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 Robyn Skuggi

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Robyn Skuggi

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Anzahl der Beiträge : 104
Anmeldedatum : 07.08.15
Alter : 23

Magierakte
Besondere Merkmale: Vibrationsmagierin; Brandnarbe im unteren, linken Viertel des Rückens

BeitragThema: Robyn Skuggi   Di 18 Aug 2015 - 1:13

Robyn Skuggi

Can you see me?
Name
Robyn Skuggi
Spitzname
Habicht, Hawk, Elster
Geburtstag
10.11
Alter
16 Jahre alt
Gilde
Royal Crusade
Gildenzeichen
In dunkelrot schräg rechts unter ihrem Bauchnabel
Geburtsort
Crocus Town
Wohnort
Eine gemütliche Zweizimmer-Dachwohnung in Crystalline Town direkt neben dem „Nordstern“
Erscheinungsbild

Größe/Gewicht: Sie wiegt 55 kg bei einer Größe von 166 cm.
Haarfarbe: Indischrot
Augenfarbe: Himmelblau
Aussehen: Es gibt Menschen, die mit einem zauberhaften Aussehen beglückt sind; die einfach zu schön sind, um wahr zu sein. Ihr Haar ist glänzend und fließend wie Seide, die Haut glatt und rein wie Porzellan, ein Lächeln süß wie Honig, ein Gang so elegant wie ein König oder einer Königin gleich. Ihre Präsenz nimmt ihre Umgebung ein, als wären sie Adonis oder Aphrodite persönlich. Robyn wird in ihrem Leben wohl weder als Liebesgöttin betitelt werden, noch ist sie so unansehnlich wie ein Nosferatu. Robyn ist einfach Robyn und ist nur so hübsch oder hässlich, wie es ihr Gegenüber persönlich empfindet.
Sie ist nicht besonders groß und wird auch von vielen Frauen um einige Zentimeter überragt, ist allerdings auch nicht klein. Sie selbst empfindet ihre Größe als sehr angenehm, ja vielleicht fast etwas zu groß. Wer kleiner ist, passt einfach besser durch schmale Öffnungen, durch die sich Robyn mit großer Begeisterung zwängt.
Ihr auffälligstes Merkmal, das rote Haar, trägt sie etwa schulterlang in einem leichten Bob – das Haar im Nacken ist etwas kürzer als die vorderen Strähnen. Ihr Pony ist in der Mitte geteilt und in der Regel aus dem Gesicht hinter die Ohren geklemmt.  Die Strähnen, die ihr Gesicht direkt umrahmen, sind mit Haarbändern zusammengebunden, damit ihr das Haar nicht zu wild ins Gesicht hängt. Zumeist sieht man sie mit offenem Haar, wenn es jedoch zu warm ist oder sich das Haar als störend erweist, bindet Robyn es zu einem Pferdeschwanz oder zwei Zöpfen nach hinten. Die ‚komplizierteste‘ Frisur, mit der man sie wohl antreffen könnte, wäre, wenn die vorderen Haarsträhnen nach hinten geflochten oder gedreht werden und dann mit einer Klammer im Haar am Hinterkopf befestigt werden. An aufwendigeren Frisuren fehlt der jungen Frau schlicht das Interesse.
Robyns Gesicht wirkt zumeist lebhaft und wach; ihre blauen Augen beobachten ihre Umgebung stets aufmerksam und neugierig. Ihr Mund ist nicht ständig zu einem Lächeln verzogen, denn sie ist sich bewusst, dass ein andauerndes Lächeln weder echt noch sympathisch wirkt. Viel eher wirkt es aufdringlich, zuweilen unheimlich und vor allem künstlich. Dennoch scheint ihr Gesicht stets ihre Gefühle widerzuspiegeln. Überraschung, Belustigung, Wut, Trauer und viele andere Nuancen der menschlichen Emotionen scheinen stets eine direkte Regung in Robyns Gesicht hervorzurufen. Man könnte meinen, sie wie ein offenes Buch lesen zu können. Aufmerksame Beobachter und Menschenkenner werden jedoch feststellen können, dass diese Regungen zum Teil bewusst gerufen und eingesetzt werden. Hinter einem verwirrten Blick könnte sich auch ein angriffslustiger Raubvogel verstecken.
Aus Kleidung macht sich das Mädchen zwar mehr als aus Frisuren, aber auch nicht besonders viel mehr. Bequem und praktisch soll sie sein, idealerweise wind- und wetterfest. An ihrem Gürtel sind oft mehrere Taschen angebracht, in denen zahlreiche Hilfsmittel und nützliche Gegenstände verstaut werden. Dazu gehören Dietriche, lederne Handschuhe, Zettel und Stifte, ein wenig Essen, ein Taschenmesser, ein Kompass, Seile und Enterhaken. Zumeist trägt Robyn Kapuzenjacken über einem Shirt, Hosen jeglicher Länge und geschlossene Schuhe, in aller Regel Stiefel. Da sie sich nicht für Accessoires wie Ketten, Ringe oder anderen Firlefanz interessiert, trägt sie in der Regel auch keine. Einzig das blassorangene Tuch trägt sie stets bei sich, sei es um den Hals, den Kopf oder in einer der Taschen verstaut. Das Tuch ist ein wichtiges Erinnerungsstück an ihren Zwillingsbruder Bran, welches sie deshalb so gut wie nie aus den Augen lässt. Sollte sie es doch einmal verlieren, so würde sie alles daran setzen, es wieder in ihren Händen halten zu können.
Die Farbe ihrer Kleidung ist geprägt von schlichten Tönen wie Weiß, Grautönen und Braun, doch Robyn kann eine gewisse Vorliebe für Wärme ausstrahlende Farben nicht verhehlen. Besonders ihre Oberteile sind oft von rötlicher, orangener oder gelber Farbe, die sie nach Bedarf mit dunklen Jacken oder Overshirts bedeckt, wenn sie nicht zu sehr auffallen möchte. Ihre alltägliche Kleidung ist dabei oft heller, als wenn sie sich gezielt für eine Mission ankleidet. In diesen Fällen greift sie meist zu Hosen in dunklen Braun-, Grau- oder Grüntönen und ebenso dunklen Jacken, um insbesondere im Dunklen schlechter sichtbar zu sein.

Besondere Merkmale: Abgesehen von ihrem roten Haar gibt es noch einige andere Merkmale, die an Robyn aufmerksam sind. Diese sind jedoch nicht auf den ersten Blick erkennbar.
Zuallererst wäre da Robyns Veranlagung zu erstaunlicher Biegsamkeit. Dank einer natürliche Veranlagung und hartem Training kann sie sich durch Öffnungen zwängen, die eigentlich zu klein oder eng erscheinen. Dies hat zwar noch seine Grenzen – sie kann sich beispielsweise nicht in eine nur kniehohe Kiste quetschen – doch es ist etwas, an dem sie auch weiterhin arbeiten will.
Da Robyn die direkte Konfrontation zumeist meidet, hat sie kaum sichtbare Narben auf ihrem Körper. Das ist ihr nur recht so, denn Narben fallen auf und bleiben im Gedächtnis, wobei Robyn doch lieber unauffällig bleiben möchte. Eine nennenswerte Narbe hat sie dennoch, eine die sich glücklicherweise leicht verdecken lässt. Eine unförmige Brandnarbe zeichnet die linke untere Hälfte ihres Rückens. In der Mitte dieser Wunde, die Stelle mit der stärksten Verbrennung, hat die Form der Hand des Magiers, der Robyn diese Wunde zugefügt hat. Dank einer speziellen Salbe ist die Narbe elastisch und schränkt Robyns Beweglichkeit nicht ein. Um diese Elastizität beizubehalten, muss die Narbe täglich mit ebenjener speziellen Salbe eingecremt werden, die auch Jucken und zu starke Trockenheit verhindert. Sollte Robyn die Creme abhanden kommen, so kann sie sich nach etwa einem bis zwei Tagen auf Jucken in der Region einstellen, so wie stetig spröder werdender Haut, bis es sogar schmerzen kann. Doch selbst mit Salbe ist das vernarbte Gewebe bei aller Liebe kein sanfter Baby Popo.
Das letzte zu nennende Merkmal befindet sich direkt neben ihrem Gildenzeichen – auf der anderen Seite ihres Bauches ist das stilisierte  eines weißen Habichts abgebildet, welches sie als Mitglied der kriminellen Organisation ihrer Familie, die ‚White Hawks‘, kennzeichnet.


Charakter

Benehmen: Als wohlerzogene junge Frau benimmt sich Robyn stets höflich und zuvorkommend gegenüber Fremden, klettert nicht auf Dächer und stiehlt niemals aus anderer Menschen Taschen... Nun, ein Verhalten dieser Art würden wohl manche Eltern von ihren Töchtern erwarten, doch glücklicherweise nicht Robyns Eltern. Es ist nicht so, dass Robyn nicht höflich sein kann, sie ist bloß keine feine Lady und in der Tat ist sie ein kleiner Langfinger, wenn sie auf diese Weise wichtige Informationen oder Objekte erhalten kann.
Wird sie von einem Fremden angesprochen, so prüft Robyn erst einmal kritisch die Situation und ihren Gegenüber und reagiert dann je nach Einschätzung. Sofern sie die Zeit dafür hat, hilft sie anderen gerne aus, wenn sie beispielsweise nach dem Weg fragen. Riecht sie Ärger, dann sucht sie schnellstens das Weite, denn Konfrontationen, die möglicherweise in Gewalt ausarten, kann sie nicht besonders ausstehen.
Wenn möglich, begegnet Robyn den Menschen jedoch freundlich, da sie aus eigener Erfahrung weiß, dass ein gutgewilltes Lächeln einen trostlosen Tag aufheitern kann. So runzelt sie zwar erst einmal die Stirn, wenn sie unerwartet angesprochen wird, lächelt dann aber heiter, wenn sie keine schlechten Absichten von ihrem Gegenüber erkennen kann.
In aller Regel hat sie ein gelassenes Auftreten und lässt sich nicht schnell aus der Ruhe bringen. Sie ist gerne bereit, der ruhige Anker für jemand anderes zu sein und ihm Halt zu geben, wenn er es benötigt.
Wohl familienbedingt hat Robyn ein großes Herz für Kinder – sofern sie nicht völlig verzogene Gören sind, die sogar noch nervender und anstrengender als die dazugehörenden Erwachsenen sind. Bei diesen Kindern hilft oft nur noch eine Grenzerfahrung, die ihnen ihr Fehlverhalten aufzeigt, oder sie müssen einmal bemerken, dass sich nicht jeder für ihr Nörgeln und Schreien interessiert. Doch in der Regel versteht sich Robyn gut mit Kindern und diese mögen sie ebenfalls, obwohl sie oftmals die versteckte Unruhe in ihr zu spüren scheinen. Sollte sie sehen, wie jemand ein Kind verletzt oder droht, es zu verletzen, dann schreitet Robyn ohne zu zögern ein – auch oder eher besonders dann, wenn es sich um die Eltern des Kindes handelt.
In solchen Fällen mischt sich die Rothaarige direkt in die Privatangelegenheiten anderer ein, was aber kein gewöhnliches Verhalten von ihr ist. Da sie in einer großen Familie aufgewachsen ist, ist sie es gewöhnt, das meiste mit anderen zu teilen und nur wenig Privatsphäre zu besitzen. Doch gerade deshalb ist ihr ihre diese Privatsphäre auch so kostbar, denn es gibt Dinge, die einfach niemand anderes sehen oder wissen soll. Daher bemüht sie sich, ihre Nase aus den Angelegenheiten anderer herauszuhalten, sofern sie keinen Grund für Schnüffeleien hat. Hat sie den Verdacht, dass etwas im Busch liegt, das die betroffene Person belastet, dann überwindet sie diese Barriere jedoch oft ohne zu zögern, um dem Problem auf die Spur zu kommen. Die Neugierde obsiegt in diesen Situationen über die Zurückhaltung.
Vor Erinnerungsstücken hat Robyn den größten Respekt. Sie selbst weiß, wie viele Erinnerungen diese halten, dass sie eine Verbindung zu jemandem darstellen, der nicht mehr da ist. Sollte sie schuld daran sein, dass ein solch wertvoller Besitz abhanden gekommen ist, so wird sie genauso viel daran setzen, es wieder zu dem Besitzer zurückzubringen, wie sie es bei ihrem Tuch tun würde. Sollte sie an der Zerstörung eines solchen Stückes beteiligt sein, so würde sie deutlich darunter leiden.
Da Robyn in einem kriminellen Umfeld in Crocus Town aufgewachsen ist, hat sie einige Erfahrung mit den örtlichen Behörden, insbesondere den Rune Knights gemacht. Natürlich findet sie die Ritter anstrengend und beizeiten sogar lästig, doch sieht sie auch ein, dass bei der derzeitigen Ordnung die Ritter unabdingbar sind. Nicht alle verbrecherischen Gruppierungen haben Moralvorstellungen, die sie mit anderen Menschen zusammen leben lassen. Manche Menschen verursachen Leid, nur weil sie es können, aber ohne weiteren Grund. Die Rune Knights, so sieht es Robyn, säubern die Straßen zumindest ein wenig von dem schlimmsten Dreck, und hat einen gewissen Respekt vor ihnen. Dieser Respekt endet aber just in dem Moment, in dem ihre Familie oder Mitglieder der White Hawks von den Rittern bedroht werden, denn dann geht Robyn ohne zu zögern gegen die Ritter vor.
Generell versucht Robyn, keine Vorurteile gegenüber Mitgliedern verschiedener Gruppierungen zu haben. Eine Gruppe besteht immerhin aus zahlreichen Menschen und jeder Mensch ist ein wenig anders. Selbst unter den Rune Knights oder der sogenannten Aristokratie, selbst unter den ärmsten und verzweifelten der Armen kann es ehrenvolle Menschen geben, die über den Tellerrand hinausblicken und nicht nur auf ihre eigenen Ziele achten. Wer anderen mit Respekt begegnet, egal der eigenen Herkunft und der Herkunft der anderen, dem begegnet auch Robyn gerne mit Respekt – wenn auch dieser Respekt gleichzusetzen sein sollte mit Sympathie und Wohlwollen...

Persönlichkeit: Als Kind war Robyn deutlich anders, als sie es heute ist. Mit ihrem Bruder suhlte sie durch Pfützen, jagte durch Straßen, Keller, Abwasserkanäle und über Dächer und zerstörte das ein oder andere Mobiliar. Damals verlor sie Respekt und Manieren, sobald sie die Haustür verließ und wollte so viel Spaß haben und von der Stadt und Umgebung sehen, wie nur möglich. Sie war ebenso ungestüm, wenn auch etwas ernster als ihr Bruder. Doch sie halfen auch, wenn sie andere Kinder oder Erwachsene in Schwierigkeiten sahen, nutzten ihren kindlichen Charme zum Betteln für Bedürftige oder jagten nach entlaufenen Hunden und Katzen. Robyn hatte eine fröhliche Kindheit. Herz und Seele waren erfüllt mit der Reinheit eines Kindes.
Heute verbringt Robyn immer noch gerne viel Zeit auf Dächern. Sie genießt den Ausblick, den sie von dort hat, und das Murmeln und Treiben auf den Straßen im Hintergrund. Das Mädchen ist bei weitem ruhiger und in sich gekehrter als sie es früher einmal war. Im rechten Moment mag sie dem aufmerksamen Beobachter sogar einsam und traurig erscheinen.
Nach außen hin gibt sich Robyn als der Mensch, der sie gerne sein will: Ruhig, für Witze und Spaß zu haben, und wenn möglich mit einem freundlichen, gutmütigen Lächeln auf den Lippen. Sie will das Mädchen von nebenan sein, das man gerne trifft, aber das so unauffällig in ihrer Art ist, dass man nicht weiter an sie denkt, wenn sie aus dem Blickfeld verschwunden ist. Jemand, mit dem man sich gerne unterhält, den man gerne auf einen Trip einlädt oder einfach nur zum Entspannen im Gras oder auf einem Dach. Sie will mit Freunden lachen und Mist bauen, von ihren Brüdern und Vater belehrt werden, wenn sie einen schweren Fehler begannen hat. Sie will normal und durchschnittlich sein. Dazu hat sie gelernt, ganz bewusst zahlreiche Emotionen überzeugend auf ihr Gesicht zaubern zu können, um auch bei ihrem Gegenüber eine bestimmte Reaktion zu erzeugen. Mitleid täuschen oder erwecken, Glücklichkeit mit einem Lächeln verbreiten und dadurch auch selbst empfinden. Indem sie andere manipuliert, manipuliert das Mädchen auch sich selbst, um sich von ihrer inneren Zerrissenheit abzulenken.
Für die Probleme anderer hat sie immer ein offenes Ohr, besonders wenn sie sonst keinen anderen Ansprechpartner haben. Von ihrer Familie her ist sie es gewohnt, mit vielen Problemen zu tun zu haben und Ratschläge zu geben. Vielleicht sind es nicht die besten Vorschläge, aber es hilft den Menschen auch oft schon, einfach über ihre Probleme reden zu können. Sie ist gerne die Schulter, an die andere sich anlehnen können, denn das gibt auch ihr selbst Halt. Sie will der Anker für andere sein, braucht aber diese selbst als Anker.
Robyn ist abhängig davon, gebraucht zu werden. Sie kann den Gedanken nicht ertragen, dass sich die ihr wichtigen Personen von ihr abwenden und sie fallen lassen. Sie fürchtet, ohne die Stütze ihrer Familie und etwaiger Freunde in einem endlosen Loch zu verschwinden, gepeinigt von ihren Erinnerungen und Taten und den Verlust ihres Selbst zu erleiden, an das sie sich so verzweifelt klammert, um es nicht zu verlieren.
Trotz all der Abhängigkeit zu anderen lässt sich Robyn nur ungern ausnutzen und belügen. Ihr Wille und ihre Erziehung verbieten es ihr, sich zu einem willenlosen Werkzeug zu degradieren, das Lügen und Befehlen blind und taub folgt. Sollte sie doch einmal ausgenutzt werden und sie erfährt es, dann gebietet es Robyns Stolz, dass sie es der Person heimzahlt und ihr eine Lehre erteilt.
Was Robyn vor allen anderen verheimlicht, sind die schmerzhaften Erinnerungen, die sie plagen, die für sie ein unaussprechbares Geheimnis sind. Nie hat sie jemandem alles erzählt, was in der Nacht vor sechs Jahren geschehen war, als ihre Mutter Evelyn, ihre ältere Schwester Deirdre, ihr Zwillingsbruder Bran und jüngerer Bruder Rhys ums Leben gekommen waren, ja, ermordet worden waren. Robyn war als einzige Überlebende aus dem Hölleninferno gewankt, in das sich der Ort des Verbrechens damals verwandelt hatte. Ganz allein, mit einem leeren Blick – und dem Blut ihrer Geschwister an den Händen. Diese Nacht war die Kehrtwende in Robyns stets fröhlicher Persönlichkeit, das Ende ihrer Unschuld und Reinheit.
Seit diesem Tag sieht sich Robyn als dreckig, empfindet in den schlimmsten Zeiten Abscheu und Selbsthass gegenüber sich selbst, stellt ihre verfluchte Existenz in Frage. Schließlich hat Robyn die Erkenntnis erlangt, dass, wenn sie schon ein so verachtenswertes Geschöpf ist, sie ihre Fähigkeiten dazu einsetzen sollte, andere Menschen vor diesem Schicksal zu bewahren.
Der Widerspruch zwischen ihrem gutmütigen Herzen und ihrer autodestruktiven Seele hat zu einer verdrehten Logik geführt. Robyn will das System ändern, um anderen ihr Schicksal zu ersparen, um andere vom Abgrund fern zu halten. Dafür ist sie jedoch bereit, Leben zu nehmen – wodurch sie selbst den Angehörigen dieser Person denselben Schmerz zufügt, wie sie ihn erfahren hat. Die Flamme des Wahnsinns sagt ihr, dass das in Ordnung ist; sie hat bereits gemordet, hat ihre Liebsten auf dem Gewissen. Sie hat bereits unsichtbares Blut an den Händen, da macht es keinen weiteren Unterschied mehr, ob sie im Blut anderer badet. Diese Opfer sind notwendig, um das System zu verändern. Ohne diese Opfer, ohne den Schmerz würde sich nichts ändern.
Es ist jedoch auch nicht so, dass sie einfach wahllos jeden töten würde. Keine Kinder, keine Schwangeren, keine Unschuldigen. Nach Möglichkeit verfolgt Robyn diese Regeln ihrer Familie, weiß aber auch, dass etwaige Zeugen stets beseitigt werden müssen. Sollte ein Kind der einzige Zeuge eines Attentats sein, so wäre es durchaus vorstellbar, dass es ebenfalls nicht viel länger am Leben bleiben würde. Robyn muss sich selbst schützen, aber auch will sie verhindern, dass das Kind zu einer ähnlich verzerrten Person wird wie sie selbst.
Wie kann man Robyns Persönlichkeit also zusammenfassen? Nach außen gibt sich Robyn ruhig und gutherzig, aber auch ernst und pflichtbewusst. Innerlich jedoch ist die Rothaarige verzweifelt und ertrinkt in Abscheu vor sich selbst. Stets fragt sie sich, ob sie es wert ist, von ihrer Familie geliebt und beschützt zu werden, ob ihre verstorbenen Geschwister und Mutter sie für ihre Taten hassen und verabscheuen würden. Der Zwiespalt zwischen ihrem nach Liebe und Geborgenheit schreienden Herzen und ihrer schwarz brennenden, Blut triefenden Seele lässt sie am Rande des Wahnsinns balancieren.

Vorlieben: Eine von Robyns großen Vorlieben hat auch direkt mit ihrer größten Abneigung zu tun: Sie hat gerne immer irgendein Hintergrundgeräusch um sich herum, sei es Musik, das Gemurmel eines mit Menschen gefüllten Raumes, die vielen Melodien der Natur. Völlige Ruhe und Stille kann sie nur schwer ertragen. Sollte es nicht genügend natürliche Geräusche geben, dann summt sie selbst vor sich hin oder spielt eine Melodie auf ihrer Okarina. Ausnahme für diese Vorliebe nach Geräuschen ist die Arbeit: Wenn Robyn ein Gebäude infiltriert, dann muss sie natürlich so leise wie nur möglich sein. Da ist jedes Geräusch zu viel sogar störend und eine Gefahr, weshalb sie sich mucksmäuschenstill verhält. Dabei ist sie dann aber auch so sehr auf ihre Aufgabe konzentriert, dass sie die Stille kaum als störend empfindet. Ein anhaltendes Hintergrundsummen benötigt sie nur wirklich, wenn sie keine Aufgabe hat, nichts, auf das sie sich sonst konzentrieren kann und Gefahr läuft, sich in finsteren Gedanken zu verlieren. Ihr durch die Magie verbesserte Gehör kommt Robyn in beiden Situationen sehr gelegen – bei einem Einbruch kann sie potentielle Gefahren bei weitem besser aufspüren als andere, und im Alltag kommt ihre geliebte Ablenkung oft von weiter her als direkt aus dem Raum, in dem sie sich befindet.
Auch wenn sie es vor Fremden nur ungerne zugeben würde, ist Robyn doch auch ein großer Kuschelfreund. Sie sehnt sich stets nach der Wärme, Vertraulichkeit und Zuneigung, die eine Umarmung mit sich bringt. In der Familie Skuggi bekam sie diese Zuwendung auch ohne Schwierigkeiten – jedes Mitglied ist ein Freund von Umarmungen untereinander. Fremde kann sie natürlich nicht ohne weiteres umarmen oder gar berühren, ohne deren Privatsphäre zu verletzen. So muss sie sich mit einem Teddy zufrieden geben, der einst ihrem Bruder Rhys gehört hat und der ihr Bett in Crystalline Town bewacht. Natürlich ist ihr das ein wenig peinlich, aber diesen Scham nimmt die Rothaarige gerne in Kauf, wenn sie dafür in schweren Zeiten jemanden zum kuscheln hat.
Mit großer Begeisterung bewegt sich Robyn über Dächer und querfeldein durch eine Stadt oder auch einen Wald. Sie liebt den Adrenalinrausch und die ständige Gefahr, einen Fehler zu machen, während sie nach einer Klettermöglichkeit nach der anderen sucht. Wenn der Wind in ihr Gesicht prescht und die Umgebung und Lichter um sie herum zu einem Farbenspiel verschwimmen – dann fühlt sie sich frei, leicht und sorglos. Idealerweise kombiniert sie ihre Liebe für den Parkour-Lauf mit Informationsbeschaffung und Ausspähung. Liebend gerne schlüpft sie von einem Dach mal eben in ein Fenster, wenn sie etwas Interessantes gehört hat – was durch ihr gutes Gehör nicht selten vorkommt.
Das Sammeln von Informationen aller Art ist eine große Leidenschaft von Robyn, die sie ihrer Ausbildung zu verdanken hat. Wenn man in ein Gebäude einbricht, muss man über die Routinen der Bewohner oder Angestellten Bescheid wissen, eine Karte vom Haus besitzen und mehrere Pläne zur Vorgehensweise besitzen. Manchmal benötigt man Informationen, um jemanden zu erpressen oder einzuschüchtern. An all diesen Dingen hat sie einen unglaublichen Spaß und der Nervenkitzel reizt sie jedes Mal.

Abneigungen: Wie bereits erwähnt hat Robyn eine Abneigung dagegen, wenn sie von Stille umgeben ist und nichts zu tun hat. Es ist ein Alptraum für sie, in einem Raum zu sitzen, in dem niemand etwas sagt oder es keine anderen summenden Geräusche gibt. Ihr Gehör scheint dann noch verschärfter zu sein und jedes Ticken, Poppen, Zischen oder Rumpeln wird plötzlich zu einer Quelle potentieller Gefahr. Nicht selten mischt sich dann langsam ein Knistern in ihr Gehör, das immer lauter und penetranter wird, bis sie die Flammen eines riesigen Feuers sogar sehen zu können glaubt. Gegen diese Gespenster der Vergangenheit anzukommen, fällt Robyn manchmal leichter, manchmal schwerer.
Wenn wir schon beim Feuer sind: Ja, Robyn fürchtet sich vor Feuer. Nein, nicht vor einer einsamen Kerze, einer Fackel oder einem kleinen Kamin. Ihr immer stärker werdender Wille erlaubt es ihr, diesen Flammen zwar mit flauem Magen und rasendem Herzen, doch ohne Panik entgegen zu treten. Vor freien Lagerfeuern oder anderen größeren Flammen fürchtet sie sich jedoch. Wenn nachts zahlreiche Menschen mit Fackeln und Laternen durch die Straßen, dann verwandelt sich für Robyn jene Straße in ein Flammenmeer, dem sie erst wie in Trance zusieht, bevor sie panisch und schweißbenetzt die Flucht ergreift. Vor Feuermagiern hat die Rothaarige den größten Respekt und die größte Angst, denn sie beherrschen das Element spielend, vor dem sie sich so fürchtet, seit es ihre Familie verschlungen hat und Robyn für den Rest ihres Lebens gezeichnet hat. Sollte sie auf einen Feuermagier oder Dragonslayer treffen, der wild mit seinem Element kämpft, so wird es wohl unweigerlich dazu führen, dass Robyn in eine Panikattacke verfällt und auf die Hilfe ihrer Verbündeten oder das Mitleid ihres Gegners angewiesen ist, um zu überleben. In einem Extremfall, wenn ihr Leben tatsächlich bedroht ist oder die Todesangst zu groß wird, würde sie in eine Rage verfallen und blind, kopflos und verzweifelt um ihr Überleben kämpfen. Jedenfalls solange, wie Adrenalin durch ihren Körper gepumpt wird und sie am Zusammenbrechen hindert.
Gegenüber einiger Arten von Menschen empfindet Robyn eine leidenschaftliche Abneigung. Die angeblich so großen und mächtigen Männer und Frauen, die keinerlei Führungsqualitäten besitzen oder einzig an ihr eigenes Wohl denken. Diejenigen, die nur das Glück hatten, in die ‚richtige‘ Familie geboren worden zu sein und sich deshalb einbilden, dass sie etwas Besseres wären. Jene, die am Boden liegen und in ihrer Verzweiflung und Frustration meinen, dass sie andere ebenfalls in den Abgrund ziehen müssten, indem sie sie ausrauben, Gatten oder Kinder rauben, um Geld zu erpressen oder einfach aus Neid, dass es anderen besser geht. Diesen Menschen fehlt der Antrieb im Leben, deshalb vegetieren sie entweder vor sich hin oder werden zu mörderischen Raubtieren, die sich auf andere stürzen, einfach, weil sie es können. Sie alle sind Symptome dafür, dass etwas an dem derzeitigen System ganz und gar nicht funktioniert. Die Kluft zwischen den Wohlhabenden und den Nichtshabenden wird immer tiefer und breiter, immer mehr Menschen stürzen hinab in den Abyssus. Doch die Symptome zu bekämpfen ist nicht genug, man muss die Ursache des Übels finden und es beseitigen.

Ziel: Damit sind wir auch direkt bei Robyns Ziel angekommen und dem Grund, weshalb sie sich Royal Crusade überhaupt angeschlossen hat. Sie will das derzeitige System in Fiore bekämpfen und dazu beitragen, den Menschen eines Tages ein gerechteres, angenehmeres Leben zu bieten. Sie sympathisiert mit den grundliegenden revolutionären der Gilde. Wenn die Starken und Fähigen die Geschicke des Landes lenken, sind sie auch in der Lage, den Schwachen und Ziellosen eine Aufgabe zu geben, mit der sie sich ihr Leben lang beschäftigen können. Diese Menschen benötigen ein Ziel, einen Sinn, und da sie das nicht selbst finden können, muss es ihnen von jemandem gereicht werden.
Weiterhin ist der Schutz ihrer übrigen Familie sehr wichtig für Robyn. Zwar musste sie schweren Herzens den Standort des Hauptsitzes der White Hawks verraten, als sie der Gilde beitrat, doch ihre Familie weiß, dass sie ihnen gegenüber niemals böswillig handeln würde. Besonders ihre jüngere Schwester Eileen will Robyn schützen, denn sie ist immer noch mit einem reinen Herzen gesegnet, das Robyn auf keinen Fall korrumpiert sehen will.
Tief im Inneren sehnt sich Robyn außerdem um Vergebung für ihre Taten. Sie möchte geliebt werden, trotz all ihrer Fehler, trotz ihrer Zerrissenheit, die sie vor allen verstecken will. Eines Tages, wünscht sie sich, wird sie jemanden treffen, der ihr wahres Ich sehen kann, ihr Leiden versteht und akzeptiert und den Schmerz lindern kann.


Stärken und Schwächen

Stärken: Viele von Robyns Stärken haben direkt mit ihrer Erziehung zu tun. In jungen Jahren wurde sie besonders von ihrer Mutter in vielen Künsten der Tarnung geschult, später von ihrem älteren Bruder Liam. So ist Robyn sehr geschickt darin, den typischen Kleidungsstil einer Region – sei es ein Stadtviertel, ein kleines Dorf, eine Uniform – zu erkennen und entsprechend für eine Tarnung einzusetzen und sich beinahe nahtlos in eine Gruppe einschleichen. Sie kann sich wandeln vom liebreizenden Dienstmädchen, zum pöbelnden Straßenburschen, bis hin zum feinen Fräulein eines guten Hauses. Die Fähigkeit, sich möglichst nahtlos in eine Gemeinschaft einzufügen, hat ihrer Familie schon so manchen guten Dienst erwiesen. Sie ist nützlich zur Informationsbeschaffung, zum Diebstahl, Aufstachelung und auch um an ein Attentatsziel heranzukommen.
Dazu kommt eine Tradition, die bereits ihr Großvater Aston eingeführt hatte. Da dessen Mutter taub gewesen war, war Großvater Aston mit der Gebärdensprache aufgewachsen. Als er dann als Erwachsener seine Bande gründete und nach einem Weg suchte, aus dem pöbelnden Haufen eine leichtfüßige, leise und effiziente Einheit zu bilden, erteilte er allen von ihnen kurzerhand ein Sprechverbot, um wenigstens eines der Probleme angehen zu können. Dieses setzte er mithilfe seiner Soundmagie um, indem er ihre Stimmen so leise machte, dass sie unnütz wurden. Damit zwang er sie alle, die Gebärdensprache zu lernen, um sich miteinander zu verständigen. In ihrer Zeit der Schweigsamkeit stellten die Männer und Frauen fest, wie viel Lärm sie doch immer verursachten, und achteten in Zukunft weit mehr darauf, leiser zu sein. Die Nutzung der Gebärdensprache ist ein geheimes Markenzeichen der White Hawks. Jedes Mitglied beherrscht sie, ebenso wie die Familie Skuggi selbst natürlich. Dies stellt vor allem ein Training dar, um zu lernen, keinen Mucks von sich zu geben. Weder beim Sprechen, noch beim Bewegen. Die Fähigkeit, sich leise und unbemerkt zu bewegen, wird in Robyns ihrer Familie hoch geschätzt.
Weiterhin ist Robyn eine geschickte Lügnerin. Sie kann Lügen erzählen, ohne Rot zu werden und setzt ihr Gesicht und ihren Körper wirkungsvoll zur Erzählung ihrer Geschichten ein. Die Fähigkeit rührt wohl daher, dass sie sich stets auch selbst belügt. Sie hat ein Netz aus Gefühlen um sich gewoben, um sich vor sich selbst zu schützen. Immer wieder fallen andere Menschen jedoch in dieses Netz und sind ihr hilflos ausgeliefert, während sie mit Lügen und falschen Versprechungen gefüttert werden, um Informationen preis zu geben, nur um im Anschluss ihr Leben zu lassen. Manchmal will Robyn auch einfach nur einen ganz bestimmten Gedanken im Bewusstsein ihres Ziels verankern, um Zwiespalt oder Paranoia zu verursachen. Nicht jede Lüge oder Geschichte wird mit böswilliger Absicht gesponnen, oft dient sie auch bloß zur Ablenkung oder Unterhaltung, um eine bedrückende Situation aufzulockern oder die Aufmerksamkeit auf etwas anderes zu lenken.

Schwächen: Schwächen können bei einem Menschen natürlich nicht fehlen. Auch Robyn hat so einige vorzuweisen. Gleich zu Beginn sollte genannt werden, dass sie wohl gänzlich ungeeignet für einen frontalen Nahkampf ist. Einen Gegner hinterrücks und unbemerkt ausschalten? Gerne, das würde sie jederzeit versuchen. Angesicht zu Angesicht einem Kampf entgegen blicken? Da muss schnellstens eine Ablenkung her, um die Flucht ergreifen zu können. Denn Robyn ist weder stark noch widerstandsfähig, sondern hat eher eine Veranlagung für flinke und geschickte Bewegungen, sowie Einsatz des Köpfchens. Sie lässt sich allerhand Tricks einfallen, um einer Konfrontation zu entgehen, die ohne Unterstützung wohl in jedem Fall fatal für sie ausgehen würde. Handelt es sich bei ihrem Gegner auch noch um einen Feuermagier, dürfte Robyn sehr schnell in Panik verfallen.
Eine weitere Schwäche, obwohl auch eine Stärke, ist ihr immer besser werdendes Gehör. Je erfahrener Robyn im Umgang mit ihrer Magie wird, desto empfindlicher wird auch ihr Gehör. Das ist natürlich praktisch, um Dinge zu hören, die anderen verborgen bleiben, aber sie wird dadurch immer anfälliger für sehr laute und penetrante Geräusche, die sie verwirren oder nerven können oder sogar starke Kopfschmerzen bereiten können.
Als größte Schwäche oder eher als größtes Problem sieht Robyn jedoch ihre eigene Persönlichkeit. Ihr Selbsthass führt insbesondere in einem Adrenalinrausch zu einer regelrechten Todesverachtung, sodass sie sich kopflos in Gefahren stürzt, ohne auf die möglichen Folgen für sich selbst zu achten. In einer Situation, in der nicht ihre Familie in ihrem Hinterkopf herumspuckt und sie von den größten Dummheiten abhält, würde sich Robyn sofort in eine lebensgefährliche Situation werfen, wenn es dem Wohl der Mission dienen würde. Ein wichtiges Dokument befindet sich hinter einer Mauer schwer bewaffneter Soldaten? Robyn würde direkt auf sie zustürzen, um zwischen ihnen durchzuschlüpfen und das Dokument zu erreichen, egal ob sie dabei verletzt würde oder nicht.
Das Problem daran ist, dass Robyn oftmals keine Angst vor ihrem Tod verspürt. In klaren Momenten will sie natürlich nicht sterben, denn es gibt noch so vieles, das sie nicht gesehen hat und noch erleben will. Doch in weniger klaren, brenzligen Situationen, wirft sie ohne weiteres ihre eigene Sicherheit beiseite, um die Mission voranzubringen oder Kameraden zu beschützen. Im Nachhinein wird sie geschockt über ihre Aktionen sein, sich fragen, wie sie nur so dumm hatte sein können. Dennoch ist Robyn klar, dass es beim nächsten Mal wieder ähnlich verlaufen könnte.
Der Wunsch, andere zu beschützen, rührt wohl auch daher, dass sie gebraucht werden will. Diese Menschen brauchen sie jetzt, brauchen sie vielleicht später, sind ihr vielleicht wichtig oder könnten ihr wichtig werden. Die junge Frau möchte andere beschützen, damit diese sie dann vor sich selbst beschützen können.


Offtopic

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BeitragThema: Re: Robyn Skuggi   Di 18 Aug 2015 - 1:15

Umfeldblatt

Am I... worth it?


Schreibprobe: An der von Robyn aus gesehen rechten Wand stand eine kleine, braune Kommode aus wohl einem edlen Holz. Darauf stand eine einsame Topfpflanze auf einem langweiligen Spitzentuch. Die Schubladen der Kommode waren aufwendig verschnörkelt, die metallenen Griffe auf Hochglanz poliert. Am Boden vor der Kommode lag ein alter Teppich – oder vielleicht sollte er auch nur alt aussehen, um wertvoller zu wirken, so was hatte sie auch schon erlebt – in dessen Mitte ein langer Holztisch stand, welcher von acht Stühlen umrahmt wurde. Alle schienen aus demselben Holz zu bestehen, wie die Kommode. Zumindest schien die Lackierung dieselbe Farbe zu haben. Auch auf dem Esstisch war ein Spitzentuch ausgebreitet, in deren Mitte eine schnöde Vase stand. Doch in der Vase ruhte nicht etwa ein Strauß auserwählter Blumen. Nein, dort ruhte rund und prall ein verboten strahlend blauer Ball. Genau der Ball, den Bran aus versehen in den Garten dieses Hauses geschossen hatte und der von den Hausbesitzern umgehend beschlagnahmt worden war.
„Mach mal hinne, Robyn! Kannst du ihn seh’n?“, mahnte Bran sie an und wankte ein wenig hin und her, im Versuch, seine Balance zu halten.
„Ja, ja, kann ich- Jetzt halt doch endlich still, Mann!“ Robyn schnaubte und ihr Atem beschlug das sonst makellos saubere Fenster, vor dem sie stand. „Er liegt auf der Vase, direkt vor meiner Nase! Die legen es echt drauf an, dass wir da einsteigen! Was soll’n wir machen?“ Sie blickte hinunter auf den Kopf ihres Bruders, auf dessen Schultern sie stand, um in das Fenster hineinblicken zu können.
„Hm. Kriegst du’s Fenster auf?“„Bist du blöd? Die ham doch sicher ne Falle aufgebaut.“„Dann.. hm.. Oooh, ja! Komm runter, wir geh’n vorne rein.“
Bran ging in die Knie, sodass Robyn von seinen Schultern klettern konnte. „Vorne? Du willst einfach durch die Haustür rein spazieren?“, fragte sie skeptisch, als ihr Bruder schon dabei war, auf den Zaun zu klettern, um in den Vordergarten zu gelangen.
„Klar. Die erwarten bestimmt nicht, dass wir einfach von vorne reingehen. Komm schon, es ist kaum was los. Das wird schon keinem auffallen!“
Robyn folgte ihm in den Vordergarten und beobachtete kritisch, wie er sich direkt daran machte, die Haustür mithilfe von Dietrichen aufzubrechen. Gerade weil so wenig los war, würde das doch auffallen, da war sie sich sicher. Robyn bezog Stellung am Eingangstor des Grundstückes, um Wache zu schieben. Wäre mehr los auf der Straße, würde niemand auf zwei Kinder achten, die gerade versuchten in ein Haus einzubrechen. In der Masse würde das einfach nicht auffallen. In einer so abgelegenen Straße in einem Wohnviertel eine solche Betriebsamkeit jedoch eher unwahrscheinlich. Auf den Straßen war tatsächlich fast keine Menschenseele. Bei genauer Beobachtung stellte Robyn fest, dass auch hinter den Fenstern der nahegelegenen Häuser keine Aktivitäten direkt am Fenster stattzufinden schienen. Vielleicht würde man sie tatsächlich nicht bemerken.
Als sie das leise, befriedigende Klicken eines Schlosses hörte, drehte sich Robyn um. Bran grinste ihr zufrieden entgegen. Wortlos und einzig mit seinen Händen deutete er ihr, ihm ins Haus zu folgen. Ab nun war jegliche verbale Kommunikation untersagt.
Da sie das Haus bereits vorab eingehend beobachtet hatten, konnten sich die rothaarigen Zwillinge sicher sein, dass kein Mensch oder Tier zu Hause war – jedenfalls kein Tier, das ihnen in die Quere kommen könnte. Rasch und leise schlichen sie durch den Flur, lauschten regelmäßig, ob sich etwas an der Haustür tat. Schließlich erreichten sie die Tür zum Wohnzimmer, die nach eingehender Untersuchung als ungefährlich beurteilten und öffneten.
~Warte, Bran~, hielt Robyn ihren Bruder mit Gebärdensprache zurück und deutete auf einen feinen Draht vor der Tür, der nun sichtbar wurde. Bran nickte, suchte die offene Tür erneut nach weiteren Fallen ab und setzte schließlich vorsichtig einen Fuß nach dem anderen über den Draht in das Wohnzimmer. Das Zimmer roch stark parfümiert, beide Kinder mussten angestrengt die Nase rümpfen. Der Geruch war kaum auszuhalten. Er erinnerte sie an ihre Schwester Deirdre, wenn sie sich darauf vorbereitete, mit ihren Freundinnen aus zu gehen. Wie Deirdre oder irgendwer sonst eine solche Geruchsbelästigung als angenehm empfinden konnten, war für die Zwillinge völlig unverständlich. Mit zugehaltener Nase bewegten sie sich zum Tisch, auf dem ihre Beute verlockend einsam thronte.
~Irgendwie... ist das zu einfach.~ Robyn legte nachdenklich den Kopf schief, während Bran einen Stuhl nach hinten schob, um auf ihn klettern zu können. Er war zu klein, um die Vase sonst zu erreichen. ‚Wieso riecht es hier so nach Deirdre?‘ Ihr Blick glitt zum Fenster, ihre Augen weiteten sich erschrocken. „BRAN! Warte!“, schrie sie, doch zu spät. Bran nahm den Ball in seine kleinen Hände und zog ihn an seine Brust. In dem Moment konnten sie eine Schnur reißen hören, ein Rumpeln ging durch einen Mechanismus an der Decke. Ihre Blicke wanderten nach oben und – alles wurde grün...

„Bran, warte!“, quickte Duncan in dem Versuch, die Stimme seiner sieben Jahre alten Schwester nachzuäffen. Dann blickte er auf seine Geschwister und krümmte sich wieder vor Lachen. Im standen bereits Tränen in den Augen. „Fantastisch, einfach fantastisch!“ Er amüsierte sich ganz offensichtlich fantastisch.
„Komm, sei nicht so gemein“, lenkte Liam hinter ihm ein, konnte die Lachtränen in seinen Augen jedoch auch nicht verbergen. „Dir wär genau dasselbe passiert!“
„Nein, nein, Duncan ist damals tatsächlich direkt durch’s Fenster gesprungen – er hat’s nicht mal vorher geöffnet! Du hättest ihn sehen sollen, die Scherben im prachtvollen Haar und von Kopf bis Fuß grün“, lachte Deirdre und klopfte ihrem älteren Bruder zwinkernd auf den Rücken. Dessen Lachen verstummte abrupt, dafür grinsten ihn Bran und Robyn schadenfroh an. „Aber immerhin, ohne Brans Tatendrang hätte Robyn das hier sicher geschafft. Sie hat den Geruch ja doch noch richtig als Ablenkung identifiziert. Nur Bran.. Du bist halt eher wie Duncan, immer mit dem Kopf voran!“
Natürlich war es eine Falle gewesen. Das Haus gehörte der Familie einer Freundin von Deirdre, bei der diese gerade zu Besuch war, als der verdächtig blaue Ball in den Garten geflogen kam. Im Handumdrehen hatte Deirdre ihre Brüder Duncan und Liam benachrichtigt, um den kleinen Rabauken eine Falle zu stellen, die einst ihre Eltern ihr und Duncan gestellt hatten. Bran hatte die Falle aktiviert, als er den Ball an sich genommen hatte und eine mit grüner Farbe gefüllte Kugel, die provisorisch an der Decke befestigt gewesen war, hatte sich geöffnet und ihren ‚Grünschnabel‘-schreienden Inhalt auf die Zwillinge ergossen. Besonders Brans Vorderseite war fast vollständig mit grüner Farbe bedeckt. Duncan und Deirdre konnten es sich natürlich nicht verkneifen, den Fehler ihrer Geschwister zu beobachten. Als Robyns Blick zum Fenster gewandert war, hatte sie Duncans hämisch grinsendes Gesicht erblickt, wodurch ihr die Falle vollends bewusst wurde. Liam hatte ihnen anschließend Handtücher und mit Wasser gefüllte Schüsseln gebracht, um sich ein wenig sauber zu machen. Wie Duncan jedoch versichert hatte, würde die Farbe für einige Tage haften bleiben und sicher für einige gute Lacher daheim sorgen.
„Na gut, genug Gelächter. Hier, zieht das über und lasst uns heimgehen.“ Liam reichte ihnen Jacken, in die Robyn und Bran auch direkt schlüpften und deren Kapuzen sie tief ins Gesicht zogen. „Wir sehen uns dann nachher zum Essen, ja?“, rief er seinen älteren Geschwistern von der Haustür aus zu.
„Hä? Zum Essen erst? Hab ich was verpasst?“ Duncan und Deirdre blickten verwirrt zu Liam.
„Immerhin“, er drehte sich breit grinsend zu ihnen um. „Muss irgendjemand die Schweinerei im Wohnzimmer wieder sauber machen.“ Duncan und Deirdre stöhnten auf und konnten ihre Geschwister lachen hören, als die Tür auch schon ins Schloss fiel. Daran hatten sie überhaupt nicht gedacht...

Einige Tränen rollten über Robyns schlafendes Gesicht. Im Schlaf drehte sie sich auf die andere Seite, griff nach dem großen, flauschigen Teddy, der in der Ecke des Bettes stand, und klammerte sich mit ihrem ganzen Körper an ihn. „Ich vermisse euch“, flüsterte sie. Ein einsamer Schluchzer durchfuhr ihren Körper, dann kuschelte sie ihren Kopf in den Teddybären und fiel in den nächsten Traum.


Umfeld und Geschichte


Familie:
Spoiler:
 
Vater Gavin, 48 Jahre
Gavin Skuggi ist das derzeitige Oberhaupt der Familie und der White Hawks, sowie des Waffen- und Rüstungsgeschäfts Blue Bird, welches als erweiterter Arm der White Hawks dient, und ein erfahrener Schwertkämpfer. Gavin ist ein kalkulierender Geschäftsmann, der sich nicht über den Tisch ziehen lässt und bei seinen Geschäftspartnern regelmäßig Schweißausbrüche auslöst. Er besitzt eine natürliche Aura der Autorität, was es ihm ein leichtes macht, sich Gehör zu verschaffen.
So hart und kalt er im Geschäftsleben auch sein mag, in den heimischen vier Wänden ist er ein ganz anderer Mensch. Gavin mag zwar streng sein und von ihnen Disziplin und Einhaltung von Regeln erwarten, doch jedem seiner Kinder begegnet er stets mit Liebe und Verständnis. Besonders mit seinem ältesten Sohn Duncan, welcher mittlerweile seines Vaters rechte Hand geworden ist, mag er sich zwar manchmal streiten, doch am Ende vom Tag hat er das lauteste und heiterste Lachen im Haus. Es heißt, er habe jede Schwangerschafts-Verkündung seiner geliebten Frau mit einem begeisterten Ausruf entgegengenommen und die frohen Neuigkeiten ohne Umschweife der gesammelten Mannschaft der White Hawks verkündet. Ihren sonst so gefassten Chef so emotional und begeistert zu sehen, war für die White Hawks beim ersten Mal etwas verstörend, doch seine Freude war so ansteckend, dass bald die gesamte Mannschaft sehnsüchtig auf die Geburt eines jeden Kindes wartete.
Der Verlust seiner Frau und vier seiner Kinder traf ihn sehr schwer, gleich mehrere Säulen, auf die er sich gestützt hatte, brachen auf einmal ein. Das Jahr direkt nach dem Vorfall war besonders schwer für ihn, Duncan, Liam und die kleine Eileen. Nach außen hin gaben sie sich stark und unerschütterlich, doch unter sich waren sie trostlos und leer. Erst als Robyn unverhofft nach drei Jahren von Duncan wieder nach Hause gebracht wurde, konnte sich die Familie auch emotional wieder stabilisieren.
Während ihr Bruder Bran oft die Geduldsspanne seines Vaters ausreizte, hatte Robyn schon immer ein gutes Verhältnis zu ihrem Vater. Man mag sie sogar fast als ‚Vatertöchterchen‘ betiteln. Sie ist stets für eine neue oder auch eine alte Geschichte ihres Vaters zu haben; konnte zusammen mit ihren Brüdern Duncan und Liam schon immer lange Nächte mit ihrem Vater zusammen sitzen und seinen Erlebnissen zu lauschen. Robyn weiß, dass sie sich auf ihren Vater blind verlassen kann und er so gut wie immer hinter ihr stehen wird. Selbst ihren Entschluss, der Royal Crusade beizutreten, haben er und Robyns Brüder verständnisvoll akzeptiert.

Mutter Evelyn, verstorben mit 38 Jahren vor 6 Jahren
Evelyn war eine liebevolle Mutter für all ihre Kinder und eine sichere Stütze für ihren Mann. Sie war eher klein und zierlich, doch konnte sie eine so unerwartete Autoritätsperson sein, dass sie selbst die Männer und Frauen der White Hawks mühelos zum Schweigen brachte, wenn es notwendig war. Auch durfte man ihre freundliche Art nie unterschätzen, denn Evelyn war eine gewiefte Trickbetrügerin, die mühelos in die verschiedensten Rollen schlüpfen konnte.
Robyn hat nur gute und warme Erinnerungen an ihre Mutter, welche bis zum Schluss für ihre Kinder gekämpft hatte. Doch als Diebin hatte sie nicht die körperliche Verfassung, um gegen zahlreiche starke Männer anzukommen. Ihr Leben endete schlagartig nach 38 Jahren.

Spoiler:
 
Erstes Kind, ältester Sohn Duncan, 25 Jahre
Duncan ist ein ebenso gewiefter Geschäftsmann wie sein Vater, auch wenn ihm noch etwas Erfahrung fehlt. Seine Hauptaufgabe im Familiengeschäft sind jedoch die hauseigenen Söldner, die ihm direkt unterstehen. Zusammen mit seinem Vater und seinem Bruder Liam berät er sich, wenn neue Mitglieder rekrutiert werden, organisiert Trainingspläne und verteilt Aufträge. Er mag zwar weniger autoritäre Aura wie sein Vater besitzen, hat sich jedoch den Respekt seiner Männer und Frauen mühsam verdient. Im Zweifelsfall zeigt Duncan mithilfe seiner Kampffertigkeiten und seinem Wortwitz, wer das Sagen hat.
Er und Liam, jedoch besonders der chaotische Duncan, sind die Spaßvögel der Familie. Da sie einige Jahre älter als ihre jüngeren Geschwister sind, hatten ihre irrwitzigen Geschichten und Ammenmärchen eine besonders überzeugende Wirkung auf ihre Geschwister, als diese noch klein waren. Auch heute noch sorgt das Duo für heitere Stimmung in den White Hawks und der Familie.

Zweites Kind, älteste Tochter Deirdre, verstorben mit 17 Jahren vor 6 Jahren
Deirdre war eine sehr impulsive, lebenslustige junge Frau, die sich gerne mit ihren Brüdern und ihrem Vater anlegte. Sie verstand sich immer besonders gut mit Bran, etwas weniger mit der ruhigeren Robyn. Deirdre war ein Schlitzohr, hatte schon früh angefangen, die Geldgeschäfte zu überwachen und sich zu beschweren, wenn die White Hawks mehr Geld ausgaben, als sie einnahmen. Nach ihrem Vater hatte sie wohl das am meisten schallende Lachen in der Familie.
Sie starb in derselben Nacht wie ihre Mutter und ihre jüngeren Brüder Bran und Rhys vor sechs Jahren.

Spoiler:
 
Drittes Kind, zweiter Sohn Liam, 22 Jahre
Liam ist wohl der ruhigste Ruhepol der Familie, sofern er nicht in Duncans Komödien verwickelt wird. Er ist das entspannte Gegenstück zum lebhaften Duncan und könnte durch seine natürliche Gelassenheit wohl selbst ein Feuer zum Erlöschen bringen, in das Öl gekippt worden ist.
Er ist der Hauptkoch der Familie und der White Hawks, auch darauf bedacht, dass jeder seiner Schützlinge zumindest einfache, gesunde Gerichte selbst kochen kann. Außerdem ist Liam ein talentierter Trickbetrüger, der Robyns Ausbildung nach dem Tod ihrer Mutter übernommen hat, und managt seit dem Tod seiner Schwester Deirdre auch die Geldgeschäfte der White Hawks und des Blue Birds. Damit ist Liam ein unabdingbares Mitglied der Organisation. Sein Wegfall würde sowohl die Familie, als auch die White Hawks in akute Einsturzgefahr bringen.

Fünftes Kind, dritter Sohn Bran, verstorben mit 10 Jahren vor 6 Jahren
Bran wäre heute wohl ein noch größerer Chaot und noch feurigerer Kämpfer als sein Bruder Duncan und ebenso impulsiv wie Deirdre es war. Robyn und Bran verband das natürliche Band von Zwillingen; sie waren praktisch unzertrennlich, auch wenn sie teilweise unterschiedliche Interessen hatten. Bran bevorzugte Deirdre über Duncan und Liam – besonders mit Duncan stritt er sich häufig. Robyn dagegen verstand sich mit ihren Brüdern besser. Bran konnte Bücher nicht ausstehen und lernte nur mühsam lesen und schreiben, während Robyn gerne einmal ein Buch in die Hand nahm, um sich etwas Ruhe zu gönnen. Beide waren jedoch erstaunlich musikalisch und unterhielten ihre Familie liebend gern mit lustigen Liedern.
Brans Tod konnte sich Robyn niemals verzeihen. Sie fühlt sich, als hätte sie ihre zweite Hälfte verloren und wäre nicht mehr vollständig. Oft fragt sie sich, wie er wohl über ihre Handlungen denken würde, ob er sie für ihre Entscheidungen ablehnen würde. Es ist sinnlos, sich diese Fragen zu stellen, dass weiß Robyn genau, doch solch trübe Gedanken kann sie nicht unterbinden.

Spoiler:
 
Sechstes Kind, dritte Tochter Eileen, 12 Jahre
Eileen ist ein ausgeglichenes, fröhliches Mädchen, das ganz der Sonnenschein der White Hawks ist. Sie erstaunt immer wieder mit ihrer Wissbegierigkeit. Von Liam wird sie derzeit an die Finanzgeschäfte der Familie herangeführt, damit sie diese Aufgabe lieber früher als später übernehmen kann. Außerdem heißt sie alle neuen Anwärter willkommen und führt sie in die Regeln der White Hawks ein.

Siebtes Kind, vierter Sohn Rhys, verstorben mit 4 Jahren vor 6 Jahren
Rhys war viel zu früh gestorben und sein Tod traf seine Angehörigen wohl mit am schwersten. Niemand konnte verstehen, wieso man ein unschuldiges Kind einfach dem Tode überlassen würde. Sein Tod brachte das Fass vieler White Hawks zum Überlaufen, weshalb sie sich selbstständig auf die Suche nach den Tätern machten, um sie ihrer ‚gerechten Strafe‘ zuzuführen.
Rhys war ein aufgeweckter und intelligenter Junge, der seine Familie mit seinem Wissensdurst und schneller Auffassungsgabe bereichert hätte.

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Generell hat Robyn ein sehr gutes Verhältnis zu ihrer Familie. Das Vertrauen zwischen ihnen ist bedingungslos und ihr Verständnis zueinander ist so groß, dass sie oft gar keine Worte benötigen, um sich zu verständigen. Nur zu Eileen versucht sich Robyn auf Distanz zu halten, da Eileen immer noch die Unschuld hat, die Robyn längst verloren hat. Die Rothaarige hat Angst, ihre kleine Schwester eines Tages mit sich in den Abgrund zu ziehen.

Freunde:
Großvater Aston Skuggi und die White Hawks
Die White Hawks Organisation wurde von Robyns Großvater Aston väterlicherseits gegründet, als dieser etwa dreißig Jahre alt gewesen war. Er war ein intelligenter Mann aus ärmlichen Verhältnissen, doch er hatte Visionen und genaue Vorstellungen, wie er seine Organisation ausbauen wollte. Er sammelte Männer und Frauen, die sich bis dahin als Schläger, Huren, Tagelöhner, Bettler oder derartigen durchgeschlagen hatten, die als Trinker oder wegen unsittlichem Verhalten in ihren ursprünglichen Berufen und Umfeldern in Ungnade gefallen waren. Aus diesem kunterbunten, disziplinlosen Haufen erzog sich Aston binnen weniger Jahre eine loyale, verantwortungsbewusste Truppe aus Dieben, Söldnern, Trickbetrügern, Schmugglern und Hehlern. Er knüpfte Kontakte, zerschlug Konkurrenten und weitete sein Territorium nach und nach aus. Dass er tatsächlich all seine Zeit und Kraft in seine Organisation steckte, merkt man unter anderem daran, dass er erst im Alter von 68 Jahren Vater seines späteren Nachfolgers Gavin Skuggi geworden ist. 18 Jahre lang unterrichtete Aston seinen Sohn, bis er ihm im Alter von 86 Jahren mit seinem letzten Atemzug die Leitung über die White Hawks übertrug. Er bewies einen gewissen Humor, als er seinen Sohn Gavin nach dem Namensgebenden Vogel seiner Organisation benannte – ‚Gavin‘ bedeutet ‚weißer Habicht‘.
Heute haben die White Hawks ein stolzes Gebiet in Crocus Town für sich beansprucht und dulden auch keine Konkurrenten. Durch das Waffen- und Rüstungsgeschäft „Blue Bird“ haben sie sich in Aloe Town, Oak Town und Magnolia Town Außenposten erschaffen. Die verschiedenen Untergruppen sind spezialisiert auf Informationsbeschaffung, Schmuggel und Hehlerei auf dem Schwarzmarkt. Hauseigene Söldner schützen die weniger kampferprobten Spezialisten und nehmen auch Aufträge von speziellen Klienten entgegen. Darunter fallen Eskorten, Boykottierungen, Randale und Einschüchterung. Vor den Mitgliedern der Familie Skuggi haben die Männer und Frauen der White Hawks größten Respekt und Wertschätzung. Da sich auch die dritte Generation der Familie als kompetent und führungsbegabt erweist, scheint die Zukunft der White Hawks auch gesichert.
Eigentlich hat Robyn eine sehr gute Beziehung zu den White Hawks, die ja gewissermaßen ihre Untergebenen sind oder zumindest Kollegen sind. Ihre diebischen und schauspielerischen Fähigkeiten haben ihr besonders die Bewunderung und Achtung der Diebe und Trickbetrüger eingebracht, während gerade die Söldner da eher die Nase rümpfen.
Es besteht allerdings bei weitem kein so enges Band zwischen den zahlreichen White Hawks und Robyn, wie zwischen ihr und ihrer Familie. Die Rothaarige ist sich bewusst, dass zahlreiche der White Hawks ihr Verhalten, die Preisgabe des Hauptquartiers, als Verrat empfinden werden. Bereits vor sechs Jahren hatten sich einige besonders prominente und eigenständige Mitglieder zusammen gefunden, um die damaligen Entführer und Mörder der Familie aufzuspüren und zu beseitigen. Dass Robyns Verrat eine ähnliche Reaktion hervorrufen dürfte, bezweifelt sie keineswegs. Immerhin verstehen die White Hawks ihre Beweggründe nicht und sehen einzig und allein, dass Robyn die Familie Skuggi potentiell in Gefahr gebracht hat und ein ähnliches Massaker wie vor sechs Jahren wollen einige vorschnelle White Hawks um jeden Preis verhindern.

Blue Bird
Das Blue Bird ist ein Waffen- und Rüstungsgeschäft, das von Gavin und Evelyn als öffentliches Gesicht der White Hawks aufgebaut worden ist. Es wird unter anderem zur Kontaktknüpfung und legalen Geldquelle genutzt. Das größte Geschäft befindet sich in Crocus Town, mittlerweile gibt es jedoch Zweigstellen in Aloe Town, Magnolia Town und Oak Town, die von ausgewählten White Hawks betrieben werden. Ihre Überwachung liegt in Liams Aufgabenbereich, auch wenn er Eileen zur Nachfolge erzieht.
Das Blue Bird ist berühmt für das kuriose Geschäftsmodell, dass es neben Waffen und Rüstungen aller Art auch exquisite Getränke und kleine Gerichte To-Go vertreibt, um Kunden zu locken und bei etwaigen Wartezeiten auf besondere Stücke aufmerksam zu machen – oder bei einem Plausch einen neuen Klienten anzuwerben oder Informationen auszutauschen.

Dr. Gera Nephews, 32 Jahre alt
Gera Nephews war Robyns Ärztin und praktisch einzige Bezugsperson während ihrer Zeit in Hargeon Town. Die Rothaarige ist der Ärztin sehr dankbar, für alles, das sie für sie getan hat, und ihr wohl gesinnt. Dennoch hofft Robyn, ihr nicht wieder zu begegnen, um sie nicht unnötig mit ihrem dunklen Umfeld zu beeinflussen.

Feinde:
Obwohl man meinen könnte, dass Robyn einen Hass gegen die Männer hegt, die sie und ihre Familie damals entführt hatten, sieht Robyn keinen besonderen Sinn in Rache. Davon abgesehen haben sich die White Hawks bereits um diese miserablen Männer gekümmert, weshalb es mit Ausnahme des Feuermagiers niemanden mehr gibt, an dem sich Robyn direkt rächen könnte. Ohnehin gibt sie sich selbst die Schuld am Tod ihrer Geschwister und ihrer Mutter – die Schuld des Überlebenden plagt sie sehr.
Man könnte sagen, dass Robyn einen ideologischen Feind hat. Das System in Fiore funktioniert nicht. Es sind Menschen an der Spitze, die nicht regieren und führen können, und auf diejenigen, die das können, wir meist herabgesehen, da sie aus der falschen Schicht stammen. Dann kriechen noch Menschen am Abgrund, ohne Ziel, ohne Sinn, und reißen in ihrer Verzweiflung und Dummheit andere Menschen mit sich in die Tiefe. Dieses System hat ihr und vielen anderen wichtige Menschen geraubt und kann so nicht weiter existieren.

Der namenlose Feuermagier, 35+ Jahre alt
Das Gesicht zu einer unmenschlichen Fratze verzogen, ein wahnsinniges Lachen, irrer Blick, den Kopf seltsam schief gelegt. Sein Lächeln wird zu einer grotesken Form eines gelbscheinenden Sichelmondes. Robyn weiß nicht, woher dieser Mann kommt oder wohin er gegangen ist, weiß nicht was seine Ziele und Motivation sind. Doch dieser Mann hat Robyn mit seiner brennenden Hand gekennzeichnet und sein Gesicht und Lachen in ihren Geist eingebrannt. Sie weiß bloß, dass er hoffentlich eine wunderschön hässliche Narbe quer über seinem Gesicht von ihrer letzten Begegnung behalten hat.
Dieser Feuermagier hat Robyn und ihre Familie entführt, um sie dann bei lebendigen Leibe zu verbrennen. Es ist unklar, ob er dabei im Auftrag von jemand anderem gearbeitet hat. Da er noch frei herumläuft, bezweifelt Robyn nicht, ihn eines fernen Tages wieder zu treffen und dieses Treffen würde zweifellos nicht fördernd für Robyns psychische Gesundheit sein.

Gilde: Robyns Beziehung zu Royal Crusade ist durchaus nicht einfach. Das Misstrauen zwischen den Mitgliedern, die oft fehlende Loyalität und Teamfähigkeit stellen einen erheblichen Kontrast zu Robyns gewohnter Umgebung dar. Sie weiß, dass sie sich mühsam Verbündete suchen muss oder zumindest einen Kreis, der ihr hoffentlich nicht sofort einen Dolch in den Rücken rammen würde, sollte sich die Gelegenheit ergeben.
Doch als dunkle Gilde sieht Robyn diese allein als fähig, etwas an dem derzeitigen System zu ändern, das doch durch und durch verdorben und morsch ist. Dass ihr Weg dabei von Leichen gepflastert sein wird, stellt für Robyn kein allzu großes Hindernis mehr da. Immerhin hat sie bereits Blut an den Händen, das Blut ihrer Liebsten. Was sollte sie da das Blut derer kümmern, die ihrer Gilde im Weg stehen?

Geschichte:
Eine ganz normale Familie
Durchschnittlich hat eine Familie etwa ein bis zwei Kinder. Damit sind die Eltern zumeist mindestens 18 Jahre lang mental, zeitlich und finanziell völlig ausgelastet und freuen sich anschließend auf einige ruhige Jahre und eine übersichtliche Zahl an Enkelkindern. Manche Eltern sind jedoch besonders fleißig und bringen es auf stolze sieben Kinder, so wie Robyns kinderliebende Eltern es innerhalb von 15 Jahren schafften.
Robyn und ihr Zwillingsbruder Bran wurden an einem 10. November als das vierte und fünfte Kind einer liebevollen Familie geboren. Obwohl zweieiig, glichen sie sich mit ihrem roten Haar und blauen Augen wie ein Ei dem anderen, was in der kunterbunten Familie keine Selbstverständlichkeit war. Mutter Evelyn konnte einen ganzen Vortrag darüber halten, woher ihre Kinder all ihre verschiedenen Merkmale hatten. Robyn und Bran, wie sie  zu sagen pflegte, sahen aus wie ihr Großvater Aston. Nach ihnen kamen dann noch Eileen und Rhys, durch die die Familie Skuggi komplettiert wurde.
Ihre Kindheit war geprägt von Liebe, Wärme und Geborgenheit, aber auch einer gewissen Strenge, schließlich sollte keines der Skuggi Kinder zu disziplinlosen Tagträumern werden, die die Familie nur belasteten. Es wurde geschimpft, wenn man einen schweren Fehler begannen hatte, doch es wurde auch belohnt, wenn man etwas besonders gut gemacht hatte.
Trotz aller scheinbaren Normalität war Robyns Familie schon immer etwas anders als andere Familien. In einer anderen Familie würden die Eltern entsetzt reagieren, wenn ihre Kinder erfolgreiche Taschendiebe oder Einbrecher waren, wenn sie mit den Nachbarskindern ihre Kräfte maßen. Gavin und Evelyn förderten dieses Verhalten jedoch viel eher. Sie evaluierten die Fähigkeiten und Begabungen all ihrer Kinder, um sie dann gezielt zu trainieren. Duncan war immer mehr für den Einsatz seines Körpers, als für seinen Kopf, was aber wohl eher an seiner kindlichen Ungeduld und seinem Tatendrang lag, als dass er tatsächlich dumm war. Deirdre neigte dazu, Geld und Wertsachen wie eine Elster zu horten und aggressiv vor ihren Brüdern zu schützen, weshalb sie zum einen eine gewiefte Diebin war, aber auch früh eine Brillanz für Finanzen demonstrierte. Liam war im Kontrast zu seinen älteren Geschwistern stets ruhig und zurückhaltend, zeigte jedoch eine erstaunliche Begabung dafür, problemlos in die verschiedensten Rollen zu schlüpfen, weshalb seine Mutter ihn unter ihre Fittiche nahm.
Bran und Robyn waren einige Jahre jünger als ihre älteren Geschwister. So wuchsen sie staunend darüber auf, was ihre Brüder und ihre Schwester für Tricks beherrschten und Erfahrungen gesammelt hatten, und versuchten natürlich, ihnen nachzueifern. Bran war ähnlich ungeduldig wie Duncan und impulsiv wie Deirdre, war jedoch als Kind schon eher dazu geneigt, auf die Hinweise anderer zu hören, insbesondere von Robyn, als diese Tipps zu ignorieren. Robyn beobachtete ihre Umgebung aufmerksamer als Bran, ließ sich jedoch leicht von ihm ablenken oder mitziehen. Dadurch gerieten sie oft in das ein oder andere Schlamassel, insbesondere wenn Duncan und Deirdre auch noch mit von der Partie waren.
Neben diesen zahlreichen heiteren Momenten, erlebten die Kinder allerdings alle auch Dinge, die die meisten anderen Kinder nie zu Gesicht bekommen würden. Robyn und ihre Geschwister wurden gezielt von ihren Eltern mit zu Verhandlungen mit teils sehr zwielichtigen Menschen genommen, in denen Aufträge geklärt wurden, der Wert von Waren bestimmt wurde, Deals über weitere Zusammenarbeit geschlossen wurden. Sie sahen zu, wie man Menschen foltert, um sie zu bestrafen oder Informationen zu erhalten. Sie wurden mit zu Einbrüchen genommen, sahen einige der dunkelsten Gassen und Ecken von Crocus Town und der umliegenden Umgebung. Es war ein Kontrast zu der liebevollen Umgebung des eigenen Heims, doch das war die Normalität für die Kinder. Irgendwo war ihnen bewusst, dass andere Kinder anders lebten. Durch ihre Ausflüge stellten sie jedoch alle für sich selbst fest, dass es viele Familien gab, die zwar nach außen hin fantastisch funktionierten, aber tatsächlich hinter der Fassade moderten und siechten, und insbesondere die Kinder zu leiden hatten. So beschlossen sie alle für sich, dass sie zwar anders waren, in vieler Augen wohl kriminell und verabscheuungswürdig, doch sie wurden von ihren Eltern und Geschwistern geliebt. Damit ging es ihnen besser als so vielen anderen, sie erlebten und sahen so viel mehr von der Welt als das gewöhnliche Kind. Wieso sollten sie sich also über diese ‚Andersartigkeit‘ beschweren?

Fangenspiel! Und... wo sind wir jetzt?
Es war ein früher, kalter Morgen in Robyns zehntem Winter. Noch vor Sonnenaufgang hatte ihre Mutter Evelyn vier ihrer Kinder aus den Betten gescheucht, um mit ihnen einige wichtige Besorgungen zu erledigen. Neujahr näherte sich stetig und Evelyn hatte zusammen mit Liam ein großes Festessen mit allen White Hawks geplant. Dafür benötigten sie natürlich jede Menge Nahrungsmittel und Getränke, weshalb sie fast jeden Tag loszogen, um einkaufen und handeln zu gehen. An diesem frühen Morgen hatte sich Evelyn ihre Töchter Deirdre und Robyn, sowie ihre Söhne Bran und Rhys als Verstärkung mitgenommen. Rhys hatte tatsächlich fast immer dabei. Da er noch so jung war, sollte er möglichst viel von der Stadt sehen, so ihre Begründung. Eigentlich würde nur Deirdre tatsächlich eine Hilfe sein, denn sie hatte als einziges der Kinder Erfahrung im Verhandeln.
Zielstrebig, doch gemächlich führten Evelyn und Deirdre die Familie durch die Straßen von Crocus Town. Trotz der frühen Stunde waren bereits viele Händler auf den Beinen, um Besorgungen zu erledigen und die Geschäfte auf die kommenden Kunden vorzubereiten. Hinter den Fenstern der Häuser waren teilweise Regungen zu erahnen, hier und dort wurden Decken und Teppiche ausgeschüttet und manche Nachbarn unterhielten sich gut gelaunt, während sie sich aus den Fenstern lehnten und dem Treiben auf den Straßen zusahen.
Das heutige Ziel war eine Bierbrauerei, deren Biere bei den White Hawks besonders beliebt waren. Evelyn und Deirdre wollten zahlreiche Fässer kaufen und die Lieferung an das Blue Bird klären. Für die Zwillinge schien das nicht sonderlich aufregend, sie spielten bereits auf dem Weg zur Brauerei mit dem Gedanken, einfach abzuhauen. Als sie jedoch die Hände ihrer Mutter auf ihren Köpfen und einen mahnenden Blick über sich spüren konnten, warfen sie sämtliche dieser Gedanken rasch beiseite.
Als sie die Brauerei betraten, wurden sie auch sogleich freudig begrüßt. „Ah, Frau Skuggi! Guten Morgen, Kinder! Was kann ich für Sie tun?“ Ein kleiner, stämmiger Mann kam ihnen gut gelaunt entgegen. Er musste schon seit einiger Zeit auf den Beinen sein, so verboten wach wie er war.
„Guten Morgen Herr Kehrer“, lächelte Evelyn ihn freundlich an. Sie verschwendete jedoch nicht viel weitere Zeit mit Floskeln, sondern ging direkt zum Geschäftlichen über. „Wir möchten gerne unseren Biervorrat ein wenig aufstocken. Für Neujahr, wissen Sie? Gibt es eventuell eine Empfehlung des Hauses?“
Robyn, Bran und Rhys wechselten einen kurzen Blick und beschlossen dann, den Erwachsenen nicht weiter zuzuhören. Mit Alkohol konnten sie sowieso nichts anfangen – nach Brans Aussage schmeckte zumindest das Getränk, das er einst gekostet hatte, sehr bitter – und verschwanden leise vor die Tür. Tief atmeten sie die klare Morgenluft ein, im nächsten Moment rief Bran auch schon „Du bist!“, piekte Robyn in die Schulter und stürmte mit Rhys im Schlepptau davon. Das Fangenspiel hatte begonnen.
Sie rannten und sprangen ohne Zeitgefühl, bewegten sich immer weiter von der Brauerei fort, um vor dem Fänger zu fliehen. Robyn und Bran passten ihre Geschwindigkeit natürlich an Rhys an, damit dieser auch Spaß hatte, und wurden manchmal sogar richtig von dem kleinen überrascht, wenn er sich von einer Anhöhe auf ihre Rücken stürzte.
Es musste etwa Mittag gewesen sein, als sie endlich aufhörten. Mit seiner kindlichen Niedlichkeit zupfte Rhys auf einmal an Robyns Jacke und sagte mit großen, überraschten Augen: „Ich hab Hunger“, als hätte er zum ersten Mal seinen Magen knurren gehört.
„Tja, dann.. sollten wir wohl langsam zurückgehen. Wo sind wir hier eigentlich?“ Erstmals blickten sich Robyn und Bran aufmerksam um, nur um festzustellen, dass sie keine Ahnung hatten, von wo sie gekommen waren oder wo sie gerade eigentlich waren. Die Gebäude waren schäbig und heruntergekommen, auf den verwahrlosten Straßen lagen Müll und Dreck. Hinter einer Kiste schien ein Obdachloser zu schlafen. Bei ihrem Spiel mussten sie durch gefühlt die halbe Stadt geturnt sein. Mal wieder. Instinktiv nahmen die Zwillinge ihren kleinen, wehrlosen Bruder in ihre Mitte und drückten seine Hände fest in ihre. Nur nicht die Ruhe verlieren, immer einen kühlen Kopf bewahren. Sie wussten nicht wo sie sind, aber irgendwo musste es wieder zurück in bekanntere Gebiete von Crocus gehen. Sie mussten sie nur finden.
Ziellos schlichen sie durch die engen Gassen. Angestrengt versuchten sie sich an irgendwelche Punkte zu erinnern, an denen sie vorher vorbeigekommen waren. Doch es half nichts. Nichts kam ihnen auch nur entfernt bekannt vor. So liefen sie für einige Zeit durch die Straßen, mit einem immer flaueren Gefühl im Magen, das sie begleitete. Rhys war ganz still geworden, machte sich einzig durch das Knurren seines Magens bemerkbar. Er spürte die Anspannung seiner Geschwister deutlich. Nur mühsam konnte er sich daran hindern, in Tränen auszubrechen.
Ab und an glaubten Bran und Robyn das Gefühl zu haben, von verschiedenen Seiten beobachtet zu werden, obwohl die Gassen gespenstisch verlassen wirkten. Unwillkürlich wurde ihr Gang immer schneller, bis Robyn Rhys auf den Arm nehmen musste, weil er nicht mehr mithalten konnte. Schließlich rannten sie, entfernten lauten Geräuschen folgend, in der Hoffnung, dass sie so auf belebtere Straßen kommen würden. Als es hinter einer Ecke vor ihnen plötzlich laut rumpelte, versteckten sie sich ängstlich hinter einigen großen Tonnen. Sie konnten einen Fluch hören, etwas wurde wieder aufgestellt. Dann Schritte, die in der Mitte der kleinen Kreuzung verstummten. Sie hörten ein Rascheln wie von einer Tüte, ein Knistern, als ob etwas ausgepackt wurde. Einige Momente später stieg der verführerische Duft eines Schinkenbrötchens in ihre Nasen, ihre Mägen jauchzten entzückt auf. Vorsichtig lugte Bran um die Tonne herum. Als plötzlich sämtliche Anspannung von ihm abfiel und er mit einem lauten „MAMA!“ nach vorne stürzte, fiel Robyn ein mächtiger Stein vom Herzen.
Wenige Augenblicke später klammerten sich alle drei verzweifelt an ihre Mutter, jeder mit einem Brötchen im Mund und Tränen auf den Wangen. „Esch tut mir scho Leid“, schluchzte Bran mit vollem Mund. „Wir haben nicht aufgepasscht!“
„Tse, das kommt davon, wenn man euch mal einen Moment aus den Augen lässt.“
Deirdre blickte mürrisch auf die Kleinen herab, klopfte sich etwas Schmutz vom Kleid. „Wisst ihr eigentlich, was für Sorgen wir uns gemacht haben? Ihr wart einfach weg! Verschwunden! Und dann haben die Leute auch noch erzählt, sie hätten drei flinke Wiesel kopflos in dieses Viertel geflitzt sind... Habt ihr eigentlich noch alle Tassen im Schrank? Was bitte macht ihr in den Armenvierteln von Crocus Town?!“
Noch schlimmer als Deirdres lautes Geschrei war jedoch der enttäuschte Blick ihrer Mutter. Als Robyn und Bran in die Augen ihrer Mutter blickten, wollten sie am liebsten sofort im Boden versinken. Sie hatten nicht nur sich selbst, sondern auch Rhys durch ihr unüberlegtes Handeln in Gefahr gebracht. Es war pures Glück, dass Evelyn sie so schnell wieder gefunden hatte, nachdem sie ihr Verschwinden bemerkt hatte. Sie alle waren bereit, sofort nach Hause zu gehen, in ein heißes Bad zu steigen und sich dann in ihre Betten zu verkriechen. Doch der Tag wurde zum schlimmsten in Robyns bisherigen Leben.

Mehr Fleisch
Sie standen noch immer auf der Kreuzung, weinend, essend und belehrend. Da spürten Robyn und Bran die Augen wieder, die von überall her beobachteten. Dass sich Deirdre und Evelyn auf einmal anspannten, zeigte ihnen, dass sie sich die Blicke nicht nur einbildeten. Mit einem Mal kam Bewegung in die vorher so leere Umgebung. Skelettartige Männer lösten sich aus Schatten, schienen direkt aus den Wänden der Häuser zu treten. Ehe sich die Familie versah, war sie von allen Seiten umkreist, jeder Fluchtweg war abgeschnitten. Gut ein Dutzend abgemagerter Männer hatte sich um sie gescharrt, jeder mit einem wirren Blick und sabbernden, verzerrten Mund.
„Das...“, begann auf einmal einer von ihnen und schluckte gierig. „Sieht richtig lecker aus. Ist das Fleisch? Echtes Fleisch?“ Einen Moment herrschte Stille, dann warfen Robyn, Bran und Rhys ihre halb gegessenen Brötchen in die Menge, das „Wartet!“ ihrer Mutter ignorierend. Plötzlich verwandelten sich die leblosen Gestalten in geifernde, blutrünstige Bestien, die sich auf die Brötchen stürzten, sich gegenseitig schlugen und aufeinander eintraten, um einen Bissen zu erhalten. Danach wurde alles nur noch schlimmer.
„He, heh, habt ihr mehr davon?“ – „Gibt es sowas, da wo ihr herkommt?“ – „Ihr seht so fett aus. Ihr habt bestimmt Geld und Essen ohne Ende, ja?“ – „Essen, mehr Essen, hahaha!“
Entgeistert kauerte sich die Familie zusammen. Verzweifelt versuchten Evelyn und Deirdre einen Ausweg zu finden, doch keine von ihnen war eine Kämpferin. Wenn Gavin, Duncan oder Liam dabei gewesen wären, hätten sie die Männer ohne Schwierigkeiten längst in die Flucht geschlagen. Doch die Frauen und die Kinder fühlten sich so hilflos wie Babys, als sie die wirren Blicke der wilden Meute auf sich spürten.
Einer der Männer trat auf sie zu. Seine Nase blutete, jemand hatte ihn gebissen. „Na, he, wie wär’s damit? Ihr kommt mit uns und wenn ihr wieder gehen wollt, muss eure Familie uns Geld und Essen geben. Jede Menge Essen. Fleisch, Fisch, Obst. Ganz viel. Hyahaha-“ Das Lachen des Mannes ging in den animalischen Lauten der Männer und den verzweifelten Hilfeschreien von Robyns Familie unter. Trotzdem rang es in ihren Ohren nach, sie konnte es hören, bis ihr jemand auf den Kopf schlug und sie bewusstlos wurde.

Das Inferno, das die Kindheit raubte
Mit einem Ruck kam Robyn wieder zu sich und setzte sich auf. Verwirrt blickte sie sich um. Eindeutig war sie nicht mehr in einer Gasse, sondern in einem alten Holzhaus. Ein Feuer knisterte in einem provisorischen, offenen Ofen und sollte wohl das kalte Haus erwärmen. Neben ihr saß ihre Familie. Deirdre lag noch bewusstlos am Boden, Evelyn saß an die Wand gelehnt, drückte den schlafenden Rhys an ihre Brust. Ihr Blick war ununterbrochen auf die Männer im Raum gerichtet. Bran, der direkt neben Robyn kauerte und ihre Hand drückte, tat es seiner Mutter gleich.
Sie waren weder gefesselt, noch geknebelt. Einige Männer saßen an einem Tisch, murmelten leise, sangen ein Lied über baldiges Essen. Andere standen in einem Halbkreis vor der Familie, mit Knüppeln und alten Schwertern bewaffnet. Ein Fluchtversuch war undenkbar.
Ängstlich rückte Robyn näher an ihren Bruder und drückte sich an seine Schulter. Bran zuckte zusammen, verzog das Gesicht. Erstaunt ließ Robyn ihren Blick erneut über ihren Bruder gleiten. Bran hatte ein langsam blau und dick werdendes Auge, die Verletzung schien von der Entführung zu stammen. Etwas sagte Robyn jedoch, dass seine rechte Schulter erst kürzlich ausgerenkt wurde. ~Was ist passiert?~
~Wir ham versucht, abzuhauen~, antwortete Bran umständlich mit einer Hand. ~Dumm, ich weiß. Sie ham mir die Hand gebrochen und die Schulter ausgekugelt. Und Deirdre... sei froh, dass du das nicht gehört hast. Die Schweine haben ihr die Beine gebrochen.~ Bei dem Gedanken stieß er wütend Luft aus und knurrte, was bei einem zehnjährigen jedoch nicht besonders furchterregend klang. Erst jetzt bemerkte Robyn, dass Deirdres Beine wie seltsame Klumpen auf dem Boden lagen. Sie war wohl nicht einfach nur bewusstlos, sondern kämpfte mit ihren Schmerzen. Robyn sah die Tränen der Verzweiflung im Gesicht ihrer Mutter. Niemand von ihnen hätte je erwartet, in eine so aussichtslose Situation zu kommen. Ihre Kinder so leiden zu sehen und ihnen nicht helfen zu können, musste für Evelyn unerträglich sein.
Nach einer gefühlten Ewigkeit trat schließlich ein Mann auf sie zu. Es war derselbe, der die Entführung überhaupt erst vorgeschlagen hatte. „Na dann woll’n wir doch mal seh’n“, grinste er irre. „Wo finden wir denn euren lieben Papa?“ Er legte den Kopf so schief, dass er auf seiner Schulter zu liegen schien. Das Grinsen war breit, gelb und löchrig wie ein hässlicher Sichelmond. Als ihm niemand antwortete, wurde er sichtlich ungehalten. Er wandte sich Evelyn zu, die seinen Blick eiskalt erwiderte, überlegte einen Moment und streckte dann die Hand aus. Im nächsten Moment schrien Evelyn und Rhys auf, als der Junge gewaltsam aus den Armen seiner Mutter gerissen wurde. „Hyaha, du kriegst ihn wieder, Weib, wenn du’s mir sagst. Wo find ich deinen fetten Mann, der mit dem vielen Essen?“ Er zog ein Messer aus seinem Gürtel und hielt es Rhys an den Hals, der wild strampelte und nach seiner Mama schrie.
„Lass meinen Sohn los, du Monster!“ Evelyn versuchte sich aufzurichten, doch sie sackte stöhnend wieder in sich zusammen und hielt sich die Hüfte. Robyn und Bran schrien überrascht auf. Ob die Verletzung von der Entführung rührte? Ihre Mutter konnte sich nicht bewegen, Deirdre ebenfalls nicht. Bran war ebenfalls verletzt und mit nur einem richtig funktionierendem Arm konnte er nicht viel ausrichten. „Mamaaa“, hörte sie Rhys weinen.
Robyn dachte gar nicht weiter nach. Mit einem Satz sprang sie auf, stürzte sich auf den Mann und biss ihm kräftig in die dürre Hand, in der er das Messer hielt, ehe er überhaupt reagieren konnte. „NNnnAaARGH!“ Der Mann schrie auf, ließ Rhys und das Messer fallen und schüttelte seinen Arm heftig, um Robyn abzuwerfen. Sie konnte den Dreck auf seiner Haut schmecken, doch das war egal. Als seine Hand plötzlich wärmer, schließlich gar heiß wurde und sie sich die Zunge und Lippen leicht verbrannte, ließ sie schlagartig von ihm ab und fiel nach hinten.
„DU verfluchtes GÖR!“ Sein Blick wurde noch wahnsinniger als er es davor schon war. Sogar die Männer um ihn herum wichen zurück und blickten ihn verängstigt an. Seine Hand glühte richtig im dämmrigen Licht des Hauses. Bevor Robyn das richtig verarbeiten konnte, trat er ihr einmal fest in den Magen. Kaum war der Fuß verschwunden, rollte sich Robyn auf die Seite, um sich zu übergeben, doch sie verschluckte sich fast an ihrer eigenen Galle, als der Mann sie auf den Bauch drehte. Mit einem Bein fixierte er ihre schmächtigen Beine, mit einer Hand hielt er ihren Kopf unten. Die freie Hand nutzte er, um ihre Jacke und Shirt hoch zu zerren und ihren Rücken frei zu legen. Dann kam sein Kopf ganz nah, sie konnte seinen faulen, heißen Atem in ihrem Gesicht spüren. „Lass mich dir zeigen, wie man mit ungezogenen Gören umgeht, da, wo ich herkomme“, hauchte er in ihr Ohr. Eine Gänsehaut breitete sich über ihren Rücken aus.
Einen Moment war alles still, aber das war nur, weil Robyns Gehör versagt. Sie konnte sehen, wie Bran etwas rief, das Gesicht panisch und wütend verzerrt, wie Rhys weinte und Evelyn wohl um Erbarmen flehte. Im nächsten Moment roch sie verbranntes Fleisch, wollte sich am liebsten übergeben. Und als sie den sengenden Schmerz auf ihrem Körper spürte, fing sie an zu schreien.
Sie schrie und schrie, und er lachte und lachte immer wahnsinniger. Irgendwann drehte er sie um, wie eine Puppe fiel sie auf ihren Rücken. Sie konnte nichts mehr spüren außer dem endlosen Echo des Schmerzes. Sie fürchtete, dass der Mann ihr noch mehr wehtun wollte, doch stattdessen wich ihr Peiniger von ihr fort, mit einem plötzlich panischen Ausdruck im Gesicht.
„D-Da-Das Zeichen! Das Zeichen! D-Der weiße Habicht!“, schrie er auf, sein Wahnsinn schien sich in Hysterie zu wandeln. Er sprang zu Bran und zerrte sein Hemd hoch, ohne seine Proteste überhaupt zu registrieren. Der Mann sah den weißen Habicht auf Brans Bauch und wich zurück. „Hya, HYAHAHA.“ Sein ganzer Körper zitterte, dann drehte er sich langsam zu den anderen Männern im Raum um. Die Erwähnung des weißen Habichts hatte auch sie in Aufruhr gebracht. „Die White Hawks bringen uns um, wenn sie Leichen finden. Zeit, die Hütte abzufackeln“, verkündete er mit einem irren Grinsen im Gesicht.
Danach ging alles ganz schnell. Die meisten Männer stürmten aus dem Haus, nur einige wenige blieben zurück um etwas auf die Wände zu gießen, das nach abgestandenem Öl roch. Evelyn mobilisierte all ihre verbliebene Kraft, um sich aufzuraffen und auf den Feuermagier zu stürzen. Sie stürzten zu Boden und rangen einige Momente miteinander, bis der Magier triumphierte und sich von Evelyns leblosen Körper erhob. Als letzter der Männer ging er zur Tür. „Gute Nacht, ihr Lieben“, grinste er sie an, bevor er mit seiner Magie das Holz entzündete und verschwand.
Irgendwann sah Robyn Brans Gesicht über sich. Er schüttelte sie und schrie sie an. „Robyn, ROBYN, steh endlich auf, wir müssen hier raus! Jetzt komm endlich zu dir!“ Er zog sie auf die Füße, wo sie mühsam stehen blieb. Ihr Blick glitt hinüber zu ihrer Mutter, die sich nicht mehr regte. „Mama... Mama, was... was ist mit Mama?“ Ihr Flüstern wurde beinahe von den Flammen übertönt.
„Mama ist tot! Wir müssen Deirdre und Rhys hier rausschaffen, bevor das Dach einstürzt! Robyn, verdammt, ich brauch deine Hilfe!“
Tot? Was hieß ‚tot‘? Würde sie nie wieder aufstehen? Nie wieder lächeln, mit ihr schimpfen und lachen? Würde ihre Mama nie wieder mit ihrem Papa schäkern und ihn zum Erröten bringen? Würde sie nie wieder die Umarmung ihrer Mama spüren? Warum...?
Dann schlug Bran sie ins Gesicht. „Komm endlich zu dir! Robyn, bitte! Ich schaff das nicht allein!“ Seine Stimme war nur noch ein verzweifeltes Flüstern. Er zitterte am ganzen Körper. Robyn biss sich auf die trockene, schmerzende Lippe. Dann nickte sie. Sie mussten hier raus.
Es war heiß und stickig, die Luft war durchzogen mit Rauch, der in der Lunge brannte und die Sicht einschränkte. Durch das Öl verbreitete sich das Feuer immens schnell, es griff bereits auf die Dachbalken über, als Robyn sich auf die Suche nach Rhys machte. Als sie ihn fand, machte sich ein seltsam taubes Gefühl in ihr breit. Rhys lag ganz seltsam an der Wand und regte sich nicht. Er erinnerte sie frappierend an ihre Mutter. Robyn kniete sich zu ihm nieder. Sie entdeckte eine Menge Blut an seinem Kopf. Sie schüttelte ihn, doch er war ganz schlaff. Wie in Trance nahm sie ihn hoch, drückte seinen leblosen Körper an sich. Im nächsten Moment erschütterte ein Beben das Haus. Durch ihre tauben Sinne hörte sie dumpf, wie etwas Schweres auf den Boden stürzte, gefolgt von einem erstickten Schrei. Robyn wollte sich nicht umdrehen. Sie wollte nicht hinsehen. Sie wollte nur da stehen bleiben, Rhys Körper halten und aus diesem furchtbaren Alptraum aufwachen. „...Robyn...“ Bran rief nach ihr mit schwacher Stimme und sie drehte sich doch um. Hätte sie es doch nicht getan.
Ein Teil des Daches war eingestürzt und hatte den halben Raum unter sich vergraben. Gerade so konnte Robyn Bran und Deirdre erkennen, die unter dem Rand des Gerümpels eingeklemmt waren. Feuer griff bereits auf das alte Holz über. „Robyn, komm her.“ Bran war seltsam ruhig, obwohl er nur Sein Kopf und sein gesunder Arm aus den Trümmern hervorlugte. Die Last, die auf seinem Körper war, musste ihn erdrücken. Deirdre stöhnte, aber sie schien nicht bei Bewusstsein zu sein. Das war wohl auch besser so.
Robyn folgte Brans Ruf, kniete sich vor ihm auf den Boden und umklammerte verzweifelt seine Hand. Er erwiderte ihren Druck ebenso verzweifelt. Tränen liefen über ihre Gesichter. Ihnen war klar, dass sie die Trümmer unmöglich würden beseitigen können, dass Bran und Deirdre darunter gefangen waren.
„Robyn...“ Bran hustete, drückte ihre Hand noch ein wenig fester. „Du... Du musst mir einen Gefallen tun.“ Er sprach ruhig und gefasst, schenkte ihr ein leeres Lächeln. Dann blickte er zur Seite. Robyn folgte seinem Blick und sah das Messer des Feuermagiers nur einen Meter von sich entfernt. Es grinste sie spöttisch an, als wüsste es genau, was Bran für eine Bitte hatte. „Ich will nicht lebendig verbrennen. Und Deirdre soll das auch nicht. Das... allein die Vorstellung...“ Er fing an zu schluchzen. Sein Körper bebte unter den Trümmern. „Robyn. Bitte. Töte uns!“
Fassungslos schüttelte Robyn den Kopf. „NEIN“, wollte sie schreien, doch kein Laut kam aus ihrer Kehle. Sie blieb stumm, weinte und schrie ‚Nein, Nein, NEIN, sterbt nicht! Bitte mich nicht darum! Ich brauche euch!‘ in ihrem Kopf, während sie Rhys Körper neben sich legte und nach dem Messer griff.
~Bran. Ich liebe dich.~
„Ich weiß. Ich liebe dich auch, Schwesterchen... Leb für mich weiter, ja?“
Bran und Robyn rangen sich das letzte Lächeln ab, das sie sich je schenken würden. Robyn küsste ihren Bruder ein letztes Mal auf die Stirn, hielt seine Hand ganz fest. Mit einem Ruck beendete sie sein Leben und seine Hand erschlaffte in der ihren.

Im Zug nach Nirgendwo
Rhys‘ toter Körper, das Messer, das Halstuch, das Bran immer getragen hatte und Robyn waren alles, was es aus dem Haus geschafft hatte, bevor es sich völlig in ein Inferno verwandelt hatte. Reglos starrte Robyn in das Feuer, das in der Dunkelheit noch heller und zorniger schien, als es ohnehin schon war, während sie sich an ihren toten Bruder klammerte. Noch entzog sich ihr, was gerade wirklich geschehen war. Immer wieder sah sie vor sich, wie sie das Leben ihres Bruders und ihrer Schwester beendet hatte, wie ihre Mutter reglos von Flammen gefressen wurde und Rhys friedlich zu schlafen schien. Irgendwann wandte sie sich ab von dem Haus, das wohl außerhalb von Crocus Town stehen musste, denn es war von Wald umgeben. Sie musste zurück in die Stadt. Sie musste Rhys nach Hause bringen.
Wie in Trance suchte sie den Weg zurück in die Stadt. Oft stolperte und fiel sie, blieb an Ästen und Büschen hängen, weil sie in der Dunkelheit und durch ihre Tränen kaum etwas sehen konnte. Doch sie ging weiter, immer weiter. Als sie die Stadt endlich erreichte, ging sie einfach ihren Weg in das ihr am meisten vertraute Viertel. Sie bemerkte nicht, wenn sie von besorgten Passanten angesprochen wurde, spürte nicht die Blicke, die auf ihrem Bruder und ihrem geschundenen Rücken ruhten. Nur ein einzige Blick schaffte es, dass sie für einen Moment erstarrte, nur um dann panisch loszurennen. Deutlich konnte sie den irren Blick und das breite Grinsen eines Wahnsinnigen in ihrem Rücken spüren. Er war da. Er beobachtete sie. Er jagte sie.
Die Erinnerung an sein Lachen verfolgte sie, während sie durch die Straßen und Gassen der Stadt stürmte. Ihr Rücken schien wieder in Flammen aufzugehen, ihre Beine wurden immer weicher und schwächer. Rhys‘ schwerer werdender Körper behinderte sie, doch sie ließ ihn nicht los. Er musste nach Hause gebracht werden. Wenigstens er.
Erst als sie endlich an sehr vertrauten Gebäuden vorbei kam, wurde sie etwas ruhiger. Sie war endlich in heimischen Gebiet. Hier würde man Rhys finden. Sie wagte es nicht, den Magier bis zu sich nach Hause zu führen. In seinem Wahnsinn könnte er die Angst vor ihrem Vater vergessen, vielleicht sogar Eileen etwas antun. Robyn rannte zu der Bäckerei, bei der sie sich oft Frühstück und Snacks kauften. Sie wurde von guten Leuten betrieben, die Rhys kannten. Sie würden ihn erkennen und nach Hause führen. Völlig außer Atem kam Robyn vor der Bäckerei zum Stehen. Es brannte noch Licht hinter den Gardinen. Behutsam legte sie ihren kaltgewordenen Bruder vor die Türschwele des Geschäfts. „Es ist okay. Es ist alles okay, Rhys. Bald bist du daheim“, schluchzte sie, endlich wieder Herrin über ihre gebrochene Stimme.
„Na, na. Kleine Gören sollten nachts nicht allein rumstreunen. Wieso bist du denn nicht bei deiner Mami?“, raunte der Feuermagier auf einmal direkt in ihr Ohr. Robyn blieb kaum genug Zeit, zusammen zu zucken, da riss er sie auch schon an den Haaren in die Luft und wirbelte sie umher, während sie lauthals schrie. „Hyahahya, so ungezogen! Leide noch mehr, schrei noch mehr! Genau so! Fantastisch! Hyahahyaha!“ Immer wieder legte er seinen Kopf auf die Schulter, brannte seinen irren Blick regelrecht in Robyns Gedächtnis.
Das Geschrei weckte einige Anwohner auf. Es dauerte nur wenige Momente, bis die Tür der Bäckerei mit einem Schwung geöffnet wurde und der Bäcker heraustrat. „Was zum... Robyn? Hey, Sie! Lassen Sie das Mädchen sofort los!“ Er wollte herausstürmen, trat dabei jedoch gegen Rhys‘ Körper und erstarrte. Das Auftreten des Bäckers lenkte den Magier ab, sodass Robyn genug Zeit hatte, das blutbefleckte Messer aus ihrem Gürtel zu ziehen und quer über das Gesicht ihres Angreifers zu schwingen. „NARGH!“ Er ließ sie fallen und sie ließ das Messer fallen. Sie stürmte los, fort, einfach nur fort, egal wohin. Sie hörte, wie er hinter ihr her jagte, doch sie drehte sich nicht um. Sie rannte weiter, immer weiter um ihr Leben.
Schnell verlor Robyn den Blick dafür, wohin sie eigentlich unterwegs war. Lichter und Menschen verschwammen zu wirren Farben. Schließlich fand sie sich im großen Bahnhof wieder, ohne Erinnerung, wie sie es überhaupt dorthin geschafft hatte. Auch zu dieser späten Stunde herrschte reger Betrieb, durch den sich Robyn drängte. Inständig hoffte sie, dass der Magier sie hier verlieren würde, der ihr bis hierher gefolgt war. Sie kletterte über Absperrungen, huschte an Sicherheitspersonal vorbei, geradezu auf die Gleise. Ein Zug fiel in ihren Blick, dessen Ziel Robyn nicht kannte. Doch es war egal. Er würde sie weit weg bringen, weg von dem Magier, weg von ihrer toten Familie, weg von dem Inferno, einfach weg von allem. Sie sprang hinein, nur Sekunden bevor sich die Türen schlossen. Dann weinte sie und brach zusammen.

~*~ To be continued ~*~

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Robyn Skuggi

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BeitragThema: Re: Robyn Skuggi   Di 18 Aug 2015 - 1:17

Fortsetzung der Geschichte


Der Singvogel ohne Stimme
Die letzte Station des Zuges war Hargeon Town gewesen, die Hafenstadt im Osten von Fiore. Dort war Robyn einigen Tagen ausgestiegen und sich in der Menge verloren. Seitdem kämpfte sie mit der Kälte, Hunger, Panikattacken, stärker werdendem Fieber und ihrer Brandwunde am Rücken – denn diese schmerzte kaum, roch jedoch sehr unangenehm. Es war schwierig für Robyn, sich die Wunde genau anzusehen, doch in einem Bekleidungsgeschäft hatte sich nun die Gelegenheit gefunden, im Spiegel einen Blick darauf zu werfen.
Das Zentrum der Wunde war grau bis schwarz verfärbt und trocken, grob konnte man den Handabdruck des Magiers ausmachen. Gerade diese Stelle tat überhaupt nicht weh. Die Verbrennungen drum herum waren feucht,  rötlich bis weiß verfärbt und übersät mit Brandbläschen. Es tat weh, aber nicht so stark, wie sie es sich vorgestellt hätte. Am meisten schmerzten die weniger verbrannten Ränder der Wunde, die besonders feucht glitzerten und sensibel auf Berührung und Druck reagierten. Der fehlende Schmerz beunruhigte Robyn. Die Verbrennung musste wirklich schlimm sein. Ein Seufzer entwich ihr. Sie musste dringend zu einem Arzt. Doch sie hatte weder Geld, noch wollte sie wieder nach Hause geschickt werden. Dorthin konnte sie nicht zurück.
Wieso nicht? Weil sie wusste, dass ihr Vater, ihre Brüder und ihre Schwester sie alle überglücklich und erleichtert in die Arme schließen würden. Sie hatte überlebt, wenigstens sie. Aber wie konnte Robyn ihrer Familie je wieder in die Augen blicken, je wieder ihre Liebe wert sein, wenn sie doch daran Schuld war, dass sie überhaupt erst entführt worden waren? Wenn es doch ihre Schuld war, dass der Magier das Zeichen der White Hawks entdeckt hatte? Wenn sie es doch war, die Brans und Deirdres Leben beendet hatte? Immer, wenn sie auf ihre Hände sah, erinnerte sie sich an das Messer, das sie benutzt hatte. Sie konnte noch immer spüren, wie Brans Hand schlaff wurde, wie Deirdre mit einem Lächeln auf den Lippen unter den Trümmern erschlaffte. Robyn hatte sie umgebracht, ihre eigenen Geschwister. Wie konnte so etwas es wert sein, geliebt zu werden?
In der ersten Nacht, die sie in Hargeon verbracht hatte, waren ihr die Geschehnisse vollends bewusst geworden. Sie war in ein hysterisches Lachen ausgebrochen, hatte sich auf dem Boden gewälzt, den Kopf gegen Hauswände gedonnert, bis ihr schlecht wurde und sie sich übergeben musste, obwohl ihr Magen bereits leer war. Danach war sie leblos in sich zusammen gesackt, als hätte sämtliche Energie ihren Körper verlassen. Seitdem hatte sie keinen Laut mehr von sich gegeben, kaum eine Regung war auf ihrem Gesicht zu sehen.
„Was machst du da eigentlich so lange drin, Kleine?“ Eine laute Frauenstimme riss Robyn aus ihrer Trance. Der Vorhang der Kabine wurde ein Stück zur Seite geschoben, der Kopf einer brünetten Frau schob sich herein. „Brauchst du Hilfe bei et- Um Himmels Willen!“ Entgeistert schob sie den Vorhang gänzlich zur Seite, stürmte in die Kabine und hinderte Robyn daran, ihr dreckiges Shirt wieder nach unten zu ziehen, um ihren Rücken zu verdecken. „Was ist passiert? Das sieht ja furchtbar aus! Wo sind deine Eltern? Du musst keine Angst haben. Ich bring dich zu einem Arzt und dann suchen wir deine Eltern.“ Die Frau zögerte keinen Moment und riss Robyn auf ihre Arme, die schwachen Schläge und Tritte des Mädchens ignorierend. Die Brünette fackelte nicht lange, stürmte aus dem Geschäft und zielstrebig durch die Straßen.
Keine zwanzig Minuten später saß Robyn auf dem Behandlungstisch in einer kleinen Praxis, umwuselt von fleißigen Arzthelfern. Kaum hatte man ihre Verletzungen gesehen, war sie sofort durchgewunken worden. Von Kopf bis Fuß wurde sie entkleidet und eingehend untersucht, abgehorcht, abgetupft und mit Bandagen umwickelt. Die Ärztin fragte sie viele Dinge, doch Robyn hörte gar nicht zu. Ihr war heiß und kalt zugleich, ihre Sicht verschwamm zusehends. Schließlich übermannte sie ihr Fieber und wie so oft in letzter Zeit verlor sie das Bewusstsein. Sie war müde, so schrecklich müde...
Es dauerte gut einen Monat, bis Robyn sich ihrer Umgebung wieder völlig bewusst wurde. Die Ärztin erklärte ihr, sie war immer wieder aufgewacht, um zu essen oder auf die Toilette zu gehen, habe sogar einige Male versucht, aus der Praxis zu entwischen. Sie war gewaschen worden und weiter behandelt. Tatsächlich, Robyns Kopf schmerzte nicht mehr, erst jetzt fiel ihr auf, dass ihre Arme und Beine so furchtbar schwer gewesen waren. Um ihren Bauch war ein riesiger Verband gewickelt, um die beschädigte Haut zu schützen. Einzig in ihrem Herzen schien ein riesiges Loch zu klaffen. Die Ärztin sagte, Robyn sollte am besten noch einige Monate in Behandlung bleiben, die Verbrennung dritten Grades im Zentrum der Wunde könnte eventuell noch Schwierigkeiten machen und sich entzünden. Ihre Familie hätte man leider noch nicht ausfindig machen können.
„Von wo kommst du denn, meine Kleine? Wie heißt du? Deine Mama und dein Papa machen sich bestimmt Sorgen um dich.“ Freundlich lächelte die Frau, strich Robyn über das Haar. Doch sie blieb stumm und starrte mit leerem Blick an die beige Wand gegenüber. „Was ist dir nur passiert, Schatz?“ Die Frau seufzte und verließ schließlich den Raum mit besorgter Miene.
Und Robyn blieb. Sie hatte keinen Antrieb, eine Flucht zu versuchen. Sie hatte auch keinerlei Gelegenheit, wieder Energie zu gewinnen, denn sie träumte jede Nacht von dem wahnsinnigen Magier, wie sich sein Kopf um 360 Grad zu drehen schein, mit dem irren Sichelmondartigen Grinsen. Wie er sie anfeuerte, während sie mit dem Messer ausholte, in dem sich die Hölle spiegelte. Die Pfleger sagten, sie würde nachts schreien, weinen und lachen zugleich. Es war möglicherweise eine Reflektion ihrer schlechten psychischen Verfassung, dass ihr Rücken mehr schlecht als recht verheilte und ihr eine immerwährende Narbe hinterlassen würde. Ihre Ärztin, Dr. Gera Nephews, konsultierte mit verschiedenen Spezialisten, um ihre Patienten möglichst effizient zu behandeln. Schließlich rief sie einen Magier zu sich, der auf Healing Herbs spezialisiert war, um Robyns Wunde mit Wound Dressing behandeln zu lassen. Die Verletzung war schon älter, die Vernarbung hatte bereits begonnen, doch Gera Nephews hoffte inständig, dass diese magische Behandlung dem Heilungsprozess unter die Arme greifen würde und schlimmste Vernarbungen, sowie Zusammenziehen der Haut verhindern würde. Die Kosten für die Behandlung bezahlten Nephews und ihre Mitarbeiter aus eigener Tasche. Sie alle hatten Mitgefühl mit ihrer stationären, kleinen Patientin.
Robyns Behandlung ging jedoch nicht spurlos an der Praxis vorbei. Es gab niemanden, der die Kosten für ihre Behandlung decken würde, denn die Verbindung mit den White Hawks hatte noch niemand gezogen. In Hargeon oder zumindest dieser Praxis war Robyns Familie allem Anschein nach bei weitem noch nicht so bekannt, wie in Crocus, was aber auch nicht weiter verwunderlich war. Die Mitarbeiter, besonders Gera Nephews, mussten ein paar Einsparungen vornehmen, um die Kosten auszugleichen. Das bekam auch Robyn mit, die nach sechs Monaten des Nichtstuns dann doch langsam Hummeln im Hintern bekam.
Natürlich konnte sie nicht vergessen, was passiert war. Natürlich machte sie sich weiterhin Vorwürfe. „Leb für mich weiter“, hatte Bran sie gebeten, ein Satz, der immer wieder in ihrem Kopf abgespielt wurde. Ihre Alpträume wurden immer öfter abgelöst oder unterbrochen von ihrer verstorbenen Familie, die aus den Trümmern aufstanden, sich Dreck von der Kleidung klopften und Robyn mahnend ansahen. „Was machst du denn da? Sitzt faul herum und machst nichts. Haben wir dich so erzogen? Zu einer Last für andere? Wo ist dein Stolz, dein Ehrgeiz, deine Neugier? Warum rennst du nicht durch die Straßen wie früher, siehst Dinge, die du noch nie gesehen hast? Wieso schleichst du nicht auf ein Schiff und machst eine Rundfahrt? Brichst in ein Lagerhaus ein, nur der Herausforderung wegen? Wieso lässt du dein Überleben für umsonst sein?“, schienen sie sagen zu wollen – oder war das nur Robyns eigenes Unterbewusstsein, das endlich gegen diese dämliche Starre, dieses elende Selbstmitleid ankämpfen wollte? Immer öfter träumte sie von früheren Abenteuern und Raubzügen, von dem Training mit ihrer Familie, von dem Glücksgefühl, wenn man etwas Schwieriges gemeistert hatte. Sie vermisste es. Sie wollte es wieder erleben. Sich auf etwas konzentrieren, um den Verstand zu bewahren und nicht in Selbsthass zu ertrinken. Dass sie gewissermaßen Schulden bei der Praxis auftürmte, kam ihr da sogar sehr gelegen. An Geld kommen, die Schulden abarbeiten. Das war ein Ziel, eine Aufgabe, ein Grund zum Leben. Ideal, um ihre mühsam trainierten Fähigkeiten nicht vor die Hunde gehen zu lassen.
Als Gera Nephews eines Morgens ihre Patienten besuchen wollte, musste sie entsetzt feststellen, dass das Bett leer und das Zimmer verlassen war. Robyn war in die Kleidung geschlüpft, die man ihr gekauft hatte, die Salbe eingesteckt, welche extra für ihre Verbrennung hergestellt wurde, und hatte sich aus den Staub gemacht. Es war endlich Zeit, Hargeon genauer unter die Lupe zu nehmen!

Die diebische Spürnase
Die nächsten zweieinhalb Jahre verbrachte Robyn damit, sich einen Namen in Hargeon Town zu machen – jedenfalls in gewissen Kreisen. Die Einwohner selbst sollten idealerweise ja nichts von ihren Aktivitäten bemerken. Nur in Diebes- und Hehlerkreisen, sowie der Strafverfolgung wurde man nach einiger Zeit auf sie aufmerksam. Ein kleiner Dieb, der nie ein Geräusch von sich gab – eine völlig stumme, diebische Elster. Dabei war sie natürlich nicht unfehlbar und bei weitem nicht jeder Raubzug glückte ihr. Doch sie entwickelte sich weiter, nutzte ihr Training und ihre neugewonnene Erfahrung, um einen Vorteil gegenüber ortsansässigen Dieben und Ordnungshütern zu haben.
Das rothaarige Mädchen lebte nun fast ausschließlich von ihren Diebeszügen und den Kontakten, die sie in der Schattenszene der Stadt machte. Sie klaute Nahrung und Kleidung, lebte in den Häusern von verreisten Familien, machte tatsächlich einmal einen Ausflug auf einem kleinen Kreuzfahrtschiff für einige Wochen. Einzig die Salbe für ihre Narbe kaufte Robyn – mit illegal verdienten Jewel. Nach einem Jahr hatte sie ihre Behandlungskosten in der Praxis von Gera Nephews völlig abgezahlt. Als sie den letzten mit Jewel gefüllten Sack zusammen mit einem selbstgebackenen Kuchen – natürlich war sie in das Haus eingebrochen und hatte sich dort bedient – auf dem Schreibtisch der Ärztin abgelegt hatte und wieder aufs nächste Dach geklettert war, um tief die salzige Nachtluft einzuatmen – da fühlte sich Robyn unglaublich erleichtert. Die Euphorie, eine große Aufgabe bewältigt zu haben, war ein Gefühl, das sie seit mehr als einem Jahr nicht mehr verspürt hatte.
Im Prinzip lebte sie eine ganze Zeitlang nur in den Tag hinein. Sie hatte keine weiteren Ziele, stahl und beobachtete einfach, was ihr gerade ins Auge fiel. Sie machte sich Notizen über zahlreiche Einwohner der Stadt, zeichnete Karten von der Innenstruktur vieler Häuser oder Schiffe. Nach einigen Monaten wurde ihr dieses ziellose Leben jedoch zu langweilig. Eine neue Aufgabe musste her. Doch von wo nur?
Als sie fast zwölf Jahre alt war, fand sich diese Aufgabe plötzlich wie von selbst. Bei einem ihrer Streifzüge stieg sie in die Vorratskammer einer Kneipe ein, ganz speziell auf der Suche nach gutem, schmackhaften Käse und ein wenig verzehrfertigen Fleisch fürs Abendbrot. Dabei lauschte sie den Männern, die nur wenige Meter von ihr entfernt an einem Tisch saßen. Sie waren praktisch nur von der Tür zur Speisekammer voneinander getrennt. Da sie nichts Besseres zu tun hatte, hockte sich Robyn Käsebrot-mampfend vor die Tür und lauschte angestrengt. Kauend hörte sie zu, wie sich einer der Männer aufgelöst darüber ausließ, dass seine Tochter nachts dauernd das Haus verließ und erst in den frühen Morgenstunden zurückkäme, ohne etwas zu erzählen. Er hatte das Gefühl, die Verbindung zu seinem Kind zu verlieren. Da konnte Robyn doch sicherlich aushelfen.
Sie hatte einen Blick aus der Kammer herausgewagt, um zu erkennen, wie ihr ‚Klient‘ aussah, dann hatte sie die Kammer durchs Fenster wieder verlassen und auf dem Dach gegenüber der Eingangstür gewartet. Als der Mann mit seinem Kumpel schließlich die Kneipe verließ, folgte sie ihm unauffällig nach Hause. Dort legte sie sich auf die Lauer. Sie beobachtete das Haus, bis die Tochter des Mannes in den frühsten Morgenstunden wieder zurückkam. Nun kannte sie auch ihre Zielperson.
In der nächsten Nacht verfolgte sie die Jugendliche auf ihrem gesamten Weg. Das Ziel war ein unscheinbares Haus, in dem dämmriges Licht hinter einigen Fenstern brannte. Nach eingehender Beobachtung des Hauses und seines Innenlebens stellte Robyn fest: Das Mädchen war vollkommen normal und tat nichts Verwerfliches. Anscheinend probte sie mit Freunden irgendein Theaterstück, von dem ihre Eltern wohl nichts erfahren sollten, weil es ihr peinlich war. Robyn konnte das Datum und den Ort der Aufführung aufschnappen und notieren. Am folgenden Abend wartete sie vor der Kneipe auf den Vater des Mädchens, überreichte ihm den Zettel mit den Daten mit einem Knicks – während der Proben wurden zahlreiche Knicks geübt – und machte sich davon.
Robyn fand Gefallen an diesen Aufgaben, bei denen sie jemanden verfolgte, etwas überwachte oder heimlich in privaten Dokumenten stöberte. Es erinnerte sie sehr an früher, als sie mit ihrem Bruder ähnliche Dinge in Crocus Town gemacht hatte und ihre Mutter sie auf solche Spionage-Touren mitgenommen hatte. Das Gefühl der Verbundenheit mit ihrer Familie war wohl einer der Gründe, wieso Robyn dieser Tätigkeit ausgiebig nachging.

Es ist eine kleine Welt
So lebte Robyn ihr Leben in Hargeon. Klauend, spionierend, einbrechend, mit Besuchen bei einer freundlich gesinnten Arztpraxis, Schiffsausflügen, schweigend. Tatsächlich sprach sie die gesamte Zeit über kein Wort, kommunizierte einzig mit Gestik und Mimik, Gebärdensprache, wenn möglich, und mithilfe von Stift und Papier. Auch baute sie keine zu engen Bindungen auf, sondern hielt eine gewisse Distanz zu jedem, den sie traf. Es waren drei Jahre ohne liebevolle Umarmungen, scherzhafte Klapse auf den Kopf oder Rücken, drei Jahre ohne Familie und Geborgenheit. Und so langsam, das musste Robyn doch zugeben, sehnte sie sich nach der Wärme ihrer Familie, obwohl sie sich als dieser Liebe unwürdig empfand.
Schließlich war es wieder soweit. Neujahr war nur noch wenige Wochen entfern, in Hargeon machte sich bereits die Festtagsstimmung breit. Überall hingen Dekorationen, Feuerwerke wurden verkauft, Events geplant. Es schienen noch mehr Touristen, Händler und Diebe auf den Straßen unterwegs zu sein, als sonst. Feiertage eben, da quollen die Straßen immer über mit Menschen.
Robyn wollte Neujahr am liebsten ignorieren, was natürlich nicht machbar war. Es erinnerte sie immer an jene Nacht drei Jahre zuvor, wodurch sie nicht besonders leicht von der guten Stimmung angesteckt werden konnte. Um sich abzulenken, suchte sie auf den Straßen nach einem neuen Opfer. Eines mit prallem Geldbeutel, denn sie wollte Dr. Nephews und ihren Mitarbeitern ein Geschenk machen. Was für eines wusste sie noch nicht, doch sie fühlte die Rothaarige fühlte sich gleich besser, wenn sie ihre Zeit sinnvoll vertreiben konnte. Geschenksuche war in diesem Fall auch sinnvoll.
Schließlich erkor sie einen Mann als ihr Ziel. Er hatte einen selbstbewussten, geraden Gang, an seiner Seite hing ein Schwert in der Scheide. Seine Kleidung war etwas abgenutzt, doch gut gepflegt. Der dunkelbraune Mantel sah angenehm warm und bequem aus. So einen hätte Robyn auch gerne, sie fror in ihren dünnen Klamotten. Ihre letzten sorgsam geklauten warmen Kleidungsstücke waren nach einem äußerst nassen Unfall am Morgen leider im Meer verschwunden oder anschließend in der kalten Luft steif gefroren. Mit Müh und Not hatte sich Robyn einige Jewel geklaut, um wenigstens etwas frische, warme Kleidung kaufen zu können, denn für einen richtigen Diebstahl war sie zu auffällig gewesen, so wie sie am ganzen Leib gezittert hatte. Doch die neue Kleidung passte und wärmte mehr schlecht als recht. Nass war sie außerdem auch immer noch, es hatte sich keinerlei Gelegenheit für ein warmes Bad ergeben. Oh ja, dafür brauchte sie auch unbedingt etwas Geld. Ein Aufenthalt in einem Badehaus war genau das, was sie nun brauchte.
Also ging sie auf die Pirsch, mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze. Ihr Opfer war in ein Gespräch mit einem anderen Mann vertieft, während beide die Straße entlang gingen. Der andere Mann schien ihm die Gegend zu zeigen, zeigte ihm seine persönlichen Empfehlungen der Stadt. Da Robyn ihr Ziel nur von hinten sah, konnte sie nicht einschätzen, wie er auf diese Führung reagierte, glaubte jedoch ab und an einen gewissen genervten Seufzer anhand seiner Schultern erkennen zu können. Schließlich blieben sie abrupt an einem Stand mit Glühwein stehen. Ihr Ziel holte seinen Geldbeutel aus der Innenseite seines Mantels, um sich ein Glas des warmen Getränks zu gönnen. Das war die Gelegenheit für Robyn, zuzuschlagen.
Mit raschem Schritt, aber nicht eilend oder hetzend, sondern eher wie jemand, der noch einige wichtige Besorgungen für die anstehenden Feiern erledigen musste, näherte sie sich den beiden Männern. Ihr Opfer nahm den dampfenden Becher mit einer Hand entgegen und ließ den Geldbeutel mit der anderen Hand in seine Manteltasche fallen. In dem Moment, in dem er sich wieder auf seinen Begleiter zu konzentrieren schein, steckte Robyn vorsichtig die Hand in seinen Mantel und zog den Beutel heraus. Dabei tat sie so, als würde sie sich für die Getränkepreise interessieren. Nach einigen qualvoll langen Sekunden waren ihre Hand und der Beutel endlich aus der Tasche befreit. Noch während Robyn ihre Beute in ihre eigene Tasche gleiten ließ, drehte sie sich um und ging strammen Schrittes in die andere Richtung davon. Doch nicht schnell genug.
„Hey, wart mal- Jetzt sei doch verdammt noch mal still! Wo ist... Was... HE, DU! BLEIB STEHEN!“ Kaum fing der Mann an zu brüllen, da stürmte er auch schon los, drängte sich durch die ungehaltene Masse. Robyn tat es ihm gleich, drängte sich eilig an den Menschen vorbei, zielte auf eine Seitengasse, in der sie schneller vorwärts kommen würde. Mittlerweile kannte sie viele Regionen Hargeons sehr gut und würde sich ohne Probleme bis zu einem sicheren Ort durchschlagen können.
Also rannte, sprang und kletterte sie, was das Zeug hielt. Das Adrenalin jagte durch ihren Körper, verbreitete ein Gefühl verrückter Euphorie. Robyn wagte waghalsige Sprünge von einem Haus zum nächsten, ab in enge Gassen, über Tonnen und Kisten hinweg. Nach einigen Minuten der Hast ging ihr langsam die Puste aus. Doch sie war so weit gerannt, hatte so viele Haken geschlagen und querfeldein Wege genommen – dieser Mann konnte ihr unmöglich gefolgt sein. Zwar hatte sie ihn eine ganze Weile dicht hinter sich spüren können, doch so wie er sich seinen Weg durch die Menschen gebahnt hatte, schien er eher jemand für den direkten Weg durch die Wand zu sein, als sich um Abkürzungen zu kümmern. Schließlich hielt Robyn in einer abgelegenen, schmalen Gasse an, versuchte ihren rasenden Puls durch kontrolliertes ein- und ausatmen zu beruhigen. Sie legte breit grinsend eine Hand auf ihre gewölbte Tasche. Das war aufregend gewesen.
Im nächsten Moment küsste ihr Gesicht den harten, kalten Boden. Ein unfassbarer Schmerz zuckte durch ihr Kinn, ihre Nase und Stirn. Tränen stiegen ihr in die Augen. Etwas oder eher jemand sehr schweres drückte sie mit Knie und Hand auf den Boden, wodurch sie sich nicht aufrichten konnte, so sehr sie auch gegen den Druck anzukämpfen versuchte. ‚Was zum...?!‘
„Scheiße bist du schnell! Oh Mann, wart‘ ne Sekunde, okay? Huff. Argh.“ Er hörte sich erbärmlich an. Er musste gerannt sein wie blöde und wie Robyn Dächer als Abkürzung genutzt haben. Er war wohl auch von einem der Dächer geradewegs auf sie herunter gesprungen und hatte sie mit voller Wucht getroffen, weshalb ihr Gesicht jetzt auch so dreck- und blutverschmiert war. Die Rothaarige war überrascht. Sie hatte nicht erwartet, es mit jemandem zu tun zu haben, der geschickt klettern konnte. Ihm schien die Übung zu fehlen, aber er konnte es. Jetzt rang er so mühsam um Atem, dass er kaum verständlich war. „He, Kleine, hör mal. Ich hab keine Ahnung, warum du das machst. Das Klauen und so. Auf jeden Fall bist du richtig gut, hattest halt ein bisschen Pech mit mir als Ziel. Aber das hier“, er zog seinen Geldbeutel aus ihrer Tasche, „gehört mir und das brauch’ ich auch noch. Bin ja auch nicht zum Spaß hier.“
Etwas an seiner Stimme kam Robyn unglaublich vertraut vor. Während sie hilflos auf dem Boden lag und seinen Worten lauschte, wurde etwas in ihr tief berührt. Die Tränen, vorher von Schmerz verursacht, rannen in breiten Bahnen über ihr schmutziges, gerötetes Gesicht.
Der Mann über ihr seufzte laut. „He, sieh mal, ich hab eigentlich keine Zeit für so Späße. Ich bin hier, weil ich meine kleine Schwester suche. Man hat mir gesagt, sie wurde hier gesehen. Du wohnst auf der Straße, oder? Du kennst sie nicht zufällig? Rotes Haar, Wildfang. Sie hat ein unglaublich süßes Lächeln. Wohl nicht, hm? Na gut. Ich muss dann auch mal weiter.“ Er stand auf, das Gewicht verschwand von Robyns Körper. Langsam ging er an ihr vorbei, geradewegs auf die nächste größere Straße zu. Sollte sie ihn einfach gehen lassen? Mühsam, ihr ganzer Körper bebte, während sie tiefe Schluchzer zurückhielt, richtete sie sich auf ihre Knie auf, hob den Kopf. Sie öffnete den Mund, doch kein Laut verließ ihn. Wieso nicht? Jetzt, wo sie endlich wieder ihre Stimme brauchte. Jetzt, wo sie ihre Stimme wieder wollte! Verzweifelt wühlte sie durch ihre Erinnerungen an frühere Zeiten, versuchte sich daran zu erinnern, wie man sprach, wie man seinen Namen sagte. Sie starrte auf seinen Rücken, erkannte nun wie vertraut er doch eigentlich war. Robyn wollte auf ihn zu rennen, ihre Arme um ihn schlingen, um seine Wärme zu spüren, so wie früher. Sie wollte doch nur...!
„Dun..can!“ Sie schrie und krächzte seinen Namen zur gleichen Zeit. Das Beben ihres Körpers konnte sie nicht mehr kontrollieren, sie schluchzte und weinte und schrie seinen Namen immer wieder. „Duncan. DUNCAN! Wuäääh!“
Duncan blieb stehen und drehte sich um. In seinem Blick lag eine Mischung aus Überraschung und Ungläubigkeit. Dann, als er langsam begriff, was los war, stiegen Tränen in seine Augen. Ohne Umschweife stürzte er zurück zu dem Mädchen, das er gerade noch in den Dreck gedrückt hatte. „Robyn..?“ Duncan zog die Kapuze von ihrem Kopf, nahm ihr Gesicht in seine Hände, um sie eingehend zu betrachten. Als sämtlicher letzter Zweifel verflogen war, drückte er seine kleine Schwester mit einem lauten, befreienden Schrei an seine breite Brust. Viele Minuten saßen sie da, klammerten sich aneinander und weinten und weinten, bis sie sich dämlich vorkamen. Idiotische Lacher mischten sich in die Schluchzer. Sie konnten ihre Emotionen einfach nicht mehr kontrollieren. Schließlich saßen sie da auf dem Boden, die Gesichter mit Tränen überströmt, abwechselnd breite, erleichterte Grinsen und die Anflüge weiterer Schluchzer auf den Lippen und die Stirn aneinander gedrückt.
Oft hatte sich Robyn danach gesehnt, davon geträumt, doch niemals hätte sie gehofft eines Tages in dieser großen, belebten Stadt wieder die Wärme ihrer Familie zu spüren. Die Welt war wahrlich klein.

Das beste Geschenk
Den Rest des Tages verbrachten Duncan und Robyn damit, sich in einem Badehaus aufzutauen, Robyn neue, warme Kleidung zu kaufen und zur Feier des Tages jede Menge legal erworbene Köstlichkeiten in sich hineinzustopfen. Dabei sprachen sie kaum, es war noch nicht die Zeit, sich über die vergangenen drei Jahre auszutauschen. Am Abend schließlich besuchten sie die Praxis von Gera Nephews, damit sich Duncan für die Behandlung seiner Schwester bedanken konnte. Die Mitarbeiter der Praxis waren sichtlich überrascht, als sie Robyn so fröhlich sahen und sie sogar sprach, doch auch sehr erleichtert, dass sie endlich wieder ihre Familie gefunden hatte. Am selben Tag noch stiegen die Geschwister in einen der letzten Züge Richtung Crocus Town. Es war endlich Zeit, nach Hause zurückzukehren.
Die Zugfahrt machte Robyn sehr schläfrig. Sie war gut gefüttert, warm eingepackt, kuschelte sich ununterbrochen an ihren lieben großen Bruder, der auch seinen Arm kaum eine Sekunde von ihrem Rücken nahm. Das Mädchen wagte es jedoch nicht, die Augen zu schließen und einzuschlafen. Was, wenn das alles nur ein wunderbarer Traum war? Was, wenn sie aufwachte und eilig den kalten, harten Dachboden einer fremden Familie verlassen musste, bevor sie entdeckt wurde? „Keine Angst. Ich bin auch noch hier, wenn du wieder aufwachst, versprochen!“, versicherte ihr Duncan mit dem breiten, sorglosen Grinsen, das sie so sehr vermisst hatte. Dann zog er sie auf seinen Schoß, sodass ihr Kopf an seiner Schulter ruhte und er sie mit seinen Armen warm und mollig halten konnte. Es war ihr einfach unmöglich, bei dieser Geborgenheit nicht in einen wohligen Schlaf zu fallen, den tiefen und erholsamsten seit drei Jahren.
Als sie in Crocus Town angekommen waren und sich auf den Weg nach Hause machten, erzählte Duncan ein wenig von den letzten drei Jahren. Der Feuermagier, der Robyn gejagt hatte, war entkommen und seitdem nicht wieder aufgetaucht. Der Bäcker hatte den Ruß überzogenen, kalten Körper von Rhys zu ihnen gebracht und erzählt, was er gesehen hatte. Sofort hatte Vater Gavin die alle erreichbaren Hawks ausgesandt, die Gegend nach einem Feuer abzusuchen, um Evelyn und die Kinder zu finden. Die Hütte war ein tosendes Inferno, das stetig zu Asche zerfiel, als sie schließlich gefunden wurde. Die Überreste von Evelyn, Bran und Deirdre waren so stark verbrannt, dass man sie kaum mehr identifizieren konnte. Wie durch ein Wunder konnten sie noch das Zeichen der White Hawks auf einem der Körper entdecken, wodurch sie wussten, dass es sich tatsächlich um die Skuggis handelte. Bereits zwei Tage später wurden die Verstorbenen beerdigt.
Die Geschehnisse hingen wie eine dunkle Gewitterwolke über der Familie und den White Hawks. In der ganzen Stadt hatten sich die Habichte nach denjenigen erkundet, die für das Desaster verantwortlich waren. Irgendjemand hatte doch sehen müssen, wie eine Frau und ihre Kinder einfach so verschleppt wurden. Über Monate hinweg sammelten sie Hinweise, bis sie schließlich die gesamte Meute aufspürten und ihren Leben ein nicht sehr schnelles Ende bereiteten. Einzig der Feuermagier, der die Verzweifelten angeführt hatte, blieb unauffindbar. Es hieß, er wäre nur wenige Wochen vor der Tat in der Gegend aufgetaucht und hätte sich unter die Leute gemischt. Robyn verstand den Hinweis. Es stand der unausgesprochene Verdacht im Raum, dass er es gezielt auf ihre Familie abgesehen hatte und seine Vorhaben der Entführung und der Brandlegung nicht spontan gewesen waren.
Robyns Spur hatten sie damals ebenfalls verloren. Allein das Wissen, dass sie diese Nacht überlebt hatte, bereitete ihnen Erleichterung und Sorge zugleich. Niemand von ihnen wusste, was passiert war. Schläge? Folter? Etwas noch Unvorstellbares? Sie hatte den Tod ihrer Familie mitansehen müssen, war vermutlich verletzt und verwirrt, hatte ihren toten Bruder bis nach Hause getragen. Die psychischen Folgen konnten sie sich nicht einmal ausmalen. Und wenn Duncan seine Schwester so von der Seite ansah, wie sie mit leerem Blick seinen Erzählungen folgte, da wusste er, dass unter der Oberfläche etwas tief Verletztes schlummerte. So glücklich und relativ sorglos, wie sie nach außen auch wirken mochte, wie es in ihr drin aussah, wusste nur Robyn selbst.
Schließlich kamen sie in das Kerngebiet des White Hawks Territoriums. Je mehr der vertrauten Gebäude Robyn erblickte, desto mehr wurde sie sich ihres Heimwehs bewusst. Sie musste sich arg zusammenreißen, nicht sofort nach Hause zu stürmen. Beiläufig bemerkte Duncan, dass er niemandem gesagt hatte, dass er nach Hargeon Town fahren würde, um Robyn zu suchen. Er hatte einen Tipp bekommen, dem er nachgehen wollte, ohne den anderen falsche Hoffnungen zu machen. Diese schlugen sich nämlich sehr schlecht auf die ohnehin schon verletzte Psyche der Familie aus. Gerade die junge Eileen litt sehr an dem plötzlichen Verlust ihrer Mutter und Geschwister. „Du bist also mein vorgezogenes Neujahrgeschenk für Papa, Liam und Eileen“, grinste Duncan und klopfte ihr auf den Rücken. Seltsamerweise fühlte sie sich plötzlich etwas unter Druck gesetzt.
Ihr Kindheitsheim sah von außen noch genauso aus wie vor drei Jahren. Dreistöckig, mit unscheinbarer Fassade. Ein Haus wie jedes andere. Nur einige Meter die Straße hinunter befand sich ihr Geschäft Blue Bird. Hinter den Gardinen war es dunkel, wie hinter all den Fenstern der anderen Häuser ebenfalls. Es war nur wenige Stunden nach Mitternacht, da war es kein Wunder, dass der Großteil der Stadt gerade schlief. Duncan schloss die Tür auf und sie betraten das Haus.
Für Robyn schien alles vertraut und neu zugleich. Sie tapste durch jeden Raum des Erdgeschosses, von der Diele ins große, gemütliche, leicht unordentliche Wohnzimmer, dann in den angrenzenden Essbereich, der nur durch eine Halbwand von der Küche getrennt war. Die Etage war weniger chaotisch, da nur noch halb so viele Menschen wie vorher in dem Haus lebten. Das machte sie aber auch etwas einsam und verlassen wirkend. Mit den Fingern strich Robyn über altbekannte Möbelstücke, untersuchte neu hinzugekommene. Ihre Familie hatte weitergelebt, das war gut. Es wäre furchtbar gewesen, wenn sie auf ewig in der alten Zeit, der alten Ordnung gefangen gewesen wären.
Leise knarrend öffnete sich eine Tür im Erdgeschoss, weiter hinten den Flur runter. Das Licht aus dem Zimmer warf ein dämmriges Licht in den Flur. Es war das Arbeitszimmer Gavins, von wo aus er das Blue Bird und die Familie weitgehend managte. Unterlagen, die die White Hawks betrafen, bewahrte er natürlich nicht im eigenen Haus auf. Das Fenster lag nach hinten raus, in den Garten, deshalb hatten sie von vorne nicht sehen können, dass ihr Vater wohl noch wach war und arbeitete.
„So schnell zurück hätte ich dich gar nicht erwartet, Duncan. Wolltest du dir nicht ein paar Tage Urlaub gönnen?“ Allein die tiefe, angenehme Stimme ihres Vaters zu hören, verwandelte Robyns ganzen Körper in zitternden Wackelpudding. Sie konnte hören, wie er auf Duncan zuging, den sie von ihrem Standpunkt in der Küche gerade so vor der Tür sehen konnte. Er hatte ein breites, strahlendes Grinsen im Gesicht.
„Jaa, das war der Plan. Aber ich hab ein so tolles Geschenk für euch gefunden, dass ich sofort wieder heim kommen musste.“ Damit schaltete er das Licht in der Küche ein und nickte in ihre Richtung. Gavin trat aus dem Flur in die Küche, anfangs mit einem eher verwirrten Blick im Gesicht. Dann sah er seine lang vermisste Tochter und jegliche Stärke und Selbstbeherrschung schien seinen Körper augenblicklich zu verlassen. Als er dann das wimmernde „Papa...“ seiner Tochter vernahm, konnte er sich nicht mehr an sich halten und stürmte auf sie zu, schloss sie fest in seine starken Arme. Endlich. Endlich war Robyn wieder zu Hause.

Der überrumpelte Attentäter
Nach drei Jahren Einsamkeit und Kälte, fand sich Robyn nun die nächsten drei Jahre in Geborgenheit und Wärme wieder. Eileen weinte zwei Wochen lang fast jeden Tag, wenn sie Robyn das erste Mal am Morgen erblickte und auch danach blieb es ein morgendliches Ritual, dass sie ihrer großen Schwester als allererstes um den Hals fiel. Die Wiederaufnahme in die tägliche Routine verlief beinahe reibungslos und schon nach wenigen Wochen waren sie wieder ein eingespieltes Team. Duncans und Liams Aussagen zu folge, waren Gavin und Eileen die letzten drei Jahre nur selten so glücklich gewesen wie nun wieder. Die White Hawks feierten Robyns Rückkehr gebührend. Das Neujahresfest wurde zu einer riesigen Party, zu der die halbe Nachbarschaft eingeladen worden war. Unter den Hawks demonstrierte Robyn auch sogleich, dass sie die letzten drei Jahre nicht untätig gewesen war, sondern fleißig ihre diebischen Fähigkeiten trainiert hatte. Sogar Duncan hatte sie beinahe erfolgreich bestehlen können, wie sie nicht ohne stolz bekannt gab.
Jedoch merkte sie auch, gerade weil sie so glücklich war, dass etwas mit ihr selbst nicht stimmte. Immer wieder ertappte sie sich bei dunklen Gedanken, die sie doch eigentlich hatte verdrängen wollen. Sie wäre es nicht wert, geliebt zu werden. Sie wäre es nicht wert, ihre Familie mit ihrer verdorbenen Präsenz zu verunreinigen. War sie es wert, zu leben? Diese Gedanken verstörten Robyn zunehmend und so wurden sie jedes Mal beiseite geschoben, tief in ihr Inneres, wo sie niemand sehen konnte. Manchmal konnte sie noch das Lachen des Feuermagiers in ihren Ohren hören und seine Hand auf ihrem Rücken spüren. Mit Genugtuung dachte sie dann jedes Mal daran, wie sie ihm sein elendes Messer übers Gesicht gezogen hatte. Nur leider hatte das sicherlich nicht dazu beigetragen, dass der Feuermagier sein entlaufenes Opfer vergessen würde. Eine gewisse Angst, dem Magier eines Tages erneut zu begegnen, konnte Robyn nicht leugnen. Doch sie würde älter und erfahrener werden, sich gegen ihn behaupten können, wenn es soweit kommen würde. Jedenfalls hoffte sie das inständig.
Die Einzelheiten von jener Nacht hatte die Rothaarige ihrer Familie nicht erzählt. Sie hatte nur gesagt, dass ihre Mutter, Bran und Deirdre bereits tot waren, als sie von dem Feuer gefressen wurden. Eine große Sorge war sichtbar von ihrem Vater, ihren Brüdern und ihrer Schwester abgefallen. Da wollte Robyn sie nicht weiter mit der Wahrheit belasten, dass sie selbst für den Tod Brans und Deirdres verantwortlich war. Auch nach sechs Jahren raubte ihr jene Nacht noch so manchen erholsamen Schlaf.
Schließlich wurde aus dem einst ruhelosen Mädchen eine sechszehnjährige, feine, gelassene junge Frau. Nach außen hin harmlos und wohl eher durchschnittlich, mochte sie dem einen oder anderen Menschen auffallen oder eben nicht. Sie war kein Mensch, der automatisch Blicke auf sich lenkte, weil sie besonders markant aussah, was ihr nur zu recht sein konnte.
Dieser Tage hatte Robyn ein ganz besonderes Ziel von ihrem Vater bekommen. Sie war auf einen Bankier angesetzt, der mithilfe einiger anderer Männer und einem ausgeklügelten System seine Klienten in den bankrott trieb. Ein Schlägertrupp machte unbemerkt einen Teil eines Hauses kaputt. Der bestochene Schadensinspektor erstellte ein manipuliertes Gutachten, das einen höheren Preis zur Reparatur angab, als tatsächlich notwendig. Den notwendigen Kredit bekamen die Eigentümer des betroffenen Hauses von ebenjenem Bankier. Dann wurden sie so manipuliert, dass sie eine von mehreren Handwerkergruppen anheuerten, die aber eigentlich von dem Bankier und seinen Komplizen bezahlt wurden, mehr Schaden anzurichten als wiederherzustellen. Durch die übertriebenen Zinsen konnten die Leute ihren Kredit irgendwann kaum mehr zurückzahlen und verloren auch oft ihr Haus, ihre gesamte Existenz. Als diese Gruppe ihre Tätigkeiten auch in das Territorium der White Hawks ausbreiteten, lief das Fass endgültig über und Gavin gab die Beseitigung des Bankiers in Auftrag, um der Gruppe eine Lektion zu erteilen. Die Ehre, diesen widerlichen Mann zur Strecke zu bringen, kam Robyn zu teil. Sie war noch unerfahren, was Attentate anbetraf, doch sie hatte das Potential dafür, so glaubten ihr Vater und erfahrenere Attentäter. ‚Und außerdem habe ich ja nicht mein erstes Mal...‘
Die Vorbereitung unterschied sich nicht sonderlich von der, die sie für Einbrüche traf. Observierung, Notierung der Gewohnheiten und Tagesabläufe. Feststellen, wie man am leichtesten in das Zielgebäude rein- und wieder rauskommt. Das alles war einfach, doch Robyn nahm sich fast zwei Wochen für eingehende Beobachtungen. Sie wollte keinen Fehler machen. Sie wurde instruiert, dem Mann ein spezielles Gift in einem Getränk unterzujubeln, das mit etwas Verzögerung zu Krampfanfällen und Herzstillstand führen würde. Es sollte nach einer schweren Herzattacke aussehen. Das Problem war nur, wie sie dieses Gift auch in ein Getränk bekam, dass er in jedem Fall trinken würde.
Letztendlich entscheid sich Robyn für eine naheliegende Lösung, die sie bereits bei der Auskundschaftung des Anwesens des Bankiers genutzt hatte und damit schon eine Tarnung etabliert war: Sie mischte sich unter die Dienstmädchen des Hauses. Selbstbewusst und mit einem süßen Lächeln auf den Lippen ging sie am Tag des Anschlags zur Arbeit, um am Abend dem Leben des Mannes ein Ende bereiten zu können. Nein, der Herr hatte keinen furchtbaren Fetisch oder betatschte seine Angestellten. Doch dem Anblick liebreizender junger Frauen in der sorgsam luftig ausgewählten Uniform konnte er nicht widerstehen. Jeden Abend ließ er eine von ihnen in sein Arbeitszimmer kommen, um ihm ein Glas edlen Weines zu bringen und sich an ihren Formen zu ergötzen. Diese Gewohnheit würde Robyn ausnutzen, auch wenn er sie selbst nicht rufen würde.
Der Tag selbst verlief weitgehend ereignislos. Sie tratschte mit den Mädchen, bezog Betten, half bei der Zubereitung des Tees und servierte ihn, deckte den großen Esstisch, befreite Kommoden von nicht vorhandenem Staub. Allerdings fiel ihr ein Mann im Personal auf, den sie zuvor noch nicht gesehen hatte. Also fragte sie nach bei den anderen Mädchen, doch auch sie kannten den neuen Diener nicht. Er wäre ihnen auch kaum aufgefallen, sagten einige, wenn Robyn sie nicht auf ihn aufmerksam gemacht hätte. Er war unscheinbar und schien doch perfekt in diese Umgebung zu passen. Es war, als wäre er ein Teil des Anwesens und der Bediensteten. Die Rothaarige behielt ihn so gut es ging für den Rest des Tages im Auge.
Am Abend schließlich entdeckte Robyn das tägliche Glas Wein auf einem Tablett in der Küche. Die Mädchen knobelten gerade aus, wer am heutigen Tag die ‚Ehre‘ hatte, sich von ihrem Herren begaffen zu lassen. Robyn sah sich um, um sicherzustellen, dass sie niemand beobachtete. Dann zog sie den kleinen Beutel aus ihrer Schürze und kippte seinen Inhalt sorgfältig in das Glas, wo er sich beinahe umgehend auflöste. Dann steckte sie den Beutel wieder weg und mischte sich unter die Mädchen, um sich mit ihnen über den Bankier aufzuregen. Unerwartet kam einer der Diener in die Küche, um ihnen die heutige Wahl des Herren mitzuteilen. Eines der Mädchen mit besonders süßem Lächeln, das dazu neigte rot anzulaufen, wenn es zulange angesehen wurde, war die ‚Glückliche‘. Robyn erinnerte sich, dass ihr am Morgen ein kleines Missgeschick passiert war, das dreckiges Wasser und einen teuren Sessel involvierte. Vielleicht sollte dies nun eine Art Bestrafung darstellen?
Aufmerksam beobachtete sie, wie das Mädchen das Glas Wein in das Büro des Bankiers trug und die Tür hinter sich schloss. Glücklicherweise war ihr in ihrer Aufregung kein weiterer Unfall passiert. Bereits zehn Minuten später durfte sie wieder gehen, ihr Kopf war tiefrot angelaufen. Während die Mädchen nun ihren letzten Tätigkeiten für den Tag entgegen traten, fiel Robyns Blick auf den neuen Diener. Er war eingehend damit beschäftigt, eine Vase auf Hochglanz zu polieren. Sie sah ihm zu, wie er die Vase abstellte, seinen Kragen rückte und sich in Richtung des Büros wandte. Da ertönte plötzlich das Geräusch zerbrochenen Glases aus ebenjenem Raum, dann das Geräusch als ob mehrere schwere Gegenstände – möglicherweise Bücher, gefolgt von einem menschlichen Körper – auf den Boden stürzten. Sofort eilten einige Burschen und Mädchen zur Bürotür und stießen sie auf, während der zwielichtige Diener erschrocken in seiner Bewegung gefror. Im nächsten Moment schrien die Mädchen, die in das Zimmer getreten waren, die Burschen riefen, jemand müsse einen Arzt holen, der Herr wäre zusammen gebrochen. Der seltsame Diener war sichtlich entsetzt über diesen Ausruf. Nach einem Moment der Unschlüssigkeit, drehte er sich um und wollte eilig in Richtung des Hinterausgangs eilen, doch dabei lief er beinahe in Robyn hinein.
„Oh, ist das nicht furchtbar? Der Herr ist zusammen gebrochen! Bitte, könnt Ihr ihm vielleicht helfen? Es ist ja so schrecklich!“ Robyn warf sich ihm an die Brust, um eilig den Inhalt seiner Taschen zu untersuchen. Innerlich grinste sie, als sie ein Knäul hauchdünnen Drahtes aus seiner Tasche ziehen konnte. Der Mann war sichtlich überfordert mit Robyns Reaktion, wollte sie hinfort stoßen und abhauen. Die Rothaarige bezweifelte, dass er damit gerechnet hatte, von irgendjemandem bemerkt zu werden. Schließlich stieß er sie erfolgreich fort und stürmte davon, während Robyn ihm mit dem Draht in ihrer Hand hinterherwank.
Sie selbst blieb ebenfalls nicht mehr lange in dem Haus. Sie warf noch einen letzten Blick in das Büro, um den reglosen Körper des Bankiers zu sehen und zu hören, wie die Mädchen über seinen Tod schluchzten. Dann beeilte sie sich, die Verkleidung loszuwerden und etwas frische Luft zu schnuppern. Robyn ließ sich auf einem der Dächer in der Nähe nieder, von wo aus sie das aufgeregte Treiben um das Anwesen herum beobachten konnte. Zu lange wollte sie dort natürlich nicht bleiben. Sie nahm sich jedoch ein paar Minuten, um sich den Draht näher anzuschauen, den sie geklaut hatte. Er war mit einem kleinen Band umwickelt, um ihn in seiner kompakten Form zu halten. Auf dem Band war ein kleines, interessantes Zeichen abgebildet. Es hatte Ähnlichkeiten mit einer Axt und etwas das aussah wie ein... Flügel, vielleicht? Es schien kein zufälliges Symbol zu sein. Kurzerhand schwang sich Robyn auf die Beine und machte sich auf dem Heimweg. Sie würde ihre Kontakte nutzen, um mehr über dieses Zeichen zu erfahren.

Ein neuer Lebensabschnitt
Einige Wochen später hatte sie ihr Weg in das eisige Crystalline Town geführt. Hier, in den Ruinen außerhalb der Stadt, sollte die Gilde Royal Crusade ihren Sitz haben. Eine dunkle Gilde, die mit genauso eiskalten Methoden ihren Weg bahnte, wie sich der Crystalline Creek durch die Erde fraß. Eine Gilde undurchsichtigen Motiven und Plänen, doch schien sie es unter anderem auf das korrupte Gesellschaftssystem Fiores abgesehen zu haben. Und damit war dies eine Organisation, die Robyns Aufmerksamkeit geweckt hatte.
Sie hatte mit ihrem Vater und ihren Brüdern über ihr Vorhaben gesprochen. Sie waren nicht besonders begeistert davon, sie allein den kalten Norden gehen zu lassen, doch verstanden sie Robyns Gedankengang zum Teil. Es war ja auch nicht so, dass sie bei den White Hawks in weniger krimineller Umgebung wäre als bei einer dunklen Gilde. Sie musste ihnen nur versprechen, dass sie sofort fliehen würde, wenn die Aufnahme nicht gut verlief.
Genau vor dieser hatte Robyn im Moment große Angst. In ihre warme Kleidung gehüllt stapfte sie durch den Schnee rund um die Stadt, näherte sich zielstrebig den imposanten Ruinen. Jeden Augenblick rechnete sie damit, dass sie angegriffen werden würde, weil sie fremdes Gebiet betrat. Daheim in Crocus Town war es ja auch nicht gerne gesehen, wenn man sich in dem Bereich einer anderen Organisation herumtrieb.
Plötzlich konnte sie Schritte vernehmen. Sie waren leise und dumpf, die Angreifer wussten sich fast lautlos im Schnee zu bewegen. Dennoch konnte Robyn sie hören, weit ehe sie in ihr Sichtfeld gelangten. Ruckartig blieb sie stehen und streckte die Hände in die Höhe. In der einen Hand hielt sie den mit einem Band umwickelten Draht, den sie damals einem der Gildenmitglieder entwendet hatte. „Ich suche den Besitzer dieses Drahts!“, rief sie mit fester Stimme aus. Dann ergänzte sie, wann und wo sie den Draht entwendet hatte. Die Schritte verstummten, sie konnte leises Gemurmel hören, aber die Worte nicht verstehen. Nach einigen Minuten, in denen sie zu frösteln begann, kam schließlich ein Allerweltsgesicht wie aus dem Nichts auf sie zu. Als er sie sah, schien er ihr Gesicht erst nicht zuordnen zu können. Also half Robyn ihm ein wenig nach. „Oh, es ist so schrecklich“, rief sie theatralisch aus. „Ihr konntet den Herrn nicht mit Eurem Draht erdrosseln, oh, welch Unglück!“ Da dämmerte es dem Mann und er lief ähnlich tiefrot an, wie die eine Magd damals. Aus der Umgebung war leises Gelächter zu vernehmen. Eventuell hatte die Geschichte von seinem Versagen die Runde gemacht.
Wenige Minuten später wurde Robyn von einigen bewaffneten und ernst dreinblickenden Männern und Frauen zu einer alten Abtei geführt. Sie beschlich das ungute Gefühl, dass sie höchstens schwer verletzt von diesem Ort würde fliehen können, wenn ihre Beitrittsbitte abgelehnt wurde. Der Mann mit dem unscheinbaren Gesicht trat zuerst in die Abtei, Robyn folgte ihm. Dass der Mann vor ihr trotz der angenehmen Wärme in der Abtei am ganzen Leib zitterte, was sie vorher noch der Kälte zugeschrieben hatte, beunruhigte sie noch mehr.
„G-Gildenmeister Charis. Das ist das Mädchen, das den Bankier getötet hat.“ Das klang eher wie ‚Das ist das Mädchen, das mich ausgestochen und zum Affen gemacht hat‘, fand Robyn, und der arme Tölpel schrumpfte mit jedem Wort weiter in sich zusammen. Ob sein Bericht damals nicht so gut aufgenommen worden war? Na, immerhin hatte man ihn nicht direkt getötet. Also musste er doch was wert sein.
Der Gildenmeister Raphael Charis war ein junger Mann, kaum älter als Duncan, wie Robyn schätzte. Er hatte eine kalte Ausstrahlung, aber auch eine ähnliche natürliche Autorität wie ihr Vater. Nur, mit ihrem Vater, der im Inneren wie ein familienlieber Teddybär war, wusste Robyn umzugehen. Welche Hebel und Schalter bei diesem Mann die richtigen und falschen waren, konnte sie nicht abschätzen. Er saß mit geradem Rücken hinter einem breiten Schreibtisch und blickte sie eingehend an.
„So, Ihr seid also das Mädchen, das unser Ziel noch vor uns hat ausschalten können.“ Er schwieg einen Moment, dachte nach. Dann schien er zu einem Entschluss gekommen zu sein und sprach weiter: „Was bietet Ihr?“
Die Frage überraschte Robyn einen Moment, doch sie fasste sich schnell. Sie hatte sich bereits ausgemalt, wie er sie sofort beseitigen ließ, weil er sie als unwürdig für seine Gilde empfand oder schlimmeres mit ihr anstellen ließ. Doch auf diese Frage war sie durchaus vorbereitet. Erst zögernd, dann immer sicherer schritt sie auf Charis und seinen Tisch zu, zog eine Karte von Crocus Town aus ihrer Tasche und breitete sie auf dem Tisch aus. Hoffentlich würde er ihr Opfer zu schätzen wissen. Einer Organisation wie der seinen musste der Name ihrer Familie jedoch etwas sagen, denn unbedeutend waren die White Hawks in den Schattenregionen Fiores keineswegs. „Ich heiße Robyn Skuggi“, begann sie und öffnete ihren Mantel, zog den Pullover hoch und legte das weiße Zeichen der White Hawks auf ihrem Bauch frei. Sie glaubte zu sehen, wie der Blick Charis‘ plötzlich um einiges interessierter wirkte. „Und das Hauptquartier der White Hawks befindet sich hier“, sagte sie dann mit leicht zitternder Stimme und deutete auf den richtigen Ort auf der Karte. Charis hatte die Hände mittlerweile vor seinem Mund verschränkt, ein leichtes Lächeln schien sein Gesicht zu zieren.
„Also gut, Robyn Skuggi. Willkommen bei Royal Crusade. Auf dass du unserer Gilde gute Dienste erweisen wirst.“

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Robyn Skuggi

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Besondere Merkmale: Vibrationsmagierin; Brandnarbe im unteren, linken Viertel des Rückens

BeitragThema: Re: Robyn Skuggi   Di 18 Aug 2015 - 1:18

Statusblatt

I’m just gonna borrow this, kay?


Attribute



STÄRKE: 5 Punkte - Level 1

SCHNELLIGKEIT: 60 Punkte - Level 2

GESCHICKLICHKEIT: 180 Punkte - Level 4

WIDERSTAND: 80 Punkte - Level 2

MANAVORRAT: 150 Punkte - Level 3

WILLENSKRAFT: 100 Punkte - Level 3


Perks



STÄRKE: 1

SCHNELLIGKEIT: 2

GESCHICKLICHKEIT: 3

WIDERSTAND: 1

MANAVORRAT: 2

WILLENSKRAFT: 3


Magieart 1

MAGIEART: Vibrationsmagie – 50 Punkte Klasse II
AUSLEGERPUNKTE: (9/20)
ZAUBER:
Voice Distorter

TYP: Elementlose Magie
ELEMENT: ---
KLASSE: I
MANAVERBRAUCH: I pro Minute
MAX. REICHWEITE: Beim Anwender
SPEZIELLES: ---
VORAUSSETZUNGEN: Willenskraft Level 3
BESCHREIBUNG: Bei diesem recht einfachen Zauber der Soundmagie konzentriert der Anwender sein Mana in seinem Mund und stellt dieses dann so ein, dass es einen bestimmten Klang verursacht. Das dauert etwa drei bis zehn Sekunden und dient dazu, seine Stimme zu verstellen. Diese nimmt nun nämlich genau den Klang an, auf den man das Mana fixiert hat. Der Zauberer kann diesen nachträglich noch leicht variieren, jedoch nicht völlig verändern. Dieser Spruch dient vor allem dem Nachahmen von Stimmen.

Gods Ears
TYP: Elementlose Magie
ELEMENT: ---
KLASSE: I
MANAVERBRAUCH: ---
MAX. REICHWEITE: Beim Anwender
SPEZIELLES: Der Effekt dieses Zaubers ist ab dem Zeitpunkt des Erlernens immer aktiv.
VORAUSSETZUNGEN: ---
BESCHREIBUNG: Dieser Zauber stellt die Fähigkeit des Magiers dar besser zu hören. Dabei steigt diese Begabung in gleichem Maße an, mit dem der Magier stärker wird. das einzige Problem hierbei ist, ist die Tatsache, dass der Anwender auch durchgehend anfälliger für laute Geräusche wird.
Beherrschung:
 

Scream
TYP: Elementlose Magie
ELEMENT: ---
KLASSE: I
MANAVERBRAUCH: I
MAX. REICHWEITE: Hörweite
SPEZIELLES: ---
VORAUSSETZUNGEN: Willenskraft Level 2
BESCHREIBUNG: Bei diesem Zauber sammelt der Magier zuerst Mana in seinem Mund, ehe er einen lauten Schrei auf einer hohen Frequenz ausstößt, die für Menschen gerade noch hörbar ist. Dieser Ton ist so schrill, dass er jedem, der ihn hört, nach einigen Sekunden Kopfschmerzen bereitet. Diesen Effekt kann man allerdings unterbinden, indem man sich die Ohren zuhält.

Silent Step
TYP: Elementlose Magie
ELEMENT: ---
KLASSE: I
MANAVERBRAUCH: I pro 3 Minuten
MAX. REICHWEITE: Beim Anwender
SPEZIELLES:
VORAUSSETZUNGEN: Willenskraft Level 2
BESCHREIBUNG: Der Anwender schafft eine transparente Blase um sich herum, die sämtliche von ihm erzeugten Geräusche auf die Sphäre beschränkt und nicht nach außen dringen lässt. Dadurch kann sich der Magier lautlos vorbewegen, kann sich aber auch nicht mehr mit Worten verständigen.
Beherrschung:
 

Sonic Pillow
TYP: Elementlose Magie
ELEMENT: ---
KLASSE: I
MANAVERBRAUCH: I
MAX. REICHWEITE: Beim Anwender
SPEZIELLES:
VORAUSSETZUNGEN: Willenskraft Level 3
BESCHREIBUNG: Der Anwender kann kurzzeitig die Schwingungen in der Luft so manipulieren, dass sie ihn bei einem Fall abfedern und etwa 10 Zentimeter über dem Boden halten und langsam auf diesem absetzen.
Beherrschung:
 

Sonic Massage
TYP: Elementlose Magie
ELEMENT: ---
KLASSE: I
MANAVERBRAUCH: I pro 2 Minuten
MAX. REICHWEITE: Beim Anwender
SPEZIELLES: Der Anwendungsbereich muss mit einem Kontaktgel bedeckt sein.
VORAUSSETZUNGEN: Willenskraft Level 2
BESCHREIBUNG: Dieser Zauber kommt einer Massage für Muskel und Gewebe gleich. Die zu behandelnde Region wird mit einem Gel eingerieben, was den Schall direkt in das Gewebe weiterleitet. Der Magier legt dann seine Hände auf die Haut der Person und erzeugt einen Ultraschall mit diesen. Durch die starken Vibrationen werden die Muskeln und das Gewebe massiert, die entstehende Wärme entspannt zusätzlich.
Dieser Zauber ist nicht für den Kampf geeignet und stellt auch keine Heilbehandlung dar, sondern dient der Entspannung.

Magieart 2




Waffen


Klingenwaffen Grad I

Kookaburra
GATTUNG: Klingenwaffen
TYP: Dolchmesser
BESITZER: Robyn
BESCHREIBUNG: Ein Messer mit Dolchheft, hergestellt vom Schmied des Vertrauens der Familie Skuggi. Die geschwärzte Stahlklinge ist 16 cm lang. Gemeinsam mit dem Griff aus beträgt die Länge der Waffe 28 cm. Der Griff besteht aus Ebenholz und wurde mit demselben schwarzen Leder umwickelt, aus dem die Scheide besteht. Diese ist dank mehrerer Schlaufen flexibel an Gurten und Gürteln anbringbar, sei es nun waagerecht oder senkrecht. Eine unscheinbare Besonderheit des Schwertheftes ist sein Hohlraum, in dem beispielsweise Papier oder geringe Mengen Flüssigkeit aufbewahrt werden können. Die Klinge des Messers ist einseitig scharf und ebenmäßig geschliffen, besitzt jedoch eine ebenso scharfe, 10 cm lange Sägezahnung im Rücken.


Fernwaffen: Grad I

Common Kingfisher
GATTUNG: Fernkampfwaffen
TYP: Bogen
BESITZER: Robyn
BESCHREIBUNG: Bei Common Kingfisher handelt es sich um einen schlichten, 128 cm langen Bogen, hergestellt aus dunkelbraun-rötlichen, äußerst stabilen und flexiblen Ahorn. Der Bogen lässt sich in drei Teile zerlegen – Mittelstück und zwei Wurfarme, welche in die metallenen Halterungen des Mittelstücks gesteckt werden. Dadurch vereinfacht sich der Transport des Bogens.
Der Köcher besteht aus schwarzem Leder und wird auf dem Rücken befestigt. Er besitzt eine aufgesetzte Kappe, um die Pfeile wetterfest aufbewahren zu können. Im Köcher befindet sich außerdem ein Fach, in dem die Einzelteile des Bogens aufbewahrt werden können.



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