärte. Was hatte er sich dabei gedacht?!

_________________
Reden - Denken
Theme - Fight-Theme - Steckbrief

I am the one and only!
Playcharakter von Kuma
Nach oben Nach unten
Benutzerprofil anzeigen
Seraphim

avatar

Anzahl der Beiträge : 196
Anmeldedatum : 23.09.14

BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   Mi 5 Nov 2014 - 13:15

Schon wenige Millisekunden nachdem sich seine Zähne leicht in die Haut über ihm gedrückt hatten, wusste er, dass es ein Fehler gewesen war. Dabei hatte er es nicht einmal wirklich böse gemeint, sondern nur als Hinweis, dass das Verhalten des Einäugigen vielleicht nicht gerade ideal war. Auch wäre er zuvor nie auf die Idee gekommen, dass es vielleicht seltsam kommen würde, wenn er ihn einfach biss, aber was seine Körpersprache anging, hatte er sie sich entweder tatsächlich direkt aus der Natur abgeguckt oder sie sich mühsam antrainiert, letzteres aber nur, weil die wenigsten Damen gut darauf reagierten, wenn man sie auf Wolfs- oder Vogelart anbalzte. Immerhin war es unter Menschen nicht üblich, sich gegenseitig am Hintern zu schnuppern, um sich besser kennen zu lernen und man tanzte auch nicht vor dem erwählten Weibchen herum, um es von sich zu überzeugen. Zwar konnte man dennoch einige unterhaltsame Parallelen zwischen Tieren und Menschen ziehen, aber ein freundlich gemeinter Biss war nun einmal nicht böse, sondern sollte nur auf etwas hinweisen. Allerdings hätte er drauf kommen sollen, dass Souta das erstens nicht so sehen würde und zweitens so schmerzempfindlich war, dass er wahrscheinlich gar nicht anders konnte, als ihm zurückzuzahlen, was er getan hatte. Tatsächlich reagierte er sogar so schnell, dass er gar keine Möglichkeit hatte, sich irgendwie zu verteidigen, stieß ihn gewaltvoll von seinem warmen Schoß und schickte ihn damit unausweichlich auf Kollisionskurs mit der Tischkante eben des Möbels, das er erst vor einiger Zeit aufgrund derselben Personenkonstellation hatte reparieren müssen. Damals war es jedoch gerade für ihn nicht ganz so schmerzhaft gewesen, wie nun, als die hölzerne Kante mit entsprechender Wucht in seinen Rücken krachte. Durch die Kraft und vor allem die Beschleunigung, die der Jüngere reflexartig in seine Bewegung gelegt hatte, bog sich der Körper des Weißhaarigen durch, sodass sein Hinterkopf von der Schwerkraft gezogen auf die Tischplatte knallte, ehe er zu Boden fiel und Sterne sah. Es war alles so schnell gegangen, dass er sich nicht hatte federn können, dennoch war offen, ob er es denn getan hätte, wenn man ihm die Chance dazu gegeben hätte. Normalerweise war er der Erste, der sich gegen alles verteidigte, das ihm Schmerzen zufügte. Egal, ob es dabei um sein Leben oder nur einen blauen Fleck ging, er ließ körperliche Gewalt jeder Art nicht auf sich sitzen, sondern gab sie ohne zu Zögern zurück. Allerdings gab es genau eine Ausnahme von dieser Regel: Er war es gewohnt, dass die einzige Person, die er bis vor Kurzem alleinig respektierte, ihn für einige Verfehlungen mit Schmerzen bestrafte. Und diese waren in der Regel deutlich stärker als alle, die ihm Souta jemals auf körperlicher Ebene bereiten konnte. Er hatte jedoch damit aufgehört, sich gegen sie zu wehren, da er sowieso keine Chance gegen einen Drachen hatte, wenn dieser erst einmal zornig war (selbst wenn dieser schlafen sollte, war er verloren...) und ertrug lieber jegliche Bestrafung, bis sie geendet hatte. Aus Erfahrung hörte es immer irgendwann auf und da seine Mutter mit einem Gedanken heilen konnte, war er danach meistens sogar wieder fit. Kurzum: Cyrus wehrte sich nicht gegen Strafen von Personen, die ihm wichtig waren, selbst wenn er sie nicht als gerechtfertigt empfand. Er machte also auch keinerlei Anstalten, sich wegzubewegen, als der Fuß des Jüngeren in seine Rippen stampfte und ihn zu Boden drückte, auch wenn es einen schmerzvollen Blitz durch seinen ohnehin schon desorientierten Körper fahren ließ und die Luft in einem Keuchen aus seiner Lunge trieb. Man durfte es ihm also nicht verübeln, wenn er gerade ein wenig zu sehr mit sich selbst beschäftigt war, um Soutas Anschuldigungen komplett mitbekommen zu haben. Erst, nachdem fünf Sekunden lang kein weiterer Schlag oder ähnliches folgte, öffnete er ein Auge leicht und blickte mit dem beinahe zwanghaften Lächeln, welches sich schon die ganze Zeit nicht von seinen Lippen gelöst hatte, zu der Socke, die seinen Körper mit leichtem Druck auf dem Boden fixierte, um sich dann, an dem Bein hochblickend, dem Gesicht desjenigen zu widmen, der dafür verantwortlich war, dass er auf seinem eigenen Wohnzimmerboden lag. Hatte es ihm wirklich so sehr weh getan, dass er nun Tränen im Auge hatte? Cyrus selbst versuchte sich erst gar nicht zu bewegen, da er wusste, dass es dann noch mehr weh tun würde, sondern biss geistig die Zähne zusammen und versuchte nicht daran zu denken, dass sein Rücken nach einigen Minuten wahrscheinlich rotbläulich angelaufen sein würde. Er hasste es, wenn etwas mit seinem Rücken so war, wie es nicht gehörte; ein Hämatom am Arm wäre sicherlich auch hinderlich, aber da konnte er es besser ignorieren. Auch sein Kopf dröhnte noch immer von dem Aufprall, selbst wenn er inzwischen wieder normal sehen konnte, so hatte er das Gefühl, dass die Haut aufgeplatzt war und in einiger Zeit seiner Haarfarbe einen leicht femininen Touch verpassen würde. Nervig, aber damit konnte er irgendwie besser leben, als mit der Sache mit seinem Rücken. "Bist du fertig, Souta-chan?~", fragte er leise, jedoch ohne auch nur einen Muskel unnötig zu bewegen und öffnete auch das zweite Auge, um ohne Reue zu ihm hoch zublicken. Er sah nicht ein, warum Souta so heftig darauf reagierte, warum sollte er sich da also für etwas schuldig bekennen, dass er nicht so verbrochen hatte, dass es eine solche Reaktion verdiente? Waren sie nicht sogar allein dadurch quitt, dass er ihm sicherlich ebenso - wenn nicht mehr - weh getan hatte? Sollte er trotzdem eine Erklärung dazu abgeben? Warum nicht, das schlimmste was passieren könnte, wäre, dass Souta mehr Gewicht auf seine Brust drückte, aber das war ihm relativ egal. Er verspürte wie jeder Mensch Schmerzen in normaler Stärke, aber irgendwann waren sie immer vorbei und genug geistige Ausdauer besaß er im Allgemeinen. "Du hast es provoziert.", meinte er deswegen schlicht und blickte mit eiserner Gelassenheit zu Souta hoch. Ja, das hatte er getan... aber auch wenn er dem Jüngeren weder in Worten, noch in Mimik etwas vorwarf, sondern einfach zu übergehen schien, dass er ihn soeben recht unsanft auf den Boden befördert hatte, war Cyrus' Verhalten im Moment nicht ebenso provokant?

_________________
Sprechen ~ Denken ~ Magie
Nach oben Nach unten
Benutzerprofil anzeigen
Souta
Mr. Perfect
avatar

Anzahl der Beiträge : 312
Anmeldedatum : 23.09.14

Magierakte
Besondere Merkmale: Rote Haare, Augenklappe, Wunderschön

BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   Mi 5 Nov 2014 - 19:08

Wenn andere Itasa Soutanobu als “schnell” bezeichneten, so benannten sie das, was sie sahen. In den meisten Fällen sahen sie einen Rothaarigen nicht ganz bekleidet aus einem Haus laufen, beworfen von Vasen, Beautyutensilien und manchmal auch von Stöckelschuhen, die in etwa dieselbe Effektivität wie Wurfmesser besaßen, nebenbei erwähnt, der sich mit übermenschlichem Geschick und einer Geschwindigkeit durch den Hagel an Gegenständen bewegte. In Wirklichkeit jedoch war das Sichtbare, das, was selbst die einfachen Bürger noch ohne große Anstrengung wahrnehmen konnten, für Souta soviel wie ein langsames Joggen, das ihm ebenso leicht fiel wie anderen der tägliche Gang zur Toilette. Er war beinahe immer laufend anzutreffen, rennend, über den Boden fliegend, doch trotz allem war der Kettenmagier unfassbar faul. Nur in äußerst seltenen Ausnahmefällen strengte er sich wirklich an, schnell zu sein, denn es war einfach lahm, gegen Feinde zu kämpfen (falls er überhaupt einmal kämpfte) die einen Schritt machten, wenn er zwanzig machen konnte. Seine Überlegenheit auszuspielen war langweilig, und da Souta eine Person war, die Langeweile fast ebenso sehr hasste wie sinnlose Gewalt, verzichtete er für gewöhnlich darauf, auf Vollgas zu schalten. Was für ihn ein Sprint war, das war für andere ein Überschallvehikel und jedes Wettrennen unter Menschen ging immer zu seinen Gunsten aus. Es war ein schlimmer Tag gewesen, als er bemerkt hatte, dass er nicht mehr durch den Park von Hosenka Town joggen konnte, da das, was ihn forderte, einfach zu schnell war, um Rücksicht auf Passanten zu nehmen. Die Schnelligkeit, mit der er sich bewegte war nur mit viel Geschick zu kontrollieren, ansonsten konnte sie verheerende Schäden anrichten. Niemand wusste wirklich, wie viel Selbstkontrolle es brauchte, sein Tempo dermaßen zu drosseln, dass seine Bewegungen “normal” erschienen. Souta war wirklich ein Mann von Willenskraft, doch es gab Momente, an denen ihm seine Körperbeherrschung entglitt – und dann geschahen Dinge, die er nicht wirklich wollte. In keinster Weise hatte er irgendwie beabsichtigt, Seraphim wehzutun. Natürlich war mit gesundem Menschenverstand recht einfach zu kapieren, dass man jemanden verletzen konnte, wenn man ihn gegen einen Couchtisch schubste und auf den Boden klatschen ließ, doch in seiner verqueren Welt, in der der Himmelsmagier ein beinahe engelsgleiches Dasein fristete, war es ihm absurd, ja geradezu frevelhaft erschienen, dass jemand wie er bluten konnte. Noch nie hatte er einen Tropfen dieser Flüssigkeit an seinem besten Freund gesehen, der von ihm selbst stammte, weswegen er naiverweise angenommen hatte, dass er unverwundbar war. Er selbst blutete ja gerne einmal literweise vor sich hin, weil er so verdammt leicht zu verletzen war, weswegen es ihn nur wenig kümmerte, sobald der Schmerz abgeklungen war. Umso intensiver jedoch nahm er den rosaroten Fleck war, der sich langsam, stetig, auf der Frisur des Weißhaarigen ausbreitete, nachdem dieser auf dem Boden gelandet war und ihn nun ansah. So vollkommen ohne Wut, ohne Zorn...Emotionslos wie ein Eisblock lächelte er ihn an, obwohl er blutete und vermutlich Schmerzen hatte. Seinetwegen! Kaum hatte er diesen Gedankengang vervollständigt, regte sich etwas in ihm, schien durch seine Rippen zu greifen und sich sein Herz zu schnappen, um es mit brutalen Fingern zu zerquetschen. Für einen kurzen Moment wurde der Blick des Grünäugigen so leer, als hätte jemand sein Gehirn entnommen – dann war alles, was man noch von ihm übrig war ein Windstoß und das Geräusch von Socken, die sanft, blitzschnell, auf Laminat aufprallten. Als er durch die Tür der Küche stieß und dabei fast auf dem glatten Boden ausrutschte, atmete er so heftig, dass er sich einige Sekunden über die Spüle beugen musste, ehe er wahllos in den Schubladen herumkramte. Seraphim sah das sicher nicht so gern, aber er musste das tun, sonst geschah vermutlich etwas Schreckliches. Dieser Blick...Dieses Lächeln...Mit fahrigen Fingern öffnete er eine der Schubladen und blickte auf seine Hand, als ein sanftes Klimpern ertönte. Ausdruckslos blickte Souta auf ein Fach voller Messer, die ihm beinahe auffordernd entgegenglitzerten. Das Monster namens Selbsthass in ihm, welches sein Herz gefangen hielt, bäumte sich auf und begann in seine Ohren zu gurren. Bei seiner Geschwindigkeit wäre das Durchtrennen seiner Halsschlagader beinahe schmerzfrei...Natürlich war Itasa Soutanobu eine Bedrohung für andere. Wenn er nicht aufpasste, würde er Seraphim genauso umbringen, wie er seine Schwester getötet hatte...Vielleicht unabsichtlich, aber nichtsdestotrotz von ihm verschuldet. Mit Kopfwunden war nicht zu spaßen. Sie blutete vermutlich jetzt schon sehr stark – vielleicht war es gar eine Platzwunde. Er konnte ohnmächtig werden und verbluten. Der blutleere, tote Körper seines besten Freundes erschien in seinen Gedanken, und ehe er sich versah, hatte er schon in die Schublade gefasst, die Hand zum Hals erhoben...und sich ein Geschirrtuch um den Nacken geworfen, mit dem er nun umkehrte, immernoch mit Schnappatmung und aufsteigender Panik. Innerhalb eines Augenblicks war er wieder bei dem Weißhaarigen und schob den Couchtisch grob zur Seite, ehe er sich neben seinen besten Freund kniete und ihn mit tränenverschleierten Blick anstarrte. “Es tut mir Leid...”, hauchte er, ehe er sich räusperte und kurz den Kopf schüttelte, so dass sich seine Träne aus seinem Augenwinkel löste und irgendwo ungesehen auf dem Boden zersprang. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht, welches unechter nicht sein konnte, streichelte er mit einem Finger über die Wange seines Freundes. “Du bist ganz schön gegen die Kante gebumst. Lass mich gucken, ja? Ich glaube du hast dich ein bisschen aufgeschlagen.” Ein bisschen...Na ja, Seraphim blutete ein bisschen viel, wie bei einer Kopfwunde nun einmal üblich, aber das musste er ja nicht wissen, hm? So vorsichtig, als würde er tatsächlich einen Wattebausch berühren und nicht die Haare eines Magiers, der vermutlich dreißigmal so viele Schmerzen aushielt wie er selbst, strich er die sich rosa verfärbenden Stacheln zur Seite. Autsch...”Nicht halb so schlimm.” Mit einer kurzen Bewegung spreizte er die Beine seines Freundes und hüpfte dazwischen, damit er ihm ins Gesicht blicken konnte, falls er doch ohnmächtig wurde – oder er den Drang verspürte, ihm eine zu pfeffern. Seine Hand griff nach hinten und holte das Geschirrtuch von seinem Nacken, sein Arm schlang sich so stützend wie möglich um den Rippenkorb seines Freundes und wuchtete ihn nach oben, wobei er ihn gleichzeitig so drehte, dass er seinen bestimmt höllisch schmerzenden Rücken gegen das weiche Sofa lehnen konnte. Nur wenige Zentimeter von seinem Gesicht entfernt war sein eigenes, dessen Lippen immernoch leicht zitterten, als er daran dachte, dass er sich aus idiotischer Panik beinahe umgebracht hätte, nur weil er seinem besten Freund wehgetan hatte...So sanft er konnte drückte er das Geschirrtuch gegen die Wunde des Weißhaars, um die Blutung zu stillen, bevor dieser sich selbst heilen würde – das konnte er doch, oder? Souta hatte prinzipiell keine Probleme ihn zu einem Arzt zu tragen, und wenn er dabei selbst gestorben wäre, aber so ging es doch viel schneller...Während er so aufmerksam auf die Wunde seines Schutzengels achtete, fraß das schlechte Gewissen ihn beinahe auf. Er war ein riesiger Idiot...Wieso hatte er so überreagiert? Wegen einem blöden Biss. Zerknirscht warf er einen Blick nach unten, auf die violetten Augen seines besten Freundes, der ihm keinen Vorwurf gemacht hatte, obwohl es so leicht gewesen wäre, ihn viel stärker zu verletzen, als er es getan hätte. Ein einziger Faustschlag konnte Souta schon für Tage kampfunfähig machen, doch stattdessen hatte er nur ein Lächeln bekommen. War das psychologische Kriegsführung? Oder...glaubte er vielleicht, dass er es verdient hatte? Misstrauisch betrachtete er die Augen seines besten Freundes, wurde irgendwie von ihnen angezogen wie ein Magnet. Ohne es wirklich zu merken kam Souta ihm immer näher. Was machte er da? Wieso starrte er wie ein Behinderter? Seine Hand verharrte nach wie vor auf dem Hinterkopf Seraphims, die andere war ohne, dass er es wirklich bemerkt hatte den Körper des Älteren nach unten gewandert und hielt seine Fingerkuppen fest, nicht so umklammernd wie sonst, sondern ganz locker. Mit jedem Blinzeln kam er ihm etwas näher, mit jedem Milimeter öffnete sich sein Auge etwas mehr, und obwohl er sich mit jeder Faser seines Körpers dagegen sträubte, es sich dadurch erklärte, dass er einfach so erleichtert war, dass er ihn nicht umgebracht hatte, dass er nicht vollkommen nutzlos war, brachte es am Ende überhaupt nichts. Jetzt berührten sich ihre Nasenspitzen, nein schrammten aneinander vorbei. Halb in Trance versunken bewegten sich seine Lippen: “Es tut mir so Leid, Seraphim...Ist schon wieder alles gut. Ich kümmere mich um di-” Um sich selbst vor irgendwelchen peinlichen Worten abzulenken (zumindest glaubte er das und erklärte es sich auch so, wenn er später daran dachte), war sein Gesicht noch einen halben Zentimeter nach vorne gerutscht. In rascher Anfolge riss Itasa Soutanobu sein Auge auf, lief knallrot an und löste sich sofort wieder von der höchst peinlichen Aktion, die kaum einen Wimpernschlag gedauert hatte. Gott...hatte er gerade...? Was hatte ihn nur geritten?! Höchst geschäftigt drückte er weiterhin das Geschirrtuch auf die Wunde und blickte zu Sakkaku, ob ihr auch ja nichts fehlte. Ehm...konnte sie jetzt anfangen zu schreien oder so?

_________________
Reden - Denken
Theme - Fight-Theme - Steckbrief

I am the one and only!
Playcharakter von Kuma
Nach oben Nach unten
Benutzerprofil anzeigen
Seraphim

avatar

Anzahl der Beiträge : 196
Anmeldedatum : 23.09.14

BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   Fr 7 Nov 2014 - 19:09

Rot war eine der Farben, die ihm nicht so recht stand. Sie war warm, geradezu lebendig und stand damit im Kontrast zu seinen sonstigen, kalten Farben, der natürlichen Blässe seiner Haut, der Reinheit seines Haares und den unnatürlich stechenden Augen. Man kannte sie vom Feuer, welches lebhaft und ungezügelt fraß und sich wand, flackerte, Leben spendete und es auslöschte; das Element, welches der Dragonslayer seit seiner Kindheit am meisten fürchtete. Auch hatte man Rot als die Farbe der Liebe deklariert, wahrscheinlich wegen des Feuers, welches bei diesem tiefen Gefühl der Leidenschaft in der Seele eines Menschen brannte, vielleicht profanerweise auch nur, weil die Lippen eines Menschen diese Farbe besaßen. Und es war die Farbe des Blutes, das durch die Adern aller Lebewesen pulsierte und ihnen die Kraft zum Leben gab, das ihre Haut rosa färbte und bei Verletzungen aus ihrem Körper strömte, die Kraft und Wärme raubend. Blut faszinierte den Dragonslayer, er mochte die Farbe der Körperflüssigkeit, ihren Geschmack, sogar ihrem leicht metallischen Geruch konnte er etwas abgewinnen. Und dennoch hasste er es ebenso wie er es liebte, denn das erste, an das er sich in seinem Leben wirklich klar erinnern konnte, hatte mit dem Rot zu tun. In zweifacher Hinsicht hatte die weiße Drachin, der er sein Leben verdankte, ihn doch in einem roten See von Flammen umringt gefunden, die Augen schon leerer werdend, die Haut so blass wie der Schnee. Um es genau zu nehmen, so hatte er nicht erst einmal in einer Blutlache gelegen und stumm nach Rettung gefleht, es gab eher wenig andere, die bereits so oft wie er verblutet waren. Beinahe gestorben waren, um dann wieder aufzuerstehen. Aber Rot war auch die Farbe, die die Haare des Menschen hatten, der dem sonst so kalten Seraphim so wichtig war, dass er von ihm dasselbe ertrug wie von einem haushohen Drachen. Er vertraute ihm, ebenso wie Grandine, dass er ihn nicht töten würde - allerdings hätte er der Drachin unter Umständen sogar das erlaubt, da er ohne sie schon längst nicht mehr unter den Lebenden weilen würde - also sah er auch keinen Grund dazu, ihm zu grollen, wenn er ihn schlug. Das musste an seiner Erziehung, wenn man es denn so nennen wollte, liegen, denn er war sicherlich keinesfalls masochistisch veranlagt. Er begrüßte es nicht, wenn man ihm weh tat. Aber er war es gewöhnt, körperlich für Dinge bestraft zu werden, die er falsch gemacht hatte - und vielleicht hatte er das ja, ohne es zu ahnen. Wie man sich wohl denken konnte, war die Erziehung der Himmelsdrachin ziemlich fehl geschlagen, wenn man sein Verhalten gegenüber der Menschheit in Betracht zog, also konnte man davon ausgehen, dass er dazu neigte, Strafen abzusitzen und dann einfach weiter zu machen wie zuvor, dennoch musste man schlicht und ergreifend sagen, dass sie es immerhin geschafft hatte, ihm Respekt vor der eigenen Person einzuflößen. So einen Gehorsam, dass er sich auch eine Schlucht hinunter stürzen würde, wenn sie es nur von ihm verlangte. Zum Glück tat sie das nicht...
Er war Souta nicht böse, war sogar geneigt, es einfach zu vergessen, er hatte nur warten wollen, bis der Rothaarige geendet hatte, bevor er sich aufgerichtet hätte, um die Blutung an seinem Kopf zu stillen. Er hätte sich anschließend wieder auf den Schoß des Anderen gebettet und ihn wahrscheinlich umarmt, damit dieser ihm nicht mehr böse war, denn so in etwa war er das gewöhnt: Er verbockte etwas in der Größenordnung einer Beinahevergewaltigung irgendeines Menschenmädchens, Mamadrache wurde wütend und verprügelte ihn, er litt ein wenig in seinem eigenen Saft und entschuldigte sich schließlich, Mamadrache heilte ihn und er versuchte anschließend sein bestes, um ihre Gunst wieder zu erlangen, indem er sich an sie kuschelte oder so. Zudem er zwar blutete, aber das nur aus einer kleinen Wunde an seinem Kopf, die gegenüber anderen, längst vergangenen, Verletzungen, wie ein schlechter Witz wirkte. Nun zeigte sich allerdings mehr als eindrücklich, dass der Einäugige eben nicht seine Mutter oder ein Drache, sondern nicht nur ein Mensch, sondern auch noch ein scheinbar besonders empfindsamer war. Kaum blickte er hoch, war er auch schon weg, um wenige Sekunden später bereits wieder über ihm zu stehen. Dem Handtuch im Nacken zufolge, war er in die Küche gedüst und blickte ihn nun so aufgelöst an, dass Cyrus schlichtweg zu sprachlos war, um irgendetwas darauf zu erwidern. Warum machte er so ein Theater? Es schien ihm Leid zu tun, seine Stimme war belegt und das eine, so wunderschön smaragdene Auge glänzte feucht. Wieso nur war er so weit entfernt, er hätte ihn in diesem Moment küssen können, einfach nur so... als er den Finger des Jüngeren auf der Wange spürte, verschwand die Anspannung langsam aus seinem Gesicht, die verkrampften Mundwinkel zuckten leicht, ehe sie sich bedacht in eine viel natürlich wirkendere Position begaben. Er war so niedlich... er behandelte ihn, als sei er lebensgefährlich verletzt, dabei war es doch dagegen nur eine Kleinigkeit. Als er ihn aufrichtete, zuckte er kurz, als sein Rücken in Kontakt mit dem Sofa kam. Es war nicht einmal so, dass er so wahnsinnig schmerzempfindlich war, es traf viel eher zu, dass er einfach auf alles, was seinen Rücken betraf, viel extremer reagierte. Es war ihm lieber, man zerkratzte ihm die Brust, als dass man seinen Rücken auch nur berührte, denn er fühlte sich dort unsicher, verwundbar. Er war so froh, dass er dank der menschlichen Anatomie nicht gezwungen war, ihn dauernd vor sich zu sehen, zwar mit durchaus breiten Schultern und wohl proportionierten Muskeln versehen, deren Spiel man durch seine helle Haut beobachten konnte, aber auch mit den zwei Fleisch gewordenen schlechten Erinnerungen. Er hasste es, die Kontrolle zu verlieren, schwach und wehrlos zu sein, aber wie sollte er je davon weg kommen, solange diese Narben seinen Rücken verunstalteten?! Erneut zuckte es in seinem Gesicht, als Souta das Handtuch auf seinen Hinterkopf drückte, er wollte etwas sagen, wie Alles in Ordnung, alles halb so wild. Mach dich nicht verrückt., aber bevor er die Worte über die Lippen bringen konnte, bemerkte er, wie nah der Andere ihm auf einmal war.
Er war gut und gerne für seine Kaltschnäuzigkeit bekannt, seiner Fähigkeit zum Schauspiel und dafür, dass er seine Mimik meistens recht gut unter Kontrolle hatte. Doch schon wieder machte ihm das Rot einen Strich durch die Rechnung, das sich auf einmal auf seine Wangen schlich. Auch schien es auf einmal seine Fähigkeit zum Sauerstofftransport eingebüßt zu haben, sodass sein Herz schneller pumpen musste, um das Defizit auszugleichen, die fahrige Berührung an seiner Hand registrierte er nur am Rande, weil sein Verstand viel zu sehr auf das eine grüne Auge fokussiert war. Was passierte hier? Er kam ihm irgendwie immer näher, sagte etwas davon, dass alles gut wäre, als sei er ein kleines Kind, auf welches man beruhigend einreden müsse. Aber es störte ihn in diesem Moment nicht einmal, dass man ihn nicht seinem Alter und allem anderen entsprechend behandelte, er hätte wahrscheinlich nicht einmal mehr bemerkt, wenn eine Gruppe bärtiger Männer in Kilts neben ihm zu Dudelsackmusik Polka getanzt hätten. Als würde er die Welt nur noch durch einen Tunnel wahrnehmen, blickte er leicht verunsichert zu dem Anderen auf, der nun sogar noch näher gekommen war, während die Hand auf seinem Hinterkopf das Tuch gegen die leicht pochende Wunde drückte.
Und mit einem Mal herrschte Stille in seinem Kopf. Es war ja allgemein bekannt, dass die Zeit relativ war oder zumindest die Wahrnehmung der Menschen ihr gegenüber, ihm kam der kurze Augenblick, in dem die Lippen des Anderen die seinen berührten, jedenfalls unheimlich viel länger vor. Man sollte doch eigentlich meinen, dass jemand wie er, der nicht nur Küsse wie Flugblätter verteilten, sondern selbst Souta schon öfter geküsst hatte, nicht so darauf reagieren sollte. Man hätte wahrscheinlich eher ein spöttisches Lächeln oder ein sofortiges Ergreifen der Chance von ihm erwartet, nicht aber, dass er, selbst als der Rothaarige in scheinbarem Erkennen, dass er ihn gerade von sich aus geküsst hatte, zurückgewichen war, wie ein vollkommen unter Drogen stehender Junkie mit leicht geöffnetem Mund dasaß und in der ersten Sekunde nur leer vor sich hin starrte, bis er blinzelte, sich seine Mundwinkel hoben und er grinsend den Kopf zurückfallen ließ. Im Nachhinein war das keine gute Idee gewesen, da sich seine Wunde wieder zu Wort meldete. "Ich sollte mir öfter den Kopf anschlagen~", lächelte er, ehe sich seine Hand hob und die Soutas auf seinem Hinterkopf sanft zur Seite rückte, ehe er Mana hindurch fließen ließ und währenddessen leicht schmunzelnd auf den Boden blickte. *Das war es allemal wert...* Ob er über das einfach nur endniedliche Verhalten des Jüngeren oder seine eigene, ebenso peinliche Reaktion lächelte, würde wohl niemals jemand wissen, jedenfalls schien es ihm nicht mehr halb so schlecht wie vorher zu gehen. Als das Blut versiegt war, was sich immerhin über mehr als eine Minute hinzog, da es nun einmal länger dauerte, wenn er sich selbst verarzten musste, wollte er den Arm eigentlich so verbiegen, dass er an seinen Rücken kam, aber etwas anderes kam ihm zuvor: Wie bei einer kaputten Neonröhre flackerte das grüne Leuchten um seine Hand und erlosch schließlich, während gleichzeitig eine Welle der Erschöpfung über ihn hinwegrollte, ganz klare Zeichen dafür, dass seine Kräfte ausgezehrt waren. "Ups... Mana alle.", murmelte er und blinzelte schläfrig, bevor er sich vorsichtig aufrichtete und sich neben Sakkaku, die inzwischen bemerkt hatte, dass sie ihre Zehen ganz schön verbiegen konnte, auf das Sofa setzte, wobei er ein ungewohntes Druckgefühl auf seinem Rücken spürte. Das würde ein ekeliger blauer Fleck werden... und bis er versuchen konnte, ihn zu heilen, musste er erst einmal wieder Mana ansammeln.

_________________
Sprechen ~ Denken ~ Magie
Nach oben Nach unten
Benutzerprofil anzeigen
Souta
Mr. Perfect
avatar

Anzahl der Beiträge : 312
Anmeldedatum : 23.09.14

Magierakte
Besondere Merkmale: Rote Haare, Augenklappe, Wunderschön

BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   So 16 Nov 2014 - 14:22

Mit zittrigen Fingern berührte Itasa Soutanobu seine Lippen, rieb leicht über die raue Oberfläche eben dieser und betrachtete dann seinen Zeigefinger, als würde er erwarten, Blut dort vorzufinden. Irgendetwas musste es doch geben, was ihn daran erinnerte, dass er falsch gehandelt hatte, das bewies, dass er in Wirklichkeit eine komplett andere Absicht hatte, als es schien. Der Kettenmagier aus Lamia Scale war ein Meister darin, sich Lügenmärchen und Ähnliches auszudenken, da konnte eine Erklärung für seinen spontanen Knutscher sicher nicht so weit entfernt sein. Er musste sich nur anstrengen! Mit de richtigen Worten würde er ein für alle Mal klären, dass er Seraphim nicht auf die Art mochte, die seine überstürzte Handlung suggeriert hatte. Wirklich. Es gab nichts, was ihn dazu bringen würde, sich in einen Mann zu verlieben. Souta liebte schon jemanden und man konnte ja bekanntlich nicht zwei Menschen gleichzeitig sein Herz schenken. Ganz unabhängig davon, dass er ohnehin jeden küsste und das demnach bei Weitem keinerlei Beweis für irgendetwas war. Eine Torschlussreaktion war es gewesen. Simple Panik. Immerhin hatte er sich irgendwie entschuldigen müssen, da er seinen besten Freund schwer verletzt hatte. Ihm den Rücken zuwendend, betastete der Rotschopf seine Stirn und hoffte beinahe, Fieber zu erspüren, doch leider war sie bis auf den darauf befindlichen Angstschweiß ziemlich kühl. Nachdenklich verschränkte er die Arme um den Körper, als wolle er sich selbst umarmen und somit Halt geben. Tatsächlich sollte ein so flüchtiger Kuss überhaupt kein Thema für Souta sein. Er war immerhin ein Weiberheld und Schürzenjäger - Küsse und viel mehr gehörten zu seinem täglichem Geschäft. Eigentlich war es ihm möglich, solche Dinge zu verdrängen, immerhin ging es nur um Spaß....Nur war diese Situation kein Gag gewesen, sondern purer Ernst. Er hatte wirklich geglaubt, dass Seraphim sterben könnte - oder zumindest bewusstlos wurde. Er wollte keinen Scherz machen. Souta hatte ihn nicht geküsst, um ihn zu ärgern...Er wollte es. Irgendwie. Es war so kompliziert! Normalerweise küsste er jemanden, verschwand mit ihm im Schlafzimmer und vergaß die Sache dann so schnell wieder, wie er an sie gedacht hatte. Warum ging das nicht? Es war doch nicht das erste Mal gewesen, dass er Seraphim geküsst hatte - oder doch? Damals im Café war das nur wegen des Wettbewerbes gewesen und in allen anderen Situationen hatte das Weißhaar die Initiative ergriffen...Oh großer Drachenfladen! Verzweifelt und zugleich vollkommen verwirrt fuhr der Kettenmagier sich durch die Haare und machte ein paar Schritte auf den Gang hinaus, um sich gegen die nächstgelegene Wand zu lehnen. Wenn es ihm so egal war, wieso reagierte sein Körper dann so intensiv auf diese zwei Sekunden ewige Schande? Warum waren seine Hände schwitzig? Weshalb pochte ihm das Herz so heftig gegen den Hals, dass er das zitternde Beben seiner Schlagader fühlen konnte, als seine Hand über seinen Nacken strich? Wieso ging sein Atem nur noch stoßweise, war so heiß, dass er sich wunderte, dass keine Kondenswolken von seinen Lippen aufstiegen? Eindeutige Anzeichen, die er nur allzu genau kannte, eigentlich...Seraphim so zu sehen, ihn von einem Schutzengel zu einem Menschen gemacht zu haben...das hatte ihn doch nicht angemacht, oder? Nein, das war nicht möglich. Wieso denkst du in diesem Augenblick dann an eure kleine Nummer in der Küche? Dein ganzes Gehirn ist voll davon, gib es zu! Ein Schauer jagte seine Wirbelsäule hinab, als er daran dachte, was passiert war, und er schüttelte energisch den Kopf, um die Bilder zu verdrängen, die auftauchen wollten. Was hatte er nur angestellt? Wie konnte man nur so dumm sein...Außerdem war es nicht klug jemanden, der eine Kopfwunde hatte, ganz alleine zu lassen. Egoistisch war er also auch noch. Aber er konnte Seraphim jetzt nicht unter die Augen treten. Er würde sofort sehen, was mit ihm nicht stimmte, und dann würden nur Dinge passieren, die ihn noch mehr verwirren würden. Wieso war er so in seinen Geist eingedrungen? Er wollte das nicht...oder? Alles war so vage, es gab kein Ja oder Nein mehr. Kein Mann oder Frau. Seraphims Körper war in keinster Weise irgendwie anziehend. Souta ertappte sich sogar dabei, wie er sich bei der Vorstellung, dass er eben diesen lieben könnte, schmutzig fühlte, angeekelt. Aber der Geist in diesem Käfig aus Haut...Der Rothaarige ballte die Hände zu Fäusten, bis die Fingerknöchel hervortraten und wischte sich über die Stirn. Quatsch. Es gab keine Chance, dass er...Souta war erschöpft. Er war tagelang gewandert, außerdem waren die Reaktionen in seinem Körper einfach nur irgendetwas Natürliches, um seinen Stress und seine Sorge abzubauen. Der Itasa wusste, wenn er sich eine Weile von Seraphim fernhielt, würde er sich wieder beruhigen...Einfach einen anderen Platz suchen. Am besten irgendwo, wo er sich hinlegen und die Decke anstarren konnte. Schlafzimmer. Vielleicht nicht der sicherste Ort des Hauses, aber weit genug vom Wohnzimmer entfernt. Auf lautlosen Socken durchquerte Souta wie ein Schlafwandler den Flur und gelangte nach wenigen Schritten schließlich in besagten Raum, wo er sich ohne viel Federlesen auf das Bett fallen ließ und keine Zeit damit verschwand, die Tür zu schließen. Mit einem Stöhnen grub er sein Gesicht in die weiche Bettdecke und blubberte einen Seufzer hervor, der sich ein bisschen wie Sakkakus Sprache anhörte. Er war ein Vollidiot...

_________________
Reden - Denken
Theme - Fight-Theme - Steckbrief

I am the one and only!
Playcharakter von Kuma
Nach oben Nach unten
Benutzerprofil anzeigen
Seraphim

avatar

Anzahl der Beiträge : 196
Anmeldedatum : 23.09.14

BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   So 16 Nov 2014 - 14:37

Und dann war er weg.
Kaum hatte er sich von ihm entfernt, schien Souta es ziemlich eilig zu haben, von ihm wegzukommen, eine Tatsache, die dem Dragonslayer natürlich sofort auffiel. Während er noch die Wunde an seinem Hinterkopf heilte, war der Rothaarige auch schon im Flur angekommen. Cyrus blickte ihm mit anfangs irritiertem und dann immer ausdrucksloser werdendem Ausdruck nach, bemerkte, wie er scheinbar durch den Wind aus seinem Sichtfeld verschwand, als er bereits wieder auf dem Sofa saß. Seine zuerst noch leicht zusammengezogenen Brauen über besorgt blickenden Augen entspannten sich zunehmend und machten einer Schlaffheit Platz, die nicht nur seine Mundwinkel in eine nichts aussagende Position rückten, sondern auch seinen Kopf eine Nuance nach vorne sacken ließ. Es war ja nicht so, als könnte er nicht ahnen, was der einzige Grund für das plötzliche Verschwinden des Einäugigen sein konnte. Nicht nur seine eigenen, sondern auch die Emotionen anderer Menschen waren für ihn schon immer von Interesse gewesen; während er seine eigene innere Welt vor allem aus Gründen des Selbstschutzes erkundete, suchte er bei Anderen nach Mustern, um sie besser ausnutzen zu können. Normalerweise genoss er den Anblick von jungen Männern, die aus demselben Grund an sich zu zweifeln begannen. Allein dieser Anblick machte den Aufwand seiner Meinung nach wett, wie sie daran verzweifelten, sich nicht mehr über ihre urzeitlichste Grundstruktur sicher sein zu können. Dennoch blieb das normale hämische Glücksgefühl aus, keine Schadenfreude und kein purer Sadismus meldete sich in seinem Zwerchfell zu Wort. Stattdessen saß er da und starrte den Boden an, das weiße Haar fiel über seine Stirn und bedeckte seine Augen, die allerdings nur mit leichtem Zittern am schwarzen Laminat klebten. Es war nicht einmal ein ansatzweise positives Gefühl, zu wissen, dass Souta weggelaufen war, dass er die Notwendigkeit darin gesehen hatte, sich von ihm zu entfernen. Er... ekelte sich vor ihm. Entweder das oder vor sich selbst, dennoch wäre er daran Schuld. Das hatten sie alle gesagt, wenn er sie voller Schadenfreude gefragt hatte, als alles vorbei war. Ekel.
Seine Finger waren durchaus nicht dick, nicht einmal besonders kräftig, aber dafür länger als dass sie zu der Hand einer Frau gehören könnten. Generell war auch der Handteller zu groß, seine Haut zwar hell und gepflegt, aber dennoch auf diese spezielle Weise rau, die von gröberen Poren herrührte. Auf seinen Fingerkuppen ließ sich leichte Hornhaut erfühlen, als sein Daumen sanft von Außen- nach Innenseite darüber strich, kurz zögerte und dann in der sich ballenden Faust verschwand. Auch wenn er nicht fest zudrückte, konnte er die Sehnen auf seinem Handgelenk aus der glatten Haut hervortreten, die bläulichen Venen durch die dünne Schicht schimmern sehen. Zunächst zögerlich und langsam, schließlich in einer flüssigen und schnellen Bewegung, hob sich seine Hand an die linke Wange und strich seinen Unterkiefer entlang. Viel zu eckig, zu scharf geschnitten. Seine Wange war minimal stoppelig, weil er sich heute Morgen nicht rasiert hatte. Hatte er ihm irgendwie Unrecht getan oder lag es wirklich einzig und allein an der Tatsache, dass er ein Mann war? Sollte er einfach fragen, was mit ihm los war, auch auf das Risiko hinaus, dass er so sehr enttäuscht werden würde, dass er nicht damit umgehen konnte? Er wusste keine Antwort und selbst sein Körper vermochte keinen Anstoß zu geben, er fühlte sich alleine gelassen und unsicher. Ohne eine Bestätigung der Richtigkeit seiner Handlung stand er vorsichtig auf, nachdem er sich nach der Kekstüte gebückt hatte, und verließ mit leisen Schritten das Wohnzimmer, bei jedem Schritt in Richtung Schlafzimmer (Wo sollte er sonst sein?) pochte es dumpf in dem rötlichen Querstreifen auf seinem Rücken, der mit den bereits vorhandenen Zierden sicherlich ein interessantes Raster abgab, allerdings nicht halb so schlimm wie in seiner Brust. Er wurde immer langsamer, bis er in der Tür stehen blieb und auf die bäuchlings ausgestreckte Gestalt auf seinem Bett blickte.
Und mit einem Mal wurde ihm klar, dass er ihn nicht fragen konnte. Er konnte es einfach nicht, wie genau seine Frage auch gelautet hätte, es war vollkommen unmöglich. Egal was er tat, Souta würde sich schlecht fühlen. Er mochte so untreu und aufreißerisch sein, wie er wollte, im Grunde genommen schien er so etwas wie ein Gewissen zu besitzen, sonst hätte er sich nicht so rührend um ihn gekümmert, obwohl er eigentlich gar nichts großes hatte. Es würde nicht nur ihm, sondern auch Souta weh tun, wenn er nur annähernd das wissen wollte, was ihn gerade bewegte und von dem er die Antwort sowieso schon zu kennen glaubte. Diese geistige Gewissheit war unangenehm, stach in seinem Brustkorb als habe er eine Hand voll Metallspäne verschluckt, aber immerhin schadete sie nur ihm. Das war okay, das würde schon irgendwann aufhören, wie alle anderen Schmerzen, die er zu erdulden hatte. Einen kurzen Moment blickte er auf die halb volle Tüte in seiner Hand, bevor er sie so zusammenrollte, dass sie nicht direkt aufgehen würde und warf sie hinter Souta auf das Bett, auf dessen dunkelroter Bettwäsche sich das orangene Haar des Anderen deutlich abhob. Es war wie immer frisch in diesem Raum, denn die Schiebetür zu seiner Terrasse war niemals geschlossen, wenn er da einfach so lag und einschlief, könnte er sich noch erkälten. "Deck dich ruhig zu, wenn es dir zu kalt ist." Er lächelte, fasste die Türklinke und zog sie langsam zu, "Ach ja... wenn du mein Bett voll krümelst, bekommst du Ärger.", fügte er scherzhaft hinzu, ehe er die Tür komplett schloss. Himmel, wie schwer es ihm gefallen war, diesen Tonfall hinzubiegen, er hatte seine Stimmbänder geradezu dazu zwingen müssen.
Ohne Recht zu wissen, warum, hatte er sich ins Bad verirrt und hielt die Hände unter den Wasserstrahl, ließ die Tropfen von der doch so rauen Haut abperlen. Wenn das die Hände einer Frau wären, hätte wahrscheinlich niemand irgendwelche Probleme, hm? Zu Fäusten geballt stützten sie sich an den Rand des Waschbeckens, trotzig. Langsam hob sich der herabhängende weiß gewuschelte Kopf und blickte aus violetten Augen in den Spiegel, der über dem Becken an der Wand hing. Wütend, bitter, traurig. Und desillusioniert. Die Augen eines Realisten. Sinnlose Gedanken hin und her, Cyrus war ein Mann und sah sogar ziemlich gut aus. Das war immer dann hilfreich, wenn er sich ein neues Opfer angelte, um mit ihm eine Nacht zu verbringen und es dann für immer im Sumpf des Vergessens zu ertränken. Das Gesicht im Spiegel verzog sich und eine Hand presste sich darauf, als wolle er es nicht mehr sehen. Was nützte ein solcher Körper, wenn er alle anzulocken vermochte, nur nicht den, den er wollte?

Einige Minuten später lag der Weißhaarige mit einem kleinen Buch in der Hand auf seinem Sofa, während Sakkaku auf der Sweatshirtjacke, in die Cyrus sie schon zuvor gehüllt hatte, herumkrabbelte. Ihren Beißring hatte sie als uninteressant abgestempelt und hielt nun mehr ein Kuscheltier in Händchen, welches der Dragonslayer in der Tasche gefunden hatte. Welch ein Glück, dass er eine Komödie erwischt hatte, so ließ sich das alles doch einigermaßen gut verkraften. Sein Rücken drückte sich schmerzvoll gegen die Sitzfläche des Sofas, aber er würde sich deswegen nicht umsetzen. Er wollte liegen, aber auf dem Bauch... war sein Rücken verletzlich. Da war es noch deutlich besser, wenn er weh tat. Zudem der Schmerz ihn ebenso wie seine Lektüre davon ablenkte, zu denken. Er musste es einfach vergessen, viele andere Möglichkeiten blieben ihm nicht.

_________________
Sprechen ~ Denken ~ Magie
Nach oben Nach unten
Benutzerprofil anzeigen
Souta
Mr. Perfect
avatar

Anzahl der Beiträge : 312
Anmeldedatum : 23.09.14

Magierakte
Besondere Merkmale: Rote Haare, Augenklappe, Wunderschön

BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   So 16 Nov 2014 - 14:43

"Dreihundertfünfundzwanzig..."
Ein leiser Seufzer entrang sich der Kehle des Rothaarigen, welcher auf dem Rücken lag und seinen nackten Arm über das rechte Auge gelegt hatte, welches ihm beim Zählen der Marmorrisse an der Decke des fremden Schlafzimmers ohnehin nur wenig Unterstützung liefern würde. Dreimal hatte er sie nun schon gezählt, um ganz sicher zu sein, dass er sich nicht verrechnet hatte. Manche Leute zählten ja Schafe, um einzuschlafen...Er hatte es versucht, wirklich. Doch sobald er an ein Schaf dachte, an dessen weiße Wolle, sah er statt dieser Huftiere kleine Seraphims über einen Zaun hoppeln, was ihn sowohl verstörte, als auch dafür sorgte, dass er sich wieder aus der Decke entwirrte und sein Hemd gegen die Zimmerwand warf, denn sobald seine Gedanken abschweiften, ergriff eine Hitze Besitz von seinem Körper, die sich beinahe anfühlte wie Fieber. Vielleicht wurde er ja krank. Er hatte einmal von einem Fall gehört, da hatte die innere Unruhe einer Person dafür gesorgt, dass sie sich auch körperlich schlecht fühlte. Nach seiner tagelangen Reise ohne Essen, Trinken oder Schlaf war es doch nicht ungewöhnlich, wenn sein Immunsystem vollkommen im Eimer war, oder? Bestimmt war er zudem so übernächtigt, dass er trotz Müdigkeit nicht schlafen konnte. Sein Körper mühte sich einfach zu sehr ab, das erklärte sein nachwievor pochendes Herz und seinen vollkommen ausgebliebenen Hunger, der dafür gesorgt hatte, dass er die Kekstüte nicht einmal berührt hatte. Ja, wenn Souta nichts essen wollte, dann war das immer ein schlechtes Zeichen. Sein übertrieben hoher Stoffwechsel sorgte sehr schnell für Schwindel und Schwächeanfälle, wenn er nicht genug Essen in sich hineinschaufelte - vielleicht ein Nebenprodukt seiner außerirdischen Geschwindigkeit - doch im Augenblick war ihm sein Magen so egal, dass er keinen Gedanken auf seinen Hunger verschwendete. Eine große Welle an Gleichgültigkeit hatte ihn erfasst, eine Art natürliche Schutzfunktion seines Körpers, welche dafür sorgte, dass er sich nicht mit Dingen beschäftigte, die seinen instabilen emotionalen Zustand gefährden konnten. In Ermangelung einer guten Konzentrationsquelle, da alles in diesem Raum ihn an die eine Person erinnerte, an die er nicht denken wollte, hatte er sich letztendlich der Decke zugewandt, genauer gesagt: Den weißen Rissen im schwarzen Marmor. Aber auch das wurde langweilig. Mit einem weiteren Seufzer zog sich der schlaksige Körper des 18-Jährigen zusammen, bildete einen erwachsenen Mann, der halb nackt und in Fötushaltung auf einem blutroten Laken lag, schwitzend, zitternd. Wie konnte Seraphim diese Szenerie so einfach übergehen? Er hatte die Tür geschlossen und ihm Kekse zugeworfen, als wäre nichts gewesen. Hatte es ihm denn überhaupt nichts bedeutet? Beinahe hätte Souta laut aufgeschrien, weil diese Erkenntnis ihm einen Stich in die Brustgegend versetzte. Verdammt, das durfte sie nicht! Natürlich hatte der Kuss ihm nichts bedeutet. Sie waren bloß Freunde! Freunde, die den Begriff sehr weit definieren..., dachte er, als er seinen Oberschenkel bewegte und immernoch leicht den Schmerz fühlte, der durch die konstante Heilung des Weißhaars auf ein Mindestmaß gehalten worden war, sich aber jetzt, wo er auf seinen Körper und dessen Signale horchte, langsam wieder zu Wort meldete. Wie ein Leuchtfeuer fraß sich der Schmerz in seinen Bauch, nicht, weil es so wehtat, sondern weil es noch eine Schicht mehr auf den Brocken der Erkenntnis schmierte, der sich dort zusammengerollt hatte und zu wachsen schien wie ein bösartiger Tumor, den er nicht loswerden konnte. Stöhnend klappte er wieder zurück auf den Rücken, so dass sein Nacken von einer Seite des Bettes hing und seine Haarspitzen fast den Boden berührten. "Pffft...was machst du mit mir..." Itasa Soutanobu starrte weiterhin die Marmordecke an. Die weißen Linien. Ihre Grundlage war schwarz...Eine weitere unsinnige Metapher, vielleicht? War er vielleicht nichts anderes als diese weißen Linien, die sich durch Seraphims schwarze Seele gebrochen hatten? Oder war die ursprüngliche Fläche vielmehr weiß und wurde nun vom Schwarzen so dominiert, dass man nur noch in Ansätzen den wahren Charakter der Person erkennen konnte? Tatsächlich fühlte sich Souta immer mehr, als wäre ein Erdbeben in seinem Geist losgebrochen, als er Seraphim kennen gelernt hatte, tausend Lawinen und Hurrikanes auf einmal trachteten nach seinem Leben, nach dem, wofür er sich immer gehalten hatte. Aber warum fühlte er sich so sicher auf dem wackelnden, einsturzgefährdetem Boden? Es war ja nicht so, als wäre sein Leben jemals etwas anderes gewesen als Chaos und Ungewissheit. Er lebte von einem Tag in den anderen, wusste heute nicht, was er morgen tun würde. Und er erlaubte sich, seinem besten Freund zu unterstellen, ihn verwirrt zu haben? Nein, das war nicht fair. Seraphim hatte ihm lediglich gezeigt, was ihm wichtig war - und was nicht. Eine weitere Rolle folgte, und nun lag Souta auf dem Bauch, krabbelte vom Bett herunter und burzelte über den Boden, ohne auf den leichten Schmerz des Aufpralls zu achten. Er machte sich keine Mühe, seine Geschwindigkeit zu zügeln, und so verschwamm der Rothaarige einen Moment, ehe er vor dem Kleiderschrank des Älteren wieder zum Stehen kam und die Tür aufriss, um sich elende Gestalt im Spiegel zu betrachten. Mit ungläubigen Augen sah Souta auf sich selbst. Das sollte er sein? Ein recht hübscher Mann mit wild zerzausten Haaren, die in alle Himmelsrichtungen abstanden, einem grünem Auge und einem schlanken Oberkörper. Nur flüchtig wanderte sein Blick über das Tattoo auf seiner Schulter, die nackte Frau, die ihn als Mitglied von Lamia Scale auswies. Sein Gesicht schaute ihn ohne jedes Lächeln an, fast qualvoll. Was war nur mit ihm passiert? Wenn er das fühlte, was er glaubte, wieso grinste er dann nicht? Wo war die Wärme, die er bei jedem Gedanken an Kabane-sama langsam durch seinen Körper strömen fühlte? Allein die kühle Brise im Schlafzimmer sorgte für einen Temperaturunterschied. Wenn sein bester Freund nicht in Sichtweite war, schien alles normal. Aber er wettete, wenn er ihn ansah, mit ihm sprach, würde er einfach zusammenklappen. Aber war das nicht mehr oder weniger das, was er wollte? Ruhe? Hier würde er sie nicht finden. Langsam, wie ihn Zeitlupe, warf der Rotschopf einen Blick auf sein zerknäultes Hemd, auf die geschlossene Tür. Einen Gedanken später hatte er es auch schon wieder angezogen und durchquerte den Flur, in einer art traumartigen Trance langsam auf das Wohnzimmer zuhaltend. Schlurfend wie ein rheumageplagtes Waschweib hielt er auf das Sofa zu, in dem Seraphim lag und blieb nur wenige Zentimeter neben ihm stehen, ausdruckslos auf ihn herabblickend. Bevor man überhaupt bemerkte, dass er seinen Arm gehoben hatte, hatte er das Buch aus seinen Armen gerissen und es gegen die nächste Wand klatschen lassen. Ergriffen von der Zärtlichkeit einer Abreißkugel kletterte er auf den Körper des Anderen, matschte ihn trotz seines Rückens in die Couch hinein. Ohne jedes Wort legte Souta seinen Kopf in die Schulterbeuge des Weißhaars, schlang seinen Arm um seinen Oberkörper und schloss die Augen. Man musste nicht alles erklären, oder? Auch er konnte das nicht...Man musste manche Dinge im Leben wohl einfach so nehmen, wie sie kamen, nicht wahr? Und wenn das bedeutete, dass er jetzt auf Seraphim schlafen musste, bevor er vor Erschöpfung tot umfiel...tja, dann war es eben so.

_________________
Reden - Denken
Theme - Fight-Theme - Steckbrief

I am the one and only!
Playcharakter von Kuma
Nach oben Nach unten
Benutzerprofil anzeigen
Seraphim

avatar

Anzahl der Beiträge : 196
Anmeldedatum : 23.09.14

BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   So 16 Nov 2014 - 14:53

Zwar hatten schlurfende Schritte die Ankunft des Jüngeren angekündigt, der mit dem Elan einer lebenden Leiche und ähnlichem Aussehen in den Raum trat, aber Cyrus war dennoch überrascht gewesen, als er ohne zu Zögern auf ihn zugekommen war. Wahrscheinlich wollte er sich auf den Sessel setzen, schlussfolgerte der Dragonslayer, denn was sonst könnte er hier wollen? Vielleicht wollte er auch sicher gehen, dass Sakkaku noch lebte, da er ja offenbar verstanden hatte, dass Cyrus kleine Kinder hasste und gerne zum Teufel fahren lassen würde, wenn das keine Konsequenzen mit sich bringen würde. Kurz blickte er auf, aber wandte sich dann auch schon wieder seiner Lektüre zu, weil er beschlossen hatte, dass es nichts brachte, wenn er bei Soutas Anblick jedes Mal ein Ziehen in der Brust verspürte. Eines, das nicht von der Tatsache herrührte, dass besagter junger Mann seinen Fuß genau in seine Rippen getreten hatte und auch dort seine Spuren hinterlassen hatte. Und ihm sagte man nach, dass er ruppig sein konnte... Es war nicht einmal ein sonderlich spannendes Theaterstück, welches seine erzwungene, aber dafür ungeteilte Aufmerksamkeit genoss, aber es hatte etwas beruhigend banales, keine zu anspruchsvolle Kost, die sein Gehirn sowieso nicht hätte verkraften können. Gerade wollte der Protagonist des Ganzen der Person, die er für seine große Liebe hielt - welche aber in Wahrheit gerade dabei war, das Haus besagter großen Liebe auszuräumen - seine Gefühle gestehen (Eine Szene übrigens, die die Schauspieltruppe, die er dieses Stück hatte vor einem Jahr spielen sehen, aufgrund von personellen Unstimmigkeiten ziemlich in den Sand gesetzt hatte), als er feststellte, dass Souta nunmehr direkt über ihm stand. Doch nicht Sakkaku oder der Sessel? "Hmm?", machte er, während er über den Rand des Büchleins hinweg linste, mit der festen Absicht, seine Augen danach wieder auf die Textzeilen zu richten. Als die violetten Iriden sich allerdings von dem reichlich zerzaust wirkenden Souta abwandten, riss es ihm auf einmal die Komödie aus der Hand, sodass er ins Leere starrte, nur noch eine papierene Ecke zwischen Daumen und Zeigefinger haltend, wo er hatte umblättern wollen. Ungläubig blickte er darauf. Was zur Hölle fiel dem Jungen ein, dass er es wa- uff.
Der Papierfetzen segelte zu Boden, als ohne Vorwarnung ungefähr 70 Kilogramm auf ihn stürzten und unangenehmerweise offenbar erst einmal eine bequeme Position finden mussten, ehe ihn rote Haare unterm Kinn kitzelten und er ansonsten kaum noch etwas rühren konnte. Durch die beinahe Verdoppelung seines Gewichts, welches sich auch zum Teil auf seinen lädierten Brustkorb verlagert hatte, pochte sein Rücken unangenehm durch seinen Körper und ließ seine Atmung einen Moment unregelmäßig gehen, einmal aussetzen. Vielleicht schlug sein Herz ihm aber auch nur bis zum Hals, weil der Andere ihm - gerade, wo er den Entschluss gefasst hatte, mal wieder auf den Boden der Tatsachen herunter zu kommen - so verdammt nahe war. Nun schlang er ihm auch noch einen Arm um den Oberkörper, drückte dabei noch zusätzlich auf den Bluterguss, der sich über seinen Rücken ziehen musste und ließ ihn leise stöhnend das Gesicht verziehen. Er konnte es nicht leiden, wenn sein Rü- er sah so niedlich aus, wie er da auf ihm lag, das Gesicht in dem Kragen seines Tops vergraben, von einigen der feuerroten Strähnen überschattet. Wahrscheinlich war er ziemlich müde, er war ja auch schon vorhin beinahe eingeschlafen, wäre er selbst nicht in die Küche geflüchtet, weil ihn diese intensive Nähe zu sehr fertig gemacht hatte. Und auch dieses Mal bemerkte er, wie sich seine Sinne auf den Jüngeren und seine Atemzüge fixierten, er seinen Geruch inhalierte, sich seine Lippen langsam auf den Kopf des auf ihm Liegenden herabsenkten. Aber dieses Mal hatte er nichts zu befürchten, dieses Mal konnte er weder weglaufen, noch etwas dagegen tun, dass der offenbar Todmüde gerade ihn zu seiner Matratze auserkoren hatte. Er wollte es auch gar nicht, viel zu froh machte ihn die Erkenntnis, dass irgendetwas stärker als der Ekel zu sein schien, das ihn wieder zu ihm gebracht hatte, einen idiotischen Teil von ihm Hoffnung schöpfen ließ, die ihn allen Schmerz vergessen ließ. Leicht drückte er einen Kuss auf seinen Kopf und legte die Arme um ihn, streichelte ihm sanft durch die roten Haare. "Schlaf gut, Souta-chan~", hauchte er glücklich, das kaputte Buch war ohne einen weiteren Gedanken daran zu verschwenden in den Hintergrund gerückt worden, irrelevant. Sakkaku guckte zu dem seltsamen Anblick hoch und blubberte, ehe sie sich etwas spannenderem zuwandte, nämlich dem Ärmel der Sweatshirtjacke, in den sie sich schließlich einmummelte und die Äuglein zumachte.
Cyrus hatte sich zwar in eine etwas bequemere Position begeben, indem er samt Souta ein wenig weiter nach unten gerutscht war, aber machte kein Auge zu, fuhr zärtlich über den Hinterkopf des Anderen, beobachtete ihn still und heimlich. Das hatte er schon öfter getan, als er es erahnen konnte, aber dabei hatte er ihn nie so berührt wie jetzt. Hatte sich nicht getraut. Nun aber war er ja geradezu dazu aufgefordert, auf ihn aufzupassen, über seinen Schlaf zu wachen, also würde er diese Aufgabe auch erfüllen.
Das Lächeln, das momentan die schmalen Lippen zierte, war offen und echt. Schade, dass es niemand zu Gesicht bekam.

_________________
Sprechen ~ Denken ~ Magie
Nach oben Nach unten
Benutzerprofil anzeigen
Souta
Mr. Perfect
avatar

Anzahl der Beiträge : 312
Anmeldedatum : 23.09.14

Magierakte
Besondere Merkmale: Rote Haare, Augenklappe, Wunderschön

BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   So 16 Nov 2014 - 14:57

Itasa Soutanobu erwachte davon, dass es still war.
Es geschah allgemein nur selten, dass Souta wirklich stundenlang durchschlief, teils, weil er wie ein Baby nach kurzer Zeit Hunger bekam, teils, weil er im Schlaf seine Gedanken und Erinnerungen nicht kontrollieren konnte und diese dafür sorgten, dass er normalerweise in regelmäßigen Abständen schreiend und schweißgebadet das Auge aufschlug, um sich für den Rest der Nacht die Zeit damit zu verbringen, durch die Stadt zu laufen, so schnell er konnte. Wenn Souta rannte, konnte er viele Dinge vergessen, musste nur noch an den nächsten Schritt denken, den es zu setzen galt. Er war allein für sich selbst verantwortlich. Lange Zeit hatte er geglaubt, dass Laufen das Einzige war, dass ihm half einzuschlafen, und wenn es nur durch Erschöpfung geschah. Doch offenbar gab es noch etwas, was dem Kettenmagier süße Träume bescherte und die pechschwarzen Gestalten, die ihn Nacht für Nacht verfolgten, vertrieb. Man sagte ja, dass Babies sich automatisch wohl fühlten, wenn man ihnen den Herzschlag ihrer Mutter vorspielte, nicht wahr? In diesem Fall hatte man es wohl bei der Konstellation, die sich auf dem Sofa geboten hatte, als er eingeschlafen war, eine sehr eigenartige Mutter-Kind-Beziehung vor sich, denn es war tatsächlich das schnelle Klopfen von Seraphims Herzen dicht an seinem Ohr gewesen, das geschafft hatte, was nicht einmal warme Milch mit Honig bewirken konnte: Innerhalb von wenigen Sekunden hatte er sich so sicher und geborgen gefühlt, dass er es zugelassen hatte, auf der Brust seines besten Freundes einzuschlafen. Die ständig angespannten Gesichtsmuskeln, die immer lächeln, immer freundlich sein mussten, hatten sich entspannt. Verletzlich, unschuldig, drückte sich das Antlitz des Jüngeren auf Seraphim. Alle Erschöpfung, die er so tapfer ausgehalten hatte, kam nun über ihn, und nicht einmal die alarmierende Sorge um Sakkaku schaffte es, ihn wach zu halten. Und so war Itasa Soutaobu, begleitet vom Herzschlag seines Schutzengels in die Träume geglitten, die er sich tagsüber nicht zu träumen traute.
Doch plötzlich war es vorbei. Der Rotschopf wusste nicht, wie lange er geschlafen hatte, doch es musste eine ganze Zeit gewesen sein, denn als er das Auge öffnete, schlug ihm dumpfe Dunkelheit entgegen. Die Sonne war untergegangen? Oh nein...! "Sakkaku..." Sein erster Gedanke galt dem Baby? Was war eigentlich los mit ihm? Er benahm sich schon wie die Mutter dieses Geschöpfes. Wenn er nicht aufpasste, würde er sie noch behalten. Doch das konnte er weder ihr noch sich selbst zumuten. Ob seiner eigenen Dummheit stöhnend fasste sich der Rothaarige an die Stirn und massierte diese einige Male im Kreis, damit er sich wieder daran erinnerte, was eigentlich los war und was genau ihn aufgeweckt hatte. Er lag auf dem Sofa. Check. Auf seinem Körper war eine Decke ausgebreitet. Check. Er hatte seine Augenklappe im Schlaf in irgendwelche Gefilden jenseits seines Gesichtes verrückt, was er bemerkte, als er ins Leere fasste...ouh. Hastig zerrte er das Teil wieder über seine grauenhafte Entstellung und hoffte, dass niemand ihn gesehen hatte. Es durfte niemanden geben, der von seinem Geheimnis wusste...Doofes, lockeres Lederband. Als seine Finger so um seinen Kopf tasteten, um den Schlingel zu finden, der aus irgendeinem Grund an seinem Nacken saß, bemerkte er etwas. Wie eiskaltes Wasser, das über seinen Rücken läuft, fuhr er senkrecht hoch und berührte überflüssigerweise den erstaunlich seraphimlosen Untergrund, auf dem er lag. Aber...war da nicht ein Atmen? Wie in Zeitlupe wandte sich der Kopf des Kettenmagiers, dessen rechtes Auge nun von seiner Hand bedeckt wurde, da er die Augenklappe lieber neu band, als sie zurechtzuschieben. Dazu brauchte er beide Hände, aber bevor irgendjemand sein Abendessen auf den Boden verteilte, verbarg er sich lieber. Was machte er eigentlich da...? Misstrauisch und zugleich ein bisschen unangenehm berührt starrte Souta durch die Finsternis auf den weißen Haarschopf, der ihm regelrecht entgegenstrahlte. Hatte er ihn etwa beobachtet? Während er schlief? Der Lamia Scaler wollte etwas sagen, doch als er den Mund öffnete kam nur ein Lachen heraus, ganz so als hätte sein Herz im letzten Moment seinen Geist geschlagen. "Was machst du da?", fragte er dennoch, so als würde er die Antwort nicht schon wissen. Was auch immer sein bester Freund gemacht hatte, eigentlich war es nicht wirklich wichtig. Das war eine der Sachen, die er nicht wissen musste und ließ sich vermutlich irgendwo neben Seraphims Erfahrung mit Babyknochen und tierischen Umgangsformen einordnen. Hatte er etwas mit 'seinem' Baby angestellt? Das Auge des Rotschopfes suchte den Raum ab, obwohl er die Antwort eigentlich ahnte, und er lächelte noch breiter als zuvor, als er Sakkaku etwas weiter entfernt auf dem Boden krabbeln sah, hin und wieder leise blubbernd. Seufzend begab sich Souta in eine Position, von der aus er seinem besten Freund ins Gesicht sehen konnte. Mensch, das Nickerchen hatte vielleicht gut getan! Alles lebte noch, die Welt war nicht untergegangen und er fühlte keine neuen Schmerzen an irgendwelchen Körperstellen, die irgendwelche Schlüsse zu lassen würden. Sein Leben war wiedereinmal perfekt, trotz eines seltsames Stalkers, der ihn vermutlich die ganze Zeit angestarrt hatte als wäre er ein seltener Vogel in einem Käfig. Gerne hätte er sich gestreckt, doch dazu musste er erst einmal seine Hand wieder freibekommen. "Ehm, würde es dir etwas ausmachen, die Augen zu schließen? Das hier musst du wirklich nicht sehen." An einem Finger ließ der Kettenmagier seine Augenklappe baumeln und lächelte entschuldigend. Na ja, sicher könnte Seraphim darüber hinweg kommen zu sehen, was genau mit seinem Auge eigentlich los war, aber Souta selbst hatte damit einige Probleme...Wer ließ schon gerne die hässlichste Stelle seines Körpers betrachten?

_________________
Reden - Denken
Theme - Fight-Theme - Steckbrief

I am the one and only!
Playcharakter von Kuma
Nach oben Nach unten
Benutzerprofil anzeigen
Seraphim

avatar

Anzahl der Beiträge : 196
Anmeldedatum : 23.09.14

BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   So 16 Nov 2014 - 15:03

"Wovor hast du Angst, Souta~?"

Die weißen Haare des Mannes waren schon immer leicht durch die Dunkelheit zu sehen gewesen, weswegen er auch schon immer eine grandiose Zielscheibe für alle möglichen Raubtiere abgegeben hatte. Auch war es so schwerer, sich im Dunkeln an eine Beute heranzupirschen; erstes Problem war dann irgendwann dadurch gelöst worden, dass er aufgrund des dauerhaften Kontakts den Geruch eines Drachen um sich rumwabern hatte, zweites wurde dadurch noch verstärkt. In jedem Falle war es so deutlich leichter für den Einäugigen, ihn im Zwielicht des Zimmers auszumachen, ebenso wie die Tatsache, dass er inzwischen statt des beinahe etwas steifen, schwarzen Tops ein weißes Hemd mit aufgestelltem Kragen trug, dessen oberste Knöpfe scheinbar nur zur Zierde existierten. Ein Bein locker über das andere gelegt, den Kopf in die Hand gestützt, blickte er mit undurchsichtigem Lächeln zu Souta hinüber, über den Tisch hinweg, den er inzwischen wieder an seinen angestammten Platz geschoben hatte. Dieses Möbel wechselte öfter mal den Platz, meist geschoben, getreten oder einfach überbelastet und schließlich in Einzelteilen, momentan war es aber die einzige Barriere zwischen den beiden so unterschiedlichen und doch recht ähnlichen Männern. Tatsächlich hatte Souta sehr lange geschlafen und daher vieles nicht mitbekommen: Weder, dass Cyrus ganze zwei Stunden wach die Matratze für ihn gespielt hatte, noch, dass Sakkaku danach Alarm geschlagen hatte und Cyrus in den unheimlichen Genuss gekommen war, von einem Baby beim Windeln Wechseln angepinkelt zu werden. Daher wohl auch seine neue Kleidung, während die andere reif für die Wäsche war. Da das Mädchen eine so große Streuung gehabt hatte, dass sie sogar auch seine Hose getroffen hatte, durfte man ihn momentan in genau einer Farbe bewundern, die nicht einmal als solche galt: Nur seine Augen und die blauen Zacken auf seinem Jochbein waren nun nicht in weiß gehalten, wobei seine Haut durch die helle Kleidung sicherlich dunkler als normal wirkte. Aber es war viel zu dunkel, da er kein Licht entzündet hatte, um Souta nicht zu wecken. Das war auch einer der wenigen Gründe, warum Sakkaku ihren Urinanschlag auf ihn überlebt hatte, denn sie hätte sicherlich geschrien, wenn er ihr den Hals umgedreht oder ihr etwas gebrochen hätte. Ergo hatten das Baby und er prinzipiell einen Waffenstillstand geschlossen: Es war leise und weckte den Schlafenden auf seinem Sofa nicht auf, während er die Windel im Garten des Nachbarn vergrub und es ansonsten am Leben ließ. "Du siehst süß aus, wenn du schläfst, Souta-chan~", hatte er auf die Frage geantwortet, was er da machte, "Wahnsinnig niedlich." in einer entrückten Tonlage, der man nicht entnehmen konnte, ob er sich über ihn lustig machte oder ob er es ernst meinte und einfach schwärmte. Und wirklich gab es für ihn kaum etwas putzigeres, als den Rothaarigen schlafend zu sehen, denn in diesem Zustand wirkte er entspannt und fernab aller weltlichen Belange. Einmal, als er am Bett des Anderen gesessen hatte, war er aus seinem seltsam unruhigen Schlaf hochgeschreckt und er hatte sich gerade noch verstecken können, bevor er aus der Tür gerauscht war und nicht mehr zurückgekommen war. Dieses Mal jedoch war seine Ruhe voller Frieden gewesen, eine Tatsache, die ihn beruhigt hatte. Wovon, hatte er sich gefragt, konnte jemand wie der Rothaarige träumen, dass es ihn auffahren ließ? Er wirkte meistens wie ein Bündel an guter Laune und dennoch hatte er mitbekommen, dass er auch ganz anders sein konnte - und da war die Augenklappe, die nun von seiner Hand baumelte.

"Würde es mir.", er nickte, "Und wenn ich es wenigstens will?"

_________________
Sprechen ~ Denken ~ Magie
Nach oben Nach unten
Benutzerprofil anzeigen
Souta
Mr. Perfect
avatar

Anzahl der Beiträge : 312
Anmeldedatum : 23.09.14

Magierakte
Besondere Merkmale: Rote Haare, Augenklappe, Wunderschön

BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   So 16 Nov 2014 - 15:06

Wovor hatte Itasa Soutanobu Angst? Nun, fragte man ihn das so unverblümt und vermutlich wenig ernst gemeint, wie es Seraphim gerade getan hatte, lag ihm selbstverständlich schon die passende Antwort auf der Zunge: Gar nichts. Tatsächlich entsprach das auf eine interessante Art und Weise sogar der Wahrheit, denn soetwas wie eine Phobie besaß der Rotschopf nicht. Er liebte die Dunkelheit, kletterte gerne in schwindenen Höhen und jedes lebende Wesen, ob Schlange, Spinne oder Würmchen, faszinierte ihn so dermaßen, dass er sie am liebsten auf seiner Hand herumkrabbeln ließ. Obwohl er beim Anblick von Flüssen und ähnlichen Gewässern relativ schnell an der Grenze eines Herzinfarkts und/oder Nervenzusammenbruches war, fürchtete er sich nicht davor, war es doch nicht das Wasser an sich, dass ihn ängstigte (obwohl er nicht schwimmen konnte), sondern die Erinnerungen, die eben dieses barg. So gesehen hatte Souta also vor nichts und niemanden Angst, doch das durfte man nicht mit Torheit verwechseln. Er wusste durchaus, wann man sich am besten aus dem Staub machte und tat dies auch - jedoch nicht aus Panik, eher aus Selbsterhaltungstrieb. In seinem Leben als Magier war er schon zahlreichen schauerlichen Gestalten begegnet, hatte grässliche Verletzungen gesehen und sogar den ein oder anderen Tod mitangesehen. Er zweifelte nicht daran, dass es Seraphim irgendwie anders ging, aber wenn das Thema der Diskussion er selbst war, sah seine lockere Art sich schnell in enge Grenzen gesperrt. Wenn der Itasa nämlich empfindlich auf etwas reagierte, dann war es, wenn man sein Äußeres kritisierte. Das hatte sein bester Freund zwar (noch) nicht gemacht, aber er war sich sicher, dass er ihn nicht mit den gleichen Augen sehen konnte, wenn er das Einzige an ihm gesehen hatte, was nicht perfekt war. Der Körper des Rotschopfes war von den strahlend roten Haaren bis hin zu den schmutzigen Zehen so wunderschön, dass er aussah, als wäre er eine zum Leben erwachte Statue eines Liebesgottes. Und genau das, was er nicht ändern, sondern nur verdecken konnte, das wollte er nun sehen? Zahllose Liebschaften hatte er schon verloren, weil er sich geweigert hatte, seine Augenklappe abzunehmen, denn damit hätte er ihnen seine größte Schwachstelle gezeigt. Und gerade Seraphim, dem Menschen, der ihn im Schlaf beobachtete und irgendwie hinter ihm her war, dem sollte er sie zeigen? Was redete er sich eigentlich ein? Nicht mangelndes Vertrauen war der Grund, weshalb er zögerte. Es war so lächerlich. Das Weißhaar hatte schon jede Stelle seines Körpers gesehen und vermutlich auch angefasst, und er stellte sich bei seinem Auge an, als hätte er ihm gebeten, die Hosen herunter zu lassen. Klar, das konnte er ja auch ohne Weiteres tun, immerhin würde Seraphim ihn sicher nicht auslachen, da unten gab es ja alles im Doppelpack, wie es sich gehörte, aber wenn er ihm seine hässliche Entstellung zeigte...würde er ihn dann nicht abstoßend finden? Aus irgendeinem Grund kam Souta nicht damit klar, wenn Leute ihn eklig fanden. Von seinem Charakter aus, okay. Aber sein Körper? Nein. Er explodierte ja schon, wenn man ihn dick nannte...
Ratlos hatte der Rotschopf seinen Kopf gesenkt und betrachtete seine Arme, die auf seinen Knien gestützt waren. Unschlüssig strichen seine Finger über das Stück Leder, während er Worte suchte, die es ihm ermöglichen würden, ihn loszuwerden. Vielleicht sollte er gehen. Ja, das war eine gute Idee. Er hatte schon viel zu lange die Gastfreundschaft Seraphims beansprucht, es war langsam an der Zeit Sakkaku zu ihren Eltern zurückzubringen. Er musste sich nur aufsetzen, winken und dann war er auch schon weg, so schnell, dass Seraphim ihm niemals einholen können würde...wenn er sich doch nur bewegen könnte! Sein bester Freund hatte ihm heute schon so viel gegeben. Er stand in seiner Schuld. Und was war schon ein einziger Blick? Souta würde es schon überleben, Seraphim zu verlieren. Er hatte siebzehn Jahre ohne ihn gelebt. Den Rests eines Lebens konnte er genauso verbringen, ohne Probleme. Was sollte er schon an ihm vermissen? "Hast du...hast du mich gerade "Souta" genannt?" Tatsächlich. War das ein Zeichen dafür, dass es ihm wichtig war? Wenn er es unbedingt wissen wollte... Hatte er dann eine Wahl? Hatte er schon jemals irgendetwas ausgeschlagen, was der Himmelsmagier wollte? Also schön...
Langsam, wie in Zeitlupe hob der schnellste Mann der Welt den Kopf. Fahrig, unsicher strich sich der geschickteste Kettenmagier, den er kannte, die Haare aus der rechten Stirn und erwiderte den Blick Seraphims, ohne die Augen nieder zu schlagen. Wenn er es so unbedingt gewollt hatte, würde er es ihm auch zeigen. Er sollte es sehen. Alles davon. Die Rötung seiner Nase und seines Unterlids. Die große, weiße Wulst, die sich wie ein weißer Blutegel quer über das zog, was ein Auge hätte sein sollen, unterbrochen von einem groteskem roten Loch ohne dazugehöriges Lid. Was auch immer mit dem Kettenmagier passiert war, es sah nicht aus, als wäre es angenehm gewesen. Und während er selbst daran dachte, wie es aussah, hatte er es doch schon Dutzende Male im Spiegel gesehen, musste er unwillkürlich an das Ereignis denken, was ihm damals beinahe umgebracht hatte. Er würde niemals darüber sprechen. Nicht einmal die Erinnerung zulassen. "Genug gesehen?", fragte er also, mit demselben Ton, den er vorhin schon angeschlagen hatte, als er überfressen war, und ließ die rote Flut wieder über sein Auge schwappen. Nicht in der Lage dazu, dem Blick des Weißhaares standzuhalten und mit einem Wahl unheimlich wütend auf sich selbst und sein dummes Vertrauen, stand er auf und drehte sich in Richtung irgendeines Fensters. Seraphim wandte er dabei den Rücken zu, auch wenn das vermutlich ein Fehler war. "Jetzt weißt du ja, was los ist...Ich sollte jetzt meine Sachen holen, glaub ich. Die Tür finde ich von alleine..." Was würde sein bester Freund jetzt tun? Hatte er Mitleid mit ihm? Ekelte er sich jetzt vor ihm? Wie auch immer er sich entscheiden würde, Souta hatte wohl gerade seinen letzten Besuch bei ihm gemacht...Ohne sich vom Fleck zu bewegen verschränkte der Rothaarige die Arme um seinen Körper, weil ihm plötzlich von innen heraus kalt war. Er hatte ganz vergessen wie verflixt eisig die Einsamkeit sein konnte...

_________________
Reden - Denken
Theme - Fight-Theme - Steckbrief

I am the one and only!
Playcharakter von Kuma
Nach oben Nach unten
Benutzerprofil anzeigen
Seraphim

avatar

Anzahl der Beiträge : 196
Anmeldedatum : 23.09.14

BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   So 16 Nov 2014 - 15:11

Tatsächlich hatte er ihn ohne die stets etwas spöttische Nachsilbe angesprochen, die jeder normale Mensch doch eigentlich nur für kleine Mädchen benutzte. Vielleicht hatte der Rothaarige nicht bemerkt, dass er ihn schon einige Male wie einen Erwachsenen adressiert hatte, jedenfalls hatte er das immer dann getan, wenn er etwas gesagt hatte, dass er ernst meinte; wenn er seinen spielerischen, flüchtigen, oberflächlichen Habitus zugunsten einer Ehrlichkeit zurück stellte, die die wenigsten Menschen in positivem Kontext kannten. Normalerweise kam das nämlich, bevor er jemanden auf möglichst gemeine Weise korbte, bei Souta wiederum war davon bisher nichts zu seinem Nachteil gewesen. Er hätte auch damit leben können, nie zu erfahren, was da unter der Augenklappe schlummerte, er hätte einen Witz darüber gerissen und es sofort vergessen, aber Souta hatte sich dazu entschieden, das Hässliche an seinem Körper dem zu offenbaren, der sich weigerte, an ihm etwas Hässliches zu sehen - egal welcher Art. Und so blickte Cyrus mit interessiertem, aber dennoch lächelnden Ausdruck über den Tisch und sah den Jüngeren zum ersten und wahrscheinlich letzten Mal ohne das schwarze Stück Leder, mit dem er ihn bereits kennen gelernt hatte und das bisher irgendwie zu seinem Körper dazu gehört hatte. Souta hatte halt nur ein Auge, na und? - er fand es trotzdem wunderschön. Und er hätte auch das weiße Gesicht eines missgestalteten Säuglings in seiner Augenhöhle haben können, er hätte Probleme damit gehabt, es ekelig zu finden, einfach, weil es Souta war, dem es gehörte. Das war komplett irrational und unlogisch, da gerade er doch eigentlich alles ablehnte, was auch nur im Ansatz hässlich war, aber er ekelte sich nicht, als er das anblickte, was wohl mal ein Zwilling des Smaragds gewesen war, den er so mochte. Sicherlich war weder der herausgequollene, vernarbte Glaskörper, noch das schlichte Fehlen der Iris besonders schön, eigentlich war es sogar abgrundtief hässlich. Ekelig könnte man es auch nennen, aber jemand, der auch ohne zu Zögern ein Tier halbroh essen würde und generell keine Probleme mit Missbildungen hatte, hatte ebenso ein recht eingeschränktes Vermögen, sich von so etwas angewidert zu fühlen. Zudem... er es nicht schrecklich finden konnte. Das einzige, was durch seinen Kopf schallte, war die Frage, was oder wer ihm das angetan hatte und die nachfolgende Überlegung, was man demjenigen wohl am besten zufügen könnte, um es ihm heimzuzahlen. Mit solchen Gedanken war er vertraut, er war sich selbst nicht einmal sicher, was er tun würde, wenn er diejenigen erwischen würde, die dafür gesorgt hatten, dass er Angst vor dem Feuer hatte. Und das, obwohl er durchaus an manchen Tagen darüber nachgedacht hatte. Nicht ständig, nicht oft, aber an manchen Abenden, auch wenn er nicht wusste, wie er auf diesen Gedanken gekommen war. Auch wenn er sich einredete, dass er dadurch zwar seine Eltern verloren, aber auch Grandine gewonnen hatte, so fehlten ihm sechs Jahre seines Lebens fast komplett. Ein Sechsjähriger hatte nicht verdient, dass man ihm all das stahl, in keinem Falle, wenn er es selbst war, aber noch viel weniger hatte Souta das verdient. Da war er sich ganz sicher, obwohl er eigentlich wusste, dass der Rothaarige nun wirklich kein Engel war. Er wusste es und dennoch fühlte er anders. Ja, da war Mitleid, das in ihm aufkeimte, aber er erstickte es im Keim wieder. Das war ganz bestimmt nicht das, was Souta bekommen wollte, da er sich unwohl zu fühlen schien, als er ihm das zeigte, was er wahrscheinlich sonst so gut wie niemandem gezeigt hatte. Es war auch gar nicht angebracht, da es wahrscheinlich viel zu lange her war, als dass die Wunden noch frisch sein würden. Sicher würde er nicht gerne daran denken, was auch immer da passiert war (denn nach einem Unfall sah es nicht aus), aber wenn man es einfach ignorierte und darüber hinweg sah, sollte es doch gehen, oder? Vielleicht reagierte der Andere ja so wie er auf blöde Fragen nach seinem Rücken, wich aus und dachte sich alberne Geschichten aus, die so eindeutig falsch waren, dass man bemerkte, dass die Fragerei nicht erwünscht war. Vielleicht war es ihm einfach lieb, wenn man es ignorierte. Er sah auch überhaupt keinen Grund dazu, dies nicht zu tun, denn es änderte schlichtweg nichts an seiner Einstellung und Sichtweise des Kettenmagiers. Er würde ihn weder hassen, noch ihn weniger schön finden... auch wenn das so nicht erklärbar war.
Seine Miene veränderte sich erst, als Souta das Auge wieder verdeckte und in einer Stimmlage, die er bereits zuzuordnen wusste, klar stellte, dass er es offenbar nicht begrüßte, dass der Dragonslayer nun wusste, was da unter seiner Augenklappe steckte. Zickig, unsicher. Verdutzt und ein wenig traurig beobachtete er, wie der Jüngere rasch aufstand und sich von ihm weg drehte, während er ankündigte, dass er nun wohl gehen würde. Wie? Was?! Er sollte nicht gehen... In einer fließenden Bewegung stand der Ältere auf, langte über den Tisch nach der zurückgelassenen Augenklappe und machte dann einige leise Schritte auf Souta zu, der ihm in diesem Sinne dankenswerterweise den Rücken zugedreht hatte. Den Bruchteil einer Sekunde stand er unschlüssig hinter ihm, ehe er ihm die Hand auf die Schulter legte, um ihn mit sanfter Gewalt herumzudrehen und die rechte Hand an seine Wange zu legen. Vorsichtig fuhr der Daumen über die weiche Haut, während er ihm mit verständnisvollem Blick in das heile, warme, wunderschön grüne Auge sah und dann mit seiner Linken die roten Haare über dem kläglichen Überbleibsel eines ebenso faszinierenden Seelenspiegels zur Seite wischte. Sofort streckte sich seine Gestalt ein wenig, bevor sich seine Lippen vorsichtig auf das drückten, was andere sicherlich nicht einmal ansehen, geschweige denn anfassen würden. "Es ist mir egal.", murmelte er dagegen, ohne das ihn sonst ständig begleitende Lächeln, mit ernster Stimme. Er ließ die Haare zurückfallen, als er sich wieder ein wenig von ihm entfernte, aber nur so weit, dass er vielleicht eine Handbreit von seinem Gesicht entfernt war. "Keine Sorge, ich frage nicht..." Er ließ seine Hände unter den Achseln des Anderen hindurchtauchen, umarmte ihn, legte sein Kinn auf seine Schulter. "Wir haben alle unsere kleinen Geheimnisse, die niemanden etwas angehen, hm?" Das Lächeln huschte zurück auf seine Lippen, ehe er diese leicht gegen Soutas Ohrmuschel lehnte und hinein hauchte: "Es ändert nichts daran, dass ich...", er stockte eine Winzigkeit, schluckte und änderte rasch seine Meinung, "dich sehr gerne habe~" Das Lächeln schwankte einen kurzen Moment, den er benötigte, um sich innerlich für seine Feigheit in die Eier zu treten, und wurde dann zu einem Schmunzeln. "Ich möchte, dass du noch ein wenig hier bleibst, Souta-chan~ Zumal du das hier...", er entließ ihn aus seiner Umarmung und ließ seine Augenklappe vor seinem heilen Auge von seiner Hand baumeln, "...sicherlich nicht hier lassen möchtest, oder?~" Seine Stimme war wieder auf ihrer gewöhnlichen Tonlage angekommen, das Gesicht zu dem alltäglichen Grinsen verzerrt, alles schien normal. Aber das war es nicht, da er nur mal wieder gezeigt hatte, was für ein elender Feigling er doch war. Während er sich selbst imaginär dafür in die Ecke stellte, dass er zu viel Angst vor der Reaktion hatte, die er hervor sah, lächelte sein Äußeres darüber hinweg und hinterließ nicht den leisesten Hinweis auf das, was in ihm vorging.

_________________
Sprechen ~ Denken ~ Magie
Nach oben Nach unten
Benutzerprofil anzeigen
Souta
Mr. Perfect
avatar

Anzahl der Beiträge : 312
Anmeldedatum : 23.09.14

Magierakte
Besondere Merkmale: Rote Haare, Augenklappe, Wunderschön

BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   So 16 Nov 2014 - 15:17

Wiedereinmal kam es Seraphim zu Gute, dass sich sein rothaariger Freund gerade in einer von Selbstmitleid durchtränkten Trance befand und somit auf nichts Anderes achtete, außer sein aufsteigendes Schamgefühl. Wieso hatte er das getan? Soutas Schmerzgrenze für Peinlichkeiten war ja bekanntlich recht hoch angesetzt, so dass es nur wenige Dinge gab, die ihm im ersten Moment dermaßen unangenehm waren. Es kam zudem selten vor, dass er sich im Nachhinein noch über dumme Aktionen aufregte, denn was man tat, das geschah immerhin in der Gegenwart und hatte mit der Zukunft nur bedingt zu tun, wenn man so schnell weglaufen konnte wie er. Leider war sein Auge in diesem Fall etwas ganz besonders Heikles, das von ihm nicht einfach so übergangen werden konnte. Es war der einzige Makel auf seinem Körper, der zwar durchaus einige kleinere Narben aufwies, aber im Großen und Ganzen doch wunderschön und perfekt war. Eine nie verheilte Wunde, die sein Gesicht hoffnungslos entstellte, wenn er nicht diese geheimnisvolle Augenklappe trug, die den netten Nebeneffekt hatte, dass gewisse Leute daran zogen und sie zurückschnappen ließen. Glücklicherweise waren die Nerven auf seinem Auge nur noch bedingt einsatzfähig, so dass es zwar durchaus stärker wehtat, wenn man diese Stelle angriff, ihn aber nicht wirklich einschränkte. Im Allgemeinen könnte er sein fehlendes Auge gut verdrängen, gäbe es da nicht diese kleineren Fehler in der räumlichen Sicht oder wenn er versuchte, nach rechts zu blicken. Aber damit kam er klar. Sein Einaugendasein war ein fester Teil seines Lebens und war nach jahrelanger Anstrengung soweit in den Hintergrund gerückt, dass er die meiste Zeit einfach nicht mehr daran dachte, dass er diese Macke hatte. Nur in äußerst seltenen Momenten kehrte die Erinnerung zurück, der Gedanke an Folter und Qualen, der seinen Körper zittern ließ, als stünde er auf einer unter Strom stehenden Plattform. Zum Glück für Seraphim war er demnach nur mit sich selbst beschäftigt, so dass dieser sich anschleichen konnte, trotz der Tatsache, dass der Kettenmagier gerade soviel Lust auf Körperkontakt hatte wie seine Angebetete. Hätte das Weißhaar ihn also nicht so überrascht, indem er ihn packte, wäre er einfach weggelaufen, irgendwohin, wo er sich einsperren konnte. Doch wenn man ihn erst einmal hatte, war es schwer, sich wieder zu befreien, zumal 'Cyrus' seiner Körperkraft in Nichts nachstand und er keinerlei Intention verfolgte, ihn zu bekämpfen oder zu schlagen. Niemals. Stattdessen schaute er ihn nur dümmlich an und versuchte zu verarbeiten, was der Ältere da gerade tat. Er hatte sich ihm genähert, starrte ihn an - und kam dann noch näher, um...sein Auge zu küssen?! Das ekelhafte, zermatschte, tote Auge? Der gesunde Zwilling dieses grotesken Exemplars wuchs rapide an Größe an und er konnte nicht viel mehr machen, als es schleunigst mit seiner Hand zu bedecken, ehe er auch schon in eine Umarmung gezogen wurde und vollkommen perplex Worte vernahm, die sein bester Freund unmöglich ernst meinen konnte. Wie ein nasser Sack hing er an Seraphim, unfähig irgendwie auf seine Aussagen zu reagieren, bis er sich schließlich wieder in Entfernung von ihm wiederfand und sich seine Augenklappe schnappen konnte. So schnell wie möglich (was SEHR schnell war) brachte er das Teil wieder an der richtigen Stelle an, bevor er auf die Idee kam, das Ding noch einmal zu küssen. Wenn Seraphim sich nicht sofort den Mund abwischte, würde er ihn wohl im Laufe seines Besuches sicher nicht noch einmal in seine Nähe lassen...zumal einmal am Tag wohl ohnehin genügte, oder? Im Allgemeinen hatte die Situation etwas sehr Eigentümliches, weshalb er beschloss, dem Ganzen mit Humor zu begegnen. "Ehm, vielen Dank für dein Verständnis, aber das klang jetzt fast wie ein Liebesgeständnis, ehehe..." Es war wohl offensichtlich, dass sein verlegenes Lachen, das eigentlich von Herzen kommen sollte, irgendwie hohl war, also räusperte er sich einfach und beschloss, Sakkaku aufzusammeln. Wenn man sich seltsam fühlte war ein Baby genau das Richtige! Warum hatte er eigentlich keines davon? Es war ein Weibermagnet, schweißte Freunde noch enger zusammen und zu allem Überfluss auch noch vollkommen niedlich! Ach ja, richtig...Er hatte ja kein Geld, keine Frau, und war vermutlich der verantwortungsloseste Vater der Welt. Aber hey, die Kleine war trotzdem süß..."Schade, dass ich dich nicht behalten kann, Sakkaku-chan", trällerte er nichtsdestotrotz, als sich seine schlanken Hände um ihren Körper schlossen und er sie mit sich zur Couch führte, wo er sie sich vertikal auf den Schoß legte und ein bisschen mit ihren Ärmchen spielte, während sie es offenbar höchst amüsant fand, seinen Bauch als Boxsack zu missbrauchen. Seit wann waren Babies so kräftig? Souta verzog das Gesicht, sie lachte ihn aus, alles war perfekt. Bis auf die Tatsache, dass er Seraphim stehen gelassen hatte. "Hast du ihre Windeln gewechselt...?", fragte er unvermittelt, um ihn wieder einzubinden, mit einem Blick, der sowohl Unglaube als auch Entsetzten war. Da sie nicht stank, musste das wohl der Fall sein, was definitiv einige Fragen aufwarf. Zum Beispiel die, wieso das Baby noch lebte. Sein Schutzengel war wirklich immer wieder für eine Überraschung gut...

_________________
Reden - Denken
Theme - Fight-Theme - Steckbrief

I am the one and only!
Playcharakter von Kuma
Nach oben Nach unten
Benutzerprofil anzeigen
Seraphim

avatar

Anzahl der Beiträge : 196
Anmeldedatum : 23.09.14

BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   So 16 Nov 2014 - 15:45

"Entschuldigung."
Das Wort hallte in seinem Kopf wider, als es seine Lippen überschritt, herausdrang, ohne dass er etwas dagegen tun konnte. So ein feiges Wort, das sich nicht traute, dort zu verweilen, wo es hingehörte, das flüchtete, ehe es noch etwas anrichtete, was es nicht bewirken sollte. Das log, obwohl es nicht wollte, nichts mehr als eine Floskel war, deren Ton man anhören konnte, wie hohl sie eigentlich war. Denn es wäre genau das geworden, wenn er nicht so unendlich feige wäre, was Souta mit einem Lachen abtat, das mehr weh tat, als jeder Schlag je schmerzen könnte. *Ich weiß, es ist albern, oder?*, schallte es müde durch seine Gedanken, *So verdammt dumm.* Er hätte sich selbst dafür ohrfeigen wollen, dass er zu inkonsequent war, um sich selbst zur Umkehr zu bewegen, aber gleichzeitig zu ängstlich, um es einfach auf den Punkt zu bringen. Stattdessen stand er da, während Souta sich dem verfluchten Baby zuwandte, wie ein trauriger kleiner West Highland Terrier, den man im Regen an einer Haltestelle zurückgelassen hatte, und lächelte das undurchsichtige Lächeln, die Maske, die er nicht abnehmen konnte. Nicht abnehmen durfte, denn sonst hätte er nun wahrscheinlich ziemlich wütend ausgesehen, ärgerlich und gleichsam zu traurig, um mehr als dieses eine Wort zu formulieren. *Entschuldigung, Souta. Entschuldige bitte, dass ich so ein Feigling bin, dass ich nicht einmal so etwas einfaches auf die Reihe kriege. Dass ich dich anlüge. Dass ich es nicht fertig bringe, all das aus der Welt zu räumen und einfach den Korb kassiere, der mir zusteht. Aber ich habe Angst davor, dass du mich dann nie wieder sehen willst und ich dich für immer verliere. Wenn es der einzige Weg ist, dafür zu sorgen, dass du mich nicht hasst, dann muss ich wohl einfach gute Miene zum bösen Spiel machen, nicht wahr?* "Entschuldigung, das war nicht... nicht meine Absicht." Das Gesicht mit dem blauen Zackentattoo lächelte immer noch, grinste sogar kurz, als wäre allein der Gedanke daran albern, kicherte leise, aber der junge Mann dahinter blickte nur stur auf den Boden, während seine Fassade auf Autopilot geschaltet hatte. Warum tat es auf einmal so weh, die Unwahrheit zu sagen, sich selbst zu verleugnen? Das tat er doch mitunter ständig, kaum jemand bekam sein wahres Ich zu Gesicht, nicht einmal, wenn sie alleine aufwachten. Er schauspielerte immer, schützte allen ein falsches Gesicht vor, legte es darauf an, dass man ihn nicht wirklich kannte. Er sagte das, was ihm gerade am sinnvollsten erschien, nicht das, was er dachte. Er war eigentlich nie er selbst und hatte keine Probleme damit, aber jetzt... war es eindeutig unbefriedigend.
Souta beschäftigte sich währenddessen mit dem Baby, nahm es hoch und setzte sich wieder aufs Sofa, wo er mit dem kleinen Mädchen sprach. Dass es ein solches war, wusste er ja nun unfreiwilligerweise. Die violetten Augen des Älteren, die momentan vollkommen ausdruckslos guckten, weil sie ansonsten zu viel über seine Gedankenwelt verraten hätten, folgten jeder noch so kleinen Bewegung des Jüngeren, wie er eine Grimasse zog und sich daran erfreute, dass Sakkaku lachte. Er lachte normalerweise so offen, warm und freundlich, aber vorhin war es so trocken gewesen - war er daran Schuld? Souta sollte sich in seiner Gegenwart nicht unwohl fühlen, das würde ihn nur verjagen, dabei genoss er die Nähe des Rothaarigen doch so sehr. Ob er ihr die Windeln gewechselt hatte? "Erinner mich nicht daran~", meinte er mit einem theatralischen Aufseufzen und ließ in dem geräuschvollen Ausatmen all das heraus, was sich in ihm angestaut hatte, ohne dass es seine Bedeutung entfaltete. Seinen Frust, seine Anspannung, seine Trauer, alles versuchte er zu vergessen, wegzusperren, auszustoßen, nur, dass es weg von ihm war. Er sollte die Zeit genießen, die der Jüngere noch hier war... Trübsal blasen konnte er später. Er machte ein paar Schritte auf die Couch zu, änderte dann seine Meinung und setzte sich stattdessen auf den Sessel, zog die Beine an und stellte die in hellgrauen Socken steckenden Füße auf die Sitzfläche, ehe er mit seinen Armen die Unterschenkel umschlang und das Kinn auf seine Knie bettete. "Sie stank und hätte geschrien und dich aufgeweckt, also habe ich was dagegen gemacht." Er zuckte mit den Achseln und lächelte ihn einfach weiter an.

_________________
Sprechen ~ Denken ~ Magie
Nach oben Nach unten
Benutzerprofil anzeigen
Souta
Mr. Perfect
avatar

Anzahl der Beiträge : 312
Anmeldedatum : 23.09.14

Magierakte
Besondere Merkmale: Rote Haare, Augenklappe, Wunderschön

BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   Mo 17 Nov 2014 - 16:50

Man kannte Itasa Soutanobu ja im Allgemeinen eher als den Kerl, dem seine Mitmenschen egal waren, solange er selbst Spaß dabei haben konnte, den irrsten und spaßigsten Schabernack zu treiben. Einmal hatte er es zum Beispiel für sehr klug gehalten, mit einigen Kids aus Hosenka Town eine hügelige Piste herunterzubrettern, auf einem Holzbrett, das anschließend darin resultiert hatte, dass er seine Unschuld an einem großen Stein verlor und ungefähr eine Woche nicht mehr sitzen konnte. Dies ließ darauf schließen, dass er nur wenig nachdachte, bevor er handelte - und noch weniger, nachdem er gehandelt hatte. Man konnte ihn zusammenschreien und ausschimpfen wie man wollte, aufrichtige Reue sah man nur selten im Gesicht des Rothaarigen, denn auch er hatte ein gewisses Talent, seine Emotionen zu verbergen. Statt jedoch - gleich seines besten Freundes - eine ausdruckslose Maske aufzusetzen, überlagerte er seine negativen Stimmungen meist mit übertriebenen Gefühlsausbrüchen und Hymnen auf seine eigene Großartigkeit. Souta beschäftigte sich nicht lange mit dem, was ihn traurig machte - er war ein Wanderer. Sein ganzes Leben hatte der Kettenmagier schon immer von einem Moment in den anderen getanzt, meist auf der Nase irgendwelcher Langweiler, sich von einem Gefühl ins Nächste geflüchtet, ohne großartig über das Vorherige nachzudenken. Doch das schien bei Seraphim nicht zu funktionieren. Er war zwar ein Meister darin, sich fröhlich zu geben, aber sogar jemand so Ignorantes wie der Rotschopf hatte mittlerweile kapiert, dass es zwei verschiedene Seiten von ihm gab. Da war einerseits die immerglückliche Variante des Himmelsmagiers, der ihn vermutlich sogar noch liebkosen würde, wenn er ihm ins Gesicht spuckte, einfach, weil er Souta war. Diese Sorte hatte vielleicht einmal eine spöttische Bemerkung für ihn übrig oder zeigte ihm, wie doof er war, wurde aber niemals wütend oder auf irgendeine andere Art emotional. Und dann gab es natürlich noch den wahren Seraphim, dessen Stimme ein kleines bisschen höher war als sonst, dessen Mundwinkel sich ein klein wenig höher kringelten, wenn er lächelte. Dessen Hände nicht diesen ständigen Rückhalt hatten, sondern zupackten, besitzen wollten. All diese Kleinigkeiten wusste Souta zu analysieren, war geübt darin, denn normalerweise beobachtete er auf diese Weise Frauen und fand genau so heraus, ob es Chancen für ihn gab, zum Schuss zu kommen...Doch dass das Resultat seiner Erforschungen ihn so sehr erschrecken würde, dass er keinen anderen Ausweg mehr sah, außer ihn recht ungeschickt zurückzuweisen, das wunderte ihn selbst. Was hatte er denn gemacht, das seinen besten Freund dazu antrieb, es immer wieder zu versuchen? Zugegeben war Souta heute noch nicht wirklich er selbst gewesen. Er hatte es zu sehr genossen, umsorgt zu werden, weshalb er seinen Größenwahn einmal hinten angestellt hatte, um sich hätscheln und tätscheln zu lassen. Aber es war wohl langsam an der Zeit, Seraphim zu zeigen, dass er kein verletzliches kleines Vögelchen war, sondern der männlichste Mann Fiores! Mit einem schelmischen Gesichtsausdruck, dem typischen Souta-Blick, der nichts Gutes bedeuten konnte, setzte er Sakkaku wieder auf das Sofa und stand auf. Um so unauffällig wie möglich zu wirken streckte sich der Rotschopf erst einmal ausgiebig und rollte mit den Schultergelenken, bis sie leise knackten. Tarnung war schließlich alles! Mit tänzlerischen Bewegungen wandelte er an seinem besten Freund vorbei und hockte sich geheimnisvoll so vor Sakkakus Spieltasche, dass er das, was er daraus hervorholte wohlweislich hinter seinem Rücken barg. Winzige Schrittchen trugen Souta hinter Seraphims Sessel, wo er in die Hocke ging und dann in einem Anflug von spontaner Albernheit ganz langsam nach oben stieg. "Tuuuut-Tuuuut!", machte der Kettenmagier täuschend echt, während sein Arm von Seraphims Nacken aus dessen Schulter hinabwanderte - in Form eines kleinen Holzzuges, dessen Rollen sich tatsächlich bewegen ließen. Nicht mehr als ein Babyspielzeug, aber für Souta im Moment die einzige Möglichkeit, die er sah, um Seraphim aufzumuntern. Vielleicht war er gar nicht niedergeschlagen, vielleicht hatte er zuviel hineininterpretiert? Es war gut möglich, dass er von Babyspielzeug entnervt war und es ihm aus der Hand schlagen würde, oder sich in resignierend ob des Kindskopfes seines Freundes im Sessel zurücklehnen würde - doch solange dies nicht geschah, würde er dessen Körper einfach mal so als Eisenbahnnetzwerk missbrauchen, lustige Tutgeräusche machen und mit Plusterbacken so tun, als würde er einen Berg hinaufackern, während er die Hügellandschaft seiner Knie erklomm. Während er vor ihm stand und das zweite Knie überquerte, hob sich kurz der Blick seines Auges und er lächelte leicht, ehe er sich wieder seinem höchst wichtigen Werk zuwandte, immerhin musste er sich entscheiden, ob der Schenkel des Todes passierbar war. "Ich denke, eine Weile kann ich noch bleiben, wenigstens noch bis zum Abendessen. Was gibt es eigentlich?" Er löste die restlichen Glieder des Zugs von dem Spielzeug und legte sie auf den Boden, so dass er nur noch mit dem weitaus agileren Fahrerhäuschen durch wagemutige, jedweder Schwerkraft strotzenden Manövern den Gefahren des von Drachen erzogenen Körpers trotzte, natürlich ohne die gerinste Absicht, von selbst wieder damit aufzuhören. "Du wirst lachen, wenn ich das sage, aber ich bin am Verhungern!"

_________________
Reden - Denken
Theme - Fight-Theme - Steckbrief

I am the one and only!
Playcharakter von Kuma
Nach oben Nach unten
Benutzerprofil anzeigen
Seraphim

avatar

Anzahl der Beiträge : 196
Anmeldedatum : 23.09.14

BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   Mo 17 Nov 2014 - 17:53

War er schon so einfach zu durchschauen oder war Souta einfach gut? Vielleicht traf auch weder noch zu und es lag daran, dass er keine Übung darin hatte, so etwas wie Trauer zu verbergen? Er hatte in seinem erinnerten Leben kaum etwas mit Trauer zu tun gehabt, ganz am Anfang, nachdem er seine Eltern verloren hatte, war es vor allem Schock gewesen, der ihn umgetrieben hatte und auch später... was hätte ihn denn traurig machen sollen, ihn, der mit den Gefühlen der Menschen spielte, sie verletzte, auf ihnen herumtrampelte und sich darüber freute, wenn es ihnen schlecht ging? Er, der er keine Freunde hatte, keine wollte, der allerhöchstens Schuldgefühle empfinden konnte, wenn seine Drachenmutter sich von ihm enttäuscht fühlte? Generell ließ sich festhalten, dass seine emotionale Skala insgesamt ein weniger breites Spektrum umfasste, als das der anderen Menschen. Er konnte wütend sein, sich ärgern, hassen oder sich freuen, zufrieden sein. Aber was hätte ihn dazu bewegen sollen, traurig zu sein, sich nicht aufgrund von körperlichen, sondern seelischen Schmerzen unwohl zu fühlen? Er war es nicht gewohnt, irgendwo in seinem Brustraum eine gähnende Leere zu fühlen, dort, wo sich normalerweise ein schlagendes Herz befand, und ebenso wenig kam er damit zurecht. Er mochte dieses Gefühl nicht... und er würde erst lernen müssen, die Feineinstellungen seines Autopiloten so zu tätigen, dass es nicht auffiel, wie er sich fühlte. Es machte ihn nur angreifbar und war der ganzen Situation sowieso nicht angemessen. Er war erwachsen, er sollte sich hier nicht wie ein pubertierender Teenager aufführen! Obwohl man sich fragen musste, inwiefern seine Entwicklung überhaupt etwas normales gehabt hatte - welcher Junge wusste mit fünfzehn nicht, dass es so etwas wie weibliche Menschen überhaupt gab und holte dann im Schweinsgalopp all das auf, was andere über Jahre hinweg taten? Zudem er auch überhaupt kein wirkliches Vorbild gehabt hatte, was so etwas wie Emotionen anging, nur seine Mutter, der man ihre Gefühle nur sehr schlecht anmerken konnte, sodass man schnell in Versuchung geriet, sie ihr abzusprechen. Er wusste einfach nicht, wie er damit umgehen sollte... vor allem nicht, wie er es in dieser Situation fertig bringen sollte. Er konnte nur mit Sicherheit sagen, dass sich sein gesamtes Wesen in dem Augenblick, in dem der Smaragd des Rothaarigen zu ihm hoch sah, während er mit dem albernen Holzzug des kleinen Mädchens über seine Knie tuckerte, an der jähen und verzweifelten Hoffnung festklammerte, dass er ihn nicht vollends durchschaut haben konnte. Das war gar nicht möglich... das war nur ein neu entdeckter Anflug von Paranoia... er durfte es einfach nicht wissen! Immerhin... hatte er doch genau davor Angst. Ein nervöses Zucken seines Augenlids später starrte er wie hypnotisiert auf das Holzspielzeug, das Gesicht ausdruckslos, die violetten Iriden allerdings auf das Teil fixiert. Warum gleich tat er das? Er konnte sich nicht erinnern, darin je einen Sinn erkannt zu haben, schließlich wusste er nicht, wie seine Eltern so draufgewesen waren. Ob sie auch so versucht hätten, ihn aufzumuntern, wenn er traurig war? Machte man das nicht tatsächlich eher mit kleinen Kindern so? Er hatte keine Ahnung...
"Was machst du da?", hörte er sich mit fast kleinlauter, schwächlicher Stimme fragen, die Arme noch immer um seine Knie geschlungen, einen wenig verständnisvollen Blick auf die Spielzeuglok werfend, einen Moment ein unsicheres, ängstliches Kind, das mit großen Augen bei etwas zusah, das es nicht verstand. Machte er sich vielleicht gar über ihn lustig? Wollte er ihm durch die Blume mitteilen, dass er sich kindisch anstellte, albern war? Spiegelte er ihn wider oder war das nur einer seiner hyperaktiven Momente? Wahrscheinlich machte er sich schon wieder zu viele Gedanken darüber, das war immerhin Souta, der schien nicht immer alles rational zu entscheiden. Was ihn aber spontan wieder etwas fröhlicher machte, war die Tatsache, dass er wohl noch wenigstens etwas bei ihm bleiben würde, dass das wohl bedeuten würde, dass er seinen Kühlschrank weiterhin leer futtern würde, war da vollkommen egal. Zur Not konnte er sich von Wind ernähren, er brauchte das alles prinzipiell gar nicht - und wenn es den Anderen glücklich machte, umso besser. Nur hatte er keine Ahnung, was es groß geben sollte, da Souta sein eigentlich angedachtes Abendessen bereits gegessen hatte. Welch ein Glück, dass man ja improvisieren konnte, wenn man es wollte. Ein leichtes Lächeln stahl sich zurück auf seine Lippen. "Was würdest du denn gerne haben?", fragte er, ohne die Augen von der Spielzeuglok zu nehmen, die noch immer über seinen Körper fuhr, gehalten von den leicht gebräunten Fingern Soutas. Er sah nicht den Sinn darin, was er da tat, aber immerhin beschäftigte er sich mit ihm - und nicht mit dem ekeligen, ihn anpinkelnden Baby, das diese Aufmerksamkeit nicht verdient hatte. Er hätte es doch kochen sollen, während der Rothaarige schlief, wirklich. Es hätte sicherlich vieles einfacher gemacht... dass er schon wieder Hunger hatte, wunderte Cyrus erstaunlich wenig, denn langsam hatte er sich an den Gedanken gewöhnt, dass der Magen des Rothaarigen scheinbar ein schwarzes Loch für alles Essbare beherbergte.

_________________
Sprechen ~ Denken ~ Magie
Nach oben Nach unten
Benutzerprofil anzeigen
Souta
Mr. Perfect
avatar

Anzahl der Beiträge : 312
Anmeldedatum : 23.09.14

Magierakte
Besondere Merkmale: Rote Haare, Augenklappe, Wunderschön

BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   Mo 17 Nov 2014 - 21:41

"Weißt du..."
War es nicht klar, was Souta bezwecken wollte? Zugegeben, es war durchaus mehr als möglich, dass er diese Spielzeuglokaktion abzog, weil das Kind in ihm mal wieder seinen Spieldrang ausleben wollte, dem er nur allzu gerne nachgab, doch dieses eine Mal hatte es tatsächlich soetwas wie einen plausiblen Hintergrund. Natürlich konnte er nicht ahnen, dass Seraphim in seinem Leben nie irgendwelchen Kontakt zu solchen Spielzeugen gehabt hatte (er selbst hatte sie eher deshalb verschmäht, weil er lieber auf Bäume kletterte oder seine kleine Schwester stalkte), obwohl er eigentlich wusste, dass das Weißhaar in der Wildnis aufgewachsen sein musste - immerhin bewohnten Drachen eher keine Häuser - aber er hoffte doch, dass die Symbolhaftigkeit seiner nach außen hin so kindlich wirkenden Zuneigungsbekundigung auch dem Drachenkind gewahr wurde. Denn das war es: Er zeigte, dass er Seraphim mochte. Und das tat er. So sehr, dass er beinahe von innen heraus zerfaulte, als dieser mit so schwacher Stimme danach fragte, was er vorhatte. Wieso sah er das nicht? Souta würde sich niemals vor seinem Schutzengel ekeln, nicht in tausend Jahren. Das Einzige, wovor er angewidert zurückwich, das war er selbst. Seine Gefühle, sein Charakter, ja, teilweise sogar sein Aussehen waren ihm die größten Übel auf der Welt, aber gewiss nicht sein bester Freund. Auch wenn er ahnte, wohin dessen Emotionen sie beide vielleicht treiben würden, er vielleicht sogar Angst davor hatte eine Konfrontation nicht so vehement verneinen zu können wie gerade eben, würde er doch alles tun, um ein Lächeln in seinem Gesicht zu sehen. Es gab viele Menschen, die der Einäugige unterhalten wollte - eigentlich war das sogar seine Hauptaufgabe in dieser Welt - doch das tat er nur, um sich selbst besser zu fühlen. So wie der Dragonslayer sich von Wind ernährte, war es dem Itasa theoretisch möglich, Ruhm und Anerkennung in sich aufzunehmen und eine Weile davon zu leben. Immer ging diese Unterhaltung von ihm aus und sollte nur einer einzigen Person nützen - ihm selbst. Aber seit einiger Zeit (vielleicht auch erst richtig seit diesem Nachmittag) gab es einen Menschen auf dieser Welt, genau einen, von dem er wollte, dass er glücklich war. Die Faxen, die Souta vor Seraphim abzog, waren keine hohlen Spielereien. Er alberte nicht herum, weil er sich Applaus oder ein Lächeln erhoffte. Wenn er vor dem Weißhaarigen stand und ihm in die Augen sah, hatte er die unumstößliche Gewissheit, dass er sich für ihn anzünden würde, wenn ihm das zum Lachen bringen könnte. Hier und jetzt, auf der Stelle würde er sich seine Gedärme aus dem Leib reißen und damit HoolaHoop tanzen. Für einen Menschen, den man glücklich sehen wollte war einfach nichts zu lächerlich. Auch nicht, wenn man versuchte, ihn mit einem kitschigen Holzzug aufzumuntern, nachdem man vielleicht ein kleines bisschen sein Herz gebrochen hatte. Natürlich konnte Souta das nicht wirklich wissen - sollte es nicht, um seinem Image als Holzkopf und Naivitätsbolzen zu genügen, aber die Anzeichen waren beinahe stichfest. Ob er nun richtig lag oder nicht spielte keine Rolle. Es ging nur darum, dass Seraphim aus irgendeinem Grund nicht mehr fröhlich war - und das bedeutete, dass man schleunigst etwas dagegen unternehmen musste. Was es auch war, das würde er tun. Edle Vorsätze...Aber das, wovon du dir sicher bist, dass es ihn aufheitern würde - das wagst du nicht einmal zu denken, nicht wahr? Nein, das konnte er nicht. Er konnte sich jetzt das Herz aus dem Leib reißen und es ihm in den Schoß werfen, aber darauf würde man nicht seinen Namen finden. Zu viele Risse waren darauf, zu oft stand der Name einer anderen Person an der Stelle, die das Weißhaar soviel mehr verdient hätte. Doch Souta konnte nichts daran ändern. Zwar mochte der Gedanke an Seraphim ihn dazu bringen, körperlich irgendwie erregt zu sein, aber diese andere Person bewirkte ein Lächeln in seinem Gesicht, ein alldurchdringendes Gefühl tiefster Zufriedenheit, kurz: Liebe. Seraphim mochte die höchste Zuneigung erfahren, die er zu bieten hatte, aber lieben würde er ihn nicht. Es war nicht einmal so, dass er es nicht wollte. Er konnte es einfach nicht. Und das tat ihm Leid. So Leid, dass er mit einer Holzlok über seine Knie fuhr, ihm weiterhin Hoffnungen machte, obwohl sie an zwei unterschiedlichen Seiten einer Glaswand standen. Es war so leicht, Herzchen auf diese zu malen und den Anderen durch Lächerlichkeiten zu erfreuen, aber der Mut, mit der Faust auszuholen und sie zu zertrümmern, den gab es nicht, denn er wusste ganz genau, dass es wehtun würde. Und welche Beziehung sollte mit Schmerzen beginnen? Es war soviel leichter an der Wand entlangzuwandern, nach einem Spalt darin zu suchen, obwohl man doch im Grunde ganz genau wusste, dass es niemals einen geben würde. Auf kurz oder lang würde es ihn auffressen, sich dessen bewusst zu sein, aber es musste so sein. Lieber litten sie beide ein kleines bisschen, ehe Seraphim von seiner schwarzen Seite verschlungen wurde, welche die schreckliche Angewohnheit besaß, Herzen zu brechen. Selbst in einer Beziehung würde der Kettenmagier sich ohne zu zögern von einem Abgrund stürzen, sobald er den Mut fand, sein Leben endlich zu beenden - und das konnte er ihm nicht antun. Er würde niemanden an sich binden, weil sein Herz voller Rasierklingen war, die jeden zerfleischten, der von der scheinbar so wundervoll glitzernden Aura ihrer Schneideblätter angezogen wurde. Und dafür war ihm sein bester Freund einfach zu wertvoll. Aber wie sollte er ihm das sagen? Wie konnten sie das Thema wechseln, aber trotzdem noch dort verweilen, wo sie waren? "Ich mag Züge." Es war simpel, kurz. Absolut lächerlich. Er hielt eine Spielzeuglok in der Hand und schaute auf seinen Freund hinab. Mit aller Macht wollte er ihm klarmachen, dass es irgendeine geistreiche Verbindung zwischen Zügen, Freundschaften und Liebe gab, doch alles, woran er denken konnte, als er sich die sanfte Maserung des Holzes ansah, war der Bauch seiner Angebeteten, den er auf einer gar nicht so weit zurückliegenden Zugfahrt zum ersten Mal gesehen hatte. Wie sie geschlafen hatte, so vollkommen unschuldig...SIE durchdrang seine Gedanken, all seine Erinnerungen, nicht ER, der es soviel mehr verdient hätte. ER war immer gut zu ihm, umsorgte ihn, beschützte ihn. Und trotz allem musste er schmunzeln, weil er an SIE dachte, die ihn quälte, beschimpfte, verletzte. Es war ein Fluch immer die Person zu lieben, die einem am meisten verachtete, nicht wahr? "Sie beginnen an einem Ort und tragen einem letztendlich an ihr Ziel, egal wie holprig der Weg dazwischen ist. Sie kümmern sich nicht darum, ob es außenrum brennend heiß oder eisig kalt ist. Sie fahren einfach. Ich bewundere sie....was ich essen will? Kommt darauf an, was du hast, aber Reis wäre lecker. Viel davon." Ein kurzes Lächeln zog sich über sein Gesicht, wie um das Terrain zu testen, dann nickte er eifrig und rieb sich den Bauch, der ein zustimmendes Gemurmel ausstieß. "Ich helfe dir kochen! Ich trage auch eine Schürze!" Reflexartig, weil er wusste, dass das das Einzige war, das Seraphim wirklich aufheitern würde, zwinkerte er ihm zu und beschloss, Sakkaku auf dem Sofa für kurze Zeit mit dem Spielzeugzug alleine zu lassen, immerhin wirkte sie wieder ein bisschen schläfrig. "Und wenn du es schaffst, mich einzufangen, auch NUR die...~" Sich einmal keck mit Hüftschwung um die eigene Achse drehend, zischte er auch schon davon, jedoch erstaunlich langsam für Itasa Soutanobu, den schnellsten Magier von Lamia Scale. Hielt er sich vielleicht zurück...?

_________________
Reden - Denken
Theme - Fight-Theme - Steckbrief

I am the one and only!
Playcharakter von Kuma
Nach oben Nach unten
Benutzerprofil anzeigen
Seraphim

avatar

Anzahl der Beiträge : 196
Anmeldedatum : 23.09.14

BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   Mo 17 Nov 2014 - 21:52

"Und was ist, wenn dein Zug entgleist und alle Insassen darin sterben?" Die hellhäutige Hand des Dragonslayers schnipste gegen den Holzzug, während die violetten Augen noch immer auf das Spielzeug fixiert waren, ausdruckslos, auf eine gewisse Art und Weise abwesend. Ebenso wenig bewegt strich er mit dem Daumen über die Fingerkuppe, die ein wenig von dem Aufprall kribbelte, blickte sie mit demselben Interesse an, mit dem man ein totes Blatt bedachte und blinzelte. Es war unschwer zu erkennen, dass er gerade nicht ganz bei sich war, schien er doch in seiner eigenen Welt zu wandeln. Man musste sich das ein wenig so vorstellen, als habe sein Geist abgeschaltet und den Posten im Kontrollraum hinter seinen Augen verlassen, um sich an anderen Stellen umzusehen. Das würde auch erklären, warum sein Blick so leer war, er so wenig interessiert an dem wirkte, was Souta da gerade zusammen philosophierte. Er schien es einfach zu überhören, wie er da zusammengekauert auf seinem Sessel saß und seine Finger anblickte, als wundere er sich, dass so etwas seltsames an seinen Händen wuchs. Dabei war es doch gerade das schlimme, dass er zuhörte, dass er die Worte in sich aufnahm und dass er sie mit aller Macht zu verdrängen suchte. Er war eigentlich ein echter Meister darin, unangenehme Tatsachen oder Kritik aus seinem Bewusstsein zu verbannen, sodass sie nur manchmal wie herauftreibende Wasserleichen hervorkamen und ihn zu verschlingen drohten. Das meiste an negativen Bemerkungen prallte sowieso an seinem Ego ab, solange man nur einer der vielen dummen Menschen war, die ihn nicht über das körperliche hinaus interessierten. Die einzige Person, die es bisher also geschafft hatte, dass er überhaupt dazu übergehen musste, scharfe Kritik auszupolstern und in sich zu verschließen, war Grandine. Er liebte die Drachin, die ihn aufgezogen hatte, zumindest glaubte er es, und es tat weh, wenn sie ihm mal wieder an den Kopf warf, dass sie sich eigentlich anderes von ihm erwartete. Er nahm diese Vorwürfe zwar auf, aber er beherzigte sie nicht, da sie ansonsten nicht mit dem vereinbar waren, was er tat. Er war eigentlich kein guter Mensch, nicht einmal ansatzweise. Cyrus Ikaros Seraphim war wohl einer der verabscheuungswürdigsten Menschen, die in Fiore wandelten und nur ganz manchmal, wenn sich zeigte, dass er eigentlich deutlich widersprüchlicher war, als man erwartete, konnte man sogar ihm ein wenig Positives zugestehen. So viele Menschen hatten ihm schon attestiert, dass er kein Herz besaß, wie konnte man dann auf die Idee kommen, irgendjemand könnte es brechen? Was nicht bestand, würde nicht vergehen - Steine waren unsterblich, weil sie nie gelebt hatten. Aber vielleicht verbarg er auch sein Herz, ebenso wie den Rest seiner wahren Persönlichkeit, allerdings nicht aus kalter Berechnung, sondern zum Schutz, unwillkürlich. Unter Umständen lag es irgendwo im Dunkeln, geschützt vor seiner eigenen Grausamkeit und Kälte, kindlich und naiv, umhüllt von Logik, Berechnung und dem Eis, das es schützte und gleichzeitig in ewigem Schlaf einfror. Seine eigenen Entscheidungen traf er stets mit dem Kopf, nicht aber mit einem Herzen, das Anderen schwarz erschien, verkrustet. Er konnte es nicht auf der Stirn tragen, denn das erforderte den Mut, den er nun einmal nicht besaß. Zudem es hinderlich wäre, wenn er Dinge zerstörte - daran hatte er nach wie vor eine Menge Spaß - und er sich dabei schlecht fühlen würde. Er verdrängte Kritik auch nur aus dieser Sorge heraus, dass sie ihn aus dem Gleichgewicht bringen würde, das sich sowieso nur auf wackeligen Füßen befand. Diese Tatsache sah man ihm jedoch nicht allzu schnell an, schließlich wirkte er an sich doch immer recht gelassen und in sich selbst ruhend, nicht wahr? Sollte der Weißhaarige je von seiner schwarzen Seite verschlungen werden, dann würde sie wohl zu allererst den Rest Menschlichkeit in ihm selbst auslöschen, ehe sie auf seine Mitmenschen übergreifen würde. Und selbst dann würde man ihm nicht ansehen können, dass er gefährlich war, man würde es nicht spüren, nicht sehen... bis er eine Möglichkeit suchte, der eigenen Dunkelheit zu entkommen, indem er ihr Genüge tat und sie auslebte. Er hatte kein Problem damit, zu morden. Es kümmerte ihn nicht, wenn er Leben zerstörte, Existenzen zerbrach, Psychen verdrehte. Es tat ihm gut und wenn er nichts hatte, was ihn mit einem positiven Willen davon abhielt, dann würde er seinem Gefallen folgen. Sollte das wenige Gute in ihm verenden, konnte man nicht wissen, was als nächstes passieren würde. Das beunruhigende daran war, dass sein Herz bereits an dem Jungen mit den roten Haaren hing. Um die Visualisierung von der Glaswand zwischen den beiden fortzuspinnen, so stand auf der einen Seite ein kleines, flauschiges Kind, das mit den Händen dagegen patschte und von einem Ohr zum anderen grinste, während im Hintergrund der erwachsene Dragonslayer stand, der genau wusste, dass das Glück des naiven, niedlichen und herzensguten Kindes nur am seidenen Faden hing. Der bereit stand, um das Kind in Sicherheit zu bringen, es wieder dem Ganzen zuzufügen, aus dem es entstanden war. Der wusste, dass der Glückszustand, in dem die niedliche Knutschkugel schwebte, nur künstlich war, ihn sogar noch beförderte, weil es einfach gut tat, es glücklich zu sehen – und das, obwohl er sich dessen bewusst war, dass dieses Kind der verletzlichste Teil seiner Seele war. Es versteckte sich normalerweise vor allem irgendwo weggesperrt, aber nun stand es da, frei sichtbar und fühlte sich wohl. Er würde alles abfangen, was das Kind zu bedrohen suchte, bis er es selbst nicht mehr aushalten konnte, bis all das verdrängte und in sich hinein gefressene nicht nur ihn, sondern auch das Kind verzehren würde. Aber das musste das Kleine ja nicht wissen. Er log sich selbst an, da er nicht dumm oder naiv genug war, um nicht zu wissen, was Sache war – aber er wünschte, er wäre es. Rasierklingen hin oder her, er hatte sich dem geöffnet und solange es gut ging, war für den Meister der Selbsttäuschung alles in Ordnung – oder zumindest würde er sich das einreden. "Züge verschmutzen die Luft. Ich mag sie nicht besonders, sie ruinieren den Geschmack." Die Zeigefingerspitze des Weißhaarigen strich über das Dach der Lok und pikste dann leicht gegen die Fingerspitze Soutas, nur eine kurze, knappe Berührung, die wohl eher als Geste aufgefasst werden durfte, dass er keine Lust hatte, über die transzendentale Bedeutung seiner Worte nachzudenken und sie stattdessen wieder auf eine komplett banale Ebene herunterbrach.
Er atmete einmal tief durch und schluckte, ehe er die nächsten Worte des Rothaars vernahm, die seinen Blick erneut erstarren ließen. Dieses Mal jedoch nicht, weil er gerade tiefere Dimensionen seiner selbst entdeckte, als er zuvor noch für möglich gehalten hätte, sondern aufgrund einiger Schlagworte, die sein Hirn aus den Sätzen des Rothaarigen herausfilterte. Vor allem aber die Verbindung der Worte "nur" und "Schürze" zusammen mit der Tatsache, dass Souta es war, der das gerade gesagt hatte, ließ sein linkes Unterlid kurz zucken, ehe er wie von selbst von dem Sessel sprang, sich noch in der Luft drehte und auf dem Boden landete, um so schnell er konnte wieder Abschied vom Boden zu nehmen und geradezu hinter ihm herzuspringen, als hänge etwas sehr wichtiges davon ab. Dabei war es vollkommen utopisch, den Rothaarigen einzuholen, da er bisher den Eindruck erhalten hatte, dass es wohl nur sehr wenig gab, was auch nur annähernd so schnell wie er war. Seraphim selbst war, so gesehen... nun ja, er war ein Magier. Er war nicht schnell, nicht stark, nicht geschickter, als er eben sein musste, um über Wasser zu bleiben. Er konzentrierte sich eher auf das, was seine Mutter ihm zum Geschenk gemacht hatte, zum einzigen richtigen Geschenk seines Lebens, das ihn beschützte und ihm meistens recht zuverlässig half, durchs Leben zu kommen. Warum rannte er dann überhaupt? Was machte das für einen Sinn - es war nicht nur unmöglich, sondern auch nicht klug. Er wollte dem Hungrigen etwas zu Essen machen... nichts weiter... oder? Aber da krallten sich seine Finger schon erstaunlich selbstständig in den Rücken des Hemdes, ehe sich seine Nase in die roten Haare drückte. "Das... das war Absicht, oder?" Er grinste, ob des dennoch errungenen Sieges - ob nun geschenkt oder nicht - und verzog dann den Mund zu einer unzufriedenen Grimasse. "So reizvoll das auch klingt, aber ich glaube, dass das Essen dann nie fertig wird." Sein Adamsapfel hüpfte einmal, ehe er den Jüngeren losließ, ihm durch die Haare wuschelte und dann in Richtung Küche davon marschierte. Dort angekommen blickte er sich kurz nachdenklich um, ehe er einen Schrank öffnete und hinein blickte. Sein Blick huschte über seinen Inhalt, ehe er die Hand ausstreckte und nach einer Dose griff, mit den Worten "Magst du eigentlich Thunfisch?" Auch wenn Souta sich "nur" Reis gewünscht hatte... Cyrus kochte auch nicht "nur" irgendetwas, wenn er sich schon einmal dazu entschloss, dann musste es seinen eigenen Anforderungen genügen - und die waren ein wenig höher als nur auf die sättigende Wirkung bezogen.

_________________
Sprechen ~ Denken ~ Magie
Nach oben Nach unten
Benutzerprofil anzeigen
Gesponserte Inhalte




BeitragThema: Re: Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort   

Nach oben Nach unten
 
Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort
Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach oben 
Seite 3 von 3Gehe zu Seite : Zurück  1, 2, 3
 Ähnliche Themen
-
» Über den Dächern Oshibana Towns - Drachenhort
» Welchen Namen aus den Büchern findet ihr am schönsten?
» Über den Dächern von Loguetown
» Random Fakts aus den Büchern.
» Fehler und Ungereimtheiten in den Büchern

Befugnisse in diesem ForumSie können in diesem Forum nicht antworten
Fairy Tail RPG Forum :: Playkühlschrank :: Oshibana Town-
Gehe zu: