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 Die Prinzessin auf der Reise

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Emaru
Cheshire of Dusk
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BeitragThema: Die Prinzessin auf der Reise   So 26 Okt 2014 - 19:39

cf: BP Gildenhaus - Vor dem Questboard

Der Wald, den die beiden Magier durchquerten, war ziemlich winzig im Vergleich zu dem Garten, den sie betraten, kaum lag der Wald hinter ihnen. Das Grundstück war so gigantisch, dass Emaru kaum die beiden viel zu großen Hecken erkennen konnte, die es umrandeten. Was er nicht ahnte, war, dass diese hinter der Villa aufeinander trafen und so einen Teil der Außenmauer eines riesigen Irrgartens darstellten. Dem breiten, gepflasterten Weg zu dem großen aus folgend, waren ein Stück weit entfernt zwei kleinere Felder zu erkennen, auf denen Gärtner arbeiteten, die wahrscheinlich Privatangestellte waren. Ein Stück weiter wurde das Arbeitsklima augenblicklich aufgehoben, als die beiden an einem übergroßen Zen-Garten vorbei kamen, da von nun an hauptsächlich bunte Blumen und Bäume den Weg säumten. Und als Hobbygärtner, der er war, konnte Emaru mit absoluter Sicherheit sagen, dass nicht einmal die Hälfte der Blüten, die hier blühten, aus Fiore stammten. Die Familie, der er hier half, musste unglaublich reich sein... Wieso fiel dann das Budget so niedrig aus? Wie geizig waren denn diese Leute, dass sie, obwohl sie unzählbare Mengen an Jewel für Pflanzen aller Art ausgeben konnten, die Beschützer ihrer Nachkommen spärlicher bezahlten als eine Kirche einen Rattenfänger? Und ausgerechnet der gierige Emaru war in ihre Fänge geraten... Wie Natascha das mit der Bezahlung sah, wusste der Junge natürlich nicht, ihm jedoch ging es ziemlich auf die Nerven, nicht so viel zu erhalten, wie er (seiner Meinung nach) verdiente!
An der Villa angekommen, hatten die Magier das Recht, einigermaßen enttäuscht zu sein. Denn auch, wenn das Gebäude im Vergleich zu denen im Dorf wie ein Palast wirkte, so war der Eindruck, den der Garten erweckte, nur schädlich dafür. Nun standen die beiden nämlich vor einem Haus, das von der Größe her ihr Gildenhaus kaum überschritt nach einem Garten, der schätzungsweise einem Achtel von Oshibana Town glich. Eine stark übertriebene Schätzung, im Vergleich war die Villa jedoch so oder so ziemlich klein. Dafür sah sie sehr edel aus: Weiße Wände ohne den kleinsten Fleck, ein Muster sich nach oben rankender Rosen, das auf beiden Seiten neben dem Eingang in den Marmor gemeißelt und entsprechend bemalt worden war, und die Fensterbögen waren groß, geschwungen und ebenfalls schön verziert. Nachdem sie durch das Kaff Makogi hierher gekommen waren, war es mehr als unglaubwürdig, hier ein derartiges Gebäude zu finden, doch da sie hier eindeutig richtig waren, klingelte Emaru nach kurzem Zögern. Wie zu erwarten, wurde die Tür von einem Diener geöffnet, der sie mit ziemlich herablassendem Blick bedachte. Normalerweise hätte das Emaru gestört, nachdem er sich aber so sehr in der Wahl seiner Klamotten vertan hatte, konnte er es ihm nicht übel nehmen. Nachdem er mit wenigen, vor Scham genuschelten Worten und dem Vorzeigen seines Gildenzeichens sein Anliegen klar gemacht hatte, wurden er und Natascha hinein gelassen und in einen großen Raum geführt, in dem sich ein langer Tisch befand. "Bitte setzen sie sich", sagte der Butler rau, während er zwei Stühle in der Mitte der ihnen zugewandten langen Seite des Tisches herauszog. Der Dargin, der sich inzwischen wirklich mies fühlte - in einem edlen Haus hinter einem edlen Garten in einem edlen Raum, und das in Straßenkleidung - folgte der Aufforderung wortlos, und kaum hatte sich auch seine Begleiterin gesetzt, schwang auch schon eine große Tür auf und eine kleine, alte Frau gesellte sich zu ihnen. Sie setzte sich den beiden gegenüber, und Emaru musste innerlich zugeben, dass er trotz der runzligen alten Dame noch immer die am schlechtesten aussehende Person im Raum war; immerhin trug sie wirklich elegante Kleidung, die das bisschen Jugend, das ihr noch geblieben war, perfekt hervorhob. Nach einem großen Hoch am vorherigen Tag hatte er das zweit schlimmste Tief seines Lebens erreicht, zumindest nach dem jetzigen Stand.
"Guten Tag", ertönte die schwache, zittrige Stimme der Alten ihnen gegenüber. "Wenn ich richtig informiert bin, sind sie beiden die Magier aus Blue Pegasus, die meine Enkelin zurück nach Hause bringen sollen. Ich bin erfreut, sie in die Hände einer so hübschen jungen Dame und einem..." Sie pausierte kurz, und Emaru hätte schwören können, dass die Haut an der Stirn kurz noch einen Ticken runzliger wurde. "... Jungen mit so schönem Haar. Ich bin sicher, sie werden sich gut um meine kleine Amaya kümmern. Ryoki, wenn ich bitten darf..." Der Diener, der hinter den beiden Magiern stand, nickte und verschwand einige Sekunden später durch eine Tür, die exakt gegenüber der Tür lag, durch die die alte Dame hereingekommen war. Eine knappe Minute lang wurde es totenstill in dem großen Saal, geradezu erdrückend für Emaru, und das stetige Lächeln seines Gegenübers machte das nicht besser. Dann öffnete sich die Tür erneut, und diesmal trat ein Mädchen heraus, dicht gefolgt von Ryoki. Sie war ein Stück kleiner als Emaru, etwa so groß wie Natascha, hatte langes, schwarzes Haar und trug einen schwarz-weißen Kimono mit der Andeutung eines Blumenmusters darauf. Ihre Haut war, soweit möglich, noch bleicher als die des Zauberers und ihr eiskalter Blick passte zu ihren eisblauen Augen. Es ließ sich keinesfalls leugnen, dass hier nicht nur ein sehr reiches, sondern auch wirklich hübsches Mädchen stand - und ebenso wenig, dass sie offensichtlich kein sehr erträglicher Mensch war. Hätte Emaru für diese Annahme noch eine Bestätigung gebraucht, so wurde sie in dem Moment geliefert, als Amaya ihre dreisekündige Inspektion der beiden beendete, sich umdrehte und mit einer abfälligen Handbewegung tönte: "Mit diesen beiden werde ich so sicherlich nicht zusammen reisen! Ryoki, bring die beiden bitte zu ihren Klamotten!" "Jawohl, Kamagoshi-hime", antwortete der Diener sogleich und wandte sich dann an die beiden Magier: "Wenn sie mir bitte folgen würden..." Nun führte er sie ebenfalls durch die Tür, durch die Amaya zuvor eingetreten war, und sie kamen in einen langen Gang, dessen linke Wand mit Türen gesäumt war, während die rechte Seite aus einem einzigen, langen Spiegel zu bestehen schien. Am Ende des Ganges war eine prächtige Tür zu sehen, deren Betreten für unbefugte offensichtlich verboten war, doch hinein musste man überhaupt nicht sehen, um sie als Eingang zum Zimmer der jungen Dame zu erkennen. Sie wurden jedoch nicht einmal in die Nähe gelassen, Natascha sollte bereits durch die erste Tür treten, Emarus Platz war zwei Türen weiter. Kaum eingetreten, fand er sich in einem großen Raum wieder - im Vergleich zu seinem Schlafzimmer, nicht zum Rest des Hauses - und erkannte schnell, warum man ihn hierher geführt hatte: Auch in diesem Raum war eine Wand nicht mehr als ein großer Spiegel, und an einer - seltsamerweise billigen - Kleiderstange mitten im Zimmer hingen drei Anzüge, allesamt im selben schwarz-weiß-Stil gehalten wie der Kimono der Kamagoshi, bloß nicht ganz so elegant und mit einer auf der Brust angenähten "Marke"; diese Göre musste doch unbedingt zeigen, dass die beiden Gildenkameraden ihr untergeordnet waren. Dennoch konnte der Weißhaarige gerade nicht wütend auf sie sein, stattdessen zog ein Lächeln auf sein Gesicht, hatte er doch, wonach er sich schon seit gestern sehnte: Endlich etwas Gutes zum Anziehen. Daher stand er keine Minute später wieder vor der Tür seines Umkleideraumes und wand sich, den Butler wie die Marke ignorierend, vor dem großen Spiegel, der eine Seite des Ganges darstellte. Mit ein paar elegant tänzelnden Bewegungen und dem mehrfachen Streichen über seinem schlohweißen Haar genoss er seinen eigenen Anblick, der ihn schon so oft bezauberte und immer wieder überraschte. Beinahe schon verträumt, bemerkte er überhaupt nicht, wie Natascha ebenfalls wieder auf den Gang trat...

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Amelia
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BeitragThema: Re: Die Prinzessin auf der Reise   So 26 Okt 2014 - 19:41

Beim Betreten der Villa konnte sich Natascha nur beeindruckt umschauen, wer hier lebte musste großkotzig und arrogant sein. Doch nein, schon bei der Begrüßung durch die Hausherrin verflog dieser Eindruck, sie war freundlich, jedenfalls zu Natascha, denn als die Augen der Dame auf die Kleidung des weißhaarigen Finsternismagiers fiel, musste sie etwas stocken und über ihre Worte nachdenken. Nun gut, es war bestimmt keine Kleidung, die Emaru da hatte, die man auf einen großen Ball tragen würde, aber bei der Arbeit als Magier kam es doch eher darauf an, dass man sich bewegen konnte und sich wohlfühlte n der Kleidung. Die Kleidungschose wurde von der Erbin, die kurz darauf von dem Butler der Familie in den Raum gebracht wurde, wieder angefangen, sie weigerte sich allen Ernstes, mit den beiden Magiern zu reisen, wenn sie in dem Zustand blieben, den sie jetzt hatte. Bei Emaru konnte Natascha diese Bitte sogar ein wenig nachvollziehen, er wirkte wirklich etwas schmuddelig und abgekämpft, obwohl es für Natascha nach den Folgen von Schlafmangel aussah. Nichts desto trotz wurden sie vom Butler zu zwei Räumen geführt, in denen Kleidungsstücke hingen. In dem Raum, in den Natascha gebracht wurde, hing ein ärmelloses schwarzes Kleid mit kleinen weißen Stickereien, die denen auf dem Kimono Amayas ähnelten. Wenigstens haben sie meinen Kleidungsstil etwas getroffen, Schwarz ist zwar nicht meine Farbe, aber da das Kleid keine Ärmel hat, muss ich meine Handschuhe wenigstens nicht ausziehen. Nachdem sie sich umgezogen und ihre Kleidung sicher verstaut hatte, trat sie auf den Gang heraus und erwischte Emaru gerade dabei, wie er sich im Spiegel bewunderte. Er schien sie nicht zu bemerken, da er ungeniert weiter sein Spiegelbild betrachtete und sich wohl über sein Aussehen freute. In seinen neuen Klamotten sah er auch wirklich besser aus, als zuvor, das konnte Natascha nicht abstreiten, doch fand sie seine übertriebene Freude über seine neuen Sachen, doch etwas unangebracht. Sie konnte sich jedoch keine weiteren Gedanken darüber machen, da sie nun vom Butler wieder in den Salon, wo sie begrüßt worden waren, geführt wurden. Mit einem zufriedenen Grinsen wartete nun die junge Erbin auf ihre Begleiter und schien sich über die neuen Aufmachungen der Magier zu freuen. „So seht ihr schon angemessener aus, so kann ich mich mit euch sehen lassen.“ Von soviel Arroganz in nur einem Satz genervt, trat Natascha von einem Bein aufs andere und blies sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht, die sich beim Umziehen gelöst hatte. Danach folgte sie dem arroganten Mädchen aus dem Gebäude auf den Hof. Dort hielt sie die nächste Überraschung parat, ihr Gepäck, oder man sollte es besser ihren Umzug nennen, doch zum Glück sollte das getrennt verschickt werden und nur ein Schrankkoffer, mit extra anmontierten Rädern, sollte die kleine Reisegesellschaft begleiten. „Wo bleibt ihr denn, sind alle Magier so langsam?“ Schon jetzt reichlich genervt trottete Natascha zu der kleinen Zicke und begleitete sie vom Grundstück, der Koffer war offensichtlich Emarus Aufgabe. Womit habe ich das nur verdient, ich überlebe das nicht bis Marokkasu Town. Nun sollte der anstrengende Teil der Reise beginnen.

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Emaru
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BeitragThema: Re: Die Prinzessin auf der Reise   So 26 Okt 2014 - 19:43

Erst als der Butler die beiden wieder hinausführen wollte, bemerkte Emaru seine Partnerin. Sie trug inzwischen ein schwarzes Kleid mit ähnlichem weißen Muster wie sein Anzug und derselben Marke auf der Brust, und auch, wenn ihre vorherigen Klamotten schon elegant gewesen waren, so sah sie jetzt wirklich unglaublich aus. "Die Klamotten stehen dir, Natascha-san. Du siehst wirklich gut damit aus", komplimentierte er in der Hoffnung, dass sie auch etwas über ihn sagen würde. Er war dafür geboren worden, Anzüge zu tragen, es stand ihm einfach perfekt, weshalb er auch nur schwerlich den Blick von der Spiegelwand abwenden konnte, um in den großen Saal zurückzukehren. Dort trafen sie auch schon wieder auf die beiden Kamagoshi-Frauen von zuvor, und natürlich musste die junge Dame auch gleich etwas Überhebliches loswerden. Ihre Worte fand Emaru aber viel eher aufmerksam als arrogant, hatte doch endlich mal jemand seine schönen Kleidung erwähnt. Wenn diese Quest vorbei wäre, würde er noch die Marke abtrennen, und schon hätte er einen hübschen neuen Anzug. Sollte das Mädchen jedoch versuchen, ihm sein neues Kleidungsstück wieder abzunehmen, würde sie mit einigem Widerstand zu rechnen haben.
Bald ging es mit Amaya hinaus, um zur Reise aufzubrechen. Kaum hatten sie die Villa verlassen, fiel Emaru ein riesiger Stapel an Koffern auf, und nachdem er den ersten Schock überwunden hatte, fragte er sich, wie diese so schnell hierher gekommen waren. Wahrscheinlich befanden sich in diesem Haus mehr Arbeiter, als ihnen bisher begegnet waren, das war ihm klar gewesen, doch das überstieg dann doch seine höchsten Erwartungen. Diese waren aber auch nicht wirklich hoch gewesen, da er sich kaum Gedanken gemacht hatte, was das reiche Leben anging. Glücklicherweise stellte sich gleich heraus, dass die Magier nicht die ganzen Koffer schleppen mussten, sondern nur einen einzigen, der sich offensichtlich im Aufgabenbereich des Dargin befand. Leise seufzend schnappte er ihn sich und zog ihn hinter sich her. Schwer war der Schrankkoffer schon, doch sich zu beschweren kam dem Zauberer momentan gar nicht in den Sinn, obwohl er eigentlich nur zum Schutz der Dreizehnjährigen angestellt worden war und nicht als Kofferträger. Nicht, dass das in irgendeiner Weise besser war... Vor allem, da er trotzdem Koffer schleppen musste. Er folgte den beiden Mädchen durch den gesamten Wald, der nur etwa halb so lang war wie der Garten und die Bezeichnung "Wald" eigentlich gar nicht verdiente. Kaum zurück in Makogi, wandte sich Amaya sogleich nach links, was Emaru ins Stutzen brachte. Mit ein wenig Mühe holte er auf und lief nun direkt neben ihr, den Kopf zu ihr gewandt, und erwähnte: "Entschuldige bitte, Amaya-san, aber der Bahnhof liegt in dieser Richtung." Dabei deutete er in die richtige Richtung, während sich auf ihrem Gesicht leichter Zorn ausbreitete. "Zuerst einmal heißt das 'Kamagoshi-sama'...", korrigierte sie ihn unhöflich, "Und zweitens fahre ich doch nicht mit dem Zug, wie jeder Bürgerliche es tut! Meine Kutsche wartet am Dorfrand!" Überrascht und leicht entrüstet starrte Emaru sie an. Er konnte gerade nicht sprechen, doch das dürfte auch nicht notwendig sein, um zu wissen, dass eine Reise mit der Kutsche mindestens viermal so lang dauerte, wie dieselbe Reise mit dem Zug. Besonders wenn man bedachte, dass Marokkasu Town ein ganzes Stück weit entfernt lag. Aber eine Kutsche war weit besser, als sich zu Fuß auf dem Weg zu machen. Auch wenn klar war, dass man als Begleiter einer reichen Dame wohl kaum laufen würde, musste man doch so denken, um nicht zu unglücklich über das Transportmittel zu sein.
Am Ende des Dorfes wartete neben der Straße - sollte man es denn als Straße bezeichnen - eine große Kutsche aus dunkelbraunem Holz mit schwarzer Maserung, deren Tür bereits offen gehalten wurde von einem sehr jungen Mann, der dieselbe Kleidung wie der Butler in der Villa trug. Als Amaya einstieg, verbeugte er sich und begrüßte sie mit einem einfachen "Kamagoshi-sama." Dann deutete er an, dass auch Natascha einsteigen sollte, begleitet von einem kurzen, leichten Nicken des reichen Mädchens. Der Dargin musste den großen Koffer allein auf das Dach der Kutsche hieven und dort festschnallen, und außerdem musste er auf dem Kutschbock mitfahren, obwohl im Inneren der Kutsche noch mehr als genug Platz für zwei weitere Leute war, die so groß waren wie er. Aber es war nur logisch, dass er hier draußen mitfuhr, immerhin war es unwahrscheinlich, dass eventuelle Angreifer plötzlich im Inneren auftauchten, sondern eher von draußen aus attackieren würden, und da war es besser, wenn sie bereits jemand am Eindringen hindern konnte. Der Fahrer setzte sich neben ihn, und schon begann die lange Reise...

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BeitragThema: Re: Die Prinzessin auf der Reise   So 26 Okt 2014 - 19:43

Die Abreise begann schon einmal passend, das verwöhnte Fräulein wollte nicht wie das einfache Volk mit dem Zug fahren. Natascha hatte an Zügen ihren Gefallen gefunden, ihre erste fahrt mit einem war ruhig und angenehm verlaufen, daher konnte sie sich nicht denken, warum Amaya Züge nicht leiden konnte. Sie könnte doch einfach einen Waggon für sich belegen, reich genug war ihre Familie ja, genau so wie es diese Kiriume getan hatte. Doch nein, sie mussten ja Kutsche fahren, doch als die Kutsche und die beiden Pferde in Sicht kamen, stieg Nataschas Laune ungemein, sie liebte es mit Pferden zu reisen, wenn sie früher in der Karawane Pferdedienst hatte, war sie immer bei der Sache gewesen und hätte nie daran gedacht den Dienst zu schwänzen, wie beim Kochen oder Feuer machen. Leider schien die kleine, verwöhnte Göre sogar diese kleine Freude für Natascha zunichte machen zu wollen, sie sollte allein mit Amaya in der Kutsche sitzen, während Emaru draußen auf dem Kutschbock sitzen durfte. Wie gerne hätte sie mit dem Finsternismagier getauscht und auch er sah nicht so aus, als würde er sich über seinen Platz draußen freuen. Innen war die Kutsche mit schwarzem Leder bezogen, in dem sich weiße Ornamente zeigten, eindeutig, die junge Erbin der Kamagoshi liebte Schwarz und Weiß. Die Sitze waren bequem, doch tröstete es Natascha nicht darüber hinweg, dass sie die nächsten Tage mit dem kleinen Gör verbringen musste, sie wollte versuchen auf irgendeine Weise mit Emaru zu tauschen oder wenigstens selbst aus dem Wagen zu kommen. Doch erst einmal musste die Reise beginnen, was sie auch sofort, nachdem sich Natascha dem Mädchen gegenüber gesetzt hatte, tat. Kaum waren ein paar Minuten vergangen, wollte Amaya auch schon reden, erst nicht mit ihnen reisen wollen, wegen der Kleidung und jetzt leichte Konversation, was dachte sie eigentlich? „Was stellst du mit deinen Haaren an, dass die so Silber sind, womit färbst du?“ Jetzt sollten Modetipps ausgetauscht werden, etwas wofür sich Natascha überhaupt nicht interessierte und was war das eben, färben? So ruhig wie möglich und auf Höflichkeit bedacht versuchte Natascha zu antworten ohne ihr gegenüber zu kränken. „Ich färbe sie nicht, Kamagoshi-sama, die sind natürlich silbern, ich weiß selbst nicht weshalb.“ Mit einem vielsagendem Lächeln drehte sich das junge Mädchen wieder von Natascha weg und schien fast loszuprusten. „Natürlich sind die natürlich so.“ Ich muss mich hier von einer verzogenen Göre beleidigen lassen, ich wünschte Emaru könnte mit mir tauschen. Doch noch musste Natascha ihre Situation ertragen und sie so gut wie möglich überstehen.
Nach einigen Stunden der Befragung durch die junge Kamagoshi, stoppte die Kutsche auf einer Lichtung mitten im Wald, wo sie genau waren, konnte die Eismagierin nicht sagen, doch, dass endlich Pause gemacht wurde, kam Natascha sehr gelegen. Sie sprang förmlich aus der Kutsche und trat zu Emaru und dem Kutscher. „Junge Frau, können sie kochen oder kennen sie sich mit Pferden aus?“ „Ich kann eigentlich beide Aufgaben übernehmen, natürlich nicht gleichzeitig.“ Klare Sache, der Kutscher musste sich um die Tiere kümmern, sollte aber auch für die Gruppe kochen, natürlich musste Natascha, hilfsbereit wie sie war, ihre Hilfe anbieten. „Gut, kannst du dich dann um die Pferde kümmern?“ Mit seinem Finger zeigte er danach auf Emaru und begann mit einem bittenden Ausdruck zu reden.“Und könntest du dich um Kamagoshi-sama kümmern?“ Trotz des bittenden Tons, den der Kutscher Emaru entgegenbrachte, zeigte sein Gesicht, dass es eher ein Befehl war, als eine Bitte. Doch das interessierte Natascha schon nicht mehr, sie wandte sich an die beiden Pferde, die die Kutsche gezogen hatten und begann sie zu pflegen. Das eine Pferd war ein pechschwarzer Rappe und das andere ein reinweißer Schimmel, sogar bei den Tieren musste auf das Farbkonzept geachtet werden, da fragte sich Natascha ehrlich, warum das Holz der Kutsche nicht schwarz lackiert worden war. Doch viel mehr als die Farbkomposition, die die junge Amaya am meisten schätzte, interessierte Natascha zwei Dinge, zum Einen, wie sich Emaru mit der kleinen Nervensäge schlug und zum Anderen, wann der Kutscher das Essen fertig haben würde. Solange aber nichts dergleichen eintraf, kümmerte sich Tascha eben um die Pferde und entspannte sich dabei etwas.

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Emaru
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BeitragThema: Re: Die Prinzessin auf der Reise   So 26 Okt 2014 - 19:45

Der Weg, auf dem die Kutsche fuhr, war recht ungemütlich für den Jungen auf dem Kutschbock, und langweilig war es ebenfalls. Auch der Kutscher wirkte unzufrieden mit seiner Situation, obwohl man zuvor nichts davon gemerkt hatte; er verstellte sich wohl, wenn Amaya dabei war. Verständlich, wenn man bedachte, dass sie ihn bezahlte. Zu einer Konversation zwischen den beiden kam es nicht, da keiner von ihnen einen Ansatz machte und sie stierten am Ende nur beide in die Gegend, der Fahrer auf der Straße und der Dargin zu den Bäumen zu seiner rechten. Pferde interessierten ihn überhaupt nicht, er hätte viel lieber mit jemandem geredet, und hier draußen bestand außerdem die konstante Gefahr, dass sein neuer Anzug ruiniert werden könnte. Wie gerne hätte er mit Natascha getauscht, würde im Inneren der Kutsche sitzen mit einem hübschen, wenn auch unausstehlichen Mädchen, und sich über Haare und Klamotten unterhalten. Das wäre für ihn weit angenehmer gewesen, Natascha hätte die Pferde bestaunen können, und so wären beide an der Stelle, an der sie sein wollten. Nur hatte man es genau umgekehrt und den beiden so auf egoistische Weise jede Chance auf ein bisschen Freude während der Fahrt genommen. Doch das reiche Gör war die Chefin, sie zahlte, sie bestimmte. Auch wenn sie zu wenig zahlte.
Nach etwa drei Stunden Fahrt, von denen Emaru die Hälfte verschlafen hatte, wurde die Stille vom Kutscher gebrochen, der Emaru auf die Schulter tippte, dann auf die Pferde zeigte und fragte: "Weißt du, wie man eine Kutsche steuert?" Nach ein paar Sekunden, in denen die Frage vom schläfrigen Verstand des Magiers verarbeitet wurde, schüttelte er den Kopf und erwiderte: "Nein, keine Ahnung. Aber ich kann es versuchen." Dabei streckte er eine Hand nach vorne aus, so dass er die Zügel entgegennehmen konnte, doch sein Gegenüber schüttelte nur stöhnend den Kopf und fuhr wortlos weiter. Offenbar war er etwas erschöpft von der Fahrt, konnte aber auch nicht zulassen, dass jemand, der nicht fahren konnte, seine "Kamagoshi-sama" fuhr. Nun ja, sie war die Chefin, sie durfte nicht verletzt werden, das wirkte sich negativ auf das Gehalt aus. Kein Wunder also, dass er sich dagegen entschieden hatte. Nun wollte der Zauberer die Stille aber nicht wieder Überhand gewinnen lassen und überlegte sich einen möglichen Gesprächseinstieg. "Amaya wirkt etwas verwöhnt... wie ist es, für sie zu arbeiten?" Nach einem leichten Stirnrunzeln und ein paar Sekunden erhielt er dann auch eine Antwort, auch wenn sie etwas unfreundlich ausgesprochen wurde: "Für dich heißt das immer noch Kamagoshi-sama! Und ich arbeite nicht für sie, sondern für ihre Großmutter. Ihr habt sie sicher kennengelernt, eine sehr nette Dame." Das bestätigte der Dargin mit einem kurzen Nicken, ehe er sich müde zurücklehnte und in den Himmel blickte. Die Sonne war schon weit nach unten gewandert, nicht mehr lange und der Sonnenuntergang würde bevorstehen. "In Ordnung... Aber sie haben doch sicher eine Meinung zu Am... Kamagoshi-sama?", fragte er, immerhin hatten sie nun ein Gespräch, da sollte er nicht aufgeben. Die nächste Antwort war auch schon um einiges freundlicher als die Vorherige: "Sie ist tatsächlich ein wenig verwöhnt, das ist nicht falsch. Aber man kann damit leben lernen." "Sollte man das? Immerhin sind wir auch menschliche Wesen, und sie behandelt uns wie ihr Eigentum." "Momentan sind wir genau das. Sie bezahlt uns, daher sind wir ihr Eigentum. Man hat die Wahl: Geld oder Freiheit." Emaru stöhnte auf. "Aber das ist doch kein Leben. Meine Arbeit ist nicht die eines Dieners, ich bin Magier! Ich löse Probleme und kriege dafür mein Geld!" "Macht dich das nicht zu einem besseren Söldner?" Diese Frage saß. Der Junge starrte den Kutscher an; wie hatte er so etwas nur sagen können? Nun ja, vielleicht, weil es stimmte. Wenn man ihn überhaupt als "Besser" bezeichnen konnte, nur weil er Magie beherrschte. Als er eine ganze Weile nicht antwortete, wechselte der Fahrer wieder das Thema: "Sie stellen Kamagoshi-sama wie eine grauenvolle Person dar, aber denken sie mal nach: Wären sie lieber bei ihr drinnen, oder hier draußen, wo sie nicht ist?" Der Kopf des Dargin hob sich wieder, und das resignierende Wort kamen über seine Lippen: "Drinnen." Dann hob er den Kopf wieder und blickte triumphierend sein Gegenüber an: "Eben! Ich wäre lieber drinnen, das ist offensichtlich. Und Natascha würde mit Sicherheit lieber hier draußen sitzen. Ihnen wäre das wahrscheinlich auch lieber..." Ein vielsagendes Lächeln bildete sich auf dem Gesicht des Jungen, ehe er fortfuhr: "Ihre Kamagoshi-sama hat uns so eingeteilt, dass keiner von uns glücklich ist mit dem Los, das er bekommen hat!" Nach einer kurzen Weile nickte der Kutscher langsam, dann sah er nach der Sonne, die das Land bereits rot einfärbte, und sagte: "Hier rasten wir die Nacht über."
Kaum hatten sie angehalten, hüpfte auch schon Natascha aus der Kutsche, während Amaya sich nicht die Mühe machte, ihr zu folgen. Kutschenführer-san verteilte auch sogleich die Aufgaben: Die Silberhaarige sollte sich um die Pferde kümmern, er selbst würde kochen, und Emaru sollte sich für die Zeit der Rast, zumindest bis das Essen fertig war, um die Kamagoshi kümmern. "Dafür werde ich nicht bezahlt", murrte er leise, begab sich aber dennoch zu der Seite der Kutsche, die seiner Kollegin als Ausstieg gedient hatte, und setzte sich hinein. Konbanwa, Kamagoshi-san. Ich hoffe, die Reise war bisher angenehm?", erkundigte er sich nach ihrem befinden, obwohl es ihn herzlich wenig interessierte. "Für dich noch immer Kamagoshi-sama! Und die Reise... Sie war annehmbar, ein wenig holprig, ansonsten gibt es jedoch keinen Grund zur Beschwerde." Für Emaru klang das, als hätte sie nur nach einem Grund zur Beschwerde gesucht, das äußerte er aber natürlich nicht. Das einzige, was schlimmer war als eine reiche Göre, war eine wütende reiche Göre. "Und dieses Mädchen, wie hieß sie noch gleich? Naja, das ist unwichtig. Auf jeden Fall will sie einfach nicht zugeben, dass sie ihre Haare gefärbt hat, obwohl das so offensichtlich ist!" Einen Moment zuvor noch müde und desinteressiert, setzte sich der Junge nun gerade auf und blickte die Kamagoshi direkt an. "Wie bitte? Natascha-san hat ihre Haare gefärbt? Das wusste ich überhaupt nicht..." "Du achtest nicht besonders auf die Menschen in deiner Umgebung, kann das sein? Es ist doch offensichtlich, dass so eine Haarfarbe nicht natürlich ist!" Einen Moment dachte er nach, irgendwie hatte sie recht. In seinem ganzen Leben hatte er noch keine silbernen Haare gesehen. Ja, mehrfach weiße, aber silbern? "Hm... sie haben wahrscheinlich recht, Kamagoshi-sama. Nebenbei bemerkt, ihre Haare sehen ebenfalls sehr gut aus." "Natürlich sehen sie gut aus!", sprach sie mit erhobener Nase, als wäre es kein Kompliment, sondern eine schief gelaufene Beleidigung wäre. Allerdings ließ sich erkennen, dass sie auch leicht rot wurde. Offensichtlich gefiel ihr, was sie hörte.
Als eine gute halbe Stunde später das Wort "ESSEN!" laut ausgerufen wurde, trat eine lachende Amaya aus der Kutsche, dicht gefolgt von Emaru, der sagte: "Aber es stimmt, sie trug ihre Haare außen blau und innen pink!" An der Stelle angekommen, an der der Kutscher bereits wartete, begrüßte dieser Kamagoshi-sama höflich und deutete auf eine Reihe von Tellern, die auf einem ausklappbaren Eichenholztisch standen. "Hier habe ich für sie Chawan-mushi und Sashimi aus Kobe-Rindfleisch." Dann wandte er sich nach einer kurzen Verbeugung um und sprach zu Emaru und Natascha: "Für uns gibt es heute Abend Misosuppe." So glücklich, wie er das sagte, gab es entweder nicht viel Genießbares für ihn, oder er verstellte sich wieder einmal für Amaya. In jedem Fall hatte Emaru kein Problem damit, jede Art von Pasta mochte er, warum sollte er sich also ärgern? Nur weil das reiche Mädchen mehr bekam als er? Nein, wirklich nicht, das wäre Neid, und es gab kaum etwas Stilloseres als Neid. Während des Essens lehnte er sich allerdings einmal zu Natascha hinüber, um mit ihr zu reden: "Ich habe mich wohl etwas geirrt, Kamagoshi-sama ist überhaupt nicht so schlimm, wie ich dachte. Man soll ein Buch eben nicht nach dem Einband beurteilen, was?" Dabei begann er zu grinsen, ehe er sich an etwas erinnerte und seine Kollegin noch einmal ansah: "Übrigens, deine Haare zu färben war eine geniale Idee. Sie sehen wirklich gut aus."
Als das Essen beendet war, baute der Fahrer mit Emarus Hilfe ab, während Amaya wieder in die Kutsche stieg, wobei sie noch eine letzte Ansage machte: "Ab morgen wird nicht mehr... ab morgen wird Emaru mit mir in der Kutsche fahren! Gute Nacht." Und damit schloss sie die Tür, während der eingeklappte Holztisch unter dem Kutschbock verstaut und zwei Isomatten und ebenso viele Schlafsäcke darunter hervorgeholt wurden. Der Kutscher erklärte: "Nachts über wird zu jeder Zeit einer von uns Wache halten müssen, daher brauchen wir nur zwei Schlafsäcke. Wir wechseln uns alle zwei Stunden ab. Ich bin den ganzen Tag gefahren, und Emaru sieht nicht so aus, als könnte er noch zwei Stunden wach bleiben, daher wirst du die erste Wache übernehmen, Natascha-san." Glücklicherweise geschah in dieser Nacht nichts, sodass die Reise am nächsten Morgen wieder fortgesetzt werden konnte.

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BeitragThema: Re: Die Prinzessin auf der Reise   So 26 Okt 2014 - 19:46

Nachdem Natascha mit dem Striegeln der Pferde fertig geworden war, gesellte sie sich zu den anderen, da der Kutscher gerade mit dem Essen fertig geworden war. Dass es endlich etwas gab freute Natascha, doch sollte die Realität diese Freude etwas lindern. Nicht, dass Natascha Misosuppe nicht mochte, doch leider war es sehr wenig und im Vergleich mit dem Mahl, das extra für Amaya gemacht wurde, wirkte die Suppe noch schmächtiger, als sie schon war. Mit knurrendem Magen schleppte sie sich zum Feuer und nahm ihre dürftige Schüssel Suppe entgegen. Schlürfend nahmen die drei Begleiter der Kamagoshi ihre Suppe ein, während das reiche Mädchen lustlos in ihrem Essen herumstocherte. Genießen sah anders aus, doch bevor Natascha unhöflich und von der werten Kamagoshi-sama angemacht werden würde, ließ sie es lieber bleiben und sagte nichts. Langsam führte Natascha die Schüssel mit der Suppe zu ihrem Mund und schlürfte den letzten Rest aus ihr heraus. Genau in diesem Moment lehnte sich Emaru zu ihr rüber und meinte, dass ihre Haare zu färben eine geniale Idee gewesen wäre. Erschreckt über diese Aussage verschluckte sich Natascha an den letzten Reste ihrer Suppe und musste husten bevor sie antworten konnte, in dieser Zeit huschte ein Gedanke durch den Kopf der silberhaarigen, jungen Frau. Diese kleine Göre, die denkt wirklich, dass ich färbe und dann tratscht sie das noch rum. Wenn ich die alleine erwische, nein, ich darf sowas nicht denken, sie ist zur Zeit der Boss, auch wenn es mir nicht gefällt. Gedanklich ballte Natascha schon die Faust und ihr Blick, den sie der nervtötenden Erbin widmete, sprühte förmlich Funken. Mit dieser Energie und wieder etwas Luft in den Lungen wandte sie sich an Emaru um ihm über seinen Fehler aufzuklären, dass sie dabei nicht so freundlich wirken würde wie sonst, verstand sich fast schon von selbst. „Emaru?“ Der böse Blick, der nur im Inneren Nataschas vorhanden war, schien sich sogar in ihrer Stimme widerzuspiegeln, als sie mit ihrem Missionspartner redete. „Meine Haare sind natürlich silbern, ich habe mir diese Farbe nicht ausgesucht aber wenn du der verwöhnten Göre dort glauben willst, bitte.“ Der Vorwurf schien überhört zu werden, jedenfalls zeigte Emaru keine sichtbare Reaktion, doch daraus machte sich Natascha nichts, aber um nicht als die böse Schnepfe zu gelten und ihrem eigenen Gerechtigkeitsgefühl genüge zu tun, flüsterte sie noch einmal in Emarus Richtung, so dass er es noch hören könnte, wenn er wollte, es aber nicht musste. „Sumimasen“ Danach hörte sie lieber den Anweisungen des Kutscher zu, der die Eismagierin als erste Wache einsetzte, damit war sie vollkommen einverstanden, so würde sie nicht zu früh aufstehen müssen und hatte dennoch einen ununterbrochenen Schlaf. Während Amaya in ihrer Kutsche zu Bett ging und sich Emaru und der Kutscher auf den Matten versuchten eine einigermaßen bequeme Position zu finden, kletterte Natascha auf einen Baum, von dem sie den gesamten Lagerplatz und einen Großteil des Waldes überblicken konnte. Diese Wachposition war günstig, da sie das Feuer nicht sehen konnte, da die Kutsche davor stand, so konnte sie nach nur kurzer Zeit im Dunkeln schon alles erkennen ohne vom Schein des Feuers geblendet zu werden. Doch diese Nacht sollte nichts passieren, nach etwa drei Stunden Wache, sie ließ die anderen lieber etwas länger schlafen, weckte sie den Kutscher, damit er die nächste Wache übernehmen konnte.
Am nächsten Morgen wurde Natascha unsanft geweckt, doch sie war froh darüber, die weiteren Tage der Reise außerhalb der Kutsche zu verbringen, vielleicht war Natascha kindisch, doch diese verzogene Göre wollte sie nur noch solange wie nötig aushalten müssen. Was bedeutete im besten Fall, würde sie sie nur während der Mahlzeiten sehen und ansonsten zwar auf die Kutsche aufpassen, aber keinen Kontakt mit der, ach so tollen, Kamagoshi-sama haben. Die Reise an der frischen Luft verbringen zu können, ließ die gestern noch so miese Laune Taschas schnell in Freude umschlagen. Da sie nichts anderes machen konnte, schlief Natascha auf dem Kutschbock ein, normalerweise wäre immer die Gefahr gegeben hinunter zu fallen und sich schwerwiegende Verletzungen zu zu ziehen, doch während ihrer Zeit mit der Karawane hatte Natascha eine eigene Technik entwickelt, um nicht vom Kutschbock oder einem Sattel zu fallen. Sie wusste eigentlich selbst nicht, wie sie es anstellte, möglicherweise war es Glück oder auch einfach Gewöhnung, doch es funktionierte und trotz des besorgten Blicks vom Kutscher schlief sie in aller Seelenruhe oben auf dem Kutschbock. Bis zum Mittagessen gab es keinerlei Zwischenfälle, sollte das die gesamte Reise so bleiben, wenn ja, wäre es bestimmt entspannend und relativ leicht verdientes Geld, wenn nicht, dann würde wenigstens Lebenserfahrung dabei raus springen oder Lebensgefahr, je nach Situation. Alles in allem dachte Tascha aber nicht an so etwas, sie fragte sich eher, was es zu Essen gab, als die Kutsche durch ein von Feldern bedecktes Gebiet holperte und sich ferne Berge zeigten. Die Mittagsrast wurde an einem Fluss gehalten und es gab frisches Kalbfleisch mit Reis, leider nur für Amaya, doch auch die einfachen Reisbällchen für sie, Emaru und den Kutscher, konnte Natascha genießen.

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BeitragThema: Re: Die Prinzessin auf der Reise   So 26 Okt 2014 - 19:47

Die Suppe, die sie bekommen hatten, schmeckte wirklich gut, auch wenn Emaru ein wenig auf das Essen des Mädchens schielte, für das er arbeitete. Als er Natascha seine Frage stellte, verschluckte diese sich an den letzten Resten ihrer Suppe und erklärte ihm erzürnt, dass diese nicht gefärbt, sondern natürlich silbern waren. Einen Moment lang blickte er sie erstaunt an, dann lächelte er jedoch und antwortete: "Tut mir sehr leid, Natascha-san, ich wusste nicht, dass das deine richtige Haarfarbe ist. Ich habe noch nie jemanden mit silbernen Haaren gesehen, daher war das, was Kamagoshi-sama sagte, ziemlich logisch. Natürlich wollte ich dir nicht zu nahe treten." Damit beendete er auch sogleich seine Suppe und grinste über die Entschuldigung des Mädchens. Gleich darauf wurde der Tisch abgeräumt, Amaya legte sich schlafen, und die Betten wurden aufgebaut. Die erste Wache sollte Natascha übernehmen, weil Emaru so müde wirkte... ja, das war nur logisch. Er war auch ziemlich müde, daher schlief er ein, kaum dass er sich darnieder gelegt hatte. Als er geweckt wurde, war es noch dunkel, geradezu finster. Bald fand er heraus, dass es nun fünf Stunden her war, dass er sich schlafen gelegt hatte. Eigentlich sollte die Schicht alle zwei Stunden wechseln, einer der beiden hatte ihm also einen Gefallen tun wollen. Wahrscheinlich Natascha, welchen Grund hätte der Fahrer gehabt, ihn zu schonen, wenn er eh wieder den ganzen Tag fahren musste? Es war eine kühle Nacht, der Wind tänzelte leise durch die Blätter, und der Mond war zurzeit ein Abnehmender Sichelmond, wie der Junge wusste. Zwei Tage noch, dann hätten sie ihre nächste Mondfinsternis vor sich. Das bedeutete, es war soweit, noch ehe die Quest endete. Ein gut informierter Feind würde diese Nacht mit Sicherheit für einen Überraschungsangriff nutzen, aber wer achtete schon auf Mondfinsternisse, wenn er ein reiches Mädchen entführen wollte? So saß der Dargin in Gedanken versunken da, an die Kutsche gelehnt und die Augen nach oben gerichtet. Sollte jemand kommen, würde er das schon hören, sein Blick gehörte jedoch dem Nachthimmel. So saß er volle vier Stunden da, ohne zu bemerken, wie die Zeit verging, bis die Sonne begann, die Sterne langsam auszulöschen. Erst dann ging er zu den Schlafsäcken hinüber, weckte seine Kollegin mit einem müden "Morgen, Tascha-chan..." und rüttelte dann den Kutscher wach. Nachdem einige Vorbereitungen getroffen waren, stieg Natascha mit dem Fahrer auf den Kutschbock, während sich Emaru nach hinten gegenüber der noch immer schlafenden Kamagoshi setzte. Erstaunlich geräumig war es hier drin, das sah man der Kutsche von draußen nicht an. Den schwarz-weißen Stil hatte man auch hier gehalten, und obwohl die Klamotten des Mädchens wie zuvor dasselbe Muster zierten, erkannte man auf den ersten Blick, dass es nicht dieselben waren. Es war zwar erneut ein Kimono, allerdings waren die Farben genau umgekehrt - schwarzer Stoff, weiße Blumen – und das Blütenmuster war auch nicht dasselbe. Eine Tasche sah er hier nicht, und den Koffer hätte sie schwerlich unbemerkt vom Dach herunter- und dann wieder hochhieven können. Dementsprechend mussten sich hier in der Kutsche Ersatzklamotten befinden, auch wenn er sie nicht sehen konnte.
Sie schlief noch eine ganze Weile, während die Kutsche bereits fuhr, und das führte dazu, dass auch Emaru in das Reich der Träume verfiel. Wie üblich träumte er nicht wirklich, doch er war weg, bis er die befehlende Stimme des Mädchens vernahm: "Emaru-kun, mir ist langweilig! Wach auf!" Tatsächlich funktionierte das, obwohl sie ihn dabei nicht einmal angesehen hatte, sondern überheblich aus dem Fenster starrte. "Entschuldige, was ist los?", murmelte er schläfrig, ehe sie ihr Gesicht zuwand und ihm einen Blick zuwarf, der geradezu ausrief, für wie blöd sie ihn gerade hielt. "Mir ist langweilig! Ändere das, dafür bist du hier!" "Eigentlich bin ich hier, um dich zu beschützen, nicht, um dir die Reise angenehm zu machen...", setzte er an, seufzte dann jedoch und entschuldigte sich. "Entschuldige bitte, Kamagoshi-sama. Natürlich werde ich dir liebend gern die Zeit vertreiben." Am Ende würde der Preis sicherlich ein wenig variieren, und je lieber sie ihn dann hatte, desto besser würde das Ganze für ihn ausfallen. Daher musste er von nun an Alles dafür tun, dass sie ihn mochte, selbst wenn es ihm nicht behagte. "Nun gut, worüber möchtest du gerne sprechen?", fragte er, sie freundlich anlächelnd. Sie dachte einen Moment lang nach, dann lehnte sie sich ein wenig vor und blickte ihm in die Augen. Ihre dunkelbraunen Augen sahen wirklich gut aus, und ihr Blick war schwer einzuordnen, irgendwie festigte sich keine spezielle Absicht. Zumindest für einen kurzen Moment, ehe sie sich entschied, ihn anzusehen wie einen räudigen Hund. "Ernsthaft, was hast du mit deinen Haaren? Ich meine, sie sind gepflegt, die Frisur ist gut und alles, aber die Farbe... Wie kann man nur weiße Haare tragen?" Das erstaunte ihn nun nicht nur, sondern verärgerte ihn ziemlich, allerdings schluckte er diesen Ärger erst einmal herunter, des Geldes wegen. Er blickte sie einen Moment lang an, ehe er antwortete: "Sie waren schon immer weiß, und ich bin zufrieden damit. Weiße Haare sehen wirklich gut aus." Damit lehnte er sich dann zurück, ohne den Blick von der Erbin zu nehmen. Das brach eine kleine Diskussion vom Zaun, darüber, welche Haarfarbe besser aussah und wieso weiß in Ordnung war, bis Amaya tatsächlich zugab, dass ihm das Weiß "irgendwie steht." Danach kamen kurz die silbernen Haare Nataschas zur Sprache, wobei in diesem Punkt Emaru schnell einknickte und sie glauben ließ, was sie wollte. Danach kamen noch ein paar andere Themen, die etwa alle zehn Minuten wechselten, bis das Gefährt stehen blieb. Offenbar war Mittagspause, aber bis sich die Tür öffnete und der Kutscher die beiden zum Essen holte, unterhielten sie sich noch ein wenig, inzwischen darüber, wie hübsch der Nachthimmel war. Und über die Mondfinsternis, die in der morgigen Nacht stattfinden würde. Es gab wieder gutes Essen, diesmal achtete der Dargin überhaupt nicht auf das, was seine Klientin aß, sondern nur auf das, das er selbst in den Mund bekam. Da Reisbällchen zu seinen Lieblingsspeisen gehörten, fiel ihm das auch ziemlich leicht und hob seine Stimmung stark an. Er entschuldigte sich erneut bei Natascha wegen der Sache mit den Haaren am Vorabend und folgte Amaya, als diese ihn in die Kutsche rief. Es dauerte eine Weile, bis sie sich wieder in Bewegung setzte, Und der Junge fragte sich, was Natascha und den Kutscher aufhielt, aber weder sprach er diesen Gedanken aus, noch ging er ihm nach. Allerdings hatte er momentan nicht viel zu tun, da die Kamagoshi momentan keinerlei Interesse an ihm zeigte, stattdessen blickte sie aus dem Fenster und schien über etwas nachzudenken. Das führte zu ziemlicher Langeweile seinerseits, weswegen er sich zu dem Türfenster auf der anderen Seite setzte und ebenfalls hinaus sah. Die Welt zog vorbei, auch wenn die Kutsche nicht besonders schnell war, und so langsam wurde er wieder müde. Bald darauf war er bereits eingeschlafen, Amaya ebenfalls, und lehnte an der Tür. Die Strecke, die sie fuhren, war inzwischen weit besser als die des vorherigen Tages, weswegen es auch so überraschend kam: Ein Schlagloch, wegen dem die Kutsche einen Ruck tat, der beide Insassen ein Stück nach links warf. Dabei öffnete sich die Tür, woraufhin Emaru auf dem harten Weg aufprallte und ein paar Meter weit wegrollte. Das Gefährt hielt auch kurz darauf an, und der Kutscher kam nach hinten gerannt und sprach aufgeregt mit Amaya. Wahrscheinlich entschuldigte er sich, doch der Dargin konnte ihn von hier aus nicht hören. Außerdem verschwamm seine Sicht gerade, und irgendwie fühlte es sich an, als würde etwas Flüssiges seinen Hinterkopf herunter zu laufen...

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BeitragThema: Re: Die Prinzessin auf der Reise   So 26 Okt 2014 - 19:48

Die mittägliche Rast war nicht lang, es war gerade einmal genug Zeit gewesen, um das Essen nicht einfach nur in sich hinein zu stopfen und sich etwas auszuruhen. Kurz bevor es wieder los ging, spülte Natascha noch schnell die Teller Amayas im Fluss ab, damit sie sich nicht darüber beschweren konnte, dass ihr Geschirr dreckig war. Diese Kleinigkeit hatte die Abfahrt etwas verzögert, doch wenigstens schrie die kleine Göre nicht sofort herum. Langsam stieg Tascha auf den Kutschbock und überließ es dem Kutscher das Tempo anzuschlagen, während sie sich wieder im Sitzen schlafen „legte“. So rumpelte die Kutsche los, die Fahrt über schlief Natascha, weshalb sie nicht bemerkte, dass die Straße besser wurde, doch wäre das vollkommen unwichtig für sie gewesen. Doch nach einigen Stunden Fahrt wachte das silberhaarige Mädchen auf und blinzelte verschlafen, dass ihr Aufwachen sie retten würde dachte sie bestimmt nicht zu diesem Augenblick. Denn kaum war die Müdigkeit verflogen blickte sie auf die Straße und erblickte ein tiefes Schlagloch, auf das sie zuhielten, hatte der Kutscher es etwa nicht bemerkt? Leider kam Tascha nicht mehr dazu, dem Kutscher etwas zuzurufen, denn schon holperte die Kutsche in das Loch und machte dadurch einen großen Satz nach links. Von der Erschütterung herumgewirbelt viel Natascha von der Kutsche, nur durch ihre schnelle Reaktion und ihre natürliche Geschicklichkeit, konnte sie sich noch an dem Kutschdach festklammern und hing, nur mit einer Hand, knapp über der Straße. Aus ihren Augenwinkeln bemerkte sie, dass etwas aus der Tür fiel, doch für Amaya war es zu groß, weshalb es wohl Emaru gewesen sein musste, kaum stand die Kutsche ließ sich die Eismagierin fallen und lief zu Emaru herüber, der sich nicht bewegt hatte, seit er zum Liegen gekommen war. Hinter sich hörte sie, wie der Kutscher sich bei Amaya entschuldigte. Wofür eigentlich, für etwas, dass immer mal wieder passieren kann? Oder dafür, das Emaru offensichtlich verletzt war? Dann sollte er sich doch eigentlich um den Finsternismagier kümmern und nicht um die verzogene Göre. Neben Emaru ließ sich Natascha auf die Knie fallen und sah sich die Wunde an seinem Kopf an, aus der das Blut förmlich raus sprudelte, es musste schnell etwas getan werden, doch dafür ausgerüstet war sie nicht. „Halte durch Emaru“ Der Kopf Nataschas drehte sich zu dem Kutscher und präsentierte ihm ein von Tränen entstelltes Gesicht. „Haben sie irgendwo Verbandssachen in der Kutsche oder etwas, dass man dafür benutzen könnte?“ Schnell ließ der Kutscher von Amaya ab, doch nicht ohne sie vorher noch etwas zu umsorgen, wer war denn hier verletzt? Nach wenigen Augenblicken kam der Kutscher mit einem kleinen, weißen Verbandskasten von der Kutsche in Richtung Emaru gerannt. Doch er brauchte lange, bevor er ankam, vielleicht kam es Natascha auch nur so vor. Deshalb führte Tascha langsam ihre Hände an die Wunde von Emaru und ließ ihr Mana hineinfließen, sie würde keinen vollständigen Eiszauber sprechen, das wäre für Emaru viel zu gefährlich und würde die Wunde nur noch stärker aufreißen. Ihre kühlen Händen bewirkten, dass Emaru sich etwas entspannt und sogar die Blutung etwas gestillt wurde, dass das keine Lösung war, wusste Natascha, doch zum Glück kam gerade der Kutscher und er kramte sofort das richtige Equipment für einen guten Verband hervor. Schnell umwickelte er den Kopf Emarus mit den Binden, während Natascha weiter mit ihrer Magie Kühlung brachte. Sogar Amaya schien jetzt neugierig, sie blickte Natascha über die Schulter und schien beeindruckt von der einfachen Arbeit an dem Verband, sie vergaß sogar zu nörgeln oder etwas anderes zu sagen, jetzt war sie ein einfaches Kind, das etwas beobachtete, das es noch nie gesehen hatte. Nach dem Natascha und der Kutscher Emaru notdürftig verarztet hatten, trugen sie ihn zur Kutsche und legten ihn auf ein der gepolsterten Sitzbänke. Amaya setzte sich ihm gegenüber und schien sich sogar um ihn zu sorgen, vielleicht war sie doch nicht so schlimm, wie Natascha dachte. Langsam kletterte Tascha auf den Kutschbock und zeigte dem Kutscher an, dass er sich zu Emaru und Amaya begeben sollte und sich um den verletzten kümmern sollte. Sie selbst würde die Kutsche fahren und gleichzeitig auch noch von außen Wache halten, jetzt wo Emaru erst mal ausfiel musste sie alleine arbeiten. Wenn der Kutscher Emaru etwas pflegen würde, würde er schnell wieder auf die Beine kommen, deswegen hatte sie ihn in die Kutsche geschickt, Amaya würde es wohl nicht schaffen sich richtig um ihn zu kümmern. Natascha schnalzte mit der Zunge und zog kurz an den Zügeln, kaum hatte sie dies getan setzten sich die Pferde wieder in Bewegung und holperten über die Straße. Sie musste ein Dorf finden und hoffen, dass ein Arzt dort lebte, doch zur Zweit war weit und breit nichts zu sehen. Langsam rumpelte die Kutsche weiter durchs Land und ließ viele Kilometer hinter sich.

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BeitragThema: Re: Die Prinzessin auf der Reise   So 26 Okt 2014 - 19:49

Nur verschwommen nahm er die Person wahr, die sich gerade zu ihm begeben hatte, er war allerdings überzeugt davon, Nataschas Haarpracht zu sehen. Er hörte, was sie sagte, wie so oft, wenn er müde war, kam die Bedeutung erst ein paar Sekunden später bei ihm an. Diese Müdigkeit war allerdings etwas anders als die, die er sonst immer fühlte. Darüber machte er sich allerdings jetzt lieber keine Gedanken, lieber konzentrierte er sich auf seine Partnerin. Zuerst hatte sie mit ihm gesprochen, dann mit dem Kutscher. Durchhalten sollte er also. Schwer war das nicht wirklich, auch wenn sein Kopf ganz schön schmerzte und diese seltsame Müdigkeit ihn fast übermannte, doch dem Tod fühlte er sich nicht einmal nahe. Er versuchte, sich aufzusetzen, gab aber auf, da ihm augenblicklich schwindlig wurde, und sagte einfach nur schwach: "Vielen Dank... Natascha..." Dann legte er sich hin, eine Hand auf seiner Stirn ruhend, und schloss die Augen. Das Licht allein brachte ihm das Gefühl, sein Kopf würde zerspringen. Allerdings hätte dieser Sturz dem jungen Magier sehr viel mehr Schmerzen bereiten können, dessen war er sich bewusst. Er hatte Glück, dass er weder Brüche noch Verstauchungen hatte - zumindest spürte er zurzeit keine - und mit ein paar Prellungen und einer Kopfwunde davon gekommen war. Diese wurde gerade auch gekühlt, wie, wusste er gerade nicht. Sein Zustand war nicht dafür ausgelegt, die Querverbindung zwischen "Eismagierin" und "gekühlter Kopf" zu bilden, daher entspannte er sich erst einmal und ließ es geschehen. Das nächste, das sich dauerhaft in seinem Gedächtnis verankern konnte, war das Bild des Kutschers und der Kamagoshi, die ihm gegenüber saßen. Der Höflichkeit halber wollte er sich aufsetzen, Kutschenführer-san verhinderte das allerdings und sagte dabei etwas, das er nicht verstehen konnte, während Amaya irgendwie erschrocken wirkte. Sieh mal einer an, sie empfindet Mitleid, meinte Shi bissig, während Emaru sich viel eher Gedanken darüber machte, dass Natascha wohl gerade fuhr. Da sie allerdings in einer Karawane gereist war, wahrscheinlich auch mit Pferden, machte er sich darüber keine Sorgen. Stattdessen führte er seine linke Hand an seinen Kopf, spürte den Verband und zog sie zurück, um eine leichte rote Färbung wahrzunehmen. "Na super", stöhnte er, "Meine Haare sind damit ruiniert." Dafür zog er sich ein paar leichtere Schläge Amayas ein, während sie laut und schrill ausrief: "Emaru, du bist so ein Idiot! Was denkst du eigentlich, was passiert ist?"
Irgendwann schlief der Junge dann auch ein, und während die Dunkelheit vor seinen Augen einem seiner seltenen Träume wich, in dem sowohl Amaya als auch Natascha vorkamen. Als er erwachte, stand die Kutsche und der leckere Duft des Abendessens wehte zu ihm herein. Leicht taumelnd stand er auf und ging langsam zu dem Platz, von dem dieser herrührte. Dort war der ihm bereits bekannte Holztisch aufgestellt worden, und seine Begleiter saßen allesamt daran. Er gesellte sich zu ihnen und lächelte: "Morgen Nacht ist es soweit, dann haben wir wieder eine Mondfinsternis." Die Kamagoshi warf ihm einen tadelnden Blick zu, lächelte dann aber und schob ihm einen Teller hin. "Hier, du bekommst heute etwas von meinem Essen." Kaum war diese nette Geste vollbracht, wurde sie auch gleich wieder zunichte gemacht: "Aber nur heute, weil ich dich geschlagen habe! Ab morgen isst du wie die anderen Arbeiter auch!" Dem Kutscher schien diese Bezeichnung nichts auszumachen, er war Derartiges mit Sicherheit gewohnt. Natascha war damit eindeutig nicht einverstanden, doch ehe irgendwelche Einwände kommen konnten, übernahm der Weißhaarige das Wort: "Keine Sorge, Kamagoshi-sama, mehr hatte ich gar nicht erwartet. Mir geht es übrigens wieder besser, wir brauchen also keinen Arzt aufzusuchen. Fahren wir einfach die geplante Strecke weiter, ohne unnötig Zeit zu verlieren." "Das hatte ich vor" war die einzige Antwort, die er darauf bekam. Trotz allem wurde ihm in dieser ereignislosen Nacht erlaubt, den Wachdienst zu verschlafen.

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BeitragThema: Re: Die Prinzessin auf der Reise   So 26 Okt 2014 - 19:51

Alleine die Kutsche fahren war für Natascha keine Herausforderung und es kam auch zu keinen weiteren Vorfälle, die die Reise noch weiter verlangsamt hätten, doch die Sorgen, die sie um Emaru hatte, schoben sich wie dunkle Wolken in ihre Gedanken. Gegen Abend hielt Natascha die Kutsche an einem kleinen Waldstück an, das direkt an den Weg grenzte, auf einer kleinen Lichtung stoppte sie und baute schon einmal vorsorglich das Nachtlager auf, doch nach wenigen Minuten kam auch der Kutsche aus der Kutsche und begann mit den Vorbereitungen für Amayas Essen. „Du fährst die Kutsche nicht schlecht, woher kannst du das denn?“ Die Frage des Kutschers überraschte Tascha, sie dachte, dass er nicht der Typ für Smalltalk wäre, so wie er sich die letzten Tage gegeben hatte. „Nun ja, ich bin fast zehn Jahre mit einer Händlerkarawane gezogen, da musste man schon mit den Pferden klarkommen und auch die Wagen fahren können. Wissen Sie, ich finde wir sollten Emaru heute beim Wachdienst außen vor lassen, ich würde seine Schicht auch übernehmen.“ Der Kutscher grunzte einmal und symbolisierte, dass sie die Wache gerecht teilen würden. Das war aber auch schon das Ende des Gespräches, also lag Tascha doch richtig, kein Interesse an einem Gespräch. Als das Essen fertig war, kam Amaya aus der Kutsche geklettert und setzte sich ohne ein Wort an ihren Tisch, dieses kleine Unglück hatte also auch etwas gutes, sie hielt sich mit ihren Befehlen etwas zurück. Gemeinsam mit dem Kutscher saß Tascha etwas abseits immer mit Blick auf Amaya, aber auch die Kutsche mit dem verletzten Emaru. Plötzlich kletterte der verletzte Finsternismagier aus der Kutsche und setzte sich, als wäre nichts geschehen an den Tisch. Er begann davon zu reden, dass in der nächsten Nacht eine Mondfinsternis stattfinden würde und er schien zu denken, dass etwaige Angreifer diese Nacht wählen würden, diese Theorie kam Natascha logisch vor, als sie mit der Karawane unterwegs war, wurden sie während Mondfinsternissen, Neumonden und bewölkten Nächten oft überfallen worden, es lag wohl daran, dass es nicht genügend Licht von den Sternen und dem Mond gab, was gute Deckung brachte. Gerade hatte er geendet und wollte etwas Essen, als Amaya mit einem Teller ihres Essens herüber kam und ihn vor Emaru hinstellte. Heute durfte er etwas von der Portion Amayas essen, doch sie stellte eindeutig klar, dass es sich um eine Ausnahme handelte, alles andere hätte Natascha auch gewundert. Der Wachdienst war die ganze Nacht über sehr langweilig, da nichts passierte, es war zwar gut für die Quest, aber es war dennoch langweilig. Gegen zwei Uhr in der Frühe weckte Natascha den Kutscher und schlief sofort ein.
Den nächsten Morgen hatte der Kutscher wohl eine Idee, denn er weckte Tascha und sprang schnell weiter zur Kutsche um sie Kamagoshi-sama, der Gedanke sie immer so nennen zu müssen schien Natascha nicht zu gefallen, zu unterbreiten. Nach einem kurzen Gespräch mit ihr kam der Kutscher wieder zu Natascha und begann sie zu etwas zu fragen, wobei es eher nach einem Befehl klang. „Würdest du nachts die Kutsche fahren und tagsüber schlafen, weil wir jetzt langsam in ein Gebiet kommen, in dem mehrere Räuberbanden und anderes Gesindel ihre Verstecke haben. Das heißt, dass du gleich schlafen darfst und wir dich zum Abendessen wecken. Kamagoshi-sama ist mit diesem Vorschlag einverstanden.“ Mit anderen Worten, wenn Natascha nicht machen würde, was sie verlangt, ist sie gefeuert. Ein tiefer Seufzer entfuhr Natascha, als sie der neuen Aufteilung mit einem Nicken ihr Einverständnis gab. So würden sie auch schneller in Marokkasu Town sein und sie wäre endlich frei von dieser Göre sein, nächstes Mal würde sie sich eine Quest suchen, die nicht so nervtötend werden würde, Personenschutz würde erst mal wegfallen. Schon schwang sich Natascha auf den Kutschbock, die Vorstellung schlafen zu können war einfach zu verlockend, kaum hatte sie eine einigermaßen bequeme Position gefunden, kam auch schon der Schlaf über sie.
Als sie erwachte färbte die untergehende Sonne den Horizont gerade orange und die wenigen Wolken am Himmel leuchteten blutrot, es schien fast wie ein schlechtes Omen und in diese Nacht würde die Nacht der Mondfinsternis sein. Die Kutsche stand, was bedeutete, dass es bald etwas zu essen geben und sie geweckt werden würde, doch sie stand schon jetzt auf und blickte auf den Lagerplatz, er war an einer Seite von Felswänden geschützt und hatte zwei Zugänge, die durch ein kleines Waldgebiet getrennt wurden. Der Platz war wohl abseits der Straße gelegen um es schwerer zu machen sie zu finden, wenigstens nahmen sie die Gefahr, die in dieser Nacht lauern würde ernst. Kaum war sie von der Kutsche heruntergestiegen, kam auch der Kutscher auf sie zu. „Wir ändern für heute Nacht nochmal den Plan, du bist ja jetzt ausgeruht, aber wir werden die Fahrt erst ab Morgen durchgehend am laufen halten. Bei dieser Mondfinsternis ist es zu gefährlich, du bist jetzt ausgeruht, das heißt, du wirst die ganze Nacht wache halten können und einer von uns beiden“, er zeigte auf Emaru, der schon viel besser aussah, und sich selbst, „wird dich dabei unterstützen, der andere liegt bei der Kutsche und wird bei Gefahr sofort geweckt. Kamagoshi-sama weiß nichts von der Gefahr, wir haben ihr gesagt, dass die Achse der Kutsche gebrochen ist und wir sie die Nacht über reparieren.“ Leicht verdutzt nickte Natascha und setzte sich an den Tisch, um endlich etwas zu essen, sie hatte schon das Mittagessen verschlafen. Solch einen Redeschwall hatte sie dem Kutscher gar nicht zugetraut, doch ihre Verwunderung machte schnell ihrem Hunger platz, der sie dazu brachte ihre Portion mit nur wenigen Bissen zu verschlingen. Danach begab sie sich sofort auf ihren Wachposten, den sie sich in einem Baum nahe der Kutsche errichtete, sie hatte von dort den Überblick über den gesamten Lagerplatz und die beiden Wege, die zur Kutsche führten. Die Felswand im Rücken war ein guter Schutz, da niemand, der jemanden entführen wollte, diesen Weg nehmen konnte, es war eben kein guter Fluchtweg. Sie machte es sich in einer Astgabelung bequem und beobachtete, wie sich Emaru und der Kutscher zu einigen versuchten, wer die erste Wache übernehmen sollte. Leicht belustigt von dem Schauspiel, wäre sie beinahe soweit gegangen eine Münze zu den beiden zu werfen und zu rufen, „werft eine Münze und dann hat es sich!“. Doch zum Glück hatte sie sich noch unter Kontrolle und beobachtete die beiden Männer bei ihrer Argumentation. Doch dann einigten sie sich doch und beide bezogen ihre Positionen, damit begann die Wache in einer der Nächte mit der höchsten Überfallwahrscheinlichkeit auf dieser Reise.

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BeitragThema: Re: Die Prinzessin auf der Reise   So 26 Okt 2014 - 19:52

Als Emaru am nächsten Morgen erwachte, sprach Natascha gerade mit dem Kutscher. Er konzentrierte sich darauf, die beiden zu verstehen, bekam aber nur mit, dass Natascha den Tag über schlafen sollte. Die seiner Meinung logische Schlussfolgerung war, dass sie die Fahrt in der Kutsche verbringen würde und er entweder draußen mitfuhr, oder der Kutscher den Tag allein verbringen musste. Was er nicht erwartete, war, dass sie sich auf dem Kutschbock ausruhte, doch genau das schien der Plan zu sein. Wenn sie das konnte, schön für sie, er selbst war inzwischen ebenfalls fähig, überall zu schlafen, die passende Übung dafür hatte er ja. Egal ob auf einem Kutschbock, einem schiefen Dach, an eine Wand oder ein Schild gelehnt, einmal hatte er es sogar im Stehen geschafft. Wie, wusste er nicht, aber es hatte geklappt. Sicher konnte man da natürlich nicht sein, er wusste bloß, dass er stehend eingeschlafen und ebenfalls stehend aufgewacht war, wie genau diese Zeit verlief, konnte er nicht wissen. Natascha jedenfalls schlief recht schnell ein, weshalb Emaru sich nach hinten zu Amaya gesellte, und schon bald fuhr die Kutsche auch wieder los. Er führte seine linke Hand zu dem Verband, der noch immer um seinen Kopf lag, und machte Anstalten, ihn zu öffnen, woraufhin sie ihn fragte, was er da mache. „Ich nehme den Verband ab. Mir geht es gut, und das Ding vernichtet bloß meine Frisur.“ Dass sie bis jetzt schon gar keine Form mehr haben konnte, fügte er nicht an, das musste ziemlich klar sein. Der skeptische Blick Amayas machte das deutlich, ebenso wie ihr Verbot: „Du wirst nicht diesen Verband abnehmen, er ist nur zu deinem Besten. Abgesehen davon sind deine Haare jetzt sicher rot und verklebt.“ Nach einem Moment des Überlegens nickte der Dargin kurz. Es gab keine schlimmere Haarfarbe als Rot, da hatte die Kamagoshi recht, und klebrige Haare wollte er auch wahrlich nicht vorzeigen. Das wäre eine Beleidigung ihm gegenüber, und Beleidigungen wollte er sich nicht gefallen lassen, geschweige denn selbst antun. Nein, dieser Verband würde vorerst bleiben, wo er war, so seine Entscheidung. Abgesehen davon war es sowieso eine dumme Idee gewesen, wenn man bedachte, dass die Wunde an seinem Kopf, aus der einst so viel Blut floss, nicht einmal genäht worden war. Wie auch, scherte sich das reiche Mädchen doch einen Dreck um ihre Angestellten, und das ließ sie ihn auch gerne wieder spüren: „Wenn du später mit blutendem Kopf und roten Haaren dastehst, wirst du mich schwerlich vor eventuellen Angreifern schützen können.“ Damit erhob sie wieder ihre Nase und fuhr fort: „Und jetzt ist mir langweilig, erzähl mir irgendetwas.“ Daher begann Emaru mit einem Stöhnen, dachte einen Moment lang nach und begann dann, den Fahrplan Oshibana Towns zu zitieren. Sehr bald unterbrach ihn die Kamagoshi und bat um ein spannenderes Thema – wobei bat sehr freundlich ausgedrückt ist. Das war für ihn dann doch etwas schwerer, aber bald fiel ihm doch ein Thema ein, und er schaffte es tatsächlich, Amaya über zwei Stunden lang mit einer Unterhaltung über diverse Haarfarben zu unterhalten. Dann gab es auch schon Mittagessen, und das Mädchen hatte keine Witze gemacht, als sie gesagt hatte, es war eine Ausnahme: Während des gesamten Essens sah sie ihn an, als würde er gierig auf ihr Essen starren – was natürlich nicht der Fall war. Natascha war nicht mit von der Partie, laut der Aussage des Kutschers sollte der Magier sie auch nicht wecken, da sie selbst sich für das Auslassen des Mahls entschieden hatte. Etwas stutzig machte ihn das schon, da er sich nicht vorstellen konnte, dass eine immer hungrige Person wie Natascha auf auch nur ein einziges mögliches Essen verzichten würde, er hinterfragte es allerdings nicht. Wenn es nicht wahr war, würde der Untergebene es nicht zugeben, und wenn doch, dann würde er höchstens seine Kollegin stören, und das wollte er nicht. Eine halbe Stunde später saß er wieder mit der Kamagoshi im Gefährt und die Fahrt ging weiter.
Eine ganze Weile und verschiedene Themen später hielt das Fahrzeug wieder an, und als Emaru es verließ, war Natascha auch bereits wach. Tatsächlich war sie nicht nur wach, sondern blickte sich um, als wollte sie den Platz des wahrscheinlichen Gefechtes bereits in- und auswendig kennen. Sie hatte gesagt, dass dies ihre erste Quest war, demnach musste sie bereits ziemlich gespannt sein. Vielleicht war sie aber auch einfach etwas aufgekratzt, nachdem sie den ganzen Tag geschlafen hatte. Das erwähnte auch der Kutscher, der sie deswegen in den Nachtdienst einteilte. Danach gab es Etwas zu essen, und so, wie die Eismagierin schlang, war es wohl doch nicht ihre Absicht gewesen, den Mittag auszulassen. Kommentare über die Lüge verkniff sich der Dargin aber, Missstimmung zu stiften dürfte eher unnütz sein, selbst wenn es nur um Sklaven Nummer eins ging. Während die Silberhaarige sich bereits auf ihren Posten verzog, sollten er und das Fahrerlein untereinander ausmachen, wer mit ihr zusammen Schicht schob. Nach einer kurzen Diskussion konnte Emaru mit "Das ist, wofür ich bezahlt werde! Außerdem lasse ich Natascha-san nicht aus den Augen, wenn es so gefährlich ist!" überzeugen. Der Fahrer schlug sein Lager direkt vor der Kutsche auf, um im Fall der Fälle als letzter Schutz zu dienen, und auch Emaru entschied sich, in der Nähe dieser zu bleiben, weswegen er sich auf einen kleinen Felsen in der Mitte des Weges setzte. Wenn jemand kam, um das Mädchen zu entführen, sollte er der erste sein, der es bemerkte und der bemerkt wurde. Was ihn etwas wunderte, war, dass niemand sich auch nur die geringste Mühe gegeben hatte, das Gefährt zu verstecken, in dem sich seine Klientin noch immer befand. Wenn er der Erste war, den man sah, würde es eventuelle Gegner auf ihn ziehen, sodass Amaya und der Kutscher Zeit gewannen, sollten sie fliehen wollen, und Natascha würde nicht die volle Aufmerksamkeit der Feinde erlangen. So konnte er die drei am effektivsten Beschützen, hoffte er zumindest, auch wenn er sich nicht immer auf seine Ideen verlassen konnte, wenn er so müde war wie jetzt gerade. Und die Gefahr, einzuschlafen, bestand ja auch noch.
Zwei Stunden später war es um den Dargin herum absolut finster. Sein Blick war gen Himmel gerichtet, auch wenn er gerade nichts sehen konnte. Die Müdigkeit von zuvor war beinahe völlig aus seinem Körper gewichen, die Faszination dieses Ereignis, das sich nur einmal alle sechs Monate abspielte, hatte ihn erfasst und seine Sinne geweckt. Glücklicherweise, denn schon bald hörte er ein Geräusch ein ganzes Stück weit rechts von ihm. Langsam stand er auf und konzentrierte ein wenig Mana in seiner rechten Hand. "Claws of Darkness", murmelte er, um seiner Hand Finsterniskrallen hinzuzufügen, während er langsam die Straße in Richtung des Geräusches entlang ging. "Ist da jemand?", rief er, nicht so laut, dass es eine schlafende Person wecken würde, aber es würde wohl reichen, um Nataschas Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen - vorausgesetzt, sie war noch wach. In seiner Blickrichtung erkannte er ein schwaches Licht, also musste dort tatsächlich jemand sein. Er bereitete sich schon darauf vor, zuzuschlagen, überraschen lassen würde er sich nicht. Daher war er auch vorbereitet an die Schritte einer einzelnen Person, die sich ihm schnell von hinten näherten. So schnell er konnte wirbelte der Zauberer herum, auf den Magen seines Verfolgers zielend, allerdings war dieser ein ganzes Stück größer als erwartet. So kam der Hieb auch an einer etwas tieferen Stelle an, gefolgt von einem markerschütternden Schrei, der eindeutig definierte, dass sich der Junge gerade einem Mann stellte, und kaum zuließ, dass noch irgendjemand weiterschlafen würde. Wenn Natascha ihn noch immer nicht bemerkt haben sollte, müsste sie eine noch schlimmere Schläferin sein, als er selbst, und das war unvorstellbar. Der Kutscher wachte auch auf, ebenso wie Amaya, diese wusste aber, dass sie besser in der Kutsche blieb, und verriegelte die Tür auf ihrer Seite von innen. Die andere vergaß sie in der Aufregung, doch da diese nicht den potenziellen Entführern zugewandt war, konnte das auch kein großes Problem darstellen. Weit schlimmer war da die Situation des Emaru, denn wie auch der große Mann, der noch immer vor Schmerzen schrie, kippte Emaru nach hinten über und schlug auf der Straße auf. Dieses Missgeschick war bei dem überstürzten Herumwirbeln zu erwarten gewesen, und schmerzhaft war es für ihn auch nicht wirklich, obwohl er dabei unfreiwillig seinen Zauber auflöste, allerdings erkannte er schnell, was sich auf der anderen Seite befand, während sein Kopf vollständig im Nacken lag: Das schwache Licht von zuvor war noch immer erkennbar, diesmal aber wirklich als Laterne und auch wesentlich näher. Sie wurde von einer nicht erkennbaren Person gehalten, während eine weitere auf den Weißhaarigen und seinen Angreifer zustürmte. Der Dargin drehte sich auf den Bauch und stemmte sich hoch, allerdings war ihm klar, dass er nicht schnell genug wieder hoch kam, um eventuellen Angriffen auszuweichen. Ohne Hilfe würde das sicher nicht gut enden...

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BeitragThema: Re: Die Prinzessin auf der Reise   So 26 Okt 2014 - 19:53

Die Stille der Nacht, legte sich über den Lagerplatz und nichts geschah, okay, kein Räuber, der noch bei Trost war, würde so früh angreifen, doch bald wären sogar die letzten Sonnenstrahlen verschwunden. Auf ihrem Ast, suchte sich Natascha eine bequeme Position, doch durfte sie nicht zu bequem sein, sie hatte zwar den Tag über geschlafen und war voller Energie, doch die Nacht verleitete selbst die wachsten Menschen dazu, sich wieder hinzulegen und zu schlafen und das durfte der Magierin nicht passieren. In die Dunkelheit stierend saß sie auf ihrem Ast und langweilte sich zu Tode, dass diese Quest so enden würde, mit schlaflosen Nächten und einer zickigen Göre, die es zu bewachen galt, hätte sich Natascha nicht träumen zu lassen. Die Augen Taschas blieben an Emaru hängen, der etwas weiter von der Kutsche entfernt Stellung bezogen hatte, er schlich eindeutig weg. Weshalb? Hatte er etwas gehört? Um ihm Deckung zu geben hangelte sich Natascha von Baum zu Baum, immer mit Blick auf die Kutsche, sie würde nicht vergessen, dass es mehrere Wege gab, die auf den Lagerplatz führten, doch wollte sie Emaru unterstützen, falls es Probleme geben würde. Jetzt erst bemerkte Natascha, wie der Finsternismagier Magie in seiner Hand beschwor, es sah aus, als würde seine Hand durch eine schwarze Kralle verlängert, dies war eindeutig eine Nahkampftechnik, wie ihr Ice Make: Wolf. Leise folgte die Silberhaarige Emaru über die Bäume, er hatte keine Ahnung, dass sie ihm folgte, doch es war wichtig, dass auch er nicht wusste, dass sie da war, man musste Freund und Feind, sollte einer da sein, täuschen, um den Überraschungseffekt nutzen zu können. Und wirklich, hinter Emaru erschien ein Mann aus dem Dunkel, gerade wollte Natascha ihre Deckung aufgeben, als der Weißhaarige sich herum drehte und seine, in Magie gehüllte, Faust in die empfindlichste Stelle des männlichen Körpers rammte. Anhand des Gesichtsausdrucks Emarus, konnte Tascha sagen, dass er nicht die Absicht hatte, genau diese Stelle zu treffen, egal wie effektiv der Treffer nun war. Effektiv war ein treffender Begriff, denn von dem Treffer wurde der Mann, der sich an Emaru herangeschlichen hatte, regelrecht umgeworfen, doch auch Emaru fiel, war er doch noch nicht so erholt, wie er behauptet hatte? Doch bevor Natascha von dem Baum gleiten konnte, erschien direkt unter dem Ast, auf dem sie jetzt ihre Position gefunden hatte, ein anderer Mann und auch das Licht, welches die junge Frau vorher nicht einmal gesehen hatte, bemerkte sie weiter hinter sich. Doch jetzt war nicht der Zeitpunkt für Gedanken über das Licht, der Kerl, der gerade unter ihr war, bewegte sich auf Emaru und den noch wimmernden Mann zu. Emaru lag noch auf der Erde, ob er bewusstlos war oder einfach noch nicht schnell genug aufstehen konnte, war jetzt egal, da der Mann ihn erreichen würde, bevor er überhaupt die Chance hatte aufzustehen. Langsam floss das Mana von Natascha in ihren Rücken, sie würde jetzt eine Defensivtechnik, die sie beherrschte offensiv benutzen. „Ice Make: Hedgehog“ Sie spürte, wie sich Stacheln aus Eis an ihrem Rücken formten, die Kälte war ihr wohl bekannt, aber keineswegs unangenehm, normalerweise, war diese Technik dafür gedacht, um Angriffe von hinten zu verhindern, doch jetzt ließ sich Natascha mit dem Rücken zuerst von dem Ast fallen. Der Schrei, der kurz darauf ertönte, ließ Natascha vermuten, dass sie den Mann wenigstens gestreift hatte, doch fiel sie nicht auf ihn drauf, was noch schmerzhafter für ihn gewesen wäre, sondern fiel zwischen ihn und Emaru. Natascha spürte wie ihre Stacheln in den Boden eindrangen und dabei zerbarsten, doch bremste sie das genug aus, um ohne Schock oder Verletzungen den Sturz zu überstehen. Nächstes Mal sollte ich das besser durchdenken. Durch ihre natürliche Geschicklichkeit, die sie auch zu einer guten Kletterin machte, konnte sie aus der liegenden Position, in der sie gelandet war, in nur einem Augenblick aufstehen, doch nun war auch ihr Überraschungsauftritt vertan. Die Verletzung, die der Bandit dafür erhalten hatte, rechtfertigte dies kaum, doch ließ sie ihm keine Zeit den Schock zu überwinden. „Ice Make: Wolf“ Noch im Aufstehen zog Natascha ihre rechte Faust nach und nutzte den Schwung, für einen Hieb, der auf das Gesicht des Mannes zielte, während die Faust auf den Mann, der noch völlig geschockt, keinerlei Reaktion sehen ließ, zu flog, formten sich scharfe Eiskristalle auf Nataschas Arm, die langsam die Form eines Wolfes annahmen. Der Treffer, war nicht so hart, wie der Aufschrei des Mannes vermuten ließ, doch hatte das Eis seinem Gesicht einige schöne Schnitte hinzugefügt. Der Schmerz ließ ihn zurück taumeln und so hatte Natascha es wenigstens geschafft, etwas Abstand zwischen Emaru und dem Mann zu bringen. Sicherheitshalber ließ Natascha ihren Zauber noch aktiv, denn solange Emaru nicht aufstand, würde sie die einzige Verteidigung sein, die die Kutsche, aber auch Emaru hatten. Um die Gegner, es schienen nämlich zwei zu sein, etwas auf Abstand zu halten, griff sich das Mädchen einen dicken Ast, den sie bei ihrer Stachelattacke wohl mit herunter gerissen hatte, er würde einen guten Knüppel abgeben und er kostete kein Mana. Ein Stöhnen hinter sich ließ Natascha aufhorchen, der von Emaru getroffene Mann, war jetzt still, da er offensichtlich das Bewusstsein verloren hatte, deshalb musste Emaru diese Geräusche von sich geben, ob er litt oder gerade Aufstand konnte Natascha nicht sagen, da sie die beiden Angreifer mit ihrem Blick taxierte, der erste war etwas größer, aber von ihren Angriffen etwas geschwächt, den anderen konnte sie nicht erkennen, da das Licht der Laterne nur eine Silhouette offenbarte. Jederzeit bereit, um auf einen Angriff zu reagieren, blickte sie die beiden Gegner an und hoffte, dass Emaru sich schnell erholen würde.

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BeitragThema: Re: Die Prinzessin auf der Reise   So 26 Okt 2014 - 19:54

Kaum hatte Emaru sich auf den Bauch gedreht und wollte sich hochstemmen, sah er eine gestachelte Figur, die von einem Baum herunterfiel. So, wie sich in das Licht in diesen Stacheln brach, war es wohl Eis, dementsprechend wurde er gerade von Natascha gerettet. Den Angreifer hatte sie nicht unter sich zerquetscht, glücklicherweise, denn das wäre Mord gewesen, und der war selbst Gildenmitgliedern nicht gestattet. Stattdessen war er offensichtlich gestreift worden, und so, wie er jetzt schon aufschrie, schien er ein ziemliches Weichei zu sein, immerhin hatte das Mädchen keinen Glückstreffer wie der Magier gelandet. Ein grauenhafter Glückstreffer, wohlgemerkt, doch wenigstens hatte der arme Mann hinter ihm mit dem Geschrei aufgehört, wahrscheinlich war er bewusstlos. Nun war der Ruf "Ice Make: Wolf" zu hören, und der Stimme nach gab es nicht den geringsten Zweifel, die Person vor dem Magier war Natascha. Sie schlug nach ihrem Gegner, und wie bei seinen Finsterniskrallen bildete sich kurz vor ihrem Treffer tatsächlich eine Form aus Eis um die Hand des Mädchens. Sie traf sein Gesicht, und die Verbindung der Härte des Eises mit der Schärfe ihrer... Die genaue Form konnte der Dargin nicht erkennen, aber er war sicher, dass sie etwas Scharfes nutzte, da das Blut geradezu aus der Wange des Feindes spritzte, das war selbst bei der eher spärlichen Beleuchtung eindeutig zu erkennen. Dennoch konnte der Treffer so schwer nicht sein, da er nur ein Stück zurück taumelte, außerdem zischte er kurz, offenbar einen Fluch, auch wenn das Wort nicht verständlich war. Die Schärfe des Tons und der Fakt, dass es wirklich nur ein einzelnes Wort war, ließen darauf schließen, dass er fluchte. Die Silberhaarige hatte sich inzwischen einen Ast geschnappt, und Emaru selbst fiel erst jetzt auf, dass er noch immer lag, weshalb er sich endlich aufrichtete. Dabei entwich ihm ein kurzes Stöhnen, offenbar war der Sturz auf den Rücken nicht ganz so harmlos gewesen wie gedacht, doch die Schmerzen waren recht schwach, weshalb es den Kampf kaum beeinflussen sollte. Der Verband um seinen Kopf war noch immer ziemlich fest, einfach abfallen würde er also nicht und ihn dementsprechend auch nicht behindern. Da auch Natascha gerade sehr konzentriert wirkte und wohl kaum einen schweren taktischen Fehler begehen würde, musste man nur noch sicherstellen, dass die Feinde die Kutsche nicht erreichten, und es dürfte keine größeren Probleme geben. Das Primärziel war also klar: Die Kutsche und Natascha so gut wie möglich schützen. Daher ging er links an Natascha vorbei, um nicht an dem Ast vorbeizukommen und ihn versehentlich zu streifen. Er richtete die Faust auf den Mann vor ihm, dieser sollte inzwischen wissen, dass die beiden Magie beherrschten, daher würde er sich in Acht nehmen. Mit einem flinken Schritt nach vorn rief er laut "Scream!", ohne tatsächlich einen Zauber anzuwenden, was bei der Finsternis jedoch nicht zu erkennen sein dürfte. Wie erwartet wich sein Gegenüber zur Seite aus, und einen Moment später hatte der Weißhaarige den nächsten Schritt getan und fand sich in der Lage, seinen linken Ellbogen in das Gesicht des Feindes krachen zu lassen. Diese Chance ergriff er noch ehe der Andere irgendwie reagieren konnte, sodass dieser mit einem Knacken seiner Nase noch einmal laut aufschrie, ehe er sich nach hinten aus dem Angriffsradius des Dargin entfernte. Erst in diesem Moment bemerkte der Junge, dass sich das Licht genähert hatte, als er klar vor sich sah, wie die Person, die er geschlagen hatte, rückwärts gegen einen Baum stieß. Er wollte sich möglichst schnell zurückziehen, doch der dritte Entführer stand neben ihm, die Laterne war ein Stück weit entfernt abgestellt worden. Kaum hatte er das realisiert, spürte er bereits einen schneidenden Schmerz in seinem rechten Arm, verursacht dadurch, dass die Spitze eines Messers hindurchgejagt worden war. Glücklicherweise war der Hieb nicht gut gezielt angesetzt, weshalb bloß die Haut angeritzt wurde, nicht einmal eine Ader wurde erwischt, dennoch war der Schmerz spürbar. Sofort versuchte er, sich von dem Angreifer abzustoßen, doch dieser wich bereits nach hinten hin aus; offenbar war er weit schneller als Emaru. Dieser stolperte ein paar Schritte nach hinten, ehe er sich wieder fing, inzwischen hinter Natascha stehend. Er griff sich an den Arm, die Feinde fixierend: Der Mann, den Natascha getroffen hatte, stand mit dem Rücken an einem Baum, und auch, wenn es bei der Dunkelheit kaum zu erkennen war, war Emaru sicher, dass seine Nase blutete, wahrscheinlich war sie sogar gebrochen. Der zweite Angreifer hatte sich inzwischen ein Stück weit zurückgezogen und stand nun wieder direkt vor der Laterne, offenbar war er ziemlich schnell. Alles, was von ihm zu sehen war, war aufgrund der einzigen Lichtquelle, die hinter ihm stand, in völliges Schwarz getaucht, daher konnte man an ihm wirklich nichts erkennen. Allerdings waren sie offensichtlich beide gerade nicht in der Lage, zur Kutsche zu stürmen, ohne erwischt zu werden, doch sicherheitshalber konzentrierte Emaru wieder etwas Mana in seiner Hand, diesmal in der Linken, da sein rechter Arm verletzt war. Seine Partnerin schien glücklicherweise noch unverletzt zu sein, demnach würde sie sicherlich noch nützlich sein. Er würde jetzt jedenfalls keinen solchen Angriff mehr starten, dafür war er im Vergleich zu seinem zweiten Gegner weder schnell, noch geschickt genug. Vielleicht ergab sich aber doch noch eine passende Situation…

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BeitragThema: Re: Die Prinzessin auf der Reise   So 26 Okt 2014 - 19:54

Kaum war das Stöhnen hinter Natascha verklungen bemerkte sie, wie sich Emaru an ihr vorbei bewegte. Was hatte er vor? Gerade zu brüllend begann Emaru seine Technik zu benutzen. Er nannte sie Scream und Natascha war schon gespannt, was dieser Zauber verursachen würde. Auch der schon von ihr verletzte Mann hörte den Schrei Emarus und machte einen Schritt zur Seite, ob das zum Ausweichen reichen würde, wusste Natascha nicht. Doch es wäre auch egal gewesen, denn anstelle eines Finsterniszaubers, der in der Dunkelheit der Nacht bestimmt schwer zu sehen gewesen wäre, sprang der Finsternismagier nach vorne und rammte dem Mann seinen Ellbogen ins Gesicht. Der Getroffene schrie einmal auf und Blut spritze aus seiner Nase, während er nach hinten gegen einen Baum taumelte. Doch es blieb keine Zeit zu beobachten, wie der Mann gegen den Baum sackte, da die andere Gestalt schon auf Emaru zuschoss, sie war schnell und etwas blitze in ihrer Hand auf. Ein Dolch? Der Schrei von Emaru ließ darauf schließen und auch die Tatsache, dass er sich den rechten Arm hielt. Nun hieß es wohl eineinhalb gegen eineinhalb, denn der verletzte Mann würde wohl kaum etwas beisteuern können und Emaru war nicht nur am Arm verletzt, seine Kopfverletzung könnte jederzeit wieder aufplatzen. Doch, dass der verletzte Mann nichts unternehmen würde, schien nur ein Wunschtraum zu sein, denn er begann schon sich am Baum hochzustemmen und nach einem Messer an seinem Gürtel zu greifen, doch das würde Natascha nicht zulassen, sie lief auf den verletzten Mann zu und schlug ihn mit dem Ast das Messer aus der Hand. Gerade wollte Natascha mit ihrer noch mit Eis bedeckten Hand zuschlagen, als sie links von sich die andere Gestalt bemerkte, schnell zog sie den Arm zurück und beugte sich auch etwas nach hinten. Direkt vor Taschas Gesicht zog die Klinge und danach der Arm an ihr vorbei, die Klinge steckte in einem Baum und die Gestalt versuchte sie aus dem Holz zu ziehen. Erst jetzt bemerkte Natascha das lange, schwarze Haar und die weiblichen Rundungen, der letzte Gegner war eine Frau. Sie war offensichtlich nicht schlecht im Nahkampf, sie war schnell und hatte auch gute Reaktionen, da Natascha ihren Ast hoch schwang und versucht ihre Hand zu treffen, doch zog sie schnell den Arm weg und gab den Dolch auf. Schnell sprang Natascha zur Seite und auf Emaru zu, diese Frau würde einen alleine besiegen können, sie hatte es ja geschafft an Emaru heran zu kommen, bevor er überhaupt eine Bewegung wahrgenommen hatte. Tascha dachte kurz über ihre Möglichkeiten nach, doch lenkte sie das nur einen kurzen Moment ab und ein stechender Schmerz durchfuhr ihr Bein. Ein Messer steckte darin, nicht besonders tief, aber es schmerzte, ihre Kontrahentin würde wirklich jede Unaufmerksamkeit nutzen, schnell entfernte Natascha das Messer und fixierte ihre Gegnerin, sie schien in den Schatten zu verschwinden, doch war so etwas überhaupt möglich? Vielleicht konnte sie Magie einsetzen und hatte sich nur zurückgehalten um die beiden Magier zu täuschen oder es war nur eine optische Täuschung, die durch das Flackern der Laterne hervorgerufen wurde, doch es war jetzt egal, wichtig war es jetzt nicht besiegt zu werden. Das Messer, blutverschmiert und klebrig, noch in der Hand sprang Natascha seitwärts auf einen tiefhängenden Ast, die Höhe war ihre Stärke und sie würde es ausnutzen. Ein kleines Aufblitzen in der Hand der Ganovin, mehr nicht, doch Natascha wusste genau, dass es noch ein Messer war, sie war noch ein leichtes Ziel, doch so einfach würde sie sich nicht geschlagen geben, sie warf das Messer auf die Figur der Frau, die jetzt wo Natascha wusste dass es eine Frau war, deutlicher zu erkennen war. Die Frau sprang zur Seite, fing sich sofort wieder und warf ihr Messer auf Natascha, doch diese hob den Ast und ihren mit Eis bedeckten Arm und wehrte das Wurfgeschoss ab, leider war der Ast beschädigt und nutzlos für den Kampf geworden, weshalb er nun einfach Fallen gelassen wurde. Erst jetzt realisierte Natascha die neue Position der Frau, nachdem sie dem Messer von Natascha ausgewichen war, sie stand zwar für Natascha noch immer nicht günstig und die Frau konnte weiterhin ungehindert ihre Messerchen auf das silberhaarige Mädchen werfen, aber sie konnte Emaru nicht mehr einsehen und das würde wohl noch einen Vorteil bringen. Hier in den Bäumen hatte Natascha einen Vorteil, wenn auch keinen allzu großen. Schnell schwang sich Natascha einen Ast höher und ließ das Eis von ihrem Arm abfallen, hier oben würde es keinen Nutzen haben, wenn sie ihr Mana verschwendete. Vor den Blicken der Frau nun geschützt sprang Natascha vorsichtig durch die Baumwipfel, sie musste höllisch darauf achten nicht aus den Blättern herauszukommen, denn sonst wäre sie wieder sofort das Ziel der Ganovin mit den schwarzen Haaren. Gerade setzte sich Natascha in einer Pinie auf einen Ast, als sie sah, wie die Frau Anstalten machte sich zu Emaru umzudrehen, doch würde sie den Vorteil, den der Finstenismagier hatte nicht verspielen. Schnell riss Tascha einen der Pinienzapfen ab und ließ ihn auf den Kopf der Frau fallen, sofort blickte sie sich verwirrt in die Richtung um, in der die Pinie stand, dies war der Moment, auf den Natascha gewartet hatte, wenn jetzt Emaru richtig schalten würde, könnten sie den Kampf schnell hinter sich bringen.

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BeitragThema: Re: Die Prinzessin auf der Reise   So 26 Okt 2014 - 19:55

Kaum war Emaru wieder recht standfest und glaubte, den Überblick zurückerlangt zu haben, ergriff Natascha auch schon die Initiative; offenbar war der zweite Angreifer nicht der einzige mit einem Messer, da auch der andere eines hervorzog, wie trotz des schwachen Lichtes doch recht gut zu erkennen. Glücklicherweise reagierte die Magierin schnell genug, um ihm dieses aus der Hand zu schlagen, wurde aber sogleich von der Person attackiert, die auch ihren Partner hatte verletzen können. Glücklicherweise schaffte sie es, auszuweichen, und sie startete sogar einen Gegenangriff, der jedoch sein Ziel verfehlte. Ihr zweiter Gegner war wesentlich geschickter als der erste, und den ehemals stöhnenden, erbärmlichen Hünen hinter ihm zählte der Dargin nicht einmal als einen Gegner. Der planlose Idiot mit der gebrochenen Nase, der noch immer an dem Baum stand, als klebte sein Rücken daran und seine Hand auf seiner Nase, ärgerte sich offenbar über Nataschas Eingreifen, unternahm jedoch nicht das Geringste. Stattdessen forderte diese eher den anderen Entführer heraus, welcher ihr auch sogleich ein Messer ins Bein beförderte, kaum dass sie unaufmerksam wurde. Offensichtlich hatte diese Person bereits einiges an Kampferfahrung und dem entsprachen auch ihre Fähigkeiten. Aber auch Natascha ließ keinen Moment lang schleifen, stattdessen zog sie die Klinge aus ihrem Bein und stand sogleich wieder auf einem Baum, als wäre nichts passiert. Was dann passierte, konnte der Junge nicht genau sehen, allerdings fiel bald der Ast, den sie gehalten hatte, von einem anderen Baum zu Boden. Offenbar war sie recht geschickt, was das Herumturnen auf den Bäumen betraf. Emaru selbst hätte das nicht hinbekommen, allerdings hatte er auch sein Leben lang nie so etwas versucht, weshalb es nur natürlich war, dass er es nicht konnte. Der Angreifer fixierte sich aber wirklich stark auf Natascha, sogar so sehr, dass er sich in eine Position begab, von der aus der Blick auf Emaru mehr als eingeschränkt sein dürfte. Unglücklicherweise galt das natürlich auch für den Magier, da der Baum, der den gegnerischen Blick auf ihn verhinderte, auch seinen Blick auf den Feind einschränkte. Dieses Problem wusste er allerdings zu umgehen, mit wenigen Schritten war er näher am Baum, und somit auch am Feind, und mit einem schnellen Sprung zur Seite geriet das Ziel auch schon in sein Blickfeld, sodass er es mit seiner Linken anvisieren konnte. Er schien auch gerade sehr abgelenkt, offenbar hatte Natascha ihn verärgert, denn er starrt wütend in die Bäume. Einen Moment… Von hier aus ließ sich der Körper der Person genauer begutachten, und das Licht der Laterne machte sie auch sehr sichtbar. Mit einem kurzen Blick erkannte der Dargin, dass er eine Frau vor sich hatte, was ihn für eine halbe Sekunde ablenkte. Dann fasste er sich jedoch und murmelte: "Scream" Er schrie nicht, wenn er seine Zauber anwandte, das tat nur Shi. Er schrie bloß, wenn er jemanden überlisten wollte, und das hatte bisher noch jedes Mal funktioniert. Sogleich schoss ein gebündelter Strahl der Finsternis in Richtung der weiblichen Gestalt vor ihm, welche sich gerade in seine Richtung wandte, den Strahl allerdings kaum bemerkte und dementsprechend perfekt getroffen wurde. Dabei fiel sie beinahe um, fing sich jedoch und zog sich sogleich wieder hinter den Baum zurück. Nur wenige Momente später wurde ein Angriff auf Emaru losgelassen, der mit Sicherheit getroffen hätte, hätte der Mann mit der gebrochenen Nase nicht während des Ansturms geschrien: "Ich mach dich fertig, du Ratte!" So schaffte es der Magier jedoch mithilfe seines natürlichen Ungeschicks, sich schnell nach vorne fallen zu lassen, so dass der Schlag des Gegners über seinem Rücken vorbeizog. Dieser verlor auch gleich das Gleichgewicht und stolperte über den Körper des Ex-Weißhaarigen, konnte sich jedoch abrollen und stand wenige Sekunden später wieder. Da Emaru diese Fähigkeit fehlte, rollte er sich schnell ein Stück weg und machte sich dann so schnell wie möglich ans Aufstehen. Kaum stand er, sah er schon den nächsten Angriff auf sich zukommen, doch sein Gegner war seit der Sache mit der Nase offenbar recht zornig und die Attacken waren entsprechend unpräzise. Selbst Emaru konnte ihm noch relativ problemlos ausweichen, besonders, da der Mond inzwischen wieder aus dem Kernschatten der Erde hervortrat und die dünne Sichel ein blasses Licht auf die Kämpfenden scheinen ließ. Es war noch immer finster, doch die Umrisse des Gegners waren nun ebenso erkennbar, wie die Farbe seiner Kleidung; er war völlig in Schwarz gewandet, wie die anderen beiden auch. Der Magier wich ihm wieder und wieder aus, ohne sich sichtbar anzustrengen, bis er mit seinem Rücken gegen einen Baum stieß und nicht weiter zurückweichen konnte. Augenblicklich erkannte der Angreifer die missliche Lage des Dargin und zog schnell ein zweites Messer aus seinem Gürtel, offenbar auch sein letztes. Auch dieses Mal zielte er gar nicht erst, sondern holte einfach nur aus und hieb in Richtung des Halses des Jungen. Dieser duckte sich schnell, um keinen Treffer einzustecken, und machte eine Rolle nach vorn, seitlich an seinem Gegner vorbei. Gleich darauf stand er hinter ihm und versuchte, ihm in den Rücken zu treten, allerdings fehlte ihm dazu das Geschick, weswegen er, anstatt seinen Gegner zu treffen, beinahe nach vorne kippte. Glücklicherweise schaffte er es doch noch, sich zu fangen, stolperte einige Schritte vor und wirbelte dann herum, um seinen Gegner sehen zu können. Dass der Schnitt seinen Kopfverband erwischt hatte, war ihm noch nicht aufgefallen, zurzeit saß es ja. Das würde sich allerdings mit Sicherheit nicht mehr lange halten…

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BeitragThema: Re: Die Prinzessin auf der Reise   So 26 Okt 2014 - 19:58

Der Kampf ging jetzt eindeutig in seine heiße Phase. Hinter der Frau, die noch vollkommen auf Natascha fixiert war, ließ Emaru einen Zauber los, den man nicht genau erkennen konnte. Es war wohl wieder ein Finsterniszauber, was bei den Fähigkeiten, die Emaru Natascha genannt hatte, auch kaum verwunderlich war und selbige Zauber waren in der Nacht eben schwer auszumachen. Die Frau hatte Emaru wohl dennoch bemerkt und drehte sich in seine Richtung, doch ein Finsternis in der Dunkelheit wurde wohl gerne übersehen, denn die Frau wurde von der Magie aus purer Finsternis überrascht. Getroffen taumelte sie aus dem Angriffsbereich Emarus hinter einen Baum und versuchte sich so gut es ging zu schützen. Dabei hatte sie sich auch gleichzeitig von Natascha entfernt und somit die Kampfsituation wieder verändert. Doch für Natascha war diese Tatsache eher nebensächlich, denn kaum war die Frau verschwunden, griff der stark blutende Mann Emaru an. Er drängte ihn immer weiter zurück bis zu einem Baum, wo er ein weiteres Messer aus seinem Gürtel zog und damit auf Emaru einstechen wollte. Da die Frau nicht zu finden war, verfolgte Natascha Emaru und den Mann innerhalb der Bäume und würde eingreifen, wenn es zu brenzlig werden würde. Der junge Finsternismagier schaffte es einmal dem Messer auszuweichen, doch wurde sein Verband getroffen, jedenfalls sah es für Tascha so aus. Diese Situation war eindeutig gefährlich für Emaru, da seine Verletzung ihm wohl nicht gestattete, seine vollen Kräfte zu nutzen. Direkt unter der Eismagierin stand nun der Mann mit dem Messer in der Hand und sie würde diese Gelegenheit nutzen. Schnell sprang sie von dem Baum auf die Schultern des Mannes und versuchte den Schwung, den sie hatte, zu nutzen und den Mann zu Boden zu werfen, doch leider hatte er trotz seines hohen Blutverlustes noch eine große Standfestigkeit. Schnell schwang sich Natascha von seinem Rücken, dort wäre sie einfach viel zu leicht angreifbar gewesen, stattdessen trat sie direkt nach der Landung in die Kniekehle des Mannes und brachte ihn so auf die Knie. Doch er schien sich nicht mehr wehren zu können, da der Blutverlust ihn doch das Bewusstsein gekostet hatte. Er kippte einfach nach vorne und blieb im Laub der Bäume liegen, jetzt fehlte nur noch die Frau, die in der Dunkelheit verschwunden war. „Geht es dir gut, Emaru? Gut, dass der Kerl jetzt erst mal nirgendwo hingeht, aber diese Frau macht mir Sorgen, sie ist kurz nachdem du sie getroffen hattest einfach verschwunden.“ Nervös blickte sich Natascha um, als sie mit Emaru redete, wo war die Frau, würde sie plötzlich aus den Schatten angreifen? Eines war sicher, Natascha wollte es nicht herausfinden. Plötzlich kam Natascha ein Gedanke, was wenn die beiden Männer für die Frau nicht mehr als Kanonenfutter waren? „Schnell, wir müssen wieder zurück, ich habe ein ganz schlechtes Gefühl.“ Natascha rannte schon los und brach Äste von den Bäumen und stieg über kleine Stämme, die umgestürzt waren, herüber. Schnell brach sie aus dem kleinen Waldstück hervor und erreichte den Lagerplatz, dort saß der Kutscher vor dem Feuer, durch die Geräusche von vorhin noch alarmiert. Doch schlich sich schon ein Schatten mit den offensichtlichen Rundungen einer Frau von hinten auf den Kutscher zu. Als Tascha den Dolch in der Hand der Frau sah, griff sie sich einen herumliegenden Stein und warf ihn nach der Frau, in solchen Momenten verfluchte sie sich, dass sie keine Fernkampfzauber ausführen konnte. Der Stein flog in einer steilen Kurve auf den Kopf der Frau zu und verfehlte ihn nur knapp, doch diese Ablenkung reichte um die Frau aus ihrem Konzept zu bringen. Während sie noch zu der Frau hetzte, konzentrierte Tascha wieder etwas von ihrem Mana in den Armen, dieses mal würde sie beide Hände mit Eis bedeckten. „Ice Make: Wolf“ Das Eis breitete sich langsam über die Arme Nataschas aus und platzte dabei auf um scharfe Kanten zu bilden, normale Menschen würden nach nur wenigen Sekunden ihre Arme wegen der Erfrierungen einbüßen, doch als Eismagierin hatte Natascha eine gewisse Resistenz gegen dieses Problem entwickelt. Kaum war Natascha nah an die Frau herangekommen, schlug sie mit ihrer Linken zu, doch hatte sich die Frau schon von dem ersten Schock erholt und konnte einfach ausweichen. Nur ein kleiner Kratzer, mehr blieb von der Attacke Nataschas nicht auf dem Arm der Frau zurück, doch war diese nicht untätig und ließ sich einfach angreifen, nein, sie holte mit ihrem Dolch aus und stieß ihn in die rechte Schulter Nataschas. Der Schmerz blieb aus, es konnte daran liegen, dass das Eis ihren Arm betäubte, doch spürte Natascha etwas Warmes ihren Arm herunterlaufen und auch das Erschlaffen der Muskeln im Arm bekam sie vollständig mit. Mit einer schnellen Bewegung hatte die Frau Natascha beide Arme hinter den Rücken gedreht und hielt sie mit nur einer Hand fest in der anderen hielt sie wieder den Dolch, den sie mit einem Ruck aus der Schulter befreit hatte, das Eis bröckelte von Nataschas Armen und langsam kam auch das Schmerzempfinden zurück. Ein gellender Schrei entfuhr der Magierin und sie hoffte, dass Emaru sich etwas ausdenken würde, dass diese Situation retten könnte. Sich selbst konnte Natascha nur gedanklich ohrfeigen, wie hatte sie nur so unbedacht voran stürmen können.

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BeitragThema: Re: Die Prinzessin auf der Reise   So 26 Okt 2014 - 20:00

Dem Angriff seines Gegners knapp entkommen, wirbelte Emaru herum und fokussierte seinen Blick wieder auf ihn, ohne zu realisieren, dass sich der Verband dabei lockerte. Kaum sah er den Gegner, tauchte auch Natascha wieder in seinem Blickfeld auf, genau genommen auf den Schultern des Gegners. Leicht verwirrt machte der Junge erst einmal nichts und sah bloß zu, wie sie den Feind schnell ausknockte. Ob das wirklich nur durch einen Tritt in die Kniekehle geschafft wurde…? So sah es jedenfalls aus. Gleich darauf stand Natascha auch schon direkt vor ihm und sprach ihre Zweifel, was die Situation anging, aus; offenbar war die Frau irgendwie verschwunden. Außerdem erwähnte sie, dass sie zurückgehen mussten, wobei sie ziemlich aufgeregt schien, und schon war sie weg. Langsam gewann die Müdigkeit wieder die Überhand über den Jungen, seine Aufnahmefähigkeit verlangsamte sich und sein Sichtfeld schränkte sich ein wenig ein. Der langsam hervorkommende Mond beleuchtete die Umgebung und gleichte diesen Effekt ein Stück weit aus, wenn auch bei Weitem nicht komplett. So schnell er konnte folgte er Natascha, gerade flink genug, um zu sehen, wie sie bereits erfolglos ihre Feindin attackierte. Diese wich aus und stieß ihren Dolch in die Schulter der Silberhaarigen. Während deren eisbedeckte Arme – Emaru hatte gar nicht bemerkt, dass sie wieder einen Zauber verwendet hatte – zu zerfallen begannen, wurde sie von der potenziellen Entführerin von hinten in einen Griff genommen, der nicht so aussah, als könnte man sich leicht daraus befreien. Allerdings hatten sie ihm in dieser Situation auch ziemlich den Rücken zugedreht, was eindeutig ein Fehler war; eigentlich ein Fehler, den man einer derartig fähigen Gegnerin nicht zutrauen konnte. Ihr musste doch klar sein, dass der Magier noch in der Nähe war, und insbesondere nachdem er sie mit einem kaum sichtbaren Zauber erwischt hatte, musste sie absolut auf der Hut sein. Demnach würde sie ihn sicherlich erwarten.
So zumindest hätte Emaru gedacht, wenn sein Gehirn nicht in einem Zustand gewesen wäre, der ihm gerade so erlaubte, offensichtliche Dinge zu erkennen und halbwegs gut zu verarbeiten. Der Gedanke Emarus war also einfach folgender: Ha, sie sieht mich nicht. das ist meine Chance! Also stürmte er auf sie zu, so schnell er konnte, und holte bereits zum Schlag aus. Kaum stand er allerdings hinter ihr und schlug zu, da drehte sie sich bereits um und erwischte ihn mit einer Linken, direkt zwischen den Augen, was seinen Angriff natürlich zum Scheitern verurteilte. Gleich darauf war sie aus seinem Blickfeld verschwunden, Natascha war wohl von ihr auf die Knie gestoßen worden. Augenblicklich fuhr Emaru herum, in Erwartung des Schlimmsten, ehe er einen starken Schmerz in seinem linken Bein spürte. Als er ihn bemerkte, ließ sich aber nur noch eine Wunde erkennen, das Messer war bereits verschwunden. Und als wäre das noch nicht genug, wurde seine Sicht kurz darauf auch noch weiter eingeschränkt, sein linkes Auge sah nur noch weiß... Weiß? Erst da fühlte er den Stoff, der ihm im Gesicht hing, und augenblicklich war er wieder hellwach. Das war nicht gut, das konnte nicht gut sein, denn es gab nur eine Möglichkeit, woher der weiße Stoff kommen konnte: Der Verband, der zuvor seinen Kopf so fest umschlungen und die Wunde gesichert und die grauenvoll entstellten Haare verdeckt hatte. Moment... M... Meine Haare!, schoss es Emaru durch den Kopf, an den er sogleich griff; tatsächlich, seine Haare waren völlig verklebt, und mit Sicherheit musste es mit dem ganzen angetrockneten Blut ziemlich rot aussehen. Wut spiegelte sich in seinen Augen und die Sicht, die er mit seinem rechten Auge hatte, wurde so klar, wie sie seit längerer Zeit nicht mehr gewesen war. Das schwache Licht, das sich vor ihm ausbreitete, wurde in seine erweiteten Pupillen aufgesogen und verwandelte die Lichtung für wenige Sekunden aus seinem Blickwinkel auf eine hell erleuchtete Bühne und zeigte ihm alles, was man nur hätte sehen können. In dieser Phase schaffte er es, einen eigentlich relativ unerwarteten Angriff seiner Gegnerin zu parieren und ihr einen Hieb in den Nacken zu versetzen, ehe es wieder so dunkel wurde, wie es eigentlich war. Seine Sicht war so klar, wie es die Beleuchtung erlaubte, und es war klar, dass die Feindin sich gerade kurz auf dem Boden befand, bei dem Versuch, aufzustehen. Kurz darauf hatte sie einen linken Fuß auf dem Rücken, und ein geradezu verrückt anmaßendes Gelächter kam auf aus einem Gesicht, in dem verklebte, rot-weiße Haare hingen. Kurz darauf ließ sich eine leicht tiefere Version der Stimme des Zauberers hören, von der auch das Lachen zuvor stammte: "Sie haben Haare ruiniert... sie haben Beine durchstochen... Sie haben keinerlei Manieren, Madame. Muss ich sie ihnen erst einprügeln? Wenn ihre Eltern das offenbar nicht getan haben..." Ein kurzes Keuchen ließ sich hören, als Shi den Druck auf dem Rücken der Frau erhöhte, die Schmerzen in seinem Bein ignorierend, und sogleich ließ sie einen lauten Aufschrei hören: "JETZT!" Kurz darauf hörte man das Krachen von Holz, und aus der anderen Seite der Kutsche sprintete ein Junge, kaum älter als Emaru selbst, der eine bewusstlose Amaya auf einer Schulter trug, so schnell er konnte von ihnen weg. Im Gegensatz zu den übrigen Entführern trug er keine schwarze Kleidung, offenbar hatte er sich kaum vorbereitet auf die geplante Entführung. Schnell machte sich Shi auf den Weg, ihm zu folgen, wenige Meter später blieb er aber stehen und griff sich ans Bein. Verdammt... kann Emaru nicht einmal aufpassen? So ein Idiot... Und als wäre das Ganze noch nicht schlimm genug, ließen sich auch wieder schnelle, schwere Schritte von hinten hören, ein leichter Aufprall von irgendetwas Weichem und der Schrei des Kutschers hören. Alarmiert stand Shi auf und drehte sich um, den anderen zu, und die Überraschung spiegelte sich eindeutig in seinem Gesicht wieder: Natascha war wohl umgestoßen worden, die Feindin lag jetzt auf dem Rücken, der ihr offenbar ziemlich schmerzte, und direkt vor ihm stand... ein ziemlich großer Mann in schwarz, dessen Kleidung direkt über den Beinen teilweise zerrissen und blutbefleckt war. Schnell war Shi klar, dass das die Person sein musste, die der Dargin ganz am Anfang ausgeschaltet hatte, offenbar hatte er sich berappelt. Sonst würde er wohl kaum den Kutscher vor sich in der Luft halten, mit nur einem Arm, während der andere ihm ein Messer an den Hals drückte. Wutentbrannt starrte er den Rot-Weißhaarigen an, breit grinsend und völlig auf den jungen Zauberer fixiert. Er konnte ja nicht ahnen, dass sein Gegenüber nur der Alter Ego des wahren Ziels seiner Wut war. Dieser richtete eiskalt eine seiner Hände in Pistolenhaltung auf den Hünen, die linke, und grinste ihn an, bereit, Devils Bullet zu verwenden. "Lass den Trottel los, du Idiot. Ich bin Magiermeister, du bist am Ende. Capice?" Unglücklicherweise grinste sein Gegenüber ebenso bösartig und zog seine Geisel vor seine Brust. Er sagte kein Wort, doch Shi war klar, dass diese Situation nicht gut für ihn stand... mit einer Ausnahme. Die Frau war wohl erstmal raus, der Riese vollständig auf ihn fixiert... Er vergaß nicht nur völlig alle Personen bis auf den Ex-Weißhaarigen, er achtete auch auf nichts um ihn herum. Dafür erinnerte sich der Gildenmagier nicht mehr daran, dass seine Klientin derzeit unfreiwillig in die Richtung unterwegs war, die nur sein Rücken sah. Und er konnte erst recht nicht ahnen, dass der faule Entführerjunge sich nicht weit entfernt versteckt hielt...

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BeitragThema: Re: Die Prinzessin auf der Reise   So 26 Okt 2014 - 20:01

Noch immer von der Frau festgehalten beobachtete Natascha, wie Emaru einfach auf die Frau losstürmte. Das war eine recht dumme Aktion, aber da sollte sich Tascha an die eigene Nase fassen, wer hatte denn den Dolch in die Schulter bekommen. Dass der Finsternismagier sich wegen seines unbedachten Angriffs einen Schlag mitten ins Gesicht einhandelte, war nicht zu vermeiden, diese Frau hatte einfach viel Erfahrung im Kämpfen. Das Nächste, was Natascha spürte, war wie sie nach vorne fiel, wurde sie etwa nicht mehr festgehalten? Bestimmt hatte die Frau sie losgelassen, denn ein Dolch blitzte kurz auf und verschwand in Emarus Bein, schon das Zusehen tat Natascha weh, dabei hatte sie selbst eine stark blutende Wunde an der Schulter, doch der Fremdschmerz war eindeutig intensiver. Danach nahm Natascha nicht sehr viel wahr, doch das weiße Band, was wohl Emarus Verband war, das von seinem Kopf segelte fiel ihr dennoch auf und auch Emaru schien den Verlust der Binde ebenfalls zu bemerken. Der Finsternismagier schien vollkommen ausgewechselt zu sein, er sprach mit einem Unterton, der bedrohlich und düster wirkte und nichts mehr mit der liebenswerten Müdigkeit und den scheinbaren Gedächtnisproblemen gemein hatte. Und das Lachen erst, es klang verrückt und böse und Tascha hatte das Gefühl, dass dies nicht Emaru war. Was Tascha aus ihrer Position nicht erkennen konnte, aber nach Emarus(eigentlich Shis) kurzer Aussage mitbekam, war dass er auf der Frau stand und sie so auf den Boden presste. War diese Handlung nicht etwas unfair und brutal, wenn man bedachte, was er ihr antun konnte? Sicher sie war der Feind und wollte ihre Klientin entführen, aber eine solche Behandlung hatte selbst sie nicht verdient. Weshalb dachte sie so über die Person, die ihr vor nicht mal einer Minute ein Messer in die Schulter gerammt hatte? Sie wusste es selbst nicht. In diesem Augenblick schrie die Frau auf, hatte Emaru sie weiter verletzt? Erst viel später realisierte sie, dass sie „JETZT“ gerufen hatte und dass der Lärm, der daraufhin entstand von der Kutsche kam. Die sich entfernende Gestalt schien Natascha nicht einmal verdächtig. Sie hatte wohl langsam zu viel Blut verloren. Ihre Orientierung war wohl inzwischen auch flöten gegangen oder hatte sich Emaru wirklich entfernt, sie nahm es kaum noch war. Dafür konnte sie die aufstehende Frau wahrnehmen, also war Emaru wirklich weg, Tascha musste etwas tun, die Frau durfte Emaru nicht folgen, wo immer er auch hin war. „Ice Make: Wolf“ Das Eis breitete sich wieder über Nataschas rechtem Arm aus, doch dieses mal setzte sie mehr Mana ein, sogar ihr Blut gefror bis zu ihrer Wunde. Das Gefühl war widerlich, es brannte und stach und lange würde die Eismagierin nicht mit diesem magischen und provisorischen Verband aushalten, doch erst mal musste es reichen. Mühsam richtete sich Natascha auf und auch die Schwarzhaarige stand jetzt direkt vor ihr, doch hatte sie nur Augen für den Weißhaarigen, ähem, den ehemals Weißhaarigen, der dem Jungen nach hasten wollte. Eine massige Gestalt versperrte ihm den Weg, doch wer es war, war nicht erkennbar für Natascha, sie konzentrierte sich gerade auf die Frau, die den ersten noch wackeligen Schritt machte. Schnell hastete, naja, sie humpelte eher, Natascha hinter der Frau her und warf sich gegen sie, beide kamen zu Fall, doch würde das nur wenige Sekunden schinden, eindeutig zu wenig. Sie musste etwas tun, dass etwas nachhaltiger war und was bot sich da an, natürlich ihr Zauber, wenn er schon aktiv war, konnte er auch benutzt werden. Mehrmals schlug sie mit ihrer noch gefrorenen Rechten auf die Beine der Frau ein, sie wollte sie nicht verkrüppeln, aber einige Stunden ohne große Mobilität waren bei den Schlägen noch drin. So schnell wie sie eben konnte, erhob sich die Eismagierin und stakste in Richtung Emaru, doch wandte sie sich nochmals um. „Versuch bloß nicht wegzulaufen, du hast gesehen, wie ich mit meinen Eisstacheln aus dem Baum auf deinen Freund gesprungen bin, wenn ich mich jetzt auf dich legen würde und den Zauber benutze, wäre es um dich geschehen.“ Ob die Frau wusste, dass sie nicht töten durfte und dass der Zauber lange nicht so stark war, vermutlich, aber der Tonfall Nataschas, sie wusste selbst nicht, dass sie so was drauf hatte, ließ die Frau bestimmt daran zweifeln, denn sie lag nun regungslos auf dem Boden. Wenigstens hatte sich die Blutzirkulation in Natascha beruhigt, sie hatte zwar noch ein leichtes Schwindelgefühl, aber durch ihre Magie war das alles, dass sie noch spürte. Richtiges Gehen war zwar nicht direkt möglich, aber langsam war sie auch nicht. Selbst mit seiner Beinverletzung würde Emaru aber sicherlich um einiges schneller sein, als Natascha und das war auch der Grund, weshalb sie nicht in den Wald lief, dahin wo der Junge verschwunden war, sondern auf den Gegner Emarus zuhielt. Ein kräftiger Schlag mit dem vereisten Arm sollte den Kerl auf den Boden schicken, sollte, er konnte einiges mehr ab, als Natascha vermutet hatte und durch den Blutverlust war sie zusätzlich geschwächt und zu allem Überfluss bröckelte das Eis bereits, hatte sie etwa kein Mana mehr? Doch bestimmt, aber bei der Magieanwendung war auch der körperliche Zustand des Magiers entscheidend und der war bei Natascha nicht gerade gut. Mit eiserner Konzentration versuchte sie das Eis zu halten, verlor sie es wäre es bestimmt aus für sie. „Emaru, schnapp dir den anderen, ich schaff das schon irgendwie, Amaya ist wichtiger“ Auch wenn sie eine Zicke ist. Mutete sich Tascha etwas zu viel zu? Wahrscheinlich, aber es gab keinen anderen Weg um diese Quest erfolgreich abzuschließen. Aufgeschreckt von dem Schlag und dieser Aussage drehte sich der Muskelberg zu ihr um und wollte sofort zuschlagen, doch der Schlag verfehlte Natascha, wenn auch nur aus Zufall, da sie kurz einem Schwindelanfall nachgab und etwas schwankte. Mehr als Ausweichen wäre für sie nicht drin, aber das würde nicht reichen, aber erst mal war Zeit schinden angesagt.

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BeitragThema: Re: Die Prinzessin auf der Reise   So 26 Okt 2014 - 20:03

Wie erwartet, war es für Natascha ein Leichtes, den Feind von hinten zu erwischen, auch wenn sie in schlechterer Verfassung war, als erwartet. Kaum hatte sie auf den Hünen eingeschlagen, zerbröckelte auch schon das Eis an ihrem Arm, und der Mann drehte sich zu ihr um, offenbar hatte sie ihn nicht sehr stark verletzen können. Der Kutscher wurde zu Boden geschleudert und machte keine Anstalten, sich wieder aufzurappeln, und mit ziemlicher Sicherheit würde Natascha jetzt irgendwelche Probleme bekommen… doch dafür scherte sich Shi herzlich wenig. Er wandte sich auf den Ruf seiner Partnerin hin um und machte sich, so schnell er eben konnte, auf in die entgegengesetzte Richtung der Kutsche. „Hey, kleiner Freak!“, schrie er, so laut er konnte. „Ich hole mir jetzt das Mädchen zurück, also komm zurück und kämpfe wie der kleine Junge, der du nun einmal bist!“ Ihm war vollkommen klar, dass er nicht viel jünger sein würde als der Körper, den er derzeit beherrschte, vielleicht sogar älter, aber was tat das zur Sache? Er war das finsterte, das ein Finstermagier hatte! Er war der Tod, der aus der ewigen Dunkelheit herausgrabschte!
Er war Shi!
Und so ein Kind würde Shi sicher nicht entkommen. Schon gar nicht, wenn es etwas besaß, das den Unterhalt von Shis Wirt sicherte. Amaya war eine Ware, eine Ware, die nach Marokkasu Town geliefert werden sollte, und wenn jemand versuchte, den Finstermagier mit der finstersten aller Seelen um seine Ware zu betrügen, dann würde sich die Finsternis dieser Seele teilen und etwas hervorschicken, das finsterer war als alles, was existierte, je existiert hatte, je existieren würde. Und wenn die goldenen Monde, die die Sicht des Magiers kontrollierten, von der wunderschönen, weißen Pracht der Dunkelheit überdeckt wurden, dann musste sich die Welt, die Licht wie Finsternis beherbergte, davor in acht nehmen, dass diese „Mondfinsternis“ nicht zu viel Licht verbannen würde…
So lief Shi durch die Nacht, schwach beschienen vom hervorkommenden Mond, die Sinne zum Zerreißen gespannt, darauf fixiert, seine Ware zurück zu erhalten, die glänzend weißen Haare hingen vor seinen Augen, und doch sah er die Welt um ihn herum so klar wie Wasser in einer Glasschüssel. Noch ging er davon aus, dass der Junge vor ihm weglief, doch ein halblautes Keuchen rechts von ihm ließ ihn innehalten. Er starrte in die Richtung, aus der es gekommen war, und tatsächlich, hinter einem dicken Baumstamm lugte ein Bein hervor. Es war nur der Unterschenkel, verpackt in einer zerschlissenen Jeans, doch es reichte dem Weißhaar, um zu erkennen, dass das der Junge sein musste. Wenige Schritte später stand er an dem Baum, und der Jugendliche saß - mit geschlossenen Augen, an die Kamagoshi geklammert und sich offenbar leise Mut zusprechend – einfach da. „Hallo, Freak“, sagte Shi ruhig, aber bestimmt, und der junge Entführer zuckte zusammen, sprang auf und versuchte, noch immer an das Mädchen geklammert, fortzurennen. Sein Fehler, denn Emarus Alter Ego streckte einfach die Hand aus, formte eine Pistole, und schrie aus voller Kehle: „Devil´s Bullet!“ Da der Junge stur und verängstigt einfach geradeaus lief, ohne auf den Ruf zu achten, traf die Kugel aus Finsternis ihn direkt in den Rücken, er verlor das Gleichgewicht und kippte vornüber, Amaya loslassend. Der Magier stellte sich neben ihn und trat ihn mit rechts leicht in die Seite. „Der Spruch eben war noch gar nichts, Kleiner, ich hab noch einiges mehr zu bieten“, log Shi, dem klar war, dass Emarus Mana gerade so noch für einen weiteren Zauber reichen würde, ohne völlig umzukippen. „Du tust jetzt besser, was ich dir sage, sonst passiert was!“ Das Kind am Boden stand auf und nickte resignierend, in seinen Augen bildeten sich Tränen, was den Zauberer innerlich tief berührte: So ein Weichei… ich sollte ihn eigentlich töten… Warum ist Emaru noch gleich in einer Gilde? Doch er tötete das Kind nicht, sondern hob einfach Amaya hoch, was mit seinem Bein ziemlich schmerzhaft war. „Ah… Ich kann sie so nicht tragen…“, murmelte er, ehe er bemerkte, wie sich langsam ihre Augen öffneten. Im nächsten Moment stand er kerzengerade da, die Haare aus dem Gesicht gefegt, der güldene Blick, der sonst Emaru vorenthalten war, auf die blauen Augen gerichtet, die sonst so eisig wirkten, aber jetzt – ob es das blasse, sich ausbreitende Mondlicht war oder der Fakt, dass sie gerade aufwachte – schien es, als wäre dies Eis gebrochen und was er sah, war der wunderschöne See, der sich darunter verborgen hatte. Vielleicht spielte ihm da aber auch nur seine poetische Seele einen Streich, wer wusste das schon. Amaya jedenfalls schloss die Augen und murmelte nur leise: „Emaru… Danke.“ Es dauerte nur wenige Sekunden, bis sie einschlief, doch sie wirkte fröhlicher als zuvor. Shi nutzte ihren Schlaf, um den Körper an den Jungen, der an Flucht gar nicht mehr dachte, zu übergeben und griff sich an die schmerzende Wunde an seinem Bein. Dann ergriff er die linke Schulter des Entführerkindes und führte es zu der Kutsche zurück. Inzwischen hatte er völlig verdrängt, in was für einer Situation er die anderen zurückgelassen hatte, die finstere Seele dachte nur daran, wie Amaya ihn eben angesehen hatte. Das war kein Blick, den ein Mädchen Emaru zuwerfen würde… Sie musste gespürt haben, dass die Situation sich verändert hatte, dass sie keinem gierigen Moralapostel in die Augen geblickt hatte, sondern dem Traum einer jeden Frau dieser Welt. Sie hatte erkannt, dass es sich hierbei um einen völlig anderen Menschen handelte… oder? Aber eigentlich war das nicht wichtig, Emaru hatte seine Ware wieder, die Diebe würden hart bestraft werden – Diebstahl wurde als schlimmer angesehen, wenn es sich bei dem Diebesgut um Menschen handelte, warum, verstand Shi nicht – und er hatte etwas getan, das so ehrvoll war, dass Emaru ihm in nächster Zeit keine Vorwürfe würde machen dürfen. Ende gut, alles gut…
Nein, Moment, da war ja noch etwas. Da war Natascha, die er in schlechtester Verfassung bei dem Riesen und den beiden anderen Verletzten zurückgelassen hatte. Und der Kutscher. Was würde passieren, wenn sie zurückkehrten? Wenn das Mädchen verloren und die anderen beiden sich erholt hätten? Wenn er den Jungen, der die schlafende Amaya trug, zu seinen Kumpanen brachte und dann mit einem Zauber vier Feinden gegenüberstand? Es wäre wohl besser, erst einmal aus dem Geheimen zu überprüfen, wie es stand, und genau das hätte Shi getan, wenn er auch nur einen Gedanken daran verschwendet hätte. Doch er war zu fixiert darauf, an eine ihn anhimmelnde Kamagoshi zu denken, und es als eine „Ende gut, Alles gut“-Situation anzusehen. Wie es wohl bei der Kutsche verlaufen war…?

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BeitragThema: Re: Die Prinzessin auf der Reise   So 26 Okt 2014 - 20:04

Schon kurz nachdem Emaru aus Nataschas Blickfeld verschwunden und sie mit dem Fleischberg, der ihr Gegner sein sollte, alleine war, sauste auch schon die Faust eben jedes Fleischberges heran. Schnell war er nicht und Tascha konnte ganz einfach mit einem Sprung zur Seite ausweichen, doch hatte sie zwei Nachteile, sie war verletzt und das Blut kam immer mehr in Regung, es wollte fließen und würde das letzte bisschen Eis schnell nutzlos werden lassen. Der zweite Nachteil war, dass der Kerl abgesehen von dem Tritt den er von Emaru einstecken musste noch vollkommen bei Kräften war, das kleine Nickerchen hatte ihm also sogar geholfen. Hastig zog sich die junge Magierin zurück, sie musste Zeit schinden, damit Emaru Amaya befreien konnte, doch wie lange würde das dauern? Sie selbst musste etwas tun, leider war das Was die nächste wichtige Frage. Was konnte sie denn tun? Nun ja, zu aller erst würde einen besseren Kampfplatz finden müssen, doch wo? Mitten im Wald war sie eigentlich in ihrem Element, aber durch ihre Verletzung würde es dennoch schwierig werden sich dort zu bewegen und sie hatte nicht genug Spielraum um kurz auf einen Baum zu klettern, jedenfalls nicht einhändig. Also wanderte der Blick der Magierin weiter, sie konnte den Kerl nicht zu lange aus den Augen lassen, aber er hatte wohl nicht damit gerechnet, dass sein Opfer einfach ausweichen würde, er war wohl nicht einer von der helleren Sorte. Das war es doch, damit hatte Natascha etwas herausgefunden, sie musste es nur richtig nutzen. Würde sie das überhaupt können? Doch leider war die kurze Bedenkzeit jetzt um, denn der Fleischberg preschte heran, wie ein wütendes Rhinozeros, doch war er auch so wendig wie eines. Mit nur einem schritt zur Seite konnte Natascha dem wütenden Angriff ausweichen und sich in eine Verteidigungshaltung stellen, während ihr Angreifer wieder nachdenken musste, warum er nicht getroffen hatte. Nur Muskeln kein Hirn, vielleicht kann ich ihn dazu bringen selbst ins Verderben zu laufen. In Nataschas geistigem Auge formte sich eine Idee, leider stand sie zu weit von der Kutsche entfernt, um diese sofort umsetzen zu können. Doch wenn es funktionierte, würde Emaru ihr nicht mal mehr helfen müssen. Schnell hastete sie zu der Kutsche, doch bevor sie überhaupt in der Nähe des Gefährtes war hörte sie ein Schnauben hinter sich, für was hielt der Kerl sich einen Stier? Dieses Mal war es leider nicht mit einem Schritt zur Seite getan, der Kerl lernte wohl dazu, wenn auch nur wenig, denn schnell einen Haken geschlagen konnte Natascha wieder ohne Probleme ausweichen. Jetzt rannte sie hinter dem Fleischberg her und steuerte immer weiter auf die Kutsche zu, zwar wurde der Angreifer langsamer, offensichtlich wollte er sich gerade zu ihr umdrehen, doch Natascha konnte problemlos an ihm vorbei schlüpfen. Kämpfen konnte ihr Kontrahent nicht, denn sonst hätte eine totale Anfängerin wie sie nicht so oft ausweichen können und dass sie jetzt sogar ihr Ziel, die Kutsche, erreicht hatte ohne auch nur groß gestört worden zu sein, senkte nochmal die scheinbare Gefahr durch den Mann. Hastig, ohne wirklich auf ihre Umgebung zu achten, schob sich Natascha zwischen die Pferde, hoffentlich reagierten sie so, wie die Pferde, die sie aus der Karawane kannte. Denn schon war der Kerl zwischen den Pferden aufgetaucht, ein harter Klaps von Natascha auf die Seiten der Pferde brachte die Tiere zum Austreten, und ihre Hufe trafen den Mann direkt in den Magen, doch zeigte er keine Reaktion. Was war nur falsch mit dem Kerl? Doch leider konnte Natascha nicht weiter über diese abnormale Kraft nachdenken, denn er packte das Mädchen und zog sie zu sich ran. “Nun hör mal zu, Süße, wenn du dich noch weiter wehrst, müssen wir dich leider verletzen, ich würde es vorziehen, wenn du einfach ruhig bleibst und vielleicht auch die Nacht bei mir verbringst“ Ein lüsternes Grinsen zeigte sich auf dem Gesicht des Mannes. Hat der Kerl sie noch alle? 'Die Nacht bei ihm verbringen'? Der Fuß von Natascha schnellte empor und traf den Kerl an der Stelle, die Emaru schon in Mitleidenschaft gezogen hatte. Ein gequälter Aufschrei folgte auf die instinktive Handlung der Magierin, doch das was danach passierte verschwand in einem Nebel aus einer Mischung von Blut und Bewusstlosigkeit, denn der Kerl hatte sie gegen einen nahen Baum geschleudert. Nur dass Emaru, aber auch der Junge, der Amaya entführt hatte aus dem Wald traten, bekam sie zum Schluss noch mit. Schade, dass Natascha nicht so helfen konnte, wie sie es wollte.

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BeitragThema: Re: Die Prinzessin auf der Reise   So 26 Okt 2014 - 20:05

Shi folgte dem Jungen, der inzwischen den Kopf gesenkt hatte und nicht einmal mehr an Flucht zu denken schien. Der Magier musste ganz schön Eindruck gemacht haben, als er ihn mit durchstochenem Bein verfolgt und am Verschwinden gehindert hatte. Außerdem ließ sich an seiner Haltung erkennen, dass sein Rücken wegen der Kugel aus Finsternis noch immer schmerzte. Ein zufriedenes Grinsen zeichnete sich ab auf den Lippen unter den rotweißen Haaren, er war eben doch ein besserer Magier als sein Wirt, obwohl ihre Fähigkeiten genau dieselben waren. Er kannte keine Gnade, keine Müdigkeit, keine Unsicherheit, seine Einstellung war perfekt für den Kampf geeignet, und wenn Emaru mal seinen Körper trainieren würde, wäre sein Alter Ego unaufhaltsam, vorausgesetzt, er konnte diese Hülle mal vollständig unter Kontrolle bekommen. Allerdings lag genau da das Problem, dieser schwache Mensch mit den güldenen Augen gehörte dem Goldaugen-Freak, Emaru, deswegen war sein Bewusstsein hier stärker ausgeprägt als das des wundervollen, genialen Kämpfers Shi. Doch zurzeit hatte er die Kontrolle, und das auszunützen, würde eindeutig Spaß machen, angefangen damit, einem Feind eine Kugel in den Rücken zu jagen – sehr amüsant.
Kaum traten die beiden auf die Lichtung, ließen sich wiehernde Pferde hören, und kurz, nachdem Shi gerufen hatte: „Hey, Natascha, ich hab das Mädchen. Wo steckst du?“, knallte die eben genannte an einen Baum, ein Stück entfernt auf der rechten Seite, von ihm aus. „Oh, du hast ihn noch nicht besiegt?“, fragte der Ex-Weißhaarige grinsend, kaum hatte er sich daran erinnert, dass er sie ja mit einem geschwächten Hünen zurückgelassen hatte. Leider schien sie nicht ausreichend bei Bewusstsein zu sein, um seinen netten Scherz zu hören, und das war wirklich blöd, denn mit nur einem übrigen Zauber und einem Feind, der scheinbar nicht ausgeschaltet werden konnte, stand ihm nur noch sein wundervoller Humor zur Seite, und wenn seine – scheinbar gänzlich unfähige – Partnerin ihn nicht hören konnte, war der einzige Erfolg, den er hatte, der Fakt, dass der Entführerjunge noch nicht bemerkt hatte, welche Chance sich ihm da bot. Offensichtlich war er noch immer davon überzeugt, keine Chance gegen den verwundeten Zauberer zu haben, selbst mit seinem riesenhaften Partner zusammen. Ein fataler Irrtum für ihn, aber er hatte auch allen Grund, so zu denken, nach Allem, was ihm erzählt worden war und was er gesehen haben musste… wie einer seiner Kameraden nach dem anderen fiel… Und Natascha war nun wirklich nicht stark genug, um als wahre Gefahr gewertet zu werden, also musste es Emaru gewesen sein, der das alles getan hatte, so dürfte das zumindest der Junge sehen. Obwohl, von welchem Moment an hatte er den eigentlich zugesehen? Er konnte sich ja nicht von Anfang an in der Kutsche versteckt haben, das wäre aufgefallen. Es musste während des Kampfes gewesen sein, während dem zwei gegen drei, dem Kampf der Gildenmagier gegen zwei Männer und eine Frau, und bevor Natascha sie zur Kutsche zurückgelockt hatte. Er musste geschickt sein, wenn er sich in den Wagen begeben konnte, ohne dass dieser Idiot von Kutscher ihn bemerkt hatte, und dann hatte er auch noch Amaya ausgeknockt… oder hatte er sie schlafend aufgefunden und ihr dann Schlaftabletten gegeben, oder so etwas? Ja, das war viel wahrscheinlicher, als dass dieser faule Feigling die Kampfkunst beherrschte. Dass Amaya einschlafen würde, war sowieso klar gewesen, immerhin wusste sie nichts von dem Überfall, und selbst wenn, hätte sie wohl nur genörgelt und sich dann, in Sicherheit gewogen, schlafen gelegt. Dass sie nach dem lauten Schrei des Hünen erwacht war, konnte Shi ja nicht wissen, und er dachte auch kaum noch daran, wie der Kampf zuvor verlaufen war. Alles, was im Moment zählte, war das Hier und Jetzt, und das sah nicht sonderlich gut aus, doch ein Zögern durfte sich der Zauberer nicht erlauben, ansonsten würde der Junge den Bluff durchschauen, überlaufen zu seinem Verbündeten und wenn die Karten auf den Tisch fielen, dann hätten sowohl Emaru, als auch Natascha, und natürlich der finstere Todesparasit Shi verloren. Also trat er hinter seinem unfreiwilligen Begleiter hervor, knurrte ein „Wage es nicht, zu fliehen!“, und blickte zu dem Kerl, der sich gerade von den Pferden wegbewegte. Er stand noch, und das, obwohl sich eindeutig ein Hufabdruck in Höhe seiner Magengegend befand. Der Typ war nicht von schlechten Eltern, wenn man bedachte, dass man drei sehr schmerzempfindliche Punkte seines Körpers hart attackiert hatte; ein Pferdetritt in den Magen, der Schlag einer kantigen Eisfaust gegen seinen Nacken, und das Aufschlitzen einer sehr… unpassenden Stelle. Er wankte, er sollte eigentlich gar nicht mehr stehen, doch was ihn antrieb, war der Zorn. Der Zorn auf den jungen Zauberer, der das Wertvollste verletzt hatte, das der Mann besaß. Entsprechend stapfte er auf ihn zu, kaum dass er bemerkt hatte, dass sein Gegner zurückgekehrt war. Obwohl, stapfen war langsamer, der Angreifer bewegte sich schnell, trat hart auf und verschaffte sich einen Schub, dass er mit seinem gebeugten Körper und nach vorne gerichteten Schädel wie ein Stier aussah, dem jemand die Hörner abgesägt hatte. So ein Idiot. Selbst Emarus langsamer Körper ließ zu, dass ein einfacher Schritt ihn aus der Gefahrenzone bewegte, und kurz bevor der Kopf des rasenden Hünen seitlich die vorgestreckte Faust der weißhaarigen Bohnenstange passierte, erschallte der Schrei: „Claws of Darkness!“ Wie erwartet, rannte der Trottel hindurch, obwohl er sofort abzubremsen versuchte und den Oberkörper hochriss, was ihm wahrscheinlich das Leben rettete. Die stürzende Gestalt mit dem angeschnittenen Kopf war ein grauenvoller Anblick, es erinnerte ein eine schlimmere Version der Kopfwunde, die die weißen Haare verunstaltet hatte, und während sich der „Handschuh“ um Shis Hand auflöste, grinste er und drehte sich um zu dem geschockten Jungen. Er deutete zuerst auf Amaya, dann auf die Kutsche, und sogleich wurde das Mädchen in den hölzernen Wagen gelegt. „Gut so, Freak!“, war der ganze Dank, den der Kleine zu erwarten hatte, „Jetzt fesselst du den großen Kerl da drüben und die Frau, die da rumliegt.“ Während er das sagte, holte er ein paar Seile unter dem Kutschbock hervor, die Emaru beim einlagern des Esstisches entdeckt hatte. Als er den Körper des dritten Angreifers holen wollte, war dieser bereits weg, offenbar war auch er zu sich gekommen und, im Gegensatz zu seinem dümmlichen Begleiter, abgehauen. Also begab sich Shi zurück und sah erfreut, dass der Junge einen erneuten Fluchtversuch nicht in Erwägung gezogen hatte. Langsam wurde es allerdings Zeit, sich schlafen zu legen, das Bein tat inzwischen nämlich wirklich ziemlich weh, weswegen er den letzten seiner Feinde dazu brachte, sich hinzusetzen – bei dessen Angst kein Problem – und auch dessen Arme und Beine fesselte. Dann begab er sich zu dem Baum, an dem seine Teamkameradin lag, stellte seine Füße seitlich ihrer schlaff liegenden Beine ab und senkte sich auf die Knie, sein Gesicht dem ihren nahe, ehe er sie wachrüttelte. Sie hatte einiges davongetragen, das sah man, aber ihr Zustand war weit besser als der des Riesen, dieser würde wohl nicht so schnell aufwachen, auch wenn er noch lebte. Sie dagegen öffnete bald langsam die Augen, nur um mitten in das Gesicht des Dargin zu sehen, die Augen durch teils weiße, teils rote Haarsträhnen verdeckt, und darunter ein riesiges Grinsen. „Natascha… das ist kein sonderlich gemütliches Plätzchen. Wir sollten uns in die Kutsche begeben. Es wird eine ziemlich kühle Nacht, aber du darfst dich gerne an mich kuscheln…“ Mit einem weiteren Überfall rechnete er nicht, um den ein kleines Stück entfernt an Boden liegenden Bediensteten der Kamagoshi scherte er sich nicht, und er hielt sein Gegenüber in diesem Zustand nicht für geistesgegenwärtig genug, seinen Annäherungsversuch zu verstehen, weshalb er es gar nicht erst mit Manipulation versuchte; das Angebot allein dürfte ausreichen für eine Nacht, die die dunkle Seite des Finsternismagiers genießen konnte, ehe er diesen schwächlichen Körper wieder seinem wahren Besitzer zurückgeben musste. Das Leben konnte so schön sein, wenn man seinen eigenen Körper hatte und mehr war als nur eine Stimme in einem weißhaarigen Hinterkopf. Am nächsten Tag würde das immermüde Langweiler-Weißhaar mit seinen roten Sprenklern klarkommen müssen, und auch das Verhör der Gefangenen würde an ihm haften bleiben. Shi hoffte einfach nur, diese eine Nacht genießen zu können, ausnahmsweise…

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Amelia
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BeitragThema: Re: Die Prinzessin auf der Reise   So 26 Okt 2014 - 20:05

Ächzend erwachte Tascha, sie lag auf etwas Unbequemen und konnte sich kaum bewegen. In ihren Rücken bohrte sich etwas Spitzes und zwang sie sich langsam aufzusetzen, erst jetzt bemerkte Tascha, dass sie auf der Kutsche gelegen hatte und das Spitze, das sich in ihren Rücken bohrte, war ein Koffer aus Mahagoni Holz. Was war passiert und warum lag sie hier oben auf der Kutsche? Krampfhaft versuchte sich Natascha zu erinnern, doch keine einzige Erinnerung wollte klar erkennbar sein, nur nebulöse Schemen der Nacht erschienen in ihrem Kopf, verschwommen und umwölkt. Aber es brachte nichts, wenn sie weiterhin auf dem Dach der Kutsche liegenblieb, sie musste aufstehen. Außerdem konnte sie Emaru nirgends sehen. Emaru? … Plötzlich und unvermittelt erschienen vor Taschas innerem Auge Bilder der letzten Nacht, sie waren nur fragmentartig und zeigten meist nur einzelne Situationen, aber durch diese Impulse erinnerte sich Natascha langsam an das, was zuvor in der Nacht passiert ist. Der Kampf spielte sich in Bildern nochmal ab, auch Amaya, wie sie entführt wurde und Emaru, wie er irre lachte, ebenfalls ihr eigener Kampf mit dem Muskelprotz und wie er sie ausgeknoggt hat und zuletzt die Frage Emarus, ob sie nicht die Nacht gemeinsam verbringen sollten. Und genau diese Erinnerung brachte Tascha auch darauf, warum sie auf der Kutsche genächtigt hatte, sie wollte nicht an das denken, was Emaru von ihr wollte und hatte sich panisch in Sicherheit gebracht. Warum hat er mir gestern diese Frage gestellt? Besonders in einer solchen Situation. Was hatte Emaru überhaupt zu einer solchen Frage genau veranlasst, sie hatte ja keine Ahnung, das Shi existierte? Sie würde wohl Emaru fragen müssen, aber dafür musste sie erst einmal von diesem Gefährt herunter kommen. Geschickt, wenn auch einarmig, kletterte Tascha an der Kutsche herab und griff sich ganz nebenbei ein Päckchen Schinken, dass sie verputzen würde. Am Liebsten würde sie es sofort essen, aber mit nur einem Arm war das Klettern schwer genug und dabei Schinken aus zu wickeln war fast ein Ding der Unmöglichkeit. Deswegen musste die Eismagierin leider warten bis ihre Füße den Boden berührten und sie sich mit ihrem gesunden Arm über das Fleisch hermachen konnte. Herzhaft biss sie in den Schinken und machte sich auf die Suche nach Emaru, der Schinken war perfekt gewürzt und Tascha zweifelte nicht daran, dass dieser Schinken eigentlich für Amaya gedacht war, nun schmeckte er sogar noch besser, war Natascha fies? Vielleicht. Schmatzend lief Tascha über die Lichtung, naja sie versuchte es, denn nach nur wenigen Schritten stürzte sie über etwas, das am Boden lag. Es war der Kutscher, leise schnarchte er auf dem Boden, verletzt schien er kaum zu sein, er hatte die Nacht wohl relativ gut überstanden, vielleicht war er erschöpft gewesen. Vorsichtig weckte Tascha den Kutscher, jedenfalls so vorsichtig, wie man sein konnte, wenn man jemanden mit einem Fußtritt weckt. Überrascht schrie er kurz auf und setzte sich aufrecht hin, noch schlaftrunken schmatzte er einige Mal, bevor er sich an Natascha wandte. „Was soll das denn? Und wo ist Kamagoshi-sama?“ Noch vom Schrei des Mannes verunsichert, wusste Natascha kaum was sie sagen sollte, schnell biss sie nochmals von dem Schinken ab und richtete den Blick auf den Kutscher. “Ich weiß nicht, was mit Kamagoshi-sama passiert ist, aber da wir scheinbar überlebt haben, sollte das heißen, dass wir gewonnen haben und sie in Sicherheit ist. Wir sollten Emaru suchen, da ich leider während des Kampfes bewusstlos wurde, er sollte alles erklären können.“ Mit diesen Worten erhob sich Tascha vom Boden, auf dem sie immer noch gelegen hatte und schlenderte in Richtung der Kutsche, sie sollte vielleicht auch hineinsehen, vorhin waren die Vorhänge zugezogen. Plötzlich ertönte die Stimme des Kutschers hinter ihr. „Ist das der Schinken von Kamagoshi-sama?“ Was sollte sie darauf antworten? Lieber verdrückte sie das letzte Stückchen Fleisch und riss die Tür zur Kutsche auf. Dort lagen die gefesselten Gegner der letzten Nacht neben Amaya und schliefen, ob Emaru in der Kutsche war konnte Tascha nicht erkennen, dafür war es darin zu dunkel. “Was ist denn hier los?“ Mehr brachte sie aus Überraschung nicht heraus.

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Emaru
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BeitragThema: Re: Die Prinzessin auf der Reise   So 26 Okt 2014 - 20:07

Natascha lehnte in der Kutsche und fragte, was denn hier los sei, doch damit, dass gleich die Stimme ihres Begleiters über ihre Schulter schallen würde, rechnete sie offenbar nicht: „Ich… bin nicht ganz sicher, Natascha-san.“ Dort stand er, der Weißhaarige, den Verband hatte er inzwischen von seinem Kopf genommen, nur ein kleines Stück, das an seinem angetrockneten Blut an der Stirn klebte, hatte er nicht abbekommen. Es war zerfetzt, doch noch klebte es sehr stark, und Emaru hatte den Versuch, es abzubekommen, längst aufgegeben. Seine Haare waren immer noch nur zum Teil weß und zum Teil rot verklebt, es war einfach grauenvoll, doch was sein musste, musste sein. Obwohl, das war keine Kampfwunde… es war eine Vorkampfwunde. Beschämend. Was also war geschehen, von dem Moment an, in dem Shi ihr angeboten hatte, sie die Nacht über warm zu halten, und dem, in dem sie erschrocken aufwachte, und das auf dem Kutschendach?
Es war eine ziemliche Enttäuschung gewesen für Shi, als seine Begleiterin einfach geflohen und auf das Kutschendach geklettert war. Natürlich hätte er ihr problemlos folgen können, sie war noch immer ziemlich hinüber, seinen Willen zu bekommen wäre das einfachste dieser Welt. Allerdings war das absolut nicht sein Stil, weil es einfach nicht den geringsten Stil hatte; es passte einfach nicht zu Shi, einer Frau etwas anzutun, wenn es ihr so sehr widerstrebte. Ihr zu helfen war aber nun auch nicht in seinem Sinne, sie hatte sich selbst dafür entschieden, in dieser ungemütlichen Situation zu schlafen. Was die Kutsche anging, diese war ihm inzwischen zu voll, Emarus Geist hatte sich längst zur Ruhe gelegt und auch für den Kutscher interessierte er sich herzlich wenig. Schlafen wollte er eigentlich auch nicht, doch in seinem Zustand würde das wohl das Beste sein. Da einer der Entführer clever genug gewesen war, wegzulaufen, bestand immer noch die Möglichkeit, dass er zurückkehrte, weswegen er sich nicht irgendwo offensichtlich auf dem Platz positionieren sollte, stattdessen ging er ein Stück weiter nach hinten, an den Baum, auf dem Natascha gehockt hatte, als sie auf die Attacke warteten. An dessen Rückseite ließ er sich nieder und seufzte; heute war ihm keine schöne Nacht vergönnt, auch wenn er es immerhin geschafft hatte, ein wenig Blut zu vergießen. Vielleicht würde er Natascha bei einer anderen Begegnung zu einer Nacht überreden können, aber die Wahrscheinlichkeit dafür war gering. Immerhin gab es dafür drei Voraussetzungen: Sie mussten aufeinandertreffen, Emaru durfte es nicht versauen und, was am wichtigsten war, Shi musste das Kommando über den Körper erlangen. Eines Tages würde das geschehen, eines schönen Tages, davon war er überzeugt… aber vorerst konnte er sich nur schlafen legen und davon träumen, wie es wäre, Besitzer dieses Körpers zu sein. Dieser verdammte glückliche Emaru…
Am nächsten Morgen wachte der Weißhaarige auf, das Geräusch einer von der Kutsche absteigenden Person war zu hören, und aus irgendeinem Grund schlief er an einem Baum. An diesem blickte er nun vorbei, die Person, die da kletterte, war seine Mitmagierin Natascha. Sie stieg herunter und begab sich zum Eingang der Kutsche, lehnte sich hinein um die Frage zu stellen, was denn hier los war. Also schritt er von hinten zu ihr und antwortete: „Ich… bin nicht ganz sicher, Natascha-san. Aber es sieht aus, als hätten wir gewonnen.“ Das tat es, auf jeden Fall. Drei gefesselte Feinde ließen sich sehen, ein Mann, eine Frau, ein Junge, zwei davon ziemlich schlecht zugerichtet. Der Junge war wohl schon eine Weile auf, kaum sah er Emaru, schreckte er auch schon zurück. Wieso, das wusste der Zauberer nicht, aber irgendwie war es ein gutes Gefühl zu sehen, dass er ihm Angst einflößte. Offenbar hatte Shi sich nicht zurückgehalten gestern. Auch die Frau fing langsam an, sich zu bewegen, ihr Blick aber fiel auf Tascha, wütend sah sie aus. Meister Kutsch hatte sich auch dafür entschieden, aufzustehen, und hob sanft das reiche Mädchen aus der Kutsche hinaus. „Wachen sie bitte auf, Kamagoshi-sama, ich muss die Kutsche wieder herrichten.“ Ja, etwas mitgenommen sah sie aus, das stimmte. Außerdem ein wenig blutverschmiert, das stammte vielleicht sogar noch von seinem Kopf. Doch das interessierte die junge Dame gerade herzlich wenig, so schien es, müde stand sie da und rieb sich die Augen, das sah geradezu niedlich aus. Jetzt war sie wohl nicht mehr als eine zwölfjährige, die nach einer alptraumartigen Nacht müde aus dem Bett gekrochen war. Das änderte sich aber schnell als ihr Blick auf die beiden Magier fiel, wurde er irgendwie… weich, und freundlich, wenngleich die Müdigkeit darin blieb. Sie sagte nichts, aber sie wirkte gerade beinahe… nett. Das erstaunte Emaru durchaus, momentan waren für ihn aber die beiden wachen Gefangenen wichtiger. Der Junge wirkte ziemlich eingeschüchtert, nicht nur von dem Magier, sondern auch von seiner eigenen Begleiterin, aus ihm würde man wohl kaum etwas heraubekommen. Also wandte er sich direkt an die andere, erst jetzt, bei diesem Licht, bemerkte er, dass ihre langen Haare einen sehr dunklen Rotton hatten. Wie stillos. „Also gut. Wieso wolltet ihr Amaya entführen?“, fragte er gelangweilt, während er direkt vor der jungen Frau stand. „Und bitte versucht nicht, mich anzulügen.“ "Warum wir sie entführen wollten?", schrie ihm die Rothaarige entgegen, offenbar auf hundertachzig. “Wegen dieser verzogenen Göre haben wir kaum etwas zu essen! Und wenn wir ein bisschen Geld von ihren unendlich reichen Eltern wollen, dann kommt ihr und versucht, uns zu töten!“ Er wollte gerade einwerfen, dass er nicht versucht hatte, sie zu töten, als ihm Shis Auftreten wieder einfiel, und er konnte ja nicht wissen, was genau dieser getan hatte. Kurz schweifte sein Blick zu dem Koloss, der noch immer regungslos da lag. Lebte er? “Ihr habt meinen Bruder so grauenhaft zugerichtet!“, schrie sie weiter, Emarus Blick folgend. “Und deine brutale Freundin hat mir die Beine zertrümmert! Was du meinem Sohn im Wald angetan hast, will ich gar nicht wissen!“ Sohn?, schoss es Emaru durch den Kopf. Das ist eine Familienaktion…? “… Nun gut“, antwortete er ruhig, während er sich wegdrehte. “Du sagtest, ihr hättet wegen Amaya kein Essen gehabt?“ “Ja… seit sie gekommen ist, kauft die alte Frau ständig alle Lebensmittel weg, deswegen ist der Preis in die Höhe geschossen! Arme Leute wie wir können uns davon nichts leisten, aber das interessiert diese reichen Pinkel ja nicht!“ “… Ich verstehe.“ Das war die ganze Antwort, die sie bekam, ehe der Rotweißhaarige sich zur Kutsche begab und auf den Kutschbock kletterte. Als er wieder zurückkehrte, hielt er zwei größere Beutel in den Händen. “Das hier ist die Hälfte unseres bisherigen Reiseproviantes. Wenn ihr nie wieder so etwas versucht, lasse ich ihn euch. Vorausgesetzt, Kamagoshi-sama hat kein Problem damit?“ Bei dieser Frage blickte er direkt zu ihr. Während der Ausführungen der Entführerin hatte sie irgendwann begonnen, einen schuldbewussten Blick aufzusetzen, jetzt zuckte sie überrascht zusammen und verneinte hastig. Sie fühlte sich gerade wohl tatsächlich ziemlich schuldig. Also legte der Zauberer die beiden Säcke einfach auf den Boden und machte sich dann auf den Weg zurück zur Kutsche. Kurz bevor er einstieg, sah er allerdings noch einmal zu seiner Gildenkollegin. “Ach ja, Natascha-san, würde es dir etwas ausmachen, den Jungen loszubinden? Wir können dann auch gleich weiterfahren, wenn du nichts dagegen hast.“ Damit begab er sich völlig in das hölzerne Gefährt, und zögerlich folgte die Kamagoshi ihm nach. Alles wartete also nur noch auf Natascha.

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BeitragThema: Re: Die Prinzessin auf der Reise   So 26 Okt 2014 - 20:07

Geduldig hörte Tascha dem Gespräch zwischen Emaru und der finster blickenden Frau zu, nun ja, nicht ganz, sie knabberte wieder an einem Stück Schinken. Woher sie das hatte? Das sollte man schon lange nicht mehr bei Tascha fragen, sie kannte Wege um an Nahrung zu kommen. Man könnte natürlich auch einfach sagen, dass das Mädchen nach oben auf die Kutsche gegriffen hatte und ein weiteres Paket Schinken genommen hatte. Aber das klang weit weniger interessant und mysteriös, als zu sagen, dass sie einfach Möglichkeiten finden konnte, um sich etwas zu essen zu besorgen. Jedenfalls stand sie jetzt schmatzend neben der Kutsche und realisierte erst jetzt, dass ihre Angreifer von letzter Nacht eine Familie waren, die unter der Anwesenheit Amayas hatten leiden müssen. Es wäre zu viel gesagt, wenn Natascha alles verstanden hätte, sie war nicht der Typ, der alles verstand und musste es auch nicht, aber sie verstand, dass wenn die Preise durch Amayas Familie gestiegen sind und sich die Leute im Ort nichts mehr leisten konnten, die Leute litten. Irgendwie kann ich sie verstehen, wenn ich nichts mehr zu essen hätte, nicht auszudenken Bei diesem für Natascha sehr unangenehmen Gedanken lief ihr ein Schauer über den Rücken und sie schüttelte sich wirklich etwas. Deswegen hatte sie auch nur am Rande mitbekommen, dass Emaru sie gebeten hatte, die Fesseln des Jungen zu lösen, warum konnte er das nicht selbst? Aber Tascha war nicht so, sie beugte sich zu dem Jungen, der plötzlich sehr verängstigt wirkte, hatte er nicht mitbekommen, dass Emaru ihn losgebunden haben wollte? Vorsichtig knüpfte sie die Knoten des Jungen an den Füßen auf, was eindeutig ein Fehler war, denn kaum hatten sich die Stricke gelöst strampelte das Kind wie wild und weigerte sich weiter von Tascha losgebunden zu werden. Was sollte sie nur machen, sie konnte das Kind ja schlecht bewusstlos schlagen und dann losbinden, das wäre schon so falsch und wenn die Mutter auch noch zusieht, nein, völlig unmöglich. “Sei still und lass dich losbinden, mein Schatz, wir haben doch jetzt alles geklärt!“ Nicht gerade freundlich, wenn man bedachte, dass die Frau eigentlich die Mutter des Jungen war, auch das Schatz änderte daran wenig. Doch merkwürdigerweise schienen diese Worte zu wirken, dann der Junge beruhigte sich und ließ Tascha sogar wieder näher kommen. 'Merkwürdige Erziehungsmethoden, aber effektiv.' Ebenso vorsichtig wie bei den Füßen löste Tascha das Seil an den Handgelenken des Jungen, sie wollte ihn nicht noch mehr verschrecken, als er es jetzt schon war. Kaum fiel das Seil von ihm ab, krabbelte er unbeholfen zu seiner Mutter, jetzt mal ehrlich, wie alt war der Junge, sechzehn oder siebzehn Jahre? Was für ein Muttersöhnchen musste das sein, da war ja Tascha, trotz ihrer kleinen Macken, erwachsener und selbstsicherer. Wenige Augenblicke hatte Emaru auch den anderen Gefesselten losgebunden und der Junge und die Frau versuchten ihn aufzuwecken, was ehrlich gesagt sehr komisch anmutete, denn der Koloss brachte gut mehr Gewicht auf die Waage, als die beiden Wachen zusammen. Während sie sogar über ihn hinweg kletterten, schnarchte er seelenruhig weiter, das Bild war wirklich zu witzig und beinahe wäre Tascha sogar ein Kichern heraus gerutscht. Doch langsam konnte sie das Trauerspiel nicht mehr ertragen, egal wie witzig es war, also nahm sie eine Flasche, die neben der Kutsche herumlag, schüttelte sie um zu sehen ob noch Wasser in ihr enthalten war und entleerte den Inhalt über der kleinen Familie. Zugegeben, es war fies und man hätte das Problem auch anders lösen können, aber so war es effektiv. Der Koloss schreckte aus dem Schlaf und polterte sofort aus der Kutsche, dass er dabei beinahe das Gleichgewicht verlor und in den Matsch viel, den der Inhalt der Flasche soeben verursacht hatte, machte den Anblick wieder witzig. Erst jetzt schien der Mann richtig wach zu werden, er drehte sich wieder um und sah seine Familie. “Was ist denn hier passiert, Nee-chan und was ist mit deinen Beinen?“ Mit einem Grinsen, jedenfalls deutete Tascha das so, blickte die Frau ihren Bruder an. “Baka, trag mich lieber nach Hause und auch diese Vorräte, die bekommen wir, wenn wir so etwas nie wieder machen.“ Dabei nickte sie in Richtung der Säcke, die Emaru auf dem Boden platziert hatte und trotz der eindeutigen Beleidigung, schien dieser Satz dieses Mal wirklich freundlich und fast schon scherzhaft zu sein. So schnell wie der Mann seine Schwester hochgehoben, einen Sack mit Nahrung zu seinem Neffen geschoben und den anderen über die Schulter geworfen hatte, konnte Tascha nicht einmal sehen. Plötzlich war die Familie im Wald verschwunden. Das war es? Das war alles, kein Danke, dass ihr uns nicht den Behörden übergebt oder wenigstens für die Lebensmittel. Nur ein einfaches Verschwinden. Wenigstens hatte das etwas Gutes. “Das war ja eine Verabschiedung. Jedenfalls ist diese Quest beinahe vorbei, Marrokasu Town ist nur noch wenige Tage entfernt und scheinbar hat sich die Gefahr auch verabschiedet. Oder was meinst du Emaru?“

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BeitragThema: Re: Die Prinzessin auf der Reise   So 26 Okt 2014 - 20:09

Kaum war die Kutsche leer bis auf ihn und Amaya und die drei Angreifer entschwunden, entfuhr dem jungen Magier ein Gähnen. Die Situation des Morgens war so anstrengend wie langweilig gewesen, und nach dieser Nacht war er noch müder als sonst. Die Kamagoshi war inzwischen wirklich ruhig geworden, auch war ihr Gesicht leicht gerötet und sie blickte ihn nicht direkt an, zumindest nicht, wenn er zu ihr hin sah. Dann huschte ihr Blick immer schnell in Richtung Fenster, und ihre Wangen röteten sich noch ein wenig mehr – ein Zustand, der durchaus ein Lächeln auf seine Lippen zu zaubern wusste, wenn auch nur ein mattes. Dann wandte sich auch Natascha noch einmal an ihn, sagte, dass sie daran glaubte, dass die Mission so gut wie zuende war, und fragte nach seiner Meinung. “Hm… also, ich meine…“, begann er vor einer kurzen Pause, die er mit einem erneuten Gähnen ausfüllte. “Ich meine, das Ganze ist so ziemlich gelaufen. Und ich bin ziemlich müde… Ich werde mich etwas ausruhen. Jetzt können wir ja wenigstens weiterfahren…“ Damit lehnte er sich auch schon zurück und schloss die Augen. Es war nicht interessant für ihn, wie es weiterging, planmäßig würden sie noch am selben Tag in Marokkasu Town ankommen, und ein weiterer Überfall wäre schon makaber. Der flüchtige Dieb würde sich auch nicht trauen, allein zu attackieren, ihm müsste inzwischen klar sein, dass er allein nicht einmal die geringste Chance zum Sieg hatte, wo die beiden doch die gesamte Vierergruppe hatten ausschalten können. Amaya wirkte auch nicht so, als würde sie sich erneut über irgendetwas beklagen, und sie schien auch nicht seinen Schlaf stören zu wollen. Die trotz allem noch immer ziemlich unebene Straße machte ihm jetzt auch nichts mehr aus, er war schon relativ weit im Reich der Träume und scherte sich nicht um das stetige Ruckeln. Nur noch einige wenige Sekunden dauerte es, ehe er endgültig schlief – natürlich traumlos. Während die Kutsche weiterratterte, war er nur körperlich anwesend, sein Geist war tief in seinem Inneren eingemummelt und genoß es, sich ausruhen zu können.
Er erwachte, als der Pfad unter ihnen von einer unebenen Straße zu einem holprigen Weg aus Pflastersteinen wurde; sie waren gerade in der Stadt angekommen. Er gähnte kurz, hielt sich die Hand vor den Mund, was dazu führte, dass Amaya sein Erwachen bemerkte. "Oh, Emaru, du bist wach“, rief sie aus, freudig, und blickte ihn an. Von der verzogenen Göre, die sie anfangs gewesen war, sah man nichts mehr. "Hast du gut geschlafen? Schau, wir sind gleich da.“ Ein wenig erinnerte sie ihn an eine weniger hungrige Version seiner Kollegin, sie war so kindlich und froh… Erstaunlich, dass nur eine Nacht zwischen diesem Verhalten und dem ursprünglichen lag. Nett, wie er nun einmal war, unterhielt er sich noch mit ihr, bis die Kutsche anhielt, und er merkte schon, dass sie ihm gegenüber recht anders geworden war. Die Art, wie sie ihn ansah… was hatte Shi gemacht in der Nacht, nachdem die Frau ihm ins Bein gestochen hatte? Nach seinem Wutausbruch erinnerte sich Emaru nur noch an das Aufwachen, alles dazwischen war nie da gewesen, da nicht er, sondern nur Shi es erlebt hatte. Doch darüber brauchte er sich keine Gedanken zu machen, das Bild, das sie von ihm hatte, hatte sich ja eher verbessert als verschlechtert, also war alles gut. Als sie ausstiegen und er das Anwesen vor sich sah, in dem sie sie absetzen sollten, sah er eine eins-zu-eins-Kopie des Gebäudes, in dem sie sie abgeholt hatten. Diese Familie hatte wohl ihre Vorstellungen von dem idealen Haus, und umgewöhnen musste sich so auch keiner, sollten sie mal umziehen… Ja, das Konzept war offenbar: Möglichst einfach, aber keinesfalls schlicht. Er ging voran auf dem gut gepflegten Kiesweg, dicht gefolgt von dem Mädchen, das er zu beschützen gehabt hatte, und ein kleines Stück hinter ihnen kam die Eismagierin, die ihn begleitete. An dem großen Eingangstor klingelte er, woraufhin schnell ein Mann in einem Frack angelaufen kam und es öffnete. “Ah, Kamagoshi-sama“, grüßte er Amaya mit einer Verbeugung und bat sie, einzutreten, ohne sich um die Magier zu kümmern. “Ihre Frau Mutter wird in wenigen Stunden ebenfalls eintreffen, machen sie sich keine Sorgen“, fuhr er fort, während er das Tor hinter sich schloss. Amaya hatte sich offensichtlich noch verabschieden wollen, doch dafür war es einfach zu schnell gegangen… man wollte offenbar nicht, dass sie zu viel Kontakt mit diesem „armen Gesindel“ hatte. Emaru seufzte; es war kein Wunder, dass das Mädchen so verzogen war, er wäre es bei so einer Familie wahrscheinlich ebenfalls geworden. Langsam drehte er sich um, dann machte er sich auf den Weg, weg von dort. Als er an Natascha vorbeikam, blieb er kurz stehen und lächelte sie an: “Naja, unsere Arbeit hier ist wohl getan. Ich bin ganz schön hungrig. Hast du Lust, noch etwas essen zu gehen, ehe wir zurückkehren?“ Ja, er kannte sie inzwischen… sie würde keinesfalls ein Essensangebot ausschlagen. Und auch, wenn er nicht vorhatte, irgendwann etwas mit ihr anzufangen… ein Essen zu zweit war immer besser als allein, und er könnte ihr doch auch etwas Gutes tun. Immerhin hatte sie ihn gut unterstützt. Ja, er mochte die Eismagierin ganz gut leiden, so kindlich sie auch war. Auf jeden Fall war sie ziemlich nett, und bei der untergehenden Sonne wäre das doch ein schöner Ausgang dieses letzten Tages.

~Ende~

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