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 Yo ho und 'ne Buddel voll Rum

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Seraphim

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BeitragThema: Yo ho und 'ne Buddel voll Rum   So 26 Okt 2014 - 15:07

cf: Gildenhaus Erdgeschoss

Der Weg ins Abteil war schnell gefunden und wie durch ein Wunder war es noch leer und Soutas Seesack war immer noch aufzufinden. Wahrscheinlich war auch noch der gesamte Inhalt vorhanden, aber das konnte Cyrus schlecht durch einen bloßen Blick nachprüfen, wenn er keine Ahnung hatte, was zuvor darin gelegen hatte. Kaum war er durch die Tür, stand er auch schon beim Fenster und schob die Scheibe ein Stückchen nach unten, was zwar durchaus eine Lärmkulisse erzeugte, aber auch dafür sorgte, dass herrlich kühler Fahrtwind in sein Gesicht blies. Die weißen Wuschelhaare erzitterten leicht unter der Strömun, wiegten sich hin und her und umgaben seinen Kopf mit einer beinahe lebendig wirkenden Aura aus Haar. Seine Gesicht konnte noch so bewegungslos sein, seine Haare erzeugten meistens einen krassen Kontrast einfach dadurch, dass sie in Ruhe gelassen wurden. Man musste ihm schon einen Eimer Wasser über den Kopf kippen, damit sie durch das zusätzliche Gewicht nach unten gezogen wurden, anders war das kaum realisierbar. "Hoffentlich erfinden die demnächst Züge, die ohne diese Rauchentwicklung fahren...", murmelte er, als der unverkennbar stechende Geruch in seine Nase zog und die vorher herrschende Freude dämpfte und setzte sich auf eine der zwei gegenüber liegenden Bänke. Violette Augen huschten wieder zu Souta und fixierten dessen Gesicht. Doch, er hatte ihn wirklich vermisst, je länger er darüber nachdachte, desto eindeutiger schien es zu werden, nun, wo er wieder da war, hatte er keine rechte Lust, seine Augen überhaupt noch von ihm zu nehmen. Einen Moment schien er über etwas nachzudenken, ehe er die Hand nach ihm ausstreckte und ihn mit aufforderndem Lächeln ansah. Seraphim war kein vergeistigter Mensch, er dachte zwar auch nach und konnte richtiggehend theoretisch werden, aber meistens war er doch eher der Typ für Tatsachen, Dinge, die er berühren konnte. Warum also sollte er Souta nur ansehen können, wenn er nun in Fleisch und Farbe vor ihm stand, hm? Er wollte ja gar nichts schlimmes, nur seinen Kopf in dem viel zu weiten Hemd des ehemaligen Lamia Scale Magiers vergraben und ein wenig nach dessen Geruch suchten, wo er doch so sehr auf Entzug gewesen war.

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BeitragThema: Re: Yo ho und 'ne Buddel voll Rum   So 26 Okt 2014 - 15:27

Mit Seraphim als besten Freund konnte man sich schon ein wenig fühlen wie das Opfer eines Stalkers. Es war nicht unbedingt unangenehm, das nicht. Für andere vielleicht schon, aber Souta war Beachtung eigentlich nie abgeneigt und wusste zudem ziemlich sicher, dass der Himmelsmagier das nicht machte, weil er besessen von ihm war oder so - zumindest nicht auf die kranke Art - sondern einfach, weil er ihn so sehr mochte, dass er seine Augen nicht von ihm lassen konnte. Auch das war als Mann ein eigenartiges Gefühl. Im Allgemeinen fühlte sich alles eigenartig an, wenn er in der Nähe des Weißhaarigen war. Der Kettenmagier hatte seinen Seesack auf den Boden geschmissen und sich mit dem Rücken zum Fenster halb auf die Bank gelegt, um ein kleines Verdauungsschläfchen zu halten, konnte aber unmöglich einschlafen, wenn er so beobachtet wurde. Normalerweise hatte er kein Problem damit, vertraute er Seraphim doch und hielt allgemein nicht so viel von seinem eigenen Leben, dass er sich darum Sorgen hätte machen können - aber er hatte sich verändert. Er hatte Menschen getötet, beinahe sich selbst. Er wusste, dass es verdammt wehtat, das zu tun und hatte seither ein wenig mehr Angst davor. Außerdem kam es ihm seltsam vor, nun, wo sein bester Freund ihn seit Monaten das erste Mal wieder sah, einfach so einzuschlafen, das war nicht die feine Art. Zwar befolgte er diese auch sonst eher nicht, aber bei dem Kerl durfte man ja schon einmal eine Ausnahme machen. Seit wann hielt Souta sich auch an irgendwelche Normen?
Andererseits war er ein wenig müde und das sanfte Schuckeln des Zuges wirkte äußerst einschläfernd, zumal er gerade genug vollgefressen war, dass ein Nickerchen genau richtig wäre. Aber nein. Seraphim streckte die Hand nach ihm aus. Zögernd ruhte das grüne Auge auf dieser Hand, bewegte sich zu dessen Gesicht, fragte sich, was genau sein bester Freund nun vorhatte - in einem geschlossenen Abteil war das eine durchaus berechtigte Frage, und lächelte dann. Soweit er sich erinnerte, hatte der Weißschopf etwas gegen seine kugelige Form, er würde ihn sicher nicht jetzt bei offenem Fenster, auf der Stelle...oder...? Nun, zu spät, bevor er nachgedacht hatte, hatte er auch schon zugepackt und hatte die mutmaßliche Falle zuschnappen lassen. Es war nun einmal eine seiner ganz besonderen Eigenschaften, erst zu handeln und dann erst die Folgen zu bedenken. Doch vielleicht würde Seraphim ihm auch nur die Hand schütteln oder streicheln oder so - auch wenn das überaus unwahrscheinlich war.

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Seraphim

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BeitragThema: Re: Yo ho und 'ne Buddel voll Rum   So 26 Okt 2014 - 15:34

Souta hatte ja keine Ahnung, wie sehr Seraphim ihn stalkte. Der Rothaarige sah nur, wie die Augen des jungen Mannes einfach dauerhaft auf ihm klebten, wenn es die Situation ermöglichte, aber er wusste vermutlich nicht einmal, dass der Dragonslayer ganze Nächte einfach nur an seinem Bett gesessen und ihm beim Schlafen zugeguckt hatte, denn sonst wüsste er ja auch, dass er da tatsächlich mit einem Stalker befreundet war. Verständlich war das aber wahrscheinlich schon, immerhin handelte es sich bei Seraphim sonst um jemanden, der unglaublich gut loslassen konnte, dem seine Kurzzeitbekannten nichts bedeuteten. Nun, wo er sich wirklich zu jemandem hingezogen fühlte, schien dieser Charakterzug ins komplette Gegenteil umzuschlagen. Sicherlich hatte er immer noch etwas übrig für Stille und eine Zeit nur für sich, am besten auf seiner Dachterrasse... aber da es ihn einfach lächerlich glücklich machte, in Soutas Nähe zu sein, versuchte er jede Sekunde auszunutzen, die er mit ihm hatte. Und ja, er hatte ihn Monate lang nicht gesehen, das war verlorene Zeit, die er irgendwie wieder aufholen musste. Deswegen umschloss er die Hand des Rothaarigen auch deutlich sanfter, als man vielleicht vermutet hätte, zog ihn zwar zu sich herüber, aber nur auf seinen Schoß, bettete das Kinn auf seine Schulter und drückte die Nasenspitze ganz sanft in die roten Haare. Vielleicht war er ja doch ein wenig besessen von dem Jüngeren, das könnte durchaus sein... zumindest hoben sich seine Mundwinkel ganz automatisch, als das vertraute Aroma ganz deutlich, kristallklar und wundervoll für ihn vernehmbar wurde. Vielleicht sollte er Souta fragen, ob er seinem Shampoo irgendeine Droge zusetzte, von der er ganz zufällig abhängig geworden war, unter Umständen konnten normale Menschen sie auch gar nicht wahrnehmen. Im Nachhinein musste er sich fragen, wie er die Zeit, in der Souta einfach verschwunden gewesen war, überhaupt überlebt hatte, so ganz ohne ihn - im Rückblick war das doch eigentlich kaum möglich gewesen. "Doch, doch... ich habe dich vermisst...", murmelte er mit verträumter Stimme, küsste den Kieferansatz des Einäugigen und schmiegte sich einen Moment einer Katze gleich an ihn, ehe er abrupt von ihm abließ, ihn in die Seite pikte und damit neben sich schubste. "Wenn du dich hinlegen möchtest, kannst du das ruhig machen.", stellte er daraufhin mit beinahe sachlicher Stimme fest, den Körper entspannt und leicht zu ihm gedreht, auch wenn sein Gesicht noch immer im Luftstrom gefangen war, da er bemerkt hatte, was Souta eigentlich vorgehabt hätte. Aber anstatt es dabei einfach bewenden zu lassen, stützte er den Ellbogen auf die Lehne und sein Kinn auf die Hand, um ihn anzugrinsen. "Damit habe ich kein Problem..." Das Lächeln verschwand, bis er vollkommen ernst hauchte: "Ich sehe dir gerne beim Schlafen zu~" Mal sehen, wie Souta diese neuerliche Behauptung aufnehmen würde... zur Not konnte er sich immer noch darauf hinausreden, dass er ihn hatte ärgern wollen, selbst wenn er es noch so ernst gemeint hatte.

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BeitragThema: Re: Yo ho und 'ne Buddel voll Rum   So 26 Okt 2014 - 15:50

Souta konnte nicht anders; er musste lachen, als Seraphim in seine Seite piekste. Zwar war da alles ein bisschen härter und muskulöser geworden, aber das änderte ja nichts daran, dass er allgemein sehr empfindlich auf Berührungen reagierte. So heldenhaft er auch auftreten mochte, wenn man es schaffte, ihn körperlich zu erwischen, tat das entweder ziemlich weh - oder brachte ihn zum Lachen. Das war nicht masochistisch begründet oder so, der Kettenmagier war einfach nur kitzlig, so seltsam das auch klingen mochte, wenn man sich den gutaussehenden, erwachsenen Mann so ansah, aber er konnte es nicht ändern. Es war nun einmal so, ein Teil von ihm, so wie seine Augenklappe, die angenehme Stimme oder eben das laute Lachen, von dem man sich eigentlich gar nicht vorstellen konnte, dass es leise oder verstohlen sein könnte. Souta kicherte eigentlich nie, wenn er etwas witzig fand, dann lachte er darüber, wieso sollte man auch verbergen, dass man fröhlich war? Das war doch idiotisch ... Er hatte jedenfalls keine Hemmungen, sich, nachdem Seraphim ihn entlassen hatte, giggelnd auf der Sitzfläche des Abteils zu kringeln, das Auge zusammengekniffen, eine Hand leicht über die gepiekte Stelle streifend, ehe der Nervenreiz abgeklungen war und er sich daran machte, eine angenehme Position zu finden - und dabei einfach wieder rückwärts krabbelte, zurück auf den Schoß des Weißhaarigen, von dem er so gemein geschubst worden war. Er war schläfrig, ja, aber er war auch noch zu satt, um an tatsächliches Schlafen zu denken - Pech vermutlich für den Weißhaarigen, der bekundete, ihm gerne dabei zuzusehen. Merkwürdig war das ja schon, aber er dachte sich nichts dabei. Vielleicht meinte er ja nicht das Schlafen an sich, sondern eher das, was normalerweise dabeiwar, wenn Seraphim dazu kam, ihm dabei zu beobachten. Er schlief schließlich eigentlich nicht nackt oder in fremden Betten ... Doch er würde ihm den Spaß lassen. Auf der Kreuzfahrt konnte er ihn soviel schlafen sehen, wie er wollte, aber jetzt - jetzt wollte er etwas Anderes. Mit leichtem Lächeln lehnte er den Rücken gegen das Fenster, nur den Hintern auf den Oberschenkeln seines besten Freundes, und langte mit den schlanken Fingern nach dessen Hand. Mit der Miene eines Gourmets, der eines seiner liebsten Stücke entdeckt hat, führte er sie auf sein Brustbein, betrachtete kurz amüsiert, dass sich dessen Hand konstrastreich von seiner sonnengebräunten Haut abhob - und blickte dann zu deren Innhaber. "Kannst du sie grün leuchten lassen? Ich weiß nicht, was du damit machst, aber ... es ist schön. Das Gefühl hatte ich seit Monaten nicht. Ich denke, ich habe es vermisst." Er grinste dabei so breit, dass klar war, dass es nicht das grüne Leuchten von Seraphims Hand gewesen war, was er vermisst hatte - aber als Held von Fiore gestand man sich nicht ein, dass man es vielleicht ein klein wenig mochte, so behandelt zu werden. Monatelang war er einer zerbrochenen Liebe hinterhergelaufen, die ihm fast das Leben gekostet hätte - ein bisschen Zärtlichkeit durfte da dann ja wohl sein, oder?

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BeitragThema: Re: Yo ho und 'ne Buddel voll Rum   So 26 Okt 2014 - 16:02

Man würde sich auf den ersten Blick wohl nicht klar darüber werden, ob das Erfüllen von Soutas Bitte für den Weißhaarigen mehr Gefallen oder mehr Folter bedeutete, dennoch kam ihm nicht einmal eine Sekunde lang in den Sinn, sie nicht zu erfüllen. Wenn er schon die Erlaubnis, sogar die Aufforderung dazu bekam, ihn anzufassen, warum sollte er das dann nicht tun, hm? Immerhin könnte er ganze Tage damit verbringen, sich mit dem Rothaarigen zu beschäftigen, durch seine Haare zu streicheln, ihn zu küssen... es reichte ja sogar schon, wenn er ihn nur ansehen durfte, solange er wollte und ohne dass es negativ kommentiert wurde! Wahrscheinlich waren die violetten Augen des Dragonslayers in den letzten Sekunden ziemlich rund geworden, als der Einäugige seine Hand zu seiner Brust führte und er sie ganz vorsichtig darauf legte. Das hatte nicht einmal etwas mit der extremen Schmerzempfindlichkeit des Jungen zu tun, sondern mehr damit, dass er ihn keinesfalls verletzen wollte - auch wenn man sicher sein konnte, dass er solche Hemmungen binnen Sekunden abschütteln konnte wie eine tote Haut. Denn schon als er schmunzelnd seine Hände mit Mana auflud - wie winzig ihm die benötigte Menge auf einmal vorkam, wo er so zugelegt hatte, was seinen Manavorrat anging - und mit sanftem Druck über sein Schlüsselbein strich, merkte er, warum diese Einladung nicht nur gut für ihn war. Was Souta hier wollte, glich eher einer Massage, nicht wahr? Blöderweise hatte Körperkontakt oder auch nur seine Nähe einen ganz anderen Einfluss auf Seraphim, dieser hatte aber schon im Voraus beschlossen, dass er bis zum Abend auf dem Schiff warten würde, ehe er übergriffig wurde. Blöde Situation, was? Außerdem saß Souta da zwar einigermaßen sicher und bestimmt bequem, aber gut erreichen konnte er ihn aufgrund des dämliche Winkels nicht. Hm, wie löste man so ein Problem?
Sein Hirn brauchte ungefähr drei Wimpernschläge, ehe es ihm eine Idee eingegeben hatte, er Souta bei den Oberarmen packte und ihn wieder komplett auf seinen Schoß zog, während die eine Hand unter sein Hemd glitt und damit begann, es ihm komplett von den Schultern zu streifen. "Das funktioniert nicht durch Stoff durch...", brachte er sogar eine Erklärung heraus, in das von roten Haaren halb überdeckte Ohr geraunt. Zum Teil entsprach es absolut der Wahrheit, denn er konnte tatsächlich nur heilen, wenn er die Haut desjenigen berührte, der Grund dafür war aber wohl eher, dass er dieses Ding als unnötige Barriere empfand. Wenn er sich hier schon Folter aussetzte, konnte sie ruhig etwas stärker sein, das machte den Kuchen auch nicht mehr fett. Das Hawaii-Hemd war auf der Bank neben ihnen deponiert worden, eine helle Hand kraulte sich einen verschlungenen Pfad durch rote Haare, während die andere in langsamen Kreisen über die Brust des Kettenmagiers langsam bis zu seiner Bauchdecke wanderte. Irgendwie... wirkte er kräftiger. Vielleicht täuschte das ja, aber scheinbar hatte Souta in der langen Zeit, die er ihn nicht gesehen hatte, an Körpermasse zugelegt, wenn auch ganz sicher nicht an Fett. Na ja, unter Umständen war das auch einfach nur Einbildung, schließlich hatte er keine direkten Vergleichspunkte. Sein Zeigefinger umrundete einmal den Bauchnabel des Anderen, glitt zur Seite weg und suchte sich wieder einen Weg nach oben, streichelnd, als handelte es sich nicht um menschliche Haut, sondern den Pelz einer Katze. Nachdenklich blickte zum einen, wundervoll grünen Auge hinüber und senkte die Augenlider nur eine Nuance. Es war schon bitter, dass er sich selbst solche Dogmen aufdrängte... allerdings hatte er dieses nicht allzu hart formuliert. Klar war, dass er Souta nicht flachlegen würde, immerhin waren sie hier in einem klar einsichtlichen Abteil und überhaupt - aber das war auch alles, was er sich vorgenommen hatte. Er hatte zum Beispiel nie gesagt, dass er... während die eine Hand vom Kopf des Jungen zu seinem bloßen Kreuz wanderte und dort zu streicheln begann, löste sich die andere von seiner Seite und näherte sich stattdessen dem Gesicht des Itasa. Vorsichtig fuhr ein Finger seinen Nasenrücken hinunter, über seine Wange zum Kiefergelenk und drehte seinen Kopf dann mit sanftem Nachdruck zu ihm hin, wo er ihm sofort und ohne Widerspruch zu dulden die Lippen auf den Mund drückte, zwar bestimmt, aber dennoch so zärtlich, als versuche er etwas von der Flüchtigkeit einer Pusteblume zu küssen. Souta mochte die Heilkräfte des Dragonslayers vermisst haben, dieser jedoch verzehrte sich nach etwas ganz anderem...

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BeitragThema: Re: Yo ho und 'ne Buddel voll Rum   So 26 Okt 2014 - 22:06

Nun...
Als Souta die Hand seines besten Freundes zögerlich auf seine Brust gesetzt hatte und ihn bat, diese mit Mana aufzuladen, hatte er eigentlich nur im Sinn gehabt, ein klein wenig gestreichelt zu werden. Dumpf hatte er sich daran erinnert, wie es sich angefühlt hatte, als er vor scheinbar so unendlich langer Zeit in dessen Wohnung gesessen hatte, über Bauchschmerzen klagend. Damals hatte Seraphim ihm auf die selbe Weise geholfen – nur diesmal hatte er nichts, was die Wirkung des Zaubers milderte. Souta wusste nicht, ob es sich auf dem Sofa auch schon so angefühlt hatte oder der Ältere einfach nur stärker geworden war – auf jeden Fall hatte seine Vorstellung nicht einmal einen Bruchteil dessen erfasst, was es wirklich war. Ob er wohl nachwievor der einzige Mensch Fiores war, dem diese Behandlung zu Teil wurde? Er wusste, dass es unglaublich egoistisch war, aber allein die Vorstellung, Seraphim könnte diesen Zauber auf irgendjemand anderen anwenden, machte ihn ... Er war sich nicht sicher, was es ihn machte. Eifersucht? Bist du eifersüchtig? Vielleicht sollte er dem Weißhaarigen ja einmal genauestens erläutern, was dessen magische Hände mit einer Person anstellten, die gerade noch dabei war, friedlich einzuschlafen. Andererseits mochte sein kehliges Japsen, als das grüne Leuchten aufflackerte und über seine Brust wanderte, ja auch genügen ... Innerhalb von Sekunden musste Seraphim spüren, wie sein Herz sich einen Weg der Hand entgegenpumpte, die Ader an seinem schlanken Hals leicht hervortrat. Seine Lunge schien zu einer Dampflokomotive mutiert, welche die Luft in kurzen, heftigen Stößen aus seinen Mund zwängte, gegen die er rein garnichts tun konnte. Ein Ruck ging durch seinen Körper, als er urplötzlich von seinem Platz gezogen wurde – er beugte sich der Bewegung wie ein nasser Sack, ließ sich auf den Schoß des Weißhaarigen schleifen, gefangen in einer Flut an Eindrücken, die er eigentlich hatte verhindern wollen. Plötzlich kamen ihm seine Arme so nutzlos vor. Ohne etwas zu bewirken hingen sie an seinem Körper herab, hoben sich leicht, um das Ausziehen seines Hemdes zu erleichtern – dann saß er da. Gerne hätte er der kühlen Luft, die durch das Abteil pfiff, die Schuld dafür gegeben, dass sich sämtliche Härchen auf seinem Oberkörper aufstellten, aber das war nicht ganz richtig. Tatsächlich war es wohl eher die tastende Hand, begleitet vom wundervollen grünen Schimmer, der deutlich mehr tat, als er zunächst wollte, deutlich mehr. Es war gar nicht in seiner Absicht gewesen, dass der Heiler sich bei seiner kleinen Massageaktion so weit vorwagte, doch er konnte momentan nichts dagegen tun, da sich sein Blut rapide aus seinem Hirn abwärts verabschiedete. Die Erklärung, warum genau er nun oben ohne war, quittierte er mit einem tranceartigen „Scheiß-egal-Lächeln“. Und das war es. Ihm war alles egal, mittlerweile. Wo die Hand landete. Was sie machte. Was die andere da in seinen Haaren tat. Er wollte sich einfach gegen den Körper des Älteren drücken, mit Schnappatmung in sein Ohr hecheln und den Blick der violetten Augen erwidern. Sich die Nase an dessen Wange plattdrücken, weil der Druck seiner Lippen alleine nicht mehr ausreichte, sein Auge schließen, damit dieses sich nicht unkontrolliert gen Decke bewegte. Seraphim versuchte, zärtlich zu sein – aber das war nun nicht mehr das, was Souta wollte. Sein bester Freund verstand nun hoffentlich, dass er sich auf seinem Schoß einmal drehen musste, damit er den Nacken nicht so verzerren musste. Mit einem Lächeln, nein, einem monströsem Grinsen der Extraklasse, war es nun an ihm, die schlanken Hände den Körper seines Schutzengels hinabwandern zu lassen, während sich seine Stirn gegen die des Älteren drückte. „Ich...“, murmelte er, ehe er zwei Finger in dessen Hosenbund einhakte, kurz daran zog, dann jedoch die Arme wieder links und rechts auf Seraphims Brust legte, als hätte er sich verbrannt. „Ich weiß noch etwas...“ Seine Finger krümmten sich, krallten sich in den Stoff seines Hemdes, während seine Lippen über das tätowierte Jochbein Seraphims schrammten. Noch ein Ruck, dann saß Souta aufrecht, das Knie links und rechts von dem Weißhaar in die Polsterung des Sitzes gedrückt. Während er langsam auf Wolke Sieben davonschwebte, wickelte er die Arme um den Kopf seines „besten Freundes“, drückte diesen gegen seinen Bauch. „Was durch Stoff nicht funktioniert...“ Mit einem amüsiertem Quieken verlor er das Gleichgewicht, riss den Himmelsmagier mit sich auf den Boden des Abteils. Und dort würden sie vermutlich auch den Rest der Fahrt bleiben – zumindest, wenn es nach Souta ging.

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BeitragThema: Re: Yo ho und 'ne Buddel voll Rum   So 26 Okt 2014 - 22:12

Früher hatte eine nicht gerade unbekannte Institution auf der Meinung beharren wollen, dass die Sonne und alle anderen Planeten des Kosmos um die fest am Firmament sitzende Erde kreisten. Egal, welche Beweise man ihr gebracht hatte, egal, wie eindeutig es geworden war, dass sie eben nicht der Mittelpunkt des Universums war, es war daran festgehalten worden. Das hatte besagter Institution allerdings nur den Spott und Hohn späterer Generationen eingebracht, die nicht einsehen wollten, warum man die Wissenschaft in so einem Umfang behindern sollte. Ebenso war man einst der Meinung gewesen, dass organische Stoffe nur aus ebensolchen entstehen konnten; doch das sogenannte "vis vitalis"-Dogma war schon recht bald durch die Synthese von Harnstoff verworfen worden. Seraphim dachte keinesfalls an solch komplizierte Dinge, vergegenwärtigte sich nicht, dass man nie solch eindeutigen Verbote sprechen durfte, denn sein Geist war viel zu überlastet von dem auf einmal so aktiven Souta, dass er diese Anstöße gar nicht mehr brauchte, um seinen eigentlichen Vorsatz zu vergessen. Normalerweise war er durchaus in der Lage, seinem Geist die Vorherrschaft oder zumindest das Lenken seines Körpers zu überlassen, aber der junge Mann, der ihn soeben mit einer solch wahnsinnigen Intensität ansah, ihn berührte, die Hände scheinbar glühende und doch so wohl tuende Kohlen, war nicht einfach irgendjemand... Normalerweise war es nur sein Körper, der von anderen Menschen in dieser Hinsicht befangen sein konnte, aber dieses Mal war ein verschleiernder Nebel aufgezogen, der seine Gedanken auf ein lebenswichtiges Minimum reduzierte, ihn verdrängen ließ, dass man sie sehen könnte, dass er warten wollte, ihm nur noch genug Kapazitäten ließ, um seinen Blick nicht von Soutas Gesicht zu lösen, jeden freien Zentimeter Haut, der in Reichweite kam, zu küssen, seine Hände dazu veranlasste, die Konturen des schmalen Körpers nachzuzeichnen... Ja, es wäre ihm inzwischen sogar absolut egal, wenn man ihn wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses aus dem Zug schmiss und das Ganze seiner Gilde berichtete, er würde Souta dann eben auf anderem Wege nach Hargeon Town bringen. Selbst wenn er nicht fliegen können würde, in diesem Moment hätte er es geglaubt, so wahnsinnig leicht fühlte er sich, als habe er schon längst vom Boden Abschied genommen. Jegliche wichtigen, klaren Gedanken waren fort, ersetzt durch das Verlangen nach mehr Berührungen, mehr von dem betörenden Geruch, mehr von der Hitze, die er durch jede Faser des Körpers unter ihm pulsieren spüren konnte. Es war so viel Zeit verstrichen, seit er ihm das letzte Mal so nahe gewesen war, so viele Stunden, von denen jede auf seiner Haut zu brennen und ihn noch zusätzlich anzustacheln schien. Vorbei war die Zurückhaltung, jede Vorsicht, dem Einauge auf keinen Fall weh zu tun, wo er doch so gut schmeckte, dass seine Zungenspitze hier und dort von leicht knabbernden Zähnen verdrängt wurde, bevor seine Lippen wieder über die leicht salzige Haut wischten.
Ein Kuss auf das rote Wappen seiner Gilde, ihrer Gilde, und der Kopf des Weißhaarigen drehte sich kurz zu Soutas Gesicht hoch, blickte ihn an, änderte seinen Plan und verwickelte das Einauge in einen so leidenschaftlichen Kuss, dass man wohl beinahe hätte denken können, dass da tatsächlich von beiden Seiten Gefühle gewesen wären. Es war eine der hervorstechendsten Eigenschaften der beiden Magier, dass sie sich von solchen Dingen distanzieren konnten, aber zumindest Cyrus versagte dabei gerade auf ganzer Linie. Keine seiner Bewegungen war routiniert, auch wenn sie es normalerweise waren, jede wurde bis aufs Letzte ausgekostet, neu beschlossen, ausgeführt, genossen. Oh ja, er hatte ihn vermisst, nicht nur seine Stimme, sein Lachen, seinen Geruch, sondern auch das hier, jede verstreichende Sekunde machte die Vorstellung, noch einmal so lange von ihm getrennt zu sein, unerträglicher. Es musste daran liegen, dass er ihn liebte, ihn und niemanden sonst, mit dem er sich ansonsten in ähnlichen Situationen wieder fand, er war es, der seinen auf basale Dinge reduzierten Geist erfüllte, nicht der dreckige Boden, nicht das offene Fenster, der leichte Geruch nach Rauch oder die kühle Luft, nichts davon erreichte ihn auch nur im Geringsten. "Himmel...", stöhnte er mit rauer, belegter und alles in allem flehender Stimme, als er sich von Souta löste, weil er Luft brauchte, um seinen vollkommen erhitzten Organismus zu kühlen, "Wenn jetzt jemand reinkommt, bring' ich ihn um..." Ernst gemeint. Egal, ob es der Schaffner war oder ein kleines Kind, diese Person würde wohl von einem ob der Störung tobenden Dragonslayer aus dem Fenster katapultiert werden.

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BeitragThema: Re: Yo ho und 'ne Buddel voll Rum   So 26 Okt 2014 - 22:14

Da lag der Itasa nun also, platt wie eine Flunder, auf den Boden des Abteils, gefangen in einem Gewirr aus Armen, Küssen und gehauchten, süßen Nichtigkeiten, die seinen Lippen entglitten, wann immer sie sich von denen des Weißhaars lösten, der schwer auf ihm lag. Aber es tat ihm nicht weh. Vermutlich war sein sonst so extremes Schmerzempfinden gerade auf ein Minimum reduziert worden, sonst hätte er es sicher nicht ausgehalten, angeknabbert zu werden. Im Moment machte ihm das jedoch überhaupt nichts aus, brachte ihn lediglich dazu, hin und wieder den Namen seines besten Freundes zu flüstern, mahnend, und zugleich flehend, bloß mit nichts aufzuhören. “Seraphim, Seraphim”, murmelte er, wälzte sich mit ihm auf dem Boden wie aneinandergesaugte Arme eines Oktopusses. Sanft fuhren seine Arme unter den Stoff seines Oberteiles, Finger strichen über die Narben auf dem Rücken seines Schutzengels. Sie fühlten sich weich an, anders als das übrige Gewebe. Mit etwas Fantasie konnte man nach deren Betrachtung denken, dass es die Überbleibsel von Flügeln waren, die irgendjemand gekappt hatte, damit er auf Fiore blieb. Souta bedankte sich dafür mit einem Kuss, der zumindest von Seraphims Seite durch Leidenschaft gekennzeichnet war; der Kettenmagier hatte langsam genug von den Spielereien. Er tat dies nicht, weil er Liebe verspürte, er wollte einfach nur seinen Spaß haben. Monatelang war er enthaltsam gewesen. So konnte ein Souta nicht leben. Er wollte alles auf einmal, sofort, hatte es vermisst, mit einer anderen Person im Tanz der Liebe zu verschmelzen, eins zu werden, bis die Gedanken abrissen und man nur noch tat, was der Körper befahl. Vergessen wollte er sich, auf dem Boden dieses Zuges. Es war nur ein Zufall, dass gerade sein bester Freund dafür herhalten musste, dieses Verlangen zu stillen – er hätte auch jeden anderen genommen.
Das war jedenfalls, was die noch intakte Seite seines Hirns ihm eindringlich einredete. Er musste sich rechtfertigen, denn nun, wo es niemanden mehr gab, der sein Herz besaß, war es frei. Zu frei vielleicht. Mit jedem Kuss, jeder Berührung, öffnete es sich einen winzigen Spalt breiter und ließ die Erinnerungen an vergangene Erlebnisse mit dem Weißhaarigen hinaus. Souta durfte sich nicht eingestehen, dass es nicht nur sein Körper war, der auf ganz und gar biologische Weise reagierte. Sein ganzer Geist war aufgebrochen, aufgewickelt wie ein zuvor ungeordnetes Wollknäuel. Sich um Seraphim zu wickeln versprach Ordnung und Sicherheit, eine Person, die niemals einfach so verschwinden würde. Die ihn für emotionale Worte nicht schlagen würde. Nicht in tausend Jahren würde der Himmelsmagier ihn verletzen, und wenn doch, so heilte er ihn sofort wieder. Dieser Mann mochte ein Stück von dem sein, das er sich wünschte: Jemand, dem er uneingeschränkt vertrauen konnte. Aber er wusste, dass er das noch nicht konnte. Er traute nicht einmal sich selbst – die Wunden in seiner Brust waren noch nicht einmal ansatzweise verheilt. Da konnte man nicht schon wieder jemanden hineinlassen, und erst recht keinen Mann. Nein. Er tat das nicht, weil er auf Männer stand – wie lächerlich wollte er denn noch werden? Natürlich tat er das. Wenigstens auf den einen da, der sich aufgerichtet hatte. Für einen Moment verankerte sich das grüne Auge des Kettenmagiers in dessem Gesicht, blickte so liebevoll, dass er selbst erschrak – er schloss es wieder, als ein roter Schimmer sich um seine Nase zu ziehen begann. Wurde er rot? War er gerade ... Errötete er hier? Wenn die eigene Atmung sich ohnehin schon so schnell vollzog, dass man kaum hinterherkam, war es schwer, vor Scham tief einzuatmen, doch er schaffte es trotzdem, biss sich schmerzhaft auf die Unterlippe – und streckte dann nach dem Satz Seraphims die Hand aus. Wieder krallten sich seine Finger in dessen Kragen, zerrten ihn nach unten, bis sein Ohr an seiner Lippe war. Heißer Atem strich über die Ohrmuschel. “Nicht an andere denken – Cyrus...”, gurrte er, drückte den Weißhaarigen zu Boden und kletterte auf dessen Bauch, so dass er den Ausblick auf die Abteiltür versperrte. “Ich bin der Mittelpunkt der Welt, hast du das vergessen?” ...
Waren diese Abteile eigentlich schalldicht?

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BeitragThema: Re: Yo ho und 'ne Buddel voll Rum   So 26 Okt 2014 - 22:15

Es war kein suizidaler Schaffner in das Abteil der beiden eingebrochen und hatte sich selbst das Todesurteil unterschrieben, tatsächlich kam auch den Rest der Reise keiner mehr an und wollte ihre Fahrkarten sehen. Wäre das nicht so ein furchtbar untypisches Gefühl für ihn, hätte Cyrus nun etwas wie Dankbarkeit verspürt, als er ans Fenster gelehnt da saß und durch rote Haare kraulte. Er war sich nicht sicher, ob Souta eingeschlafen war, ob er döste oder nur so tat, aber es war ihm auch relativ gleich. Er war zufrieden genug damit, den Jüngeren mit seinem Armen zu umschließen und, das leichte Säuseln des Fahrtwindes im Ohr, die Wirbel auf seiner Kopfhaut zu erkunden. Er selbst hatte deutlich zu viele um sie zu zählen - zumindest hatte das noch niemand versucht - während Souta vor allem den einen am Hinterkopf hatte, rechts drehend. Dieser provozierte ein leichtes Abstehen der roten Haare am Hinterkopf und war nebenher ein toller Spielplatz für seine Fingerkuppen, zumindest die der linken Hand. Am besten suchte er noch einmal die Toilette auf, ehe sie ihre Haltestelle erreichten, man wollte ja nicht... aber das hatte doch noch Zeit. Viel lieber verbrachte er die übrige Zeit damit, wie ein Blöder lächelnd dem Atem seines Einauges zu lauschen, ihn zu kraulen und sich zu wünschen, dass die Station Hargeon Town einfach übersprungen wurde. Leider Gottes funktionierte das allerdings nicht immer so, wie man wollte und nach einiger Zeit hallte ein "Nächste Station: Hargeon Town. Ausstieg in Fahrtrichtung rechts." durch den Zug. Mit einem enttäuschten Seufzen schob er Souta von sich herunter, stand auf, streckte sich, sammelte diverse Dinge ein und verließ kurze Zeit später komplett angezogen das Abteil, um sich zu der Toilette durchzudrängeln. Eigentlich benutzte er diese nicht einmal, sondern nur den Wasserhahn und den Seifenspender, aber das konnte man durch die geschlossene Tür zum Glück nicht sagen. Schließlich kehrte er zu Souta zurück, schenkte ihm ein breites Lächeln und sah mit gerunzelter Stirn aus dem Fenster. Normalerweise würde er seinen Begleiter nun fragen, ob er sich in Hargeon auskannte, aber dieses Mal war das nicht nötig. Nicht nur wusste er ja, dass Souta dort geboren worden war, er selbst war auch schon öfter dort gewesen. Das letzte Mal hatte er eine rosahaarige Dame kennen gelernt und war daraufhin in einer Art Zeitreise fast ums Leben gekommen, aber das würde er ihm nun nicht unter die Nase binden. Vermutlich würde er es ihm nicht einmal glauben. "Wir scheinen da zu sein.", meinte er deswegen nur knapp und wartete an der noch geschlossenen Tür darauf, dass Souta einigermaßen fertig war. Lange musste man bei dem Flitzer meistens nicht warten, aber es war zumindest netter. Oder höflicher... wie auch immer. Er war nicht in der Laune, ihn zu ärgern, dafür war er viel zu zufrieden mit sich und der Welt... eigentlich traurig, wie einfach man dafür sorgen konnte, dass er sich gut fühlte, aber war das nicht von Mutter Natur so programmiert worden? Er jedenfalls konnte nichts dafür, er folgte bloß seinem Wesen - und das war im Grunde genommen sehr simpel strukturiert.
Aus dem Zug gestiegen fiel ihm persönlich zuallererst auf, dass die Luft deutlich salziger geworden war. Er mochte Meeresluft, sie war auf eine ganz eigene Art und Weise frischer, als wäre sie mehr in Bewegung als an anderen Orten. Ein leichtes Aroma nach Fisch zog ebenso mit und ließ ihn darüber nachdenken, was es wohl zum Abendessen geben würde. Er selbst legte zwar deutlich weniger Wert auf Essen als Souta, aber ein gutes Mahl konnte so manchen schönen Tag auf noch zufrieden stellendere Weise abrunden... in diesem Ambiente empfahl sich Fisch natürlich ungemein, vor allem, wenn er gerade frisch gefangen war.

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BeitragThema: Re: Yo ho und 'ne Buddel voll Rum   So 26 Okt 2014 - 22:17

Ob Souta sich in Hargeon Town auskannte? Es war wohl besser, dass Seraphim sich diese Frage verkniff, denn sie hatte mehr Intensität, als der Weißhaarige wohl geahnt hätte. Ja, der Kettenmagier kannte sich ganz ausgezeichnet in der Stadt aus, auch überall rundherum und besonders gut kannte er die Seitengassen, in denen man verprügelt werden konnte, oder zum Beispiel einen Fluss, in welchem kleine Mädchen ganz leicht ertrinken konnten. Große Jungen schafften das irgendwie nicht, deshalb fristeten sie ein Dasein in ewiger Schuld, gebrandmarkt als Mörder. Ja, er kannte sich aus. Allerdings auch nur in der Stadt, denn noch war er etwas verwirrt. Wie von Gott geschaffen lag er, noch recht verschlafen, auf der Abteilbank und fragte sich für einen Augenblick, was passiert war, wieso der Zug stehen blieb und wo eigentlich seine Kleidung hingekommen war. Mit fahrigen Händen tastete er in sein Gesicht. Ah, zumindest die Klappe war noch da. Okay. Als er sich umwandte und dabei die Beine bewegte, konnte er sich ein leises Stöhnen nicht verkneifen, das ihn ziemlich intensiv daran erinnerte, was er getrieben hatte. Das Gefühl an sich war ihm ja vertraut, irgendwo aufzuwachen und sich zu fragen, was passiert war, aber erstens war er da selten allein und zweitens hatte er...weniger oft diese Art von leicht schmerzhafter Erinnerung. Wo war eigentlich der Verantwortliche? Hatte er ihn in diesem Zug zurückgelassen? Eher nicht. Bestimmt kam er gleich wieder. Und da sie ja leider auf einer Quest waren, musste sich der Rotschopf langsam anziehen. In Zeitlupentempo schlüpfte der zombieartige Magier in seine Kleidung und streckte die von unvorteilhaftem Liegen etwas wunden Glieder, gähnte herzhaft. Hachja, so ein kleines Nickerchen im Zug war ja wirklich außergewöhnlich schön gewesen. Es dauerte auch nicht lange, bis sein Schutzengelchen wieder hereingeflattert kam und ihn angrinste wie ein Honigkuchenpferd auf Drogen. Irgendwie machte es Souta ja glücklich, dass er Seraphim glücklich gemacht hatte – der Weißhaarige zeigte das so selten. Zumindest war er ihm früher immer vorgekommen wie ein emotionsloser Eiswürfel. Es war gut, wenn er auftaute, so ein bisschen Ehrlichkeit stand ihm gut. Als großartigster Mensch Fiores war es seine Aufgabe, Leute zum Lächeln zu bringen, demnach hatte er also nun auf voller Linie gesiegt, was seine Laune ins Unermessliche steigen ließ. Nicht einmal die Prophezeiung, dass sie nun bald in der Hafenstadt einlaufen würden, vermochte es, sein schelmisches Grinsen zu trüben, obwohl er natürlich innerlich nicht so fröhlich war. Er hasste diese Stadt abgrundtief, mehr als alles andere, vielleicht sogar mehr als seinen Vater. Doch das würde er Seraphim nicht auf die Nase binden. Er erzählte niemandem, was geschehen war, wofür er mit Einäugigkeit bestraft wurde, und sicherlich würde er alles tun, um einer ganz bestimmten Person aus dem Weg zu gehen, die dort wohnte. Aber das war uninteressant. In den Vordergrund gerückt stand nun Seraphim, der ihn anlächelte. “Wunderbar”, flötete er also, musste jedoch feststellen, dass er ein wenig heiser war. Sicherlich der Stoff, aus welchem man die schönsten Scherze spinnen konnte, aber für den Moment schaute er darüber hinweg und folgte seinem besten Freund aus dem Zug heraus in Richtung Hargeon Town. Obwohl er schon ungefähr tausend Mal in dieser Stadt gewesen war, ja, sogar einen Großteil seines Lebens dort verbracht hatte, tat ihr Anblick mehr weh, als er gedacht hatte. Unauffällig räusperte er sich, als er in der Ferne sein Elternhaus aus zwischen den hübschen Ziegeldächern aufragen sah (wieso hatte er instinktiv dort hingeschaut?) und knöpfte sein Hemd zu. Energisch wuschelte er sich die Haare ins Gesicht, doch das nützte nichts. Kaum hatte er zwei Schritte neben dem Weißhaar hergemacht, begannen einige Leute damit, ihn anzustarren. Nicht die Art von Anstarren, auf die Souta normalerweise abfuhr, keine Freude oder Bewunderung war in ihren Blicken. Es war Erkennen, durchaus. Nur nicht sonderlich freundlich. “Dass du dich überhaupt hierhertraust, Bürschchen!”, meinte diesbezüglich ein Fischverkäufer, der einen stinkenden Karren an den beiden vorbeilenkte. Der Kettenmagier senkte den Blick auf seine Füße, biss sich kurz auf die Unterlippe – und hob den Kopf dann wieder, ein breites Lächeln im Gesicht. “Schön dich wiederzusehen, Joha!”, trällerte er aus voller Kehle, gut gelaunt und von keiner Sorge der Welt betroffen. “Wir sollten schnell weitergehen, Seraphim. Ich bin schon so gespannt darauf, wie unser Schiff aussieht! Glaubst du, dort gibt es ein Empfangsessen?”

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BeitragThema: Re: Yo ho und 'ne Buddel voll Rum   So 26 Okt 2014 - 22:19

Manch einer hatte Seraphim unsensibel geschimpft, vor allem Frauen, die nicht verstehen konnten, dass er nicht unfähig war, sich in sie hineinzuversetzen, sondern dass er sogar eine Art kranke Freunde daran verspürte, sie leiden zu sehen. Vor allem wohl im psychischen Sinne, jedenfalls hatte er die freundliche Fassade immer dann fallen gelassen, wenn er bekommen hatte, was er wollte. Das führte natürlich schnell dazu, dass man ihn für durch und durch soziopathisch hielt, aber auch wenn er gewisse Anzeichen in diese Richtung zeigte, so wäre er ein ziemlicher Trottel, wenn ihm nicht auffallen würde, was diese Stadt für einen Einfluss auf Souta hatte. Kaum hatte er einmal den Blick über die Häuser schweifen lassen, wanderten seine Augen nämlich ohne Umschweife zu dem Einäugigen und er konnte mich umhin, festzustellen, dass seine Miene so gar nicht freudig wirkte. Normalerweise wirkte er immer wie auf Drogen ein paar Meter über dem Boden schwebend, getragen von Wolken eines gigantischen Egos... aber nun schien ein plötzlicher Wetterumschwung die Wattebäuschchen verweht zu haben und er stand auf dem Boden der Realität, wirkte unglücklich und unsicher, ganz anders, als Cyrus das gewöhnt war. Er zog ihn zwar immer mal wieder über seine Selbstsicherheit und Selbstüberschätzung auf, aber es gefiel ihm nicht, wenn der Rothaarige so verändert wirkte. Es war ihm lieber, einen nervigen, dauergrinsenden Flummi an seiner Seite zu haben, der aber wenigstens glücklich wirkte, als einen zusammen gesunkenen Magier, den er am Liebsten in den Arm nehmen und so lange schütteln wollte, bis er wieder lächelte. Ja, er war verdammt schlecht in so etwas, aber in Soutas Fall war wenigstens der Wille, etwas Gutes zu tun, da. "Alles...okay?", fragte er also mit besorgter, aber leiser Stimme, während er mit schief gelegtem Kopf zu ihm hinüber blickte. Wenn er irgendetwas daran ändern konnte, warum er sich schlecht fühlte, würde er es ohne zu Zögern sofort tun, hoffentlich wusste Souta das und würde sein Angebot ohne zu Zögern annehmen. Allerdings hatte er dieses Mal das Gefühl, dass er rein gar nichts mit seinem Unbehagen zu tun hatte, mit Ausnahme der Tatsache, dass es seine Idee gewesen war, eine Mission in Hargeon Town anzunehmen. Er hatte es für eine gute Idee gehalten, weil eine Kreuzfahrt eindeutig etwas Feines war. Wenn er ihn nun in Gewässer gezwungen hatte, die er hatte meiden wollen, war er im Grunde genommen indirekt wohl daran Schuld, dass es ihm schlecht ging - und das war das Letzte, was er wollte.
Als sie sich anschickten, durch die Stadt in Richtung Hafen zu gehen, bemerkte Cyrus auch ziemlich schnell, dass man Souta hier kannte, allerdings ganz offenbar nicht auf die Weise, wie er es erwartet hätte. Da wo man ihn selbst kannte, begegnete man ihm mit neidischen, etwas resignierten und von gewissen, vereinzelten Leuten wohl auch mit hasserfüllten oder traurigen Blicken, aber hier schien es von letzter Kategorie einfach so viele zu geben, dass er sich fragte, was denen denn über die Leber gelaufen war. Erst als ein Fischhändler Souta ganz direkt ansprach - oder eher anblaffte, was er hier zu suchen habe - wurde ihm vollends klar, dass diese Menschen offenbar etwas gegen denjenigen hatten, den er so sehr mochte. Dass ihm das gegen den Strich ging, sollte klar sein, natürlich konnte man niemanden zwingen, jemanden zu mögen, aber diese sirrende Feindseligkeit regte ihn auf, machte ihn wütend, zerrte an seinen Nerven. Sie hatten ihn gefälligst in Ruhe zu lassen...! Souta schien das auch nicht zu gefallen, denn ehrlich gesagt wirkte seine Fröhlichkeit auf einmal schrecklich aufgesetzt auf Cyrus, als habe er auf einmal die rote Pille eines Sonnenbrillen tragenden Mannes geschluckt und sich in der Wirklichkeit wiedergefunden. Er spielte das doch nur... ebenso wie Cyrus seine Freundlichkeit spielte. Den feindseligen Blick, den er dem Fischhändler zuwarf, so eiskalt, dass er sich verzog, musste er aber nicht vortäuschen, denn der war bis auf den letzten Funken Wut echt. "Hm, vielleicht.", antwortete er deswegen nur knapp auf die Frage, ob es wohl ein Begrüßungsessen gab, denn diese Frage war zwar typisch Souta, aber wohl nur zur Ablenkung gedacht. Er war zu sehr damit beschäftigt, sich zu fragen, was hier auf einmal los war, als dass er sich da nun etwas zusammen spinnen konnte. "Meinst du, ein weniger auffälliges Outfit wäre nicht etwas passender gewesen?", fragte er derweil, bevor auch er seine Schritte etwas beschleunigte, denn er konnte die Bitte nach Beeilung verstehen. Auch wenn es ihn nicht ankratzte, wenn ihn Leute so musterten, schien es Souta durchaus zu belasten.
Sie kamen vom Platz vor dem Bahnhof in die nächste Straße, konnten diese auch noch einigermaßen unbehelligt passieren (denn über böse Blicke konnte man nicht stolpern), bis sich ihnen plötzlich jemand in den Weg stellte. Mit leicht gelangweiltem und sicherlich wahnsinnig überheblichem Blick mustere Cyrus den Mann, der sich vor ihnen aufgebaut hatte. Geschätzt mochte er Mitte zwanzig sein, mit kurzen, schwarzen Haaren und einem ärgerlichen Gesichtsausdruck. Er hatte sich eine wirklich gute Stelle ausgesucht, um sie zu blockieren, denn die Hälfte der Straße wurde von einem hölzernen Karren blockiert, auf dem zwei weitere Kerle hockten, die das Rothaar ebenso finster ansahen. Was sollte das denn nun? Auch wenn man vielleicht Angst aufgrund der Überzahl verspüren sollte, versetzte der Dragonslayer den drein nur einen entnervten Blick und fragte dann mit gelangweilt-schleppender Stimme: "Und was genau wollt ihr?", als würde es ihn keinen Deut interessieren. Der Muskelprotz, der sich ihnen in den Weg gestellt hatte, giftete ihm jedoch nur ein "Geht dich nix an, Schafskopf." an, ehe er sich an Souta wandte. "Verschwinde, Missgeburt. Mach, dass du weg kommst." Cyrus hätte schwören mögen, dass man das Ticken, dass durch die Leere seines Geistes halte, hören konnte, das Ticken einer Zeitbombe, deren Countdown soeben rasant verkürzt worden war. Niemand nannte seinen Souta Missgeburt... hoffentlich entspannte irgendeine Macht nun diese Situation oder der Dragonslayer würde beweisen, warum man sich nicht mit ihm anlegen sollte...

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BeitragThema: Re: Yo ho und 'ne Buddel voll Rum   So 26 Okt 2014 - 22:21

Da war es wieder.
Dieser Ausdruck in Seraphims Gesicht. Die zusammengezogenen Augenbrauen. Das leichte Hervortreten seiner Wangenknochen. Die Kälte, die von einem Moment zum anderen aus den violetten Augen strömte. Souta versuchte sich daran zu erinnern, wie sein Lächeln aussah, wenn er ihn ansah, versuchte aus der schneidenden, gelangweilten Stimme das herauszuhören, was er sonst hörte: Den Klang, mit dem er seinen Namen sagte, ihn ansprach, stockend manchmal, aber immer weich. Es war kaum zu glauben, dass aus dem Mund, der behutsam wie ein Schmetterling küssen konnte, solches Desinteresse für die Menschheit sprach. Der Kettenmagier wusste, dass sein Schutzengel diese Bezeichnung nicht verdiente, dass er kein lieber Junge war, sondern eher das, was man gut und gerne als Mistkerl kannte: Egoistisch, selbstverliebt - aber auch aus irgendeinem Grund dazu bereit, ihn zu beschützen. Die Worte des Mannes, der ihn Missgeburt genannt hatte, schnürten ihm die Kehle zu, löschten das Leuchten aus seinem Lächeln, als hätte man eine Kerze ausgeblasen, aber es interessierte ihn nicht. Um ehrlich zu sein hatte er mit schlimmeren Beleidigungen gerechnet, vielleicht sogar einem Kopfschuss. Sie waren unglaublich nett zu ihm. Beherrschten sich. Souta wusste, dass sie sich nicht seinetwegen zurückhielten. Sie musste sich irgendwo ganz in der Nähe aufhalten. Ruhelos huschte das smaragdgrüne Auge durch die Gegend, fand sie jedoch nicht. Vermutlich war das besser so. Hätte er sie gesehen, er war sich nicht sicher, was er getan hätte. Vielleicht wäre er zusammengebrochen. Vielleicht wäre er weggelaufen, so schnell, dass nicht einmal Seraphim ihm folgen könnte. Seraphim ... Er war still geworden, als der Mann ihn beschimpft hatte, so still. Die Kälte, die von seinem Blick ausging, der sich auf seinen Beleidiger eingeschossen zu haben schien, war beinahe spürbar. Mit einem Mal fühlte sich der Rothaarige, als hätte er einen Eiswürfel verschluckt. Plötzlich wusste er, dass etwas passieren würde. Das war nicht einfach nur der Blick eines menschenverachtenden Egoisten. Das war ... Sein Auge huschte zurück, und er wusste, dass auch die anderen es sahen, oder es zumindest ahnten, denn niemand konnte wirklich in Seraphim lesen, auch er nicht. War Souta ihm so wichtig, dass das Leben dieser Männer in Gefahr war, weil man ihn eine Missgeburt genannt hatte? Er selbst reagierte nicht darauf und hatte auch nicht vor, irgendetwas dagegen zu tun, weil er wusste, dass er das verdient hatte - es erwartet hatte, aber für den Weißhaarigen war es sicherlich unhaltbar, dass man ihm soetwas an den Kopf warf. Nein, es war kein Problem, und vielleicht hätte er mit einer einzigen Berührung auch alles abwenden können, doch das traute er sich nicht. Er konnte jetzt nicht nach Seraphims Hand greifen, weil er wusste, dass er beobachtet wurde. So egal ihm das auch sonst war - es funktionierte einfach nicht auf diese Weise. Er durfte in dieser Stadt keinen Mist bauen. "Ich bin Magier von Blue Pegasus und ich habe das Recht, durch diese Straße zu gehen." Soutas Stimme hatte schon einmal so geklungen, hoch oben auf dem Mount Hakobe, als eine alte Hexe gstanden hatte, Kinder angeblich krank gemacht zu haben. Der sanfte Singsang, der sie sonst begleitete, ebnete sich ein, er ging eine halbe Oktave nach unten und bewegte gleichzeitig die Beine nach vorne, ohne sich um die starrenden Blicke zu kümmern. Er las in den Blicken der Männern, dass sie eingeschüchtert waren. Er war Magier geworden. Als er den Kopf hob und man seine Augenklappe sehen konnte, zuckten sie kurz - entschlossen sich aber im letzten Moment, ihn nicht durchzulassen. Nicht so einfach.
Souta sah den Schlag kommen. Er rief im Hirn tausende Möglichkeiten aus, ihm auszuweichen. Aber er hatte keine Zeit dafür, viel zu sehr musste er sich zusammenreißen, nicht instinktiv zu reagieren. Es wäre so leicht gewesen, ein Schemen zu werden, sie allesamt auszuknocken, bevor sie auch nur Atem geholt hatten, aber das durfte er nicht. Vor ihr würde er keine Zivilisten verletzen.
Er schmeckte Blut, als er zurücktaumelte, stehen blieb wie ein geschlagener Hund. Seine Wange war aufgerissen, er spürte den Schmerz, sah die kleinen Tröpfchen auf das Straßenpflaster regnen, ein abstraktes Blütenmuster bilden. Mit einer Hand fasste er nach seinem Jochbein, ganz langsam. Traumwandlerisch betrachtete er seine Finger, die sich rot gefärbt hatten. Oh, verdammter Mist. Beinahe sofort ließ er die Schultern hängen, sackte in sich zusammen. Wieso hast du mich nicht durchgelassen? Wieso musstest du das tun? Das wird dir soviel mehr wehtun als mir... Souta warf einen kurzen Blick auf Seraphim - dann schloss er das Auge. Verschloss sich vor der Reaktion.

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BeitragThema: Re: Yo ho und 'ne Buddel voll Rum   So 26 Okt 2014 - 22:23

Es war nicht besonders klug, sich einer dubiosen Zeitbombe zu nähern, bei der man nur das Ticken des stetig herunterratternden Countdowns hörte, nicht aber feststellen konnte, wie weit die Explosion noch entfernt war. Vor allem natürlich, wenn sich das grausam hohle Geräusch inzwischen zu einem derartigen Stakkato gesteigert hatte, dass es schwer geworden war, die einzelnen Töne komplett voneinander abzugrenzen, geschweige denn, sie zum Aufhören zu bringen. Wahrscheinlich würde sich selbst ein Entschärfungstechniker nicht mehr an diese Waffe heranwagen, selbst wenn die Leben von Menschen davon abhingen, weil die Gefahr, selbst ein Opfer der tickenden Maschinerie zu werden, deutlich zu hoch war. Es hätte vielleicht eine Person gegeben, die dessen mächtig gewesen wäre, die noch dafür hätte sorgen können, dass Seraphim nicht durchdrehte, dass er nicht demonstrierte, wie egal ihm Anstand und Regeln waren, wenn es darum ging, denen weh zu tun, die er verachtete, aber diese Person schwieg. Blickte sich um, bemerkte, dass sich etwas im Verhallten des Älteren verändert hatte, aber unternahm nichts dagegen, wahrscheinlich weil es keinen anderen Ausweg gab, als ihn einfach machen zu lassen. Souta war kein schlechter Mensch, er hatte die Skrupel, die der Dragonslayer schon lange nicht mehr hatte. Im Allgemeinen hatte er sich gut unter Kontrolle, aber es gab immer die Möglichkeit, dass er dermaßen gereizt wurde, dass er wieder in der Zeit zurück reiste, dahin, wo es keine Zivilisation gab, wo sich nur er und diese drei Kerle befanden. Der Atem des Weißhaarigen hatte sich nicht beschleunigt, war im Grunde genommen sogar ruhiger geworden. Dunkle Wolken schienen in seinem Geiste aufzuziehen, die bekannte Ruhe vor dem Sturm hatte eingesetzt, eine ganze Atmosphäre voller Aggressionen und Wut schien den Atem anzuhalten... wartete auf den ersten Tropfen des Gewitters... die Luft schien still zu stehen, als sei sie inmitten ihrer Bewegung erstarrt... wartete...
Und dann schlug der Schwarzhaarige zu. Seraphim wandte nicht einmal den Kopf zu ihm um, sondern starrte einfach weiter geradeaus, auch wenn ein wissender Beobachter in dem Moment, in dem das Einauge auf dem Pflaster aufschlug, gemerkt hätte, dass das der Funken gewesen war, der noch nötig gewesen war, um dem Gewitter freien Lauf zu lassen. Faszinierenderweise breitete sich ein Lächeln auf dem blassen Gesicht des Dragonslayers aus, wurde rasch zu einem Grinsen, während sich sein Kopf leicht schief legte und er danach zu Souta hinunter blickte. Oh, er blutete... rotes Blut klebte an seiner Wange, schien von ihm wegzufließen, der ganzen Szenerie in seinem Kopf einen neuen Anstrich zu verpassen, bis es schien, als habe sich ein Schleier vor seine Optik gelegt, der den Himmel unheilvoll trübte und aus dem Grinsen ein eindeutiges Zähneblecken machte. "Hat er dir weh getan?" Die Worte kamen leise, sanft, geflüstert, beinahe zärtlich, aber so eindeutig rhetorisch, dass er eine Antwort wahrscheinlich sowieso ignorieren würde. Tatsächlich drehte sich der Kopf mit den weißen Haaren nämlich mechanisch zu dem Schwarzhaarigen zurück, der wohl langsam zu begreifen schien, dass er sich gerade tiefer in die Scheiße geritten hatte, als er gewollt hatte. Aber leider kam diese Einsicht zu spät und selbst, wenn er sich auf Knien vor Souta geworfen und um Verzeihung gebettelt hätte, hätte er eh nichts mehr reißen können.
Eigentlich war Seraphim durchaus ein an Psychopathie grenzender Soziopath, anders konnte es wohl kaum zu erklären sein, dass er nach so einer Provokation seine aufgestiegene, konzentrierte, geballte Wut in einer schnellen, präzisen Bewegung seines rechten Armes gipfeln ließ, der nur durch den Aufwärtsschwung die Luft zum Sirren brachte, Staub aufwirbeln ließ, in den hölzernen Karren einschlug und die zwei auf ihm Hockenden zusammen fahren ließ. Die violetten Augen hatten sich geweitet, mit ein wenig Fantasie und gutem Gehör konnte man ein trockenes, kehliges Lachen hören... und mit einem Mal schien er wieder normal, seine Mundwinkel senkten sich, die Augen wurden schmaler, seine verkrampfte Haltung löste sich, sodass man einmal, noch ein letztes Mal den Menschen in ihm sehen konnte, bevor er einen scheinbar zu langen Satz nach vorne machte, die Arme um sich herumschleuderte, eine geradezu blitzschnelle Drehung um die eigene Achse vollführte und noch bevor er den Boden erreichte, die Hand ausstreckte und den Schwarzhaarigen am Kragen packte, mit einem Bein auf dem Boden aufsetzte und sich gut fünf Meter in die Luft katapultierte, um genau auf der Fensterbank im obersten Stockwerk stehen zu bleiben. Man konnte vielleicht an den wie lebendig wirbelnden schneeweißen Haaren erraten, dass es keinesfalls seinem überragenden Geschick geschuldet war, dass er dort oben stehen bleiben konnte, ohne aufgrund des zusätzlichen Gewichts, das er über dem drohenden Abgrund hielt, umzukippen. Eine Staubwolke war von unten heraufgestiegen, vom ehemaligen Karren, der nur noch in Stücken die Straße verzierte. Tiefe Schnitte waren im Holz zu sehen, als habe ein Riese mit mehreren Klingen gleichzeitig auf das Gefährt eingeschlagen, in tobender Wut, berserkerhaft, nur darauf aus, zu zerstören. Außer ein paar Schrammen war den darauf Sitzenden allerdings nichts passiert - noch nichts.
Der Schwarzhaarige jedoch war inzwischen erstarrt, wenn man von einem leichten Zittern seiner Beine absah, seines Körpers, von so ziemlich allem, denn er hatte nicht nur den Fehler gemacht, nach unten zu sehen, sondern auch, einen Blick in die violetten Augen zu werfen, die ihn so grausam durchbohrten, dass er sicherlich am liebsten gestorben wäre, wenn das schnell gegangen wäre. "Da du gerade sowieso nur rumhängst, hör gut zu..." Aus der Stimme des Weißhaarigen war jegliche Fröhlichkeit, jegliches Säuseln, das Melodische, was sie sonst zu begleiten pflegte, verschwunden, bis nur noch das missklingende Schnarren eine Grundlage für die tiefe Verachtung in seinen Worten bildete. "Wage es ja nicht noch einmal, ihn anzurühren." Noch waren die Worte ruhig, noch tat er ihm nicht weh, aber seine Finger juckten schon... "Wenn du noch einmal auf die blendende Idee kommst, Souta zu schlagen oder ihn auch nur schief von der Seite anzugucken..." Er lächelte. Machte den Mund zu. Blinzelte... und schlug den Mann mit aller Kraft gegen die Hauswand neben ihm, sodass sein Gesicht auf unerfreulichen Kollisionskurs mit dem Putz ging, ein ersticktes Stöhnen ertönte, "...werde... ich... dich... dermaßen... auseinander nehmen... dass... du... nicht mehr... weißt... welcher TEIL VON DIR WO HIN GEHÖRT!" In jeder abgehackten Pause dieses Satzes klatschte der aufgrund der schieren Höhe wehrlos gewordene Schläger gegen die Hauswand, bis die Stimme des Dragonslayers zu einem halben Brüllen anschwoll und er ihn ein letztes Mal zu sich hinzog, mit plötzlich unglaublich sanfter und zärtlicher Stimme ein "Verstanden?" in seine Richtung hauchte, mit einem hastigen, vollkommen eingeschüchterten Nicken belohnt wurde und immerhin ein paar Meter nach unten glitt, ehe er ihn die letzten Meter fallen ließ. Auf Stein war das sicherlich nicht angenehm, aber was kümmerte ihn es.
Unten angekommen, strich er sich die Haare aus dem Gesicht, atmete einmal tief durch und ging dann auf den Rothaarigen zu, um sich zu ihm zu hocken, ihm vorsichtig die Haare aus der Stirn zu streichen und mit äußerster Vorsicht die Hand auf die geschwollene und offene Wange legte. "Psst... es ist alles gut." Da war sein Lächeln wieder, ohne Hass, ohne Kälte, nur Wärme ausstrahlend, als erhoffe er sich, eben jene auch wieder in Souta zu entzünden.

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BeitragThema: Re: Yo ho und 'ne Buddel voll Rum   So 26 Okt 2014 - 22:26

"Du riechst wie ein Vanillekipferl, Souta-chan~" Immer wieder, einem Mantra gleich, rief sich Souta die tiefe, wohlig klingende Stimme Seraphims ins Gedächtnis. Er blickte zu ihm hinab, leicht lächelnd, strich mit der schlanken Hand durch die abstehenden Haare des Älteren, der seinen Kopf wie selbstverständlich auf seinem Schoß bettete und aus zufriedenen Augen zu ihm aufsah. Kurz darauf sollte er fragen, was der Weißhaarige für ihn empfand, und er antwortete ihm mit der Gewissheit, dass er - Itasa Soutanobu - der wichtigste Mensch in ganz Fiore für ihn war. Sein Gesicht war dabei so sanft, so liebevoll. Er umarmte ihn, fuhr seinerseits durch die leuchtend roten Haare.

Ein lautes Knacken, gefolgt von Geschrei, verriet, dass etwas geschehen war. Souta stieß ein leises Wimmern aus, schmerzbedingt, und zog die Knie an, um die Beine darum zu schlingen. Den Kopf legte er auf seine verschränkten Hände, öffnete das Auge. Die Dunkelheit zwischen Schenkeln und Bauch bewahrte ihn vor einem Anblick, den er nicht sehen wollte.

Mit geschlossenem Lid, bemüht, nicht zu lächeln, spürte er die kühlen Kacheln des Küchenbodens unter seinen nackten Schultern. Sein Atem ging betont regelmäßig, beschleunigte sich nur unmerklich, wenn in seinem vorgetäuschten Schlaf eine Hand über seinen Oberkörper strich. Irgendwann konnte er nicht mehr an sich halten, kicherte leise, öffnete das Auge und sah in einem Moment der Überraschung das Gesicht seines Schutzengels nur einen Zentimeter von seinem entfernt. Beide lächelten.

Heftig zuckte der Kettenmagier zusammen, als er Seraphim schreien hörte. Ein unterdrückter Fluch bohrte sich zwischen seinen Lippen hindurch, ihm wurde schlecht. Was, wenn er nun einen von denen umbrachte? Natürlich war er ein Dragonslayer, aber konnte man wegen soetwas nicht von der Gilde ausgeschlossen werden? Was, wenn es seine Schuld war, dass er so reagierte? Er war schon öfter geschlagen worden. Wieso hatte er es zugelassen...Das war alles nur seinetwegen. Weil er sich nicht zusammenreißen konnte, musste nun dieser Mann leiden. Er war ein Freund seiner Mutter, und ganz nebenbei vollkommen im Recht. Nach dem Tod seiner Schwester hatte sich Souta bei ihm ausgeheult, doch als er sein Zuhause verließ und nicht einmal ein einziges Lebenszeichen durchsickern ließ, war er für ihn gestorben, so wie Soutanobu für ihn selbst gestorben war, in dem Fluss ertrunken, in den er sich gestürzt hatte. Das verzweifelte Kreischen seiner kleinen Schwester jagte wie ein Elektroschock durch seine Gedanken. Es war immer da, jeden Tag, jede Nacht - aber nun war es besonders laut. Er fühlte sich, als wäre ihr Geist in seine Brust gefahren. Eiskalte Klauen schlugen nach seinem Herzen, griffen zu.
Plötzlich hob sich sein Kopf, schaute ganz direkt auf die Stelle, an der ein alter Freund einschlug. Sein Auge war offen, weiter geöffnet, als nötig gewesen wäre, aber er sah nichts. In regungslosem Zustand starrte er in die Leere, sein Geist hatte sich verabschiedet, zurückgezogen, um an den Fesseln zu zerren, welche das Monster namens Selbsthass eingesperrt hielten. Es begann an seiner Persönlichkeit zu nagen, er konnte es spüren. Mit scharfen Zähnen riss es Stücke aus ihm heraus, schüttelte die blutigen Fetzen. Langsam, angeschlagen, humpelte es Richtung Oberfläche, und er konnte nichts tun, außer den Mund leicht zu öffnen. Der Rothaarige blutete in seinen Mund, aber er bemerkte es nicht einmal. Taub, stumm, blind, gefühllos hockte er da, zusammengekauert wie ein kleiner Junge, reagierte mit keinem Wort oder auch nur der geringsten Bewegung darauf, dass Seraphim wieder zurückgekommen war und ihn berührte. Sein Auge richtete sich für einen Moment auf das Lächeln, schien jedoch durch ihn hindurchzublicken. "Ha ha...", machte er, seltsam hohl klingend, während sich sein Blick nicht von der Stelle abwandte, wo der nun bewusstlose Mann lag und von seinen Freunden umsorgt wurde. "Haha, Seraphim. Da wäre ich ja fast Schuld daran gewesen, dass jemand stirbt! Ist das nicht ulkig, was meinst du? Sobald ich in diese Stadt komme, sterben die Leute wie Fliegen! Vielleicht - vielleicht kannst du das bei mir auch machen, ja?" Seine Hand zuckte, schneller als man sehen konnte, dann war seine Nase plötzlich ein klein wenig schief und ergoss Blut über das immernoch zu einem leichten Lächeln geformte Gesicht. "Vielleicht sieht mich Mama ja! Mama? MAMA!" Irgendetwas war da durchgebrannt. Das war ihm schon viele Male passiert, aber immer war er allein gewesen, irgendwo, wo er sich an einen Baum fesseln konnte. Leider war es eine Schwäche vom großartigsten Menschen Fiores, dass er damit gar nicht klarkam, wenn er daran Schuld war, dass irgendjemand verletzt wurde. Zwar hatte er in den letzten Monaten getötet, geprügelt und ausgenutzt, was das Zeug hielt, doch da war er nicht er selbst gewesen. Er hatte Kabane-sama verfolgt, die vielleicht seinetwegen gegangen war, vielleicht gestorben. Er hatte ihr geschworen, sie zu beschützen, aber er hatte es nicht geschafft. Sie war irgendwo. Dann hatte er sich umgebracht. Und so sah er jetzt auch aus. Ein Mensch, der sich umbringen konnte, ohne mit der Wimper zu zucken. Der soviel Leid, soviel blankes Entsetzen in seinem Gesicht zeigte, dass sich die Menschen um ihn herum aufzulösen begannen. Er hörte eine klagende Frauenstimme, schien für einen Moment wieder in die Welt der Lebenden zurückzukehren, doch dann wurde diese leiser, immer leiser. Sie verschwand. Der Rotschopf biss sich auf die Unterlippe. Nach seinem gescheiterten Suizid hatte er einen alten Mann getroffen, der ihn gepflegt hatte. Für einen Zeitraum hatte er geschafft, über seinen Selbsthass hinwegzusehen, hatte sich befreit gefühlt. Aber er wusste, dass er einfach nur die Ketten verstärkt hatte, die diesen gehalten hatten. Und er war ein unbarmherziges Monster. Er kam immer wieder frei. Doch Souta hatte nicht geglaubt, dass der Beschützerinstinkt eines Anderen seinen Dämon entsiegeln konnte - nein, offenbar war es ein großer Fehler gewesen, so tief in das Herz von Seraphim einzudringen. Am Ende schadete er den Menschen in seiner Umgebung nur. Zurück zu den Ursprüngen hieß es nun. Wie war er gewesen, bevor er den Weißhaarigen kennen gelernt hatte? Es war ganz einfach, dieser Dunkelheit zu entkommen, die nach ihm griff. Reset! Absturz, Wiederherstellung des alten Systems!
Sein Herz pochte, als er mit den Schultern kugelte, so laut, dass er sich fragte, ob Seraphim ihn hören konnte. Ein breites, strahlendes Lächeln legte sich auf sein Gesicht, ehe er mit einem fröhlich, beschwingtem Satz aufsprang und sich fragte, wo nur das ganze Blut herkam. Oh, er hatte ja Schmerzen! "Sieh mal, Seraphim, wir haben komplett freie Bahn. Hat hier ein Sturm gewütet oder so?" Er näselte, stockte kurz, weil es so wehtat, und wandte sich dann wieder um, die Hände wie ein Zauberer wedelnd, um dann mit beiden Zeigefingern auf sein verquollenes Gesicht zu zeigen. "Yo, auch wenn ich glaube, dass es dir gefällt, der Schönere von uns beiden zu sein, wie wäre es, wenn du mit deiner magischen Hand der Welt den heißesten jungen Magier aller Zeiten zurückgibst? Danach sollten wir dann aber wirklich abdüsen. Schau, da oben ist ja sogar ein bisschen Putz abgebröckelt, meine Güte...!" Er kicherte, auf den Augen eine rosarote Brille tragend, die all das kaschierte, und wischte sich dann eine Schmerzensträne aus dem Auge.
Vielleicht war es aber auch nur ein Überbleibsel des echten Soutas, der verzweifelt gegen eine Aura aus Sternchen und Regenbögen anhämmerte, ehe das dunkle Monster ihn packte und mit einem einzigen Schnappen entzweibiss. Aber wer wusste das schon?

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BeitragThema: Re: Yo ho und 'ne Buddel voll Rum   So 26 Okt 2014 - 22:29

Oh Gott... was hatte er da angerichtet?! Man sollte ihn nicht falsch verstehen, es war ihm vollends egal, wie viele Karren er zerstörte, wie vielen Männern er das Gesicht einschlug, wie viele Leute dem zusahen und wie er anschließend wohl in deren Köpfen einzustufen war. Wenn er auf jemanden sauer wurde, rückte das alles in den Hintergrund, wurde unwichtig gegenüber seiner Rage und das schlimmste, was man wohl tun konnte, war, Souta anzugreifen. Direkt vor seinen Augen veränderte sich der Winkel, in dem die Nase des Rothaars von seinem Gesicht abstand, aber außer dass sich die violetten Augen des Dragonslayers auf ein Maximum weiteten und ein "Nicht...!" seinen Lippen entfloh, konnte er nichts tun... denn wie sollte er den Täter für diesen Schlag bestrafen, wenn es doch Souta selbst war, der sich geschlagen hatte? Was tat er da? Was passierte hier...? Wieder floss Blut, wieder schien die grelle Farbe sein Sichtfeld einzunehmen, seine Sinne zu betäuben, er roch das metallene Aroma des Lebenssaftes, aber er begriff nicht, was das alles sollte. Statt zu handeln, statt irgendetwas zu tun, stand er einfach nur da, die Arme schlaff an seiner Seite, ein einziges, großes, brennendes Fragezeichen auf dem Gesicht, wie ein Kind, das nicht begriff, was um es herum passierte, aber ahnte, fühlte, dass es schlimm sein musste. Hinter ihm rappelte sich stöhnend der Schwarzhaarige wieder auf, aber es interessierte ihn nicht, viel zu intensiv prasselten die eindeutig gestörten Worte des Rothaarigen auf ihn ein. Forderte er ihn da gerade auf, ihn...? Leicht öffnete sich der Mund des Weißhaarigen, kaum merklich schüttelte er den Kopf, setzte zu etwas an, aber schaffte es nicht, den Satz zu vollenden, starrte nur voll Entsetzen auf das kranke Schauspiel, das sich ihm bot. "Hör... hör auf damit...", stotterte er, mit gebrochener, leiser Stimme, kaum fähig, seine Zunge zu koordinieren, denn es tat so schrecklich weh, was er da sagte. Jedes Wort schien auf ihn einzustechen wie tausend Pfeile, brannte, schlug auf seine Sinne, als würde er ihn körperlich attackieren. Da stand er, versank in einer Art fiebrigem Selbsthass, den er, Seraphim, nur er, der unkontrollierte Idiot, ausgelöst hatte und schaffte es mit einer verstörenden Leichtigkeit, ihm ein so schlechtes Gewissen zu machen, dass er alles getan hätte, nur damit es aufhörte.
Und alles hieß alles. Wirklich alles. Es gab genau eine Person, die ihn dermaßen unter Kontrolle hatte, dass er sich nur auf ein Wort von ihr von einer Klippe werfen würde, die ihm körperliche Qualen bereiten konnte, indem sie ihm erklärte, dass sie schrecklich enttäuscht von ihm sei und in gewissem Sinne tat es nur noch mehr weh, als Souta plötzlich nach seiner Mutter zu schreien schien, denn das war ein wenig so, als halte man ihm einen Spiegel vor und ersetze ihn durch den einzigen Menschen, den er so sehr liebte, dass allein dessen scheinbar erdrückend schweres Unglück an seinem Herzen fraß. "Bitte... bitte hör auf...", stammelte er, immer noch entsetzt, fiel schließlich auf die Knie und umklammerte die des Rothaarigen, gerade als dieser so unglaublich abrupt wieder auf gute Laune umschaltete, dass die Falschheit des Ganzen wie ein Dolchstoß in seine Brust wirkte. "Bitte hör auf damit, es tut mir Leid, ich wollte dir nicht weh tun!... Es, es hat nichts mit dir zu tun, das ist alles meine Schuld, nur meine, ich habe das getan, weil... ich ein unkontrolliertes, sadistisches, ungehorsames Biest bin. Du bist an nichts Schuld. Bi-Bitte... wenn es dir hilft, dann schlag mich, tritt mich, es ist mir hundertmal lieber, als wenn du zu leiden scheinst und ich daran nichts ändern kann. Meinetwegen heile ich diesen Kerl sogar, es ist mir egal, nur bitte..." Was wollte er eigentlich? Er wusste nicht, wie er formulieren sollte, dass Souta aufhören sollte, ihm etwas vorzuspielen... dass er einfach fröhlich sein sollte, ohne dass er das Gefühl hatte, dass das alles so falsch wie sein Lächeln war. Hellviolette Augen blickten von unten zu ihm herauf, geweitet, verzweifelt, hoffend, dass das alles nur ein böser Traum war. Aber das war es nicht. Noch immer quoll Blut aus dem geliebten Gesicht, noch immer war da diese Falschheit, diese Maske, an die er sich zu klammern schien. Hatte das etwas mit seiner Mutter zu tun? Er hatte nach ihr gerufen... wohnte sie hier? Sollten sie diese vielleicht aufsuchen, damit sich das alles klärte. Aber er traute sich nicht, diesen Vorschlag zu machen, zu sehr hatte er Angst vor einer neuerlichen Reaktion vonseiten des Einäugigen.

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BeitragThema: Re: Yo ho und 'ne Buddel voll Rum   So 26 Okt 2014 - 22:30

Obwohl es Seraphim im Moment schrecklich ging, er seine Knie umklammerte und ihn anflehte, brachte das rein gar nichts. Der egoistische Souta, der nur seinen eigenen Willen kannte, dem die Gefühle anderer nicht interessierten, blickte erstaunt nach unten, verwirrt ob der stürmischen Reaktion des Himmelsmagiers. Ein Teil von ihm zerbrach mit einem leises Reißen, doch er kümmerte sich nicht darum und lächelte stattdessen, auch wenn es ihm wegen der Schmerzen immer schwerer wurde, nicht in einen Heulkrampf zu kommen, aus dem er vielleicht so schnell nicht mehr herausfinden würde. Warum fühlte sich der Ältere nun so schlecht? Hatte er ihn verletzt? Ja, Souta hatte einen psychotischen Schub erlitten, ein kurzes Durchbrennen sämtlicher Leitungen, aber das bedeutete doch nichts. Er war wieder der strahlende Held Fiores, das Sahnehäubchen auf der Menschheit, allzeit bereit, andere mit seiner Brillianz, einer undurchdringlichen Fröhlichkeit zu erleuchten. Mit einem Lächeln konnte er jede Traurigkeit fortwischen. Und obgleich sich sein Herz regte, aus seiner Brust zu drücken schien, während er die verzweifelte Bitte des Dragonslayers vernahm, lächelte er weiterhin, milde, keineswegs böse oder auf irgendeine andere Art von der Schrecklichkeit der Situation berührt. Der Kerl da, der an ihm hing, hatte seinetwegen einen Menschen verletzt, ja und? Kam vor, kam vor. Das Leben beinhaltete eben Auseinandersetzungen, nicht alle konnten so großartig sein wie er und jeder Konfrontation allein durch Geisteskraft und gutem Aussehen entflitzen, auch wenn Letzteres momentan etwas angeschlagen war. Dennoch hatten sie eine Quest zu erledigen, ja, und er hatte Hunger, wie Seraphim vielleicht hörte, weil er ihm das Gesicht so gegen die Mitte drückte. Der Kettenmagier hielt sich eine Hand unter die Nase, damit er nicht in die wuschelige weiße Haarpracht blutete, die andere streckte er in eben diese und beschrieb mit einem Zeigefinger fahrige Kreise darin, streichelte über den Hinterkopf des Bettelnden. "Shhhh", machte er, ruhig, sanft, so als hätte der Himmelsmagier geweint und nicht einfach nur nach Dingen gefragt, die er niemals tun würde. Mit Bestimmtheit löste er die Arme von seinen Knien, ließ die Hände bis zu den blassen Handgelenken emporgleiten und ging dann in die Hocke, so dass er ein klein wenig höher als Seraphim gestellt war, doch das war ja im Moment egal. Mit einem Auge, aus dem jeder Wahnsinn gewichen war, das einfach nur ein Soutaauge war, visierte der Gutaussehende eines seiner violetten Gegenstücke an, hob die Hand - mit der anderen strich er über die beiden Hände des Dragonslayers - und fuhr die Tätowierung auf dessen Jochbein nach. "Es ist okay. Du kannst mir nicht helfen. Ich bin dir dankbar, dass du mich beschützt, dass du mir das Gefühl gibst, wichtig zu sein, vielleicht sogar ein ganz klein wenig geliebt - wirklich dankbar. Aber das kannst du nicht heilen. Das kann niemand. Also reden wir nicht darüber." Mit einem blutverschmiertem, flüchtigen Kuss versiegelte er Seraphims Lippen, nicht neckisch, wie ein Freund, sondern bestimmt, vollkommen ohne Albernheit oder Spott. Es war ein Kuss - keine Umarmung. "Was du aber heilen kannst, ist mein Gesicht. Mach das wieder ganz. Außerdem bin ich dir nicht böse, Cyrus. Ich hab dich lieb."

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BeitragThema: Re: Yo ho und 'ne Buddel voll Rum   So 26 Okt 2014 - 22:32

Nein, Seraphim weinte nicht. Er weinte nie. Als er noch klein gewesen war, hatte er oft geheult, wegen der kleinsten Kleinigkeiten, weil er sich den Zeh gestoßen hatte, weil das Wetter schlecht war, es hatte immer etwas gegeben, das ihm die Tränen in die Augen getrieben hatte. Er war ein richtiges Weichei gewesen, aber die mit Abstand meisten Tränen hatte er vergossen, als seine ganze Persönlichkeit im Feuer unterging. Danach hatte er noch ein paar mal geweint, bis die Tränen für immer versiegt waren, nur dann und wann von puren Schmerzen hervorgelockt. Wem kamen nicht die Tränen, wenn er das Gefühl hatte, alle Knochen in seinem Leibe seien zerstört... aber selbst jetzt, wo er sich ziemlich schlecht fühlte, niedergestreckt von einem schrecklich brennenden schlechten Gewissen, glänzten seine Augen nicht einmal feucht. Er hätte trotzdem gerne geheult, einfach nur um die Bemerkung zu kommentieren, dass er Souta nicht helfen konnte, auch wenn er das dringende Gefühl hatte, dass dieser Hilfe brauchte. Trotzdem tat es gut, wie er ihn anblickte und er hätte sich gewünscht, dass der Kuss mehr Zeit in Anspruch genommen hätte, aber das war wohl unangemessen. Nun gut. Irgendwann würde er sich noch dafür revanchieren, es wieder gut machen, denn egal, was Souta sagte, war es doch seine Schuld gewesen. Er würde nie, nie wieder jemanden vor seinem Auge verletzen, wenn das die Konsequenz daraus war und wenn es um sein Leben ging. Nein... ein Lächeln schlich sich zurück auf seine Lippen, als er seinen Namen vernahm, seinen Vornamen, nicht den, den er meistens verwendete, wie so viele Andere. Eigentlich mochte er seinen Familiennamen lieber, aber er hatte seine Besonderheit eingebüßt, ganz anders, als wenn der Rothaarige ihn bei dem Namen ansprach, den nur so wenige kannten. Es war... etwas beinahe Intimes, Schönes, auch wenn er ihm das niemals sagen würde. Aber seine Nase sah wirklich unschön aus. Vorsichtig streckte er die Hand aus, ließ sie an den Hinterkopf des jungen Mannes fahren, hielt ihn fest und griff dann ohne ein weiteres Wort nach der verschobenen Nase, um sie mit einem Knacken wieder in die richtige Position zu richten. Um ihn am Wegziehen zu hindern, hatte er seinen Kopf von hinten fixiert, ließ allerdings gleich danach Mana in seiner Hand zirkulieren und legte diese beruhigend auf die blutenden Stellen in seinem Gesicht. "Du bist schon einer...", grinste er wieder einigermaßen auf dem Damm, bevor er sich vollends darauf konzentrierte, die Wunden zu heilen. Das war dieses mal ein bisschen schwerer, forderte mehr Aufmerksamkeit und ließ ihn vor allem erkennen, dass er sich irgendwann wohl darauf konzentrieren sollte, etwas in diese Richtung zu arbeiten. Eigentlich interessierte es ihn nicht, aber dieser Zwischenfall hatte ihm doch deutlich vor Augen geführt, dass Souta ein zerbrechliches Ding war, geistig wohl ebenso wie körperlich, ein verwundbares Etwas, das so schnell kaputt gehen konnte... und davor hatte er Angst. Ja, er, der eigentlich keine Angst vor irgendwas hatte, weil er sich dem einfach überlegen fühlte, hatte sogar schreckliche Angst, dass Souta etwas zustoßen könnte. Vielleicht würde das bedeuten, dass er sich wie ein Schatten an ihn hängen musste, um ihm vor allem übel zu bewahren, aber wie beschützte er ihn nur vor sich selbst?
Als die letzte Wunde verschlossen und das Gesicht des Rothaarigen zwar noch blutverschmiert, aber ansonsten in tadellosem Zustand war, hauchte er ihm mit schelmischem Unterton noch ein "Und keine Sorge, du sahst selbst mit kaputter Nase noch wunderschön aus~" ins Ohr und schritt dann voran, den zerstörten Karren hinter sich lassend. Hoffentlich gab es nicht noch mehr von Soutas offenbar schlechten Bekannten auf dem Schiff, immerhin hatte er keine Lust, sie einkerkern zu müssen, um sich ein paar schöne Tage machen zu können.

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BeitragThema: Re: Yo ho und 'ne Buddel voll Rum   So 26 Okt 2014 - 22:32

Ganz Recht: Souta war schon einer, ein ganz eigenes Kaliber Persönchen. Sozial nicht besonders wertvoll, dafür jedoch von einer Kuriosität, wie man sie wohl nur selten fand. Da schlug er sich spontan die Nase zu Brei, nur um sich Gedanken um sein Äußeres zu machen. Er tickte völlig aus, damit er im nächsten Moment wieder fröhlich und munter war, als wäre nichts gewesen, was die Sonne, die aus seiner Hintertür zu scheinen schien, auch nur im Entferntesten dämmen konnte. Sein ganz persönlicher Schutzmechanismus hatte dafür gesorgt, dass der Rothaarige sämtliche Dinge, die ihn emotional fertig gemacht hatten, beseitigte. Nun war er wieder der ununschuldigste Magier auf der ganzen Welt, flirtete mit blutüberströmtem Gesicht mit seinem weißhaarigen Schutzengel und streckte diesem nach vollzogener Heilung und Nasenkorrektur, die ihm einen Aufschrei entlockte, der sich gewaschen hatte und ihm kleine Schmerzenstränchen vom einsamen Auge weinen ließ, die Zunge heraus. Ja, Souta weinte ein bisschen, nachdem sein Gesicht wieder auf Vordermann gebracht war. Im Gegensatz zum weinlosen Seraphim hatte er kein Problem damit seine Gefühle zu zeigen, für ihn waren Tränen kein Ausdruck von Schwäche, sondern einfach nur dazu da, um Schmerz oder Trauer zu zeigen. Deshalb schämte er sich auch nicht, wenn er heulte, das war eben normal, so musste man ihn akzeptieren. Außerdem war es ja auch nur halb so schlimm, da sein persönlicher Heiler seine Nase wieder gerichtet hatte – wieso sich also weiter den Kopf darüber zerbrechen? Mit einem leicht gekünsteltem Lacher quittierte er dessen Aussage, er sähe auch mit schiefer Nase wunderschön aus, für ihn vielleicht, für alle anderen nicht, und folgte ihm dann im Schneckentempo. Ganz die Führung wollte der Rotschopf dem Himmelsmagier jedoch nicht überlassen, dafür war sein männlicher Stolz noch nicht genug verdrängt worden, also schloss er mühelos zu ihm auf und schob die schlanke Hand in die des Älteren. Was hielt dieser eigentlich davon, Händchen zu halten? War das zu emotional für ihn? Souta neckte damit ja vor allem seinen besten Freund und die Menschen in der Umgebung. War ja nichts Schlimmes daran, jemanden an der Hand zu halten...Zumindest nicht in seinen Augen.

Es dauerte nicht sonderlich lange, wenngleich es für ihn natürlich bei jeder Geschwindigkeit, die Seraphim aufbringen konnte nicht schnell genug gehen konnte, doch er beschwerte sich nicht, bis sie den Hafen erreichten, der zugegeben einen Großteil von Hargeon Town ausmachte. Das gluckernde Hafenwasser brachte einen verstärkten Schwall an salzhaltiger Luft mit sich, doch nun, wo er die Quelle sah, blieb es nicht nur bei einem kurzen Verziehen des Gesichtes. Mit leicht grünlichem Gesicht und einem schmerzhaften Verklumpen seines Magens zwang er sich, nach oben zu blicken, eines der Schiffe zu orten, welches sie mitnehmen könnte. Das war nicht unbedingt schwer, denn es schien nur eines zu geben, was in etwa die Kategorien erfüllte, die er an ein Kreuzfahrtschiff setzte. Während er sich verstohlen den sich spannenden Bauch rieb, der sich sowohl mit Angst als auch mit Unbehagen sehr zuverlässig füllte, betrachtete er einen Riesen unter den Wasserkreuzern: Es war weiß, hatte mehrere Etagen und lud dazu ein, seinen Urlaub darauf zu verbringen. Sicher war es unmöglich bei Betreten des Schiffes auch nur an Wasser erinnert zu werden, wenn man sich von allen Enden fernhielt, oder? “Wow, dort werden wir übernachten?”, fragte er dennoch und wies mit der freien Hand auf das Monstrum, welches aller Wahrscheinlichkeit zum Trotz über Wasser blieb. Dass Technik soetwas vollbringen konnte, ganz ohne Magie – schon interessant. Vielleicht würde es ja gar nicht so schlecht werden. So ein großes Schiff konnte ja nicht allzu sehr schaukeln! Und selbst wenn sie kämpfen mussten, so musste er sich eben einfach nur vorstellen, dass das Wasser ganz normaler Boden war. Kein Problem für den großartigsten Menschen Fiores! Wäre da nur nicht dieses beklemmende Gefühl ...

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BeitragThema: Re: Yo ho und 'ne Buddel voll Rum   So 26 Okt 2014 - 22:34

War es nicht genug, dass Seraphim der festen Überzeugung war, dass Souta hübsch war? Ihm persönlich hätte es gereicht, wenn er sich sicher sein könnte, dass Souta sein Aussehen als attraktiv einstufte. Das war nicht der Fall, also konnte er nur darüber mutmaßen, aber dann wäre ihm auch vermutlich egal gewesen, was die anderen von ihm dachten. Natürlich war es für ihn wichtig, dass er den Neid und die widerwillige Anerkennung seiner Mitmenschen erhielt, er ernährte sich bekanntlich ja auch vom Hass und der Missgunst, die seine Feinde gegen ihn verspürten, weil er einfach besser war. Was der Rothaarige von ihm dachte, war ihm allerdings wichtiger. Er hatte sich unwillkürlich so in den Geist des Dragonslayers geschlichen, dass viele Gedanken nicht mehr ohne einen Blick auf ihn möglich waren, wenn er bei ihm war, drehte sich auf eine angenehme Weise alles nur noch um ihn. Eigentlich stand Cyrus ja gerne im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, nach seiner Pfeife hatte alles zu tanzen, nichts war wichtig außer seinen Wünschen und seinen Bedürfnissen. Mit dem Einäugigen war er jedoch bereit zu teilen. Er war lange nicht so weit, dass er ihm gänzlich die Bühne räumen würde, er wollte nicht sein ganzes Leben nach ihm und seinen teilweise wenig reifen Vorstellungen ausrichten, aber er würde ihn trotzdem gerne fest darin integrieren. Er saß gerne neben ihm, streichelte durch seine Haare, lächelte über seine Sprüche - manchmal auch ein wenig abwertend, aber das war halt so seine Art - beobachtete ihn einfach nur. Es reichte ihm im Grunde zwar nicht, aber es war ein annehmbarer Kompromiss. Insofern blickte er zwar kurz erstaunt, vielleicht auch ein wenig erschrocken (aber nur im positiven Sinne...) zu Seite, als er auf einmal eine Hand in der seinen fühlte, aber griff sofort leicht zu. Seine schmalen Finger verschränkten sich gerne mit den dunkleren des Jüngeren und das Lächeln auf seinen Lippen wurde eine Spur wärmer, auch wenn der Blick der violetten Augen sofort wieder nach vorne, vielleicht sogar ein bisschen von ihm weg gerichtet war. Eigentlich war ihm Händchenhalten mit Sicherheit zu emotional, aber in diesem Augenblick hatte es doch primär etwas schönes, wenn auch mit einem leicht bitteren Beigeschmack versehen. Es war wunderschön, dass Souta das von sich aus angeboten hatte, aber noch schöner wäre es gewesen, wenn er sich hätte sicher sein können, dass das nicht wie die herausgestreckte Zunge zu nehmen war. Normalerweise hielten Liebespärchen sich so an den Händen, da war es für ihn, der er den Anderen liebte, recht bitter, wenn er wusste, dass das von dessen Seite nur eine Farce war. Das Wissen darum machte es ein wenig schwerer, den Moment einfach nur zu genießen, aber er gab sich trotzdem große Mühe, immerhin wusste er nicht, wann das wohl das nächste Mal vorkommen würde.
Das Schiff, das sie im Hafen vorfanden, war eindeutig nicht zu verfehlen und erfüllte das Klischee eines riesigen, luxuriösen Kreuzfahrtschiffes zur Gänze. Während Souta sich aber über die Größe freute, weil er da vielleicht nicht allzu oft an Wasser vorbei kommen würde (Sicher? Solche Dinger neigten bekanntlich zur Poolception…), kommentierte Cyrus das Ganze mit einem leichten Seufzen. Er sah da eher die Auswirkungen auf ihre Quest und war der Meinung, dass es schwerer sein würde, einen Ozeangiganten zu verteidigen, als eine kleine Nussschale. Der einzige Vorteil würde wohl sein, dass dieses Schiff sicherlich genug Sicherheitsschleusen eingebaut hatte, dass es nicht allzu schnell sank. Dafür hatte es natürlich auch eine deutlich größere Angriffsfläche, sollte man also auf es schießen – je nachdem natürlich, mit was für einem Kaliber. Damals, als sie einen seltsamen, gar grotesken Zeitsprung durchgemacht hatten, hatte er magische Kanonen gesehen, die so ein Schiffchen sicherlich mit einem dröhnenden Energieschuss pulverisieren könnten, aber die Wahrscheinlichkeit, dass Piraten einer solchen habhaft würden – gab es die überhaupt schon? – war dankenswert gering. Der Dragonslayer bekam nicht mit, wie sich Souta über den Bauch strich und wenn hätte er es sicherlich als erneutes Magengrummeln gewertet. Woher sollte er auch wissen, wie der Einäugige auf Wasser reagierte? Niemand konnte doch ebenso voraus sehen, wie er selbst mit einer Feuersbrunst zurecht kam… „Ja. Aber es wird sicherlich nicht ganz so einfach zu verteidigen sein. Ich denke, ich werde den Kapitän nach einem Plan des Ganzen fragen, dann kann ich mir wenigstens einen Überblick machen…“, meinte er noch, ehe die beiden auf das Schiff zugingen und er die Hand Soutas losließ. Vor dem Steg, der hinauf zum Deck führte, natürlich mit Treppen, hatte die Reederei ein kleines, weißes Häuschen aufgebaut, auf dem groß der Name „M.S. Voyager“ zu lesen war, ein nicht besonders kreativer Name, wenn man ihn fragte. Aber er wurde nicht dafür bezahlt, sie auf Marketinglücken hinzuweisen, daher würde er das nicht erwähnen. Eine kurze Schlange Passagiere wartete mit gezückten Fahrkarten davor darauf, einzeln abgefertigt und von den Matrosen willkommen geheißen zu werden. Wie erwartet, guckten die meisten ihn ziemlich grantig an, als er sich mit einem „Entschuldigen Sie, ich müsste da mal vorbei…“ an ihnen vorbei drängelte. Was erlaubte er sich eigentlich, wo er nicht einmal wie das sonstige Klientel des Schiffes wirkte? Auch der Matrose, der die Karten bisher genau unter die Lupe genommen hatte, wirkte unschlüssig, ob er ihm gleich eine reinhauen oder vorher noch fragen sollte, wo er denn Manieren gelernt hatte. Seraphim ließ ihm aber gar nicht erst die Zeit, sich für eines von beiden zu entscheiden, indem er die Begrüßung einfach selbst in die Hand nahm. „Hallöchen~“, trällerte er scheinbar bester und unschuldigster Laune, „Wir sind die bestellte magische Eskorte und würden dann gerne das Schiff unter die Lupe nehmen~“ Und da er wusste, dass in solchen Fällen immer nach einem Beweis gefragt wurde, schnappte er sich ungefragt Soutas Hemdsaum und zog ihn so weit nach oben, dass das rote Wappen deutlich sichtbar wurde.

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BeitragThema: Re: Yo ho und 'ne Buddel voll Rum   So 26 Okt 2014 - 22:37

Als Seraphim seine Hand losließ, tat sich unter den Füßen des Itasa ein kreisrundes schwarzes Loch auf, das ihn verschluckte. Er hing an einer zerklüfteten, steinigen Klippe und sein bester Freund trat ohne darüber nachzudenken auf die Hand, die er in stillem Leid ausstreckte, um sich zu halten. Das Gefühl, absolut allein und verlassen worden zu sein vermischte sich mit der nagenden Angst, die gerade seine Innereien durch den Hintern herauszuziehen gedachte, danach zu urteilen, wie sich sein Körper etwa ab der Mitte anfühlte und brachte den Rotschopf dazu, lautlos zu wimmern. Der Ältere drehte ihm den Rücken zu, also erlaubte er sich, mit einem verstohlenen Blick auf den Steg, der direkt über Wasser führte, noch ein wenig blasser zu werden, bis er sogar der Hautfarbe des Himmelsmagiers leichte Konkurrenz bot. Oh Gott ... Das konnte er nicht. Er hatte einen Igel verschluckt, der sich gerade in seinem Magen streckte und langsam durch seine Gedärme kroch. Aber er würde niemals zugeben, dass er Angst vor Wasser hatte. Das war absurd. Er war der großartigste Mann von Fiore, er hatte Angst vor nichts und niemanden - das waren nur schmerzhafte Erinnerungen, nichts weiter. Dennoch wusste er nicht, wie er jemals diese Treppen erklimmen sollte, ohne sich zwischendrin dreimal zu übergeben. Möglichst so, dass Seraphim davon nichts mitbekam. Vielleicht konnte er ja einfach hochrennen, so schnell er konnte? Da gab es nur das Problem, dass dermaßen hohe Geschwindigkeiten oftmals darin endeten, dass er sich nicht wirklich bremsen konnte. Und wenn er über das Deck hinausschoss und in fünfzig Meter Entfernung auf dem Wasser aufschlug wie ein Torpedo, wäre das deutlich schlimmer, da er unterging wie ein Stein. Wie der Stein, zu dem der im Speisewagen gegessene Reis geworden war, hart wie Stahl und mindestens genauso schwer. Hierbei half es nicht unbedingt, dass sein bester Freund offenbar unheimlich gut gelaunt war. Es war einzig und allein sein Glück, dass er selbst angeschlagen noch tausendmal schneller war als jeder andere Mensch in Fiores, so dass er keinerlei Probleme hatte, sich, auffallend still geworden, hinter dem Weißschopf seinen Weg zu bahnen. Zombieartig blieb er, die Augen auf das wabernde Wasser geheftet, neben dem Älteren stehen und wartete mit zu Pudding verwandelten Knien darauf, dass er sich irgendwo in einem Badezimmer einschließen durfte. Erst, als er Finger an seinem Hemd spürte, ruckte Soutas Gesicht wieder zurück in die Realität. Mit einem gequältem Lächeln blickte er an sich hinab. Aw, daselbe hatte er damals auch auf einer Quest gemacht. Mit Kabane-sama. Sie hatte ihn dafür in den Schnee gedrückt und mit einem Skalpell bedroht, woraufhin er ... Egal. Das war unwichtig. Er hatte das Gildenzeichen zu ihren Ehren an diese Stelle gepackt, Seraphim konnte das natürlich nicht wissen. Außerdem hatte er keine Probleme damit, sich öffentlich zu entblößen, was man sich vielleicht denken mochte. Allerdings hatte er gerade große Angst, große Schmerzen und fühlte sich im Allgemeinen nicht wohl genug, um auf dem Präsentierteller zu stehen. Andernfalls hätte er sich das Shirt für die Ladies vielleicht sogar ausgezogen und damit lachend über seinem Kopf gewedelt, doch nun wartete er lediglich einige Sekunden, bis der Matrose seinen Anblick in sich aufgenommen hatte, verzog dann das Gesicht und verschränkte die Arme dann vor seinem Bauch, der sich immer mehr anfühlte wie zu einer Acht verknotet. "Jetzt können wir durch, oder?", fragte er und spürte im selben Moment, wie sich eine erneute Welle an Übelkeit über ihn ergoss, weil er sich ausgemalt hatte, wie er den Weg dorthin hinter sich brachte. Wieso konnte er nicht in Panik verfallen wie jeder andere auch?! Wieso musste er sich so hundeelend fühlen, dass sich sein ganzer Körper mit allen Mitteln dagegen stemmte? Mit einer Hand stützte er sich unvermittelt am Geländer ab, welches zur Treppe des Verderbens führte, die andere drückte er irgendwo in die Nähe seines Magens. "Mann, ist mir schlecht..."

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BeitragThema: Re: Yo ho und 'ne Buddel voll Rum   So 26 Okt 2014 - 22:39

Spätestens, als er das Hemd des Rothaarigen hochgezogen, erstens weil er sicherlich nichts gegen diesen Anblick hatte und zweitens, weil sein eigenes Zeichen schwerer erreichbar war, bemerkte er, dass Souta irgendwie blasser geworden war. Da er vor nicht allzu langer Zeit den direkten Vergleich zwischen ihrer Haut gesehen hatte, konnte er sagen, dass sie eindeutig einen ungesund fahlen Stich erhalten hatte. Normalerweise war sie gebräunt und wirkte gegen die vornehme Blässe der seinen sogar noch dunkler, nun hätte man sie sogar als grünlich beschreiben können, zumindest was das Gesicht des Einauges anging. Seraphim blickte einen Moment hinein und wandte sich dann wieder dem Matrosen zu, ohne jedoch seine Gedanken den Ort wechseln zu lassen. Während der Mann irgendetwas sagte, das ihn nicht interessierte, kreisten sie unaufhörlich darum, was denn nun schon wieder mit Souta los sein konnte. Ihm schien es nicht gut zu gehen, aber nicht psychisch, wie gerade eben noch, sondern körperlich. Er sah aus, als sei ihm schlecht, wo es ihm gerade noch gut gegangen war - vielleicht war der Reis, den er im Zug gegessen hatte, schlecht gewesen? Immerhin standen sie noch auf festem Boden, sollte er an einer besonders aggressiven Form der Seekrankheit leiden, gäbe es keinen Grund, warum sie jetzt schon ausbrechen sollte - aber hoffentlich war das nicht der Fall, immerhin mussten sie fünf Tage lang ein Riesenschiff beschützen, das wollte er ungerne alleine tun müssen, weil der Andere sich nicht gut fühlte. Diese Sicht der Dinge wurde jedoch schnell wieder in den Hintergrund gerückt, denn viel wichtiger war, dass es Souta nicht gut ging. Ein etwas abwesendes "Jaja~" wurde in Richtung des Matrosen gemurmelt, ehe er sich mit dem Rothaarigen an ihm vorbei schob, der, an der Treppe angekommen, noch eine Spur grünlicher zu wirken schien und erklärte, dass ihm schlecht sei. Na bitte, das hatte er sich schon gedacht - nur warum? Er wollte nicht, dass es ihm schlecht ging, aber ihn nun einfach zu heilen, war auch keine dauerhafte Kur, also war Grundlagenforschung angebracht. "Also Souta-chan... nicht, dass grün dir nicht vortrefflich stehen würde, aber... neigst du zu Seekrankheit?", fragte er, während sich seine Hand in den auf einmal kalten und dennoch verschwitzten Nacken des jungen Mannes legte, langsam Mana hineinfließen ließ und die Übelkeit zu unterdrücken begann, "Das wäre ganz gut zu wissen, immerhin haben wir noch ein paar Tage vor uns... und es wäre nicht so schön, wenn du sie so verbringen müsstest." Mit sanftem Druck geleitete er ihn die ersten paar Stufen hinauf, den Blick starr auf das Profil des Rothaarigen gerichtet. Er sah wirklich elend aus, vielleicht sollte er ihm helfen. "Wenn du die Treppe nicht schaffst, kriege ich dich auch anders hoch.", meinte er leise und hauchte einen kleinen Kuss auf den Haaransatz des Anderen, während seine Hand weiterhin in seinem Nacken verweilte, "Du musst es nur sagen~" Tatsächlich war Souta wohl auf Rang zwei der Personen Fiores, die ihn dazu bringen konnten, etwas zu tun, indem sie ihn einfach darum baten. Auch wenn er sich wahrscheinlich eher nicht zum Affen machen würde, weil Souta Spaß daran hatte, war die Überwindung so einer Treppe doch wahrhaft ein Kinderspiel. Die Frage war nur, inwiefern Soutas Stolz es zuließ, dass er kutschiert wurde und ob die Heilung vielleicht schon ausreichte, um ihm den Weg zu erleichtern, sodass er nicht mehr auf seine Hilfe angewiesen war. Seraphim war schließlich nicht scharf darauf, unnötig viel Mana zu verschleudern, wenn es sein konnte, dass er sich noch mit raubeinigen Piraten herumschlagen musste, denn in einem solchen Fall war er ohne magische Energie komplett aufgeschmissen - vor allem, wenn der einzige andere Magier des Schiffes kotzend über der Reling hängen sollte.

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BeitragThema: Re: Yo ho und 'ne Buddel voll Rum   So 26 Okt 2014 - 22:41

"Es ist keine Seekrankheit, ich bin..."
Ja, wie sollte Souta das nun sagen? Eigentlich war es ja vollkommen unmöglich. Als kleiner Junge hatte er oft ganze Nachmittage damit verbracht am Hafen zu sitzen und das Meer zu bestaunen, in der Hoffnung, irgendwann die Silhouette eines Schiffes zu sehen, welches vielleicht seinen Vater wieder nach Hause bringen würde. Er war mit Suichuka, die das Wasser beinahe so sehr liebte wie ihn, sehr oft und ausgiebig am Strand und watete mit ihr durch das kühle Nass, welches sie so verehrte. Noch heute hallte ihr Lachen in seinen Ohren wieder, wenn er sich an sie erinnerte. Immer, wenn er an seine kleine Schwester dachte, so kam auch direkt und unweigerlich das Meer in seine Gedanken, ruhig und still - und dann eiskalt, vernichtend. Souta konnte gar nicht anders als mit Wasser in Berührung zu kommen, es war sozusagen sein Fundament, der Grundstein seiner Existenz. Aber es gab auch nichts, was ihm mehr Angst machte. So sehr er das Leben an sich liebte, wusste, dass ohne Wasser keine Pflanzen blühen, keine Tiere trinken und keine Wolken über den Himmel ziehen konnten, so eng schnürte sich seine Kehle, da er wusste, dass die Fluten unbarmherzig sein konnten, keinen Unterschied zwischen Gut und Böse machten, sondern alles fraßen, was in sie glitt, niemals gesättigt. Seraphim veräppelte ihn plötzlich wieder, indem er seinen Namen verniedlichte, ihn fragte, ob er seekrank war. Nein, es war nicht die See, die ihn krank machte, es war das, was sie tat, was sie bedeutete. Für den Rotschopf war es jedes Mal, wenn er zum Wasser sah, als schaue er dem Teufel selbst ins Gesicht, der, die Zähne bleckend, fordernd die Hand nach ihm ausstreckte. Seine Übelkeit quoll aus der Stimme in seinem Gedanken, die sich unbarmherzig in seine Schläfen hämmerte: Wieso lebst du noch? Wieso bist du nicht gestorben, wie du es verdient hast? Soutas wandte den Kopf, blickte zu Seraphim, der eine Antwort erwartete und mit ihm die Treppen erklomm, ganz langsam. Die Übelkeit zog sich langsam zurück, doch das milderte nur die körperlichen Auswirkungen des Meeres. Es lenkte ihn vor allem nicht davon ab, wie mies er sich dabei fühlte, auf dieses Schiff zu gehen. "Ich - Ich habe Angst." Souta streckte die Hand aus, stützte sich am Oberarm des Älteren und blickte stur geradeaus. Eingekeilt zwischen dem Halt des Geländers und dem seines besten Freundes machte er einige wacklige, aber entschlossene Schritte. Nein, getragen werden musste er sicher nicht. Er hatte Seraphim schon genug Probleme gemacht. Es war lächerlich. "Ich bin in meiner Kindheit fast ertrunken, deshalb fürchte ich mich vor dem Wasser. Außerdem ... Es ist in diesem Wasser jemand verloren gegangen, den ich sehr geliebt habe. Auf dieses Schiff zu steigen und Spaß zu haben ist, als würde ich auf ihrem Grab tanzen..." Mit dem Zusammenpressen seiner Zähne traten Soutas Wangenknochen leicht hervor, dann gab er sich und seinem Körper einen Ruck - und stand etwa eine Sekunde später leicht schnaufend am oberen Ende der Treppe, wandte sich um und lehnte sich an den Reling. Puh. Einfach hier warten, bei Seraphim einhaken und sich in ein Badezimmer befördern lassen. Er wollte seinen Magen leer haben - dann ging es ihm sicher besser. Außerdem musste man sich ja nun wirklich nicht wegen jedem Mist heilen lassen! Wer war er - eine Maid in Nöten?

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BeitragThema: Re: Yo ho und 'ne Buddel voll Rum   So 26 Okt 2014 - 22:42

Cyrus war sich nicht recht sicher, ob er ärgerlich sein oder Mitleid zeigen sollte, denn für beides hätte er seine Gründe gehabt. Die unverständige Wut in seinem Bauch kam wohl daher, dass er sich fragte, warum Souta einer B-Rang-Quest mit ihm zustimmte, die auf dem Meer stattfand (und das ganze fünf Tage), wenn er doch gewusst haben musste, dass ihm weder die Stadt, noch das Wasser besonders gut tun würde. Bis vor kurzem hatte er auch nicht angenommen, dass jemand wie der Rothaarige, der sein Leben so zu genießen schien, masochistische Züge an den Tag legen konnte und doch hatte er sich vor einigen Minuten eigenhändig die Nase eingeschlagen. Vielleicht war es ja an der Zeit, sich ein neues Bild der Dinge zu verschaffen, was aber blieb, war die Tatsache, dass Souta mit dieser Sache eindeutig ihre Quest gefährdete. Bei aller nicht vorhandenen Regelkonformität des Weißhaarigen, er konnte es nicht leiden, wenn man die Aufträge seiner Gilde sabotierte, da sie für ihn wichtig war, wenn auch nicht die Menschen, die ihr dienten. Es war die Idee, der Idealismus dahinter, der Wille, die Drachen zu verehren, das alles, was ihm wichtig war. Das wollte er nicht durch den Schmutz ziehen lassen. Mitleid war es jedoch auch, was er verspürte, denn auch wenn er keine Angst vor dem Wasser hatte, so war es eine weitere erstaunliche Parallele zwischen ihnen. Souta hatte Angst vor Wasser, weil er jemanden darin verloren hatte - Seraphim flüchtete vor Feuer. Es passte auf eine grausame Art zu ihnen, war Souta doch warm und hitzköpfig und Seraphim kühl und mit allen Wassern gewaschen, aber das erklärte Cyrus ihm nicht. Er gab seine Schwächen ungerne preis, nicht einmal der Person gegenüber, die er liebte. Das war zu riskant und gar nicht gut für sein Ego, weswegen er dieses Wissen einfach in Mitleid umwandelte und beschloss, dass er ihn nicht dafür ausschimpfen würde, dass er ihm das nicht vorher gesagt hatte. Da würde er sich eben mehr anstrengen müssen, um das Defizit zu beseitigen, das Souta darstellte - als Kompensation hatte er dann eben diesen. Hoffentlich würde er nicht die ganze Zeit kotzen... das war ihm nämlich zu unappetitlich. Bevor er jedoch irgendetwas sagen konnte, war Souta verschwunden und tauchte oben an der Treppe wieder auf, was ihn kurz überrascht zu ihm auf blicken ließ, ehe er die Treppen ebenfalls erklomm, wenn auch in aller Ruhe und ohne sich zu hetzen. Selbst wenn er das tun würde, er würde nicht einmal halb so schnell wie Souta werden, also musste er sich die Blöße auch gar nicht erst geben. Oben angekommen blickte er sich um, atmete tief durch - er liebte Meeresluft einfach - und trat dann zu Souta hinüber. "Weißt du, ich glaube nicht, dass diese Person gewollt hätte, dass du dich deswegen grämst.", murmelte er mit sanfter Stimme, ohne zu wissen, wen er damit meinte, ob das wohl zutraf, aber es war jedenfalls netter, als wenn er ihn in seiner schlechten Stimmung noch bestärkte. Es konnte zudem gut sein, dass das zutraf, immerhin würde er auch nicht wollen, dass sich jemand über seinen Tod aufrieb, wenn er diese Person gemocht hatte. Verluste waren immer schlimm, aber man musste sie verarbeiten. Seraphim beispielsweise hatte seine Eltern verloren, aber es war nicht das, was ihn am Feuer störte, er hatte zudem noch seine ganze Vergangenheit eingebüßt, das und die Tatsache, dass er tot gewesen wäre, wenn ihn eine gütige Drachin nicht gerettet hätte. Ihm war es inzwischen egal, dass seine Eltern gestorben waren, weil sie ersetzt worden waren, aber der Schock kam immer wieder, wenn er in die falschen Situationen geriet. Dennoch war er kaltherziger als Souta, dem das zu schaffen machen schien, aber er wollte nicht, dass es ihm noch schlechter als ohnehin ging. Dennoch musste er eine wichtige Frage stellen, auch wenn er sich sicher war, dass er sie nicht gerne hören würde. "Du kannst aber schon schwimmen, oder?" Sicher war sicher - auch wenn er hier ein empörtes Schnauben und die Antwort erwartete, dass das nun wirklich jeder konnte.

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BeitragThema: Re: Yo ho und 'ne Buddel voll Rum   So 26 Okt 2014 - 22:44

Souta war wirklich ein unverantwortlicher Questkamerad. Er hatte genau gewusst, dass sein Körper und sein Geist auf den Trip auf diese Weise reagieren würden, und dennoch hatte er die Dreistigkeit besessen, sich für den Auftrag zu melden. Es war ihm ganz offenbar nicht einmal im Traum eingefallen, all diese Hindernisse zu erwähnen, die unter Umständen das Leben der beiden Magier gefährden konnten. Die Gilde hatte sie für zwei Personen ausgelegt, das wohl nicht ohne Grund. Wenn einer von ihnen niedergeschlagen wurde, konnte schließlich der Zweite einspringen - so war es zumindest gedacht. Nur funktionierte das natürlich nicht, wenn besagtem Reservemann so schlecht war, dass er wie ein instabiles Vogelscheuchenskelett durch die Gegend wankte. Eigentlich war es aber auch an der Zeit gewesem, dass Seraphim merkte, was er in Wirklichkeit vor sich hatte: Einen egoistischen Mistkerl. Regeln kümmerten Souta nun einmal nicht. Es war ja so offensichtlich, dass er nur aus dem Grund diese Quest bestritt, weil sie einen Luxustrip versprach, bei dem er sich nicht anstrengen musste. Für eventuelle Komplikationen kam sein Schutzengel ja sowieso auf, er betrachtete ihn schließlich als eine Art privaten Heiler, der nur dazu da war, seinen eigennützigen Zwecken zu dienen. Im Ausnutzen war eine Person wie er, die andere spielend um den kleinen Finger wickeln konnte, ganz groß. Natürlich, wofür auch sonst hätte er sich solcher Tortur ausgesetzt, als für sich selbst?
Na ja ... Mit einem leisen Seufzer wandte sich der Rothaarige um, drehte dem Ozean den Rücken zu und lehnte mit der Hüfte gegen den Reling. Verstohlen wanderte sein Blick nach links, betrachte Seraphim. Der Himmelsmagier schaute ihn an, wie immer, als wäre es unmöglich, es nicht zu tun. Souta beobachtete den Älteren nur selten so direkt, so fasziniert. Es war ihm unangenehm sich im Anblick eines anderen Mannes zu verlieren, wie er es so viele Male bei den Körpern hübscher Frauen getan hatte. Es fühlte sich einfach falsch an. Vor allem, wenn die Matrosen und Gäste neben ihnen das Schiff betraten und ihnen einen kurzen Blick zuwarfen. Sie waren doch verantwortlich für diese Leute, oder nicht? Da konnten sie nicht einfach ... Quatsch, das war der falsche Ansatz. Den Rotschopf störte es sonst auch nicht, wenn er während einer Quest irgendein scharfes Mädchen angrub, wieso war es ihm dann geradezu peinlich, wie Seraphim ihn ansah, ihm sanft Trost zusprach? Er brauchte das doch gar nicht wirklich, er war ein Mann, verdammt! "Wahrscheinlich hast du Recht", murmelte er halblaut, während er seine abgekauten Fingernägel betrachtete und seufzte, als könne er deren unmöglichen Zustand nicht verantworten. Eine ziemlich vollbusige Blondine in einem engen Sommerkleidchen drängte sich an ihm vorbei, doch er sah sie nicht einmal an, als er ihr Platz machte. Was war nur los mit ihm? Er war nicht einmal traurig oder so ... Nein, im Grunde genommen fühlte er sich sogar recht gut, abgesehen davon, dass er gerne ein Badezimmer aufsuchen würde. Und doch, obwohl es ihn eigentlich überhaupt nicht interessieren sollte, was andere von ihm hielten - allen voran dieser Kerl da, der nur dazu da war um ihn zu unterhalten und zu heilen - verspürte er tiefe, nagende Schuld. Seraphim hatte ihn gefragt, ob er schwimmen konnte. Noch schwieg er, zu lange und zu betroffen, um die Frage als Ja beantwortet zu haben. Nein, er konnte nicht. Früher schon, eigentlich. Aber seit ungefähr zehn Jahren war es ihm unmöglich, sich in ein Wasser zu begeben, in dem man ertrinken konnte. Natürlich konnte er das so sagen, da war absolut nichts dabei - doch wie würde Seraphim es aufnehmen, wenn er dessen Frage verneinte? Wurde er ärgerlich? Souta hatte den Anderen gerade vorhin zornig gesehen, doch so würde das für ihn nicht ausfallen. Ihn zu schlagen war dem Weißhaar unmöglich, das wusste er, wie er automatisch wusste, dass der Himmel blau war. So lief das eben, im schlimmsten Fall enttäuschte er den Älteren also einfach nur. Bloß ... würde er das nicht aushalten. Auch diese Erkenntnis kam instinktiv, es war nicht einfach eine Ahnung, sondern richtiges Wissen. Genauso wie er wusste, wie man atmete, so wusste er, dass er es nicht ausstehen konnte, wenn Seraphim auch nur im geringsten Maße schlecht von ihm dachte. Dass er ihm so verzweifelt gefallen wollte ekelte ihn an, stieß ihn von sich selbst ab. Aber er konnte nichts dagegen tun. "Nein", sagte er also, in keinster Weise beschämt oder anderweitig schuldig, denn das brachte nun auch nichts mehr. Seraphim konnte man nicht einfach mit einem Schmollmund dazu bringen, ihm zu verzeihen, zumindest nicht vollends. Außerdem war er nicht nur sein kleines Spielzeug. Er war ein erwachsener Mann, er konnte sich vor seinem Teamleiter verantworten! Das war beleibe nicht das erste Mal, dass er Mist gebaut hatte! "Nein, kann ich nicht. Und du brauchst nicht anfangen dir Pläne auszudenken, wie du mich schützen kannst. Ich bin genauso gut wie du -ich bin geschickt genug, um auf ein feindliches Schiff zu gelangen, dort einige Männer auszuschalten und anschließend wieder zurück zu kommen. Ich bin schnell. Ich kann kämpfen. Vielleicht bin ich nicht so mächtig wie du und vielleicht bin ich auch angeschlagen, aber ich wusste, dass ich auf dieser Quest mit gesundheitlichen und mentalen Einschränkungen rechnen musste. Ich trage die vollen Konsequenzen für diese dumme Idee - wenn du mir dafür am Ende einen Malus in meiner Belohnung zusprichst, ist mir das egal." Nun kam der kompliziertere Teil. Immernoch leicht wankend packte er die Reling nun fester, wandte sich zur Seite um, damit er als leicht Größerer dem Weißen in die Augen schauen konnte. "Ich bin aus zwei Gründen auf diese Quest gegangen. Ich möchte, dass du mir zuhörst, ohne zu lachen." Er hob die Hand und streckte den Zeigefinger aus. "Grund eins: Du hast gesagt, dass du mich vermisst hast. Es war mir nicht wirklich klar, aber ich habe genau daselbe getan. Ich möchte Zeit mit dir verbringen, weil ich deine Gesellschaft schätze. Grund zwei: Ich bin mitgekommen, weil ich weder wollte, dass du hier verletzt wirst, ohne, dass ich den Mistkerlen in den Arsch treten kann, die das tun, noch, dass du mit irgendjemand anderem als mit mir fünf Tage auf diesem Schiff verbringst. Kapiert? Gut, dann können wir ja ...urp." Mit übermenschlicher Geschwindigkeit drückte er eine Hand auf seinen Mund, lief einen Hauch von Rosa an. Hatte er gerade...gerülpst? War das der krönene Abschluss auf seine große Ansprache gewesen?! Mann, diese Quest machte ihn echt fertig ... Konnten sie sich dann ihr Quartier ansehen, damit er sich auf das Bett stürzen konnte?

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BeitragThema: Re: Yo ho und 'ne Buddel voll Rum   So 26 Okt 2014 - 22:45

Souta konnte nicht schwimmen.
Damit erfüllte sich eine leise, nagende Furcht in seinem Hinterkopf, die auch als Teufelsanwalt bekannt war und immer das schlimmstmöglichste heraufbeschwor. Auch wenn er erwartet hatte, dass er natürlich wusste, wie er sich selbst über Wasser halten konnte, so hatte es dieses Stimmchen immer gegeben, das ihm aber auch noch andere Endzeitszenarien in blutigen Farben in den Kopf malte und weitestgehend von ihm ignoriert wurde. Dass der Rothaarige nicht schwimmen konnte, war natürlich vollkommen fatal. Sie würden sich bald schon mitten auf dem Meer befinden und dort unter Umständen auch angegriffen werden, was das Risiko erhöhte, einfach über Bord zu gehen. Bei einem solch hohen Schiff konnte man froh sein, wenn man den ersten Kontakt mit der Wasseroberfläche unbeschadet überstand, war das allerdings erst einmal getan, konnte man sich einfach schwimmend wegbewegen - wenn man denn schwimmen konnte, sank man wie ein Stein, starb im Allgemeinen recht schnell, weil der menschliche Körper nun einmal auf Luftsauerstoff angewiesen war und ohne nicht leben konnte. Wenn Souta derjenige gewesen wäre, der fliegen konnte, wäre das alles sicherlich kein Problem gewesen, aber gerade, wenn er aufs feindliche Schiff kommen wollte, musste er das Risiko eingehen, einfach herunter zu stürzen. Außerdem war der Rothaarige ein verdammt schneller Flitzer, dem Seraphim es zutraute, einfach zu übertreiben und über sein Ziel hinaus zu schießen, das ja unter Umständen die Reling sein könnte. Zusammen gefasst war es viel zu gefährlich mit jemandem auf einem Schiff herumzurennen, der keine Ahnung hatte, wie er sich im Wasser zu verhalten hatte. Auch seine Erklärungen brachten da wenig, natürlich konnte er das alles tun, natürlich konnte er kämpfen, aber darum ging es hier überhaupt nicht. Was genau brachte ihm eine erfüllte Quest, wenn er dafür ein so kostbares Leben riskieren musste? Nichts, ganz genau. Deswegen war sich Seraphim, der in seiner Gilde nicht nur für seinen hohen Frauenverschleiß, seine Arroganz und sein Lächeln bekannt war, sondern auch dafür, dass er jede Quest so hinbog, dass sie zur vollsten Zufriedenheit ausgeführt wurde, nach dieser ersten Aussage des Einäugigen eines bewusst: Sie würden diese Quest abbrechen. Es war zu riskant, zu gefährlich und der versteinerte Ausdruck auf seinem Gesicht sollte klar machen, dass er damit nicht komplett zurecht kam. Er erledigte ihm Anvertrautes gerne perfekt, aber Soutas Gesundheit war ihm wichtiger. Wäre das nicht eine so eherne Tatsache, hätte er nun sogar noch über die Anmerkung mit dem Malus bei der Belohnung gelacht - was interessierte ihn das denn? Souta konnte nicht schwimmen, eine Quest auf dem Meer war daher nicht möglich, er hätte das früher erfragen sollen. Dass er damit einige Passagiere in den Tod schicken könnte, war ihm gleich, aber er würde wieder umkehren, so ging das nicht. Zumindest war er sehr kurz davor, dass auch zu sagen, bis Souta fortfuhr und sein Kopf mit einem fluffigen Wusch~ leer war.
Souta hatte ihn vermisst.
Dieser Satz hatte in etwa die Wirkung von dreimal Geburtstag, Weihnachten und Ostern in einem und verwandelte das Gehirn unter den weißen Haaren in eine ähnlich geartete, aber vollkommen süße Substanz. Als habe man ihm Zuckerwatte implantiert, schien er innerlich auf einmal davon zu schweben, während alle negativen Gedanken, die ihn zuvor noch geplagt hatten, auf einmal unwichtig waren, bloße Schatten ihrer selbst, zu vernachlässigen, irrelevant... Nie würde er darüber lachen, niemals, er schmolz gerade eher zu einer zufriedenen Pfütze zusammen, als Souta erklärte, er schätze seine Gesellschaft. Dass der Dragonslayer die Anwesenheit des Einauges genoss, war ja schon Standard, aber dass das anders herum ebenfalls der Fall zu sein schien, gefiel Cyrus vielleicht sogar etwas zu gut. Von außen betrachtet hoben sich seine Mundwinkel wohl eher unmerklich, aber sein Inneres - und leider auch sein Magen, so wie sich das anfühlte - führte einen wahren Freudentanz auf. War es das, was man landläufig als Schmetterlinge im Bauch bezeichnete? Er empfand es ja eher als störend, wenn auch nicht nervig genug, als dass es ihn in diesem Zustand, der wohl eindeutig nicht steigerbar war, gejuckt hätte. Dass die Vollkommenheit dieses Moments ein Irrtum gewesen war, bemerkte er allerdings sofort, nachdem Souta geendet hatte. Er erklärte nämlich, dass er nicht wollte, dass er verletzt wurde, aber - viel wichtiger - mahnte er an, dass er nicht hatte zulassen wollen, dass sich Seraphim jemand anderes für diese Schiffstour schnappte.
Souta war eifersüchtig.
Himmel war das niedlich! Seine Lippen dehnten sich einen Moment noch breiter, ehe sie sich zu einem Schmunzeln verzogen - er überging den Rülpser einfach, der war ihm egal, immerhin war Souta schlecht - und er näher an ihn herantrat. Den Kopf leicht gekippt, näherte er die Lippen dem Ohr des Rothaarigen und hauchte "Bist du etwa eifersüchtig?~" hinein, mit einem neckendem, leicht spottenden, aber nichtsdestotrotz warmen Unterton. Er hätte ihn dafür nun auch gerne geküsst oder sonst etwas getan, aber wenn sie hier noch ansatzweise ernst genommen werden wollten, sollten sie das verschieben. Diese Frage, in Verbindung mit dem rosa Schimmer auf Soutas Wangen und der immer noch auf dessen Mund gepressten Hand, hätte sicherlich ein göttliches Bild für das entsprechende Publikum geliefert, Seraphim jedenfalls unterhielt es prächtig. Er fühlte sich blendend, irgendwo auf Wolke sieben dahintreibend - und der Gedanke, die Quest abzubrechen und Souta damit die Möglichkeit zu nehmen, mit ihm zusammen zu sein, war in weite Ferne entschwunden. Er konnte ihm doch keine so anbetungswürdige Bitte abschlagen... wer war er denn?

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